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Jüdische Rundschau · 1934-11-20 · Heft 93 (20.11.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 93 (20.11.1934)
Date
1934-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 93, 20. XI. 1934 Innern ist rin Betätigungsfeld keineswegs ganz, ausgeschlossen. Selbstverständlich soll damit nicht gesagt sein, daß man ohne genaueste Erkundigungen und ohne Beziehungen einen derartigen Schritt wagen sollte. Was nun die Gelehrten »»belangt, so ist ja heute schon — Pessimislcn würden vielleicht sagen heute noch — in der Union ein rundes Hundert recht gleichmäßig über das Land hin mit zum Teil recht auskömmlichen Gehältern untergebracht. Und juf meiner Rundreise hatte ich zunächst den Eindruck, daß noch manche zu plazieren wären. Mein Öptimismus hat aber bei der Besprechung mit den maßgebenden Stellen leider einen empfindlichen Dämpfer erfahren. Man belehrte mich nämlich, daß die bisher — übrigens vorerst nur auf eine beschränkte Anzahl von Jahren — Angestellten nicht etwa aus dem Ordinarimn der in Frage kommenden Hochschulen und Forscliungsstellen, sondern fast stets aus den verschiedenen, keineswegs unerschöpflichen Hilfsfonds bczahlt werden. Immer wieder ist dabei in der einen oder anderen Form die Rockefel!cr-F oundation beteiligt — eine der großartigsten, freiheitlichsten und vornehmst gelcitoten Einrichtungen der Welt, die aus ihren Jahreseinnahmen von fast 10 Millionen Dollar vielen der aus Deutschland abgewanderten Gelehrten ein Weiterarbeiten ermöglicht hat. Eine andere schwere Hemmung, in gar zu raschem Tempo gar zu viele der Gelehrten unterzubringen, liegt in der bcdcnklichcn Anzahl der stellungssuch enden heimischen Wissenschattier. Man ist hier begreiflicherweise zurückhaltend, gar zu viele Vakanzen mit Fremden zu besetzen, solange diese Arbeitslosigkeit vorherrscht. Trotzdem ist zu hoffen, daß in langsamem Tempo der eine oder andere von der langen Warteliste untcrgcbracht werden wird. Daran wird unermiidlieh gearbeitet. Amerika unterscheidet sich insofern vorteilhaft von den meisten anderen Ländern, ais man Anregungen und Kenntnissen von Neuankoinrriemlen ohne Vorurteil gegenüber steht. Der Fremde wird auch gleich in die nationale Gemeinschaft aufgenommen, — Amerika ist ja von jeher auf Einwanderer angewiesen und eingestellt gewesen. In dieser Beziehung herrscht ein entscheidender Unterschied gegenüber allen übrigen Ländern meines Gesichtskreises. Aus dieser Grundeinsteilung heraus hat sogar die Regie- Hing, sei es direkt oder indirekt, manche Deutschen als Sachverständige verpflichtet, selbst wenn sie noch nicht eingebürgert sind. Ein Gebiet, auf dem sich vielleicht für den einen oder anderen Spezialisten gewisse Möglichkeiten bieten, ist die praktische Sozialarbeit, die infolge der Massenarbeitslosigkeit zurzeit eine traurige Hochkonjunktur erlebt. Aber auch hier sei davor gewarnt, auf gut Glück und ohne Verbindungen hierher zu kommen. Eine Anzahl weiblicher Kräfte mögen hier zwar nicht ihr Glück, aber ihr gutes Auskommen finden, und zwar in der Hausarbeit. Wir alle wissen und beklagen, wieviele junge Mädchen in den beiden letzten Jahren mit einem gefährlichen Optimismus und einer Art Romantik in die curopäiseheu Nachbarländer als ״Haustöchter“ gefahren sind und wie die meisten von ihnen schwer enttäuscht wurden; allzu häufig mußten sie erkennen, daß sie als unbezahltes Dienstmädchcn ausgenutzt wurden. Hier In den Vereinigten Staaten ist zwar, ״domestic servicc“ gewiß auch kein reines Vcrgnügen; immerhin ist die Bezahlung auskömmlich. Junge Mädeben, die darauf angewiesen sind, im Ausland ihr Brot zu verdienen, und die gewillt und in der Lage sind, Hausarbeit zu verrichten, können an eine Auswanderung nach Amerika denken. Sehr zu empfehlen wäre eine vorherige Facha u s b i I d u n g in Europa. Für sie, wie für alle Europamiidcn ist natürlich zuvor die Einreiseerlaubnis zu erwirken. Abgesehen von den sehr wenigen Fällen, In denen die notwendigen Kapitalien vorhanden sind, ist zu diesem Zweck eine Bürgschaft eines Amerikaners erforderlich. Im allgemeinen sind bisher auch entfernte Verwandte dazu bereit gewesen. Ich schließe diesen Bericht mit der Wiederholung aller Warnungen und Einschränkungen: Niemand möge sich den Kampf ums Dasein in Amerika leicht vorstcllcn. '*\ J' ■ר־ נ. י״ ^יייייי^ 99 ,Friedens - Verhandlungen 4t daß Wir haben bereits in unserer vorigen Nummer mltgctcilt, jüdische Zeitungen Polens sensationelle Mit- Der Aufschwung der Landwirtschaft Palästinas Die Abteilung dcrjcwisli Agency f ii r Land- Wirtschaft und Kolonisation hat einen Bericht veröffentlicht, in dem festgestcllt wird, daß im Wirtschafts• jahr 19311/31 von den jüdischen Siedlungen, die zum größten Teil ihr Arbeitsgebiet erweitern konnten, ausgezeichnete wärtsehaftlichc Ergebnisse erzielt wurden. Diese Erfolge seien um so höher eiiizuschätzcn, als die Mehrzahl der Siedlungen nicht das von der Jcwish Agency veranschlagte Budget erhalten konnte. Die wirtschaftliche Grundlage der Kolonien habe sich als durchaus gesund erwiesen und die Voraussagen jener Fachleute widerlegt, die erklärt hatten, cs werde zu einem Zusammenbruch der Siedlungen kommen, sobald die Zuschüsse des Keren .Hajcssod ausblciben. Die günstigen Wirtschaftsvcrliältnissc im Lande seien seitens der Siedlungen durch Festigung ihrer Ein- und Verkaufsorganisationen. (״Tenuva“ und ״Hamaschbir“), Erweiterung der Milchwirt- Schaft, Hühnerzucht und Saatzucht und Verbesserung der übrigen Landwirtschafts/wcigc gut ausgewertet worden. Die Milcfiproduktion ist gestiegen und der Durchschnitt der Jahreseierproduktion beträgt nunmehr 150 Eier gegenüber 60 m den früheren Jahren. Auch im Obst- und Gemüsebau sind Fortschritte zu verzeichnen. tcilungcn über angebliche neue Fricdciisvcrcmbaruiigcn zwisehen Ben <11111011־ mul Jahotinsky veröffentlichten. Diese Nachrichten fanden um so eher Glauben, als _ unmittelbar nach dem ersten Bcfriedimgsahkommen Ben Gurion in einer telephonisch nach Palästina gegebenen und dort veröffentheilten Erklärung ,geäußert hatte, daß die Verhandlungen weitergeführt werden und auch über andere Fragen eine Ucbcremstinimiuig erzielt werden könnte. Dazu erhalten wir jetzt eine offizielle Kundgebung des Zionistischen Zentralbüros in London, die lautet: ״lin ZiiNitmmenhnng mit den von der Exekutive inaugurierten Vcrlimidiungcn mit den einzelnen zionistischen l’uticicn wegen der Wiederherstellung de» inneren Friedem» in der Bewegung sind in der letzten Zeit In «1er Presse verschiedene unautorisierte und u n richtige Meldungen erschienen, die geeignet sind, in der Bewegung Unruhe liervorzurufen und den Gong der Verhandlungen zu stören. Es wird von allen Z.lonlsten erwartet, daß sie derartigen Gerüchten keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Wie bisher, wird die Exekutive, so oft konkrete Resultate in den Verhandlungen erzielt werden, die Bewegung und die Ocffcntlichkcit entsprechcnd informieren." Da die Meldung nur allgemein von ״unautorisierten und unrichtigen Meidungen“ spriciit, so sind damit noch nicht alle Zweitel beseitigt. Die Nachrichten, die in der Lemberger ״Cliwila“ und im Anschluß daran in anderen Blättern, so 1. B. im Warschauer ״Hajnt“, abgedruckt waren, wollten von vcrtraulichen Abmachungen wissen, die durch Indiskretion in die Presse gelangt seien. Wie das 80 zu sein pflegt, werden vermutlich trotz des Dementis der Exekutive diese Meldüngen diskutiert werden. Es heißt darin, daß in einer noch nicht unterschriebenen mündlichen Vereinbarung zw ischen Ben Gurion und JabOfinSky überein gekommen worden sei, daß die Revisionisten die Histadruth als einzige Gewerkschaft anerkennen, ihren Boykott gegen die Fonds aufgeben und sich der Disziplin der Zionistisehen Organisation unterwerfen, wohingegen ihnen ein Platz in der Exekutive eingeräumt werden soll. Es heißt in diesen unbeglauhigtcn Nachrichten sogar, daß die Revisionisten in eine von Wcizmann geführte Exekutive cinzutreten bereit seien. Ferner wird erwähnt, daß auch über die Regelung des Arbeitsverhältnisses tn Palästina gesprochen wurde, wobei die Revisionisten auf ״Streikbrechern“ verzichten sollten, wahrend die Arbeiterorganisation neue Grundsätze zur Verhütung von Streiks in Aussicht stellte. Alle diese Nachrichten haben natürlich erhebliches Aufsehen hervorgerufen und auch da und dort schon innere Kämpfe entfesselt. Schon nach Bckanntwcrdcn des offiziell mitgctclltcn Abkommens bezüglich Vermeidung von Terrorakten ist — bcsonders in P a i n s 11 n a und Polen — sowohl in den Krcisen der Arbeiterpartei äis auch in den Kreisen der Revisionisten Widerspruch laut geworden. Die Führung der Opposition innerhalb der palästinensischen Arheiterorganisation hat die dortige Gruppe des ״Haschomcr Hazalr“, die in einem Aufruf scharf gegen den Pakt protestiert, der — nach der Meinung dieser Gruppe — ״die Tür zur Schafftmg einer nationalen Exekutive von Ben Ourion bis Jabotinsky öffnet“. Dagegen hat ein Führer der polnischen Revisionisten namens Lewin in einem offenen Schreiben an Jabotinsky die Niederlcgung seiner Acmter im Revisionismus und seinen Austritt rnitgcteilt, weil Jabotinsky durch den Abschluß dieses Abkommens sich ״des Verrats an dem im Kerker schmachtenden Achi-Mclr“ schuldig gemacht habe. Daß die Situation noch immer recht verworren ist, bcweist auch ein offiziöser Leitartikel in der letzten Nummer des hebräischen Zionistischen Zentralorgans ״Haolam“, worin cs u. a. heißt: ״Millen in den Besprechungen Ul»cr die Herstellung normaler Beziehungen in der zionistischen Bewegung, kaum einige Tage nach der Vcrüü'cntlirliuug der ersten Abmachung über die Vermeidung unzulässiger Kainpiincllinden unter den zionistischen Parteien und Richtungen, hat Herr Jabotinsky im Warschauer ,Moment' vom 2. November einen Artikel veröffentlicht, der nicht anders als ein U 11 i m a t u m bezeichnet werden kann. Wie rnitgcteilt wurde, ist in den Bei «hingen der ZIoulsIiieNe Exekutive mit den Vertretern der Allgemeinen Zionisten u. t1 ' Verständigung filier die Ergreifung von Maßnahmen zur Stärkung 4,t linnistisrhen Disziplin eriielt worden. Herrn Jabotinsky ״ nun tn Ohren gekommen, daß es sieh tim Maßnahmen handelt, welche die wiederholten Beschlüsse des Akiicins-Comitf« und de, gretses filier die Prioril.it der Disziplin der Zionistischen Wr](,״^' •stien in allen zionistischen Fragen und insbesondere hinsirhllich!|lf9 politischen Prärogativen in bezug auf die zionistische Außenpolitik effektiv gemacht worden sollen. Jabnlinsky beeilt sich nun, seine ,p % ehrten Freunde, die Allgemeinen Zionisten', vor 11er Durchfuhr!, dieser Maßnahmen zu warnen. Kr uml seine I’arle ig״K), werden ,einen derartig«•« Primat niemals anerkennen'; ,,;f werden nie eine Verpflichtung unterschreiben, «ich einem Prim,; einer arithmetischen Mchiheit tu unlrrwerfort‘: ,jeder Schalten eme| Andeutung einer Forderung eines solchen Primats wird nur ejs Ergebnis haben 1 endgültige Scheidung, offiziell und klar, wor du» Volke Israel und vor allen anderen Völkern‘. Da» sind klare Worte, ׳Ile eine ebenso klare und unzweideutig Antwort erheischen, und diene Antwort kann nur סי lauten: die Z|,. nlttlsche Organisation kann und wird Ihre Stellung In der Frs!e d״ Disziplin auch unter dieser Drohung de« endgültigen Austritts der Revisionisten nicht andern. Für die Nommlidermig der organisatorischen Beziehungen!*;. sehen Revisionisten sind Zionistischer Organisation kann es mir cinea der folgenden drei Wege gclrcn: 1. Völliger und hetlirigungsloser Anschluß aller Mitglieder der slonis!Ischen Union an die Zionistische Organisation mit allen Rechten und l’lliclilcn, die sich aus dieser Mitgliedschaft ergd*״. Der Zusammenfassung der Revisionisten innerhalb der Ziunisii. sehen Organisation in der Form eine« Sonderverbansles stünde dann natürlich nicht« int Wege. 2. Vollständiger Austritt der Revisionisten au« der Zionistischen Organisation. In diesem Falle würden sie selbstverständlich der Disziplin dieser Organisation in keiner Weise unterworfen «•« und die gegenseitigen Beziehungen in Irczug auf politische Fragm, Einwanderung «1. dgl. könnten dann in ähnlicher Weis* »1«!«,! anderen außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden thganisationen (z. B. Agmlalt) im gegenseitigen Einverständnis pklärt werden. S. Es wäre auch der Zustand denkbar, «kr nicht erwünscht ist, ah»! zeitweilig erträglich wäre, daß bloß ein Teil der Rcvisinnistrii da Zionistischen Orga״Kation »ngcliört. Du•*־ müßten sieh tht Disziplin der Zionistischen Organisation ebenso wie «Ile anderes Zionisten in vollem Umfange unterwerfen, und im Falle ei«1 Konflikte» sieb unbedingt der Disziplin der Zionistischen (>!. ganisathm unterwerfen und notwendigenfalls aus dieser Pflicht die weitgehendsten Konsequenzen liehen. Eine vierte Möglichkeit gibt c s nicht. Indwsondfit Ist der Zustand unerl di glich, daß eine Gruppe von Zionisten in der Zionistischen Organisation sitzt, in ihr alle Rechte genießt, ihre Be• Schlüsse mit beeinflußt und gleichzeitig eine andere Organ!«!«» aufrecht erhält, die für sich das Primat ihrer Disziplin fordert und *ine Tätigkeit entfaltet, die mit derjenigen der Zionistischen Organ!• sation konkurriert und gegebenenfalls auch im Widerspruch stehen . kann. Niemand hat die Unmöglichkeit und Unzulässigkeit einer derartigen Situation besser zum Ausdruck gebracht als Herr Jabotim-kv selbst, der in der deutschen Ausgabe des ,Rassvict' vom 20. Oklotxr 1031 schrieb: ,Vom sittlich-politischen Standpunkt rückt man 1weifell.1t I» eine unangenehme und verfälschte Situation, wenn man einer will selbständige politische Arlreit leisten will, und zu gleicher Zeit andererseits formell ein Teil einer anderen auch politischen Organ!• sation bleibt, die zudem noch auf dits Monopol der politischen Vertretung des Zionismus Anspruch erlicht. Diese Situation wird besonder.» unbeipiem werden, wenn wir (was unvermeidlich ist) politische Schritte zu unternehmen gezwungen sein werden, die ganz oder teilweise die politische l.mie der Zi1>nit>lischfi1 Otgi* nlsation durchkreuzen.' Allerdings hat Herr Jalrotinsky seither die von ihm als »«* »iMlich.polilisrhcn Standpunkt unangenehm und falsch hctcichitflt Situation für »ich und seine Freunde nl» akzeptabel erklärt ur>! hat auch wiederholt dert Versuch unternommen, die Zionhtm bt Organisation dazu tu bringen, einem derartigen Zustand ihre Sanktk* zu erteilen. Er ist der Ocffentlichkcil bisher eine Aufklärung datsbt .«rhuldig geblichen, aus welchen siltlieh-|x)lilisrhen Gründen er *nie Meinung vom August 1931 so gründlich revidiert hat. Die Zinni.iidit Organisation hat durch alle. Beschlüsse, die sie seither zu dieser lr«gt angenommen hat, klar gemacht, daß sic dieser Revision nicht tuöi®• men kann, und zwar nicht nur aas sittlich-politischen, sondern «ad aus eminent praktischen Gründen. ... In den Verhandlungen mit den Revisionisten ist »furch Unterzeichnung der Vereinbarung ülrcr Ausschaltung unmläwK״ Kampfmclhodcn ein guter Anfang gemacht worden■ Diese Verbandhingen können zu einer vollen Verständigung nur dann fuhren, wenn es klar ist, daß alle Zionisten geeint sind in dem uncrschüitct• liehen Willen, die Einheit und Geschlossenheit der von ßc’״ geschaffenen Zionistischen Organisation gegen jeden Angriff 1• schützen.“ Fortdauer der antisemitischen Unruhen in Krakau Warschau, 15, November. (JTA.) Am 14. November wiederholten sich an der Jagicllonischen Universität in Krakau die Ausschreitungen der nationalistischen gegen clie jüdischen Hochschülcr. Die Nationalisten demonstrierten vor dein Universitätsgebäude gegen die Juden und hinderten die jüdischen Hochsclniler am Betreten des Univcrsitätsgebäudes. Im Gebäude der juristischen Fakultät bcsetzten die Nationalisten die Eingänge zu den einzelnen Vorlesungssälen und drängten die jüdischen Hochschülcr aus dem Gebäude hinaus. An der medizinischen Fakultät wurden die Eingänge zu den Laboratorien blockiert, so daß die jüdisehen Studenten nicht an ihre Arbeit gehen konnten. Vielfach wurden die jüdischen Studenten aus den Hörsäle״ hinausgeworfen. Zu größeren Zusammenstößen kam es im chemischen Laboratorium. Auf Anordnung der Universitätsbehörde gingen die Diener des Laboratoriums gegen die demonstrierenden Nationalisten vor, die schließlich das Gebäude verlassen mußten. Der Rektor der Krakauer Universität veröffentlichte bereits den dritten Aufruf an die Studentenschaft, in dem er sie vor einer Forts etzun 8׳ der Exzesse warnt Die Hagadah als Oratorium Musik: Paul Dessau, Textbearbefiung: Max Brod Der Komponist Paul Dessau und der Dichter Max Brod arbeiten gemeinsam an einem Oraforium auf Grundlage der Pcssacli-Hagadah. Max Brod gab unserem Prager Korrespondenten, - Dr. Hans LI c h t w 11 z, Uber das Werk die folgenden Aufklärungen: Die Anregung zu dent Oratorium hat Paul Dessau bereits im Frühjahre an mich gelangen lassen und bei einer späteren persönlichen Begegnung wurde der Plan in den Grundrissen festgestcllt. Es handelt sich nicht um ein Bühnenwerk, sondem um eine ko 11 z e r t in ii ß i g c Bearbeitung des alten Textes. Paul. Dessau wird den Text in der hebräischen Ursprache komponieren, wobei nur geringfügige Acndcrungen des Urtextes, soweit dies die Situation fordert, vorgenommen werden. Paul Dessau ist durch seine in Berlin aufgcfiihrtc Kinderkaufatc und in jüngster Zeit durch Komposition zweier Psalmen bekanntgeworden. Er scltrieh ferner eine Orchester- Suite und die Musik zu mehreren Tonfilmen. Ucber den Plan des Hagadah-Oratoriums haben wir uns in folgender Weise verständi't: Eine Einleitung und Ouvertüre soll das festliche Treiben, die Erwartung des Festes ausdrücken. In dieser Einleitung werden auch die vier Kind er-T y p cn, die die Hngadah unterscheidet, aufgenommen. Ein Sprecher leitet zum eigentlichen Text über, der im Anschluß an das alte Volksbuch gestaltet wird. Der Hausherr beginnt: ״Dies ist das Brot des Elends..." dann folgt das Solo des jüngsten Kindes: ״Mah nischtanch“ — ״Warum ist diese Nacht ausgezeichnet...“ und der Beginn der Erklärung bis zu den Weisen von Bnc Berak. Hier soll sich nun. die Musik in immer tiefere Räume der Vergangenheit öffnen und die 1« der Hagadah vorgeführten Szenen, wie die Bedrückung de Juden, Moses vor Pharao, die 10 Plagen, der Auszug der Durchgang durchs Rote Meer in kleinen dramatische Szenen geschildert werden. Von der Hagadah werdet! natu׳• lieh nur einige, relativ wenige Stellen verwendet werden, auf die Stellung der einzelnen Bestandteile wird eine andere «' Besondere Bedeutung wird die Mitternachtshymne von m׳ haben, sowie die ganze Darstellung mit der immer wiedc־ kehrenden Zeile: ״Es hätte genügt“ (״Dajenu“), die wir Schlußhvmnus in Aussicht nehmen. Bei der Darstellung ״ in Bnc Berak diskutierenden Weisen werden auch einige a Midraschim ihre Stelle finden. ״ , In ähnlicher Weise sind in den Kantaten von ™™י . Oratorien und Passionen von Händel und Bach ww* Szenen der Schritt zum Gegenstand rnusikalisch-dichtcrisc Darstellung geworden. Mit Theater, mit bühnenmäßiger 1 Stellung hat unser Plan nichts zu tun; er tendiert a»• . . streng stilisierte Form, die durch Arie, Chor, Strophe״ u8w. gegeben ist. Daher steht unser Plan auch in ״ , Beziehung zu Franz Werfels neuem jüdischen Bühnen* von dem wir überdies erst erfuhren, als unser ח«1 ו oe feststand. Der Text würden uns sehr neuen, wenn aic u ra u ן״ ־־י •« ״ י י,#. Frühling des kommenden Jahres in Palästina finden könnte. — Ilauptschrittleitert Dr. Robert WelUch, Berlin-Charlotten!»״^ v Stellvertreter! Kurt Loewemteln, Berlin W 18• An״l£( er, und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Cnan Berlin N 64, Verlag und Anzcigenvrrwaltung: Jüdische Berlin •W 18, Meinekestr. 10. D.-A. Oktober 35 050. Zu«'« . liste Nr. 1 vom X Januar 1934 gültig. Druck: Siegsrted Berlin-Schöncbcrg. ist im Entwurf jetzt fertiggestellt und ehr freuen, wenn die Uraufführung

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