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Jüdische Rundschau · 1934-11-30 · Heft 96 (30.11.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 96 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 dem Werk von Amami enthalten, uni zwar In systematischer Ordnung; mich kein Stück aus der kühnen und prachtvollen!Beispiels,■inmilung bricht je aus dei Reihe. Alles ist aut das 1kühne Ziel aiisgcrichtet, den Sinn der gegenwärtigen Lebens• krisc zu umschreiben und auf/ulielleii. Diese Aufhellung er• scheint dem Verfasser mit der Beantwortung der Frage mög• lieh, ob unsere moderne europäische Daseimiforin aitmcnscliliclicr Tradition entraten und zum sclbslgcnügsanicii System menschlicher Uebcrlieferung werden kann. Der Verfasser ver• stellt die heutige Weltlind Lebenskrisc so: ״Es liquidiert — zerrinnt und zersetzt sich — ein Jahrhundert der Romantik, der geistigen Ersatzwerte und des Historismus zugunsten einer sachlichen Epoche, die geistig nicht reicher und besser scheinen will, als sie stofflich und leiblich ist — vielleicht weil sie ihre Verstrickung ins Technische nicht mehr als uncrlebtcs Schicksal erleidet, das man mit Talniidekorntionen verkleiden muß, sondern als düster spannendes Abenteuer — der ärgste Verneiner der Gegenwart wird sie nicht langweilig nennen. Dieses restlose Sehen des Gegenwärtigen, das auftrumpfende Verzeichnen ihres ganzen Inventars läßt unsere Zeit so naiv und barbarisch erscheinen. Von dieser Tagcsschau 11er wird sie über kurz oder lang mit der gleichen naiven Neugier dem Vcrga ngenheilserbe der Menschheit gegenübertrden. Just eben dies bedeutet unser Ausgebern von der absoluten Tradition — von der waldlosen Fidle des sozial Wirkenden. Jedes Element ist liier bewegbar und veränderlich, aber wandelt sicli nicht notwendig an allen Orten und zu jeder Zeit, und die ,ruhen• den‘ Elemente müssen nicht die schwächer wirkenden sein, wie der 111 timt des romantischen Historismus meint. Dieser kennzeichnet Räume und Epochen nach den ihnen cigentüm• lieben oder den etwa neu auf tretenden Besonderheiten, die vielleicht nur geringe Bruchteile ries dort tatsächlich Wirk• Minen, sind. Aber in einer alten Stadt werden Hauser aller Epochen und Stile gleichzeitig bewohnt, älteste Mauern mögen am sichersten dauern, ohne aber ,grundsätzlich*' der Spit/haiie des Maurers zu widerstehen. Man kann die gcschichts• und kultiirphilasopliisdien Be• tracblungen Ainanns zur Gegenwart für zu österreichisch, übergescheit, ״allmciischlicli“ nehmen, man kann seine Kern- These von Altland und Neuland verwerfen oder nicht trag• fähig genug für ein so gewaltiges Panorama des europäischen Schicksals abscliätzc», doeli niemand wird dem Verfasser 1k- Wimderiiug für die Meisterung seines so hochgesteckten Zieles versagen, das in nichts Geringerem als in einer Gesamt• nnsicht und Entwirrung unserer scheinbar so hoffnungslos Vcrknänelten, in! tödlichen Kampf liegenden Kulturen und Sinngebungen bestellt. Der Weg, auf dem auf dieses Ziel hier losgesehritten wird, ist das Wesentliche; auf diesem Weg sind Paul Ammin Einsichten, Formulierungen und Fumlamcn• tal-Erkenntnisse geglückt, die bleiben werden. Jüdische Ehrengäste bei der Londoner Prinzenhochzeit London, 28. November. (JTA.) Das englische Königspaar hat zu den Feierlichkeiten anläßlich der Vermählung des Herzogs von Kent eine Anzahl jüdischer Personlichkciten, unter ihnen den Oberrahbiucr 1. H. Hertz, Lorti R e a d i 11 g und die Mitglieder der Familie Rothschild geladen. Diese nahmen auch an dem offiziellen Empfing fnr die Ehrengäste teil. Bei dieser Gelcgcnheit überreichte Oberrahbiucr Dr. J. H. Hertz, dem Brautpaar ein Exemplar seines ״Book of Jewisli Tlioughts“, das unter dem Titel ״Jüdische Gedanken und Gedanken über das Judentum“ auch ins Deutsche übersetzt worden ist, als HoclueitsgcschcnU. Nach den Prager Demonstrationen (Von unserem Prager Korrespondenten.) 11.1. Prag, 27. November 103t. Am heutigen Tag herrscht in Prag wieder vollfc 0 111 in c 11 e Ruhe. Die foitsdii ittlicbc tschechische Presse verurteilt scharf die Demonstrationen und weist auf Ihren eigentlich politischen Hintergrund hin. Die Erregung über die drei vergangenen unruhigen Tage klingt jcdoeli in der OcffcnllichUcit noch nach und insbesondere die antiscmltische Hetze hat die Massen in einem bedenklichen Maße aufgewühlt. Montag kam es noch zu einem Demonstrationszug der tschechischen Studenten auf dem Wenzelplatz, wobei antideutsche und a n t i j ft 11 i s c 11 c Spreche höre gerufen wurden. Das energische Eingreifen der Polizei machte der Demonstration ein Ende, Dazu wird uns aus Wien berichtet, daß bei der gegen 'die Tschechen gerichteten Protest-Demonstration der dortigen deutschen Studenten gleichfalls antisemitische Teildenzen hervortraten, läies ist ein Spiegel der Judenfrage: ln Prag gegen Deutsche und Juden (weil sic deutschfreundlich seien), in Wien gegen Tschechen und Juden (weil sie tsciicchenfreundlich seien); auf alle Falle gegen die Juden ... Ritualmordbucli In Oesterreich beschlagnahmt Wien, 29. November. (JTA.) Die vor kurzem im Ulrich Moser-Verlag erschienene und in der Grazer Univcrsitäts- Druckerei Styria gedruckte Ritualinord-Hctzschrift: ״Gibt cs jüdische Ritual morde?“, gegen deren Verbreitung von der Wiener Israelitischen Kultiisgemciiide als Vertreterin der österreichischen Judenschaft Einspruch erhoben worden ist, wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. . .y?" dc" fi,r das Halbjahr Oktober 1934 bis März 1< bewilligten 750t) Palästina-Einwanderungszcrl fikaten sind 5000 für Männer und 1900 für Frauen I stimmt. Beachten Sie bitte unsere Rubrik ®ייי Anzeioentell dei* heutigen Nummer .. - 1[r, JÜDISCHE RUNDSCHAU _Nr, %, 30 XI. toi. fl!3 Df1 |ss״Dl f ff f\ 1 vy 1 Ci «»־ '•«">/ <■'••'׳! Jtf% _ ״ . , _ ״ ’ schäften ist klein, und die Zahl der Esser ist in de!• u, , Im Judenvierid von Paris proß. Und so sieht man denn die Geschäfte mit kusche Von unserem Berichterstatter F. G. Paris, Im November Ein so ausgesprochenes Judcnvlcrtcl wie es andere Welt• st,adle, r. B. London oder New York, besitzen, hat^ I'ans nicht aufzuweisen, Wenn man aber auf der Metro die Station St. Paul verläßt, und die dort um die Station limimhcgcnden Straßen durchwandert, dann merkt man doch auf Schritt und Tritt, daß man hier in so einer Art von jüdischer Res ervation sieh befindet. Hier ist urältestcr Pariser Boden, hier wird ein ganzer Stadtteil jetzt nicdcrgelegt, dessen Baulichkeiten bis in das Mittelalter hlnelnrcicbeu, 11111 moderneren, hygienischeren und von Ratten weniger bevölkerten Straße« Platz und Luft zu machen, Wie es sich für einen solchen ehrwürdig alten Stadtteil gehört, sind die Straßen und Sträßchen eng und schmal, die Häuser brüchig, die Wohnungen traurig, das Ganze man möchte beinahe sagen überglänzt — von einer uralten Patina. Hier haben sich nach der russischen Emigration seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts alle die Juden liingercttct, die in Paris haften blieben, und hierher sickert immer noch ein wenn auch jetzt dünnerer Fluß von Auswanderern aus dem Osten und Süd osten durch, um sich an die Stelle der Glücklichen zu setzen, die schon in die luftigeren und gesünderen Stadtteile ziehen. Hier begegnet mm auf Schritt und Tritt den ühlkhen Altwarcnhamllungcn, den kleinen bescheidenen, dürftigen Garküchen, ISuehhandlungai, deren Schaufenster und Auslagen von oben bis unten mit jiddischen mul hebräischen Zeitungen und Büchern ausgcfüllt sind, aus deren oftenen Tiircn ein Grammophon die wehmutigen Sänge der Hatikwah hinausschmettcrt, und vor Jedem laden und vor jedem Schaufenster ein Interessiertes Publlkum, das in seiner tiefsten Armut doch immer noch das höchste Gut des Juden in seiner langen Lcidenszelt sichtbar schätzt: die Geistigkeit und die Erzeugnisse des geistigen Lebens. Wir betreten ein unwahrscheinlich altes Haus, das mit Strebepfeilern gestützt wird, uiul glauben uns 111 eine kleine Stadt Polens oder Galiziens versetzt. — Es Ist Freitag Vorabeml. ln all den kleinen Zimmerehen urnl_ Liiiput-Wohliungcn herrscht ein geschäftiges Treiben. König Schabbat ist im Anzüge, und alles hastet und eilt, um ihn rechtzeitig und in aller Dürftigkeit doch mit der möglichsten Würde zu empfangen. Soweit es möglich ist, sind Vorplatz, und Eingänge ebenso wie die kleinen Zimmer sauber gescheuert, überall umfängt uns der Duft der Barchcs, und die traditionellen Ocriehtc des Freitag-Abends lassen Ihre chnraktcristisclien Düfte durch Haus und Hof wehen. Auf dem zweiten Ffof liegt eine kleine behelfsmäßige Synagoge, wo nach altem polnischen Ritus gebetet wird, eine bescheidene, fast armselige Gebets• sfälte, die aber kaum die Masse der Besucher fassen kann, und die von der Inbrunst der heißen Gebete fast gesprengt wird. Es ist rin rührendes und zugleich erhebendes Bild, wie alle die Menschen, die von des Tages bitterster Sorge ver* zehrt werden, hier am Freitag-Abend die heilige Weihe zu empfangen scheinen, die sie hinaushebt über allen Kummer und Trübsal des Lebens, und sie für vicruntlzwanzig Sinnden zu unbeschwerten, glücklichen und zufriedenen Geuießern des Heiligen Schabbat umformt. Der Gottesdienst ist beendet, und von aßen Seiten her hasten dunkel gekleidete Gestalten in die Häuser, um beim traulichen Licht der Schabbcslampc den Schabbat zu empfangen. Das geschäftige Leben auf der Straße aber nimmt Weiter seinen ungestörten Gang. Einige Läden sind zwar gcschlossen, zur Heiligung des Schabhats; aber der Existenzkampf ist schwer, und der Verdienst bei diesen Liliput-Ge- .Irisch und Wurst nach Maßgabe ihrer materiellen'm.im hell erleuchtet, denn nach Uesdiäftssrhluß kommen!ץ reiche Glaubensgenossen aus anderen Stadtteilen liierlier dieses Viertel, um hier die gute, koschere clsässische W«*! und die besonders gelobten, knusprigen Barchcs zu km|^ Ein!großer Teil der mehr als bescheidenen Geschalt» wickelt sich hier auf offener Straße ab, und man ist , staunt zu sehen, wie relativ der Wert eines Gegenstandes H je nach der Gegend, wo er seinen Besitzer wechseln soll. W' werden Dinge verkauft, von denen man sonst nur glauben möchte, daß sic ln den Abfalleimer gehören, und um »in altes zerbrochenes, eisernes Bcttgextcll mit einer entsprechend zerrissenen Matratze bildet sieb direkt ein Auftauf — 8ןן~ selbstverständlich auf offener Straße — weil mehrere Inter• cssenten mit dem Verkäufer in eine lebhafte Bicterdiskussion eingetreten sind. Hier begegnet man auch noch auf Schritt und Tritt(!״ traditionellen Tracht der polnischen Juden; dem Oial.it, df« Straimcl, und selbstverständlich auch den!,des. Wundervolle Typen unter diesen alten Gelehrten und Talmudisten, die hier in dem kleinen Glieder ebenso unbekümmert und weitab, gewandt ihr Blatt ücmarah fernen wie etwa in Pinsk oder \n Minsk, die ebenso gleichgültig gegen des Leibes Notdurft *ind, wie sie cs in ihrer polnischen oder russischen lleiuut waren, und die eben nur einen Gedanken, eine Leidenschaft eine Lebensaufgabe haben: das Wort Gottes zu studieren, sich zu versenken in die heiligen Bücher, und der Kavvanah’teilhaftig zu werden, des Glücksguts des tief im Lernen Ver- *unkenen. Hier kennt sich natürlich aucli alles, und hier nimmt jeder an dem Schicksal des anderen teil; die Kinder gehen m dieselbe Schule, haben ztun Teil denselben Melamcd, und 111er hört man auf Schritt und Tritt — ein Zeichen der neuen Zeit — auf der Straße hebräisch sprechen, Palästina ist liier ein klarer, großer und uuverriiek• barer Begriff. Jeder, ob jung oder alt, träumt hier davon, soviel zu erwerben, um nach Palästina auswandent zu können. Die Alte«, um auf dem geheiligten Boden der Väter ihre letzte Ruhestätte zu finden, die Jungen, um diesen gelicüigtm Boden der Väter mit ihrer Hände Arbeit zu erfüllen. I’alisti. nensisdte Produkte sind überall zu haben; in den Bitclihandhingen locken Führer, Ansichtskarten, Bücher, Zeitungen, Pro. pagandaschriften zum Aufbruch nach Palästina, und wenn man sich mit den jungen Menschen über ihre Zukunft!■ absichtcn unterhält, dann hört man von der übewiegenden Mehrheit: ״Selbstverständlich gehen wir nach Palästina'* — Selbstverständlich.... Gegen die Fremden (Von unserm Berichterstatter) F. 0״ Paris, Ende November IW. In der Zionistischen Organisation ״Ost und West“ sprach Herr Neiditsch über die Palästina-Sehnsucht des Barons Rothschild und seine Bemühungen um das Ei• starken der jüdischen Kolonisatkmstatigkeit in Palästina. Seit dem Attentat von Marseiile hat man hier eine scharfe Note gegen die Fremden angeschlagen. Da djesc Fremden zum großen Teil Juden sind, so wird der Feldzug gegen sie unternommen. Man geht jetzt mit unerbittlicher Scharfe gegen sie vor, cs werden große Razzien veranstaltet und man weist sic, ohne Rücksicht ׳darauf, oh sie hier eine Feistem• grundlagc gefunden haben oder nicht, unbarmherzig zu Video Hunderten aus. Es finden fast täglich jüdische Versammlungen statt, in denen gegen die Aufhebung des Asylrechts protestiert wird. Ob die Bemühungen allerdings Erfolge zeitigen werden, erscheint nach der innerpolitisclieii Lagtziemlich ungewiß. Die Folge dieser Vorgänge ist, daß jetzt schon zahlreiche begüterte Familien freiwillig das Land verlassen. Man kann annchmcn, daß die Abwanderung, «lic von Tag zu Tag stärker wird, auch manche Geschäfte und fmlustrirn zum Erliegen bringt, die eingewanderte Juden hier geschaffen haben, JÜDl: Vol u seiner! diese volle® Mit 1 des ־'״ feste■1 | ־ b stimm1 (iassc fenrü' Chjnti ihrer .. zu h.' aus 1 Zu . dazu.; ncbe'i : sch,, wirre! der ן!י Icbei!« ׳. Chai i imu ׳ ..׳ und, , dem, Auf f*>: Antisemitische Ausschreitungen in Polen Au der Lcmhcrgcr Universität kam cs neuerlich zu antisemitischen Demonstrationen seitens der nationalistischen Hochschiilcr, die den Versuch machten, die jüdischen Hoch* Schüler aus dein Universitiitsgebäude zu verdrängen. Die Demonstrationen wurden durch die Universitätsbchördcn unter Inanspruchnahme von Polizeihilfe unterdrückt. Anläßlich eines von nnfionaldemokratisclien Studenten veranstalteten Massenbesuchs am Grabe des Studenten Grot• kowski, der vor zwei Jahren bei einer Schlägerei getötet wurde, kam es am 27. November in Lemberg zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. Versuche, wiih• rend des Zuges zum Friedhof jüdische Passanten auzugrrifen, wurden zwar von der Polizei verhindert, die die Studenten auseinandertrieb, Nach der Rückkehr vom Friedhof sammelten sich jedoch wieder größere Gruppen von Demonstranten, demolierten ein jüdisches Oeschiift in der Lvcznkowcrgassc und überfielen jüdische Passanten, die erheblich verletzt wurden. Erst nach einiger Zeit wurden die Exzedcnten von der Polizei zerstreut. Am Nachmittag wurden die Fensterscheiben der Universität und der Technische» Hochschule, vor denen Bomben zur Explosion gebracht wurden, durch den entstandenen Luftdruck zertrümmert, Abends war die Ruhe wieder hergcsicllt. Wa rs cli a u,23. November. (JTA,) ln dem Städtchen wawrzc haben unerkannt gebliebene Täter In die Apotheke eines Juden eine Bombe geschleudert, durch die das Innere der Apotheke vollkommen zerstört wurde und der Apotheker schwerste Verletzungen erlitt. An seinem Aufkommen wird gezweifeit. In der Kreisstadt Kiclce wurden Stinkbomben in ein einem Juden gehörendes Kino geschleudert. Die Vorstellung mußte unterbrochen werden. Eine Bombe war in ein Papier gewickelt, das die Aufschrift trug: ״Richtet die JudenI“ — nnd In Bukarest Bei einem Vortrag des Schriftstellers Leopold Stern m der Staatsbibliothek ״Fundatia Carol“ über ein nichtjüdisches Thema kam es zu Zwischenfällen. A n t i s e m i t i - sehe Studenten unterbrachen den Redner, beschimpften ihn und bewarfen ihn mit faulen Eiern. Der Vortrag mußte unterbrochen werden. Die Studenten zogen hierauf in geschlossencrn Zuge durch die Hauptstraße Calca Victorlei, wo sic neuerlich antisemitische Ausfälle unternahmen. Vor dein Cafö Royal blieben die Studenten stehen, stießen Schnull• rufe gegen die Juden aus und schlugen die Fensterscheibe des Cafes, dessen Besitzer Juden sind, ein. Die Polizei schritt ein und nahm mehrere Verhaftungen vor. Zur Lage der Juden in Rußland Moskau, 18. November. (JTA.) 111 dem ukrainischen Kreis Winitza, der eine jüdische Bevölkerung von uj* 4<X)000 Seelen besitzt, sind offizielle Untersuchungen un« die Lage der Juden in den KI c i n s t ä d t en durc geführt worden. Die Untersuchung erstreckte sich auf die » scliicdcnsten Städtetypen, auf Städte mit vorwiegend 1« striellem Charakter, aus gesprochene Laiulstädtclien, in <h die Agrarwirtschaft die Hauptrolle spielt, und auf Ortscnar ohne besondere ökonomische Prägung. Bemerkenswert ist. ‘ in den Be richte 11 der Untersuchungs-Kommissionen dar11 ' geklagt wird, daß abgesehen von der Schule, in den ®י• ' keine sogenannte Kulturarbeit geleistet wird. Der Lu1'1'11*״ ״klerikalen Element e“ sei noch sehr stark. Städtchen Sc hat owe z. B. mit seinen 85 jüdischen ram1 » von denen 74 im landwirtschaftlichen Kollektiv organisiert s ׳ hält sich einen Rabbiner, einen Vorbeter, einen Seinem er, einen Melamcd, der einem Chcder vorstcht. Pas sc Gebäude ftn Städtchen ist die Synagoge, Der einzige __ schritt“ In Schatowc — so heißt es ironisch in dein ßcnc“ ,, ist der, daß an der ״Misrach“-Wand in der nicht mehr der ״Owir“ (reicher Bürger) des Städtchen-, dern der Vorsitzende des Kollektivs den Ehrenplatz 1״t,. übrigen wird festgcsteilt, daß in wirtschaftlicher sicht das jüdische Städtchen in der Ukraine sein a vollkommen verändert hat. Ortschaften, dlC “״״j vorwiegend händlerisches Gepräge trugen, sind heute g* . gar zu Zentren der Produktion geworden. Die große A ן( acr jüdischen Bevölkerung, die früher von Handel un ן" geschälten lebte, stellt heute eine arbeitende Masse vielen Städtchen wurden Fabriken errichtet, m _ größte Teil der jüdischen Bevölkerung beschäftigt tsi ״ günstig ist die Lage der jüdischen Stadtr and-Sie Die Siedler leiden unter Bodenmangel und werden . . fUp zuständigen Stellen nicht genug beaufsichtigt und |rj Die Handwerker-Kollektive leiden an Rohstoffmangel• mehr Initiative seitens der Oewerbe-Organisationen k schönste ״Fort• •ןת!ו •/<׳. ׳• r 'ö't\ '■y.f v ■ ‘Wa ,()/ m Vor Wc ob! «IC

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