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Jüdische Rundschau · 1934-12-04 · Heft 97 (4.12.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 97 (4.12.1934)
Date
1934-12-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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•>Mx :!c ,י:1ו f A11S, .■!("itiiitj :01. Ab, I 11 חיי, s J'Hlf:|, 1 vur,| 1'!Ideal.■ ן 1 is-brii, : Ideal 1»׳?lI mnlcrn •n (im, tr.'iiis, m tief r rcilt e Ver,; diesi'f 1t; die Wem, s er im ir ilm , laß es raßhaf t vor. it sich ,.r Zeit de^cir!! Tra, dische unter 1d Re. ttliche!sehen lensch »ollen, sein“, :. Her h he. enlum׳ 1 den! «nd f"׳ig keine n Ju.;egen. : Die > der tulari. »eitlen . R. ehr. ihren von und ¬ס p.ו 011 חו runklitller itädte cin'e sind 1 die Nach' Um« Fuge iftipe ihrer vach« 1030; h ist r der hkeit u<lcn raren noch iritlel Bei •hun« ׳ Irrwege ׳ innerjüdischer Ideologien ßdisdte Selbst - Erkenntnis l),,s gröl le Erlebnis der deutschen Juden in dieser Zeit ״ 0)ן ־״ f.r״uticr״״g mit sich sclbs t. De״ jT.dc thje (ruh1 ״||S, ׳" C,IIC!» Rfwissen (iradc in ßcwallt-naivcr ' m, was sein Judescin betraf, er breitete einen künstlichen;-hlder /wischen sieb und sein Spiegelbild, mul wenn ihm von einer sch״״ seit Jabr/chnten unfreundlich ge- LiU'11 Umwelt Vorbehalten wurde, so schloß er die Au een «d sah sich mellt. Die Gegenwart hat dies unmöglich; :fmacht. I >״ : ייF rkcnuc dich selbst" tritt mit :"וו er ml er Kraft vor das Kramte deutsche Judentum, nach• ׳,:n) die Um weit uns als Juden abgcstcmpclt und isoliert ' Die jüdische Reaktion auf diese neue Situation ist im; ,;iirfincincn eine hcjaltcmlc gewesen: man hat plötzlich den , pjjek auf die eigene Gemeinschaft, auf ihre Vergangenheit 1 l»d fchüp(»׳'K־< י‘«» <״»"• »•><•* vitalen Regungen des Juden• '.:'ms in der Gegenwart gerichtet, und es ging bei aller , ״|jcrcrt Not unserer Zeit wie ein Aufajmcn durch das deut* ‘ .',“he Juden tu m, das sich seihst /u finden begann und merkte, Wje großes Gut fast unbeachtet in ihm geschlummert bitte• ,und ihr Gegenbild: Selbst-Angst W.ihreiut solches Erleben /chntaiiscnde deutsche Juden Innersten /u wandeln beginnt und sie zum Lernen und : ‘.,jm Wissen um jüdische Zusammenhänge hinführt, sie zum •',tiven Einsatz für die Erneuerung des jüdischen Lebens bffcit macht, ist auch eine gegenteilige, negative Er* jtlicin 11 n? bemerkhar, weniger dort, wo mit einer ge• nsscn Selbstverständlichkeit das judescin erkannt und erlebt ,Ird, als bei solchen, die sich mehr literarisch bemühen, das •:Icbnis dieser Zeit cin/ufaiigen; so gering ihre Zahl sein -ig, man kann nicht an Acußerungcn vorübergehen, die ״eignet sin I, als Parole zu dienen und in ihrer oberj •iclilirhen Vereinfachung Menschen unserer Zeit irre zu!ihren Hier macht sieh nämlich eine psychologisch und; ■istorisch wohl zu verstehende jüdische ״Selbst« י biiest“ i« verschiedenen Formen und Starkcgradcn be• ״rkbnr. Die vergangenen 150 Ja Irre waren für einen großen Idl der deutschen Juden eine Flucht aus de in Juden* tum, das man nicht mehr für lebcnswcrt hielt, da ihm;!ftnüber die Formen und Inhalte de• deutsch-europäischen Kultur stärkste Anziehungskraft hatten. Nun wagt es heute s der Zeit eines Umbruches der Wcnskaicn niemand mehr, deutlich 711 sagen, er erstrebe auch fü־ die Zukunft ein Juden- •um, dessen Werte nicht nach jüdischen Maßstäben bestimmt sind, sondern nach Begriffen und Urteilen, die der Umwelt dtnommen werden. Aber man hat den Weg, den die letzten Orneratioiien vor uns gingen, inntrlich noch nicht über« wunden, und so stellt man eme Auffassung zur Debatte, die auf den Hoden des ״positive! Judentums“ steht, die aber in Wirklichkeit den, der iliT praktisch anhängt, aus dem J ud c 11111 in hinaus führ; und ihn jedenfalls nicht tau ,Inhalten kann, aus der Erkcnttnis des Judescins Konse* H«t1ucn für die persönliche Lchcregestaltung zu ziehen. imgestoßene beider Lager Im ״deutsch-jüdischen“ Lager, bei einer Gruppe, die sich' eigentlich mir negativ dadurch knnzcichnct, daß sic ein wilcs, ungebrochenes jii dische! Volkstum für sich iblclint, sind in der letzten Zit eine ganze Reihe der« artiger Tendenzen der Angst v >r der eigenen Kon* sequenz z 11 m Judescin zu beobachten gewesen. Viel« Wellt nicht das wichtigste, aber radikalste Beispiel dieser Art war die in der jüdischen ()Öffentlichkeit diskutierte Aktion : euer Gruppe, die aus einem assimilatorischen Jugendbund, In ״Schwarzen Fähnlch“, hervorgegangen ist und;bubte, durch Taufe den S c h r .t t aus dem Judentum lim us, die vollständige Trauung von eigener Vergangen« : Vit und Gemeinschaft vornchncn zu sollen. Sie wollten : grade in tiner Zeit, wo die "auf״ keine äußeren Vorteile ח dir bringt, durch diesen Schitt die selbstlose Verbunden« Vit mit der Umwelt clokumenti'rcn; ein Schritt der Vcrzwciftag, der das ersehnte Ziel niht bringen kann und nur zur! folge hat, daß diejenigen, dt* ihn getan haben, zu Ausst0 It e 11 c n auch ihrer «genen jüdischen Gemeinschaft W!enüber werden. Symphonie der Verzweiflung Wan« hnen aber r jü« der: Ans• cticn erde, und jiidi« ir isere!laßt vom des dem C!1cn ver« über :11 cn ,tiot» er-!lese bc׳״ :11c״ ׳oft* die!״de mit dii <0vi rtt4 ges* an . in In geistiger Nachbarsdaft zu diesen Taten einzelner verzweifelter, die in sirn loser Flucht vor sich selbst auf dem Wegein ein Nichts sind, stent eine ,״tlcrc Gruppe junger Meuchen, die sich im ״Vortrupp“ •״> Hans Joachim Sc hops geschart hat. Wir finden in eneiii Bericht über eine ltguiig dieses Kreises z.B. folgende ,,tluitc geht das jcspcnstischc durch die Welt. Die Menschen unserer Zeit k!>en in der Verzweiflung, und zwar 5 üiese Verzweiflung v«1 der schlimmsten Art, die — nach «icrkcßnartj — darin K'sieht, nicht zu wissen, daß man 'trnvcifclt ist.,.. Und das Wissen war in uns, daß am *c״igslcu der echte Tost dem jeweiligen Zugriff bereit?11liegen vermag, daß er eine kostbare und seltene Gnade **׳׳., Wem! etwas f’klungen hatte, so war cs schwer «F^tscn und aus der Qual gekommen. Das aber konnte ausklingcn, soliden nur — weiter.“ Und an einer 1"«ren Stelle wird gesgt: ״Der Herbst, den wir sonst so Pni haben, weil er cincso wahre Jahreszeit ist, ist noch nie ״ trostlos gewesen, ud der Wermut, den wir sonst so Uta trinken, hat noch nie so bitter geschmeckt.... Allem- 1Cn gibt cs auch sebn wieder Menschen, die das durch- “hauen als Nichtwissc der Verzweiflung um diesen ihren “slaiKi und die dcsliai entschlossen sind, der Verzweiflung 1rklich standzuhaltcn.Fchllösungen abzulchncn, um auf die ,11 s״n g zu hoffo.“ Wir sehen aus diesen Sätzen mit fr. Deutlichkeit, wi junge Menschen, die dem Erlebnis luiigstcn Vergäll 1/nheit hilflos, nämlich ohne den Besitz LcS,1tr Substanz ml ohne den Willen zum Judescin, aus* J Wert sind, zu eier nihilistischen Haltung teil- ־׳;״«• Sic kommen nicht darauf, daß sie einzig und allein J Aufgabe besitz.«, ihr eigenes jüdisches Spiegelbild zu "m'n ״m| a״s 1Cr Vertiefung in sich selbst den Weg »U;1 , .ic'1der ein Gestaltung Ihres Lebens ge- ,,,leistet und siein die Kette der jüdischen Generationen (-:״P^duktives Gljd wieder einordnet. Und wenn sic diesen tanken erfassen dann scheuen sic sich, ihn konsequent mit 11 seinen Verpachtungen für sich zu akzeptieren. *lytlik der LaHsdusft .Oder sollten wir uns irren? Hans Joachim Schoepa dj,״s1c1,'iclleich doch zum Judentum hinleiten? Er macht tu־1'1•, “.״dings J m w e g c, die mehr als merkwürdig an« »erosorgan des RjF. beginnt er soeben eme» 81 heißt, ״foßangelegte Einteilung“, die sich mit den ך7 3־77׳} בלל׳) מי3 ׳״£ י 1 ץ' '' יי־־• •Li p״ ski Juden in der deutschen Landschaft beschäftigen umi em Bild von der Vielgcstalt deutschen Judentums geben so i. Das ist gewiß ein interessantes Thema und kann auch senr nützlich sein, wenn über der Vielgestalt nicht die Einheit vergessen wird, die eben im Judentum liegt und die, wenn nian den Leser in den Geist des J 11 d c 11111 m s einfühmi will, aas einzig Wesentliche an der Sache Ist. Der Verfasser nrgmnt mit den luden in Preußen und zeigt schon mit aie.ser etwas merkwürdigen Auswahl, die nicht an eine Land- 1 ״' so,״ler1t nn ein historisches und politisches Gebilde an knüpft, daß mit der Darstellung irgend etwas Besonderes «erweckt wud. Preußen wird von Dr. Seliocps als ״der zu starrer Form geronnene Widerstand gegen das erseht,tffende Erliegen vor der Weite norddeutschen Flachlandes“ «cüiiiert. Die Uehcrmaclit der norildcutschcn Tiefebene ruft nach ihm ״bedrängende Angst“ hervor -- die uns schon aus den A c 11 ß er! in gen des ״Vortr11pp"-Krcises bekannt Ist —, und diese . Angst kann entweder durch ״mystische Verfiiabjung mit der Unendlichkeit“ (nach russischer Art) oder ourch ״heroischen Trotz“ (Preußen!) überwunden werden. , "'crt'c״ d,cf rote Backsteinbau der preußischen Kaserne, ,,in dessen vier Mauern die Steppe eingefangen wird“, und die geprägte Form und Bcfchlsgcwalt symbolisch für den Staat 1 mißen. ״In Preußen können“ - - sagt Sehocps —- ״darum keine Kleinbürger leben» seihst sie werden in Miniaturformat gewaltsam heroisch gemacht. Preußen" — und das ut für den Verfasser wohl der Kern der Angelegenheit — ״vvar cm Staat, der mit Blut und Rasse wenig zu tun Scheu wir nun, wie sich Schocps nach dieser Definition das Verhältnis der preußischen Juden zu Preußen vorstcllt. wir wollen nicht darüber diskutieren, ob seine historischen und geographisch-psychologischen Spekulationen richtig sind oder nicht. Wenn man z. B. das bedeutsame Buch von Paul A m a n!1, das vor kurzem hier besprochen wurde, und 1"it dem Problem der Tradition im sozialen uefuge Europas beschäftigt» heran/icht, wird mau ganz andere Ursachen für die Unterschiede zwischen der russisehen und der preußischen Haltung erkennen und insbesondere der Meinung sein, daß die geographischen Fak- Foren für die Bildung von Disziplin und Organisation in Preußen und überhaupt in den europäischen Kolonisationsgebieten eine ganz andere Rolle spielen, daß vielmehr aus einer gewissen Lockerheit des sozialen Gefüges die Disziplin resultiert. Wie dem aber auch sein mag, Schocps hat ״an den Ufern der Oder oder der Weichsel... die Süße dieser Irgendwo tieftraurigen Landschaft“ erlebt, und er glaubt aus dieser als notwendiges Gegengewicht das Lcbcnsgcsetz des Gehorsams herauslescn zu müssen. Dies haben auch Juden immer dann auf sich genommen, wenn sic ״zurschwarzwcißen Fahne traten, wenn der Hohenfriedberger Marsch getrommclt" wurde, und sic haben daher 111 diesem Staate, der nicht auf Blut und Rasse aufgebaut war, ein volles Lebensrecht — und besitzen darüber hinaus innerlich tiefste Uebereinstimmung mit ihm. ״ Wort vom Sinai" und ״Preußentum" Denn nun kommt die Hauptsache: Im Juden Ist gleichsam das Preußentum, wie es sich Schocps (zu diesem Bchufe) denkt, vorgebildet! Fr sagt dazu: ״Liegt hier (11. h. in jenem vorhin erwähn« ten Erlebnis an den Ufern der Oder usw.) nicht die Brücke zum Juden, in dessen Scclcncrbc die Erfahrung der Wüste liegt, deren grenzenlose Weite auch nur durch das Befehlswort eines schlechthin souveränen Herrn, dem man sich nicht zu entziehen vermag, überwunden werden kann? Auch hier mußte das Wort zur Lehensordnung gerinnen, die in klarer Linienführung Ort und Aufgabe des Einzelnen abgrenzt, damit er sich vor der rätselhaften Weite der Welt behaupten konnte. Dein Juden wie dem Preußen liegt das Gehorchen im Blut... Darum ist der Jude in Preußen, der preußische Jude, eine überzeugende Figur.“ Welche Irrwege werden eiiigcsclilagcn, uin Juden zu beweisen, daß iiir Judentum identisch ist mit den sozialen und kulturellen Inhalten, die die Umgebung besitzt! Die früher bei manchen Juden — entgegen dem Widerspruch der deutschen Umwelt — belichte Glciclisctzung von Deutschtum und Judentum als kulturelle Faktoren, die mehr oder weniger geglückten Versuche, in ihren Strukturen Verwandtschaft zu finden, sind noch in unserer Erinncrung. Es ist schwer, in einer Zeit dagegen zu nolemisicrcn, in der die Welt um uns zu konstatieren glaubt, daB nicht Verwandtschaften zwischen den beiden Oeisteswcltcn existieren, sondern unüberbrückbare Abgründe. Wir, die wir die Bedeutung kultureller Unterschiede zu würdigen wissen, sind uns dabei bewußt, daß Gemeinsamkeiten wie zwischen allen Gruppen unseres Kulturkreises so auch hier existieren, und daß die Symbiose vieler Jahrhunderte tief• gcbcmle Verbindungen zwischen Deutschtum und Judentum geschaffen hat. Aber wir wissen, daß nichts so schädlich für die Feststellung der wahren Zusammenhänge und der echten Differenzen ist als der krampfhafte Versuch, Ueber- «i 11 s t i m in u 11 g c n zu konstruieren. Auf einem ganz anderen Niveau ist dies getan _ worden, als während des Krieges Hermann Cohen in seiner bekannten Auseinanderset/ung über Deutschtum und Judentum den Versuch der Identifizierung beider auf wichtigen Gebieten unternahm. Ihm wurde nicht zuletzt deshalb damals entgegengetreten, weil eine solche Ideologie für uns Juden die Gefahr in sich birgt, zu glauben, daß wir unserer jüdischen Pflicht schon dann genügen, wenn wir so leben wie die Umwelt. In dieser Richtung bewegt sich auch der hier erwähnte Versuch von Schocps. Er entbehrt gewiß nicht der Komik. Das gewaltige Wort vom Sinai wird mit der historisch zufälligen Lage einer kleinen Gruppe des Judentums in Beziehung gebracht. Bestechend ist dabei nur eines: Preuße sein, wie cs sich Schocps vorstellt, kann jeder Jude, zumal das Blut dabei keine Rolle spielen soll. Dadurch aber soll man angeblich zugleich Jude sein — und schon ist ein billiges Rezept für die Erfüllung der jüdisehen Pflicht entstanden. Man braucht nichts weiter zu tun, als sein Leben einfach so fortzusetzen wie bisher, dann ist man ebenso sehr Preuße wie Jude. Ja, indem man p>de>1׳ £z$ca> üh Van dar Chnnnkkah- Auagaba Kr. SB ■lahan Exemplars m Werbuna«-Zwecken snr Ver* lüsung. Senden Sie uns blite Anechrillon, an dla wlrProba-Nummarn ■enden dürfen. VtiUUfo-AMeäuHQ. ״preußischer" wird, wird man auch jüdischer. Denn: ״In den allpmiRiscImi Provinzen kann man zahlreiche Juden finden, die einfach nirgendwo anders hingehoren als zwischen die roten Bni-kstanhauten und in die nüchterne Sachlichkeit dies! Beamtenstädtc .. Wir wissen nicht, oh es viele Juden gerade aus diesen Provinzen geben wird, die sich von solchen Ausführungen überzeugen lassen. Lines ist aber gcwdV, Jene, die in der Stimmung der Verzweiflung und der Auflösung leben und an ihrem Judentum keine 11 Halt mehr hesit/en, wird Dr. Schocps so nicht zum Judentum hinfiihrci!; was er ihnen reicht, ist ein P 11 a 111 o in, das nichts mit Jüdischem zu tun hat (mul vielleicht auch nichts mit Preußentum), aus dem eme verpflichtende Kraft für die Neugestaltung des Lebens nirgends hervorgehen kann. Worte werden übernommen von ״Judescin" und ״Geist des Judentums“, aber in Wirklichkeit sollen sic nur dazu dienen, die Flucht vor sich selbst zu maskieren, die seit Generationen im Gange ist. Daß sic heute ins Nichts fuhrt, stört diejenigen anscheinend nicht, die mit vielen Worten die alten Dinge neu zu drapieren suchen. Umsdiiditung, Bildung und jüdische Leistung u a7״ "• Kreisen, die ihrer geistigen und jüdischen Haltung nach auf anderem Boden stchai und im Gesamt* Zusammenhänge des deutschen Judentums durchaus ander» gewertet werden müssen als die bisher besprochenen Gruppen, die Gefahr der Angst vor der eigenen Konsequenz bestellt, soll noch an einem Beispiel kurz gezeigt werden, Ignatz Maybaum beschäftigt sich in einem im ״Morgen erschienenen Aufsatz über ״die jüdische Geschichte des deutschen Judentums" im Anschluß an frühere Artikel lind Reden u. a. mit der Frage des Bildungsproblems < c r d e ut sr h c 11 Juden. Fr wendet sieh dagegen, daß die BerufsstrukUir der deutschen Juden durch die tJmscliichtungsparole, die zu Handwerk und Landwirtschaft führt, völlig geändert wird, da hierdurch das deutsche Judentum auf eine primitive Lebensstufe hcrabgcschraubt würde. Es habe nämlich die Aufgabe, als ״() lau bensjudentaim“ das gedanklich zu erfassen, was jüdische Existenz. Ist. Gewiß ist es richtig, wenn darauf hingewiesen wird, daß nicht die gesamte jüdische Jugend den Weg der Um- Schichtung gehen kann, sondern daß ein gewisser Teil» der keine Möglichkeit der Auswanderung, insbesondere nach Palästina hat, in den alten hauptsächlich katifmänni. sehen Berufen wird bleiben müssen. Aus dieser für viele junge Menschen bitteren Tatsache mm eine Ideologie zu machen, heißt aber die Dinge auf den Kopf stellen! Auch diese Oruppe des deutschen Judentums soll möglichst stark jüdisch werden, ebenso wie diejenigen, die den Weg der sozialen Ncufundierting gehen. Beide Teile brauchen dazu jüdische Bildungsgüter und ein Höchstmaß allgemeiner Kultur. Es ist aber für weite Gebiete der menschlichen Entwicklung nachweisbar falsch, daß -- wie Maybaum in diesem Zusammenhange behauptet — die Ktilhircntwicklting einzig und allein an die Stadt gckmiplt war. Wozu auch diese Hervorhcbimg? Der Teil der deutschen Juden, der in Deutschland bleiben wird, wird in der Stadt leben und voraussichtlich noch stärker auf wenige große Gemeinden konzentriert sein, als cs bisher schon der Fall ist. Die Frage, ob das Niveau an Wissen, das die deutschen Juden besessen haben, zu erhalten sein wird, auch nachdem die sozialen Voraus* Setzungen und die Möglichkeiten der Ausbildung geändert sind, kann niemand beurteilen. Es ist auch zweifelhaft, ob die Quantität dessen, was man bisher als ״Bildung“ zu be* zeichnen pflegte, aus der Mehrheit der deutschen Juden eine Gemeinschaft im Sinne echter Kultur gemacht hat, die mit den Leistungen anderer Epochen unserer Geschichte konkurrieren kann, und ob nicht gerade eine andersgeartete Geistigkeit das deutsche Judentum, mag es auch an äußeren Gütern und an Quantität der ״Bildung" ärmer werden, zu produktiven Leistungen im jüdischen Bereich befähigen kann. Die Betrachtungen Maybaums -־- und die in ähnliche Richtung gehenden Acußerungcn aus Kreisen der ״nicht* zionistischen“ Jugend bedeuten im Grunde nichts weiter als eine Verherrlichung der ahgclaufcncn Pcr i o d e der d c u t s c h - j ti d i s r h e n Geschichte; sie geben a'I denjenigen, die eine Ideologie suchen, die vom positiven Judentum redet und den Glauben in seinen Mittelpunkt stellt, aber in der Bewahrung des bisherigen jüdisch zumeist unbefriedigenden Zustande» gipfelt, eine Ausflucht, di« eine bequeme Begründung ihrer persönlichen Unzulänglichkeit ist. Flucht vor sich selbst und Angst vor der Konsequenz des Entschlusses zum vollen jüdischcn Leben — das sind Erscheinungen, die zu unserer Zeit ebenso gehören wie all das Positive, das in den jüdischen Reihen geschieht. Sic sind als Ausdruck der menschlichen Schwäche und der Auflösung unserer jüdischen Substanz zu begreifen, aber an uns ist es, ihre Gefahren zu zeigen und 80 zu ihrer Ueberwindung beizutragen! K.• L» Die hebräische Woche in England Im Rahmen der vom Hebräischen Wcltvcrband in England organisierten ״Hebräischen Woche“ fand in der Londoner Foylc Art Gallery die Eröffnung einer Ausstcllung moderner hebräischer Literatur durch den Direktor der School of Oriental Studics an der Londoner Universität Sir E. Dcrsison Ross statt. Dieser wies auf seine zwölfjährige Zusammenarbeit mit Leon Simon (dem bekannten englischen Zionisten — A. d. R.) hin» der bei der troffnungsfeicr den Vorsitz führte. Ich habe, erklärte der Redner, die höchste Achtung und Bewunderung für die erhabene Sprache der Bibel und alles, was sich in Literatur und Sprache von ihr herlcitct. Ueber die Wiederbelebung der hebräischen Sprache veröffentlicht die ״Times“ vom 1. 12. «inen Aufsatz, von Lady Erleigh, der aut die Geschichte dieser Renaissance der Sprache eingellt und insbesondere die Zusammenhänge zwisehen dem Zionismus und der Tatsache des Wiederauflebens der hebräischen Sprache schildert. In seinem letzten Teil geht der Aufsatz auf die Schwierigkeiten ein, die sich der Hebraisierung entgegenstelltcn und die die Verfasserin, vielleicht etwas zu optimistisch, schon als überwunden betrachtet; der Artikel wird zum Zeichen dafür, daß das Hebräische eine lebendige Sprache geworden ist, mit dem Itebräischcn Abdruck einer Strophe aus B i a li k s 'Gedicht ״Bassadch“ beschlossen. (Lady Erleigh ist die Tochter Lord Mclchetts und Schwiegertochter Lord Readings. — A. d. R.) Der Vorsitzende des Board of Jcwish Deputies, Neville Laski, und der Präsident der Ica und Vorsitzende de» . Council der Jcwish Agency, Sir Osmond E. d’Avigdor Goldsmid, begeben sich Mitte Dezember nach Amerika, um der Jahresversammlung des American Jcwish Committee beizuwohnen. Vermutlich wird bei dieser Gelegenheit auch! eine Sitzung de» Administrative Committet defU Jcwish Agency in New York abgehaiten werden.

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