Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-12-07 · Heft 98 (7.12.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 98 (7.12.1934)
Date
1934-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653543--26118-2683297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

M wy 1--.; tili. inu'n um״ Aus'. fc.;k׳T.' irirj 1i(tr iutt ־ imeti tun(׳ crbci hmt, him!» Mi; nten Kf. 98, 7■ XII. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 ■ך*} ןך׳«»*יין **F \*****/ 1“•י*# \Jk^ ‘tJ Tn M ^ZbT'unt u7?״'/״? T״״ «•״<* ״״״ »״^׳‘״««,xui.ig. f״״4 1״ von «Jah- T , 7 / ״ d ' fcc־f/,’u׳ct »<־>•׳׳־ GrS<«4״״ ״ scin Name lar ei,w Kmm Generation Untier Ötscher Men dn, Beginn einer neuen Aera jüdischen Denkens un/jMscZ EnZwtZsBoJnZTg ״״ " ״,״״ °f'XrlCr• ‘1״ brechend für eine nette Art der BrZachtimgptdhchZ^DingZ'wurZe tonl!ern er war ־׳.»׳.»*•׳״ ך *,M1fcrkW,«iM *rot* einen, jahrelangen furchtbaren höLrllZn Leiden -1 17,7 \״. ZZ:l": r\ ״*״׳;״ »״,״, - ״״א ־׳״״״״״/״ ׳״,״,w,״ tjuv ׳־׳״..״;״.• 'K! ,״ nilicrctfieruneen r. *״■״!’״ wa^,rslen Sinne überparteiliche Jude war über die gebräuch• W ' k ist bleibend Seil *■״ C"1rt 0״ ' ״*(s8״ *•’eh «Ko N|m(hc.vc aller positiven Kräfte, Rosenzweigs W,Ti'L w"cw**ל"™ {i2SC, Ki Cn 7 ViCl Über Üm **"1*M™ und gesprochen worden, auch die ״ ' . , Anlaß eh " l Wlct ™ ° 1 *״,’׳ Werk gewürdigt. Die Beschilft igung mit Ihm Ist nicht an einen k* * * W'Jvn'. 5׳"״/cr" durchzieht unsere ganze Bitdungsarbeit. Eines der Hauptwerke Rosen- 1׳'־״T ״:״" d,° smwnmen ־»*״*• “'״ begonnene BibeWebeneizung; ihr gilt die Studie, die wir nachstehend vert'flcnthcncn, Er »dhsffte »einem Volke weithin Ruhm und legte den HsrnUch an wie ein Held und umgttrtete »Ich mit »einen kritgerUfhen Waffen. Er lieferte Sddarfden, indem er da* Heer mit dem Sdiwerte sdifllilt. Er glldi einem Löwen In •einen Talen und einem lungen Löwen, der nach Raub brölll. Er »pörle die Gollloien auf und verfolgte tle und verbrannte die, die »ein Volk lerrflllelen. Die Gottloten wurden beilQrtl au» Furcht vor Ihm, und alle, die Golllo»lgkell verübten, mufelen erbeben, und die Errettung ging durch Ihn gtöcklich von •lallen. Er erbitterte viele Könige und machte Jakob durch »eine Talen frohlocken. Sein Gedtchlnl» bleibt ewig ln Segen, Ing. 193♦ ho. *et ‘fuml und abcg loren f ür י»8 irek• und >b«. dm einer indes *ung n als Serie Hin rige, ke- Die .’ws.) 1 c n 5 ו des :haflt׳ g «ז« si In*; ■ ist,' des überrbielt Preis t auf 1. Er 'orin; , vor ו a I •' t hat! n a lei t ins! f die-) hören; wird,! 1 der1 unch» :biete jcuai' Unß ichrilt hob schei-! sein leben 1 war •lt, i״ nach wer« r den HUR• war« a die Lied• Aichs n des certd* ikt 11». :bc״;•' ,clinÄ poch״ :bctif; istanct *nt I״ Jahre urg י• leiteda in«'׳ lieh»■״ ש pre«»' hole®' Das Prinzip der Buber- Rosenzweiösdien Bibelübersetzung Von Dr. Else Freund, Pardcss-Hanna, Palästina. Das Wirken Franz Rosenzwcigs, des früh Hcimgcgan- «nen, Hat sic11 sehr zum Schaden des deutschen Judentums nicht vollenden dürfen. Das Werk Franz Rosenzwcigs, des Unsterblichen, aher ist vollendet. Er hat im ״Stern der Erlösung“ ein System der Philosophie geschaffen, das die gesamten Probktne des abendländischen Geisteslebens uinfalit und in einer rroilartigen Synthese von Denken und Glauben zur Lösung bringt, das ebenso auch scin gesamtes Lebenswerk einbegreift, indem es den Ertrag alles vorher Geschriebenen, die Grundlage alles später Geschriebenen darstellt. In diesem vollendeten Werke könnte der Unsicherheit und Verworrenheit der Gegenwart Halt und Ziel erwachsen. Ein kleiner Ausschnitt aus Franz Rosenzweigs Schaffen iri hier in seinen Griiiidzügcn skizziert: die mit Buber ge-!!!einsam verfaßte, viel geliebte und viel verkannte Bibel- Übersetzung Sie ist ohne Zweifel anders als die bisher gewohnten Bibelübersetzungen. Anders gewiß, aber wie anders? Es bleibt die Frage offen, worauf die Andersartigkeit beruht, ob sie, wie manche Freunde meinen, in der Schönheit und B klkraft der Sprache liegt, ob sie nach der Meinun? der Ablehnenden in einer willkürlichen Ucbcrtrcihung des Ausdrucks besteht oder ob sie aus eigentümlichen, von ganz änderen Bezirken des Geistes herstammenden Wurzeln erwachsen ist. Diese Frage gilt es zu beantworten, und die Antwort soll in drei Ocdankeiischritten gesucht werden. Zuliehst ist der sprachliche Tatbestand zu klären: Was ist das »!!gemeine Merkmal dieser Uebersetzung? Was ist das, worin lie sich von den üblichen Dehersetzungeri unterscheidet? Sodann aber!null die Frage nach dem Prinzip gestellt werden: Woher stammt das Merkmal? Wozu dient es? Endlich sind die beiden Antworten zusanimcnzuschlicften und zu zeigen, daß sowohl das zuerst festgestellte Merkmal als noch viele andere Besonderheiten der Uebersetzung aus dem Prinzip allein zu begreifen sind. Damit würde das Ende wieder zum Anfang zuräckführen. Mit dem Sprachlichen soll begonnen werden. Uebcrsefzett ist fine vermittelnde Tätigkeit. Auf der einen Seite steht das hebräische Original, auf der anderen Seite steht der deutsche Leser, und die Mitte zwischen ihnen nimmt der Ucbcrsctzer rin, der den hebräischen Text dem deutschen Leser verstand* * Sch machen soll. Seine Tätigkeit bewegt sich zwischen zwei Neu, so gibt es für ihn auch zwei Möglichkeiten, seine l’ebcrsct/imp cinzurichtcn, entweder mit Rücksicht auf das Original oder mit Rücksicht auf die deutsche Sprache. -Wenn das Hebräische stärker ist, so wird eine Uebersetzung entstehen, wo das Deutsche sich dem Hebräischen anpallt und ib Raum gibt, und das Deutsche wird von seiner Flüssig- Mt verlieren. Wenn aber das Deutsche vorwiegt, so wird rine schöne, flüssige Sprache herauskommen, der man nicht anmerkt, dail sic ein Fremdes wiedergibt. Die meisten Uebcr- Setzungen gehen in der zweiten Richtung. Von der Luther- LM — abg'eschen von wenigen Stellen — an bis zu den jiidisehen Haushibeln unserer Tage ist ihnen allen das Bemühen “חי dn geläufiges, glattes Deutsch eigen. Zu den wenigen vebersetzern der ersten Art gehören neben S. R. Hirsch Buber und Rasenzweig. Sie bewahren die Eigenart des He- Wischen, ihr Deutsch ordnet sich dem Original unter, es *nd umpebildct, ja selbst neugcschaffcn, je nachdem, wie es <155 Hebräische verlangt. Dafür einige wenige Beispiele: tnartumc mi/.tajim übersetzt Luther einfach: ägyptische Zauw. Hirsch sagt genauer: Schriftkimdigc Aegyptens, und pubcr-Rosenzweig in wortwörtlicher Wiedergabe des Hcbrä- »chtn: üriffelmächtigc Aegyptens: denn chcrct ist Griffel, ״kiflcl, chartume also die den Griffel Beherrschenden. Wenn »ubcr-Roscnzwcig korban statt mit ״Opfer“ mit ״Darnalumg“ übersetzen, so sehen sie das Verbum karow sich nähern wm. Im Worte Opfer steckt, so meint Buber1), der BeiiKchmack von Verzicht, Entäußerung; damit hat korban nichts zu tun, vielmehr ist eine Beziehung darin ausgedriiekt, « geschieht zwischen zwei Personen, die sich einander nähern (ocn durch die Gabe, die der eine dem anderen dar bringt. *‘«י genau das, was mit Darnahung wiedergegeben ist. ^•,beriiet/ung von ntisbeach «= ״Altar“ mit ״Schlacht- ®י fällt vielleicht auf, sic gründet sich aber darauf, dal) in tsbeacn das Verbum sawoaeh steckt, das ״schlachten‘ be- “Cutf In der Bibel ist die Stätte gemeint, an der zunächst ««*Machtet und dann erst das Geschlachtete dargebracht!ra. Nicht nur die genaue Bedeutung, auch den Anspiclungs- Walt der hebräischen Wurzel holen die Ucbcrsctzer her- . 5׳ ^,it — Schaufäden heißen ״Fransengeblättcr“. Hirsch ,,p: Spro.sen, auch er hat das Verbum ziz int Auge, das t'f'fdföben der Pflanzenteilc aus Stamm und Acstcn, als ®״bstantiv Blüte, beim Tier in übertragener Bedeutung =־ ,'1Kd, beim Menschen ־ Haarlocke. Ziz ist das pflanzcnhaft?',0!wachsende, zizit also eine Mehrzahl von Fäden, die aus 5!״ל ,cwande hervorsprießen. So sagen also Buber-Roscny C|R in Anspielung auf das Pflanzliche: Fransciigcblatter. hl'״ ,Alliteration, keine Assonanz, keine Verdoppelung «m 11 'sc^n Text •wird übergangen: j’ssow’weiihu j’won nenn, er ״*,״bteH, er umwartet es. Tohu wawolni ==> Israel «nd Wirr* rt:' nichoach ־= Ruch des Geruhcns. Ucbcrall, wo V״r 7'1 ci״ Wort wiederholt, tut sie es nicht umsonst. ס." ^cr Offenbarung am Sinai z. B. ist die Warnung an das km 1. 50 eindringlich gerade durch die Verdoppelungen. 1t״K. n08ea bahar mot jumat Allwer den Berg 't'mß er, sterben... ki ssakol jissakel o-jaroh j'Jar “ uJJ״״ er werde gesteinigt, gesteinigt oder erschossen, er- ‘1ch°S«Ck11?'c besomierc Meisterschaft der Ucbersetzer zeigt i״ ,'.MIeßfich jn der Wiedergabe des biblischen Rhythmus, ii״ Mb -schen Stils. Ob es die Uebersetzung des schma iiiel,0(!« der biblischen Gesänge ist, wie z. B. des Sieges* ui :J1״, Schilfmcere und des Abschiedslieds von Moses, über- ^Ve>smaB und Klang des Originals bis ins Feinste aufgespürt und narhgehildet, — was freilich auch zu dem viel verbreiteten Mißverständnis geführt hat, daß die Uebersetzung aut künstlerische Wirkung ausgchc. So darf denn zusanimcnfassend gesagt werden, daß das charakteristische Merkmal der Buber-Roscnzwcigschen Bibel- Übersetzung die unbedingte Treue zum hebräischen Text ist. In der Wahl der deutschen Ausdrücke liegt nicht Kunst und nicht Willkür, sic wird bestimmt vom Original. Aber, so kann man jetzt fragen, diese Tendenz zum Ile• brauchen könnte doch selber Willkür sein? Zwei Richttut• gen der Uebersetzung sind, wie schon gesagt, möglich, eine zum Original, eine zum Leser hin, Warum wählen die Ucbersetzer den ersten Weg? Woher nehmen sie die Maßstäbc für ihre Entscheidung zwischen den zwei möglichen Tendenzen der philologischen Arbeit? Die Antwort darauf lautet, daß die Buber-Roscnzweigsche Bibelübersetzung der Ausdruck einer bestimmten tilaubcnsauffassung ist und ihre letzte Rechtfertigung aus der Theologie nimmt. Sie tut da• mit, was eine Bibelübersetzung immer tun sollte; denn die Bibel ist kein gewöhnliches Buch, sondern eine Glaubensurkunde, sic übersetzen, heißt Verantwortung tragen vor der Glaubcnsgcschichtc von Jahrtausenden, heißt sich selber ein• reihen in diese Glaubensgescliichte und selber Bekenntnis ab. legen. Die der Uebersetzung zugrundeliegende Theologie ist die Theologie des Ich und Du. Sie wurde angelegt bereits in Hermann Cohens Alterswcrk: ״Religion der Vernunft“ aus den Quellen des Judentums, beschrieben und dargelegt in Bubcrs Schritt: ״Ich und Du“ und umfassend be• gründet und gerechtfertigt im zweiten Teile von Franz Rosenzweigs ״Stern der Erlösung“. Diese Theologie ist leicht zu erklären, wenn man sie den beiden theologischen Strömungen gcgcinibcrxtcllt, um die sich die Diskussionen der Gegenwart bewegen, nämlich der Theologie de* Idealismus und der dialektischen Theologie, Der Idealismus leitet die Welt und Gott aus dem Ich ab, Gott wird erklärt aus den schöpferischen Kräften des Menschen. Die idealistische Lehre, durch Kant begründet, hat sieh dann in Fichte, Schclling, Schleicrmachcr und Hegel spezifiziert. Der eine betonte das menschliche sittliche Wollen, der andere je nachdem die Anschauung, das Oelühl, das Den• kcn. Ihnen allen gemeinsam aber war die Ueberzcugung, daß Gott nur auf Grund dieser menschlichen Kräfte existiert. Gott wäre nicht, wenn der Mensch . nicht sittlich handeln oder wenn der Mensch sich Gott nicht vorstcllcn würde. Der Idealismus lehrt also eine Theologie der Immanenz, ist deshalb auch nicht so sehr Lehre von Gott als von dein religiösen Gefühl des Menschen, weniger Theologic als Rcligionsphilosophic. Der Gott, der außerhalb des Menschen frei existiert und handelt, Gott, der Schöpfer der Welt, der sich dein Menschen offenbart und dadurch zeigt, daß er existiert, der, persönliche. Icbendig'c Gott, zu dem der fromme Jude betet, hat liier keine Stelle. Der Theologie des Idealismus stellt heute die dialek• tische T h c o I o g' i c gegenüber. Sie lehrt genau das Gegenteil. Nur Gott existiert, er ist über jedes menschliehe Begreifen und absolut transzendent. Der Mensch ist gegen ihn ein Nichts, er lebt nur von der ur■• berechenbar aut ihn ein drin gern) et» Gnade Gottes. Der Grundbegriff der Theologie ist hier das Paradox, d. 11, der Mensch existiert zwar, aber uneigentlich. Er ist von vornherein ver* fallen, verdammt und kann sich nie aus der Sünde lösen. So lebt er und lebt doch nicht. All sein Denken, Fühlen, Wollen ist zu nichts nütze, Es ist kaum nötig zu sage«, daß auch diese Theologie, die den Menschen zum Nichts erklärt und nur Gott anerkennt, schwer mit dem Judentum in Einklang zu bringen Ist. Gewiß wirkt Gott, der Schöpfer und Offenbarer, von außen, seine Weg>c sind nicht unsere Wege; aber Gott hat den Menschen geschaffen, so kann dieser nicht von vornherein in der Sünde sein. Und wem sollte sich denn Gott offenbaren, wenn der Mensch ein Nichts ist? Zwischen der idealistischen Theologie der Immanenz, die Gott im Menschen aufgehen läßt, und der dialektischen Theologie der Transzendenz, die den Menschen zugunsten Gottes regiert, steht die T 11 eologic des Ich und Du. Sie hält die Mitte zwischen jenen beiden Extremen. Gott bleibt selbständig׳, und der Mensch bleibt selbständig, beide Partner treten einander frei gegenüber und stehen in Beziehung. Es äst eine Theologie der Korrelation. Auch hier offenbart sich der transzendente Gott, der Gott von außen, und in voller Freiheit. Der Mensch kann nicht sagen, Gott mul) sich mir offenbaren, es Hegt in meinem Denken oder Fühlen, daß ich seiner Existenz inne werde, sondern Gott schenkt sich frei, wo er will, wem er will und wann er will. Er offenbart sich aber, wenn er sich offenbart, dem Menschen, in dessen Wahl cs liegt, ihn anzuerkennen oder nicht. Auch die gläubige Haltung des Menschen ist eine Haltung der Freiheit. Es gibt keine Vernunftgründe, mit denen es möglich wäre, einen Menschen zum Glauben zu bekehren. Wenn jemand meint, im Leben und Sterben ohne Oott atiskommen zu können, äst ihm nicht zu helfen. Wohl kann durch vernünftige Ueberlcgungcn Frömmigkeit vorbereitet werden, etwa wenn matt daran denkt, daß die Wissenschaft mit ihrem ewigen Wechsel der Theorien letztlich doch taube Nüsse knackt, oder daß eine Sittlichkeit aus praktischer Vernunft formal und leer bleibt, ohne Möglichkeit, die Wett wirklich vorwärts zu bringen. Aber so zwingend diese Argumente scheinen, sie genügen nicht, um einen Ung'läuhigen zum Gläubigen zu machen. Der Glaube ist eine freie Entschließung. In der Begegnung aber von göttlicher und mcitschliclier Freiheit erweist sich nicht nur die Existenz Gottes, sondern auch der Mensch erwacht in ihr erst zur wahren Existenz. Sein Leben bekommt Sinn und Verpflichtung, durch seine Antwort auf den Anr u f Gottes steht er zugleich in Verantwortung. So geht zwischen Gott, dem Offenbarer, und dem Menschen als Emp- Länger der Offenbarung ein Dialog. Er fängt an mit Gottes: ״Ich bin“ und Gottes Frage an den Menschen: ״Wo bist du?“ Er wird fortgeführt mit der Antwort des Menschen, der sich Gott zuwendet: ״Hier bin ich", worauf Gott dem Menschen gebietet: ״Du sollst!“ Aber nicht wie In der Ethik des Idealisinus ein leeres: ״Du sollst sollen“, sondern ganz konkret: ״Du sollst ■lieben Ihn, deinen Oott“, und daraus erwachsend: ״Du Aus dem ersten Bad, der Makkabäer, Kap. 3, Vers J- Uebetsetsung von E. Kautzsch deinem Teile die Welt erlösen.“ Ich bin und Du sollst — wir haben hier das Ich und Du. Ls würde uns zu weit fuhren, auf das Sprnrhdenken, das methodische Mittel dieser Theologie, cinztigchen. Auch die Beziehungen zur orthodoxen Glaubens,uilfassimg, die die Ver* wandfschaft der Urbcrsetriingcn von $. R, Hirsch und Buber- Rosenzweig erklären wurden, können nicht mehr gestreift werden. Wir halten lediglich fest; Das Kernstück der Theologie des Ich und Du ist nicht eine idealistische oder mystische Vereinigung, sondern die Lehre von der wiliensmaßigeti Begegnung zwischen Gott und Mensch, von der Gegenwärtig- Reit, der Nahe Gottes dem Menschen gegenüber, der sich ihm zuwendet in gläubiger Bereitsrhait, Und nun laßt es sich verstehen, was die Richtung der Bubcr-Roscnzweigsclten Uebersetzung auf das Hebräische zu bedeuten hat. Jedes Wort des hebräischen Textes ist heilig, ist Gottes Botschaft, die an den Menschen ergeht, Antwort des Menschen auf Gottes Wort, dessen genauer Sinn erforscht und wiedergegeben werden muß, soweit es nur irgend die eigene Sprache gestattet. Das Hineinbohren in den Wortgehalt ist, wie Rosenzweig cs einmal bezeichnet hat, rabies theologica. So bedeutet die Bibel dem Gläubigen, der mit Vertrauen und Bereitschaft zum Hören des göttlichen Wortes an sic hcr.mgrht, heilige Rede, darüber hinaus aber wird prinzipiell in jedem Wort des Textes die Möglichkeit verborgen gesehen, auch den Leser zu erschüttern, der sic mit ungläubigem Herzen liest. Aus jedem Wort kann der Weckruf an den Menschen ertönen, Gottes Frage: Wo bist Du? Jedes Wort kann den Ungläubi* gen ergreifen, ihn zur Umkehr veranlassen, zur Antwort brin« gen, in die Verantwortung nehmen. Und weil es so ist, deshalb liegt auch in dein fremdartigen Klang der deutschen Sprache volle Absicht. Die mit der Richtung auf das Hebräische verbundene Unebenheit des Deutschen soll nicht vermieden werden, sic ist gerade erwünscht. In dieser Bibel soll ״der fremde, unvertraute Laut von draußen“ Gestalt gewinnen, ein Klang, der anders ist als das gewohnte Umgangsdctitscli, als die Sprache unserer Unterhaltungen, als die Sprache der Zeitungen und profanen Bücher. Sie soll auf* stören, sie soll uns beunruhigen, sie soll all denen, die da meinen, die Bibel zu besitzen, einen Begriff geben von den Rätseln und Geheimnissen des Gotteswortes, von seiner Wucht und Kraft, von seiner Geladcnheit mit Jenseitigem. Aber nicht nur das allgemeine Merkmal der Uebersetzung, die Richtung auf den hebräischen Text, ist aus der Theologie' des Ich und Du ableitbar, sondern noch viele andere Eigentumlichkeitcn. Dazu gehören vor allem die Atcmkolcn, d. h. Einschnitte, wie sic durch die Atemfüllrung eines; Vortragenden Menschen verursacht werden. Jede Zeile der Uebersetzung stellt ein solches Atenikolon dar, und diese Aufteilung des« Textes soll dazu dienen, aus der Schrift die mündliche Rede zu machen. Die Bibel ist nicht zum stummen Lesen, sondern zum Sprechen und Gchörtwerden bestimmt, sie soll Stimme sein, hörbar, lebendig vernchmbir. In derselben Linie liegt, um nur einig« a 11 Zufuhren, die Dynamisierung der kultischen Bezeichnungen, die Wiedergabe z. B. von kndcsch nicht mit heilig, sondern mit Heiligung, Geheiligtwerden, wo also am dem Zustand ein Gescheiten wird, die Uebersetzung ferner von olicl moed Stiftshiittc, mit Zelt der Gegenwart, die wenn auch unaufdringliche Herausarbeitung der vielen biblischen Anthropomorphismen, Dahin gehört endlich auch die Uebcr* Setzung des Gottcsnamciis mit dem persönlichen Fürwort Ich, Du und Er, Das chje asrlicr cltcj, mit dem Gott Mosis Frage nach seinem Namen beantwortet, hat für die Ucbcrsctzer den Sinn des Gegenwärtig- und Naheseins. Zu Gott kann man nur sprechen in der Anrede des Vertrauens, der liebende Vater heißt: Du, genau so wie er den Menschen anruft: Du. In Ich, Du und Er ist jedesmal eine andere Form der Gegenwärtigkeit ausgedriiekt, je nachdem, ob Gott der Aaredcnde, der Angcrcdctc oder der ist, von dein man redet. Und so sei denn zum Schluß der Sinn angedeutet, den diese Uebersetzung׳ für «Ins geistige Ringen im jüdischen Kreise heute haben kann, der Beitrag, den sic zu dem großen Thema Assimilation—Dissimilation liefert, das sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte zieht und in unseren Tagen eine schmerzliche Schärfe erhalten hat. Immer war die Kultur der Umwelt die große Verlockung und die große Gefahr, immer die Heimkehr zun» jüdischen Glauben, zum jüdischen Gott die sichere Rettung. Vielleicht kann cs dem jüdischen Menschen ein Gewinn sein, diese Bibel zu lesen, sich von ihr aufrüttcln, von ihr hinnchmen, von ihr hinübertragen zu lassen. Vielleicht kann diese Uebersetzung mehr sein, als eine bloße Uebersetzung. Das Entscheidende dabei ist nicht das Uebcrsctzen, sondern auch hier eigentlich die ungewohnte Akzcntgebung, das Ueber setzen. Die Menschen, die Juden von heute sind nicht alle irgendwie am anderen Ufer, sie wissen, daß sic der geistige Boden, auf dem sie stehen, nicht mehr recht tragen will. Sie halten Ausschau aus ihrer Brüchigkeit und Halbheit nach dem Wahren, dem Sichern, dem Festen. Not täte Ueber setzen. . 1)VH tu Q..L_ I״ einer Ver* sollst •Heben Ihn, deinen Oott“, und daraus erwachsend: ״Du hat Palästina mehrmals besucht <i«uttchuS|j der Ueb^ ' W0rtw^ sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst, du sollst zu Vorkämpfer des Palästina-Werkes. Edmond Fleg, der bekannte französisch-jüdische Schrift* steiler, feierte dieser Tage seinen 60, Geburtstag. Flog hat sich um die Renaissance des jüdischen Gefühls in Frankreich sehr verdient gemacht. Seine Bücher (zum Teil ins Deutsche übersetzt) atmen tiefes jüdisches Erleben und Verbundenheit mit dem Judentum. ״Der kleine Prophet“ hat auch in Deutschland viele Herzen erobert, besonders unter jüdischen Kindern. Zu erwähnen sind ferner Flegs Bücher über Moses, Salomo una Jesus von Nazareth. Flcg gab im Jahre 1023 eine jü* dischc Anthologie heraus, die einen Ueberbiick über das gesamte jüdische poetische Schaffen vom Urbeginn bis zur Gegenwart enthält. In einer Autobiographie ״Pourqtiol je suis juit“ (1928 erschienen) bekennt er sich leidenschaftlich zum Judentum. Er hat auch ein Palästina-Buch geschrieben. Fleg hat Palästina mehrmals besucht und ist ein begeisterte! 91; 1 11. " . 11 1 rt ig ■hiT ׳< ,1, 1,, r >׳'. . i* it # I ‘ f u fl' ] 'ittf. * u f I ו 1? i u> V f‘f),־• ■J J;.,, \׳i ח; 1' I;;■ f ' IV ■Hj ■ . י‘ כי (llf V1 , ) r> »;,Ij ■! 4tf ‘I . :11 , ■% £ ־. fl! 7:,A 1t \\ ■■:!; 1 * d;!! י|; 1׳:׳ר־ן^; - ». ... _ ״ I i *;־, 1;1.1 4; 4.: ■׳. י!.׳; י 1׳ B / ■ . 'S i >! . ו ' t ■ , n r i ,!r' יי b Sh Ii t 11 I K,;׳ >r 1. 4 r1 1 1 0■'. j n. 1 : 1 ׳4 '11 |f3! ־ ׳r1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.