Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4, 14. 1.1938 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Der Rückgang: der österreichischen Juden Von unserem Berichterstatter J, R,, Wien, im Januar ln Wien . . . Wir haben bereits darüber berichtet, daß einige Wiener Zeitungen im Zusammenhang mit den antijüdischen Maß■ nahmen in Polen und zuletzt in Rumänien die Aufmerksamkeit der Oeffentliclikeit auf eine verstärkte jüdische E i n \v anderung aus dem Osten nach Oesterreich gelenkt haben. Einige Zahlen, amtlichen Statistiken entnommen, mögen gegenüber jenen Behauptungen von ״jüdischer Ueberflutung“ Oesterreichs zeigen, wie die österreichische und Wiener Judenschaft von Jahr zu Jahr ständig zurückgeht. Schon sind Statistiker an der Arbeit, die ziffernmäßig errechnen, wann das letzte jüdische Schulkind in Wien zur Schule gehen wird. Ist doch erst jüngst auf Grund von Berechnungen des Matrikenamtes der Wiener Kultusgemeinde festgestellt worden, daß beim Anhalten des derzeitigen Bevölkerungsrückganges in zwei Jahren, also im Jahre 1940, kaum 610 jüdische Kinder die erste Volksschulkiasse besuchen werden, gegenüber einer Frequenz von 1000 im Jahre 1937 und 1330 im Jahre 1933. Schon die vor einiger Zeit vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten Bevölkerungsziffern haben ein geradezu katastrophales Bild vom stetigen Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich, insbesondere natürlich in Wien, wo sie von über 200 00(1 auf 176 000 Köpfe zurückgefallen ist, gezeigt. Inzwischen ist auch dieser Tiefstand durch den in den letzten Jahren mit 2000—2800 angegebenen jährlichen Rückgang auf gegenwärtig 16S 000 Seelen weiter gesunken. Nach dem Ergebnis der Volkszählung des Jahres 1923 wohnten im österreichischen Bundesgebiet insgesamt 220200 Juden, und zwar in Wien 201513 und in allen Bundesländern zusammengenonimen 18 605. Die letzte Volkszählung, die in Oesterreich im Jahre 1934 dnrehgeführt wurde, wies bereits eine jüdische Gesamthcvölkerung im österreichischen Bundesgebiet von bloß 191481 und also einen Abgang von 28 727 Seelen oder 13,1 ׳',<> auf. Davon entfiel auf Wien mit seiner damaligen Judenzahl von 176 034 ein Abgang von 25 479, auf die Bundesländer, die insgesamt 15 447 jüdische Einwohner hatten, ein Abgang von 3248. Innerhalb von elf Jahren betrug also die Verminderung der jüdischen Bevölkerung in Wien 12,6 90, in den Bundesländern sogar 17,3 ״ö. . . . und In der Provinz Dabei sind die Zahlcndctails der österreichischen Provinz besonders interessant: Die 15 447 österreichischen Provinzjuden verteilen sich auf acht Bundesländer. So leben gegenwärtig in N i e d e r ö s t e r r e i c h, der judenreichsten österreichischen Provinz, 7716, im Burgenland 3632, in der Steiermark 2195, in O h e r ö s t e rr e i e h S66, in Salzburg 239, in Kärnten 269, in Tirol 365 und in V o r a r 1 b e r g 42 Juden. Die Ursachen dieses Abbröckelungsprozesses in der österreichischen Judenschaft sind wohl mannigfaltiger Art. Liegen sie auch vornehmlich in der fortschreitenden Vergreisung der jüdischen Bevölkerung, der damit verbundenen hohen Sterblichkeitsziffer, der eine unheimlich niedrige Geburtenziffer gegenübersteht, so ist doch als Ocsaratmotiv dieses Zusammenschrumpfens der österreichischen Judenschaft das seit fast anderthalb Jahrzehnten vollständige Verebben jeglicher jüdischen Zuwanderung nach Oesterreich zu bezeichnen. Diese Tatsache kommt auch sehr deutlich in der Bevvegung der Kultussteuerträger zum Ausdruck. Auch hier ist der Rückgang ein außerordentlicher. So waren bei den im November 1936 in Wien durcligefülirten Kultusgemeindewalilen insgesamt 45 000 jüdische Männer und Frauen wahlberechtigt. Diese Zahl, die nicht einmal ein Viertcl der jüdischen Bevölkerung umfaßte, war dennoch um 9000 weniger gegenüber den 54000 Kultuswählcrn der vorletzten Wahlen im Jahre 1932. Hier liegen die Ursachen des Rückganges außer den bereits angeführten allgemeinen Umständen in der Abwanderung von Juden aus Oesterreich, also einerseits in der R ii ck Wanderung von Ostjuden und andererseits Auswanderung nach Palästina und in andere Ueherseestaaten. Freilich darf hierbei auch nicht die fortschreitende V e r a r ni u n g der jüdischen Bevälkerung Wiens übersehen werden, die einen empfindlichen Abstrich an Kultussteuer׳Zahlungen gerade in den letzten Krisenjahren notwendig machte. Folgende Zahlen demonstrieren am deutlichsten den Prozeß der Verarmung des jüdischen Mittelstandes, der es mit sich gebracht hat, daß die Zahl der Steuerzahler seit Beginn des Jahres 1929 um ein Viertel, also von 60 (XX) auf '45 000 im Jahre 1936, gesunken Dt. Das abgelaufene Jahr 1937 hat auch diese Zahl der Zensiten nicht mehr erreichen können, weist aber im Fürsorgekataster die Ziffer von 65 000 Unterstützten auf. Kurt Blumenleld in Wien Von Palästina kommend, traf Kurt Blumenfeld dieser Tage in Wien ein, wo er etwa zwei Wochen bleiben dürfte. Der Aufenthalt Bhimenfelds, der in den letzten zwei Jahren einige Male Oesterreich besuchte und hier die Mifal- Bizzaron-Aktion erfolgreich organisierte, hängt auch diesmal mit der Neuorganisierung der Keren Hajessod-Aktion in Wien zusammen. In einem vom österreichischen Keren Hajessod im Hotel Metropole veranstalteten Presseempfang, zu dem fast alle großen Wiener Tageblätter ihre Vertreter entsandt hatten, gab Blumenfeld aufschlußreiche Informationen über die gegenwärtige politische Lage Palästinas, die insbesondere für die allgemeine Presse von Interesse waren. Blumenfelds Bericht klang schließlich in den Appell an die Presse aus, doch nicht ausschließlich in ihren Palästina-Berichten von Terror und Unruhen zu sprechen, wodurch der Eindruck erweckt werde, als ob Palästina eiii Schauplatz eines blutigen Bürgerkrieges sei. Ohne Beschönigungsvcrsuche und ohne die Terrorakte mit ihren sicherlich schweren Opfern in Abrede stellen zu wollen, stellt Blumenfeld mit Nachdruck fest, daß in Palästina das Leben zum überwiegenden Teile seinen normalen Ablauf nehme, da die Judenheit Palästinas in keiner Weise entmutigt sei. Vie k '־,rtjahrfeler der Englischen Bibel. Aus London wird uns geschrieben: Im Juni 1938 sind es 400 Jahre, seit zum ersten Male die Bibel in England gedruckt wurde und das Gebot ausging von König Heinrich VIII. an alle Kirchenfemeinden Englands: ״Ihr sollt die Bibel in Englischer prache Euch anschaffen und auslegen in Euren Kirchen, so daß ein jeglicher leicht dazu kommen und lesen kann.“ Die Erinnerung an dieses Ereignis würdig zu begehen, hat ein Reichsausschuß aller Kirchen sich gebildet: Festwochen sind geplant und als Höhepunkt aller Feiern am 19. Juni ein Dankgottesdienst in der St. Pauls-Kathedrale in London, dem wahrscheinlich auch der König und die Königin beiwohnen werden. Die Rcichsrundfunkgesellschaft hat für März eine besondere Vortragsreihe angesagt über ״Die Pracht der Bibel". Einen dieser Vorträge soll der Arbeitsminister halten, der selbst Laienprediger ist. Diskussionen in Ungarn Judenfrage und Wahlrechtsreform Von unserem Berichterstatter Budapest, 12. Januar Am vorletzten Tage des vergangenen Jahres hat die ungarische Regierung die dritte der drei verfassungsändernden Gesetzentwürfe, die Vorlage über das geheime Wahlrecht, dem Parlament unterbreitet. Seither beherrscht die Debatte über dieses Problem fast mit Ausschließlichkeit die Politik. Vom Standpunkt des Judentums dürfte die Vorläge — auch nach den zu erwartenden Korrekturen — kaum von größerer Bedeutung werden. 111 der Debatte über die Vorläge spielt dennoch auch die Juden frage ihre Rolle. Der ehemalige Ministerpräsident, Graf Stefan B et h I en, warnt in einer Weilmachtsbetraditung vor manchen Gefahren übertriebener Demokratie, so vor dem ״Vordringen solcher Eiemente, die im Zeichen des Antisemitismus all das zu zerstören geneigt sein werden, worauf die auf dem Privateigentum beruhende kapitalistische, bürgerliche Ordnung aufgebaut ist.‘‘ Weniger klar ist der Standpunkt l)r. Tibor Eckhardts, des Führers der Kleinlandwirtepartei, der in seiner Neujahrsansprache au die Partei, wieder, wie so oft, gegen den Antisemilisimis Stellung nahm, aber es notwendig fand zu betonen, daß ״sich in den letzten Monaten die Verteilung des Volkseinkommens geradezu katastrophal gestaltete und ein Teil dieser Einkünfte eben in jüdische Hände übergegangen ist. Wir müssen also die Ursache aus der Welt schaffen, durch die die antisemitische Strömung hervorgerufen wurde und immer neue Nahrung erhält.“ In den Budaer Bergen kam es zwischen Pfeilkreuzlern und Skiläufern zu Zwischenfällen. Etwa 30 junge Bursehen, mit Knüppeln und Stöcken bewaffnet, kamen aut das Skigelände. Die Burschen, die teils die grünen Hemden, teils die Abzeichen der Pfeilkreuzler trugen, stürzten sich auf die Sportleute und begannen unter antijüdischen Ausrufen und Schmähungen sie zu verprügeln. Sie drangen auch in die Wärmestube ein, wo sie auch Frauen und Mädchen insultierteil. Die Nachricht von dein Anschlag verbreitete sich rasch, und cs versammelten sich einige Dutzend Skiläufer vor der Wärmcstuhc und gingen gegen die Störenfriede vor. Die Pfeilkreuzler wurden, als sie die Wärmestube verlassen wollten, mit Skistöcken und Baumästen verprügelt. Dabei gab es Verwundete. Die Wachabteilung schritt sofort nach ihrer Ankunft energisch ein und veranstaltete im Walde auf die Fluchtenden eine Jagd. Nach einer halben Stunde konnten von den 30 Attentätern 13 aufgegriffen und zur Polizei gebracht werden. Schriftsteller jubiläen Avigdor H a m e 1 r i s Dichterjubiläum, über dessen Tel- Aviver Feier die ״J. R.“ berichtete, blieb natürlich auch in seiner allen Heimat nicht unbemerkt. Hat Hameiri ja als Albert F e u e r s t e i n - K o v a in ungarischer Sprache seine ersten Dichtungen und Abhandlungen geschrieben, wiewohl er bercits 1910 den Versuch machte, in Budapest eine hebräische Zeitschrift ״Hajehudi“ herauszugeben. Während des Krieges und dann in Palästina begann er mit der Uebcrtragung der ungarischen Klassiker ins Hebräische. Für die Uebersetzung des ״ungarischen Faust“, der ״Tragödie des Menschen“ von M adäch, sowie der schönsten Gedichte Pctöfis, Adys, auch Patais wurde er von der Akademie der Wissenschaften mit der größten Anerkennung ausgezeichnet. Anläßlich des Jubiläums wird die Pro Palästina-Vereinigung ihren nächsten Vortragsabend den Werken Hameiris widmen, die von den besten Künstlern der Stadt vorgetragen werden sollen. ״Mult es Jövö“, die illustrierte Zeitschrift Dr. Patais aber veröffentlieht Teile aus dem jüngsten Werk des Dichters über ״Jossele Teglasciier“: eine historische Gestalt aus dem Ende des IS. Jahrhunderts. Der Uebersetzer dieses Gedichtes, das demnächst in Jerusaieni herauskommen soll, P a t a i, ist ebenfalls Jubilar. Gelegentlich seines 30jährigc11 Jubiläums erscheinen seine ״Gesammelten Schriften“ in Neuauflage. Zur Zeit liegen zwei Bände vor: ״Kampf um die jüdische Kultur“, eine Sammlung von Aufsätzen, mit denen der Verfasser seit 1918 wiederholt in die Entwicklung der innerjudischen Verhältnisse citigegriffeit hat, und sein Werk ״Kabbala“, Geschichten im Sinne des Chassidismus. Das Buch, das in der Uebersetzung Dr. Leo Singers vor Jahren im Jüdischen Verlag erschienen ist, soll demnächst auch ins Slowakische und Serbische übersetzt werden. Aus Jerusalem hat I b 11 S a 11 a w von der Hebräischen Universität seinen neuesten Gedichtband: ״Schaar Ami“ Dr. Pnfai gewidmet. Der 60. Geburtstag Franz Molnärs am 12. Januar wird von der ungarischen und jüdischen Presse einerseits durch literarische Würdigungen, andererseits durch Reminiszenzen und Anekdoten, die sich auf die populäre Person des Dramatikers beziehen, gefeiert. Aus der zionistischen Arbeit Im Herzl-Saal des ZionNtischcu Landesverbandes begann eine auf 12 Abende vorgesehene Vorfragsserie über 5000״ Jahre jüdischer Kultur“, an der hervorragende junge Gelehrte teilnclimen werden. Auch ein neuer hebräischer Sprachkurs wurde ins Leben gerufen. Die Jugendgnippe ״Baris.-ia“ hat in Pecs (Fünfkirchen) mit vollem Lrfolg einen hebräischen Büchertag abgehalten. Eine andere Proviu/gemeinde, Hatvan, deren Vorsitzender, Dr. L.Fodnr, eine Broschüre über die aktuellen Fragen der jml. Tagespolitik veröffentlicht, hat als sowie die Wizo alljahrlieh ctatsmaßig zu unterstützen. — Vtex sitzenden wurde Generaldirektor Dr. Beb S z e g 0,zum geschäftsführendcn Präses Chefarzt Dr. Ed. Izsak gewählt, Laut Ausweis des Büro-־ zeigen die Einnahmen seither einen Aufschwung von 65 “״. Dr. S/eg ö hielt in der Pro Palästina- Vereinigung einen anregenden Vortrag über ״Die historischen Tage des Judentums“. Dr. A. F, Personalia aus Ungarn. Unser Budapcstcr Dr. A. F.« Berichterstatter schreibt uns: Am Neujahrstag verschied plötzlieh der bekannte Larvngoioue Prob Dr. Markus P a U n z, Chefarzt des staatlichen Stefänic-Kiiulerspitals und der Poliklinik, dem der Ausbau der Diphtherie-Schut/organisauon in Ungarn zu danken ist. Zur gleichen Zeit ist in Wien, nur 47 Jahre alt, eine Hoffnung der ungarischen Geschichfsforschung, Oberregierungsrat Dr. Ludwig S t e i e r, an den Folgen einer Operation gestorben. Steiner war besonders in der Nationalitätcnfrage Spezialist. — Der ehemalige Hörer des Rabbinerseminars, Wilhelm Braun, gewann den von den ״Freunden der klassischen Kultur“ (Parthenon) gestifteten Preis für griechische Sprache; ein Schüler der VII. Klasse des Jüdischen Gymnasiums, L. Weiß, den von einem hier weilenden englischen Diplomaten ausgeschriebenen Wettbewerb über das beste Referat in englischer Sprache. — Generalsekretär der Pester Israelitischen Gemeinde, Alexander E p p I e r, feiert das Jubiläum seiner 30jährigen Tätigkeit bei der Gemeinde. Jüdische Aerzte von der Wohlfahrtspraxis ausgeschlossen Die Bestimmungen über den Ausschluß der jüdischen Aerzte aus der Ersatzkassentütigkcit haben die weitere Folge, daß die Tätigkeit der jüdischen Aerzte auch für die Wohlfahrt und eine Reihe weiterer nichtgesetzlicher Krankenkassen aufhört. Bei diesen Kassen und bei der wohlfahrtsärztlichen Tätigkeit wird der Kreis der hierfür tätigen Aerzte durch die Zulassung zur Ersatzkassenpraxis bestimmt. Bei den weiteren Kassen handelt es sich um die Postbeamtenkasse, die Polizeikrankenkasse, die Sozialrentnerkassen der AEG., der Berliner Verkehrsgesellschaft, der Siemens-Werke und um das Reichs- Studentenwerk. Ein Teil dieser Kassen hatte bereits vorher jüdische Aerzte von der Behandlung ihrer Mitglieder ausgeschlossen. Montag, 17. Januar, 20.30 Uhr, in der Westend-Synagoge.Frciherr-vom-Stein-Str. Frankfurt a. M. Kundgebung der Jewish Agency und des Keren Hajessod Rabbiner Dr. Leo Baeck Dr. Michael Iraub ln der Stunde der Entscheidung Die Zukunft Erez Jisraels Begrüßung durch den Gemeindevorstand Musikalisdie Umrahmung durch das Orchester des Frankfurter Kulturbundes Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency und des Keren Hajessod Frankfurter Zionistische Vereinigung Kein Einwanderungsverbot für Juden in der Türkei Die türkische Nationalversammlung wies den Antrag des früheren Ministers für Landwirtschaft, Sabri Toprak, die Ein- Wanderung von Juden zu verbieten, zurück. Gedenkfeier für Feiwel London, 4. Januar. (Palcor.) Heute Nachmittag wurde im Konferenzzimmer der Zionistischen Büros in London eine Sitzung zum Gedächtnis Berthoki Feiwel abgchalten. Professor Brodetsky, Mr. Perlzweig, Dr. Nahum Goldmann und Dr. E. Olswanger hielten Ansprachen. Aenderung von Familiennamen Die Reichsregicrung hat ein Ges et/ über die Aendcrungvon F a m i 1 i e n 11 a m e n u n d V o r 111 ״ ״ e 11 erlassen, das mit dem I. Januar in Kraft getreten ist. Darin wird u. a. bestimmt, daß eine Namensänderung, die vor dem 1940 w״i‘d er r u f en werden kann, 'wenn diese Namensäude• ist, auch * diejenigen Personen den Namen,' die ihr Recht zur Führung dieses Namens von jenen Personen a bl cito 11; den Namen führen, der ihnen oder ihren Vorfahren vor der Namensänderung zusiand. Der Widerruf wird wirksam mit der Zustellung der Widerrufsvcrfügimg an denjenigen, dessen Name durch den Widerruf betroffen wird. Zum Widerruf einer Namensänderung ist der R c i c h s m i n i s t c r des Innern zuständig. ' Zur Bearbeitung der Anträge auf Aenderung des bat der Rcichsminister des Innern Richtlinien erlassen. Darin wird u. a. bestimmt, daß Anträgen von juden und Mischlingen, ihren Namen zu andern, grundsätzlich nicht statt gegeben wird, weil durch die Armierung des Namens die Abstämmling t|es Namensträgers verschleiert würde. Dagegen kann solchen Anträgen entsprochen werden, wenn der Antragsteller zwar einen geringfügigen jüdischen Bluteinschlag aufweist, aber nicht Mischling ist. Führen d e u t s c 11 b I ü t i g e P e r s o 11 e n j ii d i s c h e Namen, so kann Anträgen auf Aenderung dieser Namen statt״ gegeben werden. Welche Namen als ״jüdisch“ anzusehen sind, bestimmt sich nach der Auffassung der Allgemeinheit. Es gibt zahlreiche Familiennamen, die ihrem Ursprung nach deutsche Namen sind, in der Volksanscbammg aber als iudenn amen gelten, zum Beispiel Hirsch, Goklschniidt usw. Es gibt weiter zahlreiche biblische Namen, nie ebenfalls als typische Judennamen angesprochen werden, aber sowohl bei Juden wie bei Nichtjuden Vorkommen, wie Salomon, Israel, Moses usw. Zu den Judennamen würden auch häufig diejenigen gerechnet, die von dem Herkunftsort abgeleitet sind, wie Hamburger, Darmstädter, Krotoschiner. Dagegen körntten hierzu nicht Namen gerechnet werden, die zwar auch von Palti$ima.41n4 Berlin ER. 3IWISM A6ENCV FOR PALISTINE: Berlin W 15, Meinekestraße 10. Telefon: Sammel-Nummer 91 90 31. In Tcl Aviv ist eine Bibliothek für Schiffahrts-Angelegenheiten gegründet. Sie benötigt Bücher und Zeitschriften übet Schiffsbau, Schiffahrt, Hafenwesen, Fischfang, Schiffsmodelle und Karten vom Mittelmcer. Wir bitten jeden, der dazu in der Lage ist, der Bibliothek durch Spenden geeigneter Werke und Gegenstände behilflich zu sein. Die Spenden können beim Palästina-Amt zur Weitergabe abgeliefert werden.