Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 99 (11.12.1934)
- Date
- 1934-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653544--26135-2683315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
99.11_m19M TODTSCHE RUNDSCHAU ^־"״״׳| y״>־ \ | ףן ץ־־~^ U Li Lj r« Seite 3 Amerikanische Reisebriefe IV Von Ernst Kahn•) ׳ New York, Ende November. Pie Direktoren der Rockcfeiler Foundation hatten 0 ,um >i'c Ehrtc״i >.•»«.ihnen zu limchcn. Sic Jaß man zwar sehr häufig zusammen In neutralen Lokalen luncht — aber sehr selten im Familienkreis und unter Heranzichung der Frauen im Hause zu Abend ißt.) Kurzum — die amerikanische Krise hat vom Wirtschaftinten t i c f i n d a s geistige Gebiet ü b c r g e g r i f f e n. 1״ ״.״V .״. .. ...חי ״ . ״״״.״״״ .״ einem Grade, den wir sonst nur bei den alten ctiro- "V.n von uns offenbar hören, wie diese Stiftuiu» das rer in PiT ,f" L:l״dml heobaehtet haben, wird so ziemlich alles *illiche amerikanische Wohnungswesen rörder/könneDi! l3‘bcrk1'״tmene kritisch erneut durchdacht. Das gilt für •dlheschültsräuinc befinden sich in der Rockcfeiler City .־ r״.־״ - ״י■ ■ .,•.,.. —•z — neben ׳:(f Aussicht vom Empire State Building wohl die größte fhenswürdigkcit von New York. Hier hat die früher so un- SffriediRcndc, allmählich aber veredelte Architektur des Wol• L-nkrat/crs zu einer eindrucksvollen, künstlerisch erfreulichen, öestaltung geführt. Per Riesenbau ist in ein System von ebenfalls repräsen• ijtivrn Woßcnkratzcrchcn und Anlagen eingebaut. Alles ist einem sinnvollen Ganzen gestaltet - die Nebengebäude, '..fl Beispie', sind den verschiedenen großen Völkern ge• idmet; *las Luxuriöseste und Repräsentativste jedes Volkes ..!] in diesen, die 5. Avenue flankierenden Vorw'crkcn eine öjtte finden (das für I)e11tschla״d vorgesehene Palais wird :rtrt lür die Italiener vorbereitet). Die Riesensumnic von einer nrrtel Milliarde Dollars hat diese ״Stadt״ verschlungen. Von ״tnlicrciii - so versichern Eingeweihte — war diese Kapitalriliee nicht so sehr als profilhringcnd, sondern primär als )mkmal lür den Oclkünig und die Seinen gedacht - wie einst ,-vptischc Könige sich ihre Pyramiden errichtet haben. Im .hrigen ist tatsächlich von einem Profit noch keine Rede,!rot; Kprorentigcr Vermietung, jenes Motiv für ein so riesenhaftes Unternehmen, dieser Tiinsch nach einer Art von Unsterblichkeit, ist hier auf Schritt 9d Tritt zu beobachten. Uebcrall in den Staaten finden sich ,vscraprrs, die lediglich ad majorcin gloriam eines lokalen Krösus ohne Aussicht auf Gewinn errichtet wurden — die flirhüclierwcislieit, daß dein menschlichen Handeln der i'utisch nach Profit und nichts anderes zugrunde liegt, wird rjrmls klarer Lügen gestraft als in diesem Lande des >!lars. Der homo oceonomicus in Reinkultur ist in Wirklich• teil so schwer zu finden wie der homo sapiens. In jenem Rockcfeiler Building gelangten wir in dem hjirfßfalirstuhl, der erst in der 50. Etage zum erstenmal rappt,in 40 Sekunden in den 65. Stock und saßen bald an der Kasinotafel mit unsern ausgezeichneten Gastgebern, Gelehrten ״in Rang ur.d Namen ~ um uns die fast unbeschränkten Aus- Picke auf das märchenhaft wischen Flüssen, Bergen, Inseln and Meer eingebettete fast 12 Millionen Menschen umfassende Orr ater New York; nur an einer Stelle tritt dem entzückten Hupe ein Hindernis entgegen: das 102 Stockwerke hohe .Fmpirc State Building“, von unseren Gastgebern boshaft wegen seiner Vcrmictungsschwicrigkciten ״Empty State Build*!«;" gescholten. Diese Bosheit Ist menschlich begreiflich — vir kann inan auch w׳agen, Herrn Rockcfeiler über den Kopf!u wachsen! — Doch bald wandte sich die Unterhaltung ernsteren Dingen :3; wie der Zufall wollte, hatte gerade in diesen Tagen Präsident Mason den Jahresbericht 1013 der Rockcfeiler- Stiftung veröffentlicht — ein ergiebiges Thema für ein Tischjtsprach. Diese einzigartige Stiftung verteilt fast 10 Millionen Mar im Jahr zur Bekämpfung aller die Menschen bedrücken- ׳«! Fesseln, gleichgültig, ob cs sich um geistige oder körperhc Ketten handeln möge. In den Elcndsgcbictcn Indiens und tinas, wie in den Seuchengebieten — überall arbeitet die ״־ckcfcller-fbundation. Rasse, religiöse und politische Anphauungen spielen dabei keine Rolle. Als mein englischer ׳*liege fiir einen in mißlichen Verhältnissen lebenden bc- ,wnten deutschen Schriftsteller ein gutes Wort cinlegtc, ihn ahri ahrr korrekterweise als äußerst ״radikal“ bczeichnetc, ncinte der zuständige Referent, das interessiere die Stiftung «M; sie hätten unter ihren Stipendiaten extreme Bolsche- »;sten und Faschisten — nur leisten müßten sie etwas. Im Jahre 1Q'33 nun hielten cs die Rockcfelier-Leutc fiir ihre Ehrenpflicht, einen recht erheblichen Betrag für jene Oclehr-!״׳ atismwerfen, die durch die politischen Ereignisse in Mitteleuropa entwurzelt worden sind. Wenn heute Hunderte Wissenschaftlern außerhalb Deutschlands ein vorläufiges ״der dauerndes Wirkungsfcld gefunden haben, so ist wohl ״ der großen Mehrzahl der Fälle die Rockcfelier-Foundation ״ irgendwelcher Form, häufig für den Empfänger gar nicht erkennbar, an der Finanzierung beteiligt. In der Regel freilich enipfte sic an ihre Hilfe die vermutlich recht kluge Bcemgung, daß diese ihre Leistung von anderen verdoppelt wturdc. Es ist mir zweifelhaft, ob diese Großtat überall bc- ‘,"״t und gewürdigt wird. Man macht sich kaum einer *״Hrtrcihnng schuldig, wenn man die Rockcfelier-Foundation, «nk namentlich auch den sie leitenden wahrhaft humamsti- «m Köpfen, als einen der großartigsten Kulturträger der JfScnwart bezeichnet — schade nur, daß selbst Iß Millionen?tluif ״n ^a*,r n'c*1t genügen, um alle Notwendigkeiten zu Freilich ist die Rockefcller-Stiftung in diesem Lande nicht "anstehend. Wir fanden in den verschiedensten Staaten ™? merkwürdigsten und manchmal großartigsten Institutionen, | «hg in Verbindung mit den zahllose״ Universitäten, den M fankenhäusern, Bibliotheken. Und meistens mit der Tendenz I! «di äußerer Repräsentanz. Die großen Stiftungsunivcrsitatcn ,/ ' rinccton und Yale legen einen nicht gerade imponierenden *״weh zutage, Oxford und Cambridge auch im gotischen sklavisch zu imitieren. — In anderen Fällen wieder ist j״ Wunsch zur Neugestaltung unverkennbar und höchst ein- — so wenn ein Zeitungsvcrlcgcr bei Detroit iwi. ״,nfn Dollar für eine freie Akademie zur Verfügung 5;׳ u״tl ersten Künstlern völlig freie Hanel zur Gestaltung "'" ך mit dem Resultat freilich, daß etwas ganz Einzigartiges entstand, aber — das Betriebskapital für den? ntlichcn Zweck nicht mehr ausrcichte. Solche Unfälle sind i״ ״״ifl>t vereinzelt. Man zeigt eine märchenhaft schone »thek — ohne Bücher mangels Kasse. ״ Derartige Anomalien hängen natürlich zum Teil mit der «!r1,t?,?,*ammcn> die ja offenbar einen ganz tiefen Ein* fy.?.)ff >n das amerikanische Leben und Denken bedeutet. 7.:,. nKe und Schwere des. Rückfalls von jenen unkritischen dl " ,<*״ Ueberspekulatidn und des Uebcroptitmsmus hat f״,c ,,1*י hat vor allem die Psychologie seiner Bewohner zur Unkenntlichkeit verändert. giose Fragen genau so wie für die Beziehungen unter den Geschlechtern oder die Baugesinnung oder die soziale Frage, t'in bedeutender Engländer aus dem Schiilcrkreis von Ruskin und William Morris, ein alter Kenner Amerikas, glaubt im Amerika von heute den Kampf zwischen Qualität und Quantiu *״ *e',cn• und prophezeit den Sieg der Güte über die Menge in diesem Land der Rekorde. In dieser Auffassung hegt unleugbar viel Wahres. Handelt es sich hier um elerncntare, das Volk entscheidend erschütternde Vorgänge, oder wird ein Wicderaufschwiing zum erheblichen Teil die alte, satte Selbstzufriedenheit zuriiekbringen? Vielleicht ist folgendes Ocsamturteil erlaubt: Amerika ist sichtlich älter, das heißt also skeptischer geworden. Entscheidende, retardierende Momente sind unverkennbar und keineswegs vorübergehend. So beginnt auch hier das einstmals so rasche natürliche Wachstum der Volkszahl einer allmählichen Beharrung zu weichen. Die von Amerika früher fast untrennbare Masseneinwanderung hat seit Jahren au {gehört und ihr Wiedereinsetzen scheint vorerst nicht sehr wahrscheinlich. Infolgedessen taucht eine früher nie erörterte Frage auf: ״Ist unser Kleid nicht zu weit?“ Plötzlich entdeckt man, daß gar manche spekulative Entwicklung, sei es in der Anlage mancher Städte, sei es im Bau vieler Fabriken vielleicht auf ganz falschen Voraussetzungen beruht. Der ungehemmte Individualismus, nirgends verdienstvoller und erfolgreicher als in der Eroberung dieses Kontinents, erfährt auch durch diese Erkenntnis einen harten Stoß. Gleichzeitig ist das Ansehen des Wirtschaftslibernlismiis durch das Unvermögen, von sich aus die Krise zu überwinden, fürs erste schwer erschüttert. Höchst radikale Oedankengänge tauchen auf — nicht etwa auf einer theoretischen, dogmatischen Basis — für ״-Ismen“ aller Art wie Faschismus, Bolschewismus, Kommunismus, Sozialismus ist einstweilen hier noch wenig Platz. Der Amcrikaner denkt im großen und ganzen fast noch mehr als der undoktrinärc Engländer völlig konkret. Das Unvermögen zu abstrahieren ist geradezu ein nationales Charakteristikum — trotz des jüdischen Einschlags. Daher auch die kläglichen Wahlergebnisse für die Sozialisten In einem Land mit 10 Millionen Arbeitslosen. Jene radikalen Ideen aber, die etwa die westlichen Progrcssisten in Wisconsin (die Brüder La Fallcttc) oder den südlichen Faschisten Lang in Louisiana bewegen, schrecken auch nicht vor dem Oedanken einer Separation von der Union im Falte der Not zurück. Der erwähnte südliche Faschismus hat übrigens ebensowenig wie die anderen offiziellen politischen Bewegungen etwas mit Antisemitismus zu tun. Selbst der Ku-Klux-Klan, der zurzeit eine Wiederauferstehung versucht, gibt sieh nicht mehr antisemitisch; er hat sogar die Juden zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den Kommunismus aufgefordert. Von dieser ״Kommunistcngefahr“ hört man viel, namentlich in den Kreisen jener teilweise recht geistlosen P 1111 o k r a t i e, die teilweise einen hoffnungslos öden Eindruck!unterläßt. Diese Schicht hat leider in manchen Städten eine erhebliche jüdische Beimischung; man findet da ein bemitleidenswert äußerliches «nd langweiliges Leben; In den Salons dieser Leute werden, wenn man nicht gerade Bridge spielt, immer die gleichen Fragen wiedergekäut; das moderne Liehiingsthcma bildet ein gewisses Renommieren mit der neuervvorbenen angeblichen Armut; auch das Schimpfen auf Rooscvclt gilt als recht vornehm. Einen recht breiten Raum nimmt auch die Sorge wegen des Antisemitismus ein, man fürchtet — meiner Ansicht nach ohne triftige Gründe — ein weiteres Ansteigen, weil zuviel Juden in des Präsidenten Umgehung seien. Alles das geschieht bei den belichten Cocktailparties oder den Dinners, nach deren Bcendigung man mit seinen Gästen rasch ins Kino, Theater oder zu einem Sportereignis fährt. Man kommt damit um die hier nicht allzusehr entwickelte Kunst der Konversation herum. Der Einblick in diese Kreise hat offenbar Bernard Shaw veranlaßt, seinen ״Sozialismus für Millionäre“ zu schreiben, denn man bekommt ordentlich Mitleid mit dieser Welt der allzugroBen Landsitze, der kostspieligen Gärten, Treibhäuscr und Dienerscharen, Diese Schicht, oder wenigstens ihre Lebensart, scheint dem Untergang geweiht. Die Öffentlichkeit bäumt sich dagegen auf, die nachfolgende Schicht verliert um so mehr den Reiz an diesem Gehaben, als erfreulicherweise die Amerikaner allenfalls einem seif made - man ein derartiges Luxuslcbcn erlauben, aber einen nichtstuenden Erben von Grund auf verachten. Im übrigen dürften auch finanzielle Motive hier gehörig aufräumen: das Land steht offensichtlieh vor einer revolutionären Acnderung seines Steuersystems nach englischem Vorbild, das wird gar manches Palais auf der 5. Avenue und nicht wenige jener Landgüter schließen. Das Schicksal jener bornierten, in Europa längst dezimierten Klasse von Nurreichen mit ihrem drohnenharten weiblichen Anhang, dieser Welf, irt der nun sich langweilt, wenn nicht gerade ein Freund sich scheiden I ißt, schein! besiegelt. Damit ist aber noch nicht gesagt, was weiter wird. Unleugbar sind gewisse Voraussetzungen für eine Art von ״Vergesellschaftung" in diesem klassischen Land des Indivklualismtis unverkennbar .- wenigstens in den immer wichtiger werdenden Grollst,ultsystcmen (darunter ist eines der bekannten Zentren wie New York, Ghikago, Clcvcland usw. und den sie umgehenden Trabantenstädten und Dörfern zu verstehen). Wenn z. B. heute die meisten New Yorker ihren Lunch, viele auch schon ihr erstes Frühstück in einer sogenannten ״Cafeteria״ einnehmen, so ist diese Entwicklung der letzten Jahre im Grunde nichts anderes als die Masscnabfütterung m Volksküchen auf vorerst privat Wirtschaft lieber Grundlage. Die Sache vollzieht sich in der Weise, daß man sich an einem Tisch mit Tablett, Messer, Gabel, Löffel und Papier- Serviette ausstattet und dann gewissermaßen am rollenden Bande an «all den Speisen und Getränken vorbeischreitet, *ich das Geschmack und Kaufkraft Entsprechende auswählt, sich auf dem Kontrollzcttcl die nötigen Löcher einknipsen läßt und beim Verlassen des Lokals zahlt. Oder der Einheitstarif auf den völlig automatisierten( billettlosen Stadtbahnen. Oder der Betrieb in den großen Hotels, wo uns durch eine Türklappe allmorgcndlich ein Paket mit dem typisierten Frühstück (Kaffee in Thermos* flasche, Milch- und Geleegläschen, zwei eingewickclte Stullen und ein Stückchen Butter) hereingeschoben wird. Der Einzelhandel isi von Kettenläden beherrscht, die vom Atlantik bis zuin Pazifik reichen. Amerika — das darf nicht vergossen werden — hat einen guten Teil der individualistischen gewerblichen Mittclstandsent wicklung übersprungen. Auch *onst hat das Recht und das Bedürfnis aut Privatleben deutliche Einschränkungen erfrhren. Die Presse betrachtet das Privatleben als eine öffentliche Angelegenheit. Reporter und Pressephotograph sind die ständigen Begleiter aller großen und kleinen Sterne am Himmel des gesellschalt• liehen Lebens — und die meisten freuen eich noch über diese Behelligung, Beschaulichkeiten und romantische An- Wandlungen, wie wir sic liehen, wie etwa der Traum nach dem eigenen Gärtchen, sind hier nicht verständlich. Eine um so größere Rolle spielt bekanntermaßen das ständige Veränderung und Unruhe ermöglichende Auto auf den herr* liehen Straßen mit märchenhaft billigem Benzin. Im Haushalt der Amerikaner ist die Ausgabe fiir die ״Maschine“ ungefähr *o groß wie für die Wohnung!! Alles das soll zeigen, daß hier gewisse Voraussetzungen für eine kollektivistische Lcbensgcstaltung vorhanden sind. Auch die eingangs geschilderten Stiftungen der Reichen deuten ja längst auf einen gewissen Gemcinsinn. Unleugbar zeigen neuerdings die überwältigenden Wahlerfolge des stark gcmcinwirtschafllich eingestellten Rooscvclt, des Befürworters der hier noch fehlenden Sozialversicherung, des P!anhcreiters gemeinnützigen Wohnungsbaues, daß d׳e gegenwärtige De* pression in Amerika einen ähnlichen Einschnitt in die hie- *ige Entwicklung bedeutet, wie der Krieg in Europa. Mar» wird nach ihrer Uchcrwindung nicht da weiterfahren, wo man 1920 aufgehört hat. Den Grad der Acnderung kann freilich niemand Voraussagen. Ob eine organische Fortentwickhing nach dem hier allseitig bewunderten englischen Beispiel kommen, ob man mehr europäisch-kontinentale Wege wandeln wird, hängt wohl von der Länge der Depression, von den Erfolgen der Rooscvcltschen Experimente ab. Die letzte Entwicklung deutet eher darauf hin, daß eine gewisse Verständigung zwischen den bisher negativ onponierenden Großlntercssen und dem vorsichtiger und zurückhaltender gewordenen Rooscvclt versucht werde. Was ist das Schicksal der Juden in dieser Zeit? Abgesehen von jener dünnen Oberschicht ahnen sie mit offenen Sinnen die Probleme und verschließen sich den kommenden Dingen nicht. Die großen Kanzclredner der verschiedenen religiösen Schattierungen vor allen» verstehen in einer fiir europäische Begriffe ganz ungewöhnhehe Art» ihre Zuhörer — häufig mit Hilfe des Radios — aufzurütteln. Und gerade die jüngeren östlichen Elemente sind ja ein Bildungsclement von seltener Abnahmebereitschaft. Trotz aller Gegensätzlichkeiten herrscht in den jüdischen Massen Arnerikas eine verblüffend ausgebildetc Solidarität,־ ein uner- «chüttcrliches Volks- oder Rassencmofinden. Sie werden sich den Entwicklungstendenzen ihrer Heimat nicht entgegenstemmen und in den Uebcrgangsschwicrigkeiten zusammen* halten. ״,Intellekt״ Die ״Deutsche Zukunft“, Berlin, vom 9. De Amber ver« öffcntlicht folgende Notiz: ״Im Plisrhke.falirweiser 1935 (Neunter Jahrgang, Pliwhke-Verlag, Buch- und Steindrarkcrei, Zittau) finden wir für die Tage von» 15. bis 18. April 1935 (<;ni״donnrr»tng) folgenden Spruch: ,Intellekt. Hinweg mit dic-rtn Wort, dem bösen. Mit seinem jüdisrli-grellen Schein! Nie kann ein Mann von deutschem Wesen Ein Intellektueller sein!'“ Auf Grund einer Anordnung der Reichspressekammer Ist den Mitgliedern des Reichsverband«« der Deutschen Zeitungsvcrlcgcr ab t. Januar 1935 die kostenlote oder bevorzugte Lieferung und Abgabe von Zeitungen untersagt Diese Anordnung erstreckt sich auch auf Erwerbs* lose, sonstige bedürftige Personen, Wohllahrtsclnrlchtunßen, wie Altersheime, Krankenhäuser u.s.1. Wir dürfen ab 1. Januar 1935 Abonnements nur noch zum vollen Bezugspreise von monatlich RM 2»—. bzw. jener häufig peinlich berührenden früheren Selbstvierteljährlich RM 5,75 (cinschl. Zustellgebühr) abgeben. Mir nacn,nK so vieler Amerikaner ist ein überraschendes Volk ,1°" b s t k r i t i k und Skepsis £ct ׳den. K« for”hL«r “ so scheint es mir — ist heute so off**״ <jtr Kritik und fachmännischen Rat wie das Volk das , d ‘?״ A• Alte Erinnerungen, daß im Grunde Ic!! ״?** un<f Wichtigste hier von außen gekommen ist, tauch- § ^'c Ffemdenfcindlichkeit aller Volker be- »׳eh hier in der Regel auf ein gewisses Maß^von -״ ältlicher Zurückhaltung gegenüber den de«! rt|~.als0.n,icht englischer -- Kulturkreise. ., * beispielsweise in der J udenfrage oazu rührt. Bel der engen Verbundenheit unseres Leserkreises mit seiner Zeitung dürfen wir hoffen, daß die von dieser Ai»* Ordnung betroffenen Bezieher unserem Blatt weiter treu bleiben werden, wobei wir die den Wohlfahrtseinrichtungen und Erwerbslosen durch die vorgeschriebene ErhShung ent- ÄcM<lich״ Zurückhaltung gegenüber* den Angehörigen stehende Mehrbelastung keineswegs unterschätzen) wlr mDaien R. cr‘r *— akn «eirsUA V..u,..lr#<1!ei> (Eine Ten* *k«» /Jas» rtnti'tzllrhrrt AfiArrfrttirtä ftlr*«*!. 1S* »Jüd. Rundschau״ Nr. 89, 90, 93. uns aber der gesetzlichen Anordnung fügen. VorlQ<! der Jüdlicben Btmdiclunr Die Handwerkskammer Bielefeld bat an alle Kreishand• werksmeister ihres Bezirkes ein Schreiben versandt, worin in sehr scharfer Form dagegen Stellung genommen wird, daß Handwerksmeister bei Juden kaufen, in dem Zirkularschreiben heißt es: ״Meister, jagt Eure Frauen aus dein Hause, wenn sie gedankenlos beim Juden kaufen. Angestellte der handwerklichen Organisationen, die beim Juden kaufen, sind sofort zu entlassen.“ Nachdem soeben erst anläßlich des Weihnachtsgeschäftes vom Wirtschaftsministerium bestimmt wurde, daß im Wirtschaftsleben kein Unterschied zwischen einer lokalen Stelle zu betrachten. Es ist für jüdische Kauflcute beunruhigend, wenn sie, denen die ehrliche Aus- Übung ihres Berufs nicht verwehrt ist, solchen Angriffen ausgesetzt sind, die nicht nur ihr Erwerbsleben gefährden, sondern aucit ihre Ehre antasten. Wie der ״Völkische Beobachter“ meldet, hat der Reichsverband der Mittel - und Großbetriebe des Deutschen Einzelhandels e. V. mit der Deutschen Arbeitsfront, Reichsbctricbsgcmeinscliaft Handel, Fachgruppe Handelsvertreter und Geschäftsreisende, Fachschaft Handclswerbcr (Propagandisten) eine Vereinbarung getroffen, in der es unter Punkt l heißt, daß die Mitglieder des Reichsverbandes ihre Lieferanten, mit denen ein Propaganda-Abkommen getroffen ist, ersuchen, nach Abschluß dieses Abkommens nur solche Propagandisten zu schicken, die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront sind, der bekanntlieh Juden nicht angehören können. ln London Ist die Malerin Esther Stella S 11 tro gestorben. Sie war die Witwe des im September v. j. verstorbenen Dramatikers Alfred Sutro und eine Schwester Lord Rcadlngs. Ihre Bilder, die zumeist Straßen und Oärten in England und Frankreich darstellten, wurden von der Kunstkritik *ehr günstig beurteilt. Sie hat u. a. ein Buch über Nicolas Pousslni geschrieben. ־׳9 i 1 >׳ *V t 1 V N ׳ t , . i י' •! '< - 4 i ׳ ■' f *; ־1 L:,;; 3 C ץ 3' .־I (1 t 1! V 11 , ) i׳ r 4: < t s!v! I •־.׳. t. ״״'" t1 f l , J ' ■ I :||U c if t,?1'׳ ״ ׳ * ׳ c V '1« { i ו,''י d i '■ ,g l'V,V l'y ״ i I ־ J r t •1■ ׳ f’ H * ),s «P * . 1• f v f j t־ ׳«t:! M־i t ' .. iח י;;. י! ׳'■i I!־ 1 ft;״ 1 C l ו i׳;, r ז i 4 : » ד י ' u I ו i i, 1׳ ־ י ־ד'»