Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kr.«.נ xl 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Die Juden im Viehhandel ״West deutsche Beobachter'׳, Köln l ^.1. .1111 (זי J C- I /־< I« 11< l. f . 1 * ® per ״“״״'״ . ,ר ״,״ ״׳״״er, Köln, vom m Oktober beschäftigt sich in einem Aufsatz von Leo Schä-?־ ,״;ind unsere Lebensmit cl zu teuer?" mit der Frage, ob י' ' fötme *'"־ d״c ß«״nde Lebenshaltung ausreichen. Er jLlet sieb i» ‘1׳esem fusanunenhange Regen weitere Preis• *'״rungen und sagt luerru u. a. folgendes: Tigerungen Im Ce ge nt eil durften manche tibcrjtcigcrlc Preise, wie , von n.ndgcfdichcr Seile mit geteilt wurde, wesenllich herunter, vei'ien• mul rwiir durch eine >rh1,I, 1־ « . n . des i inner t c h e n I 1*1' vcii ׳״׳1״i.''׳.. ־• . י׳.״™'!״ len herunterwdiürkl *ciden, mul zwnr durch eine scharfe Kontrolle 1 ’ -rirr noch vorhandenen jüdischen Z w i 10n 11.1 n de I s. Die vorgesehenen Mnßmdimen «dien z. B. Wl Vieh die Einliiltrtntj* eines Ur s ק r 1111 g % t c u g n i 5 s e s vor. jnmii «II rrreieht «׳etilen, ■hiß ni.lv*. wie es heute wieder Inch <1־ “ "•׳ י ״ ' viel , 11. V "H'tl* I VIS, I* mehrere Zwi-ehenlnintller Ivel einem Stück Vieh ihirn l’iot'1 einsteekrn, womit dann der Verbraucher hehislet wird,;i isl gor.ule im Viehlumdel das Judentum reich■ 1‘lrclPII. Ulltl Pstrautrn h»tv*1\ <<■•*.'1 I•«:״ Jmroff lieh ve 1 Iniero-r ״ 7«1י■ he״ r treten, und <üo»c Parasiten halvcn nutiirlirh kein di.- t ‘«cnimlnng ״״«■rer Wirtschaft u! tinterstiiiren. dem Em'iigir und Kleinvcrkiütfrr von I.ebcnsmii teilt (Ivri nur ein I lön.ller sichen. So ist cs beim B r o I g c t r e i d c reite der Fall, und so muß es aitrli heim Vieh sein. Mit (|״ |)urehl11hnmg des Prsjirmngsreiigtiissos is( also eine ent-prefh״״!c Preissenkung für Fleisch und Fett tu er- *allen■ E* liegt!lieht in unserem Aufgabenkreis, die Frage n׳>ch drin E i n fl 11II des Zwischenhandels auf die Preisbildung /u untersuchen, die ein schon oft crörter- Ui Problem volKswirtschaftlichcr Art ist. Daß aber dieser Zwischenhandel, soweit er in jüdischen Händen liegt, keine ,Klirren Fu tltlioncit crftiJIt als der Handel überhaupt, ist eine volh ,irtschuftlich nicht zu bestreitende Tatsache. Ferner kommt hinzu, daß gerade auf dein hier erwähnten Gebiet des Viehhandel.« die Tendenz zu einer Zuriiekdrangung des jüdischen Anteils sehr stark ist. Die Behauptungen des Artikels im ״Westdeutschen Beobachter" werden in dieser Beziehung durch einen Bericht der ״Natio- Kilzeit 11 n g“, Essen, vom 30. Oktober beleuchtet, ijcr tich mit dem ״Kuhhandel in Husum“ beschäftigt. In diesem Bericht heißt cs u. a.: ״Fs gibt keine Juden mehr nuf dem lltisimicr Viclimttrkl, Jü. i.l Itr (len E.iieii, der mich den! 30. Januar;um erstenmal »•«der ein׳־ derartige Veranstaltung besucht, das hervorstechendste Merkmal. Pas kärgliche hallte Dutzend Uchcrli'bcivlrr spielt wirklieh keine Kalle mehr, wenn man bedenkt, daß die llehräcr früher linier lhimlenen von Marklhesuehern die unliestritlenc Majorität hallen. Da׳ h'1-iing, die hier gefunden worden ist, scheint den l'nisiandrn nach glüeklieh. Die immer noch zahlreichen jüdi- »rhon \ K'hlmmlhingen müssen deutsche Angestellte als l'.ink.iuler ffhiikm. Der l'mgangslon auf dem Markt ist dadurch sehr viel friedlicher geworden. Es wird ehrlich gehandelt. Die Ol,ihr, iihers Ohr gehauen zu wertlen, ist für den flauem und für den keinen dem sehen Händler geringer geworden." Nach dieser Mitteilung dürften also die in dem erwähnten Aufsatz des ״Westdeutschen Beobachters“ enthaltenen An• lichten über den grollen Einfluß des jüdischen Zwischenhindcls einer erheblichen Korrektur bedürfen. Von der Deutschen Burschenschaft Am 21. Oktober meldete die ״Berliner Börsen• jtitung“, daß die Deutsche Burschenschaft ihren Austritt ans dem Allgemeinen Deutschen Waffenting erklärt hat, Den Anlaß dazu bot der Umstand, daß nach Meinung der Deutschen Burschenschaft der Waffenring für die von iltt betriebene Hochschulpolitik und eine ge- ״einsame politische Arbeit der Waffenverbände nicht mehr den notwendigen Boden bietet. Es heißt io der Mitteilung: ״Nach bursclicmclmfllielicr Aufl.e.smig erfordern der lirnst und die Widiligkril der K!11»rr,1<Drhi1fl.shuUM־rzichu!1g, die durch ilm jüngsten Erlaß des Krichscrziehuiigsminislcrs den Korporationen »nvcrii.iut ist, von den Uimden, daß sic *ich zu Kompromißlosem Eingehen auf die I, i n i c der N S D A P. in der Zusammensetzung i 11 r c s Mitglieder hestandes entschließen. Die Deutsche Burschenschaft kann sich nicht vo: stellen, dnß imm den studentischen Nachwuchs zu tulionahorialistisehen Kämpfern erzielten und ihn doch im ״Landesratet" mit Judensläiiimlingett, jüdisch Versippten und Freimaurern butiikdmiiln liehe Trrtioschwürc Imtsehen lassen kann. Da die beul sehe Burschenschaft den Eindruck hat, daß im Allgemeinen DcuMicti Waifcming eine Einmütigkeit in grundiätxliehen politischen und weltanschaulichen Fra* gen nicht hcrgestellt werden kann, hat aie nunmehr den Trennungsstrich gezogen,...“ Die ״II. B.-Z.“ fügt dem hinzu: ״Die« Nachricht ist geeignet, Aufsehen zu erregen. Den andern Bünden des Watfenringcs wird es neu sein, daß gegen sic oder einige von ihnen die Vorwürfe erhoben werden, die in der Sltllungnahmc der Burschenschaften zum Ausdruck kommen.“ Dr.T. S. Palästinas Handelspolitik u In ״Klepzigs Anzeiger“ für die M c t a 11 u n d "Dsc 11 i r» c 11 -111 d ti s t r i e, Leipzig, vom 26. 10, finden wir f'״«n Aufsatz über ״Industrie und Wirtschaft“, der sich u. a. I™ Anschluß an die Boykottbewegung in den Ver- '!"1gten Staaten auch mit Palästina beschäftigt. Es wird in diesem Zusammenhang folgendes gesagt: ״Es ist. vielfach behauptet worden, daß dieser Boykott der oi'ukclii'11 Erzeugnisse nur durch jüdische Elemente gestützt und Rrtragcn werde. Das mag hier und da zutreften, erklärt aber Vcint'swegr die lange Dauer und die Schärfe des Boykotts. Getordert und am heben erhalten wird dieser Verruf deutscher Waren '״r allen von seilen der amerikanischen Industrie, u״ sieh durch eine vielfach populäre Parole die billigere deutsche Konkurrenzware vom Leibe hallen will. Wäre der Boykott deut- *c"fri Waren in Nordtmicrika lediglich ein jüdisches Manöver, »1110 doch zu erwarten, daß er mit allergrößtem Nachdruck da K° ,׳uiilliaht würde, wo das Judentum völlig die Geschäfte bc- ״״sei״, nämlich in Palästina. Das ist aller keineswegs der *I, dem dort treibt man Deutschland gegenüber eine sehr ver• 11nltige und planmäßige Handelspolitik.“ k#d!P ^r,schluß hieran schildert der Aufsatz die Handels• 1'Hungen zwischen Deutschland und Palästina. Krankenkassenangesiellie i'hsarbeitsminister Seidtc hat in der Prüfungsordnung 1"kenkasscnangestelltc in Preußen, die soeben erlassen ׳•׳״ bestimmt, daß zu den Prüfungen mir zugelassen we,r die gesetzlichen Voraussetzungen für eine An• I 11n öffentlichen Dienst erfüllt, namentlich arische »njtnung, deutsche Staatsangehörigkeit und nationale tssijkeit. Das Prüfungsgebiet umfaßt u. a. auch all- ז Kenntnis der Staatsbürgerkunde (nationalsozialistische [«hauung), der Rassenkundc sowie der Rassen- und Erb• 1״otspflege. n ף• ך- •~1 f»•# ן f *■4 r**% ffc. * ümgj k...8 f* i ■i4 J IC- Moslcys Kfitnpfsrcdc Am letzten Sonntag fand in London In der Albert H a 11 eine Versammlung der englischen Faschisten- Union statt, über die auch in den deutschen Zeitungen oerichtet worden ist. Bei dieser Versammlung hielt der Führer der englischen Faschisten, Sir Oswald Moslcy, eine scharfe a n t i j it d i s e 11 e Rede. Es ist ein eigenartiger Zufall, daß au demselben Tage unmittelbar vor der Fascliistcn-Versamitilimg in demselben Riesensaal ein ausverkauftes Konzert des jüdischen Geigers Jeltudi Men uh in stattfand. Nachdem sich die Halle von den Tausenden von Menschen, die durch den jüdischen Künstler hingerissen waren, geleert hatte, erschollen dort andere Töne. Sir Oswald Moslcy sagte nach dem Bericht der Londoner ״Times“, daß die britische Fascliistcn-Bewcgung bet ihrem Aufstieg mit einer Macht zusainmengestoßen sei. deren Vorhamlenscin sic nicht vorhcrgcschcn hatte, nämlich mit der ״organisierten Juden» eit“, die gegen den Faschisnitis mobilisiert werde. Die Judenhcit habe, so sagte er weiter, den Faschismus licrausgefordcrt und dieser nehme die Herausforderung an. Die Juden hätten im Lande die Aiisicht verbreitet, daß der Faschismus religiöse oder rassische Verfolgung mit sich bringe. Dies sei aber vollkommen »11 w a h r. Die britischen Faschisten hätten stets auch nur die leiseste Anregung zu rassischer oder religiöser '׳'rfolgting entschieden abgclchnt, Auch heute sei ihre antijüdisclic Haltung nicht auf solche Ursachen zurückzu• führen, sondern nur eine Antwort auf die jüdische Herausforderttug. Im weiteren Verlaufe *einer Rede erklärte Sir Oswald Mo*• lev, daß unter den 84 Personen, die wegen persönlicher Angriffe auf briti-clic Faschisten von den Gerichten «!*geurteilt worden seien, 80 <*'<* Juden gewesen seien. Die Juden benutzten ihren wirtschaftlichen Einfluß zum Kumpfe gegen den FascbisiiitH und üblen niieh nuf dem Wege über da* Inscratcnwcsen einen Drink auf die Presse au*. Sir Oswald iKilmiipicle dann, dnß die Juden in England »1 den leizU'n 18 Mnnalcn U'strcbt waren, feindliche Gefühle und l.e'uli•ns( hilf■ en gegen eine Nation bervin zuriifen, mit der Engl,■ml seit 1918 in Flieden lebt. Er siiglci ״Wir lialwn um englischer InloresM'u willen 1914 gegen Deutschland gekämpft: wir werden alx׳r nicht wegen jüdischer Interessen nochmals gegen Hculsi hland kiimpfen.“ Die Juden, so fuhr er fort, hätten einen großen Fehler begangen, indem sie »ich der neuen Macht der modernen Weil eiilgegengeslcllt liiillcn, Nun werden sie unsere Anlwoit erhalten. Es ist nicht unsere Sache, eine Polemik gegen Sir Oswald Moslcy zu führen, da es sich hier um innere Angelegenheiten der britischen Politik handelt. Wer die englischen Verhältnisse kennt, mull über Moslcys Vorwürfe seltr verwundert sein. Denn zwar ttnig es richtig sein, dnll die Mehrheit der Juden in England gegen den britischen Faschismus ist, aber dasselbe gilt auch für die Mehrheit aller Engländer, bis tief in die konservativen Reihen hinein. Das englische Volk, so wie es heute nun einmal geworden und politisch erzogen ist, ist seltr schwer zugänglich für faschistische Oedankengänge. Wer britische Staatsmänner, Abgeordnete, führende Männer des öffentlichen Lebens hört oder die führende, ganz iudenreinc englische Presse liest, findet einmütige Ab- I e h u u n g der Moslcy-Grttppc. Warum also richtet sich die Anklage von Sir Oswald gerade gegen die Judpn? Vielleicht, weil er der Meinung ist, durch Agitation gegen die Juden eine für England neuartige, seiner Bewegung günstige Volks- Ktimmmig zu erzeugen? Gegen die Ucgnmchatt eine» ״fremd* rassischen" Elemente» ist man anscheinend empfindlicher, auch wenn die eigene Rasse gleichfalls gegen einen steht Mosler sagt, thfl seine Bewegung nicht antisemitisch sei und daß die Juden sie verleumdet hätten, antisemitisch zu sein. Um die Juden für diese Verleumdung zu strafen, benimmt er sielt mm wirklich antisemitisch. Es scheint, daß auch in England antijüdisclic fitrbinungcn vorhanden sind, die nach einem organisatorischen Ausdruck verlangen, den ihnen die neue Bewegung Sir Oswalds schaffen will. Im übrigen ist Moslcys Behauptung, daß die Juden grundsiitzlich gegen jeden Faschismus eingestellt seien, nicht »ufrcrhtziiernaltcn; in Hallen sind bekanntlich zahlreiche maßgehende Juden entschiedene Anhänger des Faschismus und stellen sich ganz in seinen Dienst. In Italien ist der Faschismus allerdings nicht antijüdisch eingestellt. In England aber sind die Juden ebenso wenig faschistisch wie die Nichtjuden. Und besonders nach der jetzigen Haltung Moslcys kann man kaum erwarten, daß gerade der jüdische Bevölkcrungsteit Englands ihm besonders wohlwollend gegenüberstehen sollte, * Die Stellung von Moslcy zur Judenfrage ist trotz dff großen Aufmachung, in der einige deutsche Zeitungen *eine letzten antisemitischen Angriffe brachten, auch in Deutschland keineswegs 11 n b e s t r i 11 c n. Am 25. Oktober zitiert z. Bdie ״J c n a i s c h c Zeitung“ einen im ״Hammer“ abgedruckten Aufsatz eines englischen Faschisten Mr. Leese, worin cs heißt: ״Sir Oswald Moslcy!«׳iralctc eine Frau jüdi sehen Blu- I <-’ S sowohl väterlicherah mich mütterlicherseits; damit halten »״eh seine Kinder jüdische» lilnt. Die Itcmliltcit Agenten der Bl'F, scheuen keine .Mühe, diese wichtige Tatsache m verlvergetr oder wenig• *teils ru verdrehen. Es M nttr ru offensichtlich, daß es sich hei dien Drohungen, die Sir Oswald gegen die Juden herviwhringt, tim einen .1 u s g c in n r h te 11 Schwindel handelt! .,. Als Mndey seine nette Partei ins Leben rief, äußerte er «in 24. April 1932 gemäß ״Jcwhh ('hroniclc“ vom 28. Anglist, Helte 16: ״Jtjtlenfcimlliche Pro• ptig.iml» werde ich weder Det ntlK.11 noch dulden.“ — ln der ״Daily Mail“ vom 29. Januar 1934 schlich er: ,.Man legt uns Antiseniitiiimts iii.nimncti mit ra-sist her und religiöser Verfolgung rur Last. Die»« Jtcschuldigtmg ist l.rkch " In demselben Zusammenhang werden dann noch Acußc* rtingen Moslcys angeführt, die sich gegen die Juden• politik des nationalsozialistischen Deutsch• land wenden. Der Einsender der ״Jcnaischcn Zeitung“, Dr. G. Bttchmann, schließt seine Ausführungen über Moslcy wie folgt ab: ״Bier soll unter 1ms Jlcutschon Verwirrung gediilet worden. Im übrigen selten wir wieder einmal, daß der landläufige Feld-, Waid- und Wiesrnfasrliistnti» noch lange nicht da* ist, ■was wir unter אatro, ntilsormli'ituis verstellen: die rassisch begründete Weltanschauung der Deutschen.“ Die oben zitierten Angaben über Moslcys Frau sind Obrlgens unrichtig. Lady Cynthia Moslcy, die vor etwas mehr als einem Jahr gestorben ist, war nur mütterlicherscits jüdischer Abstammung: ihre Mutter war die Tochter des aus Deutschland stammenden amerikanischen Juden Levi Leiter, ihr Vater war Lord Curzott of Kcdlcstone, einer der bedeutendsten englischen Staatsmänner aus altem eng• lischcn Adel. Um die Emanzipation Zu einer Rede Bruno Well» In einer Kundgebung des Ccntral-Vcreins im Bcr* lincr Logcnliaus hielt Dr. Bruno Weil eine Rede über die deutsche Judenfrage, worin er auch die Probleme der Emigration und der Haltung des Auslandsjudentums erörterte. Im zweiten Teil seiner Ausführungen beschäftigte sich Dr. Weil mit der Frage, ob die Emanzipation zusam* men geh rochen sei oder nicht. Bei dieser Gelegenheit geriet er in eine Polemik gegen angebliche zionistische Anschaumigen, ohne aber der wirklichen zionistischen Position gerecht zti werden. Es ist nicht richtig, daß nationatjüdischc und nationalsozialistische Schriftsteller in dein Gedanken übercinstinimcn, daß die Emanzipation ein Fehler gewesen sei. Die Emanzipation war die notwendige Folge einer bestimmten geschichtlichen Situation, und es gibt keinen nationaljtidischcn Schriftsteller, der nicht anerkennt, daß sic die notwendige Grundlage für das Leben der Juden in moderner Zeit gewesen ist. Auch der Zionismus ist ja in gewissem Sfnnc ein Kind der Emanzipation, er wäre ohne sic nicht möglich gewesen. Eine andere Frage ist es freilich, ob die Emanzipation nur so und nicht anders vor sich gelten konnte; ob es nötig war, daß sie auf jüdischer Seite mit einer oft charakterlosen Assimilation und mit der Auflösung des jüdisehen Bewußtseins verbunden wurde. In diesem Punkt sind wir Kritiker der Emanzipation, und wir glauben, daß diese ihre Tendenz, zusammengebrochen ist. Daher kommt cs heute — unabhängig von der Rechts frage der Emanzipation, d. h. also in Ländern mit Rechtsgleichheit genau so wie in solchen mit Diskriiniitation — darauf an, die jüdischen Oememschaftswerte zu erneuern und zu verstärken. Darum erinnert der von Dr. Weil bekämpfte Dr. Prinz an das Ghetto: nicht um für dessen Wiederherstellung cinzutretcn, sondern um zu zeigen, daß das Judentum im Ghetto, d, h. solange en im Vollbesitz eines geschlossenen Lebenskreises war, ein starkes Gemein- Schaftsgefühl und einen starken inneren Halt besaß, den es durch die Assimilation später verloren hat. Diese Fest- Stellung bedeutet keineswegs Sehnsucht nach dem Ghetto, in das niemand freiwillig wieder hinein will, sondern einen Appell an die jüdische Seele, sich diese so kostbaren Eiement e, die nach Aufhebung des Ghetto verloren gingen, wiederzuerobern. , Auch die Polemik gegen ״Dissimilation“ schlagt ins Leere. Kein Nationaljude hat daran gedacht, das kulturelle und sprachliche Gut, das wir aus dem Deutschtum erworben haben, aufzugehen. Es handelt sich nicht um eine Preisgabe deutscher Kulturgüter, sondern um den positiven Aufbau einer Welt der jüdischen Werte, in der man seclisch verwurzeln kann und die keinem von uns, durch keine Macht der Weit, genommen werden kann. Nach der Erschüttcrung von 1933 ist dies ein elementares Gebot, dem sich auch die Assimilantcn von früher nicht entziehen können. Vieles, was heute in der ״C.V,-Zeitung“ steht, und von Dr. Wells Organisation getrieben wird, hätte man noch vor zwei Jahren nicht als ״deutsch-jüdisch“ gelten lassen, sondern als ״nationäl-iüdisch“ verworfen. Heute ist auch in dicaea Kreisen der Gedanke eines positiv gestalteten jüdischen Sonder• lebens geläufig, Angesichts dieser Tatsache sollte inan nicht zweierlei Maßsfäbc haben! Es handelt sich für uns alle heute um die Verbindung von ״Emanzipation“ und Sonderleben. Dr. Weil, der auch im Ausland Zionisten kennt, muß sehr wohl wissen, daß in allen Ländern die Zionisten nicht weniger entschiedene Verteidiger der rechtliehen und politischen Errungenschaften der Emanzipation sind als andere Juden. Richtig ist aber, daß die Zionisten der Meinung sind, daß die Juden frage durch die Emanzipa* tion nicht restlos gelöst ist. Wenn Dr. Weil sagte, künftig werde die Schcidtmgslinic verlaufen zwischen Juden, die die Emanzipation wollen, und solchen, die ein nationalcs Sondcrlcbcn woilen, dann konstruiert er einen Gegensatz, der nicht besteht. Weil ist ein guter Kenner der Minoritätenfrage und hat erst kürzlich einen Aufsatz veröffcntlicht, in welchem er andcutetc, daß die früher schroff verneinte Frage, ob die deutschen Juden als Minorität zu konstituieren seien, einer Nachprüfung bedürfe. Er weiß sicherlich, daß Minderheiten-Stcllung und Gleichbercchtigung keine Gegensätze sind, sondern einander geradezu bedingen. Eine Emanzipation, die wieder zu einem restlosen Vermischen der Juden mit dein deutschen Volk, ohne Wahrung der durch ein Sondcrlcben gegebenen Grenzen, führen würde, würde denselben Zustand und dieselben Wirkungen erzeugen, wie wir sie bereits erlebt haben. Es geht daher um ein ganz anderes Problem, nämlich darum, das nationalc Sondcrlcbcn der Juden so in das Gesamtleben einzuglicdcrn, daß hieraus eine neue Form der Emanzipation, d. h. der individuellen Rechtsgleichheit, erwächst. Diesem Zustand sind wir heute gewiß nicht nahe, aber dem von Dr. Bruno Weil befürworteten Zustand einer unqualifizierten Emanzipation, wie sie vor 1933 bestand, sind wir gewiß nicht näher. Dr. Weil sollte, u׳cnn er diese Frage erörtert, das schwierige Problem in seiner wirklichen Eigenart und nicht in einer Verzerrung behandeln. Keine Kompensationsgeschäfte nach Palästina Aus Inseraten in der Presse und zahlreichen Anfragen an die zuständigen Stellen ist zu ersehen, daß in der Oelfentlichkcit vielfach die Meinung besteht, Kompensationsgeschäfte nach Palästina zustande bringen zu können. Dies ist jedoch nicht möglich. Auf Grund der bestehenden Vereinbarungen, welche die Uebcrfiihrung vor. Auswanderer* kapital nach Palästina zum Ziel haben, erfolgen Genehmie igen zu Kompensationsgeschäften nach Palästina durch ic amtlichen Stellen nicht, weil dadurch die Abwicklung des Transfer-Abkommens gestört werden würde. Es ist daher zwecklos, Anträge dieser Art an die Ueberwachungs* und Devisenstellen zu richten. Gleichzeitig erscheint es wichtig, darauf hinzuweisen, daß für die Bezahlung von Importen aus Palästina nach Deutschland, wenn keine besondere Genehmigung erteilt ist, dieselben Regeln gelten, wie für Bezahlung von Importen aus anderen Ländern, Lediglich für den Import voo Citrusfrüchten ist generell eine besondere Regelung getroffen. Dr. Ernst Marcus,