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Jüdische Rundschau · 1934-12-21 · Heft 102-103 (21.12.1934) · page 19

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 102-103 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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■?*iF** jOCISCHE RUNDSCHAU VON JÜDISCHER MUSIK Nr. 105/103, Sl. DEZEMBER M4 Ü ■N V k Eine Reportage ׳ton Dr. Hans Nathan n fi mm f ־“f ןייךךו ך*ך״ו *144 w ])ic K'porl״|;e, Uns Krgdmi* cinci Kimilgunges J,11|״ Ht'tliiiur jiifli.rlu• Jugi-ndbühdc, «>11 kein« »ysU-niatisclie!(,ir'K'limR wiilil igm Sk>l(gt11׳i1׳tcs ditr.slcßcn, sondern nur (11H11 Idiililnb in 1115 »Musikli 11111 der JuKc1ull)ümlc geben. Aus ,In tn Gnmdt■ sind nleli( büuitliilic jugi iiilHimdc lierangcrogcn *(111111״ solidem nur einige typische llcul >at*htun gen wicilcrp,.1l,u, ohne il.di d.1tluu'h U1:wcrlung1׳u dt* J),ugcslcllU׳n 11 H, ״kr d4'׳!l״r »jikii. (Kt'tl•) liieln lCiwulmlen wn Ausdruck kummeu Ganz überlegt wird oft von «1cm Leiter Irgendeiner Zusamiimikunft die Besprechung von Palästina-Fragen durch Gesang palästinensischer Lieder eingelcitet Dadurch wird nicht nur jeder aus seiner isolierten Haltung gerissen, sondem cs werden auch bestimmte gefühlsmäßige Ströme frei, die das Verständnis von Problemen erleichtern können. So bewußt, wie c8 nach dieser Schilderung scheinen könnte, wird die Musik iialürlicli niclit angesehen, Bewußt nur von den Leitern aus — mul mich das nicht Immer. Für die Chawerim und Gliawcrolh ist das Singen ein Element des Bimdcslcbens, das von ihnen spontan zur eigenen Freude betrieben wird. I lier sollte vor allem die prinzipielle Ein- |1t allen jüdische״ Jugemlbnmien spielt die Musik eine Hülle, in erster Linie das Lied, das von allen *1״ imleii nml inllgesungeii werden kann. Instrumentalmusik, 7'״ . _.. , , ,,, . nluThaupt diliizile künstlerische Werke treten ganz in *‘clliuig der Fuhr u n g beschrieben werden. Hintergrund. Die Musik hat hier eine ganz bestimmte ensc 11 li'che l'imklion, die abseits vom Künstlerischen vd aitdt abscif» von allem Kon/ertbetrlel>, der ja mit einer .[,n'nii S.'liciilnng von Ausübenden und Zuhörern rechnet. CUi|k ist in den •Sünden ein Element des Lebens, des geiciiisrli;!ftlUiion Tims und Denkens. Jeder ist Musiker und ,,!״״rer in eigener Person, Gesungen wird bei allen Gelegen n, hei Zusammenkünften in den Heimen, im Freien, bei latitiermiiH'U usvv, je nach der geistigen Struktur jedes Bundes ergeben sich r!?l(f.scl1i1־t e <״ der Art der Lieder, des Singet1s, der Situa- Wen, ans denen Gesang erwiiehst. One? Schabbat im ״Makkabi Hatair“ Am Anfang stehe ein Bericht über einen One \1: 5:11 ab hat (der am Freitag abend gefeiert wurde) im M ,ihi-flnzair. Die Situation, die liier eingehend geschildert »etilen 5!>r, ist typisch für das Biiiuledoben iiherhaupt. W ir koitimen 'um 10׳■ י Uhr abends. Die Stube ist spärlich dnicMct durch zwei Kerzen. Mädchen und Jungen sitzen;,Hilflos um eine« gedeckten Tisch. Finer am Kopfende liest «ז. '()sljii.hVhe Geschichten: Schilderung eines Pogroms, ihn« einen Brief von Bialik: etwas aus Palästina. Alle sitzen!:kdeend, hin und wieder riiekt einer mit seinem Stuhl, iv Leser ist mm zu Ende. Fr will den Eindruck fcsthalten und rar allnul lieh ausklingen lassen. Ganz unvermittelt, 01111c ni.m merkt, daß er 'beginnen will, singt er ein hebräisches biJ, Alks schweigt. Der Sänger bringt seine Melodie noch innal, summend. Die Schlulltöiie Filit er verklingen. Dann!.:n er kurz ah und beginnt sofort wieder, indem er den Sdilufitoit nun Anfang eines neuen Liedes nuicht. So reiht ft sine Kette von Liedern vor uns auf. Allmählich summt der «oilcr Midere mit. Dann kommt ein Lied, das einigen bekmnt ist. Sie singen mit, der Vorsänger führt. (1311/ ן lüt/licl» ist jetzt die Lust zum Singen lebendig gc- «mH. ,Man fangt an, laut zu sprechen und überlegt sich ׳»ן;;;sam, was man singen will. Nach den getragenen iosin ko innen nun rhythmische 1 lorra-Melodien, die immer K'ai’t: wiederholt werden. Manche packt der Rhythmus; sie trcM ü mit de« Fullen mit. Es wird jetzt versucht, inehr- «מדי; zu singen. Einige improvisieren eine einfache zweite "i׳!,wie zu der’ersten hinzu, dann versucht der Leiter das :״:cii zu organisieren. Er teilt in Gruppen auf, läßt kleine 'kok singwi und Lieder mit einer sich immer wiederholen-;״ IkrleiMinmic. Manches gelingt, manches weniger. Die ■Uduii gihon sieh grolle Muhe, aber die Jungen stellen d: ein wenig besser an, singen mit dein richtigen .Tonfall, «1 hebräische Lieder verlangen. Der Vorsänger singt du itigvs jiddisches Lied. Beim Refrain fallen alle ein. Wenn e| fertig;st, wird er von einem anderen, der den Text ‘®Ii weiter weiß, abgelöst. Es wird bald wieder ruhiger im Zimmer. Manche geben. 1ta summt mehr vor sich hin und jeder ist mit sielt selbst H'l],1ijid. Man gellt auseinander. Im Korridor hört mail aus Mn Zimmer Biocktlötenspiel, aus einem anderen den Klang 2rr abge;pielten Grauunophonplatte mit einer Horra. *1111 san!׳ nur hebräische Lieder, keine mit deutschem K auch einige textlos.• Nigtmim. Viele der hebräischen , dcr siiu, auch von der früheren Generation gesungen wor* '■■״, viidc sind neu und nicht notiert. Sie sind viel weniger klraiiflif;■ a|s t!ie älteren, die auch noch oft osteuropäische ■j;c luinn. Aber man saug auch sehr viele ostjiidisciic ,1'!er. Das (pianiitativc Verhältnis der ostjiidisehen zu den ättjiniiui Fiedern wird in jeder Gruppe verschieden .sein, ’hl es al liängt von der Herkunft der Mitglieder. .Meistens ,!k;f man einstimmig; über einzelne cinfaclic dreistimmige 1,110114 kommt man nicht hinaus. Hie Musik entsteht hier aus einer Stimmung, ans Oe- 1nkciigäugctj )1t.ra״s> tj;e viele gemeinsain haben. Sie ist ■״11'״'tk einer Gruppe von Menschen, die sich zusammen• ״״Hg w Fscn. Liner muß das Singen führen, aber die Miriii simi nicht unwichtiger. Sie hören ja nicht nur zu, «idirn si 1gen mit. ... diese eben geschilderte Situation ist nicht die einzige, *״יי Musik entsteht. Daneben gibt cs natürlich noch viele .®יי fe, au::11 hier heim Oneg-Sehabbat, etwa in der Mitte lies 7mls, wo alle aus Freude am Mitmachen cmstunin• Selten wird etwas geübt und wiederholt, — oder eben L* ";חו״> Ul,1 siel; noch einmal daran zu erfreuen. Mail singt;,!tur,f»r sieh und tut das mit ähnlicher Selbstverständlich- .1‘,mit der man sich unterhalt, gemeinsam miteinander utn- /; ,״|ul arbeitet. Der Gesang ist hier zum Element der ™'tiiKehaft geworden. . . , ׳:« *ien1,t in dieser Gruppe des Makkabi-Hazair noch 7 a"'lere Art der musikalischen Betätigung. Hin und wieder;,,ז,יי'״!״״ zusammen, dann spielt einer Bach vor, die I jliaus-Passion etwa, singt, erklärt und alle hören zu.! hm'i ,<las gemeinsame Genießen der Musik der Gemein•;1. ״«aktor. Es kommt wenig auf die Ausführung an sich i!n, Lkl)n1״t mehr darauf an, unter sieh, in der eigenen 0״1״Sphäre, ein großes künstlerisches Erlebnis zu verarbeiten. icw über den ,»Hcchaluz“ ätr ״^11»‘ , ״״z ist wohl der einzige jüdische Jugendverbaud, j0״!lc Wusikbctätigung ganz, bewußt als. päda* Alle».?C1i'e 11 Pastor in seine übrige Arbeit mitemnezieht. 1Wim zur Vorbereitung auf das Leben des Arbeiters und i j, - 111 Friz Israel dienen, auch die i i>! 1'0.1^ 7,,..!״einsaii'ie Gesang. Zu insfrmiien.. 1י liliii״״״ c.‘! ״ocl' I^ulie. Versuche in dieser Richtung mußten M ״■J" Jtemcinsame Gesang. Zu instrumentaler Bdätigimg m,f11i״״cr noch Ruhe. Versuche in dieser Richtung mußten •inen vu•' *dyilischen palästinensischen Liedern räumt man d« a ,k״e׳r5n «in. Man bevorzugt die, die das Leben Püipoii c!, c r s behandeln, seine Aufgaben und Bcschaft.1* «1nosn1,“..dic Vom Aufbau im allgemeinen sprechen. Die I in tii ־1-חe, m der man leben wird, die Luft Palästinas, 6011 11< .״ a 1 uz.- L icd er n gegeben werden. Dct1n Man singt fast nur hebräische Lieder, •eiten jiddische, deutsche gar nicht, Von der religiösen Gruppe des Hcchaluz wird auch das Lied mit religiösem Inhalt gepflegt. Es ist verständlich, daß gerade der Hcchaluz immer die neuesten palästinensischen Lieder kennt, da durch Chawerim aus Palästina eine gute mimdiiehe uebertragung zustande kommt. Wie alle anderen zionistischen Bünde, so hat auch der Bcrliner lieclialtiz durch die letzte Alijah wertvolle Menschen verloren, so daß er in künstlerischen Dingen neu beginnen muß. Ls soll jetzt ein Chor, der in dieser Ucbcrgangszdt aufgelöst war, wieder eingerichtet werden. Hasdiomcr Haxair Der Hasrhoiner Fiazair singt, wie alle zionistischen Bünde, vor allem hebräische Lieder. Er unterscheidet sich in seiner Musikhctätigung nicht grundsätzlich von den anderen; was oben geschrieben wurde, gilt auch für ihn. Veranstaltungen und irgendwelche Oruppcnzaisammcnkünftc werden belebt durch gemeinsames Singen. Charakteristisch für den Haschomer I lazair aber ist das Singen von mehrstimmigen (zwei- bis dreistimmigen) hebräischen Liedern. Er bemüht sich um ihre Pflege und ihre Verhreitunf». Eine solche Bcstrdmng, die der Ausgestaltung und Verfeinerung der bündisehen Musikhctätigung dient, muß begrüßt werden. Es ist nie' t uninteressant, daß dieser Bund die Verbindung mit der deutschen Jugendbewegung noch nicht ganz aufgegeben hat. Das zeigt sich darin, daß er zuweilen u. a. deutsche Landsknechtsliedcr verwendet. Auch jiddische Lieder kommen vor — wenn auch nicht sehr häufig — wie etwa auf einem Neselief, der der Behandlung des ostjüdischen Städtchens gewidmet ist. Brüh Chaluzim T)aiiim Die Musikbetätigung bestellt hier Im wesentlichen — wenn auch nicht ausschließlich — aus der Pflege des religiösen Lied cs. Es soll Im folgenden ein Bericht von einem Freitagabend gegeben werden, der vor allem die Art des Singcns heraiisstclien wird. Man hatte Bibel gelesen und darüber diskutiert. Zuerst sang man Semiroth, dann kamen andere hebräische Lieder, auch palästinensische und sehr viel jiddische. Man sang ganz zwanglos, ohne auf ״Stimmung“ zu achten, auch nicht auf den Klang, — mit Intensität, aber mit einer Wachheit, wie sie nur durch die erregten Diskussionen und Ucber- U'gungen am Anfang vorbereitet sein konnte. Alle kennen diese Lieder sehr genau und singen sie nicht nur aus Freude an der Musik und an seinem Inhalt, sondern mehr noch des* wegen, weil sic beim gemeinsamen Wiederholen von etwas Traditionellem ein sicheres Gefühl einer Gleichmäßigkeit, einer ״Lebcnsgcsctzmäßigkcit“ und dadurch das Gefühl der Gchorgenheit gewinnen. Die dynamische Kurve war die um• gekehrte wie heim Makkabl. Zuerst laut, fröhlich, entspannt, dann gedämpfter, stiller, zuletzt wieder frisch. Einer, der mich zu Beginn vorlas, stimmt ein Lied an, und nach einigen Sekunden, wenn cs alle erkannt haben, fallen sic ein, ganz selbstverständlich, ohne Zögern. Nach jedem Ltcd ist keine Stille, sondern Unterhaltung und Beratung, was man weiter singen soll, Kindersingstunde bei den ״Wcrkleuien" Als ich ehitrat, waren Kinder, etwa zehn Mädchen und Jungen, gerade dabei, einen deutschen Text auswendig zu lernen. Das taten sie, indem sie ihn gemeinsam hersagten, laut und rhythmisch. Bald konnten ihn alle. Die Leiterin des Sin[׳• kreises brachte nun die Melodie hinzu lind alle sangen mit. Ls folgten andere alte und neuere deutsche Volkslieder, Darunter waren auch einige zweistimmige. Dann wollte die Leiterin zu hebräischen Liedern übergehen. Ein aufgeweckter Junge meinte, das ginge nicht, aus stilistischen Gründen. Man’ könne niclit nach typisch deutschen Liedern typisch jüdische singen. Der Gegensatz sei so groß, daß man ihn nicht uberwinden könne. Der Leiterin fiel cs nicht leicht, ihn davon abzubringen. Man will ein neues Lied lernen. Wer kann eins? Zuerst Schweigen, alle sehen sich verlegen an. Ein kleines Mädchen wird ermuntert und beginnt dann, mit dünnem, aber ganz rcinem Stimnu licn. Alle horchen aufmerksam zu. Es geht nun ans gemeinsame Lernen. Die Uebersetzung des hebräischen Textes wird auf die nächste Stunde verschoben. Die Leiterin ließ sich nun von der kleinen Sängerin da» Lied Teil für Teil noch einmal Vorsingen, sang alles nach und |׳ab cs den anderen weiter, indem sie cs von allen ebenfalls Feil für Teil wieder* holen ließ. Endlich hatte man alles im Kopf, und man sang das ganze Lied mit frischer Stimme mehrere Male durch. Dies war eine der ersten Stunden eines neuen Singkreises. Die Werklcutc haben natürlich nicht nur Kindersingkreise, sondern auch solche von Aeltcrcn. Man singt viel hebräische Lieder, aber auch viel deutsche, auch mehrstimmige. Zur Begleitung dienen oft Klampfen und Blockflöten. Reine In• struineutahr.usik pflegt man auch, aber in kleinerem Kreise. Man veranstaltet häusliche Zusammenkünfte und spielt mit oder ohne Zuhörer Kammermusik von Bach, Händel, Mozart. ״Bcthar״ Die revisionistischen Belliarim unterscheiden zwei Oattun* gen von Liedern: 1. Alle jüdischen Lieder, die das Bundesteilen Zusammenhalten und bereichern, also alle hebräischen und jiddischen und palästinensischen, die — wie auch in anderen Bünden — die Verbindung mit Palästina herstellen; 2. propagandistische Lieder, Diese letzte Gruppe ist besonders charakteristisch; wegen der beabsichtigten unmittelbaren Wirkung wird deutscher Text bevorzugt. Der Besuch einer Ver- Sammlung wurde mir als eine bezeichnende Situation für die Musikhctätigung des Rundes angegeben. Zwischen den einzelnen Reden gab cs Vorführungen der dem Publikum gegenüber In der Mitte der Bühne. Sie singen hebräische Fieder, außerordentlich diszipliniert, wie ein Mann, selbst hei Tcmpoänderiingen zusammcnbleibciul. Alles, was mit Oesangsvcrcin %u tun hat, fehlt, auch der Dirigent. Sie müssen ungeheuer oft und intensiv geübt haben, um so gemeinsam reagieren zu küniieu. Ihr Stimmklang ist keinesfalls «lei, trotzdem sic rein singen. Sie wirken allein durch ihre Geschlossen* heit. Ls kommt noch hinzu, daß sie alles sehr rhythmisch vor• tragen, deklamatorisch, so daß man manches kaum wieder• erkennt. Sic singen auch einfache mehrstimmige Chöre, mit einstimmigen Anfängen, von denen sieh dann aus die Stimmen Abzweigen und sich bald wieder im Einklang zusammen• finden, — auch mit solistisclirn Partien. Interview über den ״Vortrupp" Der ״Vortrupp“ kennt keine regelmäßig staltfiudenilen Slngkrcisc, sondern hei Tagungen und Zusammenkünften wird spontan gemeinschaftlich gesungen, aber immer mir ein• stimmig. Hebräische Lieder werden überhaupt nicht ge• sungen, abgesehen von religiösen. Man bevorzugt da• gegen die Lieder der deutschen Jugendbewegung: deutsche l.nmlsknechtslieilcr 11. a. Zur Btiiideshymnc wurde das Landsknechtslied ״Wir marschieren über die Straßen“ gewählt. In• strumentalmusik irgendwelcher Art wird nicht getrieben. Bund deutsch - jüdischer Jugend Die Singstunde sollte mir einen Querschnitt geben durch die Lieder, die man im Laufe der Zeit gelernt hatte. Alle saßen in einem großen Kreis, Jungen und Mädchen, im Alter von etwa 10—18 Jahren. Einige hatten Klampfen zur Be• gleitung. Bevor gesungen wurde, fragte der junge Leiter nach den Gattungen der 1.jeder. Alle wußten gut Bescheid. Nach Nennung jeder Gattung sang man ein typisches Beispiel. Es erschienen nacheinander alle Arten, die in der deutschen Jugendbewegung heimisch waren: deutsche Landsknechts• lieder, Fahrtenlieder, Volkslieder, Kosakcnlicder, Feuerlieder (darunter auch eins mit englischem Text) u. a. m. Etwa zwei Drittel der Zeit füllte man mit deutschen Liedern aus (auch mehrstimmigen, die gut gelangen), ein Drittel mit hebräi sehen. Es ist an/iiiiehmen, daß dieses Verhältnis auch hei anderen Gelegenheiten im Bunde glcichbleibt. Man vermied keinesfalls jiddische Lieder, aber man sang sic mit deutschem Text. Von hebräischen erschienen nur die alte• ren, die heute im Lehen der zionistischen Bünde eine kleine Rolle spielen und immer mehr von den neuen palästinensischen verdrängt werden. Der Leiter wollte die linprovisationsgabe seiner Jungen anregen und!flachte den Vorschlag, eine musikalische Reise durch die Welt zu veranstalten. Ls sollte eine Melodie, die auf einer Bundcstaguug hei einer ähnlichen Situation wie dieser entstanden war, so variiert werden, wie es dem Geschmack eines jeglichen Landes entspräche. So beschloß man, die einfache Melodie in ein Kosakcnlicd, in einen Arabergesang, einen Niggcrsong, ja — so wollten es einige Ucbermütige — in einen Pariser Foxtrott zu verwandeln. Fs gelang nicht gleich. Die Aufgabe war zu schwer, um auf einmal gelöst zu ״werden. Der Leiter gab diese Variationenreihe für das nächste Mal auf; jeder solle gründlich über sie naclulenken. Man könne die Ergebnisse auf dem nächsten Elternahend vorbrin* gen. Man saug alle Lieder frisch, marschmäßig. Die jüdischen Lieder aber auch so, was weniger pißte. Dem musikalischen Leiter w׳ar das bewußt; er versuchte einen chnssidischcn Nigun 80 vorzutragen, wie er es von Martin Huber gehört hatte. — Die Singstunde schloß mit dem religiösen ostjüdischen Volkslied Llijahu hanowi. — Man erzählte mir noch, daß man jetzt versuchen will, ein Orchester aus Klampfen, Mund• und Ziehharmonikas cinzurlchtcn. nicht ",VF11,,*״; ־׳;״׳,-k. lugend, Rezitationen, Sprechchörc, Singchöre: Aut der linken [ Tis' kiinffi״^ '! .(.kC Ch\'Lc,r1"•', karPcrllcjj ן ן auch Seite der Bühne steiften sich, ungeordnet, etwa zwei Dutzend ,'1,?1״sinälHg ״!״«■סr1i"cbcn v®[b«rc1tcL. ך־ * ies Jungen auf, alle gleich gekleidet. Auf ein hebräisches Korn- Ädern? ^,pÄ^rSSaticiä^rUcdc«, formierten sic sich, gut ausgerichtet, die Kleinen vorn, Eine Erncst Bloch-Monographie Ernest Bloch von Mary Tibaldi Chicsa (G, B. Paravia, Torino) Monographien über lebende Künstler erscheinen recht selten — am häufigsten noch solche über Maier und Bild* haticr, viel weniger über Musiker. Die Monographie über Ernest Bloch von Mary Tibaldi Chicsa bedeutet daher eine degrößten Anerkennungen, die das faschistische Italien einem heutigen bewußt jüdischen Komponisten zollen konnte. Die Verfasserin behandelt das Lehen Blochs, seine Persönlichkelt und läßt (Laim eine Zeichnung seiner Werke folgen. Sie bespricht zuerst die unveröffentlichten Jugendwerke (tt. a. ״Sinfonin orientale“, mit jüdischen Themen), dann die Gis-moll-Sinlouie, die sinfonische Dichtung Hivcrprintemps, die Pocmes d'automne; in besondere Kapitel ordnet sie ein: die Oper Macbeth (Text von Fdmoml I leg), - - die jüdischen Kompositionen (8. d. Artikel ״Ernest Bloch“ in Nr. 50 der ״J. R." d. J,), - das R-!noll-Slreich<[tmrtett, — die Werke der Jahre 1018 1026 (11. a. zwei Violinsouatcn, Violasuite, Klavierstücke, vier Episoden für kleines Orchester), — die Rhapsodie Amerika, ־ Helvetia, — Awod id hakodcsch is. ״J. R.“ Nr. 52 d. J.). Fast zu jedem Werk gibt sie Bemerkungen des Komponisten, Zcitungskritiken und Acußerungcti bekannter Künstler (wie z. B. von Romain Rolland, der ein Verehrer Bloclis ist). Tibaldi Chicsa sieht ganz richtig das Zentrum von Bloclis Schaffen in seiner ״Weltanschauung“ (sie muß als Italienerin zu diesem deutschen Wort greifen; cs gibt in romanischen Sprachen keinen derartigen Begriff). Sie weiß, daß seine Werke weniger Produkte einer schöpferischen Laune, eines reinen FormgcfühLs sind als eines Lebensgcfiihls, das sich in Tönen äußern will, - ■ daß sie völlig nur verstanden werden können, wenn man die ihr zugrunde liegenden Gedanken mul Bilder kennt. Um uns mit den Gedanken des Komponisten vertraut zu machen, fügt Tibaldi Chicsa ihrem Buch einen aufschlußreichen Aufsatz Blocks bei, betitelt ,,Der Mensch und die Musik“. Bloch zeigt sich darin weniger als tiefschürfender Philosoph denn als Bekenner und als Kommentator seiner Schöpfungen. Den modernen Musikern stellt er sehr kritisch gegenüber; das, was er ihnen vorzuwerfen bat: die zu starke Entfaltung des Intellekts und der Technik (des Handwerks), ist kein Ur• teil, sondern eine Deklaration, wie sie von einem pessimistisehen Romantiker nicht anders zu erwarten war. Bloch be• klagt mit Recht die individualistische Art der MusikbctätU gung; er will Kunst von einer Gemeinschaft getragen wissen: ״Nur die Kunst ist lebensfähig, die ein lebendiger Ausdruck eines Volkes ist“. Die ganze Monographie ist flüssig geschrieben; sie enthält mehr allgcmcinverstiindlichc Einführungen in die Werke Blocks als stilkritisclie Analysen. Tibaldi Chicsa weiß aber oft Persönliches gegen Milieuhaftes verständig ahzugrenzen. Unwissenschaftlich ist jedoch ihre Tendenz, auch die Schwa• chcn des Komponisten günstig zu werten und aus einem be• gabtcn Menschen einen Heros zu machen. Am Schluß des Buches steht eine sorgfältige Bibliographie der Werke \md der Artikel Blocks, und der Arbeiten über ihn. Die vielen Photos des Komponisten, cjn Faksimile einer Skizze zu »einer Violinsonate tragen viel zur Anschaulichkeit bei >1. •B,

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