Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 104 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCH! RUNDSCHAU SCHULE UND ERZIEHUNG NR. 10«. fl. DEZEMBER 1*54 Ose *011, 'rRan|, *Still* י!, «i ,™«״ י in des 1ן׳ •» für Utsch.!« ln teilen Vor! Lord opart. « in ielifen #U| äsiirii zur An. Härte iViTi(, *rdcn. liehen 1» י ehe. i>ar. nach f der z Ulli wird, ,tzt« uden, *rtilsitzer, e In I difik, ran der!haus i ־ וי,.! Mit- 1־ : eil. Hebräisch - Unterricht im ersten Schuljahr Von Meta O u t in a n n Hcbri'Rch-Untcrricht in der Volksschule arbeitet auf das rrtliin das Kind ni befähigen, sich selbständig einen Bibelfixt /״ erarbeiten, im ersten Schulhatbjahr benutzen unsere Ll111lanf.1i l׳cr nocli kein Buch. In Form eines Sprccliuntcr- ׳thts werden die Stoffe der Fibel vorbereitet. Erst im?Halbjahr wird an Hand einer Fibel die hebräische Druck* fdiriit erlernt. Spreehunferrlcht im eriten Halbjahr 08a ) Uhr 10 ihr ira! IßUer, 11 ck ו r . 1! hg* f Wie gestaltet sich dieser Snrccliunterricht im ersten Schul• Wir? Ls''v׳rd versucht, in kindgem;ifier Weise, möglichst עברית בעברית—durch Spiele, Lieder kleine Geschichten usw. Sie Kindtr in das gesprochene Hebräisch einzit führen. 01 aiic Hilfsmittel, die auch dem übrigen Unterricht bei den Kleinort zur Verfügung stehen, wie Kneten, Stäbchcnlegcn, Malen, Singen, Darstellen usw, werden selbstverständlich auch heim liebr.iiselien Anfangsunterricht verwendet, Cileicli in der ersten Stunde lernen die Kinder einige jjefohk’ kennen; eine kleine Melodie befestigt das Gelernte. קום׳ קום׳ ילד קיים• •׳׳»• Singend werden die Befehle reccbcn und singend werden sic ausgeführt. Bestellt die Klasse aus Jungen und Mädchen, so macht die Sache noch mehr 5[«H Ine Kinder mussei» darauf achten, daß bei der männ* jiciicn Befehlsform nur Jungen, bei der weiblichen nur Miid* tlicn mitmachrn. In dir nächsten Stunde werden einige Gegenstände |n Zimmer hebräisch benannt. Die Dinjjc werden ge-!dehnet, mit Stäbchen gelegt. Man geht zum Tisch mit Hilfe der erlernten Befehle, man setzt sich auf den Stuhl, man «chfidit die Tiire, man steht von der Bank auf. Am folgenden Ta!;c wissen die Kinder schon, was Fenster, Decke, Fußboden mw. auf hebräisch heilten. Ein passendes Li cd eben wird dani gelungen: vom Tischler, der die Möbel macht, vom Baumeister, der die Zimmer baut. אלי׳ אלי׳ הניטל •<•״«• Die Hände zeigen durch entsprechende Stellungen die genannten ,Höhe!, oder die Finger deuten auf den besungenen Gegenstand. Bald können die Abc-Schützen auch Hände, Firne, Kopf, Augen, Ohren usw. auf hebräisch benennen; sic lernen nach lind nach die verschiedenen Teile des Körpers kennen; rine Menge kleiner Liedehen und Spiele hilft zur Einübung und Befestigung d i c s e r Worte. .. . אחת שתים׳ מידים על העינים לי שתי ידים.., usw. lichtrhaupt ist das Lied, bei den Kleinen das Spiel- M, ein unentbehrliches Hilfsmittel im modernen hebräischen Unterricht, vor allem aber im Anfangsunterricht. Es prägt dein Kinde die schweren fremden Laute ein, daß sie ihm bald vertraut werden, es erfüllt mit die Forderungen, die man in einen kindgcmnßcn Unterricht stellen muß, indem es spielend im wahrsten Sinne des Wortes die Schwierigkeiten dieses Unterrichts überwindet, es schafft Lebendigkeit und Frische in der Scluilstube und bringt dem Kinde Freude am Singen bei. Bei allen Stoffen, sei es ein Ball, der geknetet tmd benannt wird, ein Vogel am Fenster, Katze und Maus, die Glocke, die zur Stunde läutet, das Turnen mit hebräischen Befehlen, die Uhr, die schlägt, Sonne, Mond lind Sterne, die verschiedenen Tiere und Früchte, die Töpfe in der Küche, der שבת und ימים סיבים usw., kurz die ganze Um- “pebung des Kindes, die ilim iu hebräischer Sprache ' iwkpdi;acht werden soll, immer und überall muß ein Lied torhanJ.Ti sein, das gesungen, gespielt, gehüpft, getanzt, cargcstcllt wird, bei dem durch entsprechende Gebärden Hem, der nicht versteht deutlich gezeigt wird, was die Kinder zeigen wollen. Und ist kein Lied da, so findet man vielleicht irgendein kleines Gedicht, das in ein Lied um• zugestaken versucht wird, und schlimmstenfalls machen wir selbst ein Liedchen. Es braucht, ja es darf nur wenige Mt'orte enthalten, damit cs für die Kinder mit Ihrem winzigen Wortschatz nicht zu viel unverständliche Wörter enthält. Kindcrpirtenlialer aus Erez, Israel sind vielleicht für diese Stufe das Richtige. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn die Kinder das eine oder das andere verbindende Wort im Lied nicht verstellen. Wird ihnen ein solches Wort später bewußt nahegebracht, so ist man oft überrascht, durch das Kind diran erinnert zu werden, daß ״wir «las schon mal gehabt haben". Es wird jede Gelegenheit wahrgenornmen, diesen Wort- *chatz zu vergrößern. 11 n Klassenzimmer hängen zwei Mär- Chenbildcr: Hansel und Grctel vor den» Hcxenhäuschcn, vnd Rotkäppchen und der Wolf im Wald. Wir wollen mal ®eben, was wir davon schon hebräisch benennen können! Er- *taunlic 11 viel! Und was wir nicht wissen, das wird neu ge- Hut. Bald kennen wir alle Worte auf beiden Bildern — es Sind eme ganze Menge. Hie Kinder geben selbst allerlei Anregung, den Wort- *chatz zu erweitern. Sie bringen täglich Obst mit. Sie zeigen cs und wollen wissen, wie das ״auf hebräisch" heißt. Gleich wieder eine Gelegenheit, Neues zu lernen. Täglich wiri das Dost benannt; die Kinder freuen sich, wenn sie wieder £inc ,.neue“ Frucht vor/eigen können, deren hebräischen Namen sie noch nicht wissen. Dald haben wir einen ganzen hebraisehen Obstladen. Schnell einen Verkäufer und viele Käufer herbei! Es wird verkauft und gekauft, alles hebräiscli. Bei dieser Gelegenheit werden auch die בלנית über verschiedenen Früchte gelernt, und es wird von nun *ס daraut geachtet, daß diese jetzt immer gesprochen werden. Natürlich wollen die Kinder nun auch wissen, was ihr übriges!ruhst!ick, Brot Barch cs, Kuchen, Milch usw. hebräisch heißt. Aber auch liier gibt es allerlei Hilfsmittel. Man erzählt den winuern kleine Geschichten mit drei oder vier Sätzen. Jeder icm w. , *•1,ו!שזו c'n Kanz einfaches Bild dargestcllt; das 1 na wird gezeichnet und darauf wird der hebräische Satz gesagt. Man vermeidet auf diese Weise die Uebersetzung, üml das Kind versteht doch; 1. Bild: Baum im Garten; Satz: בגי עימד עץ 2. Bild: Baum mit Aepfeln; Satz; על מעץ תסיחים 3. Bild: Eine Leiter am Baum; Satz; על יל העץ עימד פילם 4. Bild: Ein Junge steigt auf die Leiter; Satz: משה עילח על העץ s• *1‘י‘!; Der JllI|Kc ißt einen Apfel; Satz; משה איבל תפיח. Die Zeitwörter werden außerdem noch möglichst durch motorische Bewegungen «!gedeutet. עימד — אוכל — עילה• Oje ״Geschichte“ wird erzählt, abgefragt, nacherzählt, vor fliiein auch abgemalt und gespielt. In dieser Art werden nach ima nach mehrere Oescliielitchen dargeboten, die mit der /.eil etwas schwieriger gestaltet werden können. Den Schatz an Zeitwörtern haben wir auch durch einige gerade für diesen Zweck sehr passende Liedchen vergrößert; z. B. das Lied vom Rabbi und den Schülern, das gleichzeitig jedes Wort in Linzahl und Mehrzahl bringt: »ואם רבי יושב׳ יושבים כל התלמידים ואם רבי עומר׳ עומדים כל התלמידים" ׳™" ein sehr beliebtes Spiel, das vom ״Rabbi" unil den 1״ aimidim“ nie genug gespielt werden kann. Durch eine reizvolle Sache wurde der hebräische Wortschätz noch sehr erweitert. Die Oberstufe unserer Schule fertigte uns auf Wunsch und nach Angabe der Wörter in der Zeichenstunde ein sehr hübsches hebräisches Lotto an. Es waren teils schon bekannte, zum größeren Teil tmbekannte Begriffe. Das Lotto wurde natürlich mit großer Begeisterung aufgenommen. Zirka 100 Worte, meist solche, die die Fibel enthält, wurden auf diese Welse erstaunlich schnell gelernt. Ein Kind oder der Lehrer ruft aus, die Kinder, die das Bild zu dem nusgerufenen Wort haben, melden sich. In der ersten Zeit mußte das sich meldende Kind die deutsche Uebcrset/nng _ seines Wortes sagen, ehe es sein Blättchen bekam. Auf diese Weise lernten auch die schwerer begreifendem Kinder rasch die Bedeutung der Wörter kennen. Wenn das Lotto heute noch bei besonderen Gelegenheiten,ערבישבת Geburtstag 0. ä. gespielt wird, ist die Freude immer die gleiche. Mit nimmermüder Begeisterung wird das geliebte Lotto wieder und wieder herbeigeholt. — Wie behandelt man nun ein größeres zusammenhä ngendes Stoffgebiet auf dieser Stufe? Wir sprechen über den שבת. Erste Forderung, den Kindern den שבת in kindgemäßer Form nnlir/ubringen, vor allem den Freitag abend. Es gibt ja leider Kinder, — zum Glück nicht viele — die den שבת kaum vom Hörensagen kennen. Zweite For derung, dieses Thema in unserem Sprechunterricht zu behandeln, Wir wollen, so gut cs geht, die Vorbereitungen zürn שבת ttnd den שבח selbst im Unterricht darstellen. Wir ver• schaffen uns Mehl, Salz, liefe usw. und kneten in der hebrä isclien Stunde zwei große Barcltes. Dazu wird ein Lfed gesungen, das von Barchesbacken, Bäcker, Teig, Mehl, Wasser und Kneten erzählt.״שבת קודש מחר כן׳ וחלות שבת לי עוד אץ״• Es wird mit Mund und Händen gearbeitet. Ein Kind weiß zu berichten, daß die Mutter חלה״* nimmt und ברכה dazu sagt. Wir machen alles so wie die Mutter. Die Kinder tragen Auch in Ifon die Barches selbst zum Bäcker 11n!l holen sie am anderen Morgen — Freitag — wieder ab. Die Vorbereitungen^schreiten fort. Verschiedene Kinder haben eine weiße Tischdecke, Leuchter, Glas, eine Flasche mit Wasser (an Stelle des Weines), Earchesdrcken usw. mit;:rbracht. In feierlicher Stirnmutig wird das Ruit in einen שבח-Tisch unigew.imldt Alle Gegenstände werden dabei hebräisch bempmf. Die Lirhtcr werden entzündet, die ברכת da/ti gesagt. Die Kinder waschen *ich zur מוצא, die ברכה wird gemeinsam gesprochen, und in tiefster Stille hört alles dem קדוש zu. Hann werden die *clbstvcrfertigten Barches angeschnitten, jedes Kind bekommt sein Stückchen. Auch diese ברכה wird von allen laut gesagt. Da wir nicht ein ganz« שנת -Menü bereitste!!«!^ kömu-n, wollen wir wenigstens wissen, was Suppe, Fleisch, Kartoffeln, Salat, Kuchen, ()!ist usw. auf hcbiäiscfi heißt. Obst gibt es sogar noch zu essen. Zum Schluß singt —׳ wer kann — שיר המעלות mit, und ein Kirnt, das es von zu flaust• her kennt, spricht den 1. Abschnitt des Tischgebetes, ln den folgenden Tagen imtcrtiallen wir uns vom שבת• vom Barchesbacken, vom Tischdecken 11ml vom Essen in kleinen hebräisclien Sätzen. Die ganze Sache wird gezeichnet, groß an die Tafel, klein in die Hefte. Hie Bilder werden geschildert, die Worte wiederholt, die ברמת eingeprägt, das Lied vom Barchesbacken wieder und wieder gesungen und noch ein שבת -Lied, in dem nun der שבת empfangen wird, dazugclcrnt. לבו נמנה שיר מזמור׳ באה שבת••.״«• Dies«! שבת-Tisch, den die Kinder noch einige Male gedeckt haben, haben sie fn strahlender Erinnerung behalten, und immer wird er wieder herbeigewünscht. Wenn nun auch nicht Woche für Woche der שבת -Tisch gedeckt werden kann, so zeichnet sich doch der ערב־שבת jede Woche von neuem innerhalb des hebräischen Unterrichtes aus. Jeden Freitag haben wir einen עינג״שבת als Vorbereitung für den שבת• Vor allen Dingen werden שבת -Lieder gesungen. Es sind inzwischen schon mehrere geworden. Außerdem wird nicht der gerade zu behandelnde Stoff wcitcrgelernt, sondern ein beliebtes Spiet, Lotto, das Tierspiel u. a. herbeigeholt. In ähnlicher Weise werden zu ihrer Zeit die Feste behandelt. Wir helfen beim Schmücken der סובה die im Schulhof stellt. Wir setzen uns in die סוכה hinein, sprechen in kleinen hebräischen Sätzen über die Dinge, die wir darin sehen, lernen die ברכה und singen Lieder dabei. Wir kleben zu .שממת תורד Fahnen und freuen uns wie die Erwachsenen. חנוכה wird an der selbstvcrfcrfigtcn מנויה entzündet, cs wird getrcndclt, neue Liedchen werden gelernt, eine הנובה״* Geschichte" besprochen, gezeichnet u. gespielt. חמשה עשי בשבט erinnern wir uns aller schon hebräisch gelernten Früchte, Jedes Kind bringt Obst mit, alles wird gemeinsam verteilt und gegessen. פורים können sich die Kinder mit einem kleinen hebräischen Singspiel schon am großen Piirimfcst der Schule beteiligen. Zu פסח wird die .הגדר hergeholt (die Kinder können zu der Zeit schon lesen).מה נשתנה wird geübt. Einfache Lieder aus der הגדה und ein Liedchen vom מצת -Backen werden gesungen. Auch ל״ג בעומר und שביעית werden auf ihre Weise mit Spiel und Lied gefeiert. Nach ca. 5- 6 Monaten, dem ersten Schulhalbjahr, haben die Kinder einen Wortschatz, der voraussetzen läßt, daß ihnen der Inhalt der Fibel keine allzu großen Schwierigkeiten mehr bereitet. Es wird sodann mit dem Erlernen der hebräischen Druckschrift begonnen. Die Israeli tis che Lehrerbildungs anstalt Würzburg in der Zeit der Umstellung hier werden die dazugehörigen בלבות gelernt, wie ha 1*57 1445 6 על נטילת יו und המוציא לחם מן הארץ und so weiter. ’st, wohl auf dieser Stufe noch verfrüht, bei den ברכות 1y wörtliche Uebersetzung zu geben. Sondern: ״Wir danken ״ - cr °ott, Haft Du uns die Baumfrüchte gegeben 1»״■ Es genügt wenn das Kind die ihm bekannten Wörter, wie עץ׳ לחם׳ ידים׳ ארץ hcrausfindet.) , A rs der ״K i 11 d e r - R u n d s c 11 a 11“ haben wir ein 1,״■UP'.1’1“ entnommen, das mit großer Begeisterung jLs|1iclt wird. Vom Bauer, der ein Tier kaufen will. Jedes!•״, c'n anderes Tier sein. Zu diesem Zweck mußten c1!״ , nß° Tiernamen hebräisch kennen gelernt werden, s ,?d,wur.de RT-'lcrnt, Wir waren vor kurzem ganz er- J ׳ a׳s wir die Arche Noah in hebräischer Sprache füllen kn״H.n,wa.s eine Menge Tiere wir da hincinspazicren lassen hnn1, ‘ Auch durch ein Lied, bei dem ein Kind mit veriinuenen Augen lierausfindcn soll, welches Tier gcschrien ’ 1 ,,onnen die Kenntnisse der Ticrnamen herrlich anget11,ücrdc.עינים סגי, מטפחת קשי *.־״ •.״«• , , üh,r11״,stvcrs“cl> werden bei diesen Wortschatz- *״ j״ mc*'* nur Dingwörter gesammelt. Von Anfang <>״aut hingearbeitet, daß die Kinder bald in kleinen iwhÜ1 ׳. nüe״(le" Sätzchen sprechen lernen. Das gelingt die kS 50 wie das einfache Wortsammeln, aber Müh!' KC,r1C1״ Pn*er, den Kindern geben sich schon von selbst sind 11", k! einen Sätzen zu antworten. Dingwörter ■ *or alirm ד!c1cllter zu erarbeiten alt Eigenschafts־ und «eea t£k• itw0[tcr> Besonders die Zeitwörter sind ein schwie- * ueb1ct• »ciioB wegen des Gleichklanges ihrer Vokale. Die Neuordnung der Schulerzielumg der jüdischen Kinder hat für das Programm der jüdischen Lehrerbildungsanstalt Wiirzlnirg nur geringfügige Acnderungcn zur Folge gehabt. Ihr Biklungszicl war von jeher der im jüdischen Leben und jüdischen Wissen verwurzelte Lehrer. Die hebräischen Fächer nehmen schon immer iin Stundenplan etwa ein Drittel der Ücsamtstundenzahl ein, und der gesamte hebräische Unterrieht ist schon seit langem, ausgehend von einem grundlegenden intensiven Sprachunterricht, in moderner Weise aufgebaut. (Der Verfasser dieses Artikels berichtete bereits 1025 darüber in seiner Schrift: ,,Hebräischer Sprachimterrieht im Sinne des Arbcitsprinizips“.) Der Unterricht in den profanen Fächern wird von jüdischen Lehrkräften erteilt, welche schon immer bestrebt sind, die gegebenen Stoffe von jüdischen Gesichtspunkten aus darzustcllcn und Ihren Unterrieht möglichst weitgehend in den Dienst der Judentumskünde zu stellen. Eine Grenze ist und war diesen Bestrebungen gesetzt: der amtliche Lehrplan, der — mit wenigen in ihm seihst vorgesehenen Ausnahmen — für die jüdische Lehrerhildungsanstatt ebenso gilt wie für die nichtjiklisclien und dessen genaue Einhaltung Gewähr dafür bietet, daß die Absolventen «er Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg — wie Erfahrungen in jüngster Zeit bestätigen — an staatlichen und privaten jüdischen Volksschulen im ganzen Deutschen Reich. ■Verwendung finden können. Natürlich ist das Erleben des Jahres 1933 nicht spurlos an der Schule vorübergegangen. Das Interesse der Schüler für alle jüdischen Stoffe ist wesentlich gestiegen. Die jüdisehen Fächer stellen beute tatsächlich im Mittelpunkt des Scliullebcus. lieber die Unterrichtsstunden und Pflichtarbeiten hinaus wird ein großer Teil der Freizeit von den Schülern für freiwillige Arbeitsgemeinschaften in hebräischen Fächern und Diskussionen über jüdische Fragen verwendet. Da der neue amtliche Lehrplan von 1933 gegenüber dem früheren dem Lehrer viel mehr Freiheit über Stoffauswahl und Stoff- Restaltung gewahrt, ist in noch höherem Maße Gelegenheit Gegeben, den gesamten Unterricht in jüdischem Sinne aus- /״gestalten. — An Neuerungen von besonderem Interesse wären noch folgende zu erwähnen. Der Palästina künde dient eine größere Vortragsreihe mit Lichtbildern, die von einem Lehrer, der Erez Israel aus eigener Anschauung Kennt, gehalten wird. Der durch den neuen Lehrplan eingeführte’Unterricht in Rassenkunde wird natürlich vom jüdischen Gesichtspunkte aus erteilt und mündet aus in einer Rassenkunde des jüdischen Volkes, Der Unterricht in Leibes- Übungen wurde wesentlich erweitert; für den Wcrkutitcrrieht wird gerade ein neuer entsprechend ausgestatteter Raum geschaffen. Ncucingcführt wurde ferner in der obersten Klasse Ausbildung in Fürsorge und Wohlfahrtspflege Seit mehreren Jahren wurde etn freiwilliger Fortbildungskurs — als 7. Bildungsjahr — angcglicdert, welcher ausschließlich dem Jüdischen gewidmet ist. Nur die große Nachfrage nach Junglehrern in den letzten laliren hat cs uns unmöglich gemacht, dieses Fortbildungsjahr für obligatorisch zu erklären. ... ' Noch ein weiterer Umstand hat in den letzten Jahren die Arbeit etwas erschwert. Die Klassen waren von unten 1]Cr _ Krlcgsjahrgängel — schwach besucht und wurden dann in der Mittelstufe durch Schüler mit Sckundareife und aut der Oberstufe durch Abiturienten ergänzt. Wenn es sich auch durchwegs nur um begabte Menschen handelte, die dadurch der Lehrerbildung «!geführt wurden — nach den nl ei H J :r nl h kl;1 *3 amtlichen Vorschriften können nur gut und sehr gut quallfizierte Abiturienten bzw. Schüler mit Sckundareife aufgenommen werden —־, so wurde dadurch doch die geradlliiige Fortführung des auf die hebräische Sprache aufgcbautai Unterrichts in den jüdischen Fachern — iwrith b’iwrith — gestört. Im Jahre 1031 meldete sich eine besonders große Zahl von Abiturienten und Abiturientinnen für den Eintritt in die Lehrerbildungsanstalt, so daß für ihre Bedürfnisse ein besonderer Uchergangskurs eingerichtet werden mußte. In diesem einjährigen Uchergangskurs werden wöchentlich 22 Stunden Unterricht in hebräischen Fächern erteilt; darüber hinaus müssen die Teilnehmer privat an ihrer jüdischen Ausbildung arbeiten, um am Schlüsse des Jahres die Aufnahmeprüfung in die oberste Klasse der Lehrerbildungsanstalt zu bestehen. An den Besuch derselben dürfte sich wohl für alle Schüler der jetzigen Ucbergangsklasse der einjährige Besuch des Fortbildungskurses anschließen, da sie nur daun für ihre spätere Praxis genügend vorbereitet sei» werden (während des Fortbildungsj,ihres ist zugleich Gelegenheit geboten, in der jüdischen Schule zu praktizieren). Es sind also im ganzen drei Jahre Ausbildung, welche ein gut qualifizierter Abiturient durch tu ac heu muß, um einiger« maßen den Anforderungen der jüdischen Schule gewachsen zu sein. Nicht allzuviel weniger Zeit hätte meines Erachtens auch ein Studienrat aufwenden müssen, wenn er sich in befriedigender Weise für die jüdische Schule hätte vorbereiten wollen. Der Verfasser dieses Artikels, der sowohl die Ausbildung als Volksschullehrer als auch die als Studienrat aus eigener Erfahrung kennt, weiß, wie wenig eigentlich die Ausbildung des Studienrats für die Praxis der jüdischen Volksschule mitgibt. Der Lehrerbildungsanstalt Würzburg lagen mir ganz wenig Anfragen von Studienräfen vor, welche sich umstellen wollten; wir waren daher nicht zur Einrichtung eines Um- Schulungskurses veranlaßt. Die Schwierigkeit, die nach den Berichten der ״Jüdischen Rundschau" vom 14. August empfunden werden, sind die natürlichen Folgen einer zeitlich heschränkten Vorbereitung für den neuen Beruf. Vielleicht wäre eine etwa noch notwendige Umschulung von Studienräten ln folgender Weise zu bewerkstelligen: Ein ganzes Jahr Praxis in einer bestimmten Volksscfiulklasse; daran an* schließend sollte dann der Betreffende zunächst eine ebensolche Klasse selbständig übernehmen. Er hat cs dann im' ersten Jahr der selbständigen Arbeit leichter, sich einzufinden und kann dann von der wissenschaftlichen und methodischen Beherrschung des Stoffes einer Klasse ausgehend, den gc* samten Volksscliulstoff sich praktisch und methodisch aneignen. In den jüdischen Untcrrichtsgebicten freilich ist es gar nicht anders möglich, als daß ein in kursorischer Weise umgcschulter Lehrer mehrere Jahre lang nur von der Hand in den Mund leben kann und Jahre neben dem Unterricht arbeiten muß, bis er sich voll gewachsen fühlen mag — das gilt ebenso für die Volksschullehrer, die von Sinuiltanschnlen kommen. Es liegt der Gedanke nahe, diesen Leuten durch Fortbildungskurse zu Hilfe zu kommen, die sich am besten auf ein einziges jüdisches Gebiet beschränken und etwa drei Wochen dauern. Eine besondere Art von Fort* blldungskurscn wären eventuell noch solche, in welchen — auch etwa in drei Wochen — ein Fach des Profnnimterriclits — z. B. Oeschichte, Erdkunde — vom jüdischen Gesichtspunkt aus durchgearbeitet wird. B. Hirnheimer, Würzburg, •Io ifoi;0 i) r• 1?s,- ic 1 Zi!ר¬!. - ö l׳f, usl Ul .ו., I d«, 4 Oc •4l ׳iin tief tu En* Gi D!« in Hub H,