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Jüdische Rundschau · 1934-12-18 · Heft 101 (18.12.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 101 (18.12.1934)
Date
1934-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU ihnen ein Strahl auf alle fällt. Man orientiert sich an den Edelsten und erkennt in ihnen den konzentrierten Wert, die verdichteten Qualitäten ihres Volkes. So wollen wir gewertet werden, diesen Maßstab müssen wir deshalb auch den anderen zugestehen. Die Verbindung zwischen uns und der Welt, der Menschheit und ihren Konstituenten, den Nationen, und deren Bausteinen, den Menschen bestimmter nationaler Prägung, bleibt Gebot. Es kann aktuell sehr erschwert sein, darf aber deshalb nicht ans unserem Weltbild und Plan verschwinden. Freilich muß erst unser eigener *Standort gesichert sein, Wir müssen erst in der Sphäre des Denkens und Handelns das Judentum so befestigen, daß es reicher als zuvor und deshalb widerstandsfähiger sei. Sein Reichtum bestellt in seiner Vcrinncrlichcrung, Geistigkeit und seinem unerschütterlichen Lebenswillen. Die Abstraktion, die sublimierte Philosophie kann unmöglich das ganze Judentum bedeuten. Es muß seine Wurzeln, seine aktuellen Wurzeln, nicht nur, soweit die ferne Vergangenheit in Frage steht, sondern soweit das Heute in Betracht kommt, im Erdreich des konkreten Lebens, im Schicksal unserer Gemeinschaft haben. Ist aber diese Fundierung gesichert, dann gilt es, neue Fäden zu spinnen und der Pflicht zur Welt* Verbundenheit »ins bewußt zu werden. Von einer anderen Ebene aus werden diese Beziehungen gesucht werden müssen als bisher: stolzer, gemein schafts* bewußter, volksvcrbundcncr müssen wir sein. Nicht als Ausnahmen dürfen wir uns aufnchnien lassen; denn hierin liegt eine Diffamierung aller Juden, auch derer, welche der Auszeichnung zuteil werden, geduldet zu sein. Das Jüdische in uns ist das Charakteristischste und Beste, was wir zu bieten haben. Wir aber wollen nicht vergessen, daß cs Immer ״Fromme der Völker der Welt“ gegeben hat, die Freunde Israels waren, nicht nur Freunde einzelner Juden. Diese Tatsache und unsere religionsphilosophische Ueberzeugting, die halachisch gestützt ist durch den, der als Philosoph und Ha lach ist unser Meister ist, sollen unseren Weg durch die Fahrnisse von Not, Enge und erneuten jtidisehen Aufstieg bestimmen. Unsere Kraft ruht in uns, und deshalb gehört unserem geistigen Besitz und unscrcm biologischen Sein unsere vornehmste Sorge. Aber auch nach außen wendet sich unser Blick, nicht nur in Angst und Abwehr, sondern auch in Erwartung und Zuversicht. Eqe׳ SlGLEnCtLl uni 111 1 * ו״ד t? ויד m ÜGEÜGSLiO pCiOKlii Grundsätzliches zu einer Publikation Von Dr. Ernst Simon, Haifa, zurzeit Frankfurt-Main Als Heft 1 der Schriftenreihe des ״Vortrupp“-VcrlngCB ״Deutsch-Jüdischer Weg“ erschien die hier ausführlich bcsprochenc Publikation von Hans Joachim Schocps: ״Wir deutschen Juden“. Als Heft 2 wurde soeben eine Sammetschritt: ״Wille und Weg des deutschen Juden• t u m s“ ausgrgeben. Ein ״Vorwort des Verlages“ leitet das Heft ein, ein Aufsatz von Schocps: ״Der deutsche Vortrupp — der Ort geschichtlicher Besinnung‘' beendet es. Zwischen diesen beiden (irenzpunkten, die, wie im Kreise, den Anfang in das Ende hineinzichen, bewegen sich: Rabbiner Dr. Leo Bacck mit zwölf Zeilen ״Zum Geleit“, Dr. Leo Löwenstein mit einer Darlegung der ״Linie des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", Dr. Alfred Hirscliberg mit einem sehr ausführlichen Aufsatz über den ״Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ und schließlich Heinz Kellerrnann mit einer Darstellung des Werdens lind Seins des von ihm geführten ״Bundes deutsch-jüdischer Jugend“. Alle diese haben sich, wenn auch mit vielfach abweichenden Meinungen, dazu bercitfindcn lassen, sich in einer von Dr. Schocps veranlaßten und in seinem Verlage herausgegebenen Sammclschritt repräsenfaiiv über ihre Organisationen zu äußern. Dies ist das Erste, was wir, als Zionisten, fcstzustcllen haben. Es kommt in der politischen Welt nicht mir auf die Meinungen selbst an, sondern auch auf den Ort, wo sie geäußert werden, und auf die Art der Wirkung, die mit diesem Orte verbunden ist, Wir bedauern cs vor allem, daß ׳ der Präsident der Reiclisvcrtretung der deutschen Juden, der uns in vielem so nahestehende und uns auch abgesehen von mancher Ocsiiimingsverwandtschnft vcrchrungswiirdige Leo Bacck, sich zu seinem Geleitwort hat bewegen lassen. Wer cs aufmerksam liest, wird freilich keinen Gruß, sondern nur eine Mahnung herausliören können, nämlich die folgende: ״Es ist wie eine Abgötterei, in die gleiche Linie mit dem, was Gott gebietet, und was um Gottes willen da ist, irgendein anderes zu setzen, was immer es sei.“ Zweifellos wen• det sich diese Mahnung vor allein gegen Schocps sei• ber, aber wie berechtigt sic ist, ergibt sich auch aus allen übrigen Beiträgen des Heftes, mit Ausnahme des immerhin angenehm nüchternen Dr, Löwensteins: Alfred Hirschberg wendet das Wort der Haggada und ihrer Quellen — nicht, wie er meint, ״unserer Schrift“ — ״jede Generation müsse sich so fühlen, als ob gerade sic aus Aegypten geführt wäre“ statt auf den Auszug aus der Oalutli auf die Emanzipation, also auf das Sichcinrichtcn in ihr an; derselbe Autor benutzt Jeremias: ״Ich gedenke [>ir die Liebe Deiner Jugend“, um die Liebe des deutschen Juden zu Deutschland biblisch zu beglaubigen; Heinz Kcllcrtnami stützt die Hoffnung auf die zweite Emanzipation mit dem Prophetenwort: ״Ja, cs bleibt die Hoffnung auf Deine Zukunft, spricht der Herr, die Kinder werden wieder in ilir Gebiet (I) zurückkebrcn", und schließt seinen Aufsatz mit dem incssiaiiischen ״bimhero b'jomenu *.-־ bald, in unseren Tagen". Baccks Warnung ist also ungehört verhallt, aber die Tatsache, daß sein Name an der Spitze dieses Büchleins steht, bleibt und wird wirken, in einem Sinne wirken, den er selbst nicht wollen kann. Liebe und Verehrung führen uns die Feiler, wenn wir die Hoffnung aussprcchen, von Leo Bacck in Zukunft wieder mehr eigenständige, in sich gegründete und vor der Ausnützung durch Nebenzwecke bewahrte Darlegungen — statt spruchhaftcr ״Aeußcrimgen“ — lesen zu dürfen. Die eigentlichen Aufsätze des Buches zeigen das nicht• .zionistisclic deutsche Judentum in seinen verschiedenen Gruppen, die gegenüber dem Jahre 1932 in sich und gegeneinander manche Verschiebung erlebt haben. Der ״Reichsbund jiidischer Frontsoldaten“ erfüllt heute etwa diejenige politische Funktion im inner jüdischen Leben, die früher von der Majorität des Ccntralvcrcins ans geübt wurde: er darf dem ״Vortrupp“ durchaus das Privileg streitig machen, die ״einzige konsequent antizionistischc Gruppe“ des deutschen Judentums zu sein, (Schocps auf S. 50.) Der Antizionismus des RJF. äußert sich deutlich genug in dem Satze: ״Wir wünschen dem palästinensischen Export auch nach Deutschland alles Gute, aber jüdisch-nationale Bestrebungen dürfen nicht dazu gehören, und, soweit sie schon in Deutschland Eingang gefunden haben, müssen sie verschwinden.“ Zu Befehl, Herr Hauptmann! Aber das gilt nur für Deutschland: der hohe Wert der Palastinaarbeit selbst und auch Ihre ״erzieherische Wirkung“ werden von Dr. Löwenstein anerkannt, vor allem wohl deshalb, weil ״tausende deutsche Juden dort eine Zufluchtsstätte gefunden haben“. Daß Palästina auch für die nicht aus Deutschland stammenden Juden etwas bedeutet hat und bedeuten wird, kommt hier ebenso wenig in Anschlag wie in einer ähnlichen Aeußerung Kellermanns (S. 39). Man wird es einem Zionisten nicht als kleinliche Parteibeschränkthcit «rechnen dürfen, wenn er die Bedeutung Palästinas für das gesamte jüdische Volk, einschließlich seiner ostjüdischen Massen, für nicht weniger wichtig hält. Der Centraiverein nimmt gegenüber dem RJF., wie die• «er selbst zugiht, eine jüdischere, geistigere und ״bürgerliclierc“ (im Gegensatz zu ״soldatischer") llattmig ein. Er steht in seiner Führung heute etwa da, wo vor 1933 seine Oppositionsgruppc gestanden hatte, die keinesfalls ״antizio* nistisch“, sondern als ״niclitzionistisch“ zur Mitwirkung am Palästinaaufbau bereit war. So wenigstens konnte es bis vor einem halben Jahre scheinen. Seitdem aber macht sich, gerade auch in den letzten Wochen, eine publizistische Bemühung geltend, die inan am besten als den Versuch der Rückcrobcrung schon aufgegebener geistiger Positionen bezeichnen kann. In diesen Zusammenhang gehören die Leitartikel Hirsch• bergs in der ״C.V.-Zcitung“ und sein hier vorliegender großer Aufsatz. Auch als Zionist wird man heute nicht ohne Not in eine Polemik mit dem C.-V. und seiner Leitung cintrctcn wollen. Die praktische Leistung, die von ihm sowohl in Berlin wie in der Provinz für den Rechts- und Wirtscliaftsscliutz vieler deutscher Juden vollbracht wird, bedarf aller Anerkennung und Unterstützung, zumal sie in diesem Umfang von keiner anderen Stelle 11er geschieht und stärksten persönlichen Einsatz ver• langt. Verstellt sich aber diese Leistung selbst immer stärker durch eine uns falsch und gefährlich erscheinende Ideologie, so dürfen auch wir nicht länger schweigen, ebenso wie wir den falschen Ideologien immer cntgegenziitrctcn bereit sind und sein müssen, die unsere eigene Leistung mitunter begleiten. Man merkt den komplizierten und nicht immer beim ersten Lesen ohne weiteres verständlichen Formulierungen Hirsch• bergs noch die Schwierigkeiten an, aus denen seine Oedanken• arbeit zu neuen Resultaten zu kommen sucht. Doch muß diese Feststellung gleich gegen ein mögliches Mißverständnis abgegrenzt werden: der deutsch-jüdische Standpunkt Ist, im Regelfall, heute nicht etwa schwieriger zu leben als der zionistische, wessen er sich oft und auch hier rühmt, son• dern nur schwieriger zu formulieren. Es gilt, eine Ideologie für eine Situation der Beharrung, vor allem wirtsehnftlicher und, allerdings auch, kultureller Beharrung zu finden. Das geschieht, indem aus ״Beharrung“ — ״Ausharren״ wird, also aus einer vor allem ökonomisch und psychologisch bedingten Zwangssituation der Geste der Freiwilligkeit, mit der mau das Joch des leidenden Gottcskiiechtcs in der Oaluth auf sich nimmt. Dies etwa ist der von ihm selbst noch nicht jehr deutlich formulierte ,,irrationale Zug“, den, nach Anfang und Schluß des Hirsrhbcrgschcn Aufsatzes, der scheinbar so ratio• nalc Centraiverein in sich trage. Sein rationales Denken aber kreist um das, auch seiner Meinung nach, eng zusaintncngchörige Begriffspaar ״Assimilation und Emanzipation“ und kommt zu der Folgerung, daß zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Emanzipation der Assimilation voranging und cs heute — um• gekehrt sein müsse. Dabei werden allerdings beide Begriffe so kompliziert, daß sie viel von jhrem eigentlichen Wortsinn verlieren: der Begriff der ״Emanzipation“ wird seines polltischen Inhalts!»'raubt (S. 19) und man verstellt nicht mehr recht, was er dann noch sein soll, und in den Begriff der Assimilation geht ein unauflösbarer Kern jüdischer Eigenständigkeit ein, der freilich wieder nicht genau umschrieben und begrenzt werden kann. Die Spannung zwischen den alten Kernbegriffen der C.-V.-Idcologic ״Deutschtum und Judentum“ ist schärfer und weiter geworden, 80 muß die Begriffsbrücke Über sic schwankender mul langgestreckter sein. Es wird daher einerseits mit aller erfreulichen Deutlichkeit gesagt, daß ״eine Emanzipation vom Semiten zum Arier unmöglich“ und auch unerwünscht ist, andererseits aber doch die deutsch-jüdische Synthese als ״wertvoll untrennbare Einheit“ bezeichnet. Dag Entscheidende stellt wohl in dem Satze, daß die Emanzipationbemühe,11g ״das A und O unseres Denkens und unserer Pianung“ sei. Hier wird der Gegensatz zur zionistischen Ent- Scheidung vollkommen deutlich: der Zionist sicht das Verhältnis zur Umwelt zwar auch als ein sehr wichtiges — wenn auch in Palästina häufig leider vernachlässigtes — Problem an, aber das A und O, das Erste und Letzte ist ihm nicht das Zusammenleben, sondern das Leben, nicht die Grenze, sondern der Kern, nicht das Ergebnis der Synthese, sondern ihr jüdischer Faktor. Der Standpunkt des C.-V. nimmt äußerlich und innerlich die Mittelstellung unter den in der Sammelsclirift vertretenen ein, denn Heinz kellerrnann führt, auch in seiner theologischeren und unbekümmerter antithetischen Ausdrucksweise, schon wieder in die Nähe des ״Vortrupp“. Allerdings muß cinschränkend gesagt werden, daß Kellerrnann mit seinem Bekenntnh wohl kaum alle Gruppen innerhalb, des ״Bundes dcutschjüd. scher Jugend“ wirklich repräsentiert’, vor allem wohl nicht den ehemaligen ״Ring“, der zwar organisatorisch Im ״Bund" aufgegangen ist, dessen Menschen ihre viel stärker jüdisch-gebundene Haltung aber kaum gewandelt haben dürften. Vielleicht wollten sie auch nicht In. ein •am Hefte zum Wort kommen, das unter der Aeglde des Vortrupp-Verlags steht. Nr. 101,!8. XII,!934 Andererseits findet Kcllorniinn gelbst doch auch wesmi liehe Worte der Abgrenzung — die besten seines Aufsatzes ' gegen die Lust an der Verzweiflung, die Schocpsיל־ ׳ disd1"-dialcktUche Theologie charakterisiert. Aber er hat ^j1'; von ihm gelernt, als gut ist. Woher, wenn nicht J'> Schocps’ pscudoprophetisdier Ueberhebimg — dieser behaupt 1‘ allen Ernstes ״die dem prophetischen Typus gestellte Aul•! gäbe“ zu erfüllen, die nadi dern Worte des Talmuds seit dr' Zerstörung des Tempels auf Narren und Weiber übergegan׳•» ist —, woher nimmt er die — Kühnheit der folgenden Voraus." sage: ״So wahr cs nicht das erste Mal ist, daß Juden sj^־;' ihr Land erobern, so wahr wird cs nicht das letzte Mal uin “> Ist hier etwa ein frevelhafter Wunsch der Linflüstcrer der־ Pro phetie, den Schocps selber kaum verbergen kann, wenn © sagt: ״Aber es ist dafür gesorgt, daß auch unseren jüdischen•' Lthizistcii und Kollektivgläubigcn, gerade wegen ihrer Be#' triebsamkeit (genannt ״Verwirklichung“), die Sunde noch *jj* Bein stellen wird — auch noch in der Kwuza auf dem Boden# Zions.“ Aber, bei aller Aclmlichkcit, ״marschieren“ KellerrnannI und Schocps — denn ״marschieren“ tun sic beide, das SoldjJ tische hat cs ihnen beiden angetan — doclt auf verschiedenen' Wegen, und diese Wege wollen gesondert betrachtet sein # Das nur für Kellerrnann Kennzeichnende ist die tt’ic.leta,;!. nähme der jüdischen Missionsidee, in ihrer liberalen Form mit kaum verändertem Vokabular, und die naive Ehrlichkeit]• mit der er sein jüdisches ״Lernen“ von vornherein auf diejenige Anschauung entstellt, für die cs ״ausgewertet werden“ kann# Achrtlieh wie Hirsclibcrg den natürlichen Prozeß jeweiliger Assimilation als ein, wenn auch in gewissen Grenzen, erstr«• ״ benswertes und zu betonende* Ziel hinstellt, so Kellerrnann die natürlich vorhandene Subjektivität der Wertungen all tia?■ zu bejahendes und bewußt anzusctzc-mles Auswahlprintip. Bei• J den Stellungen, der mehr politisch und der mehr pädagogisch!; formulierten, ist gemeinsam, daß das Judentum ihnen nicht I in möglichst maximaler Uugrbrochcnhcit in den Blick kommt,I sondern von vornherein versehrt, verkürzt und verbogen durch# das licißerschntc Ziel der Anglcichtmg. P Immerhin ist dies alles nicht nur, selbstverständlich, sub-1 jektiv ehrlich, sondern auch objektiv ehrlich, d. h. Erkenntnis•1 mittel und Erkenntniszie! stehen nicht in ausgesprochenem Ge• gensatz zueinander; die Schwäche des erstrebten Ziels wirkt schwächend und also versöhnend schon auf die Mittel vorweg, Eine Ausnahme von diesem letzten bilden die bei beiden Autoren mehr oder minder — bei Kellermann minder, bei Hirschberg mehr — peripheren theologischen Beweisstücke; diese aber sind bei Schocps der eigentliche Kern.; Er stellt diesmal vier jüdische geschichtlich gewordene* repräsentative Figuren auf, den König, den Vorbeter, den* Priester und den Propheten, Der König sei durch die Könige!> der Welt, der Vorholer durch den Vorbefer, der Priester durch I den Rabbiner, tmd der Prophet durch — Schocps säkularisiert1 und ersetzt worden. Daß diese Typologie sehr sonderbar ' und sehr unvollständig ist, mag, wie so manches, autiogu• ן phischc Oründe haben: es fehlt insbesondere der hohen• sehende Typus des jüdischen Mittelalters, der Talmid Chicham,! der Gelehrte und Wissende (keinesfalls mit dem von Schocps für das ״Kultische“ in Anspruch genommenen Rabbiner iden* tisch). Daß Schocps auf die Säkularisierung dieses Typ! verzichtet hat — vielleicht liegt sie im Chaluz vor? —, soll ihm aber zugute gehalten werden. Doch im Ernst — obwohl dieser unwissenden Beherheb•! llchkelt gegenüber, die aus dem Nichtlernenwollen eine Ideo | logie macht, auch der schärfste Spott noch eine durchaus sach• j liehe Waffe ist —, im lernst handelt cs sich hier um eine in i Einzelheiten der Abgrenzung dem totalen Staat gegenüber tap- ן ferc, in allem Anderen heftigstes Unbehagen auslösende miB-1 brätiehliclic Verwendung theologischer und anderer Wahrhei-1 ten. Wenn es wahr ist, daß geschichtliche Tatbestände nicht t ohne Gottes Willen zustande kommen, und wenn cs weiter, wahr ist, daß auch Palästina in mcssianischcm Sinne heule j Golus ist — und beides ist wahr—, warum ist dann nur j das Geschehen innerhalb des deutschen Judentums gottgewollt, j nicht aber das innerhalb des palästinensischen? Und wenn« j hundertmal wahr ist, daß Gott keine Fahne und also auch י keine blau-weiße hat: seit wann flaggt er denn schwatz• i weiß? Herr Schocps möge, bevor wir weiter mit ihm diskuhe• j ren, diese beiden einfachen Fragen beantworten; aber nicht: ״dialektisch“, sondern aufrichtig, ׳ Was aber Ist, nach all diesen kritischen Worten, die manch• . mal scharf sein mußten, das positive Wort, das ein aus der Tiefe des Jüdischen her sieh mühender Zionismus — unli! wohl nicht nur er allein — diesen Stimmen des deutsch« j Judentums cntgegcnziisctzcn hat? Wir werden cs aus ein« j kurzen gemeinsamen Uebcrlegtmg gewinnen. f Kein wahrer Zionist wünscht dem deutschen Judentum , ein (baldiges oder späteres) Ende: für jeden von uns wäre det ׳ Oedanke zu schmerzlich, daß einmal die zahlreichen Stätte״ jüdischen Gebets und jüdischer Arbeit, die heute noch blühen,; verödet dastehen könnten. Wir wissen auch nicht, ob c«f solche Zukunft droht. Wir hoffen, daß sie sich abvvcndcn Jas«, viele von uns helfen dazu, sie zumindestens heraus/u/ögerm und gerade wir denken über die möglichen Formen cm ״zweiten Emanzipation“ politisch nach. Aber: so scl11fl«!׳ lieh, so furchtbar der Gedanke an ein Ende des deutschen' dentums auch wäre, so sicher mit Ihm das jüdische Volk ׳ Träger einer sehr bedeutenden und sehr spezifischen bei* un» verlöre: unmöglich, schlechthin unfaßbar ist dieser D1״*" nicht. Vielleicht, hoffentlich nicht, aber vielleicht wird Schicksal dieses deutschen Judentums dem des spamsc ähnlich sein. Niemand von uns darf wagen zu sagen, dau * ratlc diese Ocstaltform, die die jüdische Substanz auf 1 Wege durch die Welt cingcgangcn ist, von ewiger Dauer ewiger Oeltung sei. Ewig ist auf Erden nur eins: ** ־ Diesen Gedanken freilich, Israel könne untergehen, den kein echter Zionist, kein Jude faßt ihn. Und in der Dm . unseres aufrichtigen Kummers über den möglichen, wenn weder zu hoffenden noch wahrscheinlichen ״Untergang deutschen Judentums“ zu der gläubigen und einer P Welt trotzenden Gewißheit, daß der Heilige Israels sich " Lügen strafen läßt: Nezach Jißracl Io jischakcr — *יי lhr, ״( die Differenz zwischen einer auf ein jüdisches Zion “״ jüdische Substanz gerichteten Judenhelt und alten denje g ׳ , die nicht hier Ihren Kern suchen. I läiauptjchriftleitcr: Dr. Robert Welt ich, Berlin-Charlotten “Stellvertreter! Kurt Loewenitein, Berlin W 15. An«'S 1ne(, und verantwortlich für den Anzeigenteil! Helene C j, Berlin N 64, Verlag und Anieigcnverwaltung! Jüdische K Berlin W16, Meinckeitr. 10. D.-A. November 35160. Zunei . . |(A liata Nr. 1 vom L Januar 1034 gültig. Druck! Siegln«! Berlin-Schöne berg. _ u 11 Es \j111 losen, <h 3. nehmend ,! , rung dejV! jehieden׳/,■, der jüdis;jU' ׳ Di«s Kapitali« J>*d|G Ade 1. Bail!:״ Pfl־|r: . istri liscl'u 1' ten f Ob 'j:1 anle1':•1 omrl Ra:1!.׳ Wln, ial # . 10,"״;! l,״i Di". 1# Artikelין'׳ wenn 1:i, '■ keilen!: lallen ״!. Jahr z1 i. : D״r!:1 'iegemgkermijj.׳#, ursarh• ,ז׳ vollste, Icbensjן dem / noch ׳ schaff,!11'; Die!י׳;'•״ Arb <1# Krr.15.--1, zellen seiner I',' «ml ul' man I .. Jiöchs t h Mcnsi Ausla Allein h »Ciolt l Sold . Jarko über ״ steht•:1״ li/enz“ flaut:; «ehe״; Gun Hh-i. vor bew< rv auch [1; lieh •l Ansti! sarni ' K|11״b «m jüdis S.1', V.1r״ r Vielt; G! •prac s|1 •1וי all <!׳]״ den 2־> tu 1j, ten •׳;*־' viel Uas ' Awh , und ßra! y

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