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Jüdische Rundschau · 1938-01-07 · Heft 2 (7.1.1938) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 2 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2. 7. I. 1938 J0D1STHF P" CHAH Seile 11 Juden aus Deutschland siedeln ln der Artikelserie, die Siedlungen von Juden aus Deutschland in ihrem jetzigen Stadium, jast fünf Jahre seit Beginn der großen Auswanderung, beschreibt, jolgt auf die Beiträge in Nr. 93 und 98 (1937) der ״J. R." der folgende Bericht Uber eine besonders typische Siedlung von Juden aus Deutschland. (Red.) Ramoth-Haschawim ־ Die Siedlung Ramoth-Haschawim tritt in diesem Winter In ihr fünftes Lebensjahr. Gegründet von sieben Familien als Moschawah auf privatwirtschaftlicher Grundlage, schnell gewachsen durch Zuzug Einzelner, und zweimal planrn äßig fruppenweise erweitert — stets aus eigenen Mitteln der iealer — zählt sie heute 72 Familien mit 24’2 Personen, die Blick auf die Siedlung Hilfskräfte nicht gerechnet. 50 Familien sind wirtschaftlich in der von den ersten Siedlern gegründeten Kooperative ״El- Al“ zusammengeschlossen, 10 Familien in der Aufzucht- ׳Gesellschaft. Sie betreiben in erster Linie Hühnerwirtschaft, daneben Gemüsebau und Zitruskultur. Einge Siedler züchten auch Bienen, einige sind Handwerker. Drei Aerzte üben ihren Berut aus, einer davon in Tel Aviv. Sonst gibt cs noch: eine Milchwirtschaft mit vier Kühen, ein Hotel, ein Lebensmittel- Geschäft, ein Transportunternehmen. Etwa 35 Angestellte und Arbeiter finden in Ramoth-Haschawim dauernde Beschäftigung. Räumlich ist die Siedlung weit auseinandergezogen. Es gehören zu ihr 402 Dunam. Ein Teil des Bodens wurde bepflanzt mit Orangen und Grane,!!Os ii 1 en, ein Teil neu angepflanzt. Einige kleine' Parzellen tragen Wein. Ein Viertel des Bodens ist Gcmüscland. Die Häuser entsprechen einem von Anfang an eingeführten Typus, der für die umliegenden Orte vorbildlich geworden ist: Zwei- bis Dreizimmer-Häuser mit rotem Ziegeldach, dieses vorgezogen und gestützt, um beschatteten Raum zu gewinnen. In vier Jahren sind die Gärten hochgewachsen; die Reihen der roten Dächer, die in gleichen Abständen von einer Reihe weißgekalkter H ü h ־ nerhäuser begleitet werden, bilden inmitten der ausgedehnten Zitruspflanzungen das charakteristische Bild der Ortschaft. Die HOhnerzucht Die 50 in der Kooperative zusammengeschlossenen Hühnerfar m e n haben zur Zeit einen Bestand von etwa 33 000 Legehennen. Die eine halbe Stunde vom Zentrum der Siedlung entfernte Aufzucht arbeitet mit zwei Inkuba• toren, in die 36 000 Eier eingelegt werden können. In der letzten Saison wurden ISO 000 Eier ausgebrütet. Zum Verkauf gelangen alle Produkte der Hühnerwirtschaft, Eier (auch Bruteier), Küken, Hennen jeden Alters, Hähne, Dünger. Das Futtergeschäft der Kooperative geht über den Kreis der Siedlung hinaus. Die Futtermittel, in denen El-Al ein großes Lager unterhält, werden großenteils unmittelbar importiert. Die maschinelle Einrichtung wurde 1937 durch eine elek* trische Mühlenanlage mit Elevatoren ergänzt. Zwei Lastautos sind täglich unterwegs. Bei einem Stammkapital von £P23Ü0 und einem Reservefonds von £P 1000 betrug der Gesamt- Umsatz des Geschäftsjahres 1937 £P 42 000 (im Vorjahre £P 33 000). Die Liquidität war stets ausgezeichnet. Betriebskredite wurden nur vorübergehend in kleinen Beträgen zu mäßigem Zinssatz in Anspruch genommen. Der ^bsat/ der Hauptprodukte machte keine Schwierig• k eiten. Das ״Ramoth-Hasehawim-Ei“, das binnen 24 Stunden vom Stall zur Verkaufsstelle gelangt, ist längst ein Markenartikel geworden. Trotz dem großen Umsatz gingen an den Außenständen nur £P 10 verloren. Wirtschaftliche Schwierigkeiten Nicht ganz so befriedigend ist zur Zeit die Lage des einzelnen Siedlers. Die typische Einzelwirtschaft ist aufgebaut auf vier Dunam, von denen zwei für Haus und Hühnerfarm, zwei als Gemiiseboden Verwendung fanden (in den jüngeren Teilen der Siedlung, die in Pardcssim angelegt’ wurden, ist dieser Typ räumlich, jedoch nicht wesentlieh verändert). Der Durchschnittsertrag einer solchen Wirt- Schaft mit 600 Hühnern und Gemüse war in den ersten drei Jahren ausreichend zur Erhaltung der Existenz. Dieser Ertrag ist 1937 aus mannigfachen Gründen zuriiekgegangen. Ganz Palästina hatte — vielleicht klimatisch bedingt — ein schlechtes Legejahr. Zur Zeit ist die Eierproduktion wieder die gleiche wie in früheren Jahren, die Preise liegen jedoch um 20 »b unter denen der entsprechenden früheren Zeit. Beim Gemüse kam der Zusammenbruch der Preise zu Beginn der Haupternte. Die schwierige Lage der Zitruskultur verschlechterte die Absatzmöglichkeit und den Preis des Düngers. Die Futterpreise stiegen in der ersten Jahreshälfte entsprechend der Entwicklung am Weltmarkt. Unter diesen Umständen dürfte der Durchschnittsertrag der typisehen Wirtschaft im Jahre 1937 (genaue Zahlen liegen noch nicht vor) insgesamt um 40—50 0/0 zurückgegangen sein. — Für eine Reihe von Siedlern verbessert sich der Abschluß durch Nebeneinnahmen. Etwa zehn arbeiten gegen Vergütung im Betrieb der Kooperative als Vorstandsmitglieder, Lager- Verwalter, Chauffeure, Instruktoren (von der Kooperative selbst dazu ausgebildet). Die Aerzte und Handwerker wurden bereits erwähnt. Einige Siedler verfügen über Reserven. Immerhin bleibt eine Anzahl, für die in diesem Jahre die Die Probleme sind allgemeinerer Natur, als daß man sie von Ramoth-Haschawim aus lösen könnte. Es ist die D e - pression in der Stadt und die Anarchie in der Produktion, die auf das Land einwirken, Selbständig, wie man die Siedlung entwickelt hat, sucht man jedoch auch zur Behebung der Schwierigkeiten beizutragen. Es wird stets die Frage gestellt, ob durch eine Ver- .״ ... größer ung der Bodenfläche die Rentabilität günstig beeinflußt werden könne. Hierüber angeste''te Untersuchungen haben ergeben, d!ß eine solche Vergrößerung nur bei gleichzeitiger Einführung neuer Wirtschaftseweige (Milchwirtschaft z. B.) zweckmäßig sein würde. Hierzu wären aber neue erhebliche 1 n - vestitionen erforderlich. Wichtig wäre indessen die Hinzunahine von Rcserveflächen, um einen Teil des Bodens zeitweise ruhen zu lassen. — Im Rahmen der bestehenden Wirt- Schaft arbeitet man an einer weitereu Steigerung der Hühnerleistung durch Kauf von Zuchtstämmen im Ausland und systematische Auswahl. Das Experiment der Stallbelcuchtung nach amerikanischem Vorbild wird in einigen Wirtschaften ausnrobiert. Man sucht ferner zu einer Regelung des Qeniiiseabsatzes zu gelangen, und in Verbindung mit den maßgebenden Stellen des Landes die Marktlage durch Verträge mit den Importeuren zu beeinflussen. Schließlich versucht man neuerdings Foto: Brammer unmittelbaren Sorgen durch Gründring einer genossenschaftlichen D a rlehnskasse zu begegnen, für die sämtliche Siedler Aktien übernommen haben und an der sich auch die Jewish Agency beteiligen wird. Im übrigen muß der einzelne Siedler versuchen, seinen Etat den Umständen anzupassen, was angesichts der Vorbelastungen z. B. für Schulgeld (ein Kind monatlich £P 0.500), üeineindeabgaben (darunter die Ausgaben für die Hilfspolizei), Wasser (ein Kubikmeter 4 mils) bei aller Sparsamkeit nicht leicht fällt. Trotzdem ... Helmatt Trotz mancher Sorgen — die Mehrzahl der Siedler ist mit ihrem Leben zufrieden. Die Landschalt des Scharon mit ihren zmn Jarkongrund abfallenden Hügeln ist ihnen zur Heimat geworden. Ein Teil von ihnen hat geholfen, die Siedlung im eigentlichen Sinne des Wortes aufzubauen, und die Erinnerung an diese ״heroische Zeit“ hat die Bindungen untereinander verstärkt. Wer später dazu kam, wurde kooptiert. Man hat oft aufgezählt, wieviel Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute sich hier zusammengefunden haben, um ein neues Leben zu beginnen. Tatsächlich sind sämtliche Typen des bürgerlichen Juden aus Deutschland ver- Wauchope in Tel Aviv Große Staatsanleihen High Commissioner Sir Arthur Wauchope besuchte das neue ״Reading-Elektrizitätswerk“ in Tel Aviv sowie die in der Nähe liegenden Ausgrabungen eines antiken Hafens. Ferner besuchte er das Reilinson-Krankenhaus und Petach Tikwah. Er erklärte, daß er vor seiner Abreise von Palästina im Februar noch einmal nach Tel Aviv kommen werde, um offiziell Abschied zu nehmen. Im Verlauf von Unterhaltungen in Tel Aviv sagte Sir Arthur Wauchope, er habe dem Kolonialamt den Vorschlag unterbreitet, eine Staatsanleihe von 300 000 Pfund für O ran genpf lan« Zungen zu gewähren. Weiter teilte er mit, daß die Regierung eine (von uns bereits gemeldete — Red.) Staatsanleihe in Höhe von 1 75 000 Pfund für die Tel Aviver Stadtverwaltung genehmigt habe. Arbeitszwischenfall in Rechowoth Nachdem cs vor einigen Tagen zwischen jüdischen Arbeitern und einem Pflanzer in Petach Tikwah, der arabische Arbeiter an~/. teilt hatte, zu Streitereien gekommen war, forderten letzten Montag jüdische Arbeiter den jüdischen Pflanzer Michael Lewin in Rechowoth auf, jüdische Arbeiter an Stelle der arabischen Arbeiter zu beschäftigen. Als der Pflanzer ihre Forderungen abwies, warfen sic die Scheiben seines Hauses mit Steinen ein. Daraufhin feuerte der Pflanzer mit seinem Gewehr einige Schüsse in die Luft ab, worauf sich die Menge zerstreute. treten. Und die meisten von ihnen haben nicht nur landwirtschaftlich arbeiten gelernt, sondern auch landwirtschaftlich denken mit Naturheobaclitimg, Geduld und Ruhe. Die Siedler haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das sich in nachbarlicher Hilfsbereitschaft, Teilnahme an Familienfesten, aber auch in der Verwaltung der gemeinschaftlichen Angelegenheiten äußert. Die Kooperative wird seit Jahren von den Deutschland uemiise Jüdin Deutschland beim Füttern der Hühner geleitet. Politische Meinungsverschiedenziemlich alle Parteien vertreten) haben keinerlei Einfluß auf die Verwaltung oder die Besetzung der Aemter. Man pflegt in seiner Freizeit die Interessen des gebildeten Europäers, veranstaltet Konzerte und Vorträge, zum Teil mit Kräften der Siedlung. Hebräisch wird so weit beherrscht, daß zur Zeit eine Vortragsreihe über Landeskunde und eine über Musikgeschichte in hebräischer Sprache gehalten werden können. Ein stark besuchter einig Iwri trifft sich jede Woche einmal. An einem anderen Abend ist Gelegenheit zur englischen Konversation geboten. Ein Gemeindehaus wäre Bedürfnis über den Kreis der Siedlung hinaus für die im Seharon stark verbreitete Alijah aus Deutschland, Die Siedlung hat jedoch keine Mittel, es zu bauen. Dr. S e 1 m a r Spier, Ramoth-Haschawim Ein neues Wahrzeichen Tel Avivs Der Zina Dizengo f f - Platz (zum Andenken an die Gattin des ersten Bürgermeisters) ist der erste Rundplatz Tel Avivs mit Grünanlagen und Ruhebänken, und hat als Mittelpunkt einen 10 Meter hohen Springbrunnen in einem Bassin von 14 Meter Durchmesser. Der Platz ist mit jungen, schnellwachsenden Bäumen und Palmen bepflanzt, die schon in 1—2 Jahren Schalten spenden werden. Mit diesem Platz, der Anfang Januar 1938 für das Publikum zugänglich sein wird, ist die erste moderne Grünanlage Tel /leies geschaffen worden. Foto: Walter M. Sehwar» Aeußerste Preise für Teppiche « Gardinen - Läufer TEPPICHHAUS ZENTRUM Berlin CS, Spandauer Straße 28 an dar KSnlgstraBe

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