Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-12-21 · Heft 102-103 (21.12.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 102-103 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653547--26182-2683365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

RUNDSCHAU LITERATUR - BLATT 4 NR. 102/103. Sl. DEZEMBER 199^ Der Prozefj Jesu ״״Prozeß Jesu. Nach den Zeugeusdhaften der Zeit dar- ^״stellt von Leo W ei s rn aut el. 1 homas-Verlag, Berliniiidcnilc. fS muH voraus geschickt werden, wie leidenschaftlich dies 1,״.f Inreits kur/ angi ziigtc ־ Buch gesellliehen ist, wie : ״danßcn nimmt auch wenn ״,an die Vorgänge - das fkn Jon - fl»• kennt, wie man von dem Augenblick an, ‘ lic ״!:entliehe f.r/ahlu״g beginnt, indem Johannes der t ulcr wie mit einem l־orhssimo-Einsatz anftritt, bis zu : 1 ״'ntle der Kreuzigung unter der verfinsterten Sonne, wie 1״m das ganze umfängliche Buch hhulnreh kaum zum Aufjju1) kmiimt: so ist man hingerissen, so lebt man mit. Und 'dl ״tan 0־ mitlcbt, weil ja auch unsere Sache da geführt lfl|!)«!״״ו* man wieder und — stockt und stockt und muß '.״ferspree):en und merkt, daß man nicht widersprechen kann. K<s sinnlos ist, weil man eine andere Sprache spricht. Kami cs etwas tiefer Entmutigendes geben? Wcismaii• .flid Katholik, verharrt mit bewußter l Inbedingtheit in ' iuer Tr;«ditio1», von der heruber zu unseren Traditionen man- :..,•rlri!!rucken geschlagen und gangbar sind; VZeisinmitel ist gellt er, wirklich ein l)ichtcr׳ dem es bei seine« großen Vfilksromanen nie t11n_l itcratur, immer tun das Lebeiismiißige, ״cntir (tut das Geschick cin/elner I lauptpcrsoncn, sondern tun •f Rettung der Gemeinschaft geht, wie unseren besten Köpfen; und wenn es cndlirh auflerhalb unserer Gemeinschaft (5111 Man!• g'ht, der etwa für Buber-Rosenz.weigsrhe Ideen- .,!;ן mul für die daraus erwachsende Bibel-Verdeutschung «cla VcrMünilnis aufgebracht und dokumentiert I1.1t, so ist h Dichter, der Pädagog, der Katholik Weisniantel dieser Slann... warum also eine andere Sprache? fcimirnfel beginnt seine Darstellung mit einer Ein- 1.jhr11ng, aus der man die Vorgeschichte der Juden, die i׳(rl1,,!Wisse im gelohten I.amle unter rdiniseltcr Herrschaft «ui die jüt ischen Parteien kennen lernen soll. Und schon da- '1 nickt man wolil zusammen und kam! doch nicht widert־re:lu־n. In dieser noch zu erörternden Einführung ent-;-rieht etwa das Bild, das Weismantel von den Pharisäern entniifi, halbwegs dein Schatten unserer Vorstellungen. Aber im (:;entliehen Leben und Prozeß Jesu entspricht es nur noch jr sim|dm Sdilagwort Vorstellung, wonach die Pharisäer;.arnpe Heuchler und wüste Kerle gewesen sein müßten. Nun htte sielt Weismantel ja z. B. bei Baeck mit Leichtigkeit über j!s Wesen der Pharisäer unterrichten können. Warum unter- Id er das? Und welche Quellen benutzte er? Obwohl Weismaiitd den Flavins Joscplius viel benutzt hl und ne.111t, scheint er sonst alle j ü d i s c 11 c n Quell «!1 u parteiisch gemieden zu haben; es ist sonst unbegreiflich,!mim er in seinem ausdrücklich ״nach den Zengeiischafteu dir Zeit" geschriebenen Werk die Zeugenschaften der Zeit :am Thum der Pharisäer, vor allem die berühmtem taluuifeien Ariilk'runpen (״Es gibt sieben Arten von Pharisäern“ e!«| nicht benutzt hat. Da er aber auf die Vollständigkeit eines Qirfcnvcrzcichmsscs und die Wissenschaftlichkeit seino H'cücs keine״ Wert legt, glaubte er, sich all das erspatarn körn en, und tatsächlich wird auch, wer damit nicht einvferfrii ist, Wdsmantels Mißtrauen gegen ״die weltliche \t'iii:־s;11n;t“ verstehen müssen; besonders diesem seinem 1 fegemiber bat sieli ja die Wissenschaft unsterblich feilt. I )10 Mode der ״Wissenschaft“ ist längst vorüber, und reti Weis:־,״intcl gegen sie polemisiert, so rennt er offene Türu ein, mul wenn er daraufhin auf ein Maximum des Wissens (nicht der sogenannten Wissenschaft) emphatisch verhch;ct. so schlittet er das Kind mit dem Bade aus. Anstatt ■'« wirklich ach ■so toten 1). F. Strauß benutzt er also als i’Jtk die Visionen der stigmatisierten Nonne Katharina Enin״:li, die Brentano vor über 11 mulcrt Jahre« niedcrschrieb, ifmuzt sie mit dein Argument, daß der ״Wahrheitsgehalt“!'!.11er ״mit Blut und Qual“ bezahlten Erkenntnisse größer «als die Glaubwürdigkeit recht viel billiger und bequemer ״Mbuier Wissenschafts-Resultate. Was das uns angeht? Es i:tj1 eine jüdische Welt, die Wcismantet darstellt, und •’׳ fr viele jüdische Quellen meidet,• muß seine Darstellung '״eilig werden, und wenn am Laubhüttenfest Priester und '<* anstatt der Frucht liier mit ״je einem Etrogzweig“ auf- Mo!, so ist das noch das Wenigste. Die Rolle, die der Verräter Judas spielt, ist viel bedenk-;״«r. Es ist aucli bei Wcisinaiitcl ■die volkstümliche, nur •"«er motiviert, indem alle Motive der Literatur vereinigt *erden: Judas verrät sowohl weil er sich zuriickgcsetzt fühlt, *:י well weil er entläusclit ist, daß Christi Reich nicht von «!er Welt sein soll, als auch um der dreißig Silberlinge '1«וו. Aber ist das nicht zu viel motiviert, um den Ciia- «'er noch psychologisch glaubhaft zu machen? Es kommt ‘«manten nicht auf die landläufige Romaiinsychologie an, ‘«י!!, und auch wir haben ja liier keinen Roman zu kritij'r™. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß es um unsere 'geht. Die anderen Apostel und die treuen Anhänger J1״k״־ als Juden gezeigt, als Jünger des einen Rabbi, der «t um das jüdische Gesetz zu brechen, sondern um cs 'Grfullcn gekommen sei, aber sie alle gelten in der all gel'incn Vorstellung als Jünger, und nur der eine von ihnen, “r Was heißt, gilt als Jude; die Jünger, die treu bleiben,!111“*Ile Juden, aber der Jünger, der untreu wird, gilt a״e Juden. Hätte Weisniantel den Judas anders darstcllcn י״״י׳י? Maßgeblich sind ihm nicht allein die Evangelien, ‘,»wäre auch eine andere Darstellung denkbar; denn weder ״ns_ noch die Offenbarung Johannis erwähnen einen Ver- ,1'1 ersten Korintherbrief des Paulus ist von der ״Ueber- ' «־ Jesu an die Behörde mit dem gleichen Wort (parcdi- "'0י lfs! Luther übersetzt: verraten) wie bei Matthäus und . 'ctjs die Rede von der Gefangennahme des Täufers Jo™!’־ L ' ,r '•och nicht ״verraten" wurde. (Daraus folgerte Volk* ׳* Verräter sei überhaupt erdichtet, und zwar von der! ״mischen Partei, die Paulus einen Platz unter den Zwölfen jjjrp machen wollen und das nur konnte, indem sic einen ,";י* 1 ■ו ,Wn Judas, herauswarf. ״indem man den Verrat des!cm« Volkes auf ihn übertrug“.) u 1?.3י schriftstellerisch, nein, dichterisch großartigste Stuck Anklage bis zur Vollstreckung des Urteils, der i1i(1״tlc,,c. I’r0*c» Jesu. Man stelle sich einen naiven hr m-71 •cscr Vort «Rr nur die ji'1 fischen Schriften und die ihm m1,c, )cncr Zeit kennt, gut kennt: es ist unmöglich, so ,m״ublla[t m machen, daß damals zu Jerusalem sich alles im'i,'lc »t!' Weisniantel cs schildert, nur um Jesus gedreht ״״,’']'!} das Synhedriou einen solchen Prozeß so fuhren »kl!! kd,l״s0 '־ic:c Entlastungszeugen gehört, nicdcrgcschncn* toich״ ntUc^?.lcl,*1ßt wurden, daß der Hohepriester sich eine htikri, ״״Jic nicht nur priesterlichcn, sondern selbst noch P,.״eh1nens geleistet hätte. Eine solche Schwarzdolont 1 1 lst künstlerisch unmöglich, die Handlung py* Wrkmff1 ,lUHl Instorisch undenkbar — ia, aber wollte denn lieh pi״Ki Kunststück schreiben? Ist denn Religion mog- 'dichi־״ a!1 deiilibar? Merkt man endlich, daß es wirklich tlCnc Sprachen sind, die wir sprechen? hitr ^״»«״?״״tehc uns nicht und glaube nicht etwa, es ßäbe ^'sta11'^״e5*,e Gegensätze. Selbst da, wo Wdsmantcl sie S׳ort er *>cn nur vorsehen, wenn Jesus, und jedes aas « spricht, bestätigt es ja, gekommen Ist, um auf ־׳/ Otto Zarck 1 ״Treue“, Bibliothek Zeitgenössischer Werke, Zürich. Zarcks neuer Roman spielt!11 einer kleinen Amts• und Industriestadt nahe bei Breslau — unter Arbeitern, Arbeitgeberit und Breslauer Studenten, Das Jahr B)3ü liefert die rolie: Wirtschaftliche Krise, also wirtschaftliche Kämpfe. In sie greift eine politisch illusionistische, in ihren Trieben und Gedanken überhitzte und pervertierte Studcntcngruppe ein. Zum Schluß geschieht ein Mord, der das Thema des Buches ins ״Tiefcnpsycliologisch c“ überführt. Dieser Gang der Handlung, auf soziologische Unterlagen eme individualistische Tat bettend, kennzeichnet auch Zarcks Entwicklungsgang um! sein Verhältnis zu den Objekten seiner Schilderung. Er hat bisher seine Stoffe aus iutdlektnalistisehen und künstlerischen Milieus geholt. Er ist den Uchcr- Steigerungen und Kreuzungen, den Stufungen lind Verlagcrtin* gen des menschlichen Fuhlens uml Denkens nachgegangen — nicht immer mit dem genügenden Aufwand an innerer Kraft und an Ausdrucksvermögen. Dies vielleicht hat ihn zur Darstellung einfacher und unkomplizierter Menschen und Vorgänge veranlaßt, 80 vielleicht entstand der Plan zu seinem Arheitcrhuch. Uchcr dieses ist vorab zu sagen, daß es einen unverkennbar starken stilistischen Fortschritt Zarcks bezeugt. Die Sprache ist einfacher, zielvoiler und flüssiger geworden. Sic fließt leichter als bisher ins Bild und zielt sicherer auf den Kern der Dinge, Znrck hat sich auch bemüht, das Technischc einer schwerindustricllcn und einer Schuhfabrik und das Soziologische des Eabrilcatioiisprozcsses 711 erfassen. Er phantasiert nicht darüber, er gibt Tatsachen. Aber diese fügen sich noch nicht seiner derzeitigen menschlichen Uebcrschau ohne Widerstand ein. Das Private und Privatleben der Arbeiter, zumal all er deren erotische Abenteuer drängen zu stark in den Vordergrund. Dabei gelingt cs dem Autor freilieh, eine Reihe lebensvoller Figuren zu zeichnen und eine Liebe zwischen einem Studenten und einer Arbeiterin üarzustellen, die mehr als schön, nämlich innerlich wahr und zwingend ist. In dem Städtchen kommt cs zu einem würfen Streik und zu einer ״Aktion“ jener nichts als wilden Studciitengruppe. Eine Abordnung von ihr kommt zu einem Arbeitgeber, urrt Ihn nicht zu Zugeständnissen zu zwingen, sonder״ ihn auch aus der Welt zu schaffen. Hier wird der Dichter kühner, als cs die Realität erlaubt. Hier gerät er leider ins Phantasieren oder eigentlich ins Konstruieren. Der Führer der Abordnung will den Tod des Arbeitgebers, jener andere Student, der gerade vom Totenbett seines geliebten Mädchens kommt, soll »chießcn. Aber er erschießt den eigenen Führer uml Ver- Führer. Das ist eine kriminalistisch-psychologische Pointe, ein Artistenstückclu'ii, aber keine Lösung. Zarcks Roman zahlt frtl Seiten! Es gibt Jetzt eine Reihe von Romanen, bei denen die Quantität zu einem Problem des Qualität wird. Auch bei Zarck erweist sieh dies insofern, als neben die Zahl der, wie gesagt, oft sehr lebendiger» Figuren eine ganze Reibe von Figuranten tritt, denen kirnst« liebes Leben eingcblasen wird. Die Gefahr der Langeweile, die daraus entstellt, überwindet Zarek durch seine betrachtliehe Er/iihlcrgabe, durch eine freilich nicht immer wäll« Icrischc ״Lust am Fabulieren“. Er kniet sich gewaltig und gewaltsam ins Erotische hinein, in Affekte und Effekte, die mehr zur Unterhaltung als zur Förderung des künstlerischer» Gesamtbildes beitragen. Aber die Reihe der bildlich aufgefaßten Menschen Ist dicht genug, um dem Roman seine dichterischen Qualitäten zu wahren. Zarck ist auf gutem Weg. Er schürft nicht tiefer als die Generation um ihn, aber er malt bunter und sicherer als die meisten seiner eben aus ihren Anfängen heraustretenden Altersgenossen. Er hat genug V/cIt In sich und auch Kraft genug, um sie zu händigen. Daß ihm vorläufig! noch die Oberfläche besser gelingt als der Untergrund, das Vordergründige leichter fällt als das Hintergründige, spricht nicht gegen ihn. Er ist auf dem Weg. hs. die Erfüllung des Gesetzes zu dringen, so gibt es keinen Oegensatz zwischen ihm und dem Judentum, selbst wenn er dafür verfolgt wurde, und auch aus wcismnntcls Buch muß der vorurteilslose Leser den gewaltigen jüdischen Urgrund kennen und ehren lernen, in dein Jesus lebt und aus dem nach ihm die christlichen Kirchen wachsen. Von Gegensätzen kann also mindestens hier zur Zeit des ״Leben Jesu“ keine Rcitf sein. Aber hier scheiden mul schneiden sich die Wege midi. Weismantel steht auf dem Boden einer Kirche, die sich bald zweitausend Jahre von uns forientwickclt hat, und wenn wir auch mit Heiden wenig, mit bewußten Christen viel gemein haben, sogar die Idee des Messias, so glauben wir doch im Gegen• satz zu ihnen, er müsse noch kommen... und darum sprechen wir verschiedene Sprachen? Es ist müßig, die Unterschiede zu suche!». Betonen wir lieber das Positive, das auch tms akzeptabel erscheint, und freuen wir uns eines Mannes, der darin so leidenschaftlich, so dichterisch, so geistwillig ist wie Weisniantel. Wir sind keine Fanatiker des Verstandes und ״Pharisäer“, wir haben in diesen zweitausend Jahren zu Gel erlitten, u!n nicht den Jesus dieses Buches besser und — jüdischer zu verstehen als den gar nicht so jüdischen Kaiphas oder den mißglückten Judas. Jede Zeit schreibt sich ihr eigenes Leben Jesu, und wenn das von Renan ein letzter Hauch der Aufklärung war (Jesus ״hat den Grund gelegt für de« wahren Liberalismus und die wahre Zivilisaikm“), wenn das von Strauß den platten Verstand gegen die Religion ausspiclte, so lehrt Weisniantel den Sieg des Geistes über die Politik. Haben wir aber erst den Schlüssel, so verstehen wir das Ganze, und es kommt auf die Einzelheiten nicht mehr an, sondern: ״Wir alle, die gelebt haben, leben und leben werden, treten in diesem nie endenden Prozeß auf“, und unser Leben wird zur Bewährungsfrist, ob wir Menschen des Geistes oder des Ungeistes sind. Leo HJracb. Ein deutscher ״Raschi״״ Bei dem ständig wachsenden Interesse, mit dem sich -- a. dank der von der ״Jüdischen Rundschau“ angeregten Ausgestaltung der Schabbat-Jugcndfeiern — immer weitere reise der Jugend jeweils mit dem Wochenabschnitt beschafgen, möchten wir die Aufmerksamkeit darauf lenken, daß ie berühmteste alte Bibclcrldärung, der Kommentar a s c 11 is, in einer deutschen Ucbersetzung vorliegt, die 301)01 in dritter Auflage neu erschienen Ist. (Rascld’s dnunentar zum Pentateuch, vollständig ins Deutsche über- •ageu und mit Einleitung versehen von Rabbiner Selig Bame rg er. J. Kauffmann-Vcrlag, Frankfurt a. M. 1035, M. 6,—) •aschi, der im 11. Jahrhundert lebte (1040-1105), ist der opiiliirste Kommentator der Bibel gewesen, der das Bibel- Indium unserer Ahnen durch viele Jahrhunderte als unverleidlicher Weggenosse begleitete. Schon aus diesem Grunde 1t cs wichtig, ”sich mit dieser Schrift bekanntzumachen. Man art freilich niemals vergessen, daß man keinen Zeitgenossen, ondern einen Schriftsteller des 11. Jahrhunderts vor sich at in dessen Stil man sich erst einlescn muß. Obwohl ir Hcttii״cn vieles mit anderen Augen sehen, werden auch ׳ir in Raschi's Erklärungen so manche reizvolle und tief- Innige Bemerkung finden, die wert ist, wieder lebendig zu /erden. Das Buch Bambcrgcrs Ist vor allein als Hilfe für me bestimmt, die Raschi im Original lesen oder, wie man ägt ,lernen“ wollen. Sie legt daher keinen solchen Wert auf eutsch-sprachliehe Formung als vielmehr wörtliche Wiederabc• durch Qucllenhinweis bei Blbclstellen und Anknüpfung n die hebräischen Originalworte whd das Verständnis bcanders erleichtert. Ein Buch über Marokko Robert von Wattenwy 11 Ein Land. Menachen In Marokko — Orell Füssli Verlag, Zürich. — Preis: 6,- RM. Dieses Buch eines Schweizers ist für uns, deren Blick auf den Orient und auf die islamische Welt gerichtet ist, von starkem Interesse. Landschaft und Leben der Eingeborenen und Europäer treten in einer Reihe von einzelnen Bildern uns vor Augen. Juden begegnen uns nicht oder werden nur ganz am Rande gestreift. Der Blickpunkt, mit dem Wattcuwyl das Land sicht, ist der eines Europäers, der in die tremdartige Umgebung verschlagen ist. Das Ist die Stärke und auch die Schwäche dieses Buches, das in einer gewissen Distanz zu den gewachsenen Dingen des Landes, das geschildert wird, verharrt. Dadurch ist zwar der Eindruck, den dieses Leben auf den Europäer macht, plastisch geschildert, das Leben selbst in seiner Eigentümlichkeit wird jedoch nur in den Umrissen und auch in diesen nur relativ blaß sichtbar. __ -Hs Ein Bilderbuch von Tel-Awiw Unter dem Titel ״Das ist Tel-Awiw“ hat Anale Mainz ein besonders geschmackvolles und eindrucksvolles Bilderbuch von Tel-Awiw heransgegoben (Verlag M. Lcßmann, Hamburg. M. 1,00). Der große Vorzug des Buches besteht darin, daII es nicht die üblichen, nun schon aus genügend Publlk.ilioneu bekannten Bilder der Straßen und Gebäude, sowie der rapiden Veränderungen bringt, sondern wirklich Ausschnitte aus dem alltäglichen Leben. Plakatsäulen, Ifansschitdcr, Spielen der Kinder, einzelne Menschen und Typen bei ihrer Arbeit und Muße. Die merkwürdige Mischung von altem und neuem Judentum kommt da besonders stark zur Geltung. So ist cs der Photographin gelungen, wirklich! etwas vom Charakter dieser buntfarbigen, lebendurchpulstcn Stadt cinzufangcn. Die besonders gute Reproduktion der Bilder macht das Büchlein zu einem kleinen Kunstwerk, das man jedem empfehlen kann, der den Eindruck von dieser werdenden Großstadt im Heiligen Land bekommen will, h« Der Schweizer C. A. Looslf. der durch sein Gutachten Im Berner Prozeß um die ״Protokolle der Weisen von Zkm“ einer «׳eiteren ücffentlichkcit bekannt geworden ist, hat (im Verlag Fenz, Bern) ein Büchlein ״Weisheit in Zweizeilern“ veröffentlicht. In Distichon-Form werde!* liier Zustände und Eigenschaften von Mensch und Leben, Stadt und Gesellschaft, Bildung und Gesittung charakterisiert«! Der Verfasser ist ein skeptischer, aufrechter Geist, der mit vorurteilsloser Kritik an die Welt hcrantritt und hinter dem äußeren Schein das wirkliche W'csen zu erkennen und zu enthüllen sucht. Er spart auch nicht mit Spott und Ironie« um Schwächen zu geißeln. Es ist verständlieii, daß nicht alle! diese Sprüche gleichwertig sind. Aber in dem Leser wird die1 Weisheit dieses Realisten (inan denkt an Popper-Lynkcus)( haften bleiben und die Pflicht zur Selbstkontrolle fördern. Gold -hcidcr* ״Burckhardt“. Von Jacob Burckhardts» ״Kultur der Renaissance in Italien“ hat den Pltaidon-Vcrlag in Wien eine große illustrierte Neuausgabe veranstaltet, die man wohl als verlegcrische Spitzenleistung bezeichnen kann. Für den (bei Phaidon-Ausgaben üblichen)! Preis von 4,80 M. wird ein schon und übersichtlich gedruckter! Qanzlcincnbnnd in l.cxikonforwnt mit 420 herrlichen Kupfer« tiefdriickcn geboten! lieber den Text dieses berühmten Werkes, ״gerundet als Stilkunstwerk und Gedankenwelt“, ist nichts Neues zu sagen; aber der zweite Teil, die von Ludwig Goldscheid et aus umfassender Kenntnis und mit fein« stem Verständnis zusammcngcstelltcn Bildertafeln, sind ciri Werk für sich. In diesen Bildern lebt die ganze Renaissance« weit auf: Städte lind Herrscher, Päpste und Heerführer, Orient und Okzident, Kirche und Aberglauben, Wissenschaft und Literatur, Dichtung und Musik, Privatleben und Kunst: — alles in zeitgenössischen Darstellungen vorgefiihrt. Inhalt und Form sind hier eine Einheit; inan kann sich kaum eine ein« drucksvollcrc Vorführung einer geschlossenen Kulturwelt vor« stellen. Daß so ein Bucli durch seinen relativ geringer» Preis weiteren Volksschichten zugänglich wird, ist eine wahre Tat im Dienste der Bildung und Humanität. Der Taj» de» Ariers. Von Edith Gräfin Salburg. Schlichen Verlag, Berlin SW. 11. Dieser zuerst in der ״Deutschen Zeitung“ erschienene Roman kreist um die Person des antisemitischen Vorkämpfers Theodor Fritsch und um den Wiener jüdischer» Literaten Arthur Trcbitsch, der — ein Analogon zum Fall Weiningcr — sich in tragischer Verirrung als Jude der antisemitischen Front ״״geschlossen hatte. Das Buch bewegt sich allerdings auf einem Niveau, das (abgesehen von seiner politischen Tendenz) auch wegen seiner künstlerischen Unzulängliclikeit aufs schärfste abgelehnt werden muß. Die Ereignisse und die handelnden Personen überschreiten in fast allen Kapiteln nur allzu häufig die Grenzen des gute» Geschmacks, die auch für einen ״politischen“ Roman Oeltung haben sollten. t.n. Theodor Hcrzls väterliche und mütterliche Vorfahren. Vor» Dr. plril. und jur. Paul J. Diamant. Verlag Bamberg«; und Wahnnann, Jerusalem, 1931. mting interessiert in der heutigen Zeit besonders stark, der das Interesse an Familiengeschichte erwacht ist Dl ntants Studie, die der Verfasser durch verschiedene Aufsät In den Wiener zionistischen Zeitungen vorbereitet hatte, i ein nützlicher Beilrag zu der bisher noch recht unvolkoi menen Kenntnis über Hcrzls Familie. Das Ergebnis Ist, d; die Erzählung von der spanisch-jüdischem Abkunft Her; nach dem Stand der Forschung eine Legende bleibt. Besä der» interessant sind die Untersuchungen Ober die mutt« liehen Vorfahren Herzls, die möglicherweise urtprüngli aua PhUlppsbu!! am Rhein stammen. —a,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.