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Jüdische Rundschau · 1934-12-18 · Heft 101 (18.12.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 101 (18.12.1934)
Date
1934-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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*®י 1 די ןד7> ן •Lail *s - i «j» jä«* Von Dr. Michael Traub I. Prosperity in Zahlen ffil p|e Kurve des palästinensischen Wirtschaftslebens steigt drei Jalircn unaufhaltsam an. Die Wirtschaftsberiditc ((|w4:cn in Zahlen und Tabelle״, Dimension und Tem|» jflimcn von Monat zu Monat zu und auch der kritische Beobclitcr Kcwiimt den :״ulruck sprunghafter Entwicklung, die vom Wirtschaftsleben anderer Länder eindrucksvoll ab- L U Die Statistik kann aber mit der Dynamik iiclit Schritt halten und die erfaßbaren Zahlen palästinensischen Wirklichkeit zurück, pie jüdische E i n w a »der 1111 g ״ach 19)1 zirka 5000 Seelen 1012 zirka 1911 zirka 193-f) zirka Es war nicht mehr die dieser des Lebens bleiben hinter Palästina betrug! Seelen Seelen Seelen 11er Armen 1000• ו 13000• 50000 Masse der Armen und Resitzlosrfl, die während dieser Jahre nach Palästina zog. Die zunehmende K.ipitalisteiieiiiwamlerung illustriert die Erschüttc- [""ן der Wirtschaftspositioncn vermögender Juden in wer- ■*denen ländern. Die Zahl der Kapitalisten innerhalb der jüdischen Einwanderung betrug: 233 31־19 727 1932 3250 33־19 1934*) über 5000 piesc Masse einwandernder Menschen und brachliegender Kapitalien suchte Arbeits* und Anlagcmöglichkeiten. So sind 1931 X 2000 000 1932 X 3 250 (MX) 1933 X 0 100 000 1934*) zirka X 10 000 000 von Juden in Palästina investiert worden. Allerdings — und hier berühren wir eine der Schattenseilen der palästinensischen Entwicklung — absorbierte Jas Bauwesen in den Städten der Pflan/ungsscktor Industrie, Handwerk und Transport rcmi'clitc Landwirtschaft (ohne foulen und liodenkatif) mir 1933 2 700 000 1 5(X) (XX) 800000 1934 4 500 000 1050000 1500000 £ 100000 £ 250 000 Obwohl die I 11 d 11 s t r i e mit zunehmender Einwanderung und anhaitutdein Kapital/uflul! •einen erfreulichen Aufschwung ftuonimen hat und sowohl der Arbeiterzahl wie dem investierteil Kapital nach sich seit 1910־ mehr als verdoppelt bat, konnte der Bedarf der vermehrten und in ihren Anforderungen anspruchsvolleren Bevölkerung durch die Inlandsproduktion bei weitem nicht gedeckt werden. Trotz zunehmender In* dustrialisicrung und erhöhter Eigenproduktion stieg daher der Import von Jahr zu Jahr: 1931 1932 1933 1934*) zirka £ Die Importsteigerung vieler, Artikel, wirkt auf den ersten £ 5 940000 £ 7 708 OK) £ 11 123 000 14—15 000 000 auch im Lande herstellbarer Blick befremdend, besonders, nenn man die Tatsache berücksichtigt, daß die Anlagemöglichleiten Palästinas andauernd weit hinter den investierten Kapitalicn ztiruekbiieHcn und die B a n k «1 e posit en sich von Jahr zu Jahr vermehrt haben. Sie betrugen Ende 1931 £ 3 500000 Ende 1932 £ 5 000 0(» Ende 1933 £ 10 000 OOO Ende 1934 zirka £ 14 000 000 Rer Mangel an Arb eitern war cs, der trotz brach- Sfgrndcr Kapitalien und wachsender Konsumkraft der Bcvöl- Immg die Importsteigerung zu einem wesentlichen Teile vorwachte. Wir berühren hiermit tlas dringlichste und schmerz- '״־liste Pioblcin des jüdisch-palästinensischen Wirtschaftslehens: die jüdische Arbeitcrcinwanderung hat weder mit <hm Auswindertingsbcdarf in den wichtigsten Golah-Lnntlcrn, ״'!eh mit vier durch jüdisches Kapital und jüdische Arbeit ge- Klaftern■« Aufnahmefähigkeit des Landes Schritt halten können. He I) i s k r e p a n z zwischen Arbeitsangebot und Mbci t s n a ch f r a g e wurde während dieser Jahre immer Pöflcr, die hiermit verbundenen wirtschaftlichen und kultu- (dien Fragen immer brennender. II. Aufschwung der Städte Rer Zahlentaumcl der palästinensischen Statistik findet Sfi״cn imposantesten Ausdruck ווו den Städten, den stärksten und greifbarsten in Tcl-Awiw. Den ersten Eindruck, den «nn bdm Betreten dieser Stadt gewinnt, — ist Konjunktur in Mister Potenz. Wogendes, pulsierendes Leben, unzählige •Menschen auf den Straßen, Mcnschcnknäucl vor sämtlichen Mshgcn, die Geschäfte überfüllt, manche offen bis in den ״״mt hinein. An jedem Schabbat-Abend die Stimmung eines »holdencn Sonntags“; 52 ״Goldene Sonntage“ im Jahre! v’net die Stadt wachst mit einer fieberhaften, manchmal Rddlicberliaften Schnelligkeit; wächst nach Norden über den Jirkon, nach Osten ׳— Richtung־ Pctach Tikwah, nach Süden, ״her Jaffa hinaus, wo in nächster Zeit 1000 neue Häuser entsichen sollen. Die Stadtverwaltung vergibt iin Monat Bau- ,״ciuen für 38 000 qm, die bei weitem nicht ausreichen. Man Bmht dicscr 2!ahl, würde auch höheren Zahlen Glauben *henken, denn die Stadt wächst offen vor den Augen all ihrer ״esucher _ ohne Bauzäune (es gibt in Palästina keine Bau- June, sonst mülite man ganze Stadtviertel mit Zäunen um- *,eben), ״n(| m;1״ gewinnt den Eindruck, als stünde man und sähe, wie ihr Sekundenzeiger sich -Awivv ungeachtet, vielfach aber seiner Prosperität voller Probleme. Unhcun- «T hier allerdings weniger .. J*• *11*. Entwicklung selbst aber wirtschaftlich fundierter trani״1 1!״״ternational verankerter. Auch ohne handelsgeo- Phische Vorkenntnisse spürt man den weltwirtschaftlichen Rhythmus dieser Stadt mit ihrem neuen Hafen, der bereits zw klein ist, mH ihren Ocltanks, die einen nützlichen, wenn auf 11 politisch gefährlichen Brennstoff enthalten, fühlt hier stärker als anderswo in Palästina die Verbundenheit mit drei W e 111 1• i | c n, Audi liier fieberhafte Bautätigkeit und 1111• aufhörliches Wachsen; nach Südwesten über Flailar Hakarmcl hinaus, nach dem Oslen Richtung Haifn-Bay, deren südwest• ucher Teil mit Haifa in absehbarer Zeit zu einer großen otadtsicdlung zusa nm1cnschtnclz.cn wird. . Selbst Jerusalem, das mir schwer dem Tempo seiner jahrtausendealten Vergangenheit entrissen werden konnte, hat sich — wenn auch langsamer als Tcl-Awiw und Haifa — der palästinensischen Prosperität erschlossen und ist während der letzten Jahre zur modernen Großstadt geworden. Noch bcwahrt die _ Altstadt Ihr historisches Antlitz, neue moderne Stadtteile sind aber ringsherum in wenigen Jahren entstanden und repräsentative Rcgicrungsgcbcitidc, Brmkpaläste und Ocschäftshiiiiser siiul aus steinigem Boden cm|X>rgcschosscn. Traetitiou verpflichtet «aber auch dem Stile nach, und Neu* Jerusalem, das in diesen Prosperitätsjahren entstanden ist, macht «len Eindruck des Solideren, höher und dauerhafter Gebauten. III. Private Initiative und nationale! Kapital Diese und ähnliche Zahlen und Bilder geben Aufschluß über palästinensische Prosperity, berichten über materielle Errungenschaften, zeigen Rahmen, Umfang und Tempo unseres vvirtschnftliehen Aufschwungs an. Sie genügen vollauf, um die Einwanderung großer Massen jüdischer Arbeiter und Kapitalisten zu rechtlertigen, um die Rentabilität gegründeter und noch zu gründender Unternehmungen zu gewährleisten, vielleicht auch um Arbeitslosigkeit auf lange Zeit hinaus noch auszusc!!ließen, — reichen aber nicht aus, 111n die Gefahr manch er Erscheinungen unterschätzen zu lassen, die im Ocfolge einer unkontrollierten Masscneinwandcriuig und einer verlockenden konjunkturellen Entwicklung Palästina bc* drohen. Noch so wohlgemeinte Palästina-Berichte bleiben daher lückenhaft, wenn sie neben den Lichtseiten nicht ebenso deutlich auch die Schattenseiten der Prosperity aufzeigen. Das palästinensische Prosneritätsbild ändert sich, wenn man die Stadt verläßt und sich dem flachen Lande zuwendet. Allerdings muß hier das Gebiet der Pflanzungen von dem der gemischten Landwirtschaft unterschieden werden. War auch das Entwicklungstempo des Pflan- ‘zungssektors langsamer als das der Städte, so ist dennoch auch in diesem Wirtschaftszweige (wenn man vom Problem der Arbeit ahsicht), ein wesentlicher Fortschritt zu ver- So zählte man in jüdischem Besitz an Pflanzungs- 'or einer Riesenuhr oewegt. Daneben steckt dieses Tel 1!u .d?״ls seiner Prosperität --- ... . , n v4״c Vergnügungslokale mit billig-curopäisicrtcm 11strich; viele arme Kinder abends auf der Straße, ״Bcspri- ״־mi‘ der ersten jüdischen Großstadt, hcrumlungcrnd vor '״" ®°״«I £'slNvlcu bis spät in die Nacht hinein, in Lifts und .n Meeresstrandc übernachtend; viele Schilder, die in das vJ!c<Stadtbild nicht hinei«passen: ״Tip-Top“, «Chic de ־״«!״,״ u. ä. m.; ein ״Erev Rav shcl shiwiin Leshonoth . ״ Ws Sprachengewirr einer Einwanderermasse, deren »ti . Assiniilicrung sich langsam, allzu langsam vollzieht, all .Allcr!linßs — hinter der billigen Vergniigungsfassadc und ״ .!״*n ,Schattenseiten der Tel-Awiwer Prosperity fühlt man '1'5,chlag einer emsig sch affenden Stadt; eine יי*'* ..ן zählende Arbeiterschaft und einen selbstbewuß- 1*וי Ideen 1*n ^'’telstand mit viel Initiative, viel Wagemut und s UpfB'ahnter wirtschaftlicher Aufschwung auch in Haifa, tempo ist hier allerdings weniger stürmisch als in 1 etjüdischen zeichnen, boden: *) Schatzung. Anfang 1932 05000 Dtmarn Anfang 1933 95(XX) Dunam Auf.mg 1934 125 000 Dunam Ende 1934 zirka 150 000 Dunam Der jüdische Pflanzungssektor hat sich somit während der letzten drei Jahre mehr als verdoppelt und der Anteil dcrjtklischeu Produzenten am gesamtpalästinensischen Orangenexporte stieg in der vergangenen Saison bei 5Va Millionen Kisten auf 55 ״••, wird in der laufenden Orangensaison bei einem zu erwartenden Export von über 6 Millionen Kisten zirka 60 % betragen. Ein vollkommen anderes Bild bietet die gemischte Land w i r t s c h a f t. Das Wachstum, «las hier zu verzeichnen ist, war unvergleichlich langsamer als das der Pflanzungszotie, vor allem aber als das der Städte. Von den ea. 10 Millionen Pfund, die 193t in Palästina investiert wurden, sind nur ca. 259(XX) Pfund =21,4% ־־ der sogenannten schweren Landwirtschaft z.ugefiihrt worden. Während daher Tel- Awiw die ersten Hunderttausend seiner Einwohner überschritten hat und die jüdischen Stadtteile von Haifa und Jerusalem an Umfang und wirtschaftlicher Bedeutung zunehmen, bleibt der Sektor der sogenannten schweren Land- Wirtschaft und derjenigen Teile der Pflanzungszone, die nur durch nationale Kolonisation erschlossen werden können, weit zurück. Die im Zeichen der Prosperity nach Palästina einströmenden privaten Kapitalien wenden sich rentahlcren Wirtschaftszweigen zu, und der Anteil des landwirtschädlichen Sektors an der jüdischen Gesaintwirtschaft des Landes vermindert sich zusehends von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig ist auch eine weitgehende Verschlechterung der sozialen Struktur des jüdischen Palästina zu verzeichnen: von zirka 2(1,6% im Jahre 1931 ging der Anteil der Landbevölkerung an der jüdischen Ocsamtbcvöikerung Palästinas auf zirka 20% Ende 1*)34 zurück. In aller Schärfe treten uns die Gefahren dieser Entwickhing in Wadi Chnwarith entgegen. Dieses zirka •10000 Dunam fruchtbaren Bodens umfassende Terrain, das der KKL nacli vielen prozessualen Schwierigkeiten von den Arabern erworben hat, ist bei rationeller Bewirtschaftung in der Lage, mehrere tausend Seelen jüdischer Arbeiter und Angehöriger des Mittelstandes zu ernähren und den landwirtschaftlichen Sektor des jüdischen Palästina uin ein wichtiges Zentrum zu erweitern. Der Boden muß aber amelioriert und erschlossen werden, Sümpfe müssen trockcngclegt und Malaria bekämpft werden; gleichzeitig müssen dem Boden auch Kapitalien zugeführt werden, die, soweit es sich um Ansicdlung von Arbeitern handelt, zu einem erheblichen Teile nur durch die öffentlichen Fonds aufgebracht werden können. Als ich iin Herbst 1931, kurz nach dem Erwerb des Bodens durch den KKL, Wiuli Chawarith besucht habe, fand ich in einem alten־ arabischen Hause die ersten zirka 30 Pioniere, die hingezogen waren, um Wadi Chawarith zu erschließen. Es herrschte fast 100%ige Malaria und die Arbeitsbedingungen waren schwer. Die Chaluzim hielten aber auf diesem vorgeschobenen Posten palästinensischer Arbeit aus, und auch die während der darauffolgenden Jahre hinztigckommcncn Arbeiter haben ihre Pflicht erfüllt. Es fehl* t e n a b e r den jüdischen nationalen Fonds — trotz aller Prosperity der palästinensischen Privatwirtschaft — jene relativ geringen Betrage, die notwendig waren, um die Kolonisierung des brachlicgenden Bodens zu bcschleu nigen, vor allem aber auch, um den Arbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Wirtschaft richtig auszubauen. Die Erschließung von Wadi Chawarith vollzog sich daher recht langsam und nach Ablauf von drei Jahren stellen wir fest, daß auf dem gesamten Terrain einstweilen nur zirka 1000 Menschen leben, «laß viele von ihnen noch in Baracken wohnen und daß der eigene Meschek der angesiedeiten Arbeiter recht klein und unansehnlich ist: Der Goldstrom der palästinensischen Prosperity bat Wadi Chawarith nicht erreicht. Ein einziges Wohnviertel dek ScktifUeUuHQ': nur Dienstag nachm, von 15 1/a bis 17 1/s Uhr und Freitag vormittag• von 10 bis 12 Uhr« von Tcl-Awiw hat in drei Monaten einen größeren Zuzug art Maischen und Kapitalien erfahren, ,11s Wadi Chawarith wiihrend der vergangenen drei Jahre. Aber nicht nur Wadi Clmwntith, —• die gesamte Landwirtschaft Palästinas, namentlich aber Ihr nationaler Sektor, der die llasis der jüdischen landwirtschaftlichen Bevölkerung Palästinas bildet, 11 nt mltdef Prosperität der letzten •lalirc nieht Schritt halten können. L'ehcr tOO 000 Juden sind im Laufe von drei Jahren Ins Land Bekommen, ein Millinnenstrom von Dollar, Zloty und Pfund ergoß sieh Ober Palästina, Grundslöcke wurden gekauft und verkauft, viele Hunderte vorf Unternehmungen gegründet, aber «lern Finnn/instrument der Jewisli Agency — dein Keren llajcssod und auch dem Keren Kajcmcth fehlten jene einige hunderttausend Pfund, die notwendig waren, um den Teil de* Landes, von dessen Ausbau unsere gesunde wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, unsere Krisenfestigkeit im Lande, vor allem «her auch «Ile Normalisierung unserer sozialen Struktur nbhiingt, in einem dem Umfange der ptiliWinensischen Gesamteinwn nderung entsprechendem Ausmaße auszuhauen. Den 14 Millionen Pfund privater llnnkdcposUen und den weiteren vielen Millionen investierter Privatgcldef stellt das amtliche lindget der .Icxvlsh Agency mit nrmseligen 108 01)6 Pfund gegenüber, und die jüdische Welt, die sich an den 1’rosperiUilsznhlen Pnllislimis berauscht, glaubt acht* los un «lieser Diskrepanz des Palästina-Lebens vorübergehen zu können. Im Taumel der Prosperity vergessen weite Teile des Jischuvv, vergißt vor allem der größte Teil der Neueinwanderer allzu leicht, daß ohne den Knick und den dort lebenden jüdischen Bnuernstnnd Palästina ein soziales Ilumpfgcbihlc wäre. Eine sehr beträchtliche Er- Weiterung des nationalen Sektors Ist not• wendig, um den Urbanisierungsprozeß de» jüdischen Pa* liistina mit all den negativen kulturellen und sozialen Folgen, die er mit sielt bringt, vor allem aber auch um die rapide Verschlechterung der sozialen Struktur der jüdisehen Bevölkerung noch rechtzeitig zu verhindern. Eine Vervielfachung der Mittel der nationalen Fonds ist angesichts de* palüstin ensisehen Prosperity das dringendste Gebot p a 18 sti ncnsiacher Gegenwart. IV. Arabische Arbeiter in Jüdischen Wirtschattspo tüionen Neben dem relativen Rückgänge des lamiwirtschaftüchcn Sektors darf ein zweites Gefalirenmomcnt nicht übersehen werden: Landflucht und Eindringen arabischer Arbeiter in jüdische Wirtschaftspositioncn Der jüdische Lohnarbeiter in der privaten Pflanzungszone bc• trachtete die Lamlfluclit oftmals nur als eine besondere Form der Saisonwanderung, glaubte er doch, mit dem in der Stadt erzielten Verdienste nach einiger Zeit aufs Land zurückkehren und siedeln zu können. Diese Hoffnung; erwies sieb aber in den meisten Fällen als trügerisch, und der jüdische Arbeitsplatz auf dem Lande wurde nur allzu schnell durch den arabischen Arbeiter besetzt. Eine noch weit größere Anzahl von Arbeitsplätzen fiel den arabischen Arbeitern durch die gewaltige Vergrößerung der jüdischen Pflanzungsfläche zu. Allein die während der letzten drei Jahre erfolgte Be- Pflanzung von über 90 (XX) Dunam Oraiigcnbodeii erforderte eine Ncuanstcllung von 7000 neuen Arbeitern, während der durch die Zertifikatspolitik der Mandatsregierung eingeengte jüdische Arbeitsmarkt jeweils nur wenige hundert Arbeiter liefern konnte. Während daher der Prozentsatz «1er landwirtschaftlichcn jüdischen Lohnarbeiter (in den Kolonien) innerhalb* der gesamten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas sich von 16,3 % im Januar 1932 auf 8,0% im Juli 1934 vermin* dort hat, erreichte die Zahl der im jüdischen Pflan zu ngssekter atbeit enden arabischen Arbeiter mehrere tausend Seelen. Selbst diejenigen jüdischen Pflanzer, die unter normalen Umständen sich kategorisch geweigert hätten, ihre Wirtschaft durch nichtjüdische Arbeiter bearbeiten zu lassen, waren «liesen Sommer nach langem, vergeblichem Warten gezwungen, arabische Arbeiter cinzustcllcn. Findet man auch arabische Arbeiter noch nicht in der jüdischen Industrie, — was nicht zumindest auf «ici» organisierten Willen des indischen Arbeiterkonsiuncnten zu• riickzuffiliren ist, — so sind bereits tausende arabischer Arbciter in städtischen jüdischen Unternehmungen, sowie auf dem Bau beschäftigt. Selbst in Tcl-Awiw solle« bereits über 2000 arabische Arbeiter Arbeit gefunden haben. Insgesamt zählte man im Herbst d. J. in der jüdischen städtischen und ländlichen Wirtschaft 10—15 000 arabische Arbeiter. Daß bei dem allem eine fast völlige Verdrängung jüdischer Arbeitskräfte aus der Staats Wirtschaft und den öffentlichen Arbeiten erfolgen mußte, aus Plätzen, um die wir jahrelang gekämpft haben, liegt auf der Hand. Die jüdischen Arbciterorganisatiwncn waren infolge der bc• schränkten jüdischen Arbcitcrcitiwandcrung nicht in der Lage, cntspreclicnde jüdische Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen, übernommene Aufträge mußten daher vielfach annulliert, manche wichtige Straßenbauprojekte um mehrere Monate verschoben werden. Die diesbezüglichen Verpflichtungen der Re• giertmg blieben auf dem Papier. Da während des letzten Jahres ein fühlbarer Mangel auch an arabischen Arbeitern selbst in arabischen Wirtschaften (so in Haifa und in Ncgcw) eingetreten ist, strömten landfremde Araber aus Syrien und Trans- Jordanien nach Palästina und traten infolge ihres niedrigen Lebensstandards (Hatirancr begnügen sich mit einem Tagelohn von 8—9 Piaster, palästinensische Araber verlangen 12 bis 13 Piaster am Tage) in schärfst« Konkurrenz nicht nur mit den jüdischen, sondern auch mit den arabischen Arbeitern Palästinas. An manchen Orten Palästinas hat sich daher eine gemeinsame Front jüdischer und arabischer Arbeiter gegen den weiteren Zuzug von landfremden Arabern nach Palästina gebildet. Trotzdem sollen nach zuverlässigen Meldungen Ende dieses Sommers in Palästina zirka 10—15 000 Araber aus den Nachbarländern in jüdischen und arabischen Wirtschaften be• schädigt gewesen sein. Der Schaden, der durch die Zertifikatspolitik der Mandats• regicrung dem jüdischen Palästina zugefügt wird, wird in seiner Tragweite außerhalb Palästinas oftmals verkannt: Wirtschaftspositioncn, die durch jüdisches Kapital und jüdische Initiative in Palästina neu geschaffen wurilen, gellen, cntß*{T*n den ausilrücklichcn Bestimmungen des MacDonald* Briefes, für jüdische Arbeiter verloren. Palästinensische und neuerdings auch landfremde arabische Arbeiter besetzen jüdische Arbeitsstellen, für die cs trotz bestehenden Arbeitsangebots keine jüdischen Arbeiter gibt. Die Entwicklung bestehender Unternehmungen wird un* rationcllcrwcisc verlangsamt, die Gründung neuer wichtiger Unternehmungen trotz Vorhandenseins von Kapital und vor* liegenden Absatzmöglichkeiten ,vielfach verzögert o«1er urw möglich gemacht. Der Kampf um die Vergrößerung der Zahl unserer Zerti* fikate muß daher trotz der letztens erfolgten Zertifikats• erhöhung sowohl vom Jischuw als auch von der Judenhcit drt Golah-Länder mit allem Nachdruck weitergeführt werden. Unter allen Umständen muß verhindert werden, daß durch jüdische Menschen und durch jüdisches Kapital mühselig aufgebaute wirtschaftliche und kulturelle Positionen preisgegebeia

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