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Jüdische Rundschau · 1934-12-18 · Heft 101 (18.12.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 101 (18.12.1934)
Date
1934-12-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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נ r Seite 4 <M in■■ ■ 1■■■ 1 ■! ■ווו ■י .י— •*'''■■ mייוי**ווי<יו**■■■■■* werden, daß die Entwicklung Palästinas zur jfkllsch-ttaflo• mlrii Heinmtätte durch eine den Wlrtschaftslntcrcssen des Landes widersprechende Politik gefährdet wird, V. SclckHompoUtik Erheben wir der Regierung gegenüber die Forderung nach Erhöhung der Zahl unserer Einwanderer-Zertifikate, so müssen wir von um« selbst eine weit strengere An sw a 111 u 11 sc• rer Einwanderer verlangen: Im Taumel der Prosperity haben wir nach dieser Richtung hin während der letzten Jahre manche Unterlassungssünde begangen. Unsere Ciialu/ni» waren vielfach nicht genügend ansgebildet, und unsere mitte * ständischen Einwanderer glaubten nur allzu oft, mit dem Geldtranstef und der Sicherung ihrer eigenen Existenz ihrer Pflicht gegenüber Palästina Genüge geleistet zu haben. nie Folgen konnten nicht nushleibcn: zwar hat unsere Jugend und ein nicht zu unterschätzender Teil unseres Mittel- Standes in der Notzeit der vergmigcttcn Monate lene scelischeu Kräfte gefunden, die notwendig waren, um sich im naliistincnslsciicn tlmlcii zu verankern, und manch früherer Akademiker und Kaufmann 11 at sich körperlich und geistig vollkomme!» umgestellt und ist schneller Und gründlicher Bauer geworden, als wir ca nach seiner beruflichen Vergangenheit erwarten konnten. Itir viele war aber Palästina mir eine Etappe, um sich wirtschaftlich ־zu sammeln, ein Prosperity- Land in nufstclgcmler Knnjunkturlinic, dem mail bei einircten• der Krise bald den Rücken kehren würde. Nach dieser Richtung hin gilt cs Wandel nt schaffen. Die Auswahl der c 11 a 111 z 1 s c 11 c n Einwanderer hliiigt von uns ab. Gute berufliche Ausbildung, gründlich c r e Kenntnis des Hebräischen, vor allem aber die ohhgatorisihc Verpflichtung, mindestens für ein Jahr aufs Land zu gehen, sind die Forderungen, die wir dieser Einwandererkategorie gegenüber stellen, Die Zahl unserer Einwanderer-Zertifikate ist zu gering, um soziale Inclikatiuiisniomeiite dort entscheiden zu lassen, wo berufliche Eignung und sprachliche und kulturelle Vorbereitung in erster Reihe den Ausschlag geben sollten. Viel schwerer ist die Anwendung einer rationellen Selcktlnnspolitik den kapitalistischen Einwanderern gegenüber, fehlen uns doch noch in den meisten Fällen jene formalen Mittel, die notwendig wären, um gewisse Einwanderer vom Lande fern zu halten. Die mit einer unkontrollierten Einwanderung verbundenen Gefahren dürfen aber vom Standpunkt kommender Entwicklung nicht unterschätzt werden. Zirka 100 000 Juden sind wiiiticml der letzten zwei Jahre nach Palästlnn cingcwandert. und unsere Hoffnung ist begründet, daß niirli die Diimischnitls-Elnwaiulenuig der kommenden Jahre mindestens 50000 Einwanderer betragen wird, iktrarliteil wir daher die Lage vom Standpunkte des Jahre* 1010, dann ergibt sich folgendes Bild: (sil)000—7<יאOtÜ), vielleicht »/, Millionen Juden werden zu jener Zelt in Palästina leben. Nur 200 000 werden aus der ״prähistorischen Zeit“ von vor 1033 stammen, ־-- zwei Drittel bis drei Viertel der jüdischen Bevölkerung werden int Laufe der letzten (1—7 Inlire elngc- Wandert sein. Es entstellt die wichtige und nicht leicht zu JUlimcntle Frage: Wird es uns gelingen, diese große Masse neu eliigewanderter Juden kulturell, wirtschaftlich und tiolitisch zu assimilieren? Wird nicht die Atmosphäre der Stadt mit den vielen Sprachen ihrer Einwanderer und ihren sonstigen kulturellen und sozialen Nehenersclicinuitgen, die einen Wenig günstigen Boden für die Entwicklung einer gesunden hebräischen Kultur, vor allem aber für die Förderung eines uatlonnleii!,Liclitbcwitßtseiiis bildet, das Lehen des jüdischen Palästina weitgehend beeinflussen? Wird nicht die Schule, auf die wir unsere größte Ihdtmuig legen, allmählich Ihren Einfluß durch die Straße cinbiilk’n? Wir stellen diese!■'ragen nicht, weil wif nicht Von der Möglichkeit der Ueherwlndung der hier geschilderten Ocfahreu überzeugt sind, sondern weil wir angesichts der letztjährigen Entwicklung der Ansicht sind, daß eine weitg e 11 e!1 d c Sclcktlonxpolittk auf dem Gebiete der Einwanderung dringender denn Je ist. Die Einwanderung unsozialer Elemente sollte ebenso wenig geiftrdort werden, wie die all der jüdischen Einwanderer, die die Bedeutung jüdischer Arbeit als sozial erhalt enden geistigen Faklor verkennen. Palästina kann von seinem jüdischen Ein- Wanderer nicht mir Energie zur Selbstbehauptung, sondern auch kulturelle und soziale Mitarbeit am Aufbau des Landes verlangen. Audi int Zeichen der Prosperity muß das Interesse des Einzelnen dem Wolde der Gesamtheit, das Interesse des Tages der Entwicklung einer für die Dauer bestimmten nationaicii Heimstätte unterstellt werden. Die Witwe des vor neun Jahren verstorbenen Operetten- Komponisten Leo Fall hat am 12. Dezember in Wien Selbstmord begangen, Fortschreitende Verarmung wird als Motiv der Tat angenommen. JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 101, 18. XII.!934 Cicrjen Rasscnmischung Julius Streicher fordeji Todeiifecfo Wie die ״Fränkische Tageszeitung‘׳, Nürnberg, ״eklet, Sprach Gauleiter lulius Streicher vor Richtern, Staats• amvüifen und Rechtsanwälten Jrn ״Bund Deutscher Juristen über Rechtsprechung iui neuen Staat, wobei er sieh vor allem mit der k ,1 s s e 111 r ,1 g e befaßte. Julius Streicher sprach über ״das ungeheuer verderbliche Wirken der Juden auf das deutsche Volk“, be/eleluiete das!’rclinaurerttim als ein Internationales Machtmittel der Juden, dessen sich diese nicht nur zum Verrat militärischer Mitteilungen, sondern auch zur Zersetzung und Verseuchung des deutschen Volkes und zu seiner völligen Eutrassum; und Entartung bedient hätten, und erklärte: ״Wir bekämpfen die Juden nicht au« blindem Haß, sondern deswegen, well sie unser Volk vernichten wollen. Und wenn es da oder dort einem Juden schlecht geht, dann können wir mit ihm kein Mitleid haben, weil uns unser Volk näher stellt als das jüdische Volk.“ Der Redner ging sodann aut rnsscnllieorctiscfie Erörterungen ein, wolle! cf u. a. sagte, die Blutkörperchen des Juden seien ganz anders gestaltet, als die eines nordischen Menschen. Er führte weitcr aus: ״Ks Kt 111H;r!101er und iuuim gfaiitilirh, wie r««t־h tlte Ent• rns.img einet Volke, durch den KCrldcchtlirlieti V1׳rh«hr eines Juden mil einer Niehl jildin vor »iri» grlit'n kann, Hie Nicht j(ldin ist fiir ihr Volk Ihr immer verloren und airch die einer iolrhcrt Ehe eni stammenden Kinder (llaslnrdc) tragen weiterhin i!!r lim• artung unseres Volkes 1101. Wann wir daher nicht In ah«6hb#r*r Zelt flodM »chatten, d'a c« weiterhin unmllgllch machen, die rieulich« Resst tu ver• •euchcn, dann gibt ea keine Rettung mehr. Der geschlechtliche Verkehr eines Juden mit einer Nlchtjlidln muH mit dem Tode be• straft werden ... Wer ,Ile Kiissrnfrngo krwU, fiir den ist es auch kein Zufall, dsB tnanehi'r Verl irret ipr, mancher Verräter oder mancher 11n«llt• liehe Mono 11 Ijesiintmte Merkmale In seinen llußcrett ICrwln-imingcn hat, die rheit auf eine friihrrö Verbindung mit der jüdischen Rn«'c ztirlh kzulilhren dnd, Wenn hei uns der Ktrtnmtinlsuitis «11• stellen konnte, s,1 ist «Inan rlx'ntnlh die Vcfderbmig der deutschen R ,!«««■ durch den Juden die Ursache." Wir Italien bei Gelegenheit der von einer Acrztevemammhmg in Fürth erhobenen Slraflonlerungen auf dem Gebiete der Rassenmiselumg zu diesem Thema Stellung genommen. Die noch weiter,reitende Sirafforderimg des Gauleiter* Strcieher mul die ihr gegebene Begründung bewegen *ich auf einem Gebiet, auf dem eine Diskussion nicht möglich erscheint, da die Voraussetzung der hier vertretenen Analch* ten die Minderbewertung der ״jüdischen Rasse" ist, gegen die wir uns naturgemäß mit aller Schärfe wenden müssen. * Ausschluß eines jüdischen Geidlidiiftci weifen Belrlcbigeflhrdung * Die ״Detifselic Allgemeine Zeitung“ vom 12 rw 1. rifhtct über eine Entscheidung des Reichsgericht* , folgender Frage: ** ',"1י <% Mehrere Gesellschafter einer Tcxlilfirma vertaner« j A11 a s c 111 u ß von *wei jUdi.chen schaftern wegen Gefährdung des Ge*ehi 11, betriebe«, naelulem die jüdischen (iescilschaltcr ehe ״,V liehe Auseinandersetzung und Abfindung ausWlif,8 ' haben. Die Grundlage der Klage bildet der 8 1 ״K'n Verbindung mit ff 13j Il< ln. Danach kann, wenn In /' Person eines MilgcxclUcliaftcrs ein wleidiger Oruml vodir< der das Recht gibt, die Auflösung der Ge*cll«d1alt t* verlangen, da« Gericht die Ausschließung des n 1 *ellscliafter« atmen n־!:lu־n, wenn die übrigen C'u*.1׳' schaftcr anstatt der Aiifliinmg die Aunclilicßimir bcantn״,''* Da* Oberlandes^erlebt Hamm erkannt« a11fA ' Schluß der jüdischen Ciesclkchatter. Diese Entscliekluntr;'i jetzt vom Rclchagc rieht a!1 f g e 11 o b c n worden di Sache wurde zu noch malig er Verhandlung und Entscheid1'.,״ an das OLG. zurüekverwlesen. Zur Begründung {"!".*י der Vorsitzende du* crkcmiemlen 2. Zlvllscnati folgendes au,. ״An »Ich Ut die J 11 d c n e i g c n a<■ 11 a 11 der beklag" ihrer Person liegender ten Gesellschafter «In in Grund 111 r Auflösung der <’> e « e 11 * e h « f t L 8, de $ 3^3 II (! li. bi* Jndeneigei»״halt eitu « t:,• vllwhaficr, einer *1|f«1»^.' IlnndcfsgewUseliaft ist »her für st< 11 allein nicht inlirrichcnd, eine,, wirbligen Grund xtir A U s <• ti 1 i r U u 11 g 1u gelten. Ul» bei andettn Ctcsellsrluifisforou n eine andere Hciirlcilunj; möglich ist, kann ' dabingcMcIlt bleilicn. Zur Stützung de* wichtigen Grundes 1um a# Schluß muß liinzukommcli, «1.1 B «lia K*l»t«1i1 der G««־IM״,(t ua!t ׳ dtmiit auch dlo der til.ri geu GosolbelnUlor Wlrt1chilt|ic(l gefährdet wird, In di, ,cm n11»whl11ggclH’n(kn!*unkte liSt d,, oiierlnmlcigriiclidiclro UrUil tu׳ höpfendi׳ Kc׳.tHtcllung«t venniueii, l's hnt mich die vielUclirn, auf wirtsclinfilielicm Gebiete Üejn1׳tf״ ci״«chkigl(>en Kundgi liungen nmßgi t><mler P< .*״״lichkcilen, vor allen «les Kcicliswirtsrliiih». lind des Kci! 11 *nrl*citsniinislirs, nicht reichend in Itctrm ht gelogen. Ferner ist noch tu erörtern, ob b 4t Person der jüdischen Gc* lUi'lwfter nicht!»Mtimmtc Umstände m,. banden sind, «lie troti der Judcm'igenschnft «ne — unter ande^! Verhältnissen vielleicht inögllohr (!efülirdung rk'S ltcstehem 1^ Ocsellsehnft auwchließen, wie bcispiclm-iM: dir Kriegsteilnehmervhait des einen und du» Nihc Aller de» *ntleion Gesellschaften. HcliUel. lieh hleiht noch «ti prüfen, ob eilt Ausschluß der beklagten |«l(li«ehrj Gc*e1l»cl1nfter üheilnupt nüiig Ul| denn der. Ausscldutt l»t da* dußerat Mittel, wenn die Lö-tmg eint» Konflikte« nuf nnder* Weise ültlit mehr milgllrh Ist. So leihmen »nicni der kl ijtenden tieselinhihrr noch weitcrgeliendc Vorsi hliigc •1» bidicr gemat ht werden, »m w einer verttiiglisdicn Emlattuiig «kr jüdiscltcn Gewllichilttt u kommen," Wohltat und Politik Au1"׳!!>tc 1׳ י1״ iiGciucin i pfctl fiisch , welcher I 1 I״ ''׳ ״ wie, יי ״ thct11''h"h't1!' piäliiif I Bei < ־ W ü ת *c,, ' werden. . lasse sic " men, 'ns‘1,! 11m das {ן *1s M'»«11.1 i» «lerse* 1 Weif 1 ״\':J pt» »hie י;״ und ilu ן i e ין t inttiR e , ^.iicilut, .« troriugu ' 1 »lief ni'« 1 Mrl־״n V 1 ordnuiU lange E1, . Nach'.!•' daß aucl. ( Anwälte ,\ ■ Anwälte |1.« werden g. 1 falls sie , : lie jüd« 1( Die1 einer 1״ erfunde! Oeschai»:׳ 1' ״ kenn« - < gfsrhä ' i, und it %, ehe» Wirk« 1 beim 5: eine J•' müßte1‘,!! I 'orte '1,1. 1 :1 1 t,i* Ein 5öjal1riger Kntifmnnu ntts Kassel war, wie wir ■einerreit meldeten, in Schulzlinff genommen worden, weil er als Nichtarier seit mehr als zwei Jahren *u einem arisehen Mädchen In Beziehungen stand und mit diesem in einem geniieiefen möblierten Zimmer abgestiegen war. In «lein letzt elurcltgefülirlen Geriehtsverfahrcn hatten sich der Kaufmann und der Zlmmcrvermlcter unter der Anklage der Kuppelei tuui der Anatiftung zur Kuppelei zu verantworten. Der Zlmmervermieter wurtie zu 50 RM. Geldstrafe verurteilt, während der Kaufmann von der Anklage der Anstiftung zur Kuppelei frelg eiprochen wurde. Schutzhaft lieber die fnichutzhaflnahme ein«* Ittdl• sehen O escltä f ts m a rtn es vcröffimfllelit die ״Lamnertheimer Zeitung“ folgende Mitteilung: ״ln der Naciit zum Mittwoch wurden dtircit unbekannte Täter an verschiedenen hiesigen jüdischen Geschäftshäusern Bcschrlftungen angebracht mit dem Wortlaut: ״Kauft nicht beim Juden". Während der eine Geschäftsinhaber die Schrift entfernen ließ, ilmlcrte der andere den Schriftsatz, indem er das Wort ״nicht“ In ״doch“ itb,änderte und am Schiuli das Wort ״billiger" hinzufügte. Infolge dieses Vorganges erfolgte gegen 5 Uhr abends eine Ansammlung vor dem Sclnilihmis Mann, die jedoch bald zerstreut wurde, nachdem man den Demonstranten mitgctcllt hatte, daß «Ile hiesige Polizei den Sohn des Inhabers Franz Mann bereits am Nachmittag in Schutzhaft genommen hatte". Die ״Fränkische Tageszeitung“, Nürnberg, veröffentlicht In großer Aufmachung die Aufforderung*. ״Keine Weihnacht«- Einkäufe heim Jude«! Beweise, daß Du ein Deutscher bistt** Die ״Frinklsche Tageszeitung“, Nürnberg, vom 13. Dez, { schreibt: I ״Wir untmiBlten nirmsndcn, damit er m>wr Werk «hotkrtlRii* > NilmhcrRcr Familir, in der der Mann eine Krnlc liciiebl, ein Kind ן auf Kosten der Allgoincinlieil in Erbohmg gcschb kt wird und du | zweite Kind nm Tl«ch «■ines milk-idigcn Nnrhbsrn täglich sein Miltig, I essen rinnimtnt, brüslet »ii'ii «!»mit. thiß sie nun auch ihr« 1 S trumpfe im ,K h * ון c' kauf(. Die Nnchlmm, die dem Kind einen Iwlhjlilnigen Ercitinh gewährten, haben duraufhiti Ihr An״ erbieten *(irllrkgeimmmen ״ml ein ander«’* Kind an «len Uylichrn Mltl»K*ll*eh gi'rufr», mit der lligriliidimg. daß man nicht gewillt «ei, tu helfen, damit «lie ersparicn Gro« heu ein )(IdiM-hei Ge«chtH »Irr• •Hllzen. D.11 mag Mrnvlw»1, an rlemn MÜnienuhen ihre Nirhileft. liehe liewcisen, cina Warnung •ein, full« «« ilioen an dem ndtlg® f Takt fehlen rollte, von *ell»t zu dieser Erkennlnii zu gelangen.“ j Lehrlinge im Buchhandel Die Mitteilungen «les Provinzial-Vercins der »chleikchrn Buchhändler E. V. in Üreslau vom 12. Dez. geben bekannt; ״Nichtarler können nicht mehr als Lehrlinge und Volontäre Im Buchhandel ausgebiklet werden, da sic nicht damit rechnen können, in die Rcichs*cl1riftt1m1skammcr über die zustätKlign Verbände atifgcnommcn zu werden. Eine solche Mitßlicdichilt ist aber Vorou«sctzu11g für die Ikrttfnntisübuitg. Eine Aul• nähme gilt nur für rein jüdische Buchhandlungen, die *Ich »ul Belieferung jüdischer Kundschaft beschränken.“ In der Sitzung der Berliner oto.faryngologlsehcn 0«dl* sdinft vom 14. Dezent her 1U34 berichtete Dr. Bruno Gfie#• mann, Facharzt in Nürnberg, von seinen neuen Forschungen über die Ursachen der Unglticksfällc bei der örtlichen «* ♦äubung. Dr. Oricßmann brachte neue bemerkenswerte Ideen über Entstehung und Vorschläge zur Verhütung von Zwi* schcnfällen. «m 11. »1 an» V .יו' Un ׳;.־(!,. Zuch t 1: Di >:! •11 folgen! 'ן ר f ,3״׳ ׳ ' »eit 181 11!•j 1 , . rin jnn,", '■ . ' . dir Re! : Iriumg ־ k!>׳rn, : , - Ahärht 1 •! «m dar ן.,, jcdorli!'[ .!! W kill , ׳! ן ן י* daß ן : Iricdam .!,' *chlage I". ‘ (( ׳'101,11)0* 1 •>« heu ö' יי' in der Pi« V« ,, c den gc 1!1■ k n1־ Dr. E der j i' Lehrstj vcrs.it; ' mal e ' _ >4׳ lehrte (,׳ ׳ י r •RWH Ludwig Hardt, der Rezitator* Ein Jubiläum Wir pflegen heute Jubiläen olmc Jubel zu feiern — aber mit um so mehr Selbstbesinnung und Besinnung auf das, was unser Besitz war und ist. Kommen wir uns dabei nicht niaiidi• mal wie unsere eigenen Erben vor, die neu in Besitz nehmen, was sie cipst seihst geschaffen oder mitgesehaffen oder mindestens mit innerer Anteilnahme haben entstehen sehen? Jedenfalls ist es uns erlaubt und geboten, gegenüber allem, was Uns In der sorglosen Zeit der Symbiose mit der deutsehen Kultur zucewaclisen ist, gleich sorgsamen und bcpimuiiigsvolleit Eriicn, von dem, juristisch gesprochen, betteficiutn inveutarii, Vom Recht der Inventarisierung, Gebrauch zu machen, um auszusclieidcn, was baute nicht mehr als zu uns und uns gehörig anzuerkennen ist, und lim desto bewußter und trendiger das im Sinne der auf deutschem Kulturboden gesammelten jüdischen Existenz Positive an• zuerkennen und dieses nicht Wenige und jilclit Kleine um so klarer zu erkennen. Dieses Recht des Sichtens und Soiiderns Von Kulturgütern unter jüdischen Gesichtspunkten wird zur Pflicht, weil cs die Voraussetzung zu einem von unserer Seite zu geschehenden Neuaufbau auf schmalerer Grundlage Ist, die Ihrerseits wieder Grundlage einer revidlerten jüdisch-deutschen Symbiose zu werden verspricht. Mit der Devise: ״Den faden alles Jüdische oder dem jtkllsehen Gefühl Nahe!“ feiern wir heute, ohne Jubel, Jubl- I&cn ... Ein «olclics fällt kalcndergcrecht In den Dezember: da sind nämlich dreißig Jahre seit dem ersten Auftreten des Rezitators Ludwig Jiardt vergangen, der seit damals zwisehen den beiden Mühlsteinen Dichtung und Theater sein Wesen und Wissen, um ein kühnes Bild zu gebrauchen, das aber dem radikalen Vorgang gerecht wird, zu dem Mehl hat zerreiben lassen, aus dein er dann uns da« Brot der Dichtung geknetet, gebacken und gereicht hat! Hardt« Lebcnswcrk wird nicht zum Vergeblichen mit dem edlen Handwerk des Brotbacken* verglichen. Denn «r hat so *) Ludwig Hardt gibt all Sonderveranstaltung des Kult bundc« am 26. Dezember, 8.15 Uhr, In der Slng&kadcn daen Abend: »Heiterste* voa Heine bis heute". deutlich, wie kaum ein anderer Künstler, nus dem Nützlichen das Schöne mul aus dem Schönen «las Nützliche bereitet. Er hat «!ureli die Ihm besondere Art der Kiinstdarbictumr seine I lörer zugleich gesättigt und hungrig gemacht, Er hat sie mit dichterischen Bildern, und mit Bildern von den Dichtern im UchcrfluO beschenkt und in ihnen gerade «ladurch das Verlangen nach dein Genuß und nach dem Genießbaren der I)idtiungen jenseits allem Modischen und Aktuellen geschärft. Er 11.1t — und diese» Bild trifft vollends das Einmalige dieses Künstlers — Weizen und Spreu voneinander geschieden und durch diese Scheidung den Gcschmack des Publikums veredelt, Das erste und für seine Berufung entscheidende Verdienst Ludwig I Inuits bestellt darin, dnß er Dichterisches» Vortragbar gemacht hat, «1:18 vor und neben Ihm kaum ein anderer gewagt hat vor/uirngen; Briefliches, Philosophisches, Glossen von tünt bis zehn Zeilen, Kritiken, die stillsten Novellen und Skizzen, Dies gelang Ihm und reizte Ihn, well es Ihm gc• geben war, das Innerste der Wortkunst nach außen zu kehren, was wiedertim heißt: 111 die Geheimnisse der Dichter und des Dichtens einzmlrlngcn uiul sie zuerst ln sich selbst und dann für seine Hörer bis zur Reife des vollkommenen Erlebnisses zu entschleiern. Er hat »ich, schon in jungen Jahren, zum Mitdichter erzogen und aufgesehwungen und ist dadurch zum Entdecker eines fast völlig neuen Vortrags- Programms bi* dahin uncntdeckt geblichener Sprach• und Klaiißschönhcltcit geworden. Seine gänzliche Voraussetzung*• losigkett vor dem dichterischen Material hat sich in 1111« mit einer unersättlichen Leidenschaft des Aufspüren» und Sammelns verbunden. Dadurch Ist *ein Programm gleichsam zu einer erlesenen ״Galerie der Dichtung“ geworden, zu einer überaus mannigfaltigen Sammlung dichterischer Bildnisse und Gleichnisse. Bel Hardt stand und «tcht das Kennertum vor dem Könnertum! «eine gute Nase für das dichterisch Hoch• wertige hat ihn von Anfang an verhindert, dichterisch Halb• oder gar Unterwertiges in den Mund zu nehmen. Auch dieses Bild wird nicht zufällig gebraucht, denn Hardt hat zum Dichterischen ein nicht bloß geistiges, sondern ein geradezu sinnliches Verhältnis. Das eben war es, was ihn über alle anderen seiner Zunft hlnausgeliobcn hat, daß er befähigt ist, tu* dem Sinnlichen ins Ucistigo vorzmtoQen und dieses hinwiederum zum Sinnlichen, und Sinnfälligen *urückzu• führen, Gebot'/ mindc f 1 wird ,ן *einer wird •' Hardt4 echt t % 3S | ן die n '1.1 und j.1; Herz |! Gcgct V. Sprae!־ wenn ׳׳ Vortr ' der V,•■1 würtl Hard' j1 dmict1'1 * i n 1!! י ׳, a1 ■: [eder Ersd ׳ und . und : in b Darb!?; { *elbg ׳ *trur ''! »teile .,.ו Kerls ' habe! U-hrt : *ei. :!in 1 j "nnt, ׳! kut ׳ Vvar.;: ׳ Sie ־ : vom; best 1 Aus dieser Erkenntnis heraus darf man sagen: treibt es mit den Dichtern. Er treibt nämlich nicht e!w>1 sic rezitierend ein Gewerbe mit ihnen, sondern er מס״ eine wahre Leidenschaft aus sich heraus, wenn er tu! Bilder 1111 Klang der Worte naehblldet. Was von Urnen ß'־ schrieben stellt, das treibt er zu einem höchsten Stand un Standard, Indem er cs erklingen, also klangvoll werden ״וי• Und ohne das Bild zu Tode hetzen zu wollen: er übertret das Dichterische so, daß aus der Wirklichkeit de* ץ sagten die Ucberwlrklichkcit des Unsagbaren al! völlig « Erlebtes hervortritt. , Und nun muß man feststellen, daß seine vornena lose llingcgebenlicit an «las \Vort als an eine Mac״! “ als an ein Wunder ein *po/itisch jüdisches Erbten Die Juden haben aus Jahrtausenden her nichts «״•P1»1״} als die Macht und das Wunder des Wortes. Ihm •io das Heilige, Göttliche, Unvergängliche 11m«. *״• , -״ ergibt sich Ihnen, da sie sich ihm ergeben haben, t* *0., sielt ihnen nicht als Materie, als Stoffliches, nicht טסים Gefäß eines rationalen Sinns, sondern al» myst sehe* •x ׳ und Vehikel, als Kraft, Schwung und Ton der ldc<• zugleich als Träger von Melodie, Rhythmus und ew g Fluß. Kein Volk der Welt, vielleicht das chinesisch« *״ genommen, hat eine so totale Auflassung und ,, j;e vom Wort wie das jüdische. Anders hätte ja auch me Sprache diesem utuenn Volk durch zwei jahHauscnu durch den Tempel und die Burg Zion ersetzen k So wie auch jetzt!111 neuen Palästina die Erneuerung , Hebräischen und die wissenschaftliche Pflege des A> , ״ Ischen, wie Kenner fcststcllcn, in ihrer Auswirkung Religiösen glclchkommcn ... .. Diese jiidisciie Entschlossenheit vor dem wort, י ff< zu einem inst sichtbaren Bild macht und c8, ie über• mächtig! das sichtbare Bild zu ersetzen oder, 8*• pf, flüssig zu machen, ist in Ludwig Hardt Ereignis u u füliting geworden. Ihn bat die Magie des י"°. *u t«||, griffen, so belebt und erregt, daß sic nicht ים*» *. |g, sondern geradezu der Exponent seines Wc,.cn* .^c״01״henüi? und zwar duldet diese Magic, so wie sie in rlarot t' Ludwig Hardt einen Vers spricht, so befindet ך •‘»יי *ozusageo, im {Stande der Unschuld, d. h. im 4us Da» Wort

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