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Jüdische Rundschau · 1934-11-27 · Heft 95 (27.11.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 95 (27.11.1934)
Date
1934-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE hundschau LITERATUR - BLATT Nft. 9S, 27. NOVEMBER 1934 Carl Joel über Rasse und Geist Zum Absdiluß seines teilten Werkes Bas Wirk des vor «iiiigen Monaten verstorbenen großen |üdisl|l'n •’liilosoplic״ Carl _ Joel .,VV;1 n J |!!!! g t> ״ tj c r Icllanscha««11!״׳ hegt icl/t abgeschlossen vor Fs ist ein ־‘»״׳א* Verdienst des Verlages J. C B. Mohr, Tübingen, l li er da' I In cnpfhvht erfüllt hat, durch die soeben heraus- ,,!.״•Ilern' Schluß helming den zweite״ lliml ״IK| damit das /uni Absehhii! /״ bringen. Der Schlnlltcil fuhrt eien Titel ..niv Uchmvimlimg des l<). jahrhiinderts 1111 Denke״ , r (icRe-nwart״. Er gliedert sich in sechs Kapitel. Kapitel 3 14״ wurden, wie der Verl,11׳: mitteilt, muh dem noch vom Verfasser ilmdigeselu'ncti Manuskript gesetzt. Kapitel 5 und (1 Hdfrimi« der Seele״ mul ״Em.m/ipatioii des (ieistes״ sind L (״ihnen Vrrolfenllidiuiigeu in den ״Kanl-Stiidieu״ nach• ,.fdruckt. Das (1,111/c liegl jetzt vor uns als eine ungeheure Sliau über die Ii 111\vickIn 11p;st!escliieh<e des (ieistes von Iruhe- 'stcr Zeit bis aut die Gegenwart. Bei allen Wandlungen, bei jllcr Dialektik der immer wieder gegeneinander streitenden Tciuli'iiA'ii, fühlen wir doch die I: i 11 11 e 11 des ringenden itU'iisdiciijp'istcs. Die letzte Lieferung verdient wegen ihrer Aktualität besonderes Interesse, liier setzt sich Joel mit dem Pfiikoit des beginnenden 20. Jahrhunderts, das noch im!1). Jahrhundert seine Wurzeln hat, auseinander. Aus den natcriaIistisehen und positivistischen I lennniingcn befreit sich jic Scclo, die Renaissance der I. e h e n s p 1111 o s o p h 1 c den- ,jt ,hu völligen Umsiiivviing des Zeitalters an. liier ist auch ccr Ort, zu der R a s s;e!1 p 11 i I o s o p h i e Stellung zu nehmen, jg (liien Vater (iohinenu erscheint, dessen Russemlogmutik, jcr Mitte dos 10. Jahrhiinderts entstammend, noch ganz. 1m Materiellen wurzelt. Der Jude Joel sehreiht hier: ״Mail wird (5 verstellen, wenn ich mir hei diesem Thema einige Zuru c k 11 a 1111 11 st aufcrlege.“ Seine Behandlung des Gegen- «!;Hilles, ohne Ressentiment, ist von vorbildlicher Vornehmheit. I״a selhd Lehensphilosoph, verkeimt durchaus nicht das kiJi’tigc auch im Hervorkchren des Biologischen, wie es die |;,1s11׳״U'l11e tut, aber als echter Philosoph wendet er sich gegen jeic Denker, die sich von der Wissenschaft entfernen und sich ״auf die hohe See subjektiver Parteinahme“ bei der Bewertung von Rassen begehen. Gegen den Blut-Materia- Ismus der der Rassenlehre zugrunde liegt, wendet Joel fol- ,(•!nies ein: ,.Gewiß soll man allem blutlosen Rationalismus und iittclIiMtialisiitns gegenüber die tmausscliöpfharc Kraft des Blutes und der Heimat, die Wiirzelhaftigkcit alles echten lici-tiS anerkennen. Aber mau soll nicht vergessen, dal! der (st/ ,Blut ist ein ganz besonderer Saft* gerade nicht von fjusi stammt, sondern von dem Verführer Mephisto. Allerdings sei nochmals zugegeben, daß gerade in der Betoiting des Lehens eine Anerkennung der Be dentu!׳fj von Blut, Wurzel und Rasse liegt, aber gewiß nicht 1!1te Alleinherrschaft, sondern höchstens eine Aus- De die den Leibesvorzug so wenig iengnet wie den iisthe-!dien, aber die letzte Vormacht des Geistes nicht leugnen Um, map n ich heute der Geist noch so gewaltige Feinde 1een“ Geist ist nicht Infcllektiialisnius. Und gegenüber Hages und Spengler sagt Joel (und angesichts seines >lcs vvirkei: die Worte doppelt rührend): ״Bis zum letzten ti'inmg will ich es verfechten, daß die Geisfbdoiiung ein jutsfhes Erbgut bleibt, mag man noch so sehr dahinter /me atavistische Blut• oder SchäikTbeschränktuig wittern“, frot/dein aber wendet er sieh gegen Spenglers Bngatelliicniiig der Rasse: ״So bedenklich die materialistische kJ eherkh,it/1m!> der Rasse sein mag, ihre Leugnung droht zur l'tigimiig des (ieistes zu führen, dem man nun einmal nicht »streiten darf, daß er wurzelt.“ liier ist in abgeklärter ',chlieil ein Standpunkt umschrieben, der wohl auch vom 1011 c!neu Judentum akzeptiert werden kann, in Abkehr von er ratioiialisiischeu Aufklärungs-Philosophie, die in der assililatorischen Lpoclie hei den Juden herrschend war. So öffnet Joel mit diesem abschließenden Kapitel den Ausblick in eine neue Zeit. In Abkehr von den Bestrebungen ״ach schematischer Uniformierung und Kollektivierung sieht er ein neues P e r s ö 11 1 i c h k e 11 s s t r e b c 11 herauswacliscn, חיי Leben, das von echten Saften genährt wird. Leben ist nun einmal organisch mul damit ״Zusammenhang“. Der Mensch '!uh in seinen Z 11 s a m in e 11 h a 11 g gestellt seiti. Darum singt ■ff alternde Philosoph (vielleicht ist auch das eine jüdische Note) ein Hohelied der Familie, mit scharter Polemik IW’H die familien/erslörenden Tendenzen des Bolschewismus. ■Wl« humane Lebensvcrhiiltiiis beruht auf Vertrauen, alles Vertrauen beruht aut Verstehen, alles Verstehen beruht aut ז1״יי Gemeinschaft, wie sie unmittelbar im Lehen angelegt :d int I׳anülicngcist.“ Aus solchem organischen Werden, aus -olclier Verbundenheit sieht Joel die Vision einer neuen beraub (oinnieinle 11 I lumauifat. Gerade durch dieses Abschluß-Kapitel empfinden wir das ,ä«c Werk vielleicht noch mehr als früher als eine edle;™!fest,iliou jüdischen Geistes. Es liegt nun in zwei ,חזך B;,׳,|,״n von etwa 2000 Seifen vor (zu dein gewiß «11t billigen Preis von 81 RM.). Gerade heute aber glauben "1hdall ein solches Werk, das für die Geschichte des Men- ''״״Reisles seinen Wert behält und ein Dokument universaler?,"R in einer Zeit, die wieder zum Denken genötigt ■ Verbreitung finden sollte, auch hei uns Juden, die zu einer Witcsc von Nationalismus und Humanismus hinstrebeu. W. tli1?״/ ,^e1*sckrift ״Corona“ (Verlag R. Oldcnbourg, Miin- Es iV CD>_* 10 RM,) hat ihr viertes Jahr abgeschlossen. C|lllc ',־,׳'itsclirift fiir (iotirmamls, und in den letzten Eiiliiir , c״ "ir wieder Werke von hoher literarischer EmiKi ,,״״tcr Dichtungen des Flamen van de Woestjjne, '1י Mis11״f o'!1׳־f-O’rlof, Abhandlungen von Karl Voßler (״Sym- ‘:1 triKf ן■ l)cl,D«rt und Dichtung“), lleinr. Zimmer (Yoga), ';y . f.'pr (״Lob der Vokale“), Rudolf Kassner u. s. f. Vom ״Rin!! ci Gesichtspunkt bemerkenswert ist der Aufsatz sehr tinf ’ J r,a!'״,״ vo״ Fritz Ernst im 6. Lieft (das auch i11a1״|!,| e. Mu/eicluuingcn aus dem Nachlaß Hugo von Hof- ״'' * וו01»זBiält), eine Studie über Raliel Varnhageiis kam. 1|(ll,t',rV die doch über das Betrachten nie hinaus- ׳'11, ™ ,’«■זreit Geheimnis ein Gefühl letzter Geborgenheit [ vo!!' r״., r1!ckt in dem Kindertraum, der sie ״auf einer Ecke Ui״״ Mi>ntel“ ruhen läßt. Raitel litt au ilirem ״Ur- I ״11״sicliti,.!' ״m״.’ s'c "־.׳ir mit Skepsis erfüllt, was aus den Ernst m1’11 Barrikaden“ würde. ״Ohne Schwanken“( sagt ti» 1 1״l* 8'c Sich jederzeit zu sielt, nie aber über- 11'ifiit wif 1 s ^!,'vankcn zwiselten Stolz, und Scham.“ Vielt11״ set״״ aucl> Raitel mit unseren heuligen Erfahrungen I Biri.i ״llne״• ~ Erwähnt sei noch ein Beitrag ״Nation, 1,31'״is v״ ciK , v0״ J0iid Nadler (1. Lieft), der das Vcr- '011 tjef.. 5,׳aat und deutscher Kulittrgenicinsciiaft behandelt, ^9sWki>p! :uu l Dir uns Juden wichtiger Erkenntnisse über!(ז Hör״« y0lJ ^at'0n und Volkstum. Nadler, att eine Schwei- ■Vttt. tv ft״aPPc|licr«1Kl, schließt mit folgenden schönen!**ine ti״״’״ Vermögen, die geistige Not des anderen wie lr tiniet«. *hipfindcn, das ist die Bewährung, der steh “eine, d«: sich Völker und Staaten stellen müssen,“ Wieder 11,111t das Cliamikkali-Fcst, und mau überlegt, welche Bücher in diesem Jahre als Geschenke in Frage kommen. Das jüdische Buch in Deutschland nimmt zweifellos einen neuen Aufschwung. Wenn auch der Kreis, an den es sich wendet, naturgemäß zahlenmäßig klein ist, so ist, da die deutschen Juden Lesestoff brauchen, doch noch ein Leid für gute Bücher vorhanden. Hier ist an erster Stelle der Verlag Schocken zu nennen, der eine ganze Reihe erlese- 11er Werke Jicraushiachte und überdies noeli in der billigen und doch inhaltlich und ästhetisch so vollkommenen Serie der S c h o c 1< e n - B ii c!1 1• r e i (!,reis pro Baud 1,23 RM.) ein Geschenklnich auch für kleinere Zwecke bietet. Da die einzelnen Werke in der ״Jüdischen Rundschau“ gewürdigt wurden, kann hier ein kurzer Hinweis genügen. Von den letzten Bändchen der Schocke it-Biic her ei erwähnen wir die Neuausgnbe von Hubers ״Zwiesprache“, ein!Such, das für den l.eser, der sich ihm erschließt, mehr werden kann als fluchtige Lektüre; die Neiiausgabc von Agnons ״Und das Krumme wird grade“, jene Erzählung, durch die der Name dieses zeitgenössischen hebräischen Dichters zuerst in Deutschland bekannt wurde. Ludwig Strauß ״Botschaft“, eine Sammlung von Erzählungen des den Lesern der ״Jiidiseheii Rundschau“ wohlbekannten Autors (von den! wir eine Novelle ״Der Reiter“ veröffentlichten). Besonders aber sei hingewiesen auf das neue Gedichtbuch von Wolfs kehl, zweifellos eine der bedeutendsten Erscheinungen des jüdischen Büchermarktes, eine Reihe von außerordentlichen, und wichtigen Gedichten enthaltend, liier ist unserer jüdischen Situation der Dichter erstanden, der das jüdische F.rlcbnis dieser Zeit in aufwühlende erhebende deutsche Verse gefaßt hat. Dargehoten in einem schmalen uiKi billigen Bande sollten diese Gedichte wirklich Gemeingut werden; wir haben wenige Dichter wie diesen. Der Verla,g Schocken hat sein Tätigkeitsgebiet, das zttnächst vorwiegend der Judaistik galt, in letzter Zelt erweitert. Neben dem Genesis-Kommentar von B. J a c o b, der neben seiner wissenschaftlichen Bedeutung ein jüdisches Haus- und Lesebuch sein kann und daher trotz des holten Preises (12 RM.) empfohlen sei, finden wir ein WeltanscUauungstuich ״Tradition mul Weltkrise“ von Paul Aman 11 und ein mehr soziologisch-politisches, nur indirekt jüdisches Buch, ״Die Europäisierimg des Orients“ von Hans Kolm. Immer wieder 1111111 bei Geschenk,־inlässeu an Hubers Cliassidischc Bücher erinnert werden, das Schönste, was wir besitzen. Sehr arm ist noch unsere Jugendliteratur. Neben den neuen ״Jüdischen 111 g e 11 d k a I c n d c r" (hcrattsgcgehcii von Emii Bernhard Colin, Jüdischer Verlag, Berlin), der auch zu Chanitkkah seine Aktualität noch nicht verloren hat, tritt das einem sehr empfundenen Bedürfnis entgegenkommende gut ausgestattete Buch ״Die Geschichten der Bibei" neu erzählt von Joachim Prinz. (Erich Rciß-Vcrlag, Berlin). Der Verlag Reiß bereitet auch eine Sammlung pa- ]ästincnsisiiier Jugendgcschiohtcn für Kinder vor, die in einigen Tagen erscheinen soll. Wenn wir noch einige hebräisclie Spiele erwähnen, so sind wir mit der jiidisehen Produktion fiir Kinder so gut wie fertig. Mau wird also auf das nicht jüdische Kinderbuch nicht verzichten könneu, wobei natürlich darauf zu achten ist, daß nichts sich eiuselileicht, was das Empfinden unserer Kinder verletzt. Von größeren zionistischen Werken Ist an erster Stelle ztt nennen die große neue Mcrzl■ Auspabc, von der bisher vier Bände in sehr schöner Ausstattung vorlicgen (Jüdischer Verlag, Berlin, pro Band 4,5Ö RM.). Man kann die Beobachtung machen, daß lierzl heute wenig gclesen wird und der jungen Generation unbekannt zu sein beginnt. Wer aber begonnen hat, die Tagebücher, die den 2. und 4. Band füllen, zu lesen, wird bald so hingerissen lind gefesselt sein von diesem einzigartigen Dokument, daß er erkennt: dieses Buch ist nicht als Dekoration für den Bücherschrank gedacht, sondern es ist eine Lektüre, die auffegt und packt und zugleich ins l eben eingreilt. Das Bedürfnis nach P a I ä s t i 11 a I n I o r m .11 i o 11 ist nach wie vor groß, und 11,1 erfüllt wohl den besten Zweck die letzt vollständig vorliegende ״P a I ä s t i 11 a k 111111 e“ von Hugo Herr in a 11 11 (Film-Verlag, Wien) mit ihren Abschnitten ״Geographie“, ״Bürgerkünde“, ״Das jüdische Aufbauwerk“ und ״Geschichte“ (zu ammni f» RM.). Auch das Buch ״Pai.isthia, Land tmil Wiltsch,ift" von Alfred Bonne sei liier nochmals in Friunemng gerufen. Die ״kleine“ Jü- Bische Geschichte, aus dein Fmpfiiulcn dieser Zeit geschrieben, besitzen wir leider noch nicht. Lüne Geschichte der zionistische n B e w e g ti 11ist uns vorpr o c h c 11, da eine Neubearbeitung des Werkes von Adolf Böluu bevorstellt. .Von grölleren I inzi Imonographieri sei auf rin bereits vor einem Jahr erschienenes aber wegen seines uoell nicht genügend gewürdigten Wertes besonders cmpfelilens* wertes — Werk hingewiesen, auf das Buch von Max Wie- 11 e r ״Jüdische Religion im Zeitalter der Lniaiizipation“, ein Werk, das uns einen Einblick in die Geistesgeschichtc des 19. Jahrhunderts gewährt, unentbehrlich zum Verständnis des heutigen deutschen Judentums. (I’hilo-Verlni;, Berlin., (1 RM.) Ein fühlbares Bedürfnis besteht auch ii.icl« jüdischen Romanen, liier ist eine bedeutende Neuerscheinung zu verzeichnen, der kürzlich von uns bereits besprochene Roman von (ierson Stern ״Der Weg ohne Ende“ (Verlag Erich Redl, 5,50 RM.), der eine sehr freundliche Aufnähme gefunden hat. Ein Buch von jüdischen l eiden und jüdischen! Schicksal, gesehen,von einem dichterischen Talent, von dem wir noch viel erwarten. Audi sonst dürfen wir uns etwas davon versprechen, daß jüdische Autoren sieh jetzt ji'1ilischen Stoffen znweiideu. So /. B. hat lleniianu S i n s - heiiner ein hoch interessantes und merkwürdiges Kapitel der jüdischen Vergangenheit in dein Roman ״Maria Nimm•/,“ (Philo-Veriag, 3,25 RM.) Inhandelt. In die zeitgenössische jüdische Problematik fuhrt Max Brods schon vor einiger Zeit erschienener Roman ״Die. Frau, die nicht enttäuscht“. Die Gedanken, die in den Diskussionen dieses Buches angc* deutet sind, lülirt der Autor weiter in seiner soeben neu herausgckonimciien H c i n e - B i o g r a p h i e (Verlag E. 1*. Tal, Wien). Auch eine neue 1! i b e I - U e 11 c rs e t z u n g liegt jetzt vor. Der ersle Band der von der Jüdischen (iemciitde Berlin veranstalteten Uebcisei/ung, lieratisgegeben von llirry Torczyncr, das H u c h d er Thora, ist in einem schön gedruekten und gut ausgestatteten Band erschienen (Verlag J, Kauffmaiin, Frankfurt a. M., -I,3U RM.). Es wird ein intercssantcs Unterfangen sein, diese nach anderen Grundsätzen gearbeitete Ucberset/ung neben die von B 11 b c r - R o s c 11 - zweig zu stellen, mit der sie nicht ״konkurrieren“ will. Das Problem der Bibol-Ucbcrsd/ung ist, genau 400 Jatire nach Luthers Werk, noch lange nicht in seiner 'liefe erschöpft, und wir haben nun zwei große Versuche. Die Huber- Bibel wird jetzt vom Verlag Schocken in einer dreibändigen Volksausgabe herausgegeben, was sicherlich zu ihrer Virbreitung beitragen wird. Kürzlich schrieb ein Leser an die ״Jiul. Rundschau“, mail!misse dafür sorgen, daß die Biliel in jedem jüdischen Haus ist. Sollte dies wirklich noch er* torderlich sein? Die hebräische Bibel muH wieder das Volksbuch des Budivolkes werden; zugleich aber sollen die deutschen Juden die jüdische Ucbersd/ung nehmen, die die der hebräischen Sprache nicht Mächtigen, in Geist und Wesen der Schrift und zugleich an das Original heiaufülirt. Darum i •t die Volksausgabe der ״Buber-Bibd" besonders zu begrüßen. 00 Das Bedürfnis, das Gesamtgebiet des jüdischen Wissens dem gebildeten jüdischen Laien zugänglich ztt machen, ist in der Zeit der beginnenden jüdischen Renaissance außerordentlich stark geworden. Das Eindringen europäischer Anschaumigen in die früher abgeschlossene jüdische Welt legte das Bedürfnis nahe, den jüdischen Wissensstoff nach modernen Gesichtspunkten zu ordnen. So entstanden zu Beginn dieses Jahrhunderts jüdische Enzyklopädien in englischer, hebräischer und russischer Sprache. In deutscher Sprache besitzen wir zwei Werke ungleicher Anlage und ungleichen Ausmaßes; das bereits abgeschlossene ״Jüdische Lexikon“ in fünf Bänden (Jini, Verlag Berlin) lind die bis zum 10. Band (Buchstabe l.) gediehene ״Encyklopaedia Jtidaica“ (Verlag Eschkol), ein in guten Zeiten etwas allzu großzügig begonnenes Werk, von dem man nicht weiß, ob es zu Ende geführt werden wird. In den letzten zwei Jahren ist das jüdische Interesse in Deutschland noch mehr in breite Schichten gedrungen, als es unter der Einwirkung des Zionismus schon in den letzten 30 Jahren der Fall war. Es war daher ein guter Gedanke, ein kleines Handbuch zu billigem Preis zu schalten, in welchem in knapper Form die Tatsachen zusammengefaßt werden. Es handelt sielt also um ein Blich anderer Kategorie als cs das ״Jüdische Lexikon“ ist, das nicht nur Nachschlagewerk,׳ sotteiern auch ein Lese- und Lehrbuch für Familie und Elans ist. In Anbetracht der bereits vorliegenden Enzyklopädien wac die Herausgabe des Kleinen I latidbudics erleichtert. Das nun erschienene, in kurzer Zeit zusammengestelltc P h i I o - L e x i k o 11, Handbuch des jüdischen Wissens (mit 230 Abbildungen, zahlreichen Plänen, Tabellen und Uebersichten, zun! Teil mehrfarbigen Tafeln und Karten, Philo- Verlag, Berlin 1035, •1,80 M.) hat, wie inan bei einer ersten Durchsicht zusanimenfassenil sagen kann, seine Aufgabe ausgezeichnet gelöst. Ais Herausgeber und Redaktion dieses Lexikons zeichnen die Herren Einanuel bin Gorion, I)r. Alfred t, 0 0 ven, Dr. Otto Neuburger, Johann F. Oppenheimer, denen ein Kreis von Mitarbeitern aus allen jüdischen Griipncn zur Seite stand. In der Mitarbciterlistc linden wir auch die Namen ׳mehrerer bekannter Zionisten. Bei der Beurteilung eines solchen Buches muß mau sich immer Zweck 1111 d Anlage vor Augen halten. Es wäre ungerecht, es mit Maßstäben zu messen, die au ein solches Buch nicht angelegt werden können. Wenn man bedenkt, was es bedeutet, den gesamten Stoff auf 400 Seiten Kleinformat zusammeiizufasscn und einen Preis von 4,80 M. cinzulialten, daun verstellt man, daß sich ■die Verfasser der Artikel der allergrößten Kürze befleißigen!mißten. Und jeder Redakteur weiß, daß im allgemeinen die zXutoren lieber ausführlich als kurz schreiben. Es ist datier ein besonderes Verdienst und eine anerkennenswerte redaktionelle Leistung, in der Bcscltränkung doch das Wesentlichste zu sagen, wobei es natürlieh unvermeidlich ist, daß man da oder dort verschiedener Meinung sein wird, ob nicht eine kleine Hinzuftigung oder aber eine kleine Aenderung zweckentsprechend gewesen war. Für Zionisten ist besonders zu erwähnen, »laß das Buch auch einen durchaus brauchbaren P a I ä s 1 i 11 a t e i I enthält, worin in der notwendigen Kurze die wichtigsten Daten zusammengi'stiilt werden. In dem Artikel ״Palästina-M.andat“ heißt es zum Schluß: ״Pulnstiiia-Mnudat kann erst, und zwar mit Zustimmung des VölKerbumlratcs, aufgehoben werden, wenn alle Ziele des Mandats, auch die Balfour-I )eklaratioii, verwirklicht sind.“ Dies -.eheint uns mehr ein gutgemeinter politischer als ein lexikalischer Zusatz. Auch der Artikel ״Zionismus“ ist befriedigend. Bei der Auiz.älilung der zio« iiistischcn Parteien wäre besser die Arbeiterpartei zu nennen an Stelle von ״Icliuil“, was auf die vor einigen Jahren vollzogene Vereinigung der wichtigsten Arhcitergruppen hin* deutet, aber int praktischen Sprachgebrauch sich nicht eiltgebürgert hat. Zu den genannten Artikeln sind auch Bilder von lierzl, Weizinann und Sokolmv, sowie Palästina-Karten und mehrere zum Teil sehr gute Bilder aus Palästina (auch ztt den Artikeln Jerusalem, Haifa) enthalten. Die Karte von Tel- Awiw ist leider verzeichnet, der Hauptteil der Allcnbystraßc fehlt z. B. vollständig. Bei den Biographien sind meistens nur Daten und wichtigste Werke angeführt. Fine Orientierung über die Geistesweit des betreffenden Autors, wie sie etwa iin Jüdischen l.exikirn gegeben wird, wäre natürlich auf dem knappen Raum nicht möglich. Dies gilt auch für grundsätzliche Artikel wie Antisemitismus, Apologetik usw., wo nur in sehr knappen Worten Definitionen und kurze historische Daten angegeüin werden können, ohne auf die zugrunde liegenden Ideologien näher cinzugelien. Bei vielen Artikeln sind vorwiegend oder ausschließlich die deutschen Verhältnisse in Betracht gezogen. So wäre beim Artikel Beriitsiinischiihtung b/w. -ausbiiihmg auf analoge Bestrebungen in anderen Ländern liinzuweisei! und die besondere Funktion Palästinas stärker zu unterstreichen gewesen. Dasselbe gilt fiir die ganz, unzuläitglielieit Artikel ״!.rzidiinigswesen“ um! ״Schulwesen“. Im Artikel ״Kolonien“ sind nur die palästinensischen aufge/ählt, es fehlt ein Hinweis auf die jüdische Kolonisation in Rußland, Argentiuien usw. In der Tabelle ״Berühmte Stücke der Bibel“ — an sieh eine etwas willkürliche Auswahl — ist es für uns interessant, daß die Herausgeber des ״Philo-Lcxikons“ Jeremias 3t atifiiliren, nicht das in assimilatorischen Kreisen beliebte Ka« pitel 2*3. Warum man von Bialik, von dem es zahlreiche gute Bilder gibt, das Bild mit der heraufgeschobcnen Brille ge! wählt hat, ist nicht recht einzusehen. Das Buch ist über den lexikalischen Charakter hinaus auf aktuellen Gebrauch eingestellt. Dein dient z. B. eine vollständige Eiste der jüdischen Organisationen in Deutschland nebst Adrcssentalcl, in die nicht ganz konsequenterweiso auch einige nichtdcutschcn Organisationen aufgenommen sind; für diese aber wäre das Verzeichnis sehr unvollständig. (Es sind z. B. einige — nicht alle — Emigrationskoinitecs an» geführt, auch Board ot Dcputies tt. a,, aber nicht Jewishi Agency London, Zion. Hauptbüro, Ica, Pica usw.) Wir iw!

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