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Jüdische Rundschau · 1934-11-02 · Heft 88 (2.11.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 88 (2.11.1934)
Date
1934-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU ehrlicher Fanatiker zu «ein. Nilus glaubte wahrscheinlich, «Ile Protokolle, die er durch seine frühere Geliebte erhielt, seien echt. Eine hebräische Ausgabe der Protokolle gibt es nicht. Die Fälschungen von Ratschkowsky?dehnen sich durch schlechte literarische Fassung aus. Die Fälschungen mußten eben rasch hergcstellt werden. Diese Kennzeichen finden sich auch In den Zionistischen Protokollen. Ratschkowsky. der dem polnischen Kleinadd entstammt, gehörte seinerzeit einer revolutionären Bewegung an. Dann trat er In den Dienst des Zaren, wo er seine Kenntnlssc über die revolutionären Bewegungen ausnützte. Später verließ er seine Stellung, da er bei der Kaiserin in Ungnade fiel. Er war cs auch, der die Ermordung des russischen Innenminisfcrs Plchwc im Jahre 1904 unterstützte. Später wurde Ratschkowsky aus der Verbannung zurückgerufen und zum Direktor des Polizeldcpartcmcnts ernannt. Mit von Em* * pörting erregter Stimme betonte Swatikow zum Schluß, er nabe als russischer Bürger und als Mitglied der früheren demokratischen russischen Regierung ein Interesse daran, daß diese ״Protokolle“ als Fälschung öifentlieh entlarvt werden. Nächster Zeuge ist Wladimar Burzew Er ist als genauer Kenner der russisch-revolutionären Besvegung seit Jahr/ehnten allgemein bekannt. Als er in den Vorkriegsjahren den berüchtigten russischen Spitzel Ascw und verschiedene andere im Dienste der russischen Geheimpoli/ei stellende Agenten entlarvte, war sein Name in allen Zeitungen zu lesen. In Paris, wo er jetzt lebt, widmet er sich vor allem der literarischen Bekämpfung des Bolschewismus. Der Zeuge teilt mit, tlaß ihm der russische General Globotschow die Mitarbeiter Ratschkowskys als Fälscher der ״Protokolle“ bezeichnet habe. Oie Fälscher arbeiteten auf Befehl Ratsciikowskys. Durch die Hetze mit den ״Protokollen" hätten ihre Verbreiter in Rußland schwere Blutschuld auf sieli geladen; denn nach seiner Ucbcrmigimg wurden die ״Protokolle“ als Anreizmittcl für die schrecklichen Pogrome im Jahre 1919 absichtlich verwendet. Der Zeuge wußte auch um das Original der ״Protokolle“, das sich in den Händen von Nilus befand. Nilus ist nach Ansicht des Zeugen ein Mittelding zwischen Fälscher und Fanatiker. Nilus wußte übrigens uin die Fälschling der ״Protokolle“, machte aber dennoch Gebrauch von ihnen. Der Zar h a t a ti c h selbst den Gebrauch der ״Protokolle“ verboten (z. B. im Beilis-Prozeß). 1 Das Auftreten dieses ergrauten russischen Patrioten, der mit größter Sicherheit die ״Protokolle“ als .,ge f älseht r s Machwerk“ erklärte, wurde von allen Verhandlungsleiliichmern als ungemein eindrucksvoll empfunden. Borij Nikolajcwsky, bekannt als russischer Historiker, wir der nächste Zeuge. Als politischer Gegner wurde er von den Bolschewisten ins G c f ii 11 g n i s geworfen und schließlich a 11 s ge w i c s c n. F.r lebte dann in Berlin und jetzt in Paris Von größter Bedentmig ist der Teil seiner Aussage, in dem er darauf hin• weist, dall das in London befindliche Exemplar der ״Protokolle“, das angeblich von Nilus verfaßt sein soll und bisher stets als die erste Ausgabe der Fälschung angesehen wurde, nicht die erste ist. Die ״Protokolle“ wurden nach Nikolajewsky schon Im Jahre 1903, also zwei Jahre vor der Nilus- Ausgabe, in der russischen antisemitischen Zeitung ״Snatnja“ Veröffentlicht. Ihr Herausgeber sei der berüchtigte KI s c h I - ne wer Pogrom 11 cid Kruse hewan gewesen, einer der Führer der antisemitischen ״Schwarzen Hundert“, den zweifellos ein großer Teil der Schuld an den Judenpogromen ircflc. Daß Nilus in keiner Auflage seiner Schrift die Tatsache des Vorabdrucks durch Kruschcwan erwähnt, sei äußerst auffallend. Der Zeuge besprach dann eingehend das Verhältnis der Juden zuin Bolschewismus. Unwahr sei cs, daß alle russischen Juden Bolschewisten sind. Es habe sogar eigene jüdische Organisatlonen. wie den ״Bund“, gegeben, die erklärte Feinde des Bolschewismus waren. Ein beliebtes Mittel der Antisemiten sei cs auch, nich (jüdische Bolschewisten lür Juden zu erklären. Ebenfalls unwahr sei die Behauptung, die jetzige bolschewistische Regierung sei vollkommen jüdisch, ln Wirklichkeit gehören ihr nur ganz wenige von Juden abstammendc Personen an. Am 30. Oktober wurde der in Paris lebende berühmte russische Jurist Henry Sliosberg als Zeuge vernommen, Sliosberg gehörte politisch der Kadettenpartei an und ist als erbitterter Gegner des Boischewisimis bekannt. 1901, so berichtete der Zeuge, habe ihm der damalige Finanzminister Witte den Auftrag erteilt, ein Gutachten über die ״Protokolle“ zu verfassen. Auch er kennt den Druck der ״Protokolle“, der vor der Nilus-Ausgabc in der antiscinitischen Zeitung ״S n a m j a" erschienen ist. Bei seiner genauen Kenntnis der russischen Literatur und Politik w׳ar er sich sofort darüber klar, daß es sielt hier um eine böswillige Fälschung handelte. Mit dieser Fälschung sollte ein Schlag nicht nur gegen die Juden, sondern gegen die Demokratic und den Minister Witte geführt werden. Wittes Plan, die Goldwährung einznführen, wurde als ״jüdische Mache“ dargcstellt. lieber die Juden sollten der Liberalismus lind Witte getroffen werden. Er, als genauer Kenner der Methoden der russischen Geheimpolizei, habe der Fälschung sofort ihre Herkunft, nämlich aus der Fälscherwerk• Stätte der Geheimpolizei, angesehen. Jeder Ein• geweihte in Rußland habe wohl Nilus als hemmungslosen Fanatiker gekannt. Den Agenten der Geheimpolizei, Ratschkowsky, kannte Sliosberg persönlich. Er war als berüchtigter Agent-Provokateur, wie jeder Politiker wußte, tätig. Als Sliosberg nach Paris iibcrsiedcln mußte, gründete er dort die Liga zur Bekämpfung des russischen Antiscjnitismus, der viele Mitglieder aus den christlichen konscrvatiycn Kreisen Rußlands, die nach Paris flüchten mußten, augcliörten. Die Liga ließ eine Denkschrift über die ״Protokolle“ erscheinen. Damals überbrachte ein Russe ihm ein Dokument, das einem amtlichen Archive entstammte. Es war ״Geheinmis der Juden“ betitelt. Dieser Russe, ein gewisser Prosorowsky, hatte Archive im Aufträge der Ochrana zu bearbeiten und dabei war ihm dieses Dokument in die Hände gefallen. Es ist deshalb wichtig, weil schon damals (189511 in diesem Dokumente klare Hinweise enthalten sind, wie sic in den ״Protokollen“ wiedcrkchrcn. ״Der nächste Zeuge ist der in Czernowitz. lebende ehemalige Präsident des jüdischen Parlamentsklubs in Rumänien, Dr, Mayer Ebner. Er ist Teilnehmer des ersten Zionistenkongresses in Basel 1897. Dr. Mayer Ebner teilte mit, er habe dem ersten Kongreß 1897 m Basel in allen Sitzungen beigewohnt. Niemals habe dabei eine Geheimsitzung im Sinne der ״Protokolle“ stattgefunden. Ueber den Unsinn der jüdischen Weltherrschaft sei weder innerhalb noch außerhalb des Kongresses auch nur ein Wort gesprochen worden. Gegenstand der Verhandlungen •ei einzig und allein die Schaffung einer jüdischen Heimstätte l n Palästina gewesen. Den Inhalt der!,Protokolle" bezeichncte der Zeuge als Wahnsinn. Der Oe• richtspräsidcnt legt bei dieser Gelegenheit die inzwischen 11erbcigcschnfftcn O r i g I n a I p rot o ko II c, also die echten Protokolle d es ersten Zionistenkong res *es in Basel vor. Dr. Mayer Eimer erklärte dazu, andere ״ProIokolle" als diese gäbe es nicht. Ein Unding sei cs, wie das von antisemitischer Seite wiederholt geschehen sei, den zionistischeu Schriftsteller Ach ad H a a ni (A. Oinzberg) als Verfasscr jener gefälschten ״Protokolle“ hinzustcllcn. Acliml Ha,1m, den Dr. Mayer Ebner genau gekannt habe, sei ein viel zu «Her und vornehmer Mensch gewesen, um jemals סי blutrünstige Pläne einer sogenannten jüdischen Weltherrschaft aufgcsteilt zu haben, Nunmehr tritt der frühere Mlnlstei des Auswärttgen bei der Kerenski-Regierung und Führer der russisch-liberalen Partei, Miljuliow״ als Zeuge aut. Der alte Führer der Kadetten partd erklärte, er sei nicht Jude und stamme aus altem Adel. Die alte kaiserlich-russischc Regierung war antisemitisch. Unter der Regierung des Zaren Alexander II. herrschte ein humaneres Regiment. Unter den Mitgliedern der Kerenski-Regierung hefand sich seines Wissens kein Jude, Der Anteil der Juden an der bolschewistischen Revolution entspräche lediglich ihrem Zahlenvcrliälfnfs. Die ״Protokolle“ seien ein Plagiat des Buches von Maurice Joly, das 1861 zuerst erschienen sei und den Titel 1״ :s Dinlogucs aux Enfers untre Macliiavcl et Montesquieu“ führe. Allerdings bewege sich die Schrift Jolys auf einem weit höheren Niveau als die gefälschten ״Protokolle“, Nilus, dem man die Verfasserschaft der falschen ״Protokolle“ zuschreibe, sei als Fanatiker allgemein bekannt gewesen. Auf die Frage des Basler Professor! Baumgarten, ob er einen Gelehrten kenne, der die ״Protokolle“ ernst genommen hätte, erwiderte Mlljukow lächelnd, das wäre wohl nicht gut möglich. Und dann bestätigt er, daß auch kein gebildeter Mensch die Sache habe ernst nehmen können. Hierauf wird der Stockholmer Überrabbiner Dr. Markt!» Ehrenpreis vernommen, einer der ältesten Zionisten, der zum engeren Mitarbeiterkreis Theodor Herzls gehörte und auf dem ersten Basler Kongreß 1897 das Referat über Kulturfragen hielt. Aus dem von ihm •vorgclcscncn Einladungsschreiben zum ersten Kongreß ergibt sieh, daß alle entscheidenden Verhandlungen in voller Öffentlichkeit stattgefunden haben und daß der erste Kongreß wie alle folgenden und die zionistische Bewegung überhaupt nur-das eine Ziel sich gesteckt haben, eine jüdische Heimstätte in Palästina zu schaffen. Aul dem ersten Kongreß sei nur das verhandelt worden, was in den echten Protokollen, nämlich denen der Zionistischen Organisation, über die Verhandlungen stehe. Ach ad H a a m, der als angeblicher Verfasser der gefälschten ״Protokolle“ genannt werde, habe genau wie Herz! ein jüdisches Palästina erstrebt. Herz! glaubte, dieses Ziel auf diplomatischem Wege erreichen zu können. Für Achml Haam war Palästina die Hoffnung auf «in kulturelles j üdis eh cs Zentrum. Die Behauptung der Antisemiten, es hätten in Basel neben den offiziellen Sitzungen 21 Geheim- Sitzungen stattgefunden, sei technisch und zeitlich eine Unmöglichkeit. Dieser Prozeß, so ruft der Zeuge aus, sei nicht nur ein Prozeß Schweizer Juden gegen bestimmte Einzelpersonen. Das gesamte Judentum führe an dieser Gcrichtsstclfe einen Prozeß «»egen seine Ehrabschneider. Die jüdische Ehre, die jüdlsehe Religion seien durch die Behauptungen der falschen ״Protokolle“ auf das schwerste verletzt. Gewiß kenne das Judentum Protokolle. Diese Protokolle aber seien überschrieben ״Unsere Heiligen Schriften“, und aus Ihnen hätten das Judentum und die Menschheit seit Jahrtausenden die Grundlagen Ihrer moralischen Erziehung und Ihrer edelsten Frömmigkeit geschöpft Der nächste Zeuge, Nationalrat Dr. Farbstein,. Rechtsanwalt in Zürich, gehört ebenfalls zu den ältesten Zionisten und war Teilnehmer am ersten Kongreß. Er erklärt, alle Sitzungen hätten in voller Oeffcntlichkeit stattgefunden. Anzt1nehmen( daß Beratungen über Gegenstände stattgefunden hätten, wie sie in den gefälschten ״Protokollen“ stehen, sei eine vollkommene und böswillige Verkennung der Grundideen des Zionismus. Nach seiner Auffassung sollten die Nilus-״Protokollc“ ein Mittel sein, um die Demokratie und die freiheitlichen Grundrechte in den Staub zu ziehen. Juden und Freimaurer Hierauf wird der Schweizer Schokoladenfabrikant Tobler, Nichtjude und führender Freimaurer, vernommen. Nach seiner Kenntnis bestehen keinerlei Verbindungen zwischen Judentum und Freimaurerei. Eine Ver- Ictimdung sei cs, zu verkünden, Freimaurer und Juden wünsch« ten eine Weltherrschaft. In der Schweizer Freimaurerei sei die Zahl der Juden gering, Die Bne B r i s s - Logen haben keinerlei Beziehungen zum frcininiircrlschen Gedanken und zur frdmnurerisehcii Bewegung, Gar zu behaupten, daß Be- Ziehungen zwischen der Alliance israülitc Universelle und anderen jüdischen Organisationen und den Freimaurern an* dererseits beständen, sei unwahr und lächerlich. Eine überstaatliche Organisation der Freimaurer sei nicht vorhanden. Ueber diese Frage wird noch ein führender Schweizer Freimaurer vernommen, Dr. Wel« Dr. Welt! wendet sieh zuerst gegen die Verkennung, die die Freimaurer in diesen Zeiten zu erleiden hätten. Er Kennt die jüdischen Logen wie die B'ne Briss nicht. Ebensowenig sina ihm andere jüdische Vereinigungen näher bekannt, In der Schweiz nehmen Logen der Freimaurer Juden auf. In Deutschland habe cs Logen gegeben, und zwar sehr bedeu- (ende, die die Aufnahme von Juden abiclmtcn. Auf eine Frage von der Anwaltsbank betont Dr, Weltl, daß niemals Juden und Freimaurer gemeinsam die Weltherr schalt zu erreichen versucht haben. Als nächster Zeuge wurde Justizrat Max Bodenheimer, früher Köln, jetzt Amsterdam, gehört. BodenheimeT wurde am ersten Zionisten-Kongreß in das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation gewählt. Er erklärte, daß es neben dem offiziellen Protokoll des Zionisten-Kongresses irgendein anderes Protokoll nicht gebe. Er habe allen Verhandlun* gen und Kommissionssitzungen des Kongresses beigewohnt una nie sei dabei von angeblichen jüdischen Weltherrschaftsbesircbungcn auch nur mit einer Silbe geredet worden. Der Zionismus habe niemals etwas anderes erstrebt, als eine jüdische Heimstätte in Palästina zu schaffen. Als der Kongreß 1897 zum ersten Male einberufen wurde, hatten die Zionisten die Mehrheit der Juden .gegen sich, ln großen und ganzen waren nur wenig begüterte Vertreter de» Judentums in Basel im Jshre 1897 anwesend. Wenn Nr. 88, 2■ XI, 1934 die falschen ״- die Zerstreuung als eine g eine solche ׳״>״•י>״ט. ,Protokolle“ behaupten, die Juden bctr״u v u U n g als eine göttliche Gnade, »0 »« T c Behauptung gerade den Zielen de* 7■ 11 Ismus durchaus entgegen; denn der Zionismus nicht die Zerstreuung, sondern die Zusammen 1**1 ,, aller Juden in einem Lande. Von den sogenannten p-ö!1* kollcn“ habe Bodenheimer bis kurz vor seiner Vernehm״f nur vom Hörensagen Kenntnis gehabt. Er habe 1ie »2 in diesen Tagen gelesen und könne nur immer W1.T betonen, daß ca sich um eine Fälschung übelster Art hindT Nichtjüdiiche Teilnehmer des I. Kongresse! Sodann wurde einer der Stenographen h.u 1 ersten Zionisten-Kongreß 1897 vernommen, d« Typograph Sieber aus Basel. “ Sicher erklärte, dall ihm über Irgendwelche WeltmieM plätte der Juden und besonders der Zionisten auf dtm 1 Kongresse nicht das geringste zu Ohren gekommen sä ' Hcrzl, der ein bezaubernder Idealist gewesen sei, habe nm I ein Ziel gekannt: Palästina. Die Vcrhandlungssnraeh« 1 sei deutsch gewesen. Russische Reden seien int Deutsch, übersetzt worden. ' Der nächste Zeuge, Dr.mcd Hermann Dietrich, ebe», falls aus Basel, war auch als Stenograph beim ersten Zk, nisten-Kongreß tätig. Auch er betont, daß nur über Palästou nie über jüdische Welthcrrschaftsplnnc gesprochen Worte sei. Zu den Sitzungen hatte jedermann Zutritt. Der folgende Zeuge, Dr. Zoller aus Zürich, wohnt* 1897 als Vertreter der ״Basler Nachrichten“ d<m Zionisten-Kongreß bei. Der Kongreß sei öffentlich gc«t. sen, über geheime Sitzungen wisse er nichts. Davon bitte doch die!,resse etwas erfahren müssen. Das Verhandlung, thema sei ausschließlich Palästina gewesen, eint jiidj. gehe Weltherrschaft zu errichten, sei von niemandem be■ gprochcn oder auch nur angedeutet worden. Ein antisemitischer Zeuge Als letzter Zeuge des Tages tritt der von den Beklagt«) geladene Dr. Zander auf. Er gehörte früher der Führ» der ״Nationalen Front“ an, wurde jedoch im Juni 193 von dieser Organisation ausgeschlossen. Der Anwalt des Angeklagten Silvio Schnell erklärt, den Zeugen geladen zu haben, weil sein Klient sich in seinem Glauben an die Echtheit der ״Protokolle“ auf einen von Zander in der antisemitischen Schrift ״Der eiserne Besen" veröffentlichten Ar• tikel: ״Und trotzdem echt“ stützte. Zander erklärt, diB er eine Autorität auf dem Gebiete der Frage der Echtheit der ״Protokolle von Zion“ sei. Er erklärt lieh tii ausgesprochener Antisemit und sagt, die ״Protokolle“ seien darum echt, weil die Juden bis jetzt noch nicjit beweisen konnten, daß sie eine Fälschung seien. Prol. Matti wünscht festzustellcn, daß der Zeuge eine Behauptung auf■ stelle, ohne eine Uc bcrprti f ung des Bcweiimate• rials vor/unchmcn. Dr. Zander erklärt, daß die ״Zionisti• sehen Protokolle“ der Wahrheit über das Judentum ent• sprechen, tlarum halte er sic für echt, ״Es Ist eine 01 ח i tische Frage, daß ich die ,Zionistischen Protokolle‘ als echt betrachte.“ In letzter Stunde nennt Fürsprecher Ruef Im Namen seines Klienten als Experte den Oberstleutnant a. D. Fleisch* haucr in Erfurt. Prof. Matti wendet sich gegen die Ver• schlcppungstaktik der Angeklagten. Vertagung beschlossen Zu Beginn der Miitwocli-Vormittagsytzung erhebt »ich der Anwalt des Schweizerischen Israelitischen Gemeinde• bundes, Prof. Dr. Matti, um eine Erklärung abzugeben. Er wünscht festzustellcn, daß der Gegenpartei in der ersten Verhandlung vom 16. November 1933 Gelegenheit gegeben worden ist, durch den Richter einen Experten Vorschlägen zu lassen. Der von den Beklagten genannte Experte Pastor M ii n c 11 m c y e r in Oldenburg, konnte aber durch die Post nicht aufgefunden werden, und der zweite Experte, Prof. Hausheer in Zürich, lehnte eine Einladung des Gerichts• Präsidenten ah. Da die Beklagten genau wie die Klägerjduft ein Jah r Zeit hatten, um einen Experten ausfindig zu machen, wirkt sich ein von der Verteidigung gestellter Antrag auf Einholung einer Expertise als ein Verschleppung!• manöver aus. Da die Klägerschaft jedoch volles Licht zu scheuen hat, so erklärt sic sich mit einer Vertagung der Verhandlungen einverstanden. Immerhin werden seiten! der ,Klägerschaft gewisse Kautelcn verlangt, namentlich » bezug auf die Stellung einer Frist, um zu verhindern, M die Angelegenheit auf ungewisse Zeit hinausgcschobeit werde. Der Experte Prof. Baum garten wünscht die Erkll■ rung abzugeben, daß er cs sehr bedaure, daß der Pro'“ nicht auf Grund der frisch erhaltenen Eindrücke zu tm geführt werden kann. Experte C. A. Loosli stellt fest, daß er auf OruN der Zeugenaussage wohl einige Ergänzungen in seinem achten vornehmen werde, jedoch keine grundsätzlichen A«• änderungen. Gcrlchtsprlsldcnt Meyer verfügt nun, es sei dem 0m* Innerhalb vier Tagen mltzutcllcn, ob der von den Bekligu vorgcschlagcne Experte einen solchen Auftrag annehme אי nicht. Nach Ernennung des dritten Experten soll «•** Innerhalb einer Frist von zirka einem Mon*1 Kl Gutachten abgeben. Die Verhandlungen werden hierauf vertagt. (Die SichveriUndlgen-Gutachten bringen wir auf Seit« 0 Nochmals: Fall Bernhard Zondek Unser Stockholmer H. R.-Korrespondent, der >n Jf! ״Jüdischen Rundschau" (Nr. 86) hierüber berichtete, *יי uns in Ergänzung folgendes: In einem Schreiben, 22. Oktober in Zürich datiert, hat Prol. Bernhard Zonu > der sich auf dem Wege nach Jerusalem befindet, Ansuchen um Zulassung zur Ausübung der ärztlichen 1׳ . In Stockholm selbst zurückgezogen. Wie ich von L unterrichteter Seite jetzt erfahre, bat Zondck niemals von selbst aus ein Ansuchen zur ärztlichen Legitimierung 1 stellt, sondern ein ihm freundschaftlich gesinntes Kc p... rungsmitglied hat die Aktion in die Wege Dies zur Aufklärung dieser Affäre, die von ״Ny• ״ L ligt Allehanda“ leider auch weiterhin als An!*״ antisemitischer Hetze gebraucht wird. Hauptachrlftlelteri Dr. Robert Welt.eh, Berlin-Charlottetibdrl * Stellvertreter! Kart Loewenitein, Berlin W 1» Versa1*״^ Schriftleiter für den geiamten redaktionellen Teilt Kort I•** stein, Berlin W 15. Anteigenleiterin und verantwortlich AnteigefUeili Helene Chaneiner, Berlin N M. Verlag jj *eigenverwaltungt Jüdische Rundschau, Berlin W 15« **״?vfLb«* D.-A. September 35700• Druckt Siegfried Scholen•! Bln.-SchO“‘

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