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Jüdische Rundschau · 1934-12-04 · Heft 97 (4.12.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 97 (4.12.1934)
Date
1934-12-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Eine Artikelserie über Palästina Die im ״Westdeutschen Beobachter“, Köln, erscheinende Artikelserie von Hermann J u 11 g: ״Orient im Fieber“, deren Veröffentlichung wir liier kurz erwähnt haben, hat «ich in ihren letzten Fortsetzungen Palästina zugewandt. Der Verfasser schildert zunächst die Sehiftsreise vom Piräus nach Palästina und setzt sich hei dieser Gelegenheit mit der Frage der Kapitalisten lind der illegalen Einwanderung, sowie dein iiidisch-arnbischen Problem kurz auseinander. Obwohl manche Einzelheiten richtig geschildert und in!besondere die Bilder geschickt ansgewählt sind, sind die Aufsätze betont anti* jüdisch. Dies geht z. B. daraus hervor, daß, wenn bei einem Tcl-Awiw gewidmeten Abschnitt gesagt wird, die Stadt sei mit allen Schikanen der modernen Baukunst angelegt usw., und sie besitze einen ausgezeichneten Badestrand der Ver* fnsscr die Bemerkung 11 in zu lügt: ,,an dem sich das jüdische Prassertum faul iin Sande rekelt.“ Allerdings muß er zugeben, daß cs auch den jüdischen Arbeitern gut geht, daß sie ordent• liehe Häuser haben, und daß sie gut untergebracht sind. Er weist dann darauf hin, daß unter den Einwanderern nur 10 <0/י aus Deutschland stammen (was allerdings nicht richtig ist) und sagt unter Hinweis auf das — auch hier wieder* gegebene — Interview t)r. Landenbergers über seine Pa* lästinareise, daß Palästina fast als einziges Land den deutschen Juden die Möglichkeit zur Einwanderung gegeben habe. Wenn er ironisch daraus schließt, daß also kein anderes Land der Erde deutsche Juden wünsche, so ist dem cntgcgenzuhaltcn, daß alle Völker und Bevölkerungsgruppen, die an Auswandcrungiiitercssiertsind, voraußer* ordentlichen Schwierigkeiten stehen, da fast alle Staaten der Erde sielt gegen die Aufnahme von Einwanderern jeder Art sträuben, um die bei ihnen bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht noch weiter zu ver• mehren. Pie Stellung «Ser MI rlidlca Vorträge Liberalismus und Orthodoxie S'r-S7,!■XII. ן», Von unserem Korrespondenten. J. R, Wien, Ende November, Am* letzten Novembertag ist der österreichische Bundes * tag, zusammengesetzt aus den Delegierten der vorberatenden Körperschaften, zu seiner ersten Sitzung zmammcngctrctcn, Hierbei hielt der Chef der Bundesregierung, Dr. v. Sc huach * nlgg, eine programmatische Rede, in der er 11.a. In bezug aut die in Oesterreich lebenden Minderheiten folgendes erklärte: ״Es ist selbstverständlich und bedarf keiner Er• wälunmg, daß wir Oesterreich er es als eine Ehrenpflicht anschcn, ich möchte sagen, unseren Ehrgeiz, *darein setzen, den wenigen Minoritäten, die »ms geblieben sind, vor• bildlichen Rechts* und Kulturschutz zu geben.“ In diesen Worten des Regierungschefs sieht die östcr• rcicliische Judenschaft eine weitere Unterstreichung ähnlicher Erklärungen in bezug auf die Stellung der Juden. Im Bundestag befindet sich kein Jüdischer Ver! treten Die Wiener Judenschaft ist lediglich im Staats• rat durch den Präsidenten der Kultusgcmcinde, Dr.Fried• mann, und im Bundeskmturrat durch Hofrat Frank• i u r t e r vertreten. Die Judenfrage im Unterricht Die ״Fränkische Tageszeitung“, Nürnberg, vom 2. Dez. Veröffentlicht den Bericht eines Lehrers, der in Nürn* berg in der 1. Klasse einer Schule bei den Schulanfängern unterrichtet. U. a. geht der Bericht auch auf die Behandlung der Judenfragc iin Unterricht ein. Es werden eine Reihe von Fragen und Antworten wiedergegeben, die im Unterricht zu diesem Thema vorgekommen sind. In diesem Zusammenhänge wird berichtet, daß ein Kind sagt: ״ ,Die Juden sind Lutnpcnl' ,Wieso . . .?* ,Weit sie einen immer he . , be . . bescheißen!‘ ,Ja, neulich hat meine Müller beim Juden einen Stoff gekauft, das war lauter Gluntp und ist gleich hin gewesen I‘ ,Und lei! w״r einmal beim Judentloklor und jetzt tut mir mein Zahn wieder weh!‘ ,Herr Lehrer, meine Tante M., die kauft noch beim JudenI‘ Jetit packen die Kinder aus! Ith kannte eine kleine Liste von Kauft laud.uiulcii anteiligen.“ Der Bericht schließt mit den Worten: ״Die 11 er an wuch sende Jugend wird He leinst die J 11 den frage viel, viel besser verstehen all eine gewisse Schicht von ,gebildeten' und eben• so ,eingebildeten' IS ti r g Ic r nl“ Wir fürchten, daß die ganze Schwere der Judenfrage, die in erster Linie ein Problem der Juden selbst ist, den Kindern auf diese Weise nicht aufgehen wird, wenn sie vom Wesen der Juden ein Bild erhalten, das von der Wirklichkeit weit entfernt kt. Schädifverbot und Miete 1111 Anschluß ,111 das Sc 11 ii c h t v c r hot ist die Frage *ufgclmicht, oh ein Mieter, der zum Zwecke des Schach• teils Räume gemietet hatte, den Mietzins hierfür weiterzalilen müsse, obgleich das Schächtvcrbot die Benutzung der Räume zu ihrem im Vertrage vorgesehenen Zwecke unmöglich mache. Nachdem, wie wir seinerzeit berichteten, das Kammer* Bericht in einem ähnlich gelagerten Falle mit der Frage sieh befallt bat, in welcher Weise das Schacht verbot auf einen Midi ertrag cimvirke, liegt zu demselben Problem ein Ur* teil des Oberlandesgerieht Breslau vor. Die S v ת a g o g e n r c m c i ml e B r e s I a 11 hatte von der Stadtgemciiide Breslau im Jahre 1930 in der Klcimnarkthalle Räume gemietet. In dem Vertrage war ausdrücklich vor* gesehen, daß diese Räume zum Schlachten bzw. Rupfen von Geflügel dienen sollten. Nachdem durch das Reichsgesetz vom 21־. April 33 das Schächten warmblütiger Tiere verboten worden war, stellte die Synagogengemeinde die weiteren Mictzahlungcri ein. Die Sladt verlangte von ihr Fortzahlung des Mietzinses, weil durch das Relehsgcsetz nicht das Schl,ich* ten an sich, sondern nur das Schächten nach jüdischem Ritus Verboten worden sei. Wenn die Sytiagogengcmeinde eine andere Art des Sehlachkns nicht ausübe, so berühre das die Vermieterin nicht. Es seien auch Versuche im Gange, die Vorschriften des jüdischen Schlachtrifus mit denen des an* geführten Gesetzes in Einklang zu bringen. Die Synagogen* gemeinde möge als solche naehweisen, daß es keine Mög* hehkeit gehe, ihre Ritual Vorschriften den Bestimmungen des Gesetzes anzupassen. Tue sic das nicht, so müsse sie sich so behandeln lassen, als wenn die Hinderungsgründe nur in ihrer Person lägen. Ein eigensinniges Festhalten eines jahrtausendealten auf die Verhältnisse eines orientalischen Hirtenvolkes abgestell* ten Brauches s ci j cd e n f a 11 s d an n nicht zu bi 11 i* g e 11, w e n 11 c 1 n c Anpassung an die Gesetze des Staates möglich sei. Die Ablehnung einer solchen An* passmig könne dann auch bei objektiver Würdigung nicht mehr sehnt?würdig erscheinen. 1 D i c K I a g e d er Stadt B reslau Ist sowohl vom Landgericht als auch vom Oberlandcsgericht Breslau ab gewiesen worden, In dem Urteil des Obcrlandesgerichts vom 5. November heißt es u. a., daß der beklagten Synagogcngetneiiuie die weitere Benutzung der Räume zu dem vertragsmäßigen Zwecke unmöglich geworden sei, da durch das Gesetz vom 21. April 1933 das Schlachten von warmblütigen Tieren durch Blutentzielnmg ohne vor* hcrige Betäubung verboten worden sei, die Besonderheit des Schaehtens aber gerade in dieser Art des Schlachtens bestehe. Im vorliegenden Falle sei im Vertrage ausdrücklich die Be* nutzung zum Schächten vereinbart worden. Damit sei aber die Möglichkeit des Scfiächtcns zur auflösenden Bedingung des Vertrages gemacht worden und dieser durch das Schacht* verbot nach § 158 BGB. erloschen. Wenn man auch an* nehmen wollte, daß eine echte Bedingung nicht vorliege, so sei doch die Möglichkeit des Schächten« von beiden Par’ tcien zur Vertragsgrundlage gemacht worden. Durch das Verbot des Schächtern sei diese Grundlage, von der die Wirk* samkeit des Vertrages abhing, weggcfallen. Die beklagte Synagogcngemcinde sei daher von der Verpflfcli!tung der Zahlu״־-־•-1*, ״־ *' ■ worden. Juden und Wiener Bur^ilicater Das ״W Jener Burgtheater״ heißt Rudolf Lothars eben erschienenes Buch, das in Nr. 279 der ״Berliner Börsen• Zeitung“ von Karl Gerold besprochen wird. Er sagt u. m. folgendes: ״\n Itand de! Tuche» von Lol har kann mat» *um er«tenm«l den Einfluß Ulier.srlien, den das Judentum auf da» Hurglheater amgeübt hat. Der erste Jude, der für da! Hurglhearer von Beileu• tung war, ist der ״Wiener Gottsched“ Joseph von SonnenlcK Sehr groß ist der ProicntsaU von Slikken jüdischer Assessoren( soll wohl heißen: A11torc«1. Red. d. ״J. R.“). Unter Laulic wurden Dramen von Mmentlial und Sigmund Schlesinger gegeben. In den!eitlen Jahrzehnten wird die Bevorzugung jüdischer Autoren immer krasser. Von Arthur Srhnitiler wurden 10 Werke mit runmme# 680 Aufführungen gegeben, von Han! Müller acht Werke mit zusammen 148 Aufführungen, von Ludwig 1 tirsrhfrhi zwei Stücke mit 68 Aufführungen, von Alexander Engel drei Stücke mit 138 Aufführungen, von Ludwig Fulda 20 Stücke mit 493 Auf. führungen. Bereitwillig aufgeführt wurden weitere Stücke von Feliz Salle«, Stefan Zweig, Paul Wcrlheimer, Egon FriedeII, Ladlslau» Fodor, Georg Kaiser, Franz Werfet 11. a. Die ״prominentc»ten Vet. treter der heutigen jungen Wiener Lnaltpielkunat" sind nach Lothar! Feliz Salten, Raotil Auornhcimer, Sil Vara (recto Silbe rer), Han» Adler, Ludwig Ilintcttfcld und Alexander Engel. Eine Stichprobe! Thimig brachte im ersten Jahre »einer Direktion! Auernheimer ״Paar nach der Mode“, Stefan Zweig ״Hau« am Meer", Molnar ״Märchen vom Wolf", Schnitzler ״Einsamer Weg"! Satten ״Aul ersteh 1mg“, Hofmannstbal ״Jedermann“. Die ״originellste Persönlichkeit“ unter den Burgtlieaterkapell. meistern war nach Lothar Julius Sulzer, der Sohn de» ״berühmten Tempclgesimgmcislers'* Salomon Sulzer. ״Die Darbietungen de» Or* ehester» ließen viel zu wimsclien übrig und waren ein hörhat zweifei• hafics Vergnügen." Aber was hat da! *chon *u bedeuten für den . Sohn eines bcriilimlei* Tcmpclgcsangmeistcr«. I.olhar entdeckte sogar nelien Ifan» Saßmann noch einen ״durchaus nationalen Diehler". Herrn Richard Bcerdfofmann!mmlieh. ״Aber seine Nationalität ist jüdisch.“Leider. Beer-IIofmnnn hat das zu wenig gcUeimgcUaUcn. Diese Geschichte mit dem jüdisch• nationalen Dichter ist noch in anderer llinaieht nVercs'ant. Man muß nämlich Herrn I-odiar und »ein« Wiener Kollegen wüten »eben, wenn unsereiner von jüdischer Nationalität spricht. Ich könnte Hunderte von Stellen au» dem ״Neuen Wiener Journal“ anführen, die beweisen, daß r» wohl ״iistcrrelcliisrhe Staatsbürger mnaaiarher Religion“, aber keine jüdische Nationalität gibt. Nun ist lle»r Betr-llofmann plötzlich ein jüdiscli-nationnler Dichler. W'ir lialreti allerdings nicht den geringsten Grund, etwa» dagegen clntuwenrietu Herr Lot har wird noch einmal unvordrhlig. Egon Friedrll und Richard Beer-IIofmnnn!sind nämlich ״eharaktcrUtiaehe Vertreter de* heutigen Oesterreich“, W'a» er wohl damit »agen will? Er hat sich zu diesem Bonmot wohl durcli Ra out Aslan verleiten lassen, der sich cinmnl folgenden AusHprurh leistete: ״E! gibt wolil keine typischeren Bürgthealerstiicke 81« den ״(!raten von Gharolaia" und ״faakutts Traum“. D;«s Alte Testament ist aber ebenso typisch für da» Burgtheater — wie Bccr-llofmann für das heutige Oesterreich.“ Es scheint uns, daß die Polemik gegen Lothar in diesem Punkt nicht treffend ist. Das jüdische Element ist für Oester* reich und insbesondere Wien ein charakteristischer Faktor (neben den andern). Warum soll daher nicht auch ein Dichter deutscher Sprache, der sich bewußt zum Judentum als natio* naicr Gemeinschaft rechnet, so bezeichnet werden? Dr. T. S. Des ״kleinen Meyers״״ Meinung In der Neuauflage des ״Kleinen Meyer“ aus dem Jahre 1933 findet sich auch eine Neubearbeitung des Artikels .,Juden“. In diesem Artikel heißt es u. a,: ״Bei den Asch* kcnasiin kommen Fettleibigkeit, Plattfüße, Zuckerkrankheit, Rothaarigkcit häufiger vor als bei europäischen Völkern. Durch die Religion wurde das Rassengemisch zu einer In* zuchtgctneinscliaft verschweißt, in der sich, unterstützt durch ihre dauernde Unterdrückung, der jüdische Charakter in sei* 11 en Licht- und Schattenseiten entwickelte. ... Der seit Aus* gang des 19. Jahrhunderts zunehmende Antisemitismus be* wirkte einerseits den wachsenden Widerstand 4er Juden, die ihr Heimatrecht in den Ländern ihrer Geburt betonen, an* dererscits den von Th. Herzt und M. Nordau ins Leben ge• rufen en Zionismus. Die nationalsozialistische Regierung von 1933 vernichtete im Deutschen Reich den öffentlichen Ein• find der Juden, der, in seinem Umfang ... unverhältnismäßig groß, wegen der internationalen Verflechtung des Judentums national verhängnisvoll war, und wegen der Wurzellosigkeit weiter Kreise der jüdischen Intelligenz auf die nationale deutsche Kultur zersetzend wirkte. Diese gesetzlichen deutsehen Maßnahmen, wohl die loyalste Art der Lösung de» Judenproblems, führten zu jüdischen Massenauswanacrun* gen, Boykottmaßnahmen und Hetzpropaganda des Welt* Judentums, aber auch zum Auftreten antisemitischer Bewe• Rungen in fast allen Staaten, da das Für und Wider des deutschen Vorgehens erörtert wurde....“ Ueber den Anteil der Juden am öffentlichen Leben wer* den dann vor allem Zahlen aus den Großstädten ge* bracht. In der ״L ehrst ätte C 11. N. Bia Hk“ sprach Raw Dr. Alex Altmann vom Standpunkt der OrthoHnvi. über das Thema: ״Liberalismus - Orthodoxie“. |)CT 1,u* druck ״Orthodoxie“ sei unglücklich, weil cs im Jude״*״!! ‘ keine Dogmatik gibt. Man darf aber den Begriff Orthodox ' als Notbehelf behalten, uni eilten Standpunkt abz.ugrcnzcn ak grenzung wurde notwendig,als zu Beginn der Emanzipation nF ' neue Lebensgefühl die alte geschichtliche Auffassung des ן",!, ‘ turns durchbrochen hat. Im Prozeß der Säkularisierung L.:,’ f die alte jüdische Lchcnscirdnung zu weltlich e n Ideal umgeformt, Die Säkularisierung verwandelt die religio* t״f״ dcrlichc Erziehung der Menschen zueinander in das ld״I des Sozialismus: Nicht deshalb hat man den anderen ,, liehen,!veil der andere ein Geschöpf Gottes ist, somit•» aus Gründen, die in einer irdischen Sicht des Menschen (״» diert sind. Religiöse, Begriffe werden ins Politische trat״' poniert. Zwischen dem Juden alten Schlages und dem Emauzipationscpoclic, der sich zum Bannerträger der ״in weltlichen Ideen der Humanität machte, gab es keine Ver atäiidigungsmögllclikeit. Alle Kräfte der Menschen dies״ Zeit wurden vollkommen von der Veit absorbiert; h;• Religion wurde zu einer Angelegenheit der Peripherie. Venn Geiger einen religiösen Standpunkt vertritt, so ist er im Grunde kein religiöser Mensch. Es handelt sich für ihn darum, das überkommene Judentum so utn/ubeugen, daß n für die Mentalität eines säkularisiert«! Menschen tragbar wird. Der säkularisierte Mensch ist der Zeitlichkeit ver. fallen; er steht in einer bestimmten Epoche und fühlt siclj als Procl 11 kt dieser Epoche. Der jüdische Mensch jener Zeit macht sein Judesein davon abhängig, ob sich das Judescin vereinbaren läßt mit den! Geist der Epoche. Jüdische Tri. dition Ist Offenbarung. Für Geiger ist die jüdische Religion Schöpfung des jüdischen Genies, wobei er unter Genie die Fälligkeit versieht, Dittgc, die noch niemand ge, *ehen hat, zu entdecken. Thora ist für ihn nicht die göttliche Offenbarung, sondern das Produkt der genialen Menschen Mosche und Esra. Historismus steht gegen Gesetz. Der säkularisierte Mensch hat das jüdische Religio nsgesetz abschaffen wollen, wenigstens In gewissen Stücken. ״Der Mensch muß gut sein" Diese Binsenwahrheit wird zum Eckstein der Theologie, Der Thora wird kein Ewigkeit»., sondern nur ein zeitlich be• grenzter erzieherischer Wert beigemessen. — Das Judentum aber kann nicht darauf verzichten, das Gesetz ah den maßgebenden Faktor aufrccht/ucrhalten. Ist eine Verständigung zwischen Orthodoxie und dem liberalen Judentum möglich, oder muß das Schisma ewig bleiben? Zu Beginn der Emanzipationsepoche gab es keine gemeinsame Sprache zwischen orthodoxen und liberalen Ju• den. Heute stehen diese beiden Gruppen zwar noch gegen« einander, aber die Grundhaltung ist etwas geändert: Die Orthodoxie beginnt das Volkstum 7 u bejahen, der Liberalismus hat seine Stellung zu dein Prozeß der Säkular!• *icrung geändert, das bewirkt die Bewegung der beides Richtungen zueinander. M, R. Heimat und Wanderung Die Donnerstag-Vortragsreihe des Jüdischen Lehr• ha us cs fand in ihrem ersten, geschichtlichen, Teil ihrer» Abschluß und ihre Ergänzung mit einem Vortrag von S. Adler-Rudel über die Wanderungen der Juden und ihre sozialen Auswirkungen. Ihre Wanderung nach Europa treten die Juden im Gefolge der Römer an. Sic erfüllten in den ersten Jahrhunderten eine außerordentlich wichtig« Funk* tlon im europäischen Wirtschaftsleben, indem sic die Mittler zwischen den Kasten wurdet!. Mit dem Aufblühen der Städte wird die Stellung der Juden immer mehr erschwert; eine Austreibung folgt auf die andere. Andererseits sind diese Austreibungen oft nur vorübergehend, weil man die Juden als gute Steuerzahler nicht gerne ziehen läßt, Nach 1830 ist cs leichter, den Anschluß an die nichtjüdische Um* weit zu finden und aus der räumlichen und sozialen Fnge herauszukommen, und c<4 entsteht and» eine kapitalkräftige jüdische Bourgeoisie; alter die Massen bleiben in ihrer armseligen Situation. Besonders auffallend ist das Anwach« sen der Zahl der Juden im Zeitraum von 1810 bis I93ß; von 3 Millionen stieg die Ziffer auf 15 Millionen. Doch kt dieses Anwachsen wohl nicht so sehr auf die Steigerung der Gehurten, als vielmehr auf die Verminderung der Sterblichkeit zurückzufiihrcn. Parallel mit der Vermehrung der Juden geht auch ihre Zerstreuung über die Welt. 1823 waren 83 "/o aller Juden in Europa, 1925 waren es nur noch 62 ״/o, während 290/a in Amerika ansässig sind. Ein Drittel aller Juden ist also in «inen anderen Erdteil gezogen. Bet den Wanderungen der europäischen Völker im 19• jahrhun« dert nehmen die Juden die vierte Stelle ein. Die durch die Verhältnisse notwendig gewordenen Wan• derungen wurden den Juden oft vorgclialtcn, wenn man ihnen das Hcimatrecht bestreiten wollte. In Wirklichkeit aber *ind die Juden stets heimattreu gewesen. Der Sinn der ju• dischcn Wanderungen ist eben gar kein anderer als der: eine Heimat zu finden. Der Redner schloß seine Ausfiihrungcn mit den Worten, daß die Schaffung eines neuen jüdischen Volks in Palästina mir möglich sein werde, auf Grund einer radikalen Umstellung der Berufsstruktur, una daß deshalb für Palästina die Existenz einer starken judf sehen Arbeiterschaft ausschlaggebend sein werde. * Gemeinde und Reichsvcrfrciting Die Jüdische Gemeinde, Berlin, Fiat sich durch unser« Bemerkungen in Nr. 95 der ״Jüdischen Rundschau‘ verania gesehen, nunmehr in der Ausgabe des Ocmcimlcblattrs ' 1. 12. den bistier von ihr verschwiegenen Beschluß 0 Beirates der Reichsvertretung vom 11. 10., worin «« Präsidium der Rcichsvcrtrctimg eins Vertrauen ausgcsprocn wird, zu veröffentlichen. Diese Veröffentlichung v sicht die Gemeinde mit einigen mcsqulnen Bemerkungen ut> die ״Jüdische Rundschau“, auf die wir nicht weiter ringe wollen, da ja die Gemeinde durch Aklrupk der Rcsoim beweist, daß sie die Berechtigung der von ימי hoben«» Beschwerde einsieht. Wir können, nachdem <״ Angelegenheit erledigt ist, nur dem Wunsch Ausdruck geu ׳ daß die Fairneß das oberste Gesetz unseres . Lebens bleibt. Darin würden wir schon einen großeii schritt sehen, ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten, im übrigen zwischen dm Gruppen bestehen. V. .val « , v fl llllltn׳ יי £ des Mietzinses frei ge• In der Tageszeitung ״Der D eut»che“ erläßt das Sozial• amt der Deutschen Arbeitsfront eine Warnung׳ vor den Ver• *uchen abgewanderter jüdischer Industrieller, deut• «che Fachleute für ihre ausländischen Betriebe anzuwerben. Durch diese Betriebe erwachse der deutschen Wirtschaft ein großer Schaden, auch würden die deutschen Fachleute mir solange beschäftigt, bis sie ausländische Ersatzleute angelernt haben. ßdisd' H ״יי‘'■•!, pbte L■ ך Art. "'•!יו <, hlcifi di!׳»« J Sllllltf1 ■ ״ und 5־ i'\ gtmaC'1 /־ zwing« . ■ dem;ו י י hat. 1י; alle«"י'י‘ , Blick :י ״ und St j, tun« 1 äußere } sehe J» •: ein wi L bitte. 1 Wie uns mitgeteilt wird, sind die in der Stadtgemd Zwiesel (Bayerischer Wald) angebrachten Plakattatcin , der Aufschrift ״Juden sind hier nicht erwünscht . M'L] wir in Nr, 92 vom 16. iiov. berichtet haben! am 20, entfernt worden. Unter der Ucberschrift ״Nürnbergs Minden b u R Hochschule judenfrei“ meldet die ״Fränkische 8 ו zeitung“, Nürnberg, daS der Oaushulentenbundsfuhrer Gauleiter Julius Streicher ein Telegramm gesandt na •ד dem er meidet, daß die JHindenburg-Hechschuie hioenfrei »ehe '״<'(, wissen!‘ wird, ו! ן Erlcbn. ן mag• geeign; ß.ichli jt> führen' 1 ״ jtistori!,1,׳j Ang: •'( merkri,'.■ Teil dj(1 tum, (\ y etgrnn.j Rult»(\ in de* deutle!? tum, ,!I sind, entiio 1 Gene» y' wund k! die a,:' aber de m dazu , 1. «igrn•i! ‘ , volle* 1'?•;״• shh>^\ artig ' I lcicln ״ ׳ ', Art \ f;Ji einer' f ’ dem ®,■!'ין!1?111fi 11־ hin '.',ן , heit 11::ן, gen! f: \ mehl V'׳ heit *זיייי F״|k׳ ן,,,׳׳ ׳ 8 e s!,','. rgC'.M

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