Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NOVEMBER 1934 Dlr Zlonltmus erstrebt tOr da» indisch« Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Ansolgontorlfi Die Hgeapalten• mm*7.p(l• RM 0,20, füt Stellenftteuch• RM OJO, Rir Pamtllannschrichtan RM 0,15» Eln*91an*#l8en nur e«g«n VnrausfahUing am ‘ Schalter oder •ul Poatechadk-Konto Berlin 71618 Montan bla Donnere tag Uhr Freitag 9—16 Uhr. Arm•hmeachluÄ lör die Dienstag-Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag-Attagaba Mittwoch 13 Uhr (Famitianantaigaa bi• Donnorttag 10 Uhr) Heimstatt• In Palästina. (lBaseler Program m** Die Entstehung der getatschten ״Protokolle** wird vor dem Gericht in Dem enthüllt oaaa «י״^י״׳יייי» I ׳ ■ 11111 יי-^י׳/ס׳;1 L j J \L13üt:jVi3u -~J Ld **^3 Eine notwendige Klarstellung Berlin, 1. November 1934. Der Prozeß, der dieser Tage in Bern begonnen bat,; jffdient wohl mit Hecht die Aufmerksamkeit der jjiiueii Welt. Denn das Buch, um das cs sich handelt, ist j, der ganzen Welt in allen möglichen Sprachen und in unzähligen Exemplaren verbreitet worden. Einem künftigen Kulturhistoriker wird cs Vorbehalten bleiben, die Tatsache n »ürdigen, daß in unserem Zeitalter ein derartiges Pamfhlct eine so weite Verbreitung finden und in so vielen Köpfen Verwirrung anstiften konnte. Wir Jeden sehen auch Hcrin eine Erscheinungsform der Juden frage. Wie kommt cs,!0 müssen wir fragen, daß viele einfache Menschen aus dem Volk an derartige Schauermärchen, die ein Fälscher der russisehen (ichcimpolizci zu einem bestimmten Zweck sich geschickt nireclitgrlcgt hat, glauben? Es stellt damit ähnlich wie. mit dem Glauben an das Rilualmordmürclieii. Der Jude wird offenbar ab so fremdartig empfunden, daß man Ihm gegen* über innerlich unsicher ist. So ist man denn geneigt, tuch Unheimliches hinnmelimen. Gerade darum aber ist es besonders wichtig, daß die Wahrheit über die Entstehung Ider sogenannten ״Protokolle der Weisen von Zion“ in aller Oeffcntlichkcit authentisch erwiesen wird. So ist denn der Schweizer Prozeß weit über die Grenzen der Schweiz hinaus eine Fanfatc. Auch in Deutschland werden die Protokolle immer »Wer zitiert. Das ״Hamburger Tageblatt•‘ bringt inhßlich des Berner Prozesses am 30. Oktober einen Leitirtikcl, der ein Beispiel dafür bietet, wie das Material der angeblichen Protokolle ausgewertet wird. Das ״Hamburger Tageblatt“ geht aus von Hcrzls 18% erschienenen Broschüre!,Der Judenstaat“ und findet sogar freundliche Worte für die zionistische Bewegung, meint aber dann, ,es 5 וסי׳(hr die l'iiigc, ob <!<׳r gcsrhiVklc Zionislenliilirer du» »irklicho Ziel, das ct mit seiner Forderung verfolgte, angegehen 11,11". Auch die iiichtzionisfischen Juden hätten sich nämlich mit I größtem Eder für die jüdische Heimstätte in Palästina eingesetzt, und dies hätten sie nicht getan, wenn nicht ihre | eigenen Interessen, nämlich die jüdische Weltherrschaft, da- ן durch gefördert werdet) sollten. Es nützt wohl wenig, wenn . «tan demgegenüber darauf hiiiwcist, daß die reichen und j *nächtigen Juden tatsächlich 1897 beim Baseler Kongreß nicht ׳ vertreten waren und den Zionismus sowie den Kongreß heftig ן bekämpften. Der Artikel des ״Hamburger Tageblatt“ spricht i ^,חי von einem ״geheimnisvollen Achad Haam“ und zitiert 5 ״» der ״Jcwish Encyclopedia“, daß Achad Haam 1897 bei J dem Kongreß anwesend war, aber nicht in den öffentlichen | Verhandlungen aufgetreten ist. Das Blatt fährt dann fort: J ,.Holl man glauben, daß ein beilcutcnder Zioiiistenliittrcr von ij ,ר ich Masel rcisl, nur um die langweiligen Verband• 1׳ hingen, über die das ״״intlirlu■“ Protokoll berichtet, mit anru• hiwn? Außerdem veiß seltsamerweise die genannte hnzyklo• j Pädie zu melden, daß er dort als Gegner von Dr, Herd auf-?1 Krlreten .«ei (but opposed imist of the idcas cxprc«cd bv Dr. ,* Hrrzl), (![f<1ibar ist hier ein Hinweis aut die geheimen SiUun•;■.! 8”' Regcbcn.“ , Jeder auch mir oberflächlich im Zionismus Bewanderte fnnt den wahren Sachverhalt. Achad Haam ging als Zu- Mwuer nach Basel, nahm aber an dem Kongreß nicht teil, *eil er der Meinung war, daß nicht durch politische Schritte "9 Regierungen, die von Hcrzl beabsichtigt waren, eine Mische Wiedergeburt zustande kommen könne, sondern nur urch Wiederbelebung des jüdischen Geistes und der hebra- «dien Sprache. Der vom ״Hamburger Tageblatt“ angeführte ״'ghsche Satz besagt, daß Achad Haam ein Gegner der *Heu Gedanken Hcrzls war; nicht aber sagt die EncyclodaB Achad Haam als Gegner Hcrzls in Basel auf* «f t tcn 'd, was sie auch nicht sagen kann, da es cht der Fall war. Achad Haam hat sich darauf bc- «״rankt, nach den! Kongreß abfällige Artikel zu Bas amerikanische Judenium **י® JUdlschc Rundschau“ beginnt in der näch- *״ Nummer mit der Veröffentlichung einer Artikeler ז Ober das amerikanische Judentum aus der Feder von wr"lt « ahn (früher Frankfurt am Main), dem bekannten und Sozialpolitiker, der auBer durch mehrere "*tMäglge Bücher und Publikationen in Deutschland auch ifl?> Lesern durch mehrere Beiträge über das deutschdie״P*C Kevölkerungsproblcm bekannt ist. Ernst Kahn wird »ul *'״*Sse *einer amerikanischen Studienreise in bezug h k Indischen Verhältnisse In Amerika In secha Artikeln oef «Jüdischen Rundschau" schildern. schreiben, die auch in deutscher Sprache gedruckt und jedem zugänglich sind. ln der Berliner ״Deutschen Zeitung“ wird am 30. Oktober die Meinung angcdcutct, (laß cs in Bern nicht gelingen werde, die Fälschung der Protokolle zu erweisen. Die Zeitung er• wähnt, daß das Gericht am 16. November 1933 die Vcrhand• lungeti vertagt 11 at, ״tun den beiden Parteien Zeit zur Beschaffung ausreichenden Bcwcismate• rials zu geben. Selbstverständlich haben sich sämtliche an diesem Prozeß interessierten Kreise mittlerweile eifrig be• müht, derartiges Beweismaterial zu beschaffen.“ Es muß mm auch die ״Deutsche Zeitung“ eigentümlich berühren, daß die Angeklagten, die die Echtheit der Protokolle behaupten, nicht das geringste Material beibringen konnten und auch keinen Menschen fanden, der sich dazu hergegeben hätte, als Outachter zugunsten der Echtheit der Protokolle zu fungieren. Aus diesem Grunde mußte •der Prozeß neuerlich vertagt werden, um den An* geklagten noch einen Monat Frist zu geben. Wir können ruhig abwarten, ob sie ein Gutachten für ihre Behauptungen werden beibringen können. Der Prozeß ist noch nicht zu Ende. Von unserem Standpunkt Ist es gleichgültig, ob die Angeklagten bestraft wer• den oder nicht. Worauf es ankommt, Ist die Klarstellung des Sachverhaltes, und diese ist bereits jetzt in dem Prozeß in einer unerwarteten Welse erfolgt. Die Aussage der russischen Zeugen, die eine Kenntnis der an der Fälschung seinerzeit beteiligten Personen besitzen, ist niederschmetternd für alle, die sich der Protokolle bedienen. Es wäre zu wünschen, daß nach den Berner Enthüllungen dieses Dokument, das so viel zur Vergiftung der Judenfragc beigetragen hat, aus dem öffent• liehen Leben der Kuiturnationcn verschwinde. JD>er Verhandlungsverlaut Bern, 30. Oktober Der Berner Prozeß um die ״Protokolle der Weisen von Zion“ begann am 29. Oktober unter starkem Andrang des Publikums, sowie zahlreicher in- und ausländischer Presse* Vertreter und unter dem Vorsitz von Fürsprecher W. Meyer. Von der Seite der Kläger waren erschienen die Israelitische K u 11 us g c m e i n 11 c Bern, als Vertreter Herr Emil Bern h c i in, und der Schweizerische Israeli* t i s c 11 c O c in e i 11 d e b 11 n d, als Vertreter Herr Marcel B I o c h. Ihre Anwälte sind Georges Brunschvlg und Prof. Dr. Matti. Von den Angeklagten waren' anwesend der ehemalige Gauleiter einer schweizerischen antisemitischen Vercinigung, Theodor Fischer, und die Herren Ebcrsold, Haller und Silvio Schnell, Für mehrere von ihnen hafte Rechtsanwalt R11 c f in Bern die Verteidigung übernommen. Als Sachverständiger der klägcrischen Seite war Prof. Dr. Bau in garten von der juristischen Fakultät in Basel erschienen. Die Vorladung des Gerichtes an den von den Beklagten genannten Sachverständigen, Pastor a. D. Münchmeyer (Oldenburg) ist als unbestellbar zurückgckommen. Der Orientalist der Züricher Universität, Prof. Haus 11 eer, hat cs ahgeiehnt, an Stelle Pastor Münchmcycrs die Expertise zu übernehmen. Der vom Gerichtspräsidenten bestellte Obergutachter ist der Schriftsteller C. A. Loosli. Die Klägcr stützen sich auf eine Bestimmung des Berner Kantonalgesetzes betreffend Maßnahmen gegen Schund* 1 i t c r a t u r. Die Zeugenvernehmung Nach den Formalitäten der Eröffnung wird als erster Zeuge der frühere Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chain! Weizmann aufgerufen. Dr. Weizmann erklärte, das Ziel der zionistischen Bewegung sei einzig mul allein die Schaffung einer öffentlich-reclitlieh gesicherten Heimstätte für die Juden in Paliistina. Er seihst, der seit seiner Jugend der zionistischen Idee mit ganzem Herzen angchörc, habe 1897 nicht die nötigen Ocldmiltcl besessen, um an dein ersten Zionisten- Kongreß in Basel tcilzimchincn. Er habe aber die Protokollc dieses Kongresses aufs genaueste studiert und er könne aus dem Studium der Protokolle wie alle heteilif'ten Personen auf das sicherste hier erklären, daß neben der! Verhandlungen des Kongresses und den ertorderliehen Kommissionssitzungen keinerlei Gchcimsitzungen stattijefundcn haben, in denen die angeblichen Pllinc zur Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft bcsprechen worden seien. Er erkläre dfc Rchauntung, daß solche Pläne bestanden oder auch nur diskutiert worden seien, für eine Ungeheuerlichkeit. Aber auch ihre Durchführung oder Aufstellung sei z. B. deshalb schon unmöglich, weil am ersten Kongreß Angehörige der Hochfinanz oder der Industrie nicht nur nicht tcilgcnommcn, sondern sich schon vorher den zionistischen Bestrebungen äußerst feindlich gcgcnübcrpcstcllt hätten. Auch sonst seien auf dem Kongreß mir Teile der Judcnschaft vertreten gewesen, so daß dieser weder ein Recht, noch überhaupt die Möglichkeit gehabt hätte, irgendwelche politischen Piünc, verbindlich für das ganze Judentum, mifzustellcn. Er selbst habe erst im Jahre 1918 von den ״Protokollen" Kenntnis erhalten, als sie ihm von einem englischen General, der sie von einem russischen Offizier erhalten habe, zur Einsicht übergeben worden seien. Es heiße die In der jüdischen Religion ruhenden sittlichen Gebote und Anforderungen völlig auf den Kopf stellen, wenn man glaube, daß das Judentum und seine Religion fähig seien, derartige unmoralischen und niederträchtigen Pläne durchzufilhren, wie sic In den antisemitischen ״Protokollen" den Juden zugeschricben werden. Niemals habe die zionistische Idee derartiges hervorbringen können. Die zionistische Bewegung wollte den jüdischen Minderheiten ein leuchtendes, in die Zukunft weisendes ideal aufstellen, schon damit sie nicht in negative revolutionäre Bewegungen sich hineintreihen lassen,■ Er selbst sei stets ein Anhänger eines anti-revolutionären Standpunktes gewe* scn. Wenn Juden sich hier und da revolutionären Bewegütigen angeschlossen hätten, so sei dies im wesentlichen auf die in manchen Staaten gegen sic gerichtete Politik zurück- Zufuhren. Dort, wo die Juden human behandelt worden seien, hätten sie sich stets staatscrhaltcnd, oft auch konservativ, gezeigt. Der Angeschuldigte Fischer bittet hier ums Wort. Er sei selbst ״Zionist" in dem Sinne, daß er die Aus- Wanderung aller Juden nach Palästina wünsche. Dr. Weizmann antwortet darauf, au f Zionisten solcher Art verzichte er gern. Auf die Frage eines Experten erklärt Dr. Weizmann, der Bolschewismus in Rußland habe die dortigen Juden in ungeheures Elend gestürzt und sie um Hab und Gut gebracht. Unter den führenden Zionisten befinde sich kein einziger Bolschewist. Der Zionismus in Rußland sei Verboten und werde verfolgt. Der nächste Zeuge, Graf A. M. du Chayla, der mit Nllus, dem angeblichen Verfasser der russischen Ausgabe der ״Protokolle der Weisen von Zion“ im Jahre 1909 längere Zeit zusammeniebte, hält diesen für keinen Betriiger, aber für einen Fanatiker sondergleichen, der vor allem in der Ucbcrzcupung lebte, daß der Antichrist bald kommen werde. Nilus zeigte du Chayla eines Tages ein Manuskript, das angeblich die ״Protokolle“ enthalten sollte. Es war von verschiedenen Verfassern geschrieben. Nilus, so betonte du Chayla, habe ihm niitgctcilt, er habe diese Protokollc von dem in der russischen Geschichte als Fälscher und Spitzel bekannten Ratsch ko wsky erhalten. Sogar Nilus, der doch die ״Protokolle“ angeblich redigiert habe, habe oft an der Echtheit der ihm übergebenen Schriftstücke gezweifeit, aber er erhoffe, daß Gott die Wahrheit durch den Mund von Fälschern und Lügnern fördern werde. Zweck der Verbreitung der ״Protokolle“ war, Nikolaus II. zu einer antijüdischen und reaktionären Politik zu bewegen. Die Veröffentlichung dieser ״Protokolle“ hatte für ganz Rußland eine schicksalsliaftc Bedeutung, indem sie die Errichtung einer Verfassung verhindert und die Katastrophe des russischen Volkes und der Zarenfrage heraufbeschworen hat. Der nächste Zeuge ist der russische Geschieht*« forscher und Schriftsteller Sergius Swatikow, der im Jahre 1917 von der damaligen russischen Regierung den Auftrag erhalten hatte, die zaristische russische Geheimpolizei im Auslände zu liquidieren. Auch er erklärte, die ״Protokolle“ seien zweifellos eine Fälschung. Er bestätigte Dr. Wci/manns Aussage, daß die Lage der jüdisehen Massen unter der bolschewistischen Regierung sehr schlecht sei. Ebenso wie du Chayla bezeichnet er Ratschk o w s k y als einen berüchtigten Fälscher. In Paris habe er 1917 den nächsten Mitarbeiter von Ratschkowsky, Henri Bl nt, kcnnenßclcrnt. Nach dem Bericht Bints habe sein Vorgesetzter Ratschkowsky befohlen, verschiedene gefälschte Dokumente herzustellcn, darunter auch revolutionäre Schriftstücke. S|c wurden Ins Ausland geschickt. Ratschkowsky habe auch die Geheimnisse der Weisen von Zion vorbereitet. Die ״Protokolle“ verfolgen antlsemitlschc Zwecke. Ratschkowsky ließ die ״Protokolle“ durch zwei Literaten, sogenannte Agents provocateur*, hcrstellen. Der Urheber sei ein gewisser Golowinskv, ein enger Mit* arbclter Ratschkowsky*, von Beruf Journalist. Er arbeitete viel in der Nationalbibliothck, wo er auch die Schrift J o 11 s ״Dlaloguc aux enfers entre Machlavci et Montesquieu" vorfand. Diese Schrift benutzte nun Golowlnsky bei der Her« Stellung der Protokolle als Quelle. Später wurden die Protokollc In großer Auflage gedruckt und verbreitet, insbesondere in Kiew und Charkow in den Jahren 1918 und 1919. Zweck der Protokolle war, die Schuld an der Oktoberrevolutlon und am Bürgerkrieg den Juden zuzuschieben. Vota NHua weiß der Zeuge nicht viel. Er scheine eia