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Jüdische Rundschau · 1934-11-06 · Heft 89 (6.11.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 89 (6.11.1934)
Date
1934-11-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 1 89, 6• XI. 1934 NaCh einem Jahr der experimentierenden Spiclplangestal- ״- scheint jetzt der Kulturbund auf ein strenger gebautes A abwecli•‘lungsreiches Programm hinzustcuerii: Fidclio ״erkaufte Braut, Nabucco (Verdi), Der Anfang der Saison ist gemacht und mit groliem künstlerischen?, ranitfortuugsgefühl und Können. Diese Fklelio-Aufführung . . ״!ן hohes Niveau — das tiodi höher einzuschätzen ", 1״ Anbetracht des jungen Ensembles ein Nrveau, das jjg Zukunft verpflichtend ist. pje Fklelio-Aufführung wurde naturgemäß vom Musi- . Ischen getragen. Josef Rosen stock entschied den Erfolg,?״nächst einmal technisch: das Orchester spielte wie «in Wiiin den scharfen Zeichen des Dirigenten augenblicklich loljcnd. Diese sehr herbe, weniger auf Farbe hin instru- •f« «״׳'; ׳ ' ע , '/ Itonort — Ruth Wbiffreton Florestan ־— Joachim Hein». Foto : J, Abraham. montierte Musik Beethovens klang überaus voll, aus geglichen, dabei schlank. Bei den Streichern versteht sich das wri!clbst: aber auch die leider noch immer schwach bc-!einen lll.iser spielten rein, leicht, cnscmblemiiliig. Rosen-!!ochs aulScrordcntliclic Spannkraft, die sich aber nacli nullen hin in sehr beherrschter Zeichengebung äußert, trieb das Orchester zu großen Leistungen an. Alles war bis ins Letzte gefeilt. Jede instrumentale Stimme war, auch bei furiosen fidlen, plastisch, und dabei keineswegs kühl herausgehoben, somitrn cingeordnet in große geistige Zusammenhänge, Die lennoren-Ouvertüre 3 (an der üblichen Stelle im 2. Akt) lind besonderen Beifall. Eindeutig und notwendig erschienen die straffen, bewegten Tempi. Bewundernswert war das Ökorömische Bauen auf lange Strecken hin, wie etwa die groß ge- Steigerten Finales. jüdische Rundschau eiten# stiiia Premiere im «,Thcalron Cliadasdi׳״ Tcl-Awiw, Ende Oktober 1034 . Das ״Theatron Ghadasch“, ein neues Theater unter Leitung von Alfred Wolf, das sich soeben zum erstenmal dem Publikum vorgestellt hat, stellt seinem Programmlieft als Molto die Rede Hamlets an die Schauspieler voran (Hamlet, dritter Aufzug, zweite Szene). Wahrlich ein gutes Motto, ebenso begrüßenswert wie die weiter geäußerten Vorsätze, eine Theaterkunst zu pflegen, die immer eine Bc- Ziehung zu unserer Gegenwart haben soll auch dann, wenn ihre Stoffe oder ihre Formgebung — wie im klassischen Schauspiel — der Vergangenheit angchörcn. Der Zuschauer solle teilhaben an der dramatischen Welt Produktion von Qualitat, ebenso wie eine besondere Berücksichtigung unserer jiidisehen Situation, soweit die Oola lind Palästina sie gestalten, versprochen wird. Auch eine besondere Pflege des hebräischcu Dramas — dessen Anfangsstndium betont wird — ist vorgesehen. Wir werden nbzuwarten haben, welche Entwicklung die Dinge weiter nehmen werden, welche Prätentionen verwirklicht werden und welche Versprechungen etwa nicht zur Erfüllung gelangen. Die erst« Inszenierung liegt vor, und wir müssen zunächst fcststcücn, daß wir das — freilich ausgezeichnet gebaute — Stück des Engländers Sheriff, welches die Grauen und Nöte des Weltkrieges, wie er an der vordersten Front erlebt wurde, erneut in Eriimerimg ruft, als Eröffnungsvorstellung für eine neue Bühne Palästinas nicht für eine glückliche Wahl halten, mit der allein man sich schon in einen Gegensatz zu dem eben erst entwickelten Programm stellt. Zu schweigen von den Tatsachen, daß von einer Beziehung zu Palästina oder zum Judentum keine Rede sein kann, Hegt das Ende des Weltkrieges sechzehn Jahre zurück, und seihst wenn in vielen Ländern der Erde das Wort ״Krieg“ wieder einen recht bedrohlichen Klang angenommen hat, 80 denkt im Ernst heute niemand mehr daran, die Technik dieses zukünftigen Kampfes Aller gegen Alle zu identifizieren mit den Methoden der Jahre 101!—!<>!8. Hoffentlich wird man sich In Zukunft aus dem Repertoire-Dilemma, in dem sich unsere anderen Bühnen schon lange befinden, m't besserem Erfolg zu helfen wissen. Das Plus der Aufführung ist vor allem in der Gewinnung von fast durchweg jungen und neuen Kräften für das hebräische Theater zu suchen. Die Hauptrolle in diesem Männcrstück ist bd Josef Schaoira ausgezeichnet aufgehoben. Er erweist sich erneut — nach seinem großen Berliner Erfolg in Duschinskys ״Komparseric“ — als Charakter-Darsteller von großen Qualitäten. Sein Cnptnin Stanhope ist eine fein durchdachte und gut gesteigerte Leistung. Am überzeugendsten, wenn er seinen ״Front-Tick“ in Whisky ersäuft, die Angst vor dem?,Draußen“, die Sehnsucht nach dem Geborgenscin, die Disziplin des Soldaten, das Zermürbtscin und die Trauer um den von Granatsplittern zerfetzten Kameraden und Freund blitzartig aufflammen und verlöschen, Neben ihm fällt der Ralcigh von Ari Ariel als eine Leistung von großer Einprägsamkeit auf. Hier empfängt man Proben einer starken Begabung, deren weitere Entwicklung mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen sein wird. Regiearbeit wird deutlich spürbar bei Kalman Konstatyncr, der dem feinen, zuverlässigen, ruhigen und todbereiten Osixirne, dein ״Onkel“, in Haltung und Sprache einen überzeugenden Umriß verleiht. Nicht ganz überzeugen konnte der Trotter von Ernst Ceiß. Was für Stanhope der Whisky, für Üsliornc die Kimlcrgccliclitc, für 1 libhert die Fraucngcschicliten, ist für Trotter die permanente Sorge tun das leibliche Wohl. Jeder versucht seinen ״Front-Tick“ auf seine Weise überzukompensieren. Bei alledem ist Trotter ein tapferer Soldat, der seinen Mann stellt, wenn es Ernst wird. In dieser Darstellung blieb alles etwas unklar und verschwömmen. Man glaubte dem Spieler weder das Männliche noch das Genußsüchtige, während Wolf Berlin sky die Offensive-Angst seines I libhert in jedem Ton vibrieren läßt und seiner Rolle auch was Gestaltung anlangt, nichts schuldig bleibt. Einen bis in die Spitze seines Stückchens engliechen Colonel stellt Elieser Donath auf die Bühne, kleinere Aufgaben lagen in Händen von Mario Kranz, Raffael Kus* minsky und Michael S. Wolff. Alfred Wolf hat als Regisseur sich diesmal wollt mehr auf das Arbeiten mit einzelnen Kräften eingestellt, als sieh darauf konzentriert, Dehergiinge weicher zu machen, das Tempo zu steigern und die Atmosphäre zu verdichten. So gut Donath sielt hier als Schauspieler bewährt, so kann man freilich gegen seine Leistung als Bühnenbildner gewichtige Einwände machen. Seine Aufgabe, nur eine Szenerie zu schaffen — den Unterstand, in dem das ganze Stück spielt —, ist nicht ganz befriedigend gelöst. Alles ist zu gerade, zu a!)gezirkelt, noch die Treppen, die aus dem Graben fuhren, stören, es fehlt das Gefühl, daß diese Menschen unter der Erde, ja in der Erde hausen — nicht ״leben“ —, überdies ist der Raum zu hoch, alles ist zu sauber für das vierte Kriegsjahr, von den blankgcputztcn Stiefeln bis zu den Schlafdcckcn. Mit dem Schluikifckt des cinstürzenden Unterstandes wird wenig gehalfen. Die Arbeit des Regisseurs gewinnt — Wie besonders auch die Leistung des Hauptdarstellers — außerordentlich an Bedeutung, wenn mati in Betracht zieht, daß einem wesentliehen Teil der Mitwirkenden der freie Gebrauch des Hebrä• i sehen im täglichen Leben nur sehr begrenzt möglich ist, da es sich — abgesehen von zwei Schauspielern — um Kräfte handelt, die erst vor kurzem ins l.niul gekommen sind. Andererseits müssen wir auf diese Weise auf einen sehr wichtigen Faktor verzichten, dem man auch bei den anderen Bühnen noch längst nicht genug Bedeutung eingerämnt hat, nämlich auf die Erziehung von der Buhne her zu einer ein• Wandfreien Diktion und Phonetik der hebräischen Sprache. Das ״Theatron Cltadasch“ hat seinen Start hinter sielt. Hoffen wir, daß von dem ״Neu n Theater“ eine wirklich befruchtende Erneuerung des palästinensischen Theaters au» geht. Dann wird cs uns willkommen sein. Manfred Gei*. Für die beiden Hauptrollen hatte man zwei neue Kräfte verpflichtet: V/olffrcim und Heinz. Ruth Wolffreim als Lconore war im ersten Akt noch befangen; ihr Stimmeharaktcr schien zu milde, ihr Spiel gehemmt zu sein. Im zweiten Akt entfaltete sie sich bis zu Pathos und dramatischen Akzent, der allerdings um eine Spur schärfer, 11cmmtingsloser sein könnte. Hans Joachim Heinz (Florcstan) besitzt eine große, dabei intime und überaus glanzvolle Stimme; er fiel auf durch sein echtes Spiel Und durch die in* telligcntc Art seines Dialoges, die auf der Opernbühne leider sonst vermißt wird. Ein dämonischer Pizarro war Siegfried Urias; er vermied glücklich den typischen Bösewicht. Fritzi jokl sang als Marzclline gepflegt, war aber sonst zu wenig einfach und unschuldig-lieb — viel zu hüpfend und tänzelnd, eben wie ein manieriertes Kammerkätzchen. Die Rolle des Rocco war nicht glücklich besetzt; Walter Olltzki traf nicht de» Ton des geruhsamen, etwas spießigen Vaters; er war teilweise zu viel komischer Alter, teilweise durch seine nasale Tongebung unnötig zugespitzt und zu hintergründig. Den r׳1 })'—'"«-1’**״ .. v; Tizarvo — Siegfried Urias, lidcco — Walter Olitzhi Foto: /. -Atnrakam. Fernando sang Fritz Lech n er mit großem Ton. Zu ׳"״*hnen sind noch der etwas konventionell wirkende Jacquino aul Feh er, und die beiden Gefangenen von Dang er ״nd Korn. Die Chöre waren sehr sorgfältig von Wbold Sander cinstudiert. K.Di= Regie Kurt Singers bemühte sich um Realismus. Y U*B1 entstanden neue Züge, wie etwa: das sehr geschäftige n Marzellines gleich am Anfang; das Schwenken der Fah- AllBegeisterung der Menge im Finale des zweiten Ir,s> Bin derartiges Beleben könnte vielleicht prinzipiell verdie W^rtic11' ^H'r nur Bann nicht, wenn durch die Gestik '11,?'R wirklich überbetont und lalungclcgt wird: das der ,R® Vordringen Pizzaros und das nochmalige Erheben mult t0'c Burch Lconore beim zweiten Trompeten Signal ttlt; ‘"1"״»'6׳lieh die Symbolkraft des ersten Signals als end* ”*־PunK“ zunichte machen; das Auf bäumen und An- Heut C|״cs Orangenen im Festungshofe muß ganz orna- *11 a ״י u״d Rann die Größe der Situation nur vcrklci- •ciiietri Schauplatz dieses Gefängnishofes ist im übrigen ge- (di{ Und originell gesehen; die Treppe zu dem Wall hinauf djwjfr n!cht von den Gefangenen hätte benützt werden ) und anderes mehr gibt die Möglichkeit zu mannigfaltigeren und wirkungsvolleren Auftritten und Abgängen als sonst. Die anderen Szenen litten darunter, daß der Schauplatz ein sehr problematisch verkoppelter Innen- und Außenraum war, wie ihn Singer schon im ״Figaro“ gebracht hatte: die Wohnung Roccos, der Kerker Florcslans waren enge Zimmer — nach oben hin durch eine viel zu niedrige Decke abgcschlossen — mit je einem Turm zu beiden Seiten, über allem der ungeheuer groß wirkende Außenraum (zu erwähnen ist besonders der des ersten Aktes), der durch Projektionen hergestellt wurde (Entwürfe: Heinz Cond eil; Ausführung: Alice Terz). Der Beifall war nach dem ersten Akt nicht sehr stark, steigerte sich aber am Schluß der Oper zu starken Ovationen für alle Mitwirkenden. Man fühlte: jeder hat mit Intensität an einer schönen Enscmblclcistung mitgetan, die programmatisch für den weiferen Weg sein könnte. Dr. Hans Nathan. Die Frau Im ״indisch - orientalischen Denken“ In der Beilage ״Das Leben der deutschen FTau“ der ״Berliner Börscnzcitung“ vom 4. Nov. setzt sich Edith Runge mit dein ״neuen weiblichen Menschen“ auscinander. Nachdem sie von der heroischen, opferfreudigen Oesinnung gesprochen hat, die den neuen weiblichen Menschen auszcichncn wird, schreibt sic: ,,Jüdisch-Orient.ili.sdK's Denken, leider ins Christentum Ubergeg.-mgen, konnte die Frau *u einem Gebiß der Sünde, iu einem reinen Gcschkrlitswesen horunterdriieken und entwürdigen. Nordisrh-GcrninniwIic Gcistcshallung wird aber stets im schärfsten Protest dagegen stehen .... Nur ein libcndistischcs und materi.ilisl Rehes Zeitalter konnte die Wahntlicse der doppelten Moral aufslrllcn, die jüdisch-orientalischem Triehdenken entwachsen ist.“ Man darf nicht, wie die Verfasserin cs tut, ohne weiteres Oricutalentuin und Judentum glcichsctzcn. Während die Frau im außcrhiblischcn Morgenlande des Altertums und bis in unsere Zeit hinein eine rechtlose Sklavin war, wird sic um die gleiche Zeit im jüdischen Bereiche die ״Ehrenkrone des Mannes“ genannt. Mit derartigen Vereinfachungen, wie es hier geschieht, läßt sich die Entwicklung in der Stellung der Frau im Gcscllschaftsicben nicht erfassen. Dr. T. S. Jüdische Musiker in London London, Ende Oktober. Die diesjährige Londoner Konzertsaison scheint diesmal ganz gigantische Ausmaße nehmen zu wollen. Allein über 50 große Orchestcrkonzcrtc, daneben eine Unmenge Konzerte von Solisten internationalen Rufes, sind für diesen Winter vorgesehen. Der Anteil jüdischer Künstler an diesen Veranstaltungen ist ein überwältigender. Von den Geigern führen an erster Stelle M c n u h i n und Kreisler, deren Konzerte in der 10 000 Menschen fassenden Albert Hall stattfinden, da die sonst übliche Queens Hall mit ihren 2000 Plätzen der enormen Kartcltnachfrage nicht gerecht werden kann. Huberntan, F1 e8ch, der hier vorübergehend auch einen Mcisterkursus abhält, Half etz und Elman sind neben eigenen Abenden Solisten in mehreren großen Orchesterkonzcrten. Die lange Liste der Pianisten beginnt mit Schnabel. Ein Zyklus von sieben Abenden mit ausschließ• lieh Mozart, Schubert, Schumann, mehrere große Orchester, konzertc hier und in den großen Städten der Provinz — eins davon anläßlich des berühmten Leeds Musical Festival — bezeugen den Ruf, den Schnabel ln England genießt. Das technische Wunder Horowitz, Altmeister Rosenthal, der Mozartspiclcr Serkin, Rubinstein, Mark Ham* bourg, Osborn und die hauptsächlich hier und in den Vereinigten Staaten sehr bekannten Pianisten Harrtet Cohen, Myra H c ß, Solomon und Harold Samuel sind die wichtigsten Namen in dieser Gruppe. Die Cellisten sind durch Feuermann, der ■unter anderem Blochs ״Hebräische Rha* psodic“ spielt, und Schuster aus Berlin vertreten. Schorr, seit seiner Tätigkeit am Covent Garden hier sehr geschätzt, Hermann Sch e y und die vielseitige Lotte Schöne gehen eigene Konzerte im Rahmen der von dem sehr exklusiven ״London Lieder Club“ veranstalteten Abende bedeutender Säuger. Von Werken lebender jüdischer Komponisten kt kürzlich in den ״Promenade Concerts“ die ״Symphonie für Klavier und Orchester“ von Ernst Toch uraufgeführt worden, unter der Leitung von Sir Henry Wood und dem Komponisten am Klavier. Erncst Bloch, der hier im Vorjahr ein großes Orchesterkonzert mit eigenen Werken dirigierte, ist in diesem Jahre vorläufig nur durch seine ,,Hebräische' Rhapsodie“ für Cello und Orchester vertreten. Die Programme nennen noch Schönberg, Leo Weiner und jaromit Weinberger, dessen ״Schwamla“ bd der englischen Erst* aufführung im letzten Mai solch durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen hatte, daß Covent Garden diese Oper in *einen Spiclplan tür die nächste Saison aufgenommen hat, Dr. M. Garn er. Im Anschluß an das Menuhin*K onzert am 28. Oktoher schreibt die ״Times“, man müsse von jetzt ab atifhörm, Menuhin als Wunderkind zu betrachten und in ihm den reifen Künstler sehen, einen der ersten seiner Generation: das habe er Insbesondere durch seine Interpretation von Bach bewiesen. Ist Licbcrmann nordischer Maler? Im Novemberheft ״Deutsches Volkstum“ fragt sein Her• ausgeber Wilhelm Stapel in einer Glosse ״Welche Landschaftsmalcr sind ״nordisch‘?" und schreibt 11. a.: ״Im Oktoher 1934 wurde zu Hamburg eine Kunstausstellung in der Kunsthalle unter dem Titel ״Das Bild der Landschaft, Meister• werke nordischer Künstler aus drei Jahrhunderten“ eröffnet. Und siche da: Zwei Bilder von — Max Lieber« mann. Vielleicht begegnen wir demnächst auf einer Buch• ausstcllung Arthur (soll wohl heißen Allred) Dublin .als einem ״nordischen Dichter der Seele“.... Zu gleicher Zeit wird in Breslau eine ״Ausstellung von Werken jüdischer Künstler“ eröffnet. Obenan der jüdische Meister Licbcrmann. Lieber« mann als ״nordischer Künstler“ bei den Hamburger ״Kultu• rcllen“, Licbcrmann als jüdischer Künstler im Jüdischen Museum in Breslau — le juif s’atnusc. Es sind in Hamburg höchst interessante Bilder ausgestellt worden. Und eine An• zahl ebenso interessanter Bilder sind nicht ausgestellt wor• den. Das allerinteressantestc an dieser Veranstaltung aber ist, welche Bilder, obwohl man sie leicht hätte haben können, nicht ausgestellt wurden. Nämlich die Bilder gewisser Künstler, die von der Gesellschaft der Republique allcmande aus kulturpolitischen Gründen nicht goutiert wurden. In jener Ausstellung ist man wieder ganz im vertrauten ancicn rcgiinc. Der ״Barbarcn“sturm ist vorübergcrauscht, die ״entsetzliche Zeit“ der Bücherverbrennungen ist nicht mehr. Oder?“ . Nachdem sich Stapel nodh darüber beklagt hat, daß auch die auf der Hamburger Ausstellung vertretenen Frau* zosen nicht als Repräsentanten nordischer Kunst anzusprecheti seien, seMeßt er seine Glosse mit den Worten: ״Wir ver* hissen die Ausstcllung mit dem Gefühl: für diese Leute haben wir uns 14 Jahre vergebens herumgeschlagcn. Die Juden sehen zufrieden lächelnd zu: sie können’s nicht ohne uns. Und was könnten wir ohne sie, wenn wir endlich das Unrecht gegen unsere Meister gytmachen würden 1 Namen gefällig?״ , . T

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