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Jüdische Rundschau · 1934-11-30 · Heft 96 (30.11.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 96 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Nf 96, 30. XI. 1934 f1eL,ןוו. f: ah ' |fftn hilf!,( ■ ״;׳"L!n |ns j), I Wird, te aiih! t 11*111(', In; llll.l! Jlllllli tr Zeit Ruß. *'׳ f'ro. י sc:in: (nf der ו \v11)׳ä » Ihrer l'S [׳{. I׳r »11 m! (et ist Men, Kriifte k! (I״ t Weil, liiaavcjj. iw, dis l״f die tu, die I w״|. ts Zio. werde!! k nr. |ür?lkh i »aßt«, *! und jtiandcn jo Welt I seiner ו Rmfi• Lüsche )1 niclit i jedes, l glaubt »Hebel« : n i c 111 1' Warist da!) jilli.nien jlscliatt, lul u«ui Inul ge« 111 pro, I dieses (im cuts, tim die |l wenn toll aus (erden? »eginiff, t! 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Paul Amin״, als Ucbcrsct/cr von Romain Rolland, Maejerlink, Charles Bomlouin und zahlreicher literaturhistorischer ״ß ktiltiirplnlosophischer Arbeiten bis jetzt noch irn Schatten der großen Deister, denen er seine Mittlcrdimstc lieh, tritt .״jt einen! ei .:neu grollen vollendeten Werk über den Kulturwamlel der Menschheit hervor. Auch wenn man mit teils!Djicliorenuii. teils wohlerworbenem Mißtrauen an diese Sorte ,on Weltuul Erd/citen iiiiispaiiiicndeii Konzeptionen geht, die tm'lam'holisch stimmende eigne Erfahrung mitten im Ur- «kl des ewigen Biieherniacliens dazu nimmt, so wird man nach einem nieht leicht gewonnenen Einblick in das Gefüge des liier aufp eriehtetcn (iedankengerustes mit!;einen Pfeilern, Stangen, Querbalken und Klammern rückhaltlose Bewunderung (,irden vielriimiigen und doch klaren Bau aussprechen dürfen. Ms»!viril aussprechen dürfen, daß Paul Amann die großen ״morplmlogis.'111*11“ Deutungen der Menschheit*• und Erdjcseliichle, die im letzten halben Monscheualter in deutscher Sprache .innerhalb des fachwissenschaftlichen Betriebs aufgetaucht sind,!!־eit hinter sich laßt, Spenglers ״Untergang te Abendlandes‘' und Brcysigs vielbändige Versuche über den Weideging der Menschheit!lieht ausgenommen. Am ehesten läßt sich ״Tradition und Weltkrise“ (dieser Titel von Anianns Werk ist das einzig Uriprägnante und Unbedeulernte daran) mit Edgar Dacques erd- und geistesge-!chiclitlichcn Buclicrii vergleichen. Der Eigentümlichkeit und Selbständigkeit des Werkes, das nicht gut in eine der Schub- Wen unserer herkömmlichen Bibliographien paßt, wird nur tine gedrungene Nachzeichnung des außergewöhnlichen Inlults gerecht: dabei wird sich von selbst hcrausstcllen, warum zuerst liier in diesen Blättern von der neuen realistischen Kultur- und (icscliichtsphilosophic Anianns (das Buch ist Hugo Bergmann und Ernst S i in o n /.!!geeignet) die Rede sein muß, die Rede sein muß von einem Werk deutscher Bitdüng (nicht nur im sprachlichen Sinn), das sich in anderen Zeiten durch sein eigenes Schwergewicht an die Spitze un-!eres sich nicht an Fachkreise allein richtenden Wissenschaftliehen Schrifttums gesetzt hätte. Das nicht unmißverständliche Wort ״Tradition" ist lür den Buchtitel gewählt, obwohl der Verfasser fast die Hallte einer sehr konzentrierten und übersichtlichen Darstcl- Sung braucht, 1un Definition und Umriß der ״Tradition“ sowie Methode der Traditionsforsclning so zu sichern, daß ein Vorleid zu seinem eigentlichen Anliegen, der Hypothese von altmciisclilichcr lind jimgmensclilichcr Tradition, zubercitet ist, Bei dem umfassenden Sinn, mit dem hier die ״Tradition“ als der Inbegriff aller durch sozialen Kontakt übermitteiten Güter der Menschheit verstanden wird, liegt das Schwergewicht des Ganzen auf der Erörterung der komplizierten Vorgänge, die ,1׳hl;iiifen, wenn sich Tradition bildet, und vor allem der bewußten und mechanisch geübten Formen einer Tradition im engeren Sinn. In diesen! ersten Teil wird zunächst nur rinmal die Kette von Ursachen, Eiitstehiingsunistäiiden, iunefen und äußeren Vorgängen, die eben das wirkende, ständig fließende Lehen ״Tradition“ ausmaeheii, ferner die induktiv gar nicht atf/ulöseiide Verstrickung und Verfilzung von Lebensrückslän len und Traditionselementcn, ihre Verstärkung Und Absclne ieliting, ihr Bedeutungswandel und der Mcchanis- 1״u8 ihrer Antriebe und Hemmungen in einem geordneten Verfahren bloßgclegt und vollkommen sichtbar gemacht. Dies Rcscliicht nicht etwa in einer abstrakten philosophischen KondruUjmi, sondern in einer überaus lebendigen, nie von der Hjuptlinic abirrenden Boispiclgruppicrung, wodurch ohne Einbüße an methodischer Schärfe und an wissenschaftlich streu- 8fr Haltung jede Ermüdung vermieden wird. Der chaotische Sachgchatt der Tradition als Art Arsenal der Menschheit wird durch eine glückliche Abwechslung von Deduktion und In* duktion so beliebtet, daß mehr Ordnung und Ucbcrsicht in *8 Ganze kommt als durch die Mittel der pragmatischen Geschichtsschreibung oder durch eines der vielen soziolo- E'schen Verfahren, die von der modernen Gesellsdiaftswissen- Kbaft in so reicher Fülle geboten werden. Die Gefahren eines kasuistischen Zerfalls In Einzclbcob- *chlungen werden fast immer vermieden. Es ist gar nicht >״‘krs ״!״glich, als daß der Verfasser da, wo er ins Ganze ״־r Tradition jm absoluten Sinn die herkömmlich engere Bedeutung׳ des Begriffs cinzuordnen hat und auf die inneren Vtramler״n(׳e11 zu sprechen kommt, die das ursprüngliche baditionelle Erbgut durch krampfhafte Bewußtheit und Ab- *mitliclikeit erleidet, das Parade-Beispiel des gesetzestrcucn '™iudcutiinis zur Illustrierung seiner Thesen mit hcranzicht: " 'r Ostju le, der heim Taliniid-Studiun! scharfsinnig unter* Sllu1t, welche Entschädigung dein Juden gebühre, dessen Kuh 101״ fkhseu seines Nachbarn verletzt wurde, ist dabei vom wiierntiim seiner palästinensischen Väter weiter entfernt, als ״ unwissinde jüdische Viehhändler, der Kühe auf den Markt ״Es ist nicht arg übertrieben, wenn man sagt, die üRehörigc 1 solch einer in sich verkrampften Tradition sehen , r.c tatsächliche Gegenwart wie wir die Zeit vor dreitausend L!fcn• Unmittelbare Erschütterungen, wie Pogrom und Aus* funing, werden erst durch Begriffe verstanden, die der Cicscliichte des Volkes Israel entnommen sind.“ Aber . *Im vergißt auch nicht eine andere Beobachtung hinzu* 1: ״Noch Pfarrhauschroniken des Dreißigjährigen Kriemin r'Chc" ^ranKsale durch Schweden oder Kaiserliche nur ' Ws Foimcn und Bilder, mit denen Propheten und PsalfcV*?rauer Vorzeit Verheerungen durch Aratnäer oder Tmer cr vv;'i'rHaft verewigt haben.“ Das Kräftespiel der Vs׳■ r״’ das hier so erfolgreich aufgespürt wird, bietet Cr . c" 1md Verkehrungen, die sich verkürzt nur durch vtaki C B,’ispieltypen deutlich machen lassen. Die Beispiel- Trii 'S* Amann so getroffen, daß wir in dem ersten ,״■* ן« Werkes nichts Geringeres als die Grundlage zu enu tc",l:n ״Soziologie“ des neueren östlichen Echt ״Vl 1*liehen Judentums erhalten. Der Verfasser «»bei vom traditionstreuea Judentum östlicher Prägung als klassischem Beispiel einer vcrsteift-bcwiillteii Ucherlieferttiigsniassc aus, wobei übrigens bezüglich der Sachgchaltc der Tradition (Handel und Wandel, Werkstile, Sprache) eine weitgehende Aiigleidumg an die Umwelt festgcslellt wird; Von hier aus fallen <1.11111 auf die Art der Traditionsbewnhruiig des .1 s s i 111 i I i e r t c 11 Judentums ganz neue Lichter; die Reste des jüdischen Traditionsstoffes in diesem Umkreis werden mikroskopisch gesichtet und dabei höchst erhellende Einsichten gewomieii, etwa die Erkenntnis, daß auch die tradi* tioiiKsehwaehc Judenschaft von der Umwelt als fremd gewußt wird, woraus bedeutsame Schicksale entstehen. ״Dieses Eigenbewußtscin einer aiisgclaugtcn Tradition war energisch genug, seit einem Mcnsdienalter sogar im Westen (vor allem aber im Osten) eine Bewegung nationaler Wiedergeburt in Gang zu bringen, die zum Teil auf dem Weg des Studiums die Tradition wieder zu Verdiehlen und aufzufülleii sucht und ihr Ideal schließlich durch die W i e d c r I! c 8 i c d 11111 g Palästinas erfüllen wird; soweit das gelingt, geht auch dies nicht ohne Assimilation ab: der jüdische Bauer da unten ist in mancher Hinsicht ein editcr Kolonist aus Europa, der auch seine Geringschätzung dca Mutterlandes mit anderen Kolonisten teilt. Wo aber bei der Assimilation von Juden au europäische Umwelt wirklich die Bedingungen unseres ticdankciiexpcmneiits, von dem wir ausgingen, /.״treffen, wo also die Umwelt-Tradition restlos aufgenommen wurde, ohne daß dem Assimilierten oder seiner Umgehung sein Ursprung bekannt wird, ist Eingliederung erfolgt. Zu stark abweichende Körpcrhildnng hat dabei mir soziologisch gehemmt, indem sie che״ die letzte Bedingung nicht zuließ.“ Die Judenfrage als Nasen- und Namensfrage! Kein Beobachter nationaler oder sonstiger Gruppentncrkmale ist indes soweit von einem einseitigen idealistischen oder grohmaterialistischei! Ursachen- Monismus entfernt wie gerade Amann. In unserem weitverzweigten Schrifttum der Völker- und Staatcnknnde, der soziologischen, sprachwissenschaftlichen, philosophischen und historischen Literatur ist der Knäuel der Völkermul Staatenbildenden Kriilte der Tradition kaum jemals so vielseitig und mit so strenger Begriffshildttng zugleich entwirrt worden wie hier. Auch die Abtönung sachlich übereinstimmender Tradition wird bis ins Kleinste erkannt; die Ergebnisse der praktischen und wissenschaftlichen Pädagogik und der vergleichenden Sprachwissenschaft werden überall herangezogen; besonders fruchtbar wird das Gesetz von der Freizügigkeit des Bewußtseins, das ja gegenüber jedem Traditionsclcment herrscht, auf das Traditiousphänomen angewandt: das tatsächlich Fremde m u ß subjektiv nicht fremd erscheinen. Was ist ״echt"? Was ist ״fremd“? Den drei wichtigen Typen des Traditionswamlcls: Religionswechscl — Sprach Wechsel — tcchnischc Neuerung, sind systematische Untersuchungen mit einem fast erdrückenden realistischen, aber immer geordneten und geklärten Material aus dem Gesamtbereich der Geistes- Wissenschaften gewidmet. Durch das Gewirr der Sachgchaltc und Wirkungsweisen der Tradition dringt immer wieder der leitende Hauptgcdaiikc des Verfassers von der Einheit der gesnmtmensehliehen Güter und Formen und Geschicke. ״Hinweg über alle Mannigfaltigkeit örtlicher und zeitlicher Sondcrcntwick* 11mg ist die Gesamttradition der Menschheit eine zusammenhängende Realität“ — trotz der sprachlichen Zerspaltung der Tradition (dieser sprachlichen Seite ist durch das ganze Werk die besondere Aufmerksamkeit und Sachkunde des geschulten Sprnchcnforschcrs und Ucbcrsctzcrs zugewendet), trotz den Besonderheiten der Rassenhcgabuiigeii, trotzdem ernstlichen Hindernis eines ausschließlich oder vorwiegend geschichtlichen Sehens und Denkens, das wie die LaiidscliaftsmaK’rei im Gegensatz zur geologischen Profilierung zwar die sich von einander unterscheidenden Oberfläche-Konturen der Einzel* räume, also die trennenden Züge, nicht aber das Oanze der Erde ins Gesichtsfeld rückt. II. Die großzügige, fast die Hälfte des .Werkes füllende Phänomenologie der Tradition hat sich der Verfasser nur als Anlauf zu seiner den zweiten Hauptteil aiisinacliciulcn Hy* pothese von alt men sc 11 Sicher und jungmcnsch* lieber Tradition gedacht. Der alle Sprachnuanccn spiircmle, Kulturen iiherbrückendc sprachcnsicherc Romanist, Ken- 11er der meisten historischen Räume und Zeiten, Beherrscher aller geisteswissenschaftlichen Verfahrcnsartcnj wird mit anders gerichteter Wißbegier dämonisch angezogen von den Geheimnissen und Methoden der Vorgcschielitsforschuug, der Geologie und der Paläontologie. Sprache und Schrifttum erschließen nicht das ganze Wesen einer Nation, geschweige denn eines KuHurkreises; der Fachkenner der französischen Sprache und Kultur befragt die Erdgeschichte und eignet sich ihre unbestrittenen Tatsachenmasscn und Forschungsmetho״ den an. ״Dureil Lcbcnsiimsiiinde war der Verfasser dafür prädestiniert: wer im alten Oesterreich-Ungarn nationale Ein- und Entformungen an anderen beobachtet und an sich selber erlebt, mit jener Bewußtheit erlebt hat, die der problematischen Stellung eines von deutscher Kultur durchdrungenen Juden entspringt, den führt ein durch drei Jahrzehnte fortgesetztes Bemühen um begrilfiizhe Durchleuchtung deutschen und französischen Wesens nur in dieses Vorgelünde und Niemandsland zwischen den Nationen...“ Mit der leidenschaftslosen Umreißung unterschiedlicher Völkerprofile und mit der affektbefreiten Einsicht In das ewige Kräftespiel sozialer Formungen will sich, der mehr als Sprachen*, Völker* und Rasscnuntcrschk’dc erspürt hat, nicht begnügen: die Geschichte der Erdveränderungen selbst, untrüg* Heitere Spuren vorweisend als cs dem genialsten Oriffcl des Aus der Hüfietü fürSdmbbai, den t. Dezember Höret diese Rede, die ER geredet hat über euch, Söhne Jissrncls: Ueber all die Sippe, die ich heraufbrochte vom Lande Aegypten, zu sprechen: Euch nur habe ich auserkannt von allen Sippen des Bodens, darum ordne euch ich zu alle eure Verfehlungen. Amos 3, Vers 112 Chronisten und Historikers je möglich ist, soll den Weg zeigen, das wahre Gesicht des Menschen, Europas und die Schicksals* wege dieses Erdteils zu erfassen. ,.Wer 11*1111 von dmi.m .eint Julircit Sieh »tüI Ri 111(11״ ItiiM zu ״dien, llloib' im Dunkeln unetf.iliren M!1ß von Tug zu Tage k-lim.“ (Goethe.) Dreitausend Jahre genügen dem Verfasser unseres Werket jedoch niclit. Er rechnet in Erdzeitaltern der modernen Erd* gcschichtc. Wir dürfen nicht an die wenigen Jahrtausende unserer historischen Zivilisationen denken, sondern an die astronomischen Zeitstrecken seit dein Werden des hoino sapiens und seiner frühesten Ausbreitung auf der Erde. Die menschlichen Sicdliingsräume aul den Kontinenten zerfallen . in zwei scharf geschiedene Gruppen: Vorderasien und Nordafrika, Indien und Ostasion, die alten Wohnsitze der Mensehen in jener zeitlich astronomischen Ausdehnung in unausdenkbare Vergangenheiten zuriiekrcichcnd. All diesem Altraum menschlichen Wohnens haben auch Gebiete Europas Anteil: die Halbinseln der Pyrenäen und der Apcnniiien, das heutige Frankreich, die Täler des Mittel- und Niederrheins und der Donau, die Smlctenländer, Ungarn, vielleicht auch Südrußlaml. Nicht dagegen Nordeuropa einschließlich Norddeutschlarnl. Diese letzteren Teile waren zu .:mle der vorletzten Erdepoche, des Diluviums von Orönlandeis begraben, völlig unbewohnbar lind vergletschert. Das sind bekannte erdge- Schichthöhe Tatsachen; die (ilctsetierzonc Europas zur Zeit ihrer größten Ausdehnung ist aus jeder Landkarte der Erd- Zeitalter abzulescn. Die Unterschiede zwischen den ehemaligen Eisgcbicten und dem eisfreien Teil Europas erhebt Amann in einer kühnen Hypothese zu Ursachen der europäischen Traditionsschatticrungcn. In einer mühevollen, aber sehr anschauliehen Untersuchung führt er uns die gesicherten Ergebnisse der Vorgcschichtsforschimg über die Urbcsiedlwng der chemaligen Gletscherräume - der Kolonisierung Nordamerikas verglcichbar —• klar timl deutlich vor und setzt dann auseinander, warum die ״Rückständigkeit“ von Europas Norden und Nordosten tatsächlich größer, unvermittelter gewesen ist, als nach den bloßen Entferniingsimterschicdcn von den ersten Kultur- Zentren zu erwarten wäre. Wir müssen es uns liier versagen, die Stihfilitäten prähistorischer und crdgcschiclitlicltcr Art wiedcrziigcbcn, die hier geboten werden, tun eine tragfäliige Grundlage der Haupthypothese zu schaffen, im besonderen um fürs erste deutlich zu machen, daß der geologische Unter* schied der Neu- und Altgebicte Europas auch einen Niveau- Unterschied der Zivilisationen und Traditionen cinschloß und — ein schwer zu führender Beweis — daß dieser Niveauunterschied von Urzeiten her bis heute fühlbar blieb ״wie eine tiefe Brnchlinie unter verhüllender Vegetation“. Es gibt ״altmenschliclie“ Gebiete von China bis zmn romanischen Europa; sic fallen, wie der Verfasser klarstellt, keineswegs mit den bekannten ältesten Stätten der Zivilisation zusammen, die überhaupt nicht notwendig an altmcnschlielie Räume geknüpft sein muß. Der Verfasser macht sich die Herbeischaffung und Sicherung der vorgeschichtlichen Voraussetzungen, für die ja auch ganz andere Blickeinstellungcn crkcnntnisthcorctischcr und methodischer Art als für den Historiker nötig sind, keineswegs leicht; bei ihm ist der salto mortale vom nalurgcschiclitlichen Tatbestand zur mensclicnktmdlichcn Folgcrung (im Sinne der modernen philosophischen Anthropologie) lange nicht so kühn wie etwa bei Frobciiius oder Dacque (l’eliawdil). Und doch ist hier — an dem Schnittpunkt geologischcr und historischer Fragestellung — die Wegkreuzung, wo wir den Gedaiikenzug des Verfassers nicht mehr mit der gleichen Zustimmung begleiten wie bisher. Amann behauptet nicht mehr und nicht weniger als eine ausgesprochene, greifbare anthropologische Aiulersartigkeit der ״Traditionsstruktur“ im jugendlichen Siedlungsgebiet der ehemaligen GletscherJ räume gegenüber der altcuropäischen ״Traditionsstruk• tur“; den letzteren Begriff hat er ausreichend, ja erschöpfend im ersten Haupttcil beschrieben. Und er behauptet darüber hinaus, daß sich diese Vcrscliiedcnartigkcit durch alle Zeiten hindurch spürbar behauptet hat. Ja er geht noch weiter: er bietet zum Schluß in einem dritten Hauptteil eine selbständige geniale, aber gleichzeitig philologisch-historisch absolut sicher fundierte Zusammenschau der gesamteuropäischen Geistes- und Sozialgeschichte einschließlich ihrer ״hulividualismen“, d. h. ihrer Sondcrcpocli cn, Hoch- und Nebenblüten, ihrer Völkerschaften und Kulturkrcise. Und auch dieser großzügigen, fast nie in ein geistreiches Konstruieren abirrenden vergleichenden Kulturgeschichte Europas liegt jene Hypothese von altmenschlicher lind junptnensclilicher Tradition zugrunde. Da es aber möglich ist, sich für die Fülle von Beobachtungen, die der Verfasser zur Erhärtung seiner These beibringt, auf* zuschlicßen, auch ohne daß man sich zu einem Urteil über die Wahrscheinlichkeit oder wissenschaftliche Brauchbarkeit jener These entscheiden muß, so ist cs nicht widerspruchsvoll und auch nicht zu viel gesagt, wenn wir den Versuch Amanns als den besten und tiefsten Beitrag zum Verständnis der europäischen Völker und damit des heutigen Hexenkessels Europa bezeichnen, der im letzten Menschenalter konzipiert worden ist. Daß ein Wiener Jude aus Prag ihn geschrieben hat, ist nicht verwunderlich. Es ist hier nicht möglich, in einer ersten Anzeige über die Gesamtleistung einen Begriff von der faszinierenden Völkcrschau und von dem neuen Geschichtsbild Europas zu geben, wie sie sich hier eröffnen. ״Was nur in England möglich ist“, was echt französisch ist, was es nur in Deutschland oder Rußland gibt, wie der Kontakt zwischen Metischen bis zum Mehr an Blicken, Lächeln, Worten in den europäischen Hauptcpochen und Räumen beschaffen war, kurz die ganze angewandte Formenlehre der Tradition, geschieden in eine altmenschliche und jungmenschliche Struktur, das alles ist in 1! , 1 L i1; 1* " , « k;י ,, יי . , •יו r 1r; di! 1 . \ ו יי , ־׳ן Ej י A ■,#•W י I ll ifi'r I '%> 1* 4''' , M j<v (d 1 I k r ן י:׳ י 1 ו

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