Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-12-14 · Heft 100 (14.12.1934) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 100 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653545--26150-2683331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

1ÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 ''■*■O) >^fr ר " י'־ /? ff /־? Qjln O 11 / fPf!^ L•'־ U׳'׳V y V>*־ ''C?i?sS \Sr Die Haltung der Araber Voll unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Avvlw, 6. 12, 31. |)|e Deklaration des Hi;:h Commissioncrs vor Mitgliedern j|<f arab sehen Exekutive, die eine Stellungnahme der Re- ״jeriniR ״׳ ‘k’” aWuelien politiselien Fragen enthielt, hat f. die Wiedergabe m Nr. 99 der ״J. R.« sowie den Leitartikel LhII'cii Nummer — A. d. R,)■ hei der arabischen p ,־! I! r 1111 g 11 e f t 1 g e 11 \X id erstand hervargmifen, der 'cl, lebhaft in der Presse äußert. Die arabische Nationalhc«cc1111|! befindet sieh zur Zeit in einem scharfen Wider- ״flieh zwbchcn der ökonomischen Entwicklung des Landes ■׳I ihren eigenen Zielen. Es läßt sieh nicht weg^ugnen, daß die Prosperität in i’al.islina nicht mir für die Juden eine Öko- .,0n1hcl11׳ Itlute/eit gebracht, sondern auch die Wirtschaftliehen ,M'iglielikeiten der Araber auf ungeahnte Weise ver-!,!■eitert hat. Pud wenn sich Empfindungen und Ideologien Juch dem einfachen materiellen Nutzen richteten, so müßte dun aiimltnien, daß in der gegenwärtigen Situation die Gegjierschaft der Araber gegen die jüdische Siedlung wesentlich 5c i! w ä eher geworden sei. Das ist vielleicht Insoweit riehtij, daß es heute sehr viel schwerer sein würde, arabische Massen gegen die Juden auf die Heine 711 bringen, als es Joch in den relativ mageren Zeilen von 1Q2<) der fall war. Penn viele aus den Reihen des ״einfachen Volkes“ sehen sehr 1״t, daß die allgemeine Lnmlcsentwieklung mich ihnen hilft imi! (Iah -,ich ihre Wirtschaft und ihr Standard durch die Befruchtnng durch jüdisches Geld und jüdische Methoden lang- S111n /11 liehen beginnt und sind daher weniger leicht 7u Gewalttaten zu bewegen. Aber es ist eine Binsenwahrheit, daß das Materielle für Volksbewegungen keineswegs allein ausschlaggcbciul bh und so erfüllt der rasche Fortschritt der Juden die Araber mit einer Immer steigenden Angst und stärkt ihre nationaler. Einpfindungcn. Die arabische Presse ist voll mit Artikeln und Glossen über die ״Verjudung“ des Landes, Immer wieder kommen Aufrufe und Warnungen, keinen Boden m verkaufen, gegenüber dem Vordringen der Juden schärfste Reuden7 711 leisten, wobei die ohnehin große Einwanderung und Ina es’ition noch stark übertrieben wird. Jedoch sind a'lc diese Reden und Artikel praktisch heute ohne Folgen. Die Bodcnverliütife gehen weiter. Denn in dein Prozeß der Modernlsierting und der Kapitalisierung, der hier vor!ich geht, ist ein Gegenstemmen schon deshalb äußerst icliwer, weil die Interessen sich kreuzen und vermischen. Es 1ei als ein Beispiel für den Einfluß der Prosperität auf die arabische Wirtschaft hier erwähnt, daß die arabische Bank, die vor einigen Jahren gegründet und als Experiment betrachte• wurde, sich in den letzten zwei Jahren gut entwickelt hat, große Gewinne einheimst, neue Filialen gründet und ihr Manager eine Ausbreitung auf die Gebiete der Land- Wirtschaft und der Industrie, durch Schaffung einer Agrarbank und einer Industriebank plant. Die .־rabisclie Nationalbewcgung hat in den letzten Jahren immer stirker an dem Mangel einer geeigneten Führung gelitten. Die Oppositionsbiätter schreiben ohne alle Dinirhdfc über die ״tote Exekutive“ und sie treffen dabei in vieler Beziehung den Nagel auf den Kopf. Die leitende pollti'che arabische Körperschaft ist in ihren Aktionen gehemmt durch di: in ihr herrschenden Gegensätze, die vielfach mit dem alten Antagonismus der herrschenden Familien im Lande und persönlichen Feindschaften zu tun haben. Es Ist jetzt in den letzt:11 Tagen eine neue ״Partei der nationalen Vcrtcidifung״ geschaffen worden, die unter der Leitung des früheren Jerusalemer Bürgermeisters Rliageb Bey Naschaschibi steht um! von sich behauptet, zum ersten Maie in der Geschichte Wästinas der wahre Träger der nationalen Interessen zu sein. Hie Partei steht im Gegensatz, zum Mufti von Jerusalem und lut neben der Bekämpfung des Zionismus (gegen Bodenverkauf und Einwanderung) die positive Entwicklung der arabischen Wirtschaft im Programm. Oh aber diese neue Gruppe andere Wege einschlagcn und neue Mittel benutzen wird, als « bisher in der arabischen Politik der Brauch war, bleibt abzuwarten. Pie irakische Presse bringt eine Fülle von Artikeln über ,fit H u 1 e K on 7 cs s i o n. Vielfach werden die früheren Konzcssionsinliaher angegriffen, daß sic ihre Rechte abtraten “nii während der langen Jahre ihres Besitzes wenig oder pr nichts für die Entwicklung des Territoriums taten. Außerdem wendet sich die Presse mit Vorwürfen gegen die R e * fierung, die den Arabern, weil sie nicht genügend Kapi* »1 haben, die Drainage diirchzuführcn, die Böden entzieht, pm sic den finanziell stärkeren Juden zu geben. Daß gerade im Fall der Hulc-Kon/essioit, die den Arabern große Vor- זיף׳ garantiert, diese Opposition der Sachlage nicht gerecht »!״>. gellt aus früheren Darlegungen der ״J. R." und aus dem Wortlaut der Regierungserklärung deutlich hervor. , Es ist wichtig, daß unter den Arabern das GefühlMe* ״endig wird, daß mit dem Beginn der Arbeiten in Hule ״'״cn kein Unrecht geschieht; daß die früheren Siedler unfemmdert ihren Boden erhalten und darüber hinaus genügend ״afcr 11ml eine gesunde Umgebung. Bei der heutigen polim'hc!1 laRC, der Angst der Araber vor einem Ucbcrhand* ״c״mcn des jüdischen Einflusses, gilt es nicht mir, die Ara- Mr an der fortschreitenden Entwicklung teilnehmen zu lassen, sondern ihnen auch zu beweisen, daß sie wirtschaftlich weh die Aktivität der Juden noch gewinnen. Es wäre also ™״g, gerade so ein Projekt wie Hule als ein Mittel zur hrständigung zu benutzen, Jerusalem, 12. Dezember (JTA.). Der ehemalige Bitr. Rcrmeisler von Jerusalem, Raghed Bey N a 8 cha sch i bf, " d״ Regierung eine Denkschrift überreicht, in der die Errichtung des Legislative Council gefordert und geje״ dlc Uehertragung der Hule-Konzcssion an eine jüdische;׳We protestiert wird. Der von Naschaschibi gegen die Wahl ptnes Gegenkandidaten, Dr. Hussein Khalidi, erhobene Pro- *s* von dem Jerusalemer Distriktsgericht zuruckgewicsen worden. Das Verfahren soll ain 20. Dezember nochmals *"Ißenonmien werden, Tagung der Asselalh Haniwcharlm ^״ |c.r11 salem, 12. Dezember. (JTA.) Am 12. Dezember I* ,! 1P J«r״*alem eine außerordentliche Tagung der Ass e• Utimi •fn,wch arim eröffnet. Der Vorsitzende des waad könHi , *** Z wi, gab eine Erklärung ab, in der er anhandln C| da^ der Waad Leumi im Begriffe stehe, Ver* l'8״״*n mit den Im Nationalrat bisher noch nicht verid a;fnJ!'ll|scl,cn Körperschaften betreffend ihren Anschluß PiRtt.v . lieb-rechtlich anerkannte Gesamtorganisaticm der me»' K8״l8ch«n Judenhcit, die Knesset!) Israel, auf zun ehbck«״»,nVcvisi0"iä*ische1) Mitglieder der Assefah, die sich Ulm״’ j!* V0[> der letzten Tagung zurückgezogen hatten! ״'’״ dl“«al an den Beratungen teil. Tclcg ramme In hebräischen Schriftzcidhen Vom 1. Januar 1035 werden durch 20 Postämter In Palästina hebräische Telegramme nicht nur wie bisher In lateinischen Lettern, sondern auch fn hebräischen Schriftzeichen sowohl ent - gegengenommon als 11 ג c 11 zu gestellt werden. Die Postämter In Jerusalem, Jutta, Tlbcrias und Safcd werden vorläufig, bevor nicht cntsorechcnde neue Vorkehrungen getroffen werden, in diese Neuregelung nicht cinbczogen. Mit dieser neuen Anordnung ist ein wichtiger Schritt zur Durchsetzung des I Ichräischcn auf sämlliclien Gebieten des amtlichen Verkehrs getan worden. Die Tatsache, daß bisher in hebräischen Lettern geschriebene Telegramme von den palästinensischen Postämtern nicht cntgrgrtigenonimcn wurden, bildete den Gegenstand einer Petition, die Amikam an die Mandatskommission des Völkerbundes gerichtet hatte und die von der Kommission bei ihrer Tagung irn Oktober 10! 1 behandelt wurde, wobei als Referent der damalige deutsche Vertreter Kuppel fungierte. Die palästinen- *Ische Postverwaitung begründete ihren negativen Stand- Punkt mit technischen Schwierigkeiten. Wasserstraßen in Tel - Awiw Von unserem palästinensischen Korrespondenten. g.I. Tel-Awiw, 6. 12. 31. Die ersten starken Win t erregen kamen in Tcl-Awiw mit einer solchen Wucht, wie wir cs schon seit Jahren nicht erlebt haben. Nach einer durehregneten Nacht verstärkten sich im Laute des Vormittags die Nicderscldäge so sehr, daß ganze Sirnßcnzfige einschließlich der Gehsteige bis an die i lätiserwändc sich in Wasserstraßen verwandelten, Straßen in! Zentrum der Stadt, wie zum Beispiel die Cnrmcl-Straße, wurden unpassierbar, Autobusse mußten ihren Kurs ändern und in den tiefgelegeneii Vierteln, besonders in der von Jemcnifen bewohnten Gegend wurden Baracken und Häuser einen halben Meter tief unter Wasser gesetzt und die Feuerwehr mußte immer wieder Hilfe leisten, Leute unterbringen und Eigentum retten. Aut den Straßen spielten sich liäuflg ergötzliche Szenen ab, wenn man Autos wie Boote durch inctcrtlcfcs Wasser fahren und ganze Mctisehcnrdhcii durch die Fluten waten sah. Viele der Nebenstraßen verwandelten siel» im Nu In reißende von gelbem Sand gefärbte Bäche tmd es war manchmal nicht einfach, in die Häusercingängc, die im Wasser standen, hinein/ukonimen. Der Regen liefert einen neuen Beweis dafür, daß die Drainage von Tcl-Awiw sehr viel zu wünschen ii b r i g I ä ß t. Wir haben jedes Jahr bei großem Regen erlebt, daß bestimmte Stadtteile unter Wasser gesetzt und viele Schäden verursacht wurden. Man hat früher mit etwas Fluchen und Lächeln diese Dinge als unabänderlich in den Kauf genommen. Aber jetzt, wo Tel-Awiw aus einer Kleinsfadt eine Mittelstadt geworden ist und sich in verschiedenen Dingen schon als Großstadt zu gebärden anlängt, müssen diese Schäden endgültig beseitigt werden. Ein gründlicher Aushau des Drainagesystcms, der ein reibungsloses Abtließcu der Regenmengen sichert, ist unumgänglich. Eine Volksunivcrsiiat in Haifa Haifa, im November. Haifa ist bisher In kultureller Hinsicht etwas hintangesetzt worden. Die hebräische Presse und Biichcrprodiiktlon tlomlliieren in Jerusalem und Tel• Awiw. fn Haifa erscheint keine Zeitung, kein literarisches Werk. Ein vor Eiligerer Zeit ge* machtcr Versuch, hier eine Zeitschrift herauszugehen, hatte wenig Erfolg, Die Theater haben ihren Sitz, ln Tcl-Awiw, wenn sie auch zuweilen Vorstellungen in Haifa gehen. Nunmehr wird Haifa durch eine Institution von kultureller Bedeutung bereichert. Die ״Gesellschaft für wissens c 11 a f 11 i c 11 e Fortbildung“ (•אגודה להשתלמות במדע.) hat eine ״Voiksunivcrsität* (אוניברם־טה עממית) begründet, die den Zweck verfolgt, weiten Kreisen der wach* senden jüdischen Bevölkerung 1 laifas jüdisches und allgemcilies Wissen in systematischer Welse zu vermitteln. Die Voricstingcn finden täglich, von 6 -9 Uhr abends, in den Räumen der genannten Gesellschaft in der Peusnerstrcet, Hadar Haearmel, statt und sind in drei Abteilungen gegliedert: Wissenschaft des Judentums, exakte Wissenschaften und liistorisch-philologisclic Disziplinen. Als Dozenten fungieren bewiilirtc Kräfte, die sich durch wissenschaftliche Leistungen oder langVihrigc Lehrtätigkeit einen Namen gemacht haben. Die Leitung liegt in Händen eines vom Vorstand der Gesell- Schaft gebildeten Ausschusses, dem folgende Mitglieder ange* hören: Dr. Elias Auerbach, Dr. Arthur Biram, Kalu* g ,11, Dr. Max Soloweitschik und Dr. A. T*cherni• a ws k y. Die Gründung ist ein bedeutsames Werk. Mit ihr geht ein alter Wunsch der erwähnten Gesellschaft in Erfüllung, die schon bisher durch systematische populär-wissenschaftliche Kurse in gleicher Richtung wirkte. Der Wand Hadar Haearmel hat zum Zustandekommen der Volksuniversität durch Gewaltrung einer Subvention in anerkennenswerter Weise belgctra* gen. * J o* ef Lin. Kleine Nochrichlen Wie aus Tunis gemeldet wird, haben drei seit über einem Jahr in Tunis etablierte jüdische Aerzte aus Deutschland, die ordnungsgemäß zur Praxis zugclasscn waren, den Befehl erhalten, binnen 21 Stunden das Land zu verlassen. Ungeachtet der an die Pariser Zentralbehörden gerichteten Proteste wurden weitere zehn Familien verhaftet und deportiert. Wie die Polnische Telegraphen-Agentur aus Wilna meldet, wurden In! Zusammenhang mit einem Bombenanschlag, der am 9. November auf die Synagoge in der Ponlawcc* straße verübt wurde, zwei Männer sowie weitere vier der Mitschuld verdächtige Personen verhaftet. An dem Markttage des Städtchens Smfgfel fm Kreise Posen wurden zahlreiche Marktfahrcr aus Kongrcßpolcn von nationaldemokratischen Jugendlichen überfallen und mißhandclt. Die Waren der Marktfahrcr wurden zum Teil ver* nichtet. Polizei griff ein und stellte die Ruhe wieder her. Der Lehrer an einer hebräischen Schule New Yorks, Dr. Hirsch Löb Gordon, hat auf Grund einer Dissertation über das Thema ״Medizin im Talmud״ das medizinische Doktorat der Universität Rom erworben. Damit hat Dr. Oordon sein zehntes Doktordlplom erlangt. Unter starker Beteiligung fand in Budapest die erste Landeskonferenz der ungarischen WIZO unter dem Vorsitz von Frau Dr. Ignaz Friedmann statt. Keren Hajcssod in Palästina •,Ein« Siedlung als Denkmal für Baron Rothschild" (Von unserem Korrespondenten) gl, Tcl-Awiw, Ende November. Als Palästina die Nachricht vom Tode Baron Edmond de Rothschilds erhielt, tauchte sofort der Gedanke aut, als! >cukmal für diese große Persönlichkeit mul als Dank der palästi* n e n «I 8 c h c n Judenhcit für den ״V ater der Kolo* n i s a t i o n“ eine Siedln 1! u,! zu errichten. Das Pro* jekt fand die Zustimmung aller Instanzen und die Exekutive und das Direktorium des Keren Kajessod beschlossen, die g<c* *amten Einnahmen des Keren I lajessod in Palästina im laufen* den Jahre einem solchen Sicdliuigsplnnc zti widmen. Zur f Ölleitung der Aktion stellte Alexander O oldst ein, der Leiter des Keren Kajemcth im Lande, den Pressevertretern die l’liinc dar tmd richtete den ersten Appell an das Publi* kum, die Sammlung in weitestem Maße zu unterstützen. Es ist zu hotten, daß alle Kreise des Jiseliuw, ohne Unterschied der Partei und Anschauung, sieii dieser Sache annehmen wer* den, um zu beweisen, daß Palästina das Werk des Barons zu schätzen weil). Der Appell Gohlstcins fand in der Presse eine bereitwillige Aufnahme und man darf der Kampagne eine günstige Prognose stellen. Die Geschichte des Keren Hajcssod in Palästina ist erst kurz, aber sehr lehrreich. Als man im Jahre 1933 mit einer Aktion begann, war es ein ungewohntes Novum, daß Pa* lästina, der Geld empfange r, selbst unter die Spender gehen sollte. Der Gedanke wurde mit einem gewissen MIß« trauen aufgenonmien. Man glaubte nicht recht an die Mög* liclikcit, in' Palästina Keren I lajessod zu machen. Nicht nur schien es schwierig, die Menschen im Land, die fast alle einen schweren Existenzkampf kämpften, zum Geben zu bewegen, sondern die Frage des Keren Hajcssod war ein scharf umstrittenes Politikum. Da waren Kreise, dir gegen diese Sammlung waren, weil sic behaupteten, die Gelder kirnen nur den Arbeitern zugute, und es wäre nicht finnischen, warum sie für diese Zwecke spenden sollten. Da waren Gegner der Exekutive, denen nicht viel daran lag, ihr Geld in die Hand zu geben. Da waren schließlich die Revisionisten, die einen Boykott gegen die nationalen Fonds erklärt hatten, also nicht nur seihst nichts gaben, sondern in schriftlich er und mf'tnd* lieber Propaganda alles taten, um eine Aktion unmöglich zu machen. Es wurde dabei ganz vergessen, daß ohne diese natlo* nalen Gelder der Apnarat unserer nationalen Instanzen, der das jüdische Leben Im l ande leitet und ordnet( nicht zu halten Ist, dnß ein Jüdisches Palästina ohne die Ansetzung von Arbeitern und die Schäftung von Bauern auf Sana gebaut sei und daß bei allen politischen Differenzen an die freiwillige Disziplin unseres Steuersystems — denn das sind ja die nationalen Fonds — nicht gerührt werden dürfe. Es muß anerkannt werden, daß der palästinensische Keren Hajcssod sich durch alle politischen Anfeindungen, durch Gleichgültigkeit mul Verleumdungen nicht abschrccken ließ. Im Jalire 1933 lieferte die Kampagne C (1000, eine vielleicht an sich bescheidene Summe, die aber für Palästina unter den geschilderten Umständen doch ein Gewicht hatte. Im Jahre 1031 stieg* die g e s a in m e 11 e S11 m in e b e ז e 11 9 auf £ 22000 an. und die Organisatoren der gegenwärtigen Kampagne sind sicher, daß die Ziffer in diesem Jahre ganz wesentlich in die Höhe schnellen wird. Die Arbeit wurde den besonderen Verhältnissen Palistf* nns entsprechend a 11 gefaßt. Ein besonderes Departement be* schädigte sich mit der Propaganda unter den Arbeitern und g*cr,ade diese, die mit der Arbeit der nationalen Fonds seit jeher eng verknüpft sind und dir allgemeine Dinge viet Verständnis haben, entsprachen den Erwartungen, die man all sic stellte, in vollem Maße. Line weitere Allteilung; bcschäf* tigte sich mit der Propaganda unter den deutschen Juden unter der Leitung* von Dr. Held he im. Man hatte es liier zum Teil mit Menschen zu tun, die an ilire zionistischen Pflich* ten g*cwöhnt waren und mit Selbstverständlichkeit auch fm Lande ihr Scherflein beitrugen. Es gab aber andere, die glaub* ten, mit ihrer Ucbersicdlung nach Palästina ihren Pflichten genügt zu haben und viele, die sich fürchteten, von ihrem Knjutal auch mir die geringste Summe weg'zunehmen. Und es gab schließlich die große Zahl derer, die von Zionismus und Palästina wenig oder nichts wußten und denen der Besucher, der um eine Keren Hajessod-Spemle kam, zuerst einmal einen Elementarunterricht in Pakistinageschichte, in zionistischer Ideologie, in den Problemen der Siedlung zu geben hatte. (Wir nahen vor einiger Zeit einen Artikel Dr. Holdheims über seine psychologischen Erfahrungen bei dieser Arbeit veröffentlicht. — A. d. R.) Es ist nicht «las kleinste Verdienst des Keren Ilajcssod-Comitcs zur Arbeit unter den Deutschen in Palästina, das unter dem Vorsitz von Dr. Erich Hurwitz steht, daß cs nicht an eine einfache Sammeltätigieit, sondern auch an eine derartige Erziehungsarbeit heranging. Und wenn die finanziellen Resultate der Änstreti* gauigcn sehr zufriedenstellend waren (die Deutschen fm Lande, «lic im Vorjahre 8 "> des Jischuw darstcllten, lieferten dem Keren Hajcssod .£ 5000, d. h. 20 der Gesamteinnahmen 1m Lande!), so ist die Informations,arheit, die hei dieser Oe* icgenlicit geleistet wurde und die nicht mit Zahlen gemessen werden kann, von nicht geringem Wert. Die Rothschild-Aktion hat für Palästina noch eine besott* dere Bedeutung. Dieser Mann, der im Lande gegen 10 Millio* nen Pfund investiert hat, charakterisiert den Anfang der Kolonisation und eine Epoche, in der das jüdische Palästina seine allerersten Schritte machte und völlig auf Hilfe von außen angewiesen war. Jetzt, nach dem Tode des Barem«, geht Palästina daran, der Weit zu zeigen, daß es soweit er* stärkt ist, daß es aus cig’cnen Kräften ein lebendiges Denkmal für den Initiator der ersten Siedlungen errichten kann. Die Steigerung der Einnahmen des K. H, im Lande sind ja nicht nur eine Besserung des guten Willens, sondern *ine Funktion der wachsenden wirtschaftlichen Propcrität. Es gibt bereits in Palästina Menschen, die größere Summen zu gehen imstande sind und cs gibt eine Arbeiterschaft, die so put verdient, daß sie für öffentliche Zwecke sich etwas absparen kann. Es ist symbolisch für die aufbiühende Wirtschaft im Lande und den Import großer Kapitalien, daß die gegenwärtige Kampagne mit einer Spende von £ 2000 eröffnet werden konnte: Ein im Lande noch nie dagewesenes Ereignis, das der begonnenen Aktion einen bisher unerhörten Standard setzt und ztl großen Hoff* nungen berechtigt. Am 1t. Dezember Ist der Kronprln* von Schwe« den mit seiner Familie in Palästina eingetroffen. In dem für den Aufenthalt des Kronprinzen aufgcstclltcn Programm sind Besuche einer Reihe jüdischer Kolonien und von zwei Auf* führungen der Habimah vorgesehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.