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Jüdische Rundschau · 1938-01-14 · Heft 4 (14.1.1938) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 4 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4, 14.1.1938 Gemeinschaftshaus in Hamburg Die Eröffnungsfeier Aus einem Hause, das schon früher jüdischen Zwecken gedient hatte, darin verkauft worden war und vor etwa einem Jahre wieder /urückgckauft werde!! konnte, ist durch umfassenden Umbau das neue ,,Jüdische (rem eins c h a f t s h a u s״ in I iamlnirg geschaffen worden. Die Architckten Dr. Block, Höchte hi und (ierson haben ein Meisterwerk vollbracht. Wahrend früher das Haus wegen seiner Unzulänglichkeit und Uinvulinliclikeit verkauft werden mußte, zeigt es steh heute als ein gesehmackvolles Heim. Die freundliche, unauiiällige AuBenansicht, die behagliche Iniietiano!(Imin;;' und die ebenso praktische wie angenehme Einteilung der Räume versprechen, das Haus zu einem wahren Gemeinschattshaus für die jüdischen Institutionen Hambtirgs zu machen. Den Mittelpunkt bildet der Theater- Saal, der im Parterre und iin Rang für etwa 450 Besucher bequeme Sitzplätze bietet. Die entscheidende Wendung im jüdischen Kunstleben I lambtirgs gibt aber die mit allen technischen Behelfen ausgestattete B u!1 n e, die endlich einen regelrechten Theaterhetrieh ermöglich;. Der ganze Theater- Saal wirkt nun wie ein schönes, intimes Kammerspicl-Theatcr, das aber auch für!.!chtbild-Voiträge und bilmvorfuhrungen Und sonstige Veranstaltungen größerer Art zugänglich und geeignet sein wird, i las 1 {,ms enthalt v. eit׳ r einen Vortragsaal für etwa '200 l’e! sonn!, einen II1 b! i ut he k s ■ rau m (leider noch ohne Bibliothek) und inchiere kleinere Zimmer 1'iir^ Arbi ilsgriueiiiseiutten. Das Parti i n nimmt nebst gangspforte des [laue,׳., d e M- ״usa anuocldagcii, den ersten Schlag führte Max W a r 1> 11 r 1 , Die ^olt'i/u He I.1׳o!;1u1:1. -1 er iui '1 lieatersaal leitete der dem 1011. 1’r'ibn von Mi!!.IcDv.din ein. Der Chur hot eine prächtige I ז :-uw, , die w;1 ■-!> crhuniliciter wirkte, als mit eine erfüllt: der Ban hat wirklich viel mehr gekostet, als Mithilfe. Das f laus -ul! allen judisehi 11 Gemeinschaften Hamburgs dienen, es soll eine Bern- und Kulturstätte sein. In erster Reihe wird eihm Kulturbund gewidmet werden, für einen geregelten I iicaterbetrieb, der auch jüdischen Stücken dienen soll. Auch die anderen Räume des Hauses, insbesondere der Vortrags-aal, dieser besonders für die Veranstaltunsgen des J 11 11 1 s c 11 e 11 L e 11 r h a uscs gedacht, sollen den Juden Hamburgs eine Stätte friedlicher Sa mmhing werden. — Julius Köhler sprach hierauf Verse von Bialik in meisterlicher Art. Dr. Ernst l.oewenherg sprach im Namen des Jüdischen Religionsvcrbandes (so heißt die jüdische Gemeinde Hamburg seit dem 1. Januar). Es sei ein glückverheißendes Urnen, daß der Religionsverhand unter seinem neuen Xanten als erste off entliehe Handlung die Eriiifmimg dieser Kulturstätte vornehmen darf. Er begrüßte die Vertreter der Rcichsvertretung der Juden in Deutschland (Dr. Branz Meyer), des Reichsverbandes jüdischer Kulturhunde in Deutschland (Dr. Kurt Singer), auswärtiger jüdischer Kulturbünde und anderer Korporationen. Er dankte weiter dem Jüdischen Kulturbund^ für seine biseiner ausgezeichneten Wiedergahe des di, l'saims von Salomone Rossi. Der Abend brachte dann eine Aufführung von ״Romeo Rudolf Samson, den! \ orsil/unku des Jüdischen Kulturbundes in 1 laiuburw Br dankte inshi sondere im Namen des Kulturbundes für den Bau. Y«u 5 Jahren habe die ,,Künstler׳ grunpi '111 1 1 1 1 י I I 1 1 ti n b ' den Männern, die in er-teMA״!״!• die-e Fiuwicklung ermüglichten, den administrativen und kiin-tleri'-ehcn Leitern I )r. O 0 w a und Dr. B 11 x b a um, den Schauspielern, Musikern und anderen Künstlern, deren Zusammenarbeit die Wirksamkeit des Hamburger Kulturbundes weit über Hamburgs Grenzen hinaus reichen ließ. Nun hob sich der Vorhang vor Shakespeares Liebesdrama. Es erklang in der Uebcrsetzung unserer lieimisehen Dichterin Terese Robinson, erklang wirklich -־ denn das Wesentliche der neuen Uebcrsetzung scheint die Klangmusik der Sprache zu sein, Hans Buxbauni konnte endlich, nach den Jahren der Enge, in rechtem Rahmen Regie führen. Dali er diese erste Aufgabe mit aller Hingabe lösen würde, war zu hoffen, doch er Überhot alle Lrwartungen. Das stets stimmungsvolle, die reicheren Möglichkeiten klug ausnutzende Bühnenbild stammte von Hans Sondh c i m e r, die stilgemäßen, schönen Kostüme von Kate Friedheim; Oswald Behrens untermalte einige Stellen zu haben in den guten Fachgeschäften wienaturqemässe Tnssbekleidunq j mit zarter Musik, Harry Blumenthal hatte die technische Leitung. Die Darstellung hatte ihren Mittelpunkt in dem Romeo־ Hans Heinz Friede b erg s. Der junge Künstler zeigte eine junge, rührende, dabei männliche Verkörperung des glücklich-unglücklich Liebenden, er fesselte das Publikum vom ersten bis zum letzten Wort, und bot eine hochstehende Leistung. Die Julia Ruth Manheim ers war ihm eine würdige Partnerin, sie nahm in lyrischen Szenen gefangen, in dramatischen möge sie sich vor Uebcrstcigerung ihrer Stimme hüten. Uebcrlegen gestaltete Julius Ko bl er den Capulet, als Mercutio konnte man den ausgezeichneten Sprecher und Schauspieler Fritz Melchior begrüßen. Der Tyhalt Rolf W. Fcldhcims war allzu düster angelegt, doch in dieser Auffassung einheitlich durchgeführt, ebenso der Bruder Lorenzo von Max Koninski als gütiger Greis. Mela K r o h 11 war eine ktug-iiberlegene Gräfin Capniet, Erna (lohn eme derbkomische Amme, die die Szene beherrschte. Unter den Darstellern kleinerer Rollen ist mit besonderem Lob Kurt Schindler für sein würdiges Spiel und Sprechen zu nennen. Es ist nicht zuletzt sein Verdienst, daß am Schlüsse langes, ergriffenes Schweigen herrschte, ehe die Stürme des Beifalls einsetzten. Leon Kornitzer Uraufführung in Leipzig Variation und Fuge Ober ״Moaus zur" Im Leipziger Collegium musicum gelangte ein Werk seines Dirigenten Barnet Licht: Variationen und Fuge über ״Moaus zur“ unter Leitung des Komponisten zur Uraufführung. Das Werk ist für Streichorchester, Flöten, Klavier und Harmonium gesetzt und bringt sieben Figuralvariationen, nach welchen eine achte, im freien Stil, zur Fuge überleitet. Das Thema ist für Variationen sehr geeignet; schon die vier ersten Noten, die eine fallende und eine steigende Quart bilden, sind anregend. Sie geben auch das Material, aus dem sicli die Fuge aufhaut, und in der 4. Variation erscheinen sie im Marsch als leibhaftiges Zitat aus dem 3. Satz von Tschaikovvskvs Pathetischer Symphonie. Etwas mehr .an Mannigfaltigkeit wäre vorteilhaft; so vermißten wir eine Variation in •:B, einem Takt, der sehr ergiebig an nmsikalisehen Reizen ist, und auch die Harmonisierung des Themas könnte etwas beweglicher sein —• doch sind dies unveesentliehe Ausstellungen. Die kontrapunktliche Arbeit ist sauber 11 na durchsichtig, die Gegenüberstellung der Klanggruppen von guter Wirkung, und die Wiederkehr des vergrößerten Themas in den tiefen Streichern schließt das Werk effektvoll ah. Die Besetzung bildet auch fiir kleinere Orchester keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. — Als Solist er- Der Umfang des Beschält!gungsverbots Der Begriff der Haushaltsarbeiten Zu dem Beschäftigungsverbot des Blutscliulzgesetzes, nach welchem Juden weibliche Staatsangehörige deutschen oiler artverwandten Blutes unter 45 Jahren in ihrem Haushalt nicht beschäftigen dürfen, gibt § 12 der 1. Ausführungsverordnung die nähere Bestimmung, daß im Haushalt beschäftigt ist, wer im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses i!1 die Hausgemeinschaft aufgenommen ist «1er ״wer mit alltäglichen Haushaltsarbeiten oder anderen alltäglichen, mit dem Haushalt in Verbindung stehenden Arbeiten beschäftigt ist“. Zur Auslegung dieser letzteren Alternative des Verbots trifft ein Urteil des Reichsgerichts vom 22. Novernber 1937 praktisch wichtige Entscheidungen. Es handelte sich um ein Strafverfahren gegen drei jüdische Angeklagte, ein Ehepaar und den Vater der Ehefrau. Schwiegervater und Schwiegersohn sind Inhaber eines Ladengesehäftes für Kleiderstoffe und Kurzwaren, die Ehefrau arbeitet im Geschäft mit. In einem anderen Hause führen sie in einer 4>,״-Zimmer-Wohnung einen gemeinsamen Haushalt, in dem eine jüdische Hausangestellte tätig ist. Die im Ladengeschäft tätigen 16- und 17jährigen beiden arischen Lehrmädchen wurden in der Zeit vom 1. April bis August 1936 auch mit gewissen mit dem Haushalt zusammenhängenden Arbeiten beschäftigt. Dies führte z.ur Anklage und Verurteilung der drei Angeklagten wegen Verstoß gegen das Beschäftigungsverbot des Blutschutzgesetzes. Das die Revisionen der Angeklagten zurückweisende Reichsgerichtsurteil betont, daß unter ,,Haushaltsarbeiten“ solche Arbeiten zu verstehen sind, die sachlich Zwecken des Haushalts dienen und im Regelfälle von der Hausfrau seihst erledigt werden oder zu deren Erledigung sie sich einer Hilfe bedient. Es genügt, daß die Arbeiten mit dem Haushalt irgendwie in Verbindung stehen. Eine räumliche Verbimhmg ist dabei nicht erforderlich. Zum Flaggenverbot des Blutschutzgeselzes Nach § 4 BiutSchG. ist Juden das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichsfarben verboten. Ein Gerichtsurteil hat entschieden, daß der Verkauf von Fahnen und S y in 'b o 1 e n der nationalsoziali s t i s c 11 e 11 Be w e״un g d u r c h Juden ebenso strafbar ist wie das Hissen und Zeigen der Fahnen, wenn auch das Gesetz den Verkauf nicht ausdrücklich erwähnt. Das Gesetz geht davon aus, daß ein Hissen und Zeigen der Flaggen und Fahnen durch Juden, also Personen, die in keinem inneren Verhältnis zu den Symbolen der Bewegung stehen, ja ihnen sogar feindlich gegenüberstehen, eine die Ehre der Bewegung verletzende Handlung ist. Eine noch größere Herab- Würdigung dieser Symbole stellt es dar, wenn sie von Juden als Handelsobjekt benutzt werden. Man muß daher auch in dem Verkauf der Fahnen und Symbole durch Juden eine die Ehre der Bewegung und damit des deutschen Volkes verletzende Handlung erblicken. Das Urteil sprach demgemäß die Bestrafung des Angeklagten und die Einziehung eines größeren Bestandes an Fahnen und Flaggen aus. schien der Pianist Erich L a n d e r c r, der in der Sonate H-Moll von Chopin und einigen Stücken von Liszt und de Falka eine stupende Technik zeigte. — Ein geschickt zusammengestellter Heine-Abend wandelte in einem Vortrag (Gerhard Walter Rosen ha um) den Lebensetappen des Dichters nach, die illustriert wurden durch Lieder (Ruth K i s c h -Ar 11 d t) und Rezitationen (Otto B e r n s t e i n). Kurt H eine m a n n begleitete ausgezeichnet. — Das Hamburger Schauspielensemble brachte Scholen! Alejchems ״Ainclia“ in der Inszenierung Hans B 11 x b a u 111 s. Max Koninski fand für die schwierige Rolle des Seliimele den richtigen Ton, und Julius Köhler stellte als Schadchen eine prachtvolle Figur. Dr. R a b i n o w i t z Der Neujahrs tag der Bäu ine Zum 15. Sdivuit (17. Januar) Vier Jahresanfänge kannte da-, alte Israel zur Zeit, da es noch als erdgcimndcncs Volk auf eigener Scholle lebte. In! Frühlingsmonat Nissan, in welchem einst die Fesseln der ägyptischen Knecht-,chait fielen, begann das^ j a 11 r der diesem Tage ab zählte man das Rcgici ungsjahr des jeweiligen Königs. Der erste Ein! galt als Neujahrstag für den Maasscr (Zehnten) der Tiere. Am I. I isehri war das R o s e 1111 a s e h a n a h für Ablaß und Jubeljahr e. Da verkündete Posannenschall den Einzug des Jahres, damit jeder sein Besitztum zurückerlangte und den Sklaven und Mägden die ITeiheit geschenkt wurde. Das letzte Roschhaschanah beging inan am C h a m i sc 11 a h - A s s a r b’Schwat, dem N c u j a 11 r s t a g der B ä 11 in e. Um diese Zeit, erwähnt der Talmud (R. 11. 14), war die Regensepoche des Jahres fast vorüber; der Saft quoll in den Bäumen empor, so daß sie Knospen trieben, und die Bauern zogen hinaus aut ihre Felder, um Bäume zu pflanzen. Zur Zeit des 2. Tempels war dieser Tag ein Volksfest. Ini Traktat Taanith 4 finden wir, daß damals die Töchter Jerusalems in weiße Gewänder gekleidet unter frohliehen Reigentänzen in die Weinberge wanderten und zu den Jünglingen sprachen: ״Erhebe Deine Augen, Jüngling, und siehe, was Du Dir erwählst. Nicht auf Schönheit richte Deinen Blick, sondern auf Familie. Trügerisch ist die An-!mit und eitel die Schönheit, nur die gottesiiirchtigc Frau wird gepriesen.“ Nachdem der Tempel zerstört und der heimatliche Boden dem jüdischen Volk entrissen war und nadidem also der eigentliche Anlaß dieses Festes nicht mehr vorhanden war, hat dennoch die Tradition seine tiefe Bedeutung für die späteren Generationen bewahrt, indem sie seine Bräuche in eine andere Form goß. Denn der Selbsterhaltungstrieb des Volkes erfordert das Festhalten an der Eigenart und das Pflegen aller Ausdrucks formen des Volkstums. So lebte in der (iolah das Neujahrsfest der Bäume fort durch die Sitte, an ihm 15 Arten von l'riiditen des Landes zu genießen. Die sephardischen Gelehrten pflegten sich in der Nacht des Chainischah Assar b’Schwat in ihren Lehrhäusern zu versammeln und nusgewä hltt* Abschnitte aus der Thora, den Propheten, der Mischnah, des Talmud und des Sohar zu lernen, nämlich solche, die von Bäumen, Früchten und Getreide und den damit verbundenen religionsgesetzlicheu Vorschriften handeln. Dieses Studium wahrte die ganze Nacht, wobei sie zwischendurch einzelne Früchte, besonders solche aus Erez Israel, genossen. Jeder aß eine andere Frucht und sagte den entsprechenden Segensspruch. Auch tranken sie Rot- und Weißwein, der nach bestimmtem Brauch gemischt war. Die Lernabschnitte, sowie die dahei beobachteten Sitten und Bräuche sind in dem Buch ״Peri Ez Hadar“, einer Agada zu Chamischa Assar b’Schwat, erschienen in Livorno im Jahre 1723, zusammengefaßt. Aber auch Bücher von ganz anderer Art künden von dem Neujahrstag der Bäume. Die jüdischen Sänger des goldenen Zeitalters in Spanien, Rabbi Jeluula al Harizi, Rabbi Abraham ihn Esra und Rabbi Imanuel Haroini verherrlichen, jeder auf seine Weise, dieses Fest. Sowohl in der Dichtung als auch im Leben des jüdischen Volkes nimmt also der Ncujahrstag der Bäume einen wes entliehen Raum ein, und erst wenn wir uns vergegenwärtigen, welche tiefe Bedeutung der B a u 111 für den Juden hat, wird uns diese Tatsache in ihrem ganzen Umfange verstündlich. Der Baum gait nicht allein als die fruchttragende und schattenspendende Pflanze, sondern auch als Symbol des Lebens. So wurde bei der Geburt eines Knaben eine Zeder, bei der Gehurt eines Mädchens eine Akazie gepflanzt mul am Hochzeitstage wurden beide Bäume gefällt und für die Chupah verwandt (Gittin 57). Die Bibel vergleicht den Menschen mit dem Baume und gebietet den Schutz der Obs(- bäume selbst im Feindesland (Deut. 20,19). Der Prophet Ezechiel erblickt in der mächtigen fruchttragenden Zeder das Bild des Volkes Israel (Ezech, 17). Der Psalmist preist den Gerechten, der wie eine Palme blühen und gleich der Zeder des Libanon emporragen wird (Psalm 92). In der klaren Erkenntnis der Kraft, die der Baum im Lehen des Volkes und des Landes darstellt, hat das neue Erez Israel den Brauch des Baumpflan/ens am Chamiseliah Assar b’Schwat wieder aufgenommen. Und so zogen im Jahre 1913 erstmalig wieder die Lehrer Jerusalems mit ihren Schülern, 1500 an der Zahl, nach Mozah. Dort pflanzten sie Bäume und labten sich an den Früchten des Landes zu Ehren des Tages. Seitdem wird alljährlich das Fest der Baum- Pflanzung mit großer Freude begangen. Zugleich wird dadurch für die Aufforstung des Landes, der sich neben anderen Aufgaben der Keren K a j e m c 111 gewidmet hat, ein wichtiger Beitrag geleistet. Dow Kantor. In Neapel wird an der Opera San Carlo die Wiederatifnahme der Oper ״Macbeth“ von E r n e s t Bloch vorbereitet. Das Werk wurde in Paris im!:ihre 19'()• uraufgeführt, ist aber seitdem, wie Kenner meinen, zu Pnrecht, in den Hintergrund getreten. Chamisdia Assar h’Sdiwat im zerstörten Chnkla Eine Erinnerung aus dem Jahre 1930 Am 15. Sehwat, dem Neujahrstag der Bäume, wenn der palästinensische Winter schon zur Neige geht und Frühlingsliifte wehen, ziehen die Kinder Erez Israels in die Natur hinaus, um Bäume zu pflanzen, während die Großen mit den Tijulim durchs Land beginnen. Im Jahre 1930 war unser Ziel das zerstörte C h u I d a, das im Jahre 1929 so heldenhaft verteidigt wurde und wo Ephraim Z i s i k seine letzte Ruhe fand. Ueber Rischon, Ness-Zionah und Rechoboth, ■wo die Ruthenbcrg-Maste von Elektrizität und Fortschritt künden, über das noch rückständige Ekron, dessen halb arabisch aussehende Einstoekliausclien in der Türken/cit als ״moderne Stallungen“ erbaut werden mußten, über ansgetrocknete Wadis und lehmige Wege, wo selbst die Automobile versinken, näherten wir uns den Olivenhainen und dem Herzlwald des zerstörten Cliulda. An der Stelle, wo früher der große ״Goren“ stand, sind nur schwarze durchgebrannte Erde und Asche zu sehen und vom ,,Chadar-Haochel“ und seinen Nebenräumen sind bloß halbe Wände übriggeblieben. Wohin das Auge schaut, überall Spuren von Brand und Zerstörung, von Rost zerfressenc Maschinenbestaiidtcile und von Gewehrkugeln durchlöcherte Wände. Während die Chukia-Leute draußen die Felder bestellten, waren die zwei Brüder Zisiks und einige seiner Getreuen damit beschäftigt, am 15. Schwai Cypressen um Ephraims Grab zu pflanzen, ohne selbst die Fragen neugieriger Touristen zu beantworten. Als das Pflanzen und die Umfriedungsarbeiten beendet waren, versammelten sich alle Teilnehmer um das Grab, ln erbitterten Worten und mit tränenwürgender Stimme beklagte sich Zisiks älterer Bruder, daß Chulda noch immer wüst und unaufgebaut dastehe. Als dann Barasch, der Führer des Ausflugs, dem Toten einige Worte des Gedenkens widmen wollte, bat ihn Zisiks Bruder, davon abzuschcn. Es wird — sagte er — mehr im Sinne Ephraims sein, wenn wir aut seinem Grabe etwas singen werden! Stumm ergriffen standen Hunderte um das Grab und wagten nicht die Stille zu unterbrechen, bis endlich Ephraims Bruder mit kaum hörbarer Stimme, von Tränen erstickt, die Anfangsworte der ״Hatikwah“ lispelte, worauf alle mit gedämpften Stimmen und tr,inenden Auges das Lied der Hoffnung sangen und sich lautlos zerstreuten. — Und nun wird in unseren Tagen Chulda neu auf gebaut. Simon Mene zer (Tel Aviv)

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