Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-10-30 · Heft 87 (30.10.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 87 (30.10.1934)
Date
1934-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653532--25944-2683112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 30. X. 1934 *,Eine von Jude» reine deuitcheWirtsdiafi*' Ein« Rede von Julius Streicher Die ״Fränkisch« Tageszeitung“ berichtet über eine Rede, die Gauleiter Julius Streicher vor den leitenden Min• ־ nem von Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe m Nürnberg und Fürth gehalten hat und in der er sieh mit der Judcnfrage licfalSIc. In diesem Zusammenhang führte Julius Slrcichcr 11. 4. aus: ,,Dtr Dinlwli«: mimt s*im׳H im-tämligti*, ordentlicltcn Erwerbs- , grisi *st in rigtn, t׳r kiimi keinen Finnmgci»!. Gesundem Erworb-mm und Frwerltsgtuti werden immer jürihrhr־!־ Kiltanxsirm , und t'inHiiügci *I gegniiilHTttrlH'n." ,,ln iten Kirtinii wird von der Krh>untle ge,prtwdw*n. Die eigen!• liehe Erbsünde i,t dir ,Sünde wider die KsHwiigevctie, ist die Hasten־ schände, Jahrhunderte liinduri h hat sich der Jude der deutschen Kräften Itoliriii und so unser Ulul verseuclil. Wenn ■Ile Väter und Mütter die Kiissenfnigt’ kennen würden, wäre es bald ander* in dem deutsrlien Volk. Wenn wir erst die Rassengoetsc geschaffen haben, die wir brauclien, wenn wir verhüten, da# das deutsche Blut gc- »rhäwlcl werden kann, dann gelten wir einer schonen Zukunft entgegen, dann 11111!» die ginne Well gegen uns «ein, da* deutsche Volk wird «׳inen Weg eur Hohe wieder finden ..." ״Wir haben vor 14 Jahren pruphexrit, daß wir siegen werden und haben recht gcliulü. Ilrute |>r0|>t1e«*ir irh Ihnen: wir erleben auch noch eine von Juden reine deutsche Wirtsehalt. Daß wir auf dem Weg dato sind, (üblen Sie alle. Und wenn da und dort noch jüdische• Denken und Handeln nuchaimxisen ist, ao ist das au ver/.eihen, »leim ilie Wirtsrlmfi war ja vollständig in ein Gewxbe verstrickt, diis Krrnttfrsvsigi• geselinllen hnhrn, war vollkommen ver- »klavt in der iiitcriuitinn.den Kiminr. Kiltes Tage« werden auch dies* UehcrMribsei verschwunden sein." Diesen Ausführungen gegenüber müssen wir Juden auf die wiederholten Erklärungen der zuständigen Instanzen der Rcichsrcgicrttng verweisen, durch die eindeutig die Anwendüng des Arierparagraphen für die Wirtschaft abgelehnt wurde. » Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 27. 10. beschäftigt sich mit einer Aktion des Gauleiters Streicher von Franken mit dem Stichwort: ״Der Kampf geht weiter", in der er sich gegen Gerüchte zur Wehr setzte, die sich gebildet hatten. Das Blatt weist u. a. darauf hin, daß der Gauleiter in seinen Reden besonders gegen die Juden polemisiert und sagt hierzu: ״Ihc «hlimmsli n »einer Gegner sucht. Herr Streicher unter den — wie im, jedoch schein(, gerade im Erankenland «tark eitigCMhinhtetten — Juden. Als et in Fürth von direkten und indirekten Mordiimlrolmiigen s|mt<l1, fügte er den 11 herrusehenden S4tr hinzu: ,Wir wissen, wer den Kampf gegen Hie Juden und Judcngrnmsen aufniinmt, der muß es erleben, daß er für vngelfrei eiklärt wird."* / .*,,״ויי p־, Ein aniijüdisches Plakat Die Zeitung ״Volksgemeinschaft“, Heidelberg, vom 23. 10. veröffentlicht in der Rubrik ״Der Odenwälder" einen Bericht aus Buchen, der wie folgt lautet: ״Dieser Tuge konnte man trühnmrgens den Inliuber eines jüdischen Geschultes in der Hauptstraße liier inüelitig an seinen großen Sehuulcnslcrn herum ■״himmeln" sehen. Kr entfernte ein ans!heinend von ücn llriim'lmännrhcn in der Nurlil «ngebrarh- Ic» l’lnkul folgenden Inhalt«: ״Deutsche, kunlt nicht beim Juden, auch nicht Ihm (ieschüilsleulcn, die beim Juden ausstellen.“ Eine cnislc Mahnung an du« kantende l’nblikum, aber auch eine ernste Warnung an die Ixiim Juden ausslellenüen Kirnten.“ Wenn in dem hier erwähnten Falle ein Plakat an einem Jüdischen Geschält angebracht war, das dazu auff orderte, in einem solchen Geschält nicht zu kaufen, so entspricht dies nicht den von maßgebenden Stellen der Rcicltsrcgicrung gegebenen Anweisungen, die eine Sondcrbchandlitngdcrjudcn in der Wirtschaft ausschließen. Die Haltung des hier erwähnten Geschäftsinhabers dürfte daher zu einer negativen Glossierung keinen Anlaß geben. Judenhaft und Vaterlandsliebe Die Kreisleitung Magdeburg der NSDAP, veranstaltete• am 25. Oktober eine Versammlung, hei der Rcichstagsabgcord• ncter Richard K ti n z c, Berlin, sprach. Nach dein Bericht des ״Mitteldeutschen“ vom 26. Oktober führte der Redner u. a. aus: ״Wer die Juden haßt, lieht sein Vaterland! Durch nicht* kiinti rigrnlEeli un*crc Pflicht heute deutlicher allen klar gonini hl werden, 111* mit diesem Wort. Wohin wir immer M'hen in der Wellgetehiehle, wo es Krieg und linder gub, stet» halte der Jude seine Hand im S p i e I.“ Der zweite Redner des Abends, Abschnitts• und Kreislelter Rudolf Krause, beschäftigte steh mit Anschuldigungen, die gegen einen Magdeburger jüdischen Rechtsanwalt in einem Strafverfahren erhoben wurden. Im Anschluß hieran verlas er eine Liste sämtlicher jüdischen Rechtsan• Witte und Aer zte der Stadt Magdeburg und sagte hierzu: ״Der Naliiiniikoziali.tmi* gibt nicht eher Ruhe, 111* Ins auch der letzte jüdisch(' Richter und Kccht«<mwalt verschwunden ist." Wir glauben gegenüber diesen Ausführungen fcststcllcn zu müssen, daß Liebe zum eigenen Land und Volk nicht mit Haß gegen andere Gruppen verbunden zu sein braucht. Ist doch auch von maßgebender nationalsozialistischer Stelle ausgesprochen worden, daß die Judengesetzgebung des Dritten Reiche» nicht dem Haß entspringe. Die Stellung der jüdischen Rechtsanwälte und Acrzte, die im Amt verblieben sind, ist eindeutig gesetzlich geregelt; die unbehinderte Ausübung ihres Berufes ist ihnen ausdrücklich zugesichert worden. Eine Rassen - Kartothek Der ״Völkische Beobachter“ vom 26. Oktober berichtet über einen Vortrag von l)r. Achim Gercke vor der Deutsehen Rechtsfront bei der Oaufachschaftstagung der Sach ver• ständigen. Dr. Gercke legte seinen Ausführungen die Frage zugrunde: ״Kann man über die Fragen der• Rassenforschung zu Gutachten von Wert kommen?“ Der Redner schilderte hierauf, wie er als Student bereits durch die große Anzahl jüdischer Professoren, die auf den Lehrstühlen der Universitäten saßen, angeregt wurde, sich eingehend mit Rassenforschung zu befassen. In jahrzehntelanger Arbeit ist durch Dr. Gercke und seine Mitarbeiter eine Kartothek geschaffen worden. Sie umfaßt alle im letzten Jahrhundert in der Ocffcntjichkcit tätig gewesenen Juden. Nach der Machlübernahinc konnte das Material noch weiter ergänzt werden und wurde schließlich zur Grundlage eines wichtigen Oesetzes —• dci Arierparagraphen. Die ״Höchstrichterlichc Rechtsprechung“ Nr. 20 vom 15. Oktober (Verlag Walter de Ciruyter ft Co., Berlin) veröffentlicht einen Beschluß des Oberls 11 desgeriehta Hamburg vom Juni 1031 (F. 10, 31), nach welchem Nie h tariert 11 in eine« Testa m c 1t!Vollstrecker« d n 11 keinen Entlnssungsgrund bildet, wenn der Beweggrund für die Stellung de» Entlassungsantrages offensichtlich ein anderer war. Nach | 2227 GBO. kann das Naehlaßgerlcht den Testamentsvollstrecker auf Antrag eines der Beteiligten entlassen, wenn ein wichtiger Ortirid vorliegt. Das Kammergeeicht hat in seiner Entscheidung vom 23. November 1933 (1 b X. 613, 11) ausgesprochen, daß eine Rassen- Verschiedenheit zwischen Erben und Test*- nt entsvollstrecker unter besonderen Umständen zu schweren, die ordnungsmäßige Abwicklung der Nachlaßge-- schäfte gefährdenden Uitzuträgliehkeiien führen und dann einen wichtigen Grund zur Entlassung de* Testamentsvoll- Streckers abgeben könne. Ucber diesen Leitsatz ist das Landgericht Hamburg ln dem jetzt bekanntgewordenen Falle insofern hin.tusgcg.mgen, als es grundsätzlich, d. h. wenn nicht die Somlerumstnnde des einzelner, Falles der Anwendung des Grundsatzes entgcgcnstchen, In der a I -!einigen Tatsache niehtariachcr Abstammung einen Entlassungsgrund Im Sinne de* § 2227 ■ erblickt und in eine Prüfung des Einzelfalle* nur Insoweit eintreieu will, als sie erforderlich ist, um fcstzustcllcn, ob besondere Umstände die Außerachtlassung des Grundsätze• angebracht erscheinen lassen. Das Oberlandcsgericht Hamburg hat es offen gelassen, ob man dieser Auffassung in Abweichung vom Kammergericht folgen müsse, da die angefochtcne Entscheidung, um deren rechtliche Nachprüfung es sich handelte, nicht auf dieser Abweichung beruhte. In dem Beschlüsse des Oberlandesgerichts Hamburg heißt es ln diesem Zusammenhang«: ״Lnmlgcrirht führt au*, sil» besonderer Umstand in dem ■ngegeboren •Sinne *ei regelmäßig stt werten der dringende Verdacht, daß es nicht die Rassenfrnge, sondern ein anderer Gesicht spunkt gewesen ist, der auf «eiten de* Erben den Beweggrund für die Stcllung de» EndtHs!mg«an!r»ge« gebildet hat, während die -Rmirnfrage nur vnrgcjchotien wurde. Landgericht vertritt mit aller Entschiedenheit die Auffiissung, daß ei verhütet werden müsse, daß die neue Erkenntnis der Bedeutung der Rainenfmgc tur Verschleierung de* Bemühen« benuut werde, einen wirtschaftlichen Vorteil *11 erlangen. Dieser Recht'.11u(f»*>.ung tritt der Senat liel. Ob im Einxelfall diene Vorau«»eUungen gegeben sind, ist eine Krage tatsiirhlicher Fe«t- Metlung, deren Nachprüfung dem R erhübe *chwerdegerirht nach § 501 Z1H). verwehrt ist. I.amlgericht hat hier lunärlut fe»tgestellt, daß liir den Erblasser du* l’roiilein der R*«wnfrage nicht im gc• ringst«, liestmiden habe, und daß auch für die lleseliwe rdctülirerin wie iiir die übrigen Erben K«!*«efragcn und Kasseversrliiedenlieil offenbar keine Bedeutung gehabt haben, daß »le vielmehr nicht- «rische Makler und Anwälte in atiffiillendrtn Maße bevorzugt haben. Es stellt auf Grumt des ficwmttverhalten* tkt Beschwerdeführerin und ihres Ehemnnne* fest, daß ganz andere Gründe «I* da« Nichtarierttim de« Dr. W. sie tu ihrem Antrag veranlaßt haben» nämlich die zwischen der Beschwerdeführerin und dem Tc*la ment *voll «t ree leer über die Auslegung einer Bestimmung de» Testament* entstandenen Spannungen, und daß die Rasacnfrage offensichtlich nur vorgeschoben sei, um auf möglichst bequeme Weise »ich de» Testament svolUtrecket» Dr. W. entledigen *u können." Georg Brandes und Arbeiter״ Da* Problem ״Jude und Arbeiter" Ist für uns seit je eJngl der drängendsten und ungelösten. Nachdem die mittelalterliche Gesetzgebung: zuerst die Juden vom Boden vertrieben hatte und es da tut lariKsam fertig brachte, sie aus fast allen Handwcrklichcn Beritten hrraus/udrängeti, entstand jene soziale Struktur des jüdischen Volkes, die dm Juden dann /um Vor. wurf gemacht wurde, Die Tatsache, daß cs in Palästina möglich Ist, einen netten Arbeitet typ, den Chat uz. zu schaffen, b*. weht, daß die Struktur der Juden nicht auf irgendeine ״bi״, logische Veranlagung“ zum Händler- und Intcllektucllentum zurliekziifühfcn Ist, sondern allein aus der historischen Situ», flott verständlich wird, Zur Zeit des Hochkapitalismus standen die Juden in einem zwiefachen Verhältnis zum Arbeiter: der eine Fell der Juden, die kapitalistische Schicht stand dem Arbeiter wohl nicht anders als die übrige kapitalistischc Gesellschaft aller Länder gegenüber wahrend eine sehr viel kleinere Intellektuelle Schicht (ein großer Teil der jüdischen Intellektuellen der kapitalistischen Epoche ist zur Kapitalisten schiebt sowohl nach Besitz als nach Gesinnung zu rechnen), die ergriffen war von den Ideen der französischen Revolution, dein Rationalismus und dem Freiheitsgedanken de» 19. Jahrhunderts, sich ebenso wie zahllose Intellektuelle aller nichtjüdischen Nationen auf die Seite des Proletariats schlug es als ethische Pflicht empfand, den unter den sozialen Ver-’ hältnisscn leidenden Menschen zu helfen. Diese Hinneigung vieler Juden zum Sozialismus ist tief in der geistigen und seelischen Situation des 19. Jahrhunderts verwurzelt. Der Sozialismus, der durch Marx seine theoretische Begründung erfahren hat, ist aus der industriellen Entwicklung und zugleich aus der europäischen Atmosphäre seit der französische« Revolution hervorgewachsen. Die marxistische Lehre wäre ohne die Hegelsehe Philosophie unmöglich wesen. Das Kr' ge• Die alttcstamentliehen Texte in Handels Chofwerken sind vom Präsidenten der Reichskulturkammer geprüft worden; Nach der amtlichen, in F*chblättern veröffentlichten Mitteilung der Reichskulturkammtt ״gebfcn sie zu Bcansttn• düngen keinen Anlaß״. In der Sondernummer der ״Berliner Börsetueitung“ vom 28. 10. ״Deutschland und der Norden" befindet *ich ein Beitrag ״M it 11 e r t ti m“ von Gustav S t e I n b ö m er. Nachdem Stelnbömcr einen kurzen historischen lieber• blick über die dcutsch-ilnnischen Wechselbeziehungen, die schließlich durch den Streit um Schleswig-Holstein zum Er• liegen kamen, gegeben hat, fährt er fort: ״In die Lütke «wischen den abgerissenen Begehungen »weicr sUmmvcrwunclter Nurhhsrn trat ein fremder Mittler, ein kenntnisreicher tind gescheiter jüdischer Liter•( in Kopenhagen! Georg Brandes. East ein halbe* Jahrhundert hat Brande* da* Amt des literarischen Austausches «wischen Deutschland und Dänemark verwaltet. Was ein breitere» gebildetes dänisches Publikum von deutscher Literatur in J*hr«ehnten vor dem Kriege erfahren hat, trägt das Placct de* Brandessrhcn Urteil».“ Er sagt dann weiter: ״So sehr Brande» innerhalb dieser seiner Möglichkeiten und Bedingungen um die deutsche Literatur eitrig und red lieh bemüht w:1r, mi ning man doch ermessen, welches Bibi von der deutichen Literatur unter den Voriiussetiungen einer »olrhen Vermittlung entstehen mußte. Dabet befestigte eine »ehr bestechende Eigenschaft Brandes' Autorität beim dänischen Publikum. Brandes besaß wie manche intellektuellen Juden eine feine Witterung für Qualität ohne die geringste Beziehung «um Wesen dieser Qualität «u h»bcn.“ Nachdem er noch erwähnt hat, daß Brandes ein Buch über die deutsche Romantik geschrieben hat zu einer Zeit, da sich ״die deutsche offizielle Literaturwissenschaft noch kaum um die deutsche Romantik kümmerte“, muß er zugeben, daß Brandes über Nietzsche zuerst I8S8 einen Essay erscheinen ließ ״also auch zu einem Zeitpunkt, wo Nietzsche noch so gut wie unbekannt und unbeachtet war“, und kommt zu folgendem Urteil: ,.Der Kall Niet «sehr zeigt »ehr deutlich die Verführung und die Gefahr eines Mittlers vom l.iteralenivpu» Brandest die »türke 1 Begabung, eine Qualität Irühzeitig «1! erkennen, Ist in fast er• «i'hrer kender Weise unabhängig von einer wirklichen und Inneren Brtielnmg nt dem Wesen, das »ich in der Qualität »nsrtrüekt. Man wird leicht erkennen und folgern, welche Ergebnisse entstellen mii»• sen, wenn der literarische Kummer« zweier Nationen als Mono, pol in den Händen eines snleben 3'vpns vereinigt ist, besonder» wenn — wie im Kalle Brandes - Kenntnis, Klugheit, Witterung und redliches Bcmülien seine Urteile «11 empfehlen und «u rechtfettigen scheinen. Einer liberalen Epoche mußte j« gerade ein Mensch, der siammliuh und blutmäßig keiner der beiden Nationen *ugeliäirle, als der prädestinierte geistige Zwisdienl,Hudler vorkommen. Denn in diesem Zwischenhandel hatten die nationalen Werke eine ״vunirteiUfreie“, ״objektive", ״aUgemein-mmsrhtirhr” Znte der Zulassung und Begurarlitung «tt passieren, durrh die bei »ubjektiver Ehrlichkeit eine objektive sublime Fälschung der gegen- *eiligen Produktion «> gut wie gesichert war." Vergessen zu erwähnen hat Stelnbömcr, daß Georg Brandes auch für Deutschland der Mittler nordischer Literatur war; er hat dazu beigetragen, daß Ibsen, Björnson, Strindberg bei uns Bürgerrecht verschafft wurde, daß sie zu einem integrierenden Bestandteil des Spiel• plane* deutscher Bühnen wurden. Immerhin — Brandes ist Jude, den wegzustreiten bei einer Besprechung der deutsch• nordischen Beziehungen unmöglich Ist. Die Bewertung dieser Leistung kann freilich auch anders ausffllen als die von Steinbömer gegebene. Dr. T. S. an den Plakatsäulen autallcnd angezeigte — Buch ״Jude und Arbeiter“ von F. O. H. Schulz (Nibelungen- Verlag, Berlin-Leipzig 1931) ausgezeichnet als eins der besten sechs Bücher diese» Monats — geht auf diese geistesgeschichtlichen Zusammenhänge nicht ein. Das Buch setzt vielmehr sich das Ziel, bestimmenden Einfluß ״der“ Juden in der Sozialdemokratie dar/ustellcit. Zwei Abschnitte gelten der Persönlichkeit von Marx und L a s s a 11 c. Der Autor geht bei der Darstellung dieser beiden Männer so vor, daß er aus ihren Schrillen gewisse Acußmingcn zusamnicnstellt, die ein Charakterbild ergeben sollen. An Marx hebt Schulz folgende Eigenschaften hervor: Verachtung der kulturellen Werte, tgoi*- Irma, ein starkes Messlasbewußtsein; seine dialektische Methode will der Autor aus der rabbinisch-tahmidischen Erbmasse in Marx ableiten, wobei man fragen könnte, aus welcher ״Erle massc“ Hegel seine dialektische Methode geschöpft hat; die enge Verbindung von Marx mit Engels zeichnet Schulz all ״Schmarotzerd,isrin", und die Rolle, die Marx dabei spieße, wird nach Schulz zu einer erbarmungslosen Ausbeutung des deutschen Fabrikantensohns. Die antisemitische Schritt von Marx ״Zur Judcnlrage" erklärt der Autor im Sinne der von einem Juden erfundenen Psychoanalyse alseine ״Ueberkompensation“; ״denn er litt an seiner jüdischen Abatammting außerordentlich stark“. Nun bietet gerade Marx, der ein ״jüdischer Antisemit“ war, ein wirklich interessantes psychologische» Problem, das auch vom jüdischen Gesichtspunkt noch nicht ausgeschöpft Ist. Aber dieses Moment wirft u. E. ein anderes Licht auf die wahre Judenfrage als die meisten Betrachter sehen wollen. Aclinliche Eigenschaften wie bei Marx werden von Schulz bei L a י s a 11 c hcrausgeschält. Er hatte, wie Schult einmal ironisch bemerkt, ״das Zeug zu einem Judas Makkabäus“, für den leider noch nicht die rechte Zeit gekommen ■ war. Er war voll unermeßlicher Rachsucht, von untthcrwtrtd• , lieber Mcrrscltgicr, von einer strotzenden Eitelkeit, ״mit Messiashcwußtsdn übersättigt“ und hatte ebenso wie Mirx große Minderwertigkeitskomplexe gegenüber seiner jüdischen Abstammung. Der Verfasser betrachtet all die schlechten Eigenschaffen, die er aus den Acußerungen dieser Männer hat herausnolen können, als typisch jüdisch. Der Jude ist für ihn ein Ausbeuter, der Jude herrschsüchtig, der Jude eitel, der Jude rachsüchtig usw. Wir Juden können, wie auch jeder Nichtjude begreifen wird, eine solche Charik• teristik freilich für uns nicht gelten lassen. Schulz wendet verschiedene Methoden an, um einen sozialistischen Führer als ״jüdisch“ nachzuweisen. So 1. B. bemüht sich Schulz, die jüdische Abstammung Liebknechts zu beweisen, kann aber doch kein andere• Beweismittel finden, als daß die mütterliche Familie auf eine Familie namens Hirsch zurückging. Bekanntlich ist dieser Name kein Beweis für eine jüdische Abstammung, weil zahl• reiche unzweifelhaft echte Arier den gleichen Namen (Uhren. Der Verfasser hilft sich, indem er Kurzerhand entscheidet: ״Die vollkommene Abhängigkeit des Karl Liebknecht von dem die Spartakusaufständc Inszenierenden polnischen und russischen Judentum hat im Verein mit dem phy• *logno ml sehen Befund dazu geführt, die jüdische Wurzel der Liebknechts ohne weiteres anzunehm c n.“ Auch 1. B. der evangelische Theologe Professor Paul Till ich wird als Jude hingcstdlt. Willi Münzenberg ist unseres Wissens ein reiner Arier. Man könnte noch mehrere Beispiele von Namen anführen, die der Autor irrtüm* lieh zu Juden stempelt. Sehr eigentümlich berührt ein Satz wie dieser: ״Die Internationale jüdische Gerechtigkeit, das be• wußte und das unbewußte Rachegefühi gegen da» Wirtsvolk hatten den Sieg über das nationale Oefühl, über den völkischen Sinn davongetragen.“ Man versteht nicht, wie der Verfasser die Begriffe Gerechtigkeit und Rache so zusammenstellen konnte. Wir Juden sind stolz darauf, Träger der Ideen des Rechts und der Gerechtigkeit zu sein; sie sind die Pfeiler jüdischer Weltanschauung. Dr. N. Ueberlalle in Bessarabien Kiachinew. 25. Oktober. (JTA.) In dem Dorfe Strl• seni im Bezirk Lapusna überfielen junge Burschen aus den umliegenden Dörfern die jüdischen Einwohner, warfen in j״• dischen Hjiuscrn die Fensterscheiben ein und mißhandelte» einige Juden. Dann begaben sie sich zur Synagoge und warfen auch dort die Fensterscheiben ein. Eine behördliche Un׳ teratichung Ist «ringeleitert. Gegen antisemitische Propaganda in Saloniki Saloniki, 25. Oktober. (JTA.) In einer öffentliche* Erklärung richtet der Generalgouvernetirvon Sa 10• nik I, Pcrldes Rh a 11 Is, eine Warnung an die ln 1«״ףז Zelt wieder sehr rührigen antisemitischen Kreise in SaD* niki, da die Regierung gegen jeden Verauch, judenfelndlicht Ausschreitungen zu begehen, mit den schärfsten Mitteln vor• gehen weide. —״ Am 23. Oktober starb In London der bekannte Kiufm*«' und Politiker Samuel Samuel, Teilhaber der Petroleum»״«#» Marcus Samuel & Co., Großaktionär des ״Shell־״K3nzern1 und anderer Petroleum-Konzerne Im Alter von 79 Jäh«״: Samuel Samuel gehörte seit 1913 als konservative* Mitgiiw dem britischen Unterbau« an. Wo«1 I m) t>1< Ifeh und *ehrt» 191«: Rolle 2 sucht ־ die < diese! 2 nk< . ■te Vers / Komi dattel Geld l!» Berät Anscl j Aepy! politi; in d! schiel Ti gesc!' erin י י *r Sam ' 11; Ifatip 7; ן (Sam Mohr ן!)! uns!; , t; j; lieh. vor , f 2.11 tiie-lp 11 nm1 fc Bergt■; i’f. brau! * ili Kitte׳ Propl י Volr,!1 Seite! eine ' |! nen r,j versc 1 politi ־ f/ |11dis< ז (Pias/;« ׳:!/!»*י I ׳!' II l״f Höhl ' if (Vg'-'fe •eher: »•' (Seht, |t Plla.« voiktür ו־׳! entw Jerus der Df bescl £ $׳• . teilt aich/t: *Hin C; Besic 1922! Ukt tör hud 1 Verl! Ai bt *«ZU Kftln V«r , ״er , 8 io 1 «! a ,Will dien, 1 §inK<. *,orjj, tooeh l hPfl klein *twa! Reine Übt, «nd 'ette ״%L' Retr.t di* f »ad

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.