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Jüdische Rundschau · 1934-11-23 · Heft 94 (23.11.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 94 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 i \ Richtlinien der Rcidisverfreiunö für die Ausgestaltung des Schabbat Die Relchsvertrctung der deutschen Juden hat im Anschluß an den in der vorigen Woche veröffentlichten Aufruf zur Frage der Sehabbatgcstaltung für die jüdische Jugend einen Rundbrief an sämtliche Gemeinden erlassen, der sich mit der Befreiung der jüdischen Kinder des 5. bis 8. Schuljahres vom Unterricht am Sonnabend und der Ausgestaltung des Schnhbnt beschäftigt. Einleitend wird in diesem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß heute auch alle diejenigen Eltern, die bisher noch nicht ׳im Befreiung ihrer Kinder vom Unterricht am Schabbnt nachsuchten, Bedenken, die früher im Hinblick auf eine Untcrriehtsvcrsäiininis bcstanden, ziirikkstcllcn können. Die Konsequenz hieraus sei, daß die Gemeinden der örtlichen Lage angemessene Einrichtungen schaffen, die der Ausgestaltung des Schabbat dienen. Für die Lösung dieser Aufgabe schlagt die Reichs- Vertretung vor: ״[. Vorbereitung der 111!rettenden Einrichtungen In Fühlungnähme mit Lehrern und Jugendtllhrein. Wir geben hierfür folgt n.les R.ihmenpiogramrn! her l'rcittigalieiul gebürt in «Ithrrgrbriir■hier Weise dem ttnlle.«lienst und dem Klleritliaiis. SnntulHuid: Vormitt»g: 0) In denjerigen Gemeinden, in denen kein tKumdcrcr Jugchti-Cotlesdienst *tat!findet, wird im (»oltrsdienst mit die Jugend becomlcre Kürksirht genommen, um besten derart, daß soweit irgend möglich die Kinder beim Gottesdienst mitwirken. b) Nach dem Gottesdienst Bildet eine Jugendstunde statt. In ihr werden Srlwiflcrklärungcn erfolgen, nueh geeignete Erzählungen vorgele-en und I.icdcr gesungen werden. Entscheidend ist, daß den Kindern nicht nur etwas Feierliches, sondern vor allem auch etwas Festliche» geboten wird, etwas, worauf sie sieh freuen, kurz, Veranstaltungen, zu denen die Kinder gern und [reiwillig kommen. Nachmittag: Pie — hündische und nirhtlmnHisrhe — Jagend wird zu einem Oneg Sehabbat zusammengefaßt. Es ist ratsam, die verselilerleiicn Jugemllninrl« dazu heranzurichen, ihnen die Ausgestaltung des Oneg Sehabbat zu lilrertragcn und ihnen Gelegenheit zu geben, biindisrhe Arbeit im Dienste der Gesamtheit zu leisten. Hei der Gcsamtgcstaltung des Schah bat» und Sonntags hängt der Erfolg davon ab, daß Eltern, Synagoge und Bund zu ihrem Recht kommen. Wenn die Vorbereitungen im Sinne der Ziffer I getroffen sind, empfehlen sich folgende weiteren Schritte. II. a) Fühlungnahme mit den Leitern der von iüdiachcn Schülern betuchten nlcht-jUdischcn Schulen. I)ic mit der Betreuung des Religionsunierrit hts betrauten Landesverbands- oder Ucmeindeliehördcn bzw, die Rcligionslchrer selbst setzen sich mit den Schulleitern in Verbindung, teilen ihnen in angemessener Form mit, daß breite jiiditche Kreise die Absicht haben, von der durch die ministeriellen Erlass•; gebotenen Möglichkeit Gebrauch zu machen und um Ilcfrruing der Kinder des 5. bis 8. Schuljahres vom Unterricht am Sonnabend cinzukommen. Eine derartige Fühlungnahme erscheint schon deshalb notwendig, damit die einzelnen Schulleiter nicht die plötzlich cinlaufcnrlcn Gesuche der jüdischen Eltern falsch audegen, etwa als gegen die einzelnen Schulen gerichtet auffassen. Es ist vielmehr nötig zu Iwlonen, daß es breiten Schichten ernst damit ist, die jüdische Jugend im Geiste der Sehabhathciligung zu erziehen. b) Fühlungnahme mit den Eltern. Die Gemeinden übersenden den in Frage kommenden Ellern einen Brief, enthaltend erstens: ein Schreiben, in dem die Eltern auf die Notwendigkeit hingewic.cn werden, ihre Kinder vom Unterricht am Sehabbat befreien zu lassen, und zugleich Aufklärung darüber erhalten, in welcher Weise die Freizeit der Kinder ausgestaltet werden *all; zweitens; das Formular eine» Gesuches um Befreiung der Kinder vom Unterricht an den Sonnabenden. Es ist davon abzuraten, den Brief vom Rcligionslchrer durch Vermittlung der Kinder den Eitern zulritcn zu lassen, vielmehr wird empfohlen, die Uebcrsendung an die Eltern unmittelbar vor- *unehmen.“ Diese Vorschläge dürften besonders in ihrem' zweiten Teil, der sich mit der Organisierung der Unterriclitsbcfrciung durch Zusammenarbeit vort Gemeinden, Leltrcrn und Eltern beschäftigt, besondere Bedeutung beanspruchen. Gewiß ist cs schon an vielen Orten gelungen, einen großen Teil der Eltern auch derjenigen Kinder, die nichtjiiilischc Schulen besuchen, von der Bedeutung einer entsprechenden Ausgestaltung des Sehabbat und der dafür erforderlichen Befreiung der Kinder vom Schulbesuch zu überzeugen. Aber cs gilt, darüber hinaus die Gesamtheit der jüdischen Eltern hierzu zu veranlassen, um unserer Jugend die Möglichkeit eines wirklich jüdischen Tag;es zu geben. Wenn die Gemeinden nunmehr die von seiten der 'Reichsvertretung angeregte Initiativein dieser Sache ergreifen, so wird cs ihnen gewiß gelingen, auch die noch zurückhaltenden Elternkreise zu überzeugen. Die Reiclisvcrtretung hat dem von uns zitierten Rundschreiben den Entwurf eines Schreibens an die Eltern beigefügt, das von den ein־ *einen Gemeinden versandt werden soll, und hat dadurch die praktische Durchführung dieser Aktion wesentlich erleichtert. Auch der R cic h s a u s schu ß der jüdischen Ju- {»endverbände hat sich der Forderung der Reichsvertretung angcschlossen und folgenden Aufruf erlassen: ,.Der Aufruf der Rcirhsverlretung der deutschen Juden, den vom Schulunterricht befreiten Schahbat der jüdischen Jugend in festlicher Ausgestaltung wieder zu einem Mittelpunkt jüdischen Gemeinschafts, leisen!; zu marhen, wird bei den jüdischen Jugendbünden den stärk- *ten Widerhall finden. In dem Wunsche, dem Schabbnt seine alte Bedeutung als Ruhetag jüdischer Sclbstlx\sinnung und Erneuerung wieder zu geben, begegnen sich alle Richtungen der jüdischen Jugend. Wie die Reichsvcrtrrtung die Gemeinden zur Mitarbeit sin der Aus. gestnltung des Sehahhats der jüdischen Schuljugend sammelt, so ruft der Reirhsaussrhtiß der jüdischen Jugcndvcrbändc die jüdischen Jugtndhfinde auf, ihre Kräfte für diese große Aufgalie bereitzustcllen, Ihre Lösung hängt von den Menschen ab, den Rabbinern, den Lehrern׳ und den Jugendführern, die eingesetzt werden können. Eine •ebematische Regelung würde den örtlichen Arbeitsvoraussetzungen nicht gerecht werden. In jeder Gemeinde sollen deshalb nach der Antegung der Reiehsvcrlretting Beratungen zur Planung der Sehabbat- Gestaltung stattfinden. Wir fordern unsere Landesatissehiisse und Orts, ringe »uf, sich den Gemeinden zur Beratung und Mitarbeit tat. kräftigst zur Verfügung zu stellen. Ein Werk, das der jüdischen Jugend dienen soll, darf nicht ohne die tätige Mitwirkung der Jugend selbst aufgebaut werden.“ . Per 4er!״c״fralcrt Instanzen des deutschen Judentums wird gewiß nicht ungehört verhallen; cs wird sich damit ein wichtiges Gebiet jüdischer Erziehungsarbeit erschließen, dessen ic *ubjng wir durch die seit einer Reihe von Wochen in der ,,Jud. Rundschau“ gegebenen Anregungen für die Ausgcstaltung de* Sehabbat eindringlich betont haben. Bei der Konstituierung des neugewählten Stadtrats von Lemberg fiel das Amt eines der beiden Vizebürgermeistcr an den von der jüdischen Bevölkerung vorgeschlagencn Kandidaten Dr. C h a j e s. Dem Minister für soziale Angelegenheiten der kanadischen Provinz Ontario, David Arnold Kral, ist jetzt auch das Portefeuille des Arbeitsministers anvertraut worden. Minister Kral ist Jude. , Am 17. und 18. November fand in Lehnitz eine Tagung des Bundesrates des 1. P. D.- M a k k a bi h a za i r (Brith hazc£ fim) statt. Einen Bericht über den Verlauf der Tagung werden wir im Rahmen der nächsten Jugend-Rundschau veröfientliehen, JÜDISCHE RUNDSCHAU Die Lage der jüdischen Jugend Von Maurice Z. Frank, Toronto Vor 20 oder 25 Jahren hatten wir ln Kanada eine jü* ritsche Jugend, welche übertrieben konservativ, nintcri.ilistisch, flach und unaufrichtig war. Das Ideal jener Zeit war der junge Manu, welcher den Oot/cn ״buaincss״ anbetete und überschwengliche Dniikbarkcitsgcfuhle gegenüber der Toleranz seines neuen Vaterlandes hegte, irgendein (iciblu der Anhimglichkeit an das Judentum hatte und es lichte, uihaltkese Proklamationen seines jüdischen Wesens von sich zu geben. Bücher las er eigentlich nur, tun sein Englisch zu verbessern, nicht so sehr ihres Inhalts wegen. Lr schloß sich meist einem Debntticrklub an, um Fähigkeiten zu öffentlichen Reden zu entwickeln mit der stillen Absicht, eine politische Karriere in irgendeiner Form ciii/uschlagett. Sein liukitlum war eine Art amerikanisierter Ausgabe tler oberflächlichen Elemente desselben, eine Art Orenzjudentum. Seine I Inltimp gegenüber dein Zionismus war entweder Interesselosigkeit oder Negation. Zionismus war ihm zu ״idealistisch". Heule wollen viele unserer Besten nichts vom Zionismus wissen, weil er ihnen nt wenig idealistisch Ist. Die heutige Jugend ist prinzipiell gegen die hergebrachten Prinzipien ttncl hat eine Art kritische Haltung etabliert gegenüber seinem Land, dem Judentum. Man hat ein echtes Interesse am Gang dieser Welt, man studiert, weil mau Dinge wissen will, und nicht so sehr, wie die vorhergehende Generation, weil man an seine Karriere denkt. Leider hat die ältere Generation diesen Wechsel noch nicht genügend erkannt. Die Veränderungen in der Lebensmoral sind schnell erkannt und ohne ernsthaften Widerstand hingenommen worden, weil es sich hierbei um eine Art Mctamoral handelt, die die ältere Generation leicht verstehen konnte. Der ideologische und geistige Gestaltwandel der Jugend aber ist nicht erkannt worden. Welche Kluft gähnt zwischen dein Akademiker, der Bereits 20 Jahre in Amt und Würden ist und seinem Nachfolger aus der heutigen Generation! Wie oft spricht der Acltcre zum Jüngeren über seine Erfahrungen und trifft nur auf stillschweigendes Zuhören, aber nicht auf Verstehen? Es liegt über unserer Zeit eine allgemeine Unruhe und ein Gefühl der Gärung, das seinen Niederschlag in unserer Jugend findet. Und hierbei muß eine interessante Tatsache erwähnt werden: Während unter den Erwachsenen der jü• dLscltc Anteil an den kommunistischen und sozialistischen Parteien prozentual dein nicht jüdischen entspricht, Ist der Anteil der jüdischen Jugend im Verhältnis zur nichtjiidischcn stärker. Das ist in erster Linie auf die Tcmncramcntsiinterschiede zurückzuffthrcn. Der Angelsachse beschäftigt sich mit Problemen erst nach seiner Reifezeit, der jüdische Junge jedoch schon, wenn er auf die höhere Schule kommt. Die kanadischen Kommunisten und besonders die jüdischen haben die Ideologie und die Manieren der russischen Vorkriegskommunisten angenommen, Die vielen Jugend- und Stuclenlcuorganisalioiicn erinnern mich lebhaft an diejenigen Rußlands zu meiner Studienzeit. Es sind dieselben finsteren, humorlosen und bebrillten Gesichter, dieselben in Gedanken versunkenen Augen und — dieselbe ungeduldige und untolerante, oder besser gesagt, rohe Haltung gegenüber dem Judentum und seiner Kultur, Diesen Leuten sind das Judentum und seine Ucbcrlicferung nur ״bourgeoise Gaukelei“, einschließlich Zionismus, Palästina und sogar die kollektiven Siedlungen. Wir stehen in Kanada jetzt derselben Situation gegenüber, die den Beobachtern russischer Vorkricgsvcrliältuissc bekannt war: die zahlreichen Desertionen aus zionistischen Reihen und das schmähliche Mit-Frißeii-Trctcn jüdischer Vergangenheit. Der Konflikt oder doch scheinbare Konflikt zwischen jüdischem Nr• k 23. ja Gemeinschaftsgefühl und intcrnationalistbclicn Bestreb(# *1? rief im Rußland der Vorkriegszeit zahlreiche Thwri™ 1 ‘יי welche auf eine Synthese zwischen jüdischem kI, <*, mtts und Sozialismus ausgingen, Insbesondere sind b*11*• nennen Dr. Syrkin und »oruchov. Die Poalc Zion h t!1 eine eigene Jugendbewegung geschaffen, welche i» ז kls allein 150, in Montreal aber mehr Mitglieder ut1 ״ 1״ Einfluß hat. Die Poale Zion-Partei hat aber viel 8״״ץ'? ' stürmenden Eifer verloren. ״יי ה:; Der Zionismus hier hat Farbe, Gefühl und R«. Sogar die trockenen Herren, die an der Spitze der 74"'•! scheu Organisation stehen, arrangieren dann und »,!'י״״'« milde ״Orgie“ eines Oneg Schahbat. Bis vor kurzem 4' die Poalc Zion-Jtigcml das singende und tanzende f|, im Zionismus. Seit einiger Zeit jedoch Ist eine neue zionk■ Jugendorganisation hei uns eingezogen, der , Ilazair“. Abends, wenn man Brmiswiekstrcet oder 011'״ Street 111 Toronto passiert, kann man sie hören. |n kurzer/ ' gelang es ihnen, in Toronto 25(1 Mitglieder zu bekommt«! sie nach dein Muster der Scouts organisierten Die Tat׳״: daß sic Uniformen tragen, zieht viele an, eine Minderheit v Sic nehmen cs mit dein Zionismus sehr ernst, und nach 1 rciclumg eines gewissen Alters müssen die Mitglieder ent«!' nach Palästina gehen oder die Organisation verlassen f, haben das Glück, eine fähige und talentierte Führerschaft1 ־ besitzen, Sie veranstalten ihre Sommerläger in der von Montreal und Toronto und besitzen sogar in‘f Vereinigten Staaten eine eigene Trainingsfarm für Chaly« Der ״I lasehonier Hazair“ ist in Kanada durch spät e* gewanderte Elemente gegründet worden und setzt sich *״ hauptsächlich aus diesen zusammen. Dasselbe gilt |״ zweite zionistische Jugendorganisation, den ״Brith Trums״’', dor", der stärker nationalistisch und den allgcmein-mcm■•׳" liehen Idealen entfernter ist. Es ist zweifellos, dal! Organisation in meinem Lande mehr und mehr faschistisch{ Züge angenommen hat. Dennoch stellen die vorgenannten radikalen Jojmt, Organisationen nur eine verschwindende M inderheitü; während der größte Teil der jüdischen Jugend entweder über' haupt nicht oder in Sonntagsscliul-Organisationen, »־ ״Young Jtidea“ organisiert ist, und so die Tradition d vergangenen Generalion fortsetzt. Dennoch sind es gen:• die vorgenannten Organisationen, die den fähigeren wertvolleren Teil der Jugend an/ichcn. Der Einfluß fc Minderheit äußert sich sogar in Organisationen wie ״Vor,• I* ra e I“. Diese Organisation wurde vor einigen JA« Ins Leben gerufen, uni jungen religiösen Menschen Gdej״.; heit zu Andachten und religiöser Betrachtung zu geben. %u gelang, war die Einrichtung von Bcträunien, was mißlang, *1! die Bildung und Unterhaltung regulärer Studicrarbciügcmta. schäften. Die Predigten, die itt diesem Kreise gehalten werte, beschäftigen sich mit den Problemen des modernen p• dischcn Lebens. In früheren Zeiten gehörte zur ״Vottng Jtidea“ der bot! Teil tler jüdischen Jugend, heute beschäftigt man sich « Üntcrhnllungsabcntlcn, und wenn cs auch hier und da einer, . __ Leben cinhaucht. Und doch könnte gerade diese Organisation die wichtige Aufgabe der Verbreitung moderner jüdischer Gedanken unter den Jugendlichen erfüllen, ln Montreal ji' cs die Young Mcn's Uebrew Association, aber in Toronto und an vielen anderen Orten gibt cs nichts׳ dergleichen. ,Es gibt selbst unter denjenigen, die sich nicht irgendeiner Richtung angcschlossen haben, heute ein reges Interesse m jüdischen Fragen. Man hat hebräischen Unterricht itt de! Schulen. Es wäre ein*: dankenswerte Aufgabe, diese Kdoe weiter zu entwickeln. Zu einem Paläsiinabudi Palästina-Beschreibungen und •Literatur werden ln zinnistisehen Kreisen im allgemeinen wohlwollend beurteilt, H;t> wissen, daß das jüdische Publikum sehr vielfarbig ist und daher ein Palästina-Buch, das dem einen nicht zusagt, vielleicht bei dem anderen Interesse an dem Lande und am Zionismus weckt. Ein solches Erwecken von Interesse für Palästina ist aber immer eine gute Sache und um ihretwillen stellen wir häufig bei unserer Kritik andere Gesichtspunkte zurück. So hat auch ein kürzlich erschienenes Buch von Erich Gallgclreu trotz mancher Bedenken im allgemeinen eine nachsichtige Aufnahme gefunden. Nun erhalten wir die Kritik einer allen Palästinenserin, die an uns appelliert, auch einen Kreis aller Palästinenser, die sich im allgemeinen nicht journalistisch betätigen, in einer Sache, die ihnen Herzenssacke ist, zu Worte kommen zu lassen. Die ״Jüdische Hundschau" hat sich stets diesen Menschen, die im Lande arbeiten, besonders verbunden gefühlt, und es ist selbstverständlich, daß wir-, ungeachtet der Tatsache, daß ein anderer Autor früher über dasselbe Buch einige freundliche Worte in unserem lllall gesagt hat, auch dieser mehr prinzipiell gehallvncn Einsendung unsere Spalten Offnen. Red. Erich Gottgcfrcu: ״Das Land der Sühne״ — ״Palästina nahcgcrückt“. ™r. *1al,c״ wieder ein neues Palästinahuch bekommen, ein Buch, das schon in seinem Titel und in der Reklame, die es für sich macht, anspruchsvoll ist. Es bringt, in Buchform gesammelt, eine Reihe von Artikeln, die 111 der kurzen Zeitspanne von etwa drcivicrtcl Jahren in der jüdischcn Presse erschienen sind. Für den ernsten zionistischen Leser ist cs schlechterdings nicht möglich, sich bet der Fülle an unverständigen Auslassungen über Palästina mit dem Unwert solcher Dinge jedesmal auseinanderzusetzen. Daß aber die Aufsätze von Oottgctrcu nun als Buch der Nachwelt aufbewahrt bleiben und gar verlangt wird, daß jeder sie lesen muß, der Palästina kennen lernen will, sei hier Anlaß, einmal prinzipiell gegen diese übcrliandnchmcnde Form von Literatentum Stellung zu nehmen. wir müssen uns dagegen wehren, Schilderungen über ti ergehen zu lassen, die inhaltlich so oberflächlich sind, d sic die internen Vorgänge des palästinensischen Lebens r gerade streifen. Gottgetreus Artikel gehen den wahren Ding so wenig auf den Grund, wissen so wenig von den VZurzt dessen, was hier im Lande gewachsen ist, daß wir sie nit C"L rlch... 8cltcfl lassen können, welches dem Les Wesentliches über Palästina zu sagen hat. Wer sich sehr hend oder lesend mit Ercz Israel beschäftigen will, soll < Feder oder die Zeitung nicht leichtfertig in die Hand nchnv Dl* al‘c." Palästinenser haben hier ווו Ercz Israel 80v erlebt, die schaffenden Menschen haben seelisch und körn lieh» geistig und materiell soviel Schweres zu üherwine1 gehabt, daß es dne Distanziosigkeit ohnegleichen ist wc sich jemand erlaubt, den Alltag Palästinas beschreiben wollen, der allein Anschein nach noch kaum von auf Land und Leute, Sprache und Kultur berührt hat. Wir lec «m so mehr gegen die Schaffung und Verbreitung 801c] Palästina-Literatur Verwahrung ein, als sic sich gerade an« ziemlich urteilsloses Publikum wendet. Es wäre unsere Pflicnt! diesen Menschen etwas in die Hand zu gehen, was zum Nt«• denken zwingt und nicht zur Zerstreuung dient. Mit gleicher Schärfe müssen wir uns gegen den -J wenden, in dem diese Artikel geschrieben sind. Wir ff* dagegen, daß eine Art Kaffeehaus-Literatur von hier aus ג die Welt geht als etwas, das erlebt und erarbeitet «?;■׳ im Eingewöhnen in die neue Heimat. Eine leichte Sentimenü* tat einerseits, der pseudo-geistreiche Ton auf der ante« Seile (Titel wie ״Zur Ehe gehören drei“ - ״Die OnM g in der Retorte“ —■ oder Sätze wie ״Der Bakteriologe naU Wort, die Lupe den Blick“, um nur einige Beispiele zu sind billigste Journalistik, die in Wahrheit mit der ration des jüdischen Volkes auf eigenem Boden nichts tun hat. , , Fs fst an der Zeit, einmal an das Gewissen derlenlßW appellieren, die bedenkenlos derartige Dinge verötfentlic. Mit seichtem Geschreibe wird niemandem ״Palästina » gerückt“. Wir können gar nicht laut genug 9aK^e" •L testieren, daß minderwertige Litcrattirprodukte in Form Artikeln, Broschüren usw. als populäre Palästinakunue “ Weg von Ercz Israel In die Diaspora machen. Wir m uns weigern, gerade solche Gcislcscr/cngnisse unserem r lä*tincusisclicn Leben aufpfropfen zu lassen. ■,׳.׳! Vielleicht ist cs gewagt, nach dem Gesagten*1״ zu gebrauchen, das schon abgenutzt und fast cm Scniu geworden ist: das Wort von der Vcr w ur z el uns Boden, die wir hier erstreben. Wir sind nicht ztuc«> ,j;!, Palästina gegangen, weil wir uns von dieser A« ü und wurzelloser Geistigkeit frciinachen wollten, wc! Sehnsucht die Bodenständigkeit auch unserer ßc,s*'f!. war. Wenn uns noch die Vitalität geblieben ist, "u . schlagen in dieser teuren Erde, dann müssen «1׳r * Kraft haben, das Literatentum von nn3 zu tun, unserem Boden nicht gewachsen Ist. . . rWrt.id Ziehe Deine Schuhe von den Füßen, denn der üo d־m [>« ״־״st, kt heiliger Bode״^ EU Jaden im amerikanischen Repräsentanten!!*^ Newyork, 18. November. (JTA.) Auf ,Grund Samtergebnisses der Neuwahl der amerikanischen gouverneure und des Kongresses ist K'sc( ״# daß dem Repräsentantenhaus 11, dem Newyorker lament 23 jüdische Mitglieder angehören werden. Verbotene Verleumdung. Die Zeitschrift ״^le *« Welt“ vom 17. November berichtet: Pfarrer isctcf) Pfäfflingcn (Bayern) hatte behauptet (der La' p0||1f M c i s e r habe von jüdischer Seite 1 Milli 0 zur Führung des Kirehenkampfes bekommen; ts2etic״! Million sei in Aussicht, gestellt worden. L>a* ״ {je• Oettingen verbot dein Pfarrer Hormcß cinstwci'י J»’«0 000 haupt« ngen aufzustclkn, bei Geldstrafe bis z verfsbc־a* und Haft bis zu Sech* Monaten. Die Kosten d* hat et au tragen. l V־ I ) ו!v;;1 '; r V 1* ■il . uJ. Vi 1!'«; tj , 4, I I . 11!. .14 ‘ ' IM ■v ■ * f'/ö ,, >1. i'rt ‘ ׳;.»־*4׳' i r׳ { ׳ I r 1 n וי ii I ,r1, ’־1י ׳ 1 1 ■i;1־1 l I . ׳11 (־ (V ‘ 1

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