Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 102-103 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102/103 21. XU. 1934 Konzerte in Jerusalem Jerusalem, Int Dezember 1. Irma Sc hü 11 b c r g, Die Jerusalemer ״Musical So* cicty“, ,neukonstituiert, ertitlnetc ihre Abende — für deren letzten der deiner Adolph Ihiselt verpflichtet ist — mit einem Konzert der Pianistin Irma Sehimbcrg. Irma Schönbergs Klavierspiel hat hier vor zwei Jahren einen stark«« Eindruck hmtcrlasscn. Ihr Anschlag hat etwas Straffes, Heroisches und Kämpferisches. Der Mryel-Fliigrl war fiir sic ungeeignet, hs mußte eine Pause eingelegt werden zur Reparatur einer Taste,?erschlagen von der schlanken Pianistin — im Bachspiel. ,Ine Persönlichkeit brachte sich trotzdem zur Geltung, in Licht und Schatten. Der orgclhaftc Ton, zu dem sic neigt, hat diesmal die seelische Durchsichtigkeit des Klan «Volumens, worin sie gleichfalls cxzclliercn kann, besonders häufig verdeckt. 2. AI e x a 11 d e r U n i n s k v. Etwas zart und schmächtig betrat der Träger des ersten Chopin-Preises (heim internatio• nalcn Preisspielen in Warschau) das Podium und machte sieh an die sympathisch einfache, etwas forciert-kindliche Interpretalion einer Mozart-Sonate. Selbst Uninsky batte es wohl nicht ganz leicht mit dem I’icvcl-Fliigel. So war auch Unmskys Abend keine reine Freude für den Hörer: trotz, an genehmer geistiger Grundhaltung, trotz seines kultivierten, benervten, schwingcmlcn Tones, trotz überlegener Virtuosität (die sich besonders in Sfrawinskys Pctrusclika offenbarte) — trotz ausccgliciicnstcr Anschi agskuttur. 3. Jacques T 11 i b a 11 d. Der grolle Geiger mit dem unverfdciclilicb vollkommenen Ton mul der vollendeten Technik und Gcstaltungsfäliigkcit gab einen Abend mit ungünstigem Programm. Fs gab zwei Violinkonzerte, die eigentlich nur mit Orchester gut klingen. Die Mozart-Sonate erfuhr eine kaum akzeptable Wandlung von der Kammermusil( zum virtuosen Konzertstück. 4. S h u I a m i t h S 11 a f i r, dreizehnjährig, Schülerin des verdienstvollen palästinensischen Musikpädagogen Professor Schon-, ist kein Wunderkind, jedoch eine intelligente, sehr begabte und merkwürdig reife Klavierspielerin. Das Technischc ״schüttelt sie aus dein Acrmcl“, sic hat eine sehr elastische, anpassungsfähige Fingerfertigkeit und alte wie neuere Musik kommt rund und angenehm natürlich und ohne Arroganz, aus einer harmonischen Seele. Die Technik entbehrt fraglos noch eines slabileren Skeletts: es klingt alles noch ein bilichen knochenlos und maiiclunal etwas bedenklich altklug oder erwachsen. Etwas mehr elementare Kindlichkeit würde vielleicht größere Ziikunftsinöglichkeitcn erhoffen lassen; immerhin: eine ansehnliche Begabung, der man eine kraftvolle!Weiterentwicklung wünscht. 5. Marie Zweig lind Heinrich Jacoby. Marie Zweigs Stärke liegt ohne Frage in der Begleitung. Die beste Leistung ries Abends war die Hiiideinith-Sonatc. Beide Musiker hatten daran gleichen Anteil, cs war ein ausgc/cichnetes Eiiscinblespiel. Marie Zweig ist eine sehr feine Musikcrin. Die Mondschcin-Sonatc klang konzentriert, abgeschliffen und poesievoll, ohne Sentiment. Man kann auch der Meinung sein, daß man ein so iiberbckaiintes Werk nur dann noch auftiihren sollte, wenn eine neuartige Auffassung; dahintersteckt. Immerhin war die Darstellung des Werkes voll Schönheit. Im Gegensatz, dazu liegen die Tanzstücke Von Stutsclicwsky Frau Zweig gar nicht. Das war ohne Uebcr/eugungskraff hiiigespielt. Heinrich Jacoby hat alle ,Qualitäten eines ausgezeichneten Kammermusikers. 6. Frieda Kattenhurg und Arthur Bauer. Frieda Kattenhurg ist auf dem Wege, eine gufc Geigerin zu werden. Sie hätte mit ihrem öffentlichen Auftreten noch ein paar Jahre warten sollen. 111 der Friililingssonate waren gute Ansätze zu reifer Musikalität. Arthur Bauer hat sich als interessanter Darsteller moderner Musik gezeigt. Das Konzert hatte anständiges Mittelmaß, gehörte aber noch nicht vor die ()elfentlicbkcit. 7. Neuere, neueste und j ii d is c h c Mu 9 i k. Die ersten Jerusalemer Konzerte zeichnen sich im Gegensatz zu denen des Vorjahres dadurch aus, daß im Verlauf der zwar geschmackvollen, jedoch durchaus üblichen, fiir den Publikumsgeschntack zusammeiigcstclltcn Programme einige moderne und sogar einige jüdische Werke erscheinen. Diese Art, ״sM1 für moderne Musik cin/usct/.cn“, hinter• läßt im allgc1nc:”cn einen peinlichen Find ruck. Ebensowenig, wie man den Künstlern, die es früher ablehnten, jüdische Musik zu spielen, ihre reinen Motive glaubt, _wenn sie cs heute plötzlich tun, ist man von der Ehrlichkeit derer überzeugt, die in einem Programm voller Kompromisse sich hcrahlasscn, ein neues Werk zu spielen. Zudem muß diese Methode ihre Wirkung verfehlen. Ein modernes Werk kann und sollte man nur durclt die Konfrontieriiung mit anderen modernen Werken beurteilen. Gerade das große Publikum ist doch in seinem Klangempfinden so sehr auf die klassische Musik eingestellt, daß cs die konsequenten Dissonanzhäufungcit in der modernen Musik — besonders wenn beide sich in der Gegemiberstcl- Jung zum Vergleich anbieten •— als ״unästhetisch“, oft sogar als eine ״Gewalttat“ ablchnt. Nun kommt es aber bekanntlieh den Komponisten unserer Zeit auf Schönheit nicht in erster Linie an. Das Ausdrucksobjekt und das Erlebuismotiv sind eben für den Komponisten heute ganz andere als vor hundert oder zweihundert Jahren. Auf diese Weise kann die Wirkung einer modernen Komposition, die in ältere Werke ״eingebettet“ wird, leicht zunichte gemacht werden. Durch solche Programnizusammenstellungcn haben beispielsweise die Werke von Stefan W 01 p e (vier Märsche op. 10), die ״Tre corali sti mclodie cbraiche“ von Mario Ca stetnuovo-Tedesco, sowie die drei Tänze von Jachim Stutsclicwsky beim Publikum unberechtigterweise ziemlieh schlecht abgeschnittcn. Sogar Strawinskvs ״Pctruschka", die wir doch längst als ein klassisches Werk empfinden, ist nicht akzeptiert worden. Fraglos muß das palästinensische Publikum erst langsam zum Verständnis moderner — und paradoxerweise auch jüdischer — Musik erzogen werden. Immerhin^ muß aber der Interpret wenigstens soviel für diese Erziehung tun, daß er die Werke in einem Zusammen* hang bietet, der ein leichteres Verständnis ermöglicht. Uns interessieren hier zunächst die hebräischen Choräle von Castclnuovo - T cdesco (alias: Dcutsch-Ncuburger). ln Europa ist ja das im Jahre 1926 entstandene Werk längst bekannt und auch wiederholt mit Erfolg gespielt worden. Hier in Palästina schien cs ein Novum zu sein. Der erste Choral geht auf ein ostjüdisches Volkslied zurück, der dritte ust ein Tanzstück, dem der ״Gesang am Schilfmcer“ als Motto vorangcstellt ist. Das Werk bep-ont sehr besinnlich und endet in wildem Taumel. Der Stil ist stellenweise polyphon, jedoch auf eine durchaus nicht besonders neuartige Weise. Das Ganze ist eigentlich ein dankbares Repertoirestück. Es erfuhr durch Arthur Bauer eine durchaus fesselnde Interpretation. Am interessantesten waren die drei Märsche von Stefan Wolpe, die Irma Schönberg spielte, sehr kämpferisch, stilistisch dem Schönberg- Stil nahestehend, vorwiegend rhythmisch-dynamisch bestimmt, rnclodisch jedoch ziemlich erfindungsarm und eintönig. — Shulamit Scliafir spielte außer der ״Mlave Malke" von Gnessin idic man nicht als moderne Musik ansprecjhcii kann), sowie einigen anderen bekannten, gemäßigt-modernen Werken auch Kindcrs.tuckc ייש,מיי" Produktion, die nicht sehr stark, aber doch nicht unorigindl im Stil waren. — Uebcr -die Tänze von Stutschewsky ist seinerzeit (nach ihrem Erscheinen) an dieser Stelle ausführlich berichtet worden. / Alice Jacob-Löwensohn, Neue Jüdische Lieder Adler Ein Werk von Hugo Die Bearbeitung synngogalcr Melodien, alter Weisen, für mehrstimmigen Satz, wird seit etwa 3SX) Jahren aut immer neue Art versucht. Bemerkenswerte Harmonisierungen aus dem 10. Jahrhundert liegen uns vor von Sul/.er, Nautnhourg, Weint rauh, Lcwandowski, Almau, Nowakowsky u. a.; leidsohn hat iu seinem Buch ״Jewish music“ ein sehr interessantes Kapitel darüber geschrieben. In unseren Synagogen werden die Fassungen von Lcwnndowski verwendet. Sie werden heute von manchen abgelcluit, und gerade von sehr religiösen Menscheu, die eine andere Musik verlangen, über den Männerchor- Stil (ler Ecwnndowskischeii Chöre, nicht mehr hiuweghören könne 11, weit״ sie mich die Könnerschaft und die historische Wichtigkeit des Meisters nicht leugnen werden. Eine produklive Bewegung gegen diesen Stil wird in Deutschland von den Komponisten Heinrich Schallt (früher München, jetzt Rom) und Hugo Adler (Mannheim) getragen. Schabt strebt eindcutig zum Orient (sozusagen zur ״Rückkehr“): er verwendet orientalische Weisen, er gibt seinen Melodien einen orientaliscbeu Duktus; er geht ganz genau aut ihre Harmonik ein und umkleidet sic vorsichtig mit Akkorden. Ebenso wie hei Schallt, so ist auch bei Hugo Adler, Mannheim, vor allem der Chorsatz bemerkenswert. Sein neues Werk ״Thor ag cs ä n g c an den hohen Festen“ (״Teil einer hebräjschcn Chorsnitc“) für Kantor, gemischten Chor und Orgel, ist ein durchaus geglückter Versuch, ans dem alten, von manchen noch immer begangenen Geleise herauszukommen und die Melodien einer Bearbeitung zu unterziehen, die dem niusikalischcii Fornigefi'ihl unserer Tage entspricht, Nur von dieser Seite aus kann eine, die Wertigkeit hcrausarbcitcndc, Beurtcilung erfolgen. Als eigene selbständige Komposition kann Adlers Werk weniger gelten. Denn überall da, wo es neu erfundene Thematik autweist, steht cs aut schwachen Füllen: z. B. das Orgclprähidiuin, mit seinem Laufwerk und »einen Akkordsäulen einer Toccata des 16. Jahrhunderts ähnlich, pompös und vielversprechend am Anfang, verläuft vom 9. Takt an bis zum Schluß völlig indifferent. Auch an anderen Stellen (luterlmlium usw.) wird die Motivik ziellos und akademisch forigespoimen. Die Melodien, die Adler zugrunde legt, sind, wie cs im Vorwort heißt, ״einer alten, in Süddeutsch land beheimateten synagogalen Gcsaugstradition entnommen“. Sic liegen immer, volkstümlich gut hörbar, im Sopran. Nur (als einzige Ausnähme) im ״llodo al crez״ (Nr. 12) liegt die Weise im Tenor. Zu dieser Komplizierung kommt noch eine neue, die gleich genannt sei. Der Baß ist ein ״basso ostinato“, d. h. er hestellt aus einem immer wiedcrkchrciidcn, sich nicht verän- «lermlen Motiv, das ans dem Sclilußhahehijah der originalen Melodie gewonnen ist. Wir haben cs im ganzen mit einer sogenannten Passacaglia oder Chaconne zu tun, die durch den Cantus firmus (gegebene Melodie) im Tenor noch vielfaltiger wird. Im Vorwort steht weiter: ״Bei der Bearbeitung wurden möglichst alte Formen der musikalischen Diktion, ohne fugale Erweiterungen angewandt.‘' Alte Formen, hier im Sinne der europäischen vorklassischcn Chormusik. Es soll nur nebenbei erwähnt werden, daß das nicht ganz zutrifft. Der Eintritt der Stimme, am Anfang jedes einzelnen Chores, erfolgt nicht, wie cs in der alter! Chorriuisik üblioh war, nacheinander, sondern fast immer gleichzeitig. Dafür fehlt aber oft am Anfang die Terz. (z. B. bei dem Drciklang c—c--g das e). Ocher noch gibt es einstimmige Anfänge; die Melodien erhalten so Auftrieb unc 1 Leichtigkeit. (Das bezieht sich alles auch aut den Orgelsatz der solistisclien kantoralcn Teile.) Die Stimmen verlaufen rhythmisch fast gleich oder annähernd gleich. Adler schreibt gewöhnlich einen vierstimmigen, hin und wieder auch einen sechsstiinmigcn Satz, Der Chorsatz ist nicht immer kompakt; er wird auch vorsichtig aufgelockert in kleine Imitationen (Wiederholungen eines Motivs in anderen Stimmen), in getrennte Gruppen (Stimmkombinationcn). Adlers Klangideal ist dem Lcwandowski» entgegengesetzt. Adler gibt keinen ausgeglichenen, gesättigten Klang, oder eben nur für besondere Wirkungen wie etwa am Schluß (Haschiweuu), wo ein voller Akkord pianisslmo verklingt. Er weiß, daß gerade dann, wenn die Stimmen sich aneinander Tcibcn, der Klang um so klarer und jede Stimme um so hörbarer werden. Quintparallelcn (z. B. i ~ 1), Quart und . - » * c — <1, e 11 ä e Mittclstimmen, sind ihm ganz geläufig. An neuen Akkordbildungcn liegt ihm nichts. Er bleibt bei dem üblichen, nach Terzen aufgehauten Dreiklang. Auf andere Art hätte er die Melodien zerstört oder selbstsicher neu bearbeitet, besser: Oklavparallelcn (z. B. A. Z. fricisohiii ״Gesänge der Cliasslilfm", 10, jy . ״fIclir.'llndi-Orleiitalhclien Melodicnschatzes“ (Friedrich H 1 melster Verlaß, Leipzig). n0'' Die vorliegende Sammlung ist besoniQrs darum cssant und wichtig, weil sie viele verschiedene Type-(, cliassbtischcn Melodien zeigt. Man kann daran eigentlich S* ■ Wesentliche über die Motivbildung, den EmpfiiHltmgscharakJ1 ‘ die Intcrprctationswcise usw. dieser merkwürdigen und 'י der Welt einzig tlastehenden Mudkgattung erkennet!, ,y!5 würde sich vielleicht wünschen, daß das Inferpretatürisch* also die spezifische Art des Vortrags, durch die Notation und! deutlicher zum Ausdruck hätte gebracht werden können Ih ist ohne vorherige Plumogramine gewiß sehr schwer' »kII doch keineswegs unmöglich. Aber diese Aufgabe dürfte tnl tcren Arbeiten Vorbehalten sein. Wir keimen jetzt d»s alt gemeine Wesen der eliassidiselie״ Gesänge und wiimth«, uns eine verfeinerte Notierung, durch die wir auch die zart™ Unterschiede, die verschiedenen Versionen und Auflassune« die Slile der einzelnen Hofe sowie die Entwicklung <u chassi di sehen Singstils erkennen lernen können. 8 ח ), keinesfalls nur in den Idcholuis Werk enthält 2>0 Nigimim aus Polen, Ukraine׳ Galizien, Litauen Weißrußland usw. in der Einleitung werden die Hauptgedanken der c.hassidischcn Ideenwelt skizzenhaft dargestcllt. Die Lieder selber sind nach tonalen Zusammen, hängen geordnet. Das Material ist zu einem grollen Teil aus früheren Sammlungen bekannt, jedoch cnthalien die Z״. satr.ksipitcl eine Reihe neuer, mündlich und handschriftlich über. Referier Stücke. Folkloristisch wertvoll sind die cha$sdj<d,J Seherz- und Spottlieder, die die Auswüchse und Niedere״!«, crscheimmgeii persiflieren. Instruktiv ist die Aufnahme y« Melodien, die offensichtlich fremden Ursprungs sind 11«! bi chassidischcn Nigunim umgeformt wurden. Ebenso wie di« vorangehenden und folgenden Sammelbinde des V»rf,mm lehrt uns dieser Band wieder manches Neue über du W«aj der jüdischen Musik. l,don Alßnr.11 Chants Julfs (Soclitd Anonyme des Edition Rlcordl, Pari*); Trais Chants Höbralque» Traditionel (Hu Esch Iß, Paris); Trois Chansons Populairct Juivca (MaiEschij, Paris). Daß Algazi einer der besten Bearbeiter jüdischer Uder Ist, wissen wir schon lange. Daß mau auch mit mumm gewohnten Dur- und Mollakkorden neue Klangwirkuar« nervorzatibern kann, beweisen seine Bearbeitungen ostjüiliscte Volkslieder für Solostimme und für Chor. Hier werden Br» klänge verwandt, aber so unbanal und ncukliugcml, daß mn sic nicht wiedererkennt. Dazwischen hört man auch dissonante Klänge; sic sind aber so zart in die melodische Linie hineingebaut, daß sie kaum als Dissonanzen wirken. Das Lied ״Adonai Elohcmi" ist vorbildlich als Gestaltung eines jüdischen Hezilolivs seitens eines modernen Komponisten (bisher hat man das jüdische Rezitativ ineist so behandelt wie Dach oder Händel oder gar wie Wagner). In dem ״Adonaj“ wachsen Melodie und Begleitung aus demselben Klang berat«, in de» sic wieder biiieinmüiulen; so entsteht eine organische Vetcinhcitlidning, die geradezu etwas Pflanzenbaues hat: eine ganz zarte Klangblütc. Von den Chören ist ״Lo mir anheuben“ ungewöhnlich richtig im Sinne chassidischcr Interpretation gefaßt. Darin» Milhatid! ״Chansons Hdbralqucs“ (Sfnart, Paris); ״Pobmcs Julfs“ (Max Escliig, Paris); ״Psaume 121" (Unitrerlal-Editlon, Wien). Bei all dem oben Gesagter! darf man nicht vergessen, dal der ״Vater" des geschilderten Stils Darins Milhaud war, dessen j.Poemcs _aifs“ bereits im Jahre 1916 erschienen und in ihrer Art unerreichtes Vorbild geblieben sind, Milhaud war cs, der den Stil des französischen Impressionismus in Verbinriimg mit seiner eigenen polytonalen ״ecrittirc“ für di* jüdische Musik erobert und ihrer Auffassung und Verarbeitung dadurch neue Bahnen erschlossen hat. Dadurch ist dir jüdische Mclodie auch einem mehr außenstehenden Publikum nahe■ gebracht worden, und dadurch hat sic auch für den nicht• jüdischen Musiker objektive Geltung erlangt. - Auch Milhaud halte einen Vorgänger: den Nichtiiidcri Maurice Ravel, dm Mitschöpfer des französischen Musikitnprcssionisimis; seine Begeisterung für die ungewöhnliche und mystische Schönheit der jüdischen Gesänge war so groß, daß er sich durch sie — wie er sagte — in eine neue musikalische Welt versetzt fühlte und für einige Zeit völlig unter ihren Bann geriet. A. J.-L Tanzszene, Der Mannheimer Komponist Karl Ham* bürget legt eine Tanzszene ״Esther", für großes Orchester, vor. In Form einer sinfonischen Dichtung wird die Rettung des jüdischen Volkes durch Esther zu schildern versucht• Bemerkenswert an dem ausgezeichnet instrumentierten hVerke romantischer Haltung ist die Verwendung süddeutscher Mtlo• dien, wie sie zu den Warten des Buches Esther, Kap. 8,»• la jehuditn linisooro wessimcho waxsosson wikor, und Kap.7,1” wajislu es Hornau al hoez aschcr hechiu l'mordccliai mas hamclerli schochowoh gesungen werden, sowie die de» bekannten Moaus zur jeschuossi. Wenn auch ein Werk älter« Art, sollte cs doch gelegentlich in den Konzcriprogfamm*» jüdischer Veranstaltungen einen Platz finden. Dr. Oskar Guttman«. ver arbeitet, wie Milhaud etwa. Härten (für romantische Ohren dissonante Klänge) sind genug da; sie ergeben sich aut einfache und natürliche Weise. Manchmal ist eine Stimmgruppe ganz normal (dreiklangmäßig) ausharmonisiert und eine iibrigblcibende Stimme geht unregelmäßig einen an- «lern Weg. Häufiger aber werden zwei Stimmgruppen (jede aus zwei Stimmen bestehend) gegeneinander und aneinander vorhcigcfiihrt. Solche Akkorde fallen wohl auf, erschrecken und überraschen jedoch nicht, weil sie sozusagen nur ״Wegkreuzungcu“ bedeuten. Sehr oft entstehen Sept- und Nonakkordc, aus zwei, ein« Terz voneinander entfernten Dreiklängen, die gleichzeitig kommen und sich dadurch überlagern (z. B. c~c~g ־'־ e— g—h c—c—g—11). Es kommen auch noch andere Bildungen vor, die ebenfalls aus zwei, verschiedenen Dreiklängen augeliöreiuieii, Teilen bestellen (wie z. B. in den letzten Takten des Aschrc: von oben nach unten gerechnet es— c— as:• - b־g). Diese Dissonanzen entstehen recht versöhnlich, so en passant (als Durchgänge, wenn auch aut betonten Taktteilen); der folgende Akkord ist meist schon als Sept- oder Nonakkord zu identifizieren ׳ (s, 0.1, und der dritte ist ein richtiger Dreiklang. Die vorläufige Lösung einer Dissonanz erfolgt gewöhnlich sofort, die endgültige dart min- Bestens beim dritten Akkord erwartet werden. Die Stimmfiihrung des Werkes ist betont einfach; die Schritte sind klein und vorsichtig. Dr, H. N. Zwei musikalische Kinderstücke. Aul dem (lebtet i Kinderoper und des Kimlerstückes bleibt noch viel zu diese musikalische Literatur steckt noch in den Anfänge ׳ während man Klavierstücke für Kinder schon immer «י'״ und spielte. Vor allem ist zu wünschen, daß für Kinder aus jüdischen Stoffen etwas geschaffen wird. ״ «ei hingewiesen auf ein älteres und ein neues Kimiersp י von jüdischen Komponisten komponiert. Das eine: das bahnsnicl“ von Paul Dessau (Edition Benno Balan)׳. . Begleitung von zwei Violinen oder Klavier oder chor und das ״Zirkusspiel“, mit deutschem und [ran. , schcm Text, von Josenh Kosma (Edition ״l’ro MJJ51 ' Paris) mit Klavierbegleitung. Beides Stücke, die den K|!) Freude machen. Dessaus Musik in streng ״modernem , äußerst vereinfachtem Stil, leicht faßlich und ße1s* . ' Kosmas Musik etwa im Stil der modernen Operette^ . liächlicher, aber mit hübschen kleinen ״Sclilagern wirksam. Jedenfalls ist in beiden der Anfang eines für Kinder gezeigt, der hoffentlich an jüdischen bald erprobt werden wird. sch scheint Das dritte Heft der hebräischen M usik-Klnderr('* rift ״Zlilim“ (Redaktion JochcbW DasfrawskQ Kürze Die Komponistin Verdina S c h 110 n s k y hat zu einem der neuen palästinensischen Filme unter Benutzung palästinensischer Volksmelodien Musik komponiert. Heinrich Jacoby (Schüler von Paul Hindcmith) ist «Is Bratschist in aas Jerusalemer Streichquartett eingetreten. jflDlSC» ין ‘ Spat da* v0״ Line g« ipl-m-Bi die י־ ־ 7.cit d« neu ist. Koch b Aut wir erfc; jrillmani ( schlagen die bev nicht eil sie »ich J.S, FC. Sp Vorsonn sich bc Die Elf etwas % lm * gil ts iw-ischci :: schönst« ,ן jn:t) 1! «,1 Resultat ז di« grt D letzten 1' } t f t'l r ־£ Stilö The«01 pgz. llako* 14:0; -i;• gfC*n rt;• llak״• ';| Sriiülc ,'1J: rs« ■'1 ״ ׳ 1■: , 1 Das 1 1r■ ,1 brachte•,1, ■( buch n , ,ן! siegte I ־ ' Dt«‘* . ' L brachte 1 11 spici d 1 , 11 ako (lau » 6:2 (5 una si, 1 fie di(' ,1. JTSC!!; IDgil _t , Be‘! 'der Süf?',יי: r• . 1.1 )» , >)־' Postscheckkonto: Borlln Nr.10498< Bankkonto: DeosdnsrBsnk, ״ Dsposltonkasss Kuplürstsrnf•׳״" Die bl für .«,i( letzten V, mit 3:- 2י::!;! Tlst: 1־; hatte ’:r, 1 cmgel'• "! die D!':; : furt. <’i Darm.'i• «nw I1,. A , fand יי ■t 1׳ , , ln Hi*!,: binati 1 körpe •;'!;׳!־,׳■' |')וו¬ וי יי! ןי׳ •ןז יי a 1 י 1• ו• Leist■:״ ■ ’ Icl :־י!■ l.״v«י ,> , Zu V .! . * Mil;' , »pric.; Best,; Dam 1 Wälii'l! <5:21■*! ., .2י des War,' Han: Mal׳, Vor: Spr '« Vet