Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 96 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jakob Meitlis, Berlin Vi'cr sich iioeli auf die Feier der CI1:m11Wkah--Tngc in J»s:׳’"d lu's""H'״ ki,״l1• 1'-יו׳״ feststelln! können, dafl Le Feier im Gegensatz zu dem fröhlichen mul rauschcti Piinnirest, recht schneid mul einfach verlaufen ist. ״it der Zeremonie des Licl1lan/11״,|e11s, ״',ii dem Ertönen '« ,Maos Zur"-( icsangcs, war eigentlich der I Idhcpunkt des 111 .1 *!;»mit (ur 1 - ״• ־ hilf der natiirlirhe l'rohsimt N ״I־*י־ '•׳ . 1 ' . , ' '־'"״•'" '•VI I l'׳lll ׳||||IVl ms» (fi|1׳s erreicht mul damit für das Krolle Publikum abgetan, n fehlte hier der iialiirliche Frohsinn und die Ercudes- ,t'iiiiimntZ, '11'־ beispielsweise;1111 Purim in der jüelisclici! (13ssc vorlu’r rschtc. Hrst ui’111 /ionisnMis, als <101־ nationalai rr11curr1u1g.',b,:wegt|ng, gchiihrt unstreitig das Verdienst, in (lt.1nukk.uh das grolle Fest von den Makkabäerkämpfen und;;,rer nationalen Erhebung sinnvoll /um Ausdruck gebracht )1! haben. t:s ist aber interessant /« erfahre״, wie einst das Cha- ״akkah-FcsI im Ghetto gefeiert wurde. Damals war Clin- «;ikktih noch ein recht volkstümliches Fest, das sich durch!׳olle Stimmung, buntes Freibcn und verschiedenartige Be-' Tilgungen ansge/eiclmet lud. Spiel und Selter« haben diesen! fest sein eigentümliches Gepräge gegeben. Vor allen waren Verkleidungen und Maskejaden im Mittelalter an Chanukkah sehr beliebt. Eine (rolic Fcslslinimiing, ja eine gewisse festliche Ausgelassenjitit wurde sogar von den rabhiiiisehen Autoritäten empfohlen, «0 schreibt der Verfasser des ״Sefer Cliassidim Katan“ (15, Jahrhundert) in hc/ug auf Cbnnukkah: ״Hiite dich, so weit )1! kannst,;״!f dieser Well zur Un/eit lustig zu sein, cs sei ,(diu zu tIh.u111 kko 11 und l’urini. Dann sollst du dich um öottes willen freuen ..." Und in der Tut, an diesen Festtagen war man auch lustig. Vid dazu beigetragen haben die fahrenden Lust i g in a e 11 e r, die Spaßmacher, die bei jeder Fcstveran• Imung zugegen waren, um die Freudcnstinunuug zu erhöhen und die lestgesdhdiaft durch allerlei Künste lind Scherze;n erheitern. Wir hören in diesem Zusammenhang von um• ^erziehenden Jesehiwa - Baelnirim, analog den christlieh-mit• tflältcrliiiicn ״fahrenden Studenten“ (den scholarrs vaganti), die /iisamnien mit den berufsmäßigen Narren, Chorsängern und Musik,!men Wamlcrtrupps gebildet haben und an ver• jehiedenen Stätten, besonders zur Purim- und Chanukkah• Zeit, mit ihre in Repertoire öffentlich aufgetreten sind. Ihnen oblag es, die Festveranstaltungen, die Aufführungen und die indhgkeit, die bunt durcheinander folgten, fröhlich und lebendig /11 gestalten. Die C. h a 11 u k k a 11 - S p i c I e sollen, wie die neueste Forschung 11 ich/tiweiscn versucht, in Anlehnung an die m 111 c I 3 11 e r I i c 11 - a 11 e g o r i s e 11 e ir■ t) i a 1 o g c, die sog. Moralitäten", entstanden sein. Die ersten Spiele, die in Dialogform allgelallt waren, sollen bereits im 11■ Jahrhundert jaclnveishar sein. Aus der Wende des 15. und 16. Jahr• hundcrts slamnen die ersten bekannten Cliainikkah-Spiclc in altiiddischer Sprache. Es handelt sich hierbei um einen dialogisierten זמר לחנוכה von Aron heil Abraham und (wen ״Wettstreit zwischen Chanukkal! und den anderen Wien Festtagen“, der von R. Salman Runkel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt. Vorgetragen wurde dieser Dialog nach der Melodie vier populären deutschen spiel• mimischen Strophe von ״Herzog Ernst“, w׳ie .überhaupt im fi 11 et tu deutsche Weisen sehr verbreitet waren und bei mschicdcncn Anlässen gesungen wurden. Fine Reihe anderer Chanukkal!-!.ieder und -Spiele sind aus dem 17. mul Anfang des 18. Jahrhunderts überliefert. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war man in den (ihettos dazu iibeigegangen, an den Tagen des Clianukkah-Festcs neben den Moralitäten auch andere Stücke, namentlich b i b 1 isehe 1>r a n 1 cn, die sonst vornehmlich zu Purim aufgeführt «unten, /11 spielen. Von der Spielzeit und Spieldauer berichtet du in Frankfurt am Main zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebende Sclunlt in seinen ״Jüdischen Merkwürdigkeiten“: zu Ehaniikk.ilt dauerten die Vorstellungen gewöhnlich acht Tage, «! /war zuerst an den sechs Wochentagen des Festes, Mit, infolge der zwei dazwischenliegenden Schahbate, an denen nicht gespielt wurde, folgten dann zwjei weitere Äulluliriingen!111 den zwei Tagen der Nachfcst/cit. Sehr beliebt war noch als Gesellschaftsspiel die Scherza»d K ä ts c I sc h r i f t, eine Nachbildung der seit dem jl• Jahrhundert auch in der deutschen Literatur auftretenden mtsclpoesic. Die Rätselaufgaben bestanden meistens darin, «h aus cii er neu gebildeten Reihenfolge der einzelnen Buclistahon 1111 Alphabet oder nach dem Zahlcnwcrt der- 1™en man eine Rätselschrift herstellte, im! mittels der- (elhci, den Namen einer Person aus der Gesellschaft oder 1®I! die Zahl der an den Abenden des Chaiiukkah-Fcstes ‘MtmimlciHli'ii Lichter aimideutcn. Man verwandte auch ״i־öu biblische oder gar tahmidisclie Stellen. Daneben hören wir noch von verschiedenen andersartigen FKclligcii Unterhaltungen und Gesellschaftsspielen» mit denen lle, freien Abende der Chanukkah-Tage aus gestaltet wurden. «I festlich gedeckten Tischen wurde viel gesungen und Erspielt. Geschickte Worljoiigleure, Witzbolde und Reimwrniedc erhöhten die Festfreude durch ihre Kunst und *Wagferligkeit. Es wurden, besonders bei den fröhlichen franstalt11״|r1m der jeschiwa-Bacluirim, parodienhafte Clia- »״kkali-Traklate, allerlei Rätsel, satirische Lieder und Calcm- ״״״Es rezitiert. Diese Calcinbou'rgs, meistens scherzhaftmLtlsthe״ Inhalts, wurden mit dem Wort כחבית '), auch Wc0? bezeichnet. 1 Charakter des Festes, sein innerer Gehalt, kam Kanders ciidrucksvnll in der zeitgenössischen Volkslitcratuf ‘״"' Ausdruck, wo das reale, geschichtliche Ereignis in eine I' des Irrealen und Wunderbaren verlegt wurde. Das '01k. dem in der Ungunst der Zeiten ״Geschichte machen“ "c״t mehr vergönnt war, flüchtete sich mit seinen Helden “״״ DroHet! in die phantastische Welt der Erzählung, wo cs 0"1'1״Einig v״,d Trost in Zeiten der Not fand. PICsc1" Geiste entsprach die aus dem gaonäischcn Zeit• 1 ״ stammede ״Megillat Antioclms“, eine lege״• '?eh;uisgcschiniiekte Geschichte der Makkabäersiege über Wur! us Ep'pbäncs. Dieses Huch war sehr verbreitet und w f, ,an den Chanukkah-Tagen gelesen. Eine tun 1580 «undenc ״Megillat Chanukkal!“ enthält eine hebräische *Drar!St!1"*י des Makkabäerbuches. Auch in der Volks• "a*e1' wir einzelne Ucbertragungcn und BearbcivfS /u verzeichnen. Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts ״'» '\;,גל gewisser Elclianan ben Issacliar Kaz ein זאת 11. ln jiddischer Sprache, in den! von der wunder• in ״ . cr*1!Iassung des Festes und die Geschichte der Judith Hebe,,1!?cn, *,־zählt wird. Dieses Büchlein verfolgte noch ._Cl den Zweck, anstatt der üblichen Chanukkah-Spicle, >0m hcbfl:(Katuwcs) stammt wahrsehcmlkh '*[ortwiRi' Das Wort dieser Ueberschrift, ein Begriff des jüdischen Religionsgesetz.es, bedeutet ״fremde Satzung“, und es will in seiner Kürze besagen, was in den Satz.en enthalten ist, die das achtzehnte Kapitel des dritten Buches der Tora beginnen: ״Nach dem Tun des Landes Aegypten, darin ihr sähet, sollt ihr nicht tun, und nach dem Tun des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht tun, und in ihren Satzungen sollt ihr nicht gehn. Was vor mir Rechtens ist, sollt ihr tun und meine Satzungen wahren, in ihnen zu gehn. Ich bin der Ewige, euer Gott!״ Es will also vor dem Juden die Mahnung aufrichten, sich selber nicht abhanden zu kommen, den ihm von Gott bestimmten, ihm eigentümlichen Mahstab durch keinen anderen verdrängen zu lassen. Was dieses Gebot meint, das haben unsere Tage auferlegt. Heute müssen wir jüdisch denken und damit selbständig denken, mag vielleicht auch dieser noch oder jener den Sinn unseres Wortes nicht begreifen und nach Lücken und Spalten ausschauen, urn zu anderen Wegen überzulaufen. Das Geschick zwingt uns heute zu unserer inneren Freiheit, weil es uns zu unserem eigenen Ma&stob zwingt. Denn er bedeutet doch nicht eine Enge für uns, sondern eine Weite, nicht eine Schwäche, sondern eine starke Festigkeit und Sicherheit. Wir können unbeirrt in der Welt leben, in all ihrer Erstreckung und ihrer Menschlichkeit, jeder Nähe in ihr und jeder Ferne eröffnet und jeder Tiefe erschlossen, erst wenn wir dieses eine vermögen: mit unserer jüdisdien Seele darin zu leben, unseren eigenen, den jüdischen, den unabhängigen Sinn zu wahren. Es wird in unseren Tagen von unserer Bibel viel gehandelt; hier wird sie vorgesucht, und dort gemieden, dort verworfen, ln einer Bereitschaft, die wir allzu lange gehegt, das bestimmende Urteil über unser Eigenstes von aufeen her zu beziehen, waren wir dazu selbst geneigt, es über unsere Heilige Schrift von dort her zu empfangen. Zusprechende oder auch nur duldende Worte über sie wurden gern gesammelt; für Moses und die Propheten wurde irgend eine Guthei&ung oder, um den Ausdruck aus der Biedermeierzeit zu gebrauchen, eine Wohlmeinung von anders her zu unserem Zeugnis und zu unserem Beweise. Der Schatz unseres Glaubens - das will uns doch unsere Bibel sein - wurde wie zu einer Schatzkammer der Approbation. Wir sollen aber innerlich frei bleiben. Mahstab für unser Gottesbuch darf uns nur unser jüdisches Wissen sein, alles andere ist chukkat haggoj. Und das ist doch auch der letzte Sinn unseres Chanukkahfesies: dieses Eigene fesihalten, Eigenes denken, Eigenes hoffen, für Eigenes kämpfen. r _ I4CO J$äCCfC0 die wahrscheinlich nicht allerorts stattfinden konnten, gelesen und vorgetragen zu werden. Wie dem auch sei, wir ersehen daraus, dafl die alte jüdische Welt, die noch ein eigenständiges, in sich festgefügtes Leben fiitirte, verstand, Fcstanlässc ausgiebig wnlir/uneliiiien und sic mit dem ihnen eigenen Reiz, und Zauber auch in dunklen Tagen des Ghettoicbens zu feiern. Vielleicht ist es der heutigen Zeit, in der wieder jüdisch geschichtliches Erleben stärker denn je dem Einzelnen wie der Gemeinschaft zuin Bewußtsein kommt, Vorbehalten, die alten Fcstforincu, den! Charakter der neuen Zeit angenaßt, mit neuem Leben und Inhalt auszufüllcn und zur Entfaltung zu bringen. äischen בתב, ab. Es will dann besagen, daß die 'brohi'z• 1111•^ Scherze ursprünglich schriftlich fixiert waren, *uist{1*״' slSt* .Von jeher mündlich fortgepflanzt haben und Wie man früher ChanuEckah feierte ״Purim ist kein Jomtow — und Kacloches (kadachath =■ Fieber) ist kein Kränk!“ pflegte meine Großmutter, sic ruhe in Frieden, zu sagen; und gewöhnlich fügte sic, ohne jeden Respekt vor dem grotesken alten Volkswort, hinzu: ״Aber das erste stimmt so wenig wie das zweite!“ — Schon der gelehrte Moritz Steinschneider macht einmal darauf aiifmerksam, daß das alte Sprichwort, dem doch offenbar der Sinn imiewohute, daß Purim dennoch wie ein Jomtow gefeiert werde, für C11 a 11 u kK a 11 vid eher Geltung besitze. Das ist ein Jomtow, der wirklich Ailtagskieidung angezogeii hat: früh steht man auf wie an allen Werktagen und geht an seine Arbeit, mittags illt man Werktagskost ... Nur wenn die Channkkah-I.ichte brennen, dann verwandelt sieh die All• tagsweit in den Feiertag; aber sobald das letzte Kerzlein, von den Kindern ängstlich bewacht, meist ein wenig schwelend Abschied genommen hat, dann ... ist der Werktag wieder da. — Vielleicht, daß gerade bei dieser kurzen Dauer, die seltsam abstieht von unseru sonst mit völligem Zeitvergcssen gefeierten Festen, Volksbrauch und Vätersittc alles getan haben, um diese kur/.c Stunde in eine völlig andere weit zu beben. ״Am Chanukkah und Purim werden die armen Leute reich“, sagt ein anderes unserer Sprichwörter. — Wie machen sie das, fragt der gemeine Menschenverstand. Sehr einfach, lautet die Antwort: sic spielen. Solange die Chanukkal«- Kerzen brennen, ist ja nach strengem Brauch Männern sowohl wie Frauen — und besonders auch den Schulkindern, die darauf begreiflich hohen Wert legen — jede Arbeit verboten. Au ihre Stelle trat seit alter Zeit das Spiel in vielfältigster Gestalt. Zunächst offenhar — es ist peinlich, aber wahr — das Kartenspiel. Zur Zeit des Antioclius erfand der Satan in eigner Person, so erzählt uns die Sage, das Kartenspiel; 36 Karten entsprachen den 36 Büchern der Lehre: jede sollte eile Heilkraft eines Abschnittes aus der Gotteslehre vernichten. Entsprach doch der Zahlcnwcrt des Wortes ״Karten“ קרטן_ dem Zahlenwerte des hebräischen Wortes für Satan, wie das Buch Bcncj Issacliar meldet. Nur ain Chanukkah darf, ja soll der Mensch spielen; denn in der Clianukkah-Woehc wer• den 36 Lichte angezündet -ץ ein jedes nimmt den bösen Zauber des Satans-Werkes hinweg. Es scheint ja, daß der Jude seiner Natur nach und nicht anders als die Umwelt der ■gefährlichen Neigung des Kartenspiels verhängnisvoll verfallen war. Nicht umsonst wettern die Rabbiner-Synoden des Mittelalters, die Tckanoth, gegen diese Leidenschaft; nicht umsonst schrieb der ebenso wissensreiche wie spottlustige Leon da Modena, dieser viclumstrittcne Wanderer zwischen zwei Welten, ein eigenes Büchlein gegen das Spiel ״Lldad und Mcilad“ — nichts scheint geholten zu haben. Nur dreimal im Jahr« war das sonst verpönte Spiel den Juden erlaubt. Zu den Kartenspielen kamen nun aber alle anderen Arten von Spielen für Groß und Klein: Lotto-Spiele, ein Nüsse-Spicl ״!)arges4' oder ״porschcn“ genannt, weil es dabei galt, durch eine geschickt geworfene Nuß einen großen Haufen Nüsse zum uintalien zu bringen. Oder auch ein bekanntes Spiel der jüdischen Schulkinder, das an ihre Geschicklichkeit im Zusanmicnsetzen hebräischer Worte einige Ansprüche stellte: cs handelte sich darum, ein hebräisches Wort zu bilden, das mit demselben Konsonanten anfing, mit dem das schon von einem anderen Spieler gesagte Wort aufgehört hatte. (Es ist hübsch, daß, worauf Kürzlich an dieser Stelle hingewiesen wurde, gerade jetzt wieder ein neues hebräisches Wörter- Spiel entstanden ist — Kcchu lachem Dewarim von L. Engel-. Elecker — das vielleicht an unseren! Chanukkahtische die Rolle des alten Wörtcr-Spicls ,einnchinen könnte.)Von allen den *» «ur Gelehrten uiid Halbgelehrten zugänglich waren. . Lotto-, Brett- und. Kartenspjclcn 11a.t sieh, heut bei def, Mehrzahl der Chanukkah-Spiclcr wohl nur noch das weitverbreitete ״T r cn d c I" - S pi c I erhalten; Drejdrl oder Stdlein wird es . im Osten genannt. Ein deutscher Name (ur einen Kreisel aus Blei oder Holz, dessen vier Seiten hebräische Buchstaben tragen. ״Ein großes Wunder gesell ah dort“, so erklärt man diese Buchstaben (נ-ג-ה-ש: CV נם גדול היה! Aber das t t» t ( Volk weiß auch eine deutsche — oder jüdisch-deutsche — Erklärung für sic; N(iclits), G(an/), ll(alb), S(tcllcin) — Ein• set/en. Nach Steinschneider ist sogar diese deutsche Bedcutung die ursprüngliche. So trägt das unscheinbare Trendel selbst schon die Spuren einer langen Geschichte und Vercinigimg zweier Sprachgebiete an seinem hölzernen oder bleiernen Leibe. Freilich waren die Kinder, die am Chanukkah eine fast ebenso wichtige Rolle spielten wie an! Purim, mit dem Still• sitzen heim Lichferglanz offenbar durchaus nicht immer einverstanden. Schon Scliulknaben waren ja nach der Vorschrift verpflichtet, ihr Licht an/nzündcii; wir alle erinnern uns viel- Icicnt des schönen Wildes, wenn man einmal zu einer kinder• reichen Familie kam und jeder kleine Junge an seinen! eigenen Leuchter ״Licht zündete“. Aber die Scliulknaben mögen in ihrer Würde als Festordner auch den Charakter der Cha• mikkah-Spiele bestimmt haben. So erklärt es sich, daß das bei jüdischen Schulkindern auch sonst übliche Spiele des ״Sprin• gens“ im Chanukkalilebcn eine große Rolle spielte. Wenn die Juugens sonst über einen oder gar mehrere knieendc Karneraden wegspringen mußten, so handelte es sich an den Chaniikkah-Abcnden darum, über die Lichtchen wegzuspringen, ohne sic zu verlöschen. So machte man'*, wie wir hören, in Ostfricsland; anderswo (etwa in Hannover) hiipltcn die Kinder im Kreise um die Lichte herum oder tanzten mit den Lichtern durch die Zimmer. Ob der ostfriesische ludcnbrauch eine Erinnerung an den Johannisfeuer-Brauch der Umwelt darstellt? Wir sehen ja in vielen jüdischen Bräuchen, besonder# aus alter Zeit, ähnliche Beeinflussung durch die Sitten der Umwelt, die in jüdischer Weise tinrgeformt und ausgclegt werden. — Dann aber würden Goethes schöne Johannisfeucr- Verse ganz besonders auf die über die Chanukkan-Liehte sprinf־-<- *•'--״ ״,־ ־'־“־‘"־' ־־ ־’־ "־ ' י ־ J11ha1111ist<M1cr sei unverwehrt, Die Freude nie verlöten! Itr-cn werden immer Mmnptgfkehrt, Und Jungens immer geboren. * Aber auch für die Großen gab es Kurzweil aller Art an Chanukkah, Der Maharil, der im 14. Jahrhundert in Mainz und Worms wirkte und in Worms begraben lie^t, lud an diesem Feste seine Schüler und Anhänger zu sich in das ״Haus der Bacliurim“, wo er, entgegen dem sonstigen Brauche, mit seinem Schülerkreise wohnte, während seine Familie ge• sondert hauste. Dort gab es ein festlich Mahl; und während der Mahlzeit unterhielt man sich mit Rätselfragen, Reimen, Scherzen aller Art. Aus ihnen entstanden die jüdisch-dcutsehen Chanukkah-Spicle, die heute vergessen sind und von denen manche nur noch als Rarissima in der Bodlciana in Oxford aufbewahrt werden. Da gibt es etwa einen Wettstreit zwischen Chanukkah und dem Schabbat, oder zwischen Chanukkah und den übrigen Festen. Oder ein Semer (Lied) Lcchanukkah, das also anhebt; Mir wölln zu singen heben an. Und wölln die Leute wiv.m Inn, Worum «ה־*־ (dah) wir Chanukkal( han « « Manchmal wird auch die Hasmonäergcschichte parO• distisch erzählt; oder gar in einen neuen Zusammenhang mit der Judith-Gcschiclitc gebracht. Denn die ״Hasmonäerbraut“, von der die Sage erzählt, spielt in der einen Fassung die Hcklenrolie einer Judith, die den Feind mit eigener Hand zu Boden streckt; während sie in der anderen Fassung nur das Amt hat, Brüder und Volksgenossen zum Kampfe wider den Unterdrücker aufzurufen. Vielleicht hängt cs mit dieser Rolle der tapferen Hasmonäcrfraucm zusammen, daß in den alten Vorschriften Chanukkal! den Frauen besonders ans Herz gelegt wird. Die bekannteste dieser Frauengcstaltcn aus der Hasmonäerzcit ist ja die fromme Hanna mit ihren sieben -Söhnen, deren heldenmütiges Sterben schon das alte Volksbuch de» Mittelalters, der ״Josippon“ (losephus) 80 lebendig schildert, daß jüdische wie nichtjüdischc Dichter die Sage wieder neu belebten. Bath Hillel.