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Jüdische Rundschau · 1934-12-18 · Heft 101 (18.12.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 101 (18.12.1934)
Date
1934-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 ffr. 101, 18. XII. 1934 ׳JÜDISCHE RUNDSCHAU jiil'itf ’ «n!l •f»**״־ d.ilvci 11.1v•'•> Auswahl von Armcnanwalten Pie ,« Vsc ז' C *,',8,y.14 י״״׳י ‘‘׳. Dezember gibt eine ״fetnichic Verfügung des Ucichsmumters der lustig und h }״,Ifecf!״« just./m.i.^tcr« vom 10. 12.!931 bekam,, n ״flclu'f Uir <11e Beiordnung von Rechtsanwälten in Afmci's1’1'1״'" einige Grundsätze aufgeslcllt sind, die l wie *lic Verfilm« an, Eingang sagt _ ״außerhalb .(!fntalif.'cij ,^-.,1^.,״ n Abstimmungsgebietes״ zweck- Bei der Auswahl des beizuordmndcn Anwalts sollen die fünsflir der 1 arte! nach Möglichkeit berücksichtigt *erden. We״״ ein Wunsch nicht ausdrücklich geäußert wmfc, h^c sich em solcher vielfach aus den Umständen entueliinsbesondere wenn ein Anwalt tu Vollmacht der Partei ob, ito Armenrecht 1,1j״'!,suche oder in anderer Weise - etwa!1$ Mitglied der NS.-Hfrhlsbdreimngssteile — für die Parte» in ticrsc’ibei! .Sache bereits tätig geworden sei. Weiter heißt es in dieser Verfügung u. a.: ״Wild ein Wmi-Cli nulii gv.u.licri, so jst ,!er Anwalt so mnr,»;1hli•״. *ic CS den l>c 1 e h t i g 1 c ״ Belangen der Pa״ei in Hl 111.1 Ü l»e 11 cn Wünschen nit.-pricli,. Es wird ״"'Z"gch«'11 s*''"׳ d.1IS eine arische t’iirlei die Iteiord• ",",ן fine י mis«!"חי Anwalt» erwart«■!. —!,״ iil,rigtnt ja lKj ,)er Zmrd'irig k׳r Arniensai litn sorgfaliig darauf m achten, tlaii ]!<■- wt״־pn"een CMi/cIncr Anwiilte verinieden werden. Das schließt aber nnlii ןייוו. •i"ü das l.cticht hei der Verledtmg der Arnn-nder w i r 1 se lut I I I i e h e n I. 11 ge der ilun fiir die Ikienlmii'g r״r Neihigmig siebenden Anwälte in fiiigcmcs.wnem Umfange Kerl inmß Ir.'gt .. ." Nach dem Inhalt dieser Verfügung darf man annchmcrt, daß auch den Wut,selten auf Beiordnung bestimmter jüdischer Anwälte entsprochen und der wirtschaftlichen Lage dieser Anwälte hei den Beiordnungen ebenfalls Rechnung getragen »erden soll. Man wird ferner bei jüdischen Parteien, falls sie keine Wunsche äußern, davon ausgehen können, daß fit jüdische Armenanwälte ausgcwählt sehen wollen. ״Humor" Die ״Bremer Zeitung“ vom 11. Dezember veröffentlicht in einer ״humoristischen" Rubrik: ״Was müßte am schnellsten erfunden werden?“ folgende Zuschrift eines ״notleidenden Geschäftsmanns“: ,.Pin l’riiparat, uni alle Volk-geiOTs-cn biw. Partcimitgliedc* zu tfnnK'irliri-n, welche ihre Einkäufe immer noch in Einheilspivis. prah.iHcn, Warenhäusern und ni! htanscheu Cesehäflcn besorgen tmd immer noeli nielit begriffen liid'en, was sie damit anrichion. k 11 •Irnke an ein ger'i'dilos(’», sonst umebädlirhes (Jas. welr!1f< in diese lbui.scr unaulliillig gelegt werden kann und eine Wiikung erzielt, wo die wcil'licheii Volksgenossen meinetwegen beim Betreten rinen Schnurrbart bekommen und Hie männlirlwn emr blaue Na.-c erhalten, was mimleslens 14 Tage anhalten mußte. tiir ',ic notleidende Geschäftswelt wäre dieses liestinimt rum lotiftl. zumal der gnilStc teil der (trsehällsleute größere Sorgen um «eine Existenz hat denn je. Also, deutsche Chemiker, ran «n> Werk.“ Uns erscheint diese Aufforderung weniger humoristisch! Zuchttiere aus Deutschland für Palästina Die ״Finder Zeitung“ vom 11. Dezember veröffentlicht lolgtndc Mitteilung: >1 Außenhafen wurden gestern in etwa zehttstiintliger Verladetrit 168 Kill ic, 10 Itul len. 11 Sehnte, ein Selialhnek, eine Ziege und ׳.'« «et Jigtlhund in dem Dampfer ,Tübingen' verladen und aut öe fieiv■ u.rli Palästina ge-ehiekl. Die Tiere sind von der Zucht- Ifi’mj Pjla-iina in Ostlriedland angekauft worileii; sic hat, wie wir Kfm. pur /'n i c angelegt. i>ie Kosnniis.ion kam ursprünglich in rler Ahrht hierher, nur einen TeUankauf in Osttrieslamt zu tätigen, ™dum 11a• 11 Dänemark •mtl Osiprcußen weiter zu reisen. Sic halte;'Mi hier Gelegenheit, werlvulle Zuehlliere von besten Züchtern w kaufen (das 1 hirelix׳׳hniltsgewieht der 'l'ierc lk-trug 11 Zenl iter), ״ daß m'c!ich entschloß, den ganzen Bedarf ausschließlich in Ost- :m-lsud ״־ decken. Wenn die Tiere in Palästina einigermaßen ein- *ihbgcn, kae.n zum Frühjahr mit einem weiteren Trans|x>rt gerechnet «nlm. Als Begleiter des Viehlransporles sind aus jiidiselien Fiuni. hn ich• junge Leine noserschen worden, die mindestens ein Jahr 1» der f .antlwiriM'haf» tätig waren und in Palästina bleiben wollen. Kt 'ctkjuf Vermittlung der Tiere hat die Firma Breithaupt in lländen gehabt.“ Bern fhemaligctf Professor an der Universität Freiburg, *י■ Edtnnl fracnkel, ist an Stelle von Prof. A. C. Clark, ruriiekgetreten ist, der ordentliche ״Corpus Christi"- '•rttstuhl für romanische Sprachen und Literatur an der Unistfsi!.it Oxford verliehen worden. Damit wurde zum erstenjwl einer der aus Deutschland ausgewanderten jüdischen Oe-!ehrten zum ord. Professor an der Universität Oxford ernannt. Die Rcichsvc rtretung der deutschen Juden teilt mit; Der Organisationsausschuß der Rcichsvcrtrc* tuttg trat am 16. Dezember zu seiner zweiten Sitzung zusaminen. Die Beratung führte zu einer Klärung der Frage der Erweiterung des Präsidialausschusscs der Retchsvertretung. Es bestand Einmütigkeit darüber, daß der י räsidinlatissehuß um zwei weitere Persönlichkeiten erweitert werden soll, die mit dem Berliner Ocmeindclcbcn eng verbunden sind. Eine darüber hitiausgehcndc Erweiterung des Prasidialansscliusseä wurde abgclehnt. Der Ausschuß beschloß, von Personenvorschlägen ahzuschen. Er beauftragte vielmehr einstimmig seine Berliner Mitglieder, dein Präsidial* aussdnili eine Vorschlagsliste vorzulcgen, aus der der Präsldialaitsschuß die Auswahl für die Berufung der zwei neuen Mitglieder vorneltnictt soll. Es besteht Einvernehmen zwischen Präsidialausschuß und Organisationsausschuß, daß die Be- Tübingen mit sofortiger Wirkung vorgenomttien und dem Beirat zur nachträglichen Bestätigung vorgclcgt werden sollen. Der Organisationsausschuß beschäftige sich ferner mit der künftigen organisatorischen Gestaltung der im Zcntralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau zusamniengcfaßtcn sozialen und wirtschaftlichen I lilfsarhcit, die nach der übereinstimmenden Meinung aller Mitglieder des Organisationsausschusses in «len organisatorisehen Rahmen der Reiclisvertretung ciugefligt werden soll. Ucber die Orund/iige der dadurch sich ergebenden Gestaltung der Arbeit wurde weitgehend Ucbercinstimmung erzielt. Die Umgestaltung soll so schnell wie möglich durchgeführt werden. Es wird dann die gesamte zentrale jüdische Arbeit in Deutschland bei der Reichsvertretung einheitlich zusammengefaßt sein. Bei der Fortsetzung seiner Arbeit wird dfcr Organisationsausschuß insbesondere prüfen, inwieweit eine stärkere zentralc Einflußnahme auf die jüdische Schuientwicklung notwendig und möglich ist, sowie welche organisatorischen Aufgaben sich daraus ergeben. Der Organisationsausschuß nahm schließlich eine Reihe von Z11 w a h 1 c n vor. Er besteht nunmehr aus folgenden Mitgliedern: 1. Rabbiner l)r. Leo Bank, Berlin; 2. Juxtlzrat Dr. Blau, Frankfurt am Main, Vertreter: Rechtsanwalt Dr. Geiger, Frankfurt am Main; 3. Wilhelm Breslauer, Leäptig, Vertreter: Paul GolcD-hmidt, Leipiij*; 4. Jusiizrat Dr. Brodiütz, Berlin; 5. Dr. David. Ilamtmrg, Vertreter: Dr. Weidmann, (ilriwitr; 8. Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch, Berlin; 7. Rechts,״1׳w״U Dr. llomvitr, Frankfurt am Main, Vertreter: lfeksclier, llatnlmrg; 8. Rechtsanwalt Kutower, Berlin; 0. Anitsgerirlitsral May, Köln! 10. Dr. Siegfried Mose«, Berlin; 11. Dbtr-ll,1ndc>.^1'richt-rat Dr. Neiiinrycr, München, Vertreter: Knm. nicrzirnrat ,Mayer, Mains12 :.׳. Dr. Leo Löwensteilt, Berlin: 13, Land, gericlitsrat Dr. Rau, licrlin; 14. Profei-or Stein, Karlsruhe, Verlre- Irr: l.cnpold fa-vi, Stuttgart; 15. Recht-auwalt Heinrich Stern, Ber. lin; 16. Rabbiner Dr, Vögelst ein, Breslau, Vertreter: Stndtrat Leß, Breslau; 17. Max VVnrhurg, llainhtjig, Vertretet: Dr. Hitschland, Essen; 18. Dipl.-Ing. Bruno Wuvdci, Berlin. Es darf erwartet werden, daß die Arbeiten des Organisafionsaussclmsscs in entscheidender Weise dazu beitragen werden, der Reichsvertretung in reibungsloser Zusammenarbeit mit Gemeinden, Landesverbänden und freien Organisationen die Verwaltung der gemeinsamen jüdischen Interessen in Deutschland zu ermöglichen. Nachtstunden galten seinen, Werke. Kmllieh, im Jahre 1687, gelang es ihm, «eine erste Broscliurc über die Weltsprache unter dein Pseudonym ״Dr. Lsperanto" luraiis/tigehcit. Bald kamen begeisterte Zuschriften von maßgebenden Persönlichkeilen und Instituten aus verschiedenen Ländern. 1111 Jahre 1905 fand in Boiilogiie der erste Esprrantokongreß statt. Mehr als 1000 Menschen, die in einer gemeinsamen Sprache Tedctcn, drängten sich i!1 den Saal, um Zamenlmf zu sehen und zu hören. Die Ehrentage it, Boulogne blichen ihm zeitleben.« eine schöne Erinnerung, brachten sie doch den ersten Öffentlichen Beweis, daß diese Sprache wirklich leben»- fällig ist.“ Es ist bemerkenswert, daß eine deutsche Zeitung solches berichtet, freilich ohne zu erwähnen, daß Zamenhof Juda war. t! Zamenhof Am 15. Dezember wäre Dr. Zamenhof, der 1017 J11 Warschau verstorbene Erfinder des Esperanto, 75 Jahre aft geworden. Zamenhof hat bekanntlich aus dem Wunsche, die Verständigung von Menschen verschiedener Völker und Sprachen zu erleichtern und dadurch der Annäherung der Menschheit zu' dienen, eine Univcrsnlsprachc in mühevoller Kleinarbeit ausgearbeitet, derer! grammatische Regeln er m״gliehst einfach in 16 Regeln formulierte, Dieses Esperanto, das natürlich die organisch gewachsenen Sprachen nicht verdrängen sollte oder konnte, ist zu einer Weltbewegung geworden. Die ״Kölnische V o 1 k s z e i t u n g“ vom 15, 12. widmet dem Andenken Dr. Zamcnhofs anläßlich seines 75. Oehurtstags einen warmen Artikel, worin seiner außerordentliehen Leistung Bewunderung gezollt wird. In dem Artikel wird berichtet, daB der Vater Zamcnhofs, der ihn fiir einen Phantasten hielt, das Manuskript vernichtete. Zamenhof ließ sich nicht abschrccken. ״Seine Tagesstunden waren ausgcfüllt, armen Kranken in selbstloser Weise als Arzt beizustehen, die Die Taufe als ״Entreebillett Wir erhalten folgende Zuschrift: Der in Nr. 100 der ״Jüd. Rundschau“ vom 14. Dez. unter diesem Titel erschienene Artikel, der sich mit der durch die Taufe befurdertei, und trotz der Taufe wiederum gefährdeten Karriere von zeitgenössischen Musikern belaßt, gibt Gelegen• heit, an einet, Vorgang in der Berliner Musikgeschichte zu erinnern, der die Wiener Irrungen und Wirrungen um füll* rende Musiker jüdischer Abstammung durch seine Drastik und sein Endergebnis weit it, der, Schatten stellt. Und auch dadurch, daß cs sich dabei um den größten deutschen Musiker jüdischer Herkunft handelt, nämlich um Felix Mendels- 8 o h n * B a r t h o I <1 y. Dieser stand im Jahre 1832, obwohl erst 21jährig, seho# auf der Höhe seines Ruhmes, als durch das Ableben seine* Lehrers Zelter der Po-ten eines Direktors der Singakademie frei wurde. Mendelssohn hatte damals neben vielen andern schon die unsterbliche Sommernachtstraum-Ouvcrturc gcschrieben und die bis dahin verschollene Matthäus-Passion Bach* ausgegraben und sie, drei Jahre vorher, in «hm jener Singakndcmic zu einem beispiellosen Erfolg geführt. Es lag also nahe, zumal er Zelter oft vertreten hatte, und es wurde ihm auch von vielen Musikfreunden nahcgclcgt, siel, — auch in Anbetracht des großen Ansehens, das er sich als Pianist, Dirigent und Komponist im Ausland und Inland erworben hatte — um die frei gewordene Stellung zu bewerben. Er selbst trug dabei seiner Jugend Rechnung, indem er sich be* reit erklärte, mit dem Mitbewerber Rtingcnhagen, einem in* zwischen vergessenen, braven Musiker, das Amt gemein* schafilieh zu führen, wobei jenem die Dienstwohnung, die Repräsentation und die Verwaltung überlassen bleiben sollte. Trotzdem fiel der getaufte Jude Mendelssohn bei der Wahl, die durch eine Generalversammlung vorz,,nehmen war, durch: Rungenhagen bekam 113 Stimmen, Mendelssohn 88. Die Mehrzalil der Stimmberechtigten fanden es ״unerhört, daß man ihnen einen Jtidcnjtmgcn als Direktor aufreden wollte“, Eduard Dcvricnt, der große zeitgenössische Theatermann, bemerkt dazu: ״Die Singakademie war damit auf eine lange Reihe von Jahren zur Mittelmäßigkeit verdammt, nur gut, um einem neu erstellenden Gesangverein als Folie zu dienen.1* Fiir Mendelssohn also erwies siel, die Taufe in diesem( Falt nicht als ״Entreebillett“ und dies, obwohl er damals auch schon durch eine Reihe kirchlicher Kompositionen be* rühmt geworden war. Verbittert kehrte er Berlin den Rücken. Das hatte allerdings weniger er, als die Musikstadt Berlin zu bereuen, die später, insbesondere noch durch die persönliche Initiative des Königs Friedrich Wilhelm IV., vergeblich ver» sucht hat, den ״Judenjungen“ an sich zu binden. hi. * Indem wir dieser Einsendung Raum geben, möchten wir folgendes bemerken: Daß getauften Juden trotz ihrer Taufe zuweilen eine Karriere versperrt blich, ist bekannt; sehr häufig aber war auch der Fall, daß die Taufe tatsächlich einen sonst verschlossenen Weg öffnete. Ein genialer jiidi« scher Musiker wurde dadurch, «laß er mit zynischem Opportunismus die Taufe nahm, nicht sachlich qualifizierter: charak. tcrlich sicher nicht empfehlenswerter. Der Ausschluß von Juden überhaupt — und zwar gerade von 11?,getauften — von kultureller Wirksamkeit ist es, was zu denken gehen muß. Wir rechten nicht mit den Leuten, für die der getaufte Jude ein ״Judenjunge“ geblieben ist, sondern mit denen, für die der getaufte Jude der bessere Jude war! Das ist es, was das Judentum korrumpiert hat und zu so grotesken Erscheinungen führte wie jene Gespräche Mahlers, die wir in der voriger, Nummer Wiedergaben. Unsere Veröffentlichung sollte nicht in erster Linie über die Zu« rücksctzung getaufter Juden Klage führen, sondern über die — durch die Haltung der Umwelt m i t verschuldete, aber nicht allein verschuldete -- Entartung einer ganzen jüdischen Ocneration in ihrer Beziehung zu ihrem eigenen Judesein. fifhorenwcrdcns, also der Nativität und Naivität, der unvermjndcrter,, weil noch unverbrauchten Frische. Das Wort Vr<> nicht durch die Gestalt des Sprechenden, sondern in *einer, des Wortes, ureigenen Gestalt herausgcstellt. Es selbst *״a zur Figur und wirkt somit figürlich. So kreuzt sich in ׳wdts Kunst das Sinnfällige mit dem Sinnbildlichen — eine *■™t und ehrwürdig jüdische Kreuzung. Er vertraut alles, »8s m dem Wort lebt, der Stimme an, einer Stimme aber, ,lי־ nicht aus den, Kehlkopf, sondern aus der Anschauung ^alur eines Menschen kommt, also, banal gesagt, aus 11״״ Geist. Wie ausschließlich der Vortrag Hardts das 'fRcns(,in.Hielte und den geistigen Stand der dichterischen *prachc der Dichter vereinigt, das könnte man erproben, r'm mau die körperliche Erscheinung Hardts bei seinem ottrag Dunklen oder sonst unsichtbar ließe. Es würde ״״ Wirkung dadurch kaum etwas verloren gehen, vielleicht u n ihr sogar noch eit. Plus Zuwachsen. So stark hat *Dt das Zweidimensionale seiner Stimme mit dem Ucber- .Pension,den ücs Wortes der Sprache in Einklang, m ltlf " Klang gebracht. Im« c. hoch einer Ludwig Hardt stellen mag, jenseits L , subjektiven Schatzung liegt das Unschätzbare seiner 2 «״' 8"״״ der vollkommenen Erfüllung des Berufes :Z Amlc» des Rezitators, in der Vereinigung von Wissen l 11־ddeiischaft, von technischem und seelischem Vermögen 0 .zug auf die Wiedergabe der dichterischen Sprache. 6(2 erscinipft 8jcl, Hardts Wesen und Wert, daß er sich *t mit jenen Voraussetzungen zum ausschließlichen Inmen der Dichter gemacht hat. Der Architekt und Schrift- 2־ Adolf Loos hat einmal von dem (inzwischen nieder* ף,»»" ן;) llösendorfer Konzertsaal in Wien behauptet, dieser 2ph»4 cwc 80 gute Akustik, weil in ihm durch Jahr* »ci a u{ll,nd,Urch taitncr nur gute Musik gemacht worden ein n*'c*1 kann man von Hardt sagen, daß er deshalb!0«"!וווי RHer Sprecher ist, weil er während dreier Jahrzehnte tut i!׳n״r ßu*c Dichtungen gesprochen hat. Indes er sie so war 'l1*! nu1! möglich zu sprechen leidenschaftlich bemüht Sit '1 «a1 . 'hn die Dichter z.u sich emporgezogen, erzogen. eben m ihm und er in ihnen. , . . vom , * *is junger Mann die Reichersche Hochschule, kttut-uVerßesscncn Emanuci Reicher begründet, als Schüler 1״~]“’,war ein halbes Jahr Mitglied des Märkischen 1«rtheatera und wurde dann, nach kurzes Lehrtatigkeit an der Reinhardtschule, Theater und Schule vergessend, Rezitator, Sprecher, Sprachnicister auf eigene Faust und aus eigenem Geist. Wer sein ״Vortragsbuch“ (Verlag Gebrüder Enocb, Hamburg) durchblättcrt, bekommt einen Begriff von der Weite und Tiefe seines Verhältnisses zur deutschen Dichtung. Als besonders erfreuliches Kapitel läßt sich daraus sein Anteil an der Propagierung jüdischer Dichter und jiidischer Dichtung ablcsen. — Von der Bibel (in der lieber- Setzung Bubcr-Roscnzweig) über den ״Humor der Juden“, ״Ost-■und west jüdische Dichtung“, über Heine und Börne bis zu Scholem Mcichem, oder zu Else Lasker-Schülcr und Franz Kafka umfaßt sein Programm alles, was im deutsch-jüdischen Sprachuna Gefühlsberclch an wesentlich Dichterischem da ist Hermann Sinsheimer. In einer palästinensischen Bank Kleine Beobachtungen Uber größere Zusammenhänge In der alten Welt verbindet man den Begriff ״Bank“ mit der Vorstellung ״Bankpalast“, und die Ideenassociation ergibt dann wieder das Bikl zweier Kunden, die im mächtigen Abfertigungsrauin einsam hcrumwimmcln. In Palästina ist es ziemlich umgekehrt. Die Banken haben zum Teil sehr zweckmäßig eingerichtete Räume, zum Teil werden stattliche Neubauten ausgeführt. Eine ganze Anzahl geachteter Banken haben aber nur einen Abfertigimgsraum in der Größe einer guten Stube, ein Dircktionsziinmcr und einen Arbcitsramn für den Innendienst. Aber ein Stigma haben alle, sie sind überfüllt, von Kunden und Personal, und dabei reicht das zahlreiche Personal nirgends aus. In den palästinensischen Banken wird pausenlos gearbeitet. Ein Besucher sagte vor einiger Zeit zu einem Bankdirektor: ״lhrg Leute arbeiten im Schweiße ihres Angesichts und können es sich kaum verzeihen, daß sie ihn abtrocknen.״ Fast ausnahmslos stören keine Gitter das Oespräch mit dem Publikum. Es wird sehr rasch mit blitzartigem Eingehen auf das Wesentliehe verhandelt. Unklarheiten werden fast regelmäßig mit der bitteren, ein wenig ironischen Kürze der Talmuddiskussion bereinigt. Ironie ist überhaupt nicht unbeliebt, wird aber bei ein bißchen Gewandtheit des Gesprächspartners leicht zur freundlich-sachlichen Erörterung. . . ... Ucberraschcnd ist die Klugheit der erst fünfzehn jäh rigen Boten, häufig Jemeniten, die irgendetwas Kompliziertes erledigen sollen. Sie werden auch ohne weiteres wie Erwachsene behandelt. Die Sprachkenntnisse der Bankbeamten sind ein Kapitel für sich. Hebräisch, Englisch, Deutsch, Jiddisch und Französisch sind selbstverständlich. Während der Verbandlung mit einem englischen Kunden beugt sich ein Bankbote mit einem Zettel über den Beamten und verhandelt mit ihm hebräisch — solch ein Gespräch dauert regelmäßig keine halbe Minute —. gleichzeitig meldet sich das Telephon mit einem deutschen Gespräch, bald darauf ein jiddisches, im Anschluß daran wird das englische Gespräch fortgesetzt. Eine nicht sehr beglückende Gewohnheit — nicht nur am Bank* Schalter — ist der Brauch, dem nächsten Herantretenden Intoresse zuzuwenden; der Eindringling reißt das Gespräch sofort an sich. Demonstrieren nutzt nicht immer. Die Nemesis tritt in Gestalt eines neuen Eindringlings in Erscheinung; es ist aber ersichtlich, daß diese Gewohnheit allmählich abebnen wird. Ucber jede Kritik erhaben ist die Lauterkeit des Bankgeschäfisvcrkeh rs. Vor einiger Zeit konnte man den Direktor einer sehr angesehenen Bank, einen wahren Eiffelturm von Banknoten an den Leih gelehnt tragend, durch einen Schwarm von Kunden schreiten selten, gutmütig und etwas geniert lächelnd. Die Vorstellung, daß hier ein Unglück Vorkommen könnte, kam niemandem. Einmal in den letzten D/» Jahren ereignete sich eine Scheckfälschung; die Zeitungen berichteten wie über ein Erdbeben. Sehr gestrenge Herren sind die Bankdiener. Wer nach Verkchrsschluß in das Gebäude hinein will, verschwendet zweckloa Energien. Publikum und Angestellte sind fast immer gut gelaunt, laut« Auseinandersetzungen kommen nicht vor. Das typische Geschäft ist das Wechseldiskontgcschäft, dann der reine Geld• und der Valutemimtauschverkehr; der spekulative Valutenhandei spielt keine große Rolle. Die Konsortial-, Gründungs- und Anlagetätigkeit ist Sach« des Direktionsbüros, doch spielen insoweit auch Spezial- Unternehmungen eine große Rolle. Eins gibt es hier nicht, die Börse. W1cderf wie auf jedem anderen Gebiete, eine Ueocrraschung. Palästina, das luden- Und, hat keine Börse. Bezallcl. L! 1«, י i;1 •’ ' « hv! י!v I!■; :•■11, 'hl. 1 I (' I t, ' ' 4V I!_ i I!!• >- ' 1!f!In M r ■j, ■! ׳1, : : 11

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