Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 98 (7.12.1934)
- Date
- 1934-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653543--26120-2683299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I ו ,schrieb ־>-. Die Mann, ■kendste «inniniiitii letzten 1 Innere tcrstört, riminat• icn die irt ein• 1 Paul!. Der., obende eis tun[׳ e Dar« 115t geisehow, emkini hervor« :höpftr t wird, scliam• 1t, daß!in ist, euesfat :1 zurrt Alfred dieses thel in Lehrer k sagt r, von Men« olopcn 1, wird r Sohn ichtige en bc« ekonnt kann al auf auclite Seine gleich chsclt seiner Schur« sehrif* bekam kripfc 1a! in iiesciu könne •streut Bitte m schon mehr •cui1d* n nnilie! schul• ,anoci ft di« ן sie iburfj entipiiter I der aus« Stadtmich mich* ludert d sie derc; Be* iß. u Von unserem palästinensischen Korrespondenten g.l. Tcl-Awiw, Ende November 1034 Vorgesdxidite Vor einigen Monaten, kurz nach dem Freispruch Staws• i1n Arlosoroff-Pro/ell, wandte sich Jahotinski als Haupt? revisionistischen Wcliuiimti an die Arbeiterschaft Pa« Sims mit einem Aufruf, •nedai zu schließen. Die Arbeiter '1 ׳ diesen Schritt von Jabotmski mit Mißtrauen an. Die S in der er getan ■,heu fliese״״■•'׳- ״־.״״■77> .■ Mißtrauen an. Die "!״der er getan wurde, die Formulierung der Vorschläge, A״f,,1hh!״P einer Reihe von Sunden ,der Arbeiter, ließen t damalige Friedensbotschaft vielen _ eher als eine Provo« denn nh eine auf! ichti^c rricdcnsproklatnation er- 11,1s Blatt ikr hiir^crliclicn Sn. ״li .11 e/“, das Walt der bürgerlichen Mitte, gab ebenfalls der Ansicht Ausdruck, cs scheine bei den sehr wenig wahrer Friedenswille, viel eher ein Trick zur Gewinnung der öffentlichen Meinung ,״״fege״. Innerhalb der Arbeiterpartei wurde schließlich ״h laugen Debatten beschlossen, daß es untunlich wäre, V den Revisionisten m Verhandlungen cin/utrcten. Dagegen ״mite *uh clic ^Arbeiterschaft bald darauf, mit einem Aufruf י...י‘ ׳‘, "■ ' Fs wurde ijinals [(lisionisten ijktisfhcf 'r!tlll! ־־י”' '•'יי-- --י•*•• «. um vmv _ Frieden mal Verständigung an das pal. Judentum.;:hon damals, betont, da» die Arbeiterschaft durchaus an Fi« großer Teil der alten Führer allgemeinen Haltung des Parteirates nicht aber sic konnten ihren Willen nicht durch• ein zutreten, der palisti• ,'erden könne. . \tfinungsv erst lucden he, teil. ,,reu mit ‘1'-C (iicrstaiulcn, . -... . ',,ומן. Mail hesehlo», nicht in Verhandlungen Kurz darauf trat B c 11 (Juri 0 n, das Haupt ..«״• oisisdtcn Arbeiterpartei und zugleich des politischen Dcpartc« ׳t!1is der Palästina-Exekutive, seine Reise ins Ausland an. j׳,d trotz aller Beschlüsse der Partei begann er mit den Vjrhandlungeti über ein Abkommen mit Jabotinski in London. ־lie crelcn Verlautbarungen über diese Aktion lösten in Pa• ,,tina ein großes Staunen und innerhalb der Arbeiterschaft (:-e gewaltige Empörung aus. Seit die Partei besteht, 11 ,י sic nicht eine so starke Erregung, so liefijc Debatten, eine Anteilnahme so weiter kreise an einer politisch enn Frage erlebt. Die pidge gehen 50 weit, daß von allen Seiten die Notwendigkeit ,(tont werden muß, trotz, aller Differenzen cs nicht zu einer jpitltmg kommen zu lassen. Seit Wochen finden im .;■neu lande Versammlungen statt, um die Frage des Lon• (oncr Abkommens zu diskutieren. Sie nehmen sämtlich einen;heraus stürmischen Verlauf. Seitdem vorige Woche Ben* Gsrion ins Land zuriickgekchrt ist, erwartet man eine Ent« Kleidung des inneren Kampfes. fertim geht der Kampf f Es ist nötig gewesen, die Vorgeschichte der Londoner Vtrhaiulhmgcn, die scharfe Ablehnung des Gedankens durch iie Arbeiterpartei, anzudeuten, damit man die Heftigkeit des 'wmes versteht. Der Kampf tobt in der Tat um zweierlei: & Gegner des Abkommens wenden sich zuerst einmal gegen die Art des Verhandelns, gegen die Tatsache, daß Btn-Qurimi, nachdem ein ausdrücklicher Beschluß der Partei torlag, diesem glatt entgegenhandclte. Mindestens ebenso scharf aber wendet man sich gegen j 1s Abkommen selbst. Dieses zerfällt in drei Teile: in Abkommen gegen gewalttätige Methoden 11!er 11 alb der zionistischen Bewegung; ein Ui kommen über die Regelung der Arbcitsvcr« fltnissc in Palästina; und schließlich das (!genannt c zionistische Abkommen, daß die Stellung dcrrevisionistischenUnion zur, bzw. innerhalb der Zionistischen Organisation Itstlcgt. Von diesen drei Verträgen ist bisher nur der mit veröffentlicht worden (siehe ״Jiid. Rundschau“, Nr. 87.— St übrigen Verträge, über die auch bereits Indiskretionen i# die Presse kamen, werden vorläufig dementiert.. Siche «i Rundschau“ Nr. 93). Die Diskussion behandelt jedoch He drei Abkommen als ein unzertrennliches Ganzes, da tkit die Gesamtverträge für eine Regelung der Beziehungen ■il den Revisionisten entscheidend sind. Und aus den ver* dfentlichten Diskussionen innerhalb der Partei kann man sich tin Bild der beiden unveröffentlichten Verträge machen. Die Scheidung innerhalb der Arbeiterschaft verläuft in «er ziemlich klaren Linie. Hinter Ben-Gurion steht (mit wgen Ausnahmen) die alte Führerschaft der Arbeiter. Gegen h steht ein großer Teil der jüngeren Führer und anscheinend >rt die große Masse der Arbeiter in Stadt und Land. für und Gegen Für das Abkommen wird die Notwendigkeit ״erführt, zu einem Modus vivendi in Palästina gelange n. Die bisherigen Zustände der dauernden jenseitigen Beschuldigungen, die Verrohung und Vcrwil« jtruiig des öffentlichen Lebens wären untragbar geworden. ״? gegenwärtige Situation — einerseits große wirtschaftliche ™ß ichkcitcn iin Lande, andererseits die beispiellose Not Jl|den im Oaluth — verlange gebieterisch die Zusammenmun(, aller zionistischen Kräfte. Seien erst einmal dte Knweren inneren Konflikte beseitigt und aut breitester Front Kooperation liergcstcllt, so könne der Zionismus seine ifsaiutc Energie auf die Ausbreitung der Kolonisation und Bewegung verwenden. lcRcn das Abkommen führt mail zionisti« ■,c|'0״ soziale Gründe ins Feld. Es sei gar nicht ׳«sehen, so meinen die Gegner, warum man heute dem "üsionisimis helfen solle, sich vviedc; in den Sattel zu "1ngen. Alle Aktionen der Revisionisten, die sich der zio* ktion in Fonds) ״״v״״. , getragen wie die skrupellosen *• 1״c ihrer Boulevardpresse und die Hetze im Zusammen• Mordaffäre. Es sei in der fetzten Zeit bereits zu gewesen, daß die revisionistischen Aktien sowohl 1 .ג wie auch im Oaluth merklich sinken. Die Ver- ״ungen in London, so wird weiter argumentiert, sind ״ ,? iu* diesen Gründen von Jabotinski begonnen worden, e'rtc Möglichkeit sah, ein neues Feld für seine I ro« 'ua *u erhalten. Bisher hätte sich jedenfalls in der *u,tK der Revisionisten nicht das ge ז־־ der 1v '®!'achten ׳' *י ויי 1ץ,ןן ■ «\ V. ו ס 1 ו u ll l 3 l v 11 ןן v «1 » ■ט ־ י־ ־ , s ז c geändert, und cs sei sehr zweifelhaft, ob sic I,״״!» diese Verhandlungen nur als ein taktisches ftr mVc,r f‘,r ihre Zwecke ausnutzen würden. Weder an si dic. °c״alt - *,®geeignet sind, ^. Weder imd die heilige Lüge gutheißt, _, ihren Zwecken zu dienen, noch an m!([t .. Einstellung, hätte sich das mindeste ge« P®Per des Abkommens stellen auch «ine Prognose!k» da■* Abkommen sei nur der erste I* l'j־; Aus ihm müßte sich als Folge eine Ausbreitung )!»,!; '?!0,1!Mischen Einflusses innerhalb der Zionistischen ״l0ft ergeben, die zu einem Zusammenschluß üäktMmi H״׳; ץ6’”'"'“* ר״יי ך“* ץ Von unserem palästinensischen g.!.*Korrespondenten י׳:v-* \^ ץן-ן יר״ ד *! ר"/ ץ־ 1« , \ L• \ **י sich der Regierung gegenüber verpflichtet, den Boden •n die Araber nach tlcritcllung der zentralen Waiscrluhrungeii abzugeben. Hule wird der Landstrich genannt, der sich im Norden Palästinas rund um den Meromsce, den der Jordan durchfließt, erstreckt. Dic Gegend Ist eine der dünn bc« siedelten des Landes und durch die starke Sumpfblldung des Seewassers eines der gefährlichsten Malaria« n e s t e r Palästinas. Die!1111 Rande des Hule liegenden jüdisehen Kolonien der Pica (l'alcstinc Jcwisli Colonisation Asso« ciation) Mischmar I lajardcn und Jessod Flamaala haben seit ihrer Grinnlung aufs schwerste unter der Malaria gelitten; jedoch bestand keine Möglichkeit, hier grundlegenden Wandel zu schaffen, bevor nicht dic Drainage der gesamten Hule« gegend dnrehgeführt wurde. Der Boden von Hule wurde noch In türkischer Zelt in einer Konzession an eine syrische Gesellschaft vergeben, die jedoch keinerlei Ameliorationsarbcitcn unternahm. Sie begnügte «ich damit, einen Teil der Böden, der nicht unter Wasser stand, zu verpachten. Es siedeln in der Gegend in spärlich besetzten Dörfern Fellachen und Beduinen, die teils primitive Landwirtschaft treiben und teils von den Fischen <lcs Sees und der Herstellung von Matten aus dein Schilf leben, Dic jetzigen Konzessbiisiiihaber haben sich nach langen Verhandlungen dazu bereit gefunden, die Konzession an eine jüdische Gesellschaft gegen eine Abfindungssumme abzutreten. Die Palästina Re gi cru n g hat nach genauer Untersuchung der Sachlage Verhandlungen mit beiden Seiten und Einholung der Londoner Anschauung über die Transaktion ihre Zu* stim m u 11 g erteilt. Der Boden der Konzession umfaßt gegen 60000 Dunam. Davon werden gegen 16 000 Dunam an die Araber gegeben, die in der Umgebung siedeln. Es bleiben also für dic jüdische Kolonisation gegen 35 000 bis 40000 Dunam übrig. Der Rest des Bodens entfällt auf den Scc nach Abschluß der Drainage. Der Boden von Hule wird nach Ansicht der Sachvcr« ständigen nach Beendigung der Drainage sich ausgcieich« net für Intensive Landwirtschaft eignen. Man rechnet damit, daß 10 bis 20 Dunam für eine Familie genügen werden. Es wird also für 2000 bis 3000 neue jüdische Sicillerfamilicn Platz geschaffen werden, und dic Ara« her der Gegend werden nicht nur von der Malaria befreit, sondern erhalten auch statt der gegenwärtigen Sumpfflächen drainierten Boden einschließlich Wasserversorgung, der sic instand setzt, von der primitiven Landwirtschaft zu einer modernen überzugehen. Die neuen Konzessionsinhaber haben Freilich erfordert dieses große Werk gewaltige Kapitalteil. Die Abfindungssumme an die früheren Konzession*- Inhaber allein beträgt 200 000 Pfund; dazu kommen die Ausgaben für Drainage und Wasserversorgung, die ■ich schätzungsweise auf 400 000 Pfund belaufen. Lin Dunam Boden für die jüdische Kolonisation wird also auf 17 Ws 18 Pfund kommen. Das Ist ein relativ hoher Prell, aber bei dem heutigen Bodenmangel Weiht cs von entscheidender Bedeutung, daß der jüdischen Sicdlungsarbctt eine neue große und fruchtbare Fläche zugänglich gemacht wird. Jüdische Siedlung in Syrien? Die Londoner ״Times“ brachte in der vergangener! Woche dic Meldung, daß die Regierung von Syrien und der Republik Libanon ״dic wichtige Entscheidung getroffcn habe, jüdische Immigration zuzulassen unter der Bedingung, daß die Immigranten Kapital mitbringen und in ihren Fabriken, bzw. Unternehmungen eingeborene Arbeiter beschäftigen“. Eine weitere Bedingung Ist, so fährt der ״Tirnes“-Korrcspomlent fort, daß ״die Einwanderer die zionistischc Idee, die auf eine Konzentration der jüdischen Bevölkernng abzicle, aufgeben. Um die Integrität des Territoriums von Syrien und Libanon zu sichern, wird jüdischer Boden* erwerb längs der syrischen Grenze verhindert wer« den, denn jüdische Ansicdhtngcn auf diesem Gebiet könnten schließlich den Ausgangspunkt fiir eine Aendcrung der Ören*« linic zugunsten Palästinas bilden“. Diese Mehlung der ״Times“ steht offenbar In Zusammenmenhang mit Verhandlungen, die von jüdischer Seite bereits seit längerer Zeit geführt werden. Im April d. J. hat Dr. Welz« mann, der auch ln Paris mehrmals mit den maßgebenden Iran* zösisehen Stellen In dieser Sache Fühlung nahm, Syrien und Libanon besucht, später auch der verstorbene Dr. Victor Jacobson. Die Weigerung der französischen Mandatsbchör* den, jüdische Bodenkäufe an der Grenze zuzulassen, ist schon damals ausgesprochen worden. Man muß eingedenk sein, daß unmittelbar nach dem Kriege, als dic Mandatsgebiete fest gesetzt wurden, die Grenzziehung zwischen Palästina und Syrien sich auf den Umstand stützte, daß im Norden die jüdisch« Kolonie Mctulla lag, dic in das palästinensische Gebiet mit• cinbczogen werden mußte, während sonst dieser nördlich« Zipfel des Landes wahrscheinlich zum französischen Mandatsgebiet geschlagen worden wäre. des bürgerlichen und revisionistischen Blocks und zu einer Isolierung der Arbeiterschaft führen müsse. Es sei interessant, so wird immer wieder betont, daß sieh im Zusammenhang mit dein Abkommen hartnäckig Gerüchte halten, die von einer breiten Koalition der Exekutive sprechen, wobei W c i z in a 11 tt als Präsident, J abotlnikl als sein Stellvertreter genannt wird. Es sei noch bemerkt, daß viele unter den Qegnern des Abkommens dic Notwendigkeiten betonen, In einem Punkte zu einer Ucbercinstimmun^ zu gelangen: nämlich in der Regelung der Arbeitsverhälthisse. Hier aber werden ganz klare Kautelcn verlangt, die die Rechte der organisierten Arbeiterschaft sichern, und die Londoner Vor« schlüge werden unter diesem Gesichtspunkt als völlig ungeniigend betrachtet. Im bürgerlichen Lager betrachtet man das Abkom« men meist als eine begrüßenswerte Errungen* schaff. Es ist jedoch charakteristisch für die Situation und gibt auch manchem Rechtsstehenden zu denken, daß gerade unter den deutschen Zionisten (insbesondere unter der neuen Kidmali-Griippc) eine beträchtliche Anzahl ist, die dic Gegnerschaft der Arbeitcrmassen für sehr berechtigt hält. In diesen Kreisen fürchtet man durch die Legalisierung der revisionistischen Ideen und Aktionen eine schwere Beeintrüclitigung der zionistischen Ziele und der zionistischen Disziplin. Auch in diesen Kreisen würde man cs natürlich begrüßen, wenn man innerhalb Palästinas und der zionisti« sehen Welt zu einem Modus vivendi gelangte, aber mit einer ,,Verfälschung der grundlegenden zionistischen Ideen“ scheine diese Errungenschaft viel zu teuer bezahlt. Die Perspektive Das Kapitei des Londoner Abkommens Ist keineswegs ah« geschlossen. Sowohl die veröffentlichten Vereinbarungen, wie auch dic anderen brauchen eine Bestätigung der zuständigen Instanzen. Dic Arbeiterpartei hat eine Konferenz clnbcrufen, um den Endkampf auszutragen. Es ist nicht unmög« lieh, daß die Führerschaft trotz der schweren Revolte ihren Willen durchsetzen wird, da dic Masse vor einer Spaltung große Furcht hat. Jedoch ist auch auf revisionistischer Seite durchaus nicht alles glatt und klar. Unter dem Brith Trum« eldor gibt es eine heftige Auflehnung gegen Jaotinskis Friedensbestrebungen, die von man« chcn radikalen Führern, wie zum Beispiel Uri Zwi Qrünberg, lebhaft geschürt wird. Es gibt also eine Opposition in beiden Lagern, die sowohl die Aussichten auf den Abschluß der Verträge wie auch auf ihre Einhaltung Zweifel« ha ft erscheinen läßt. Die gesamte Frage Ist noch in der Schwebe. Daß sic so ungeheuer heftig diskutiert wird, ent« spricht der Wichtigkeit des Problems, dessen Lösung für die zukünftige Palästina-Arbeit und das Wesen der zionisti« schert Bewegung ausschlaggebend ist. Anläßlich des fünfzigjährigen Bestehen• der Kolonie Gedcra in der Ebene Schefela werden Jubi« iäumsfcierlichkcitcn abgehalten! die mehrere Tage dauern sollen. Den noch lebenden Mitgliedern der ״Bilu“, die diese Siedlung gegründet haben, wird eine besondere Ehrung bereitet. Lloyd Georges Memoiren 0. Dezembers Jahrestag der Eroberung Jerusalems Das Erscheinen der Memoiren von Lloyd George hat In England in den letzten Wochen eine leidenschaftliche Debatte hervorgerufen, da man Lloyd George zum Vorwurt macht, daß er die Generäle der englischen Armee verunlimpfc, insbesondere den verstorbenen Fcklmarschall Haig. loyd George selbst bleibt bei seiner Meinung, daß unnütz Menschenbild verschwendet wurde. Es ist seltsam, wie dieser Mann, der einst allmächtiger Beherrscher Englands war, jetzt völlig isoliert dasteht. Lloyd George ist durch sein Kriegs« crlehnis ein fanatischer Gegner des Krieges geworden, und das bestimmt alle seine manchmal etwas inkonsequente Politik. Sein Zorn auf die Militärs wird verständlich, wenn man seine Memoiren liest. Der jetzt (hei S. Fischer, Berlin) in deutscher Sprache erschienene zweite Teil (3. und 4. Baud der englischen Ausgabe) geht bis zum Ende des Jahres 1917. In einem be* *onderen Kapitel wird die Situation an der Palästina- Front und die Entwicklung des Palästina-Feldzuges erörtert. Es ist ja bekannt, daß Lloyd George immer darauf gedrängt hatte, vom Suezkanal her durch eine schnelle Niederwerfung der Türkei die gesamte Front auf/urollcn. Er ist damit nicht diirchgedrungen. Und erst im Jahre 1917 gelang es ihm, dic Offensive gegen den Widerstand des Kricgsministeriumsdurchzusetzen. Diese inneren Kämpfe werden in den Memoiren ge« schildert; dic Erbitterung des Schreibers richtet sich nicht gegen den äußeren Feind, sondern gegen seine Gegner unter den eigenen Landsleuten, die seine Pläne durchkreuzten. Auch General Smuts hat das ihm an gebotene Oberkommando in Palästina am 30. Mal 1917 abgelehnt, weil er befürchtete, keine genügende Unterstützung seitens des Kriegsministeriums zu erhallen. Man sieht hier, durch welche Zufälle die ganze, künftige Geschichte Palästinas mitbcstimint wurde: Denn hätte Sinuts das Oberkommando, und das heißt selbstverständlich auch dic Verwaltung des Landes in der ersten Nachkriegszeit, innegehabt, wäre wohl vieles anders gekommen. Nun wurde Allenby am 5. Juni 1917 ernannt und stieß gegen die Gaza« Front vor. Der Angriff richtete sich vor allem gegen ״Bir es Scba“ (der gebräuchlichere und bekanntere Ortsname Ist Beet Sehewa). Erst am 7. November wurde Gaza erobert um! ain 1, Dezember 1917 rückte Allenby in Jerusalem ein. Es ist also jetzt der 17. Jahrestag dieser Eroberung. Der Tag fiel damals mit dem Beginn des Chanukkah-Festes zusammen; man wird vielleicht nicht fthlgehen, wenn man annimmt, daß dies beabsichtigt war. Den palästinensischen Juden erschien es von günstiger Vorbedeutung. Lloyd George, der dic Bedeutung dieses Sieges angesichts des durch die Niederlagen an der Westfront deprimierten Seelciizuslandcs in England hervorhebt, fügt hinzu: ״Dieser Sieg.... ermutigte unsere amerikanischen Verbündeten. Und fiir jene große internationale Brüderschaft, das jüdische Volk, war er ein ernster Schritt zur Erfüllung, der Balfour-Dcklaration vom 9. November 1917,“ Hier liegt jedenfalls ein Druckfehler vor (wir können nicht fest•1 stellen, ob auch in der englischen Ausgabe), denn dic Balfour« Deklaration hat das Datum vom 2. November. — Lloyd Georges Memoiren ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen der Politik des Weltkrieges und zeigen, wieviel Zerfahrcnhclt und innerer Zwiespalt in jedem Lande vorhanden war. Insofern sind sic ein Lehrbuch der politischen Skepsis. Dic Kolonisten von Ri8chon le Zion haben die Errfchlung eines Rothschild-Museums zur Erinnerung an die Leistungen des Baron* Edmond de Rothschild lüt, die Palästina-Kolonisation beschlossen. gjj ü'|i! ■{/Ji '־!