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Jüdische Rundschau · 1934-10-26 · Heft 86 (26.10.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 86 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sitzend von linhs nach rechts: Dr. Meignes, Ussisehhin, Mrs. Hall, Mr, Harthon ׳•all, Sokolow, Colonel Sinne, Direktor des Ccsundhcilsdcpartcmcnts der Regierung, Jashi, Direktor der Hechts Unten: oben: Der Miß Szold :iger die teilt, jdet ' der :hen CSt'rt Sie 1 den. ן JWS Andie 5111s. lind Eine 1 Ihre? die \ ich \ zen, -סזי rauf 1!ehe tsen i zu die hen! bis 1' נ; echt nie« 1875 •den ng* der des fl •alt, ja« 1? fl1 och das Hadassah-Instilutioncn in Palästina, Der Verlauf der Feier Von unserem Berichterstatter h, Jerusalem, 17. Oktober. Die Feier der Grundsteinlegung zum Universitäts-Kranken* mus auf dein Skopuslverg in Jerusalem gestaltete sich (wie an dieser Stelle bereits in Nr. 84 kurz berichtet. Red.) zu einem eindrucksvoller! Ereignis. Schon der Hintergrund, den die Landschaft bietet, und die historischen Reminiszenzen, die mit ihr verbunden sind, sditilen eine besondere Atmosphäre, die mir mit der Stirnpung bei der Eröffnung der Universität im Jahre 1925 w vergleichen war. Allerdings war der Charakter dieser Veranstaltung ein anderer als damals. Es waren keine Massen ':rsainmelt, die ändere Form war unvergleichlich bcscheieuer. Andererseits hatte der Kreis von 500 Personen, der 11'vcscml war, mehr als jemals das Gefühl, daß hier ein großes Werk geschaffen wird. Die ״Hadassah“, die das Hauptverdienst an der neuen Wildling hat, vermied es bisher, die Mittel, die ihr zur ™‘1*ftitng stehen, für Prachtbauten und äußerlich eiuclrucks- * Institutionen zu verwenden und hat ihre Mittel auf »onkrete Hilfsarbeit konzentriert. Sie hat die medi- Mische Hilfe im Lande in einer mustergültigen Weise organi- »t. Es konnte auch wohl kaum verlangt werden, daß die .idische Bevölkerung Palästinas in den ersten Jahren des iwnaus die grollen Kosten der medizinischen Arbeit, die •״ cr .den klimatischen und kolonisatorischen Bedingungen 3«Minas hesonders umfangreich sein mußte, selbst trug. 1״wischen ist der Jiscliuw gewachsen und stärker geworden. Hadassah hat deshalb in den letzten Jahren das Ziel Die 'crk%t, langsam die Aufgaben der unmittelbaren medizini- ״hen Hilfe d cm Jiscliuw z.u übertragen. Der Anteil "מ Jiscliuw an den Budgets der verschiedenen Krankenhäuser , . Hadassah-Institutionen wächst ständig, und diese Tat- «he ermöglichte es der Hadassah, ihre Aufmerksamkeit ״tuen Aufgaben zu widmen. j. "*c Entwicklung der medizinischen Arbeit וווו Lande hat "t Notwendigkeit einer Institution für praktische und ״'Ofctische Forschungsarbeit in den Vorder- LUlt(3 Keriiekt. Viele palästinensische Aerzte haben cs für |J־ ™cht betrachtet, alle 2 bis 3 Jahre ins Ausland zu bh'1' Um d׳»rt die letzten Ergebnisse der wissenschaftlichen iw 1 ״cnneiizulcriicn und neue Anregungen zu erhalten. sni?s sy*‘c־n hatte große Nachteile. Es war sehr kost-!1'1Ki und deshalb konnte cs nur von einer kleinen Schicht A״ztcn angewandt werden; ferner fehlte auch das Ver* (Foto־ H* Oru*M1it) bindiingsglicd zwischen der Forscliungs- und Ausbiklungsarbeit im Aiislaniic und den besonderen Bedingungen Palästinas. So war die Gründung einer Forschungsinstitution zu einem dringenden Bedürfnis geworden. Die Einwanderung bedeutender wissenschaftlichen Kräfte auf medizinischem Gebiete im Laufe der letzten 2 Jahre hat den Gedanken der Gründung einer solchen Forscliungs-, Ausbiklungs- und Heilstätte näher gerückt. Palästina hat heute eine große Anzahl von wissen* schaftlichcn Arbeitern auf medizinischem Ocbicte, Die Idee, in Palästina ein medizinisches Zentrum für den ganzen Nahen Orient auszubaticn, nimmt konkrete Formen an. Die Universität ihrerseits ist an dem Aushau einer rnedi* zi 11 i sehen Fakultät interessiert. Es wird zwar vorerst nicht daran gedacht, eine Lehrstätte für Studenten der Medizin zu schaffen, aber es ist nicht ausgeschlossen, da(! die Forscluingsinstitutioii sieh später auch in dieser Richtung entwickeln wird. Einstweilen stehen andere Aufgaben im Vordergruml. Die neue Institution wird Laboratorien, ein allgemeines Krankenhaus, ein Krankenhaus für Tuberkulose, ein Museum für medizinische Instrumente, Bibliothek, Vortragssaal und alle Einrichtungen für medizinische Forschungsarbeit besitzen. Die Bedeutung der Grundsteinlegung wurde auch in den Reden von Vertretern der verschiedenen Institutionen und Organisationen und der Regierung bedeut. An der Feier nahmen Vertreter der Regierung, Mitglieder der J ew is 11 Agency, des Waad Lcu 111 i, des Keren H a j c s s o d, Keren K a j e m e 111, der geistlichen In* s t i 1111 i o n e 11 (Rabbiner), Professoren und Beamte der Universität teil. Den Vorsitz hatte Frau Henriette Szold, die langjährige Präsidentin der Hadassah und Vorkämpferin des medizinischen Hilfswerks im Lande. Im Namen der Zionistisehen Organisation sprach Nahum Sokolow, für den Nationalfomls Ussisclikin, ferner Frau Szold, die auch die Urkunde vorlas, die unter den Grundstein gelegt wurde, der Vertreter des High Commissioiiers, Harthon Hall, im Namen der Regierung, Dr. Jas kl für die Fiadassah und Dr. Mag 11 es im Namen der Universität. Nach der Feier wurde ein ü r u f! nach Amerika per Radio übertragen. Sokolow, Ussisclikin, Frau Szold, Mapnes und Dr. Jaski begrüßten die gleichzeitig stattfindende Schlußsitzung der 20. Jahres- Konferenz der Hadassah in Washington. Oo wenig wir das Recht haben, alle anderen Völker für unser nationales Unglück verantwortlich *u machen, ebensowenig sind wir berechtigt, unser nationale» Glück einzig und allein ln Ihre Hönde zu legen. Auf dem unabsehbar langen Wege zum vollkommenen praktischen Humanismus, wenn cs überhaupt Je zu einem solchen kommen soll, befindet sich das Menschengeschlecht und wir mit Ihm kaum auf der ersten Etappe. Darum müssen wir von der Wahnvorstellung ablassen, dab wir mit unserer Zerstreuung eine provldentlclle Mission erfüllen — eine Mission, an welche keiner glaubt, ein Ehrenamt, das wir, aufrichtig gesprochen, gern aufgeben möchten, wenn nur damit zugleich auch der Schimpfname »Jude* aus der Welt geschafft werden könnte. Bisher gelten wir In der Welt nicht als solide Firma und wir genlcfien daher auch keinen rechten Kredit. Nicht ln Illusorischen Selbsttäuschungen, sondern nur ln der Wieder* herstellung eines eigenen, einheitlichen, nationalen Bandes haben wir unsere Ehre, unser Hell zu suchen. * Helft Euch selbst, und Gott wird Euch helfen I Atts Umrt Pinskers ,,Aaiocman*ipaH<m" Anläßlich cf«g SO jährigen jubit&am» der KettowUscr Konferens Herzl über Barthou Das in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 19. Oktober wledcrgcgebcne Herzl-Zitat der ״Westfälischen Zeitung“ über Poincarö gibt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß Herzl sich in seinem Buch ״Lias Palais Bourbon“ auch mit dem auf so tragische Weise verschiedenen Außenminister Barthou beschäftigte. Die Umstände, unter denen dies ertolgte, sind in mehrfacher Beziehung bemerkenswert. Es geschieht in dem bedeutendsten Aufsatz der Sammlung, der den Titel führt: ״Der Herr der Kammer“ und worin Herzl Jean latirds ein Denkmal gesetzt hat. Der Aufsatz erschien in der ״Neuen Freien Presse“ im Februar 1895, also zu einer Zeit, wo unter dein Eindruck des ersten Drey* fus-Prozesscs Herzl den Plan zu seinem ״Judenstaat“ faßte. Herzt schildert unter anderem, wie Jaures in der Kammer gegen das Urteil des Militärgerichts eine heftige Anklagerede hält und die Mehrheit so gegen sich aufbriugt, daß cs im w'citeren Verlauf durch einen Zwischenruf des .,Bautenministers Barthou“ zu einer Duellforderung kommt. Im Verlauf der Schilderung schreibt Herzl: ״Am Tilg nacli jenem K.imnierfarm standen der Minister und der Deputierte einander mit ri-lolen gegenüber. Herr llailhmj ist eine junpc Kraft der Opportunisten, im Aller von 32 Jahren Minister, ein Redner von (jltickiicher Streitsucht, arbeitstüchtig, makellos — und dennoch waren die Sympathien nicht au! seiner Seite. Denn sein Gegner bedeutete viel mehr.Es gibt im Leben eines Volkes vertretbare Persönlichkeiten und Individuen ohnegleichen. Diese dürfen nicht durch einen niederen Zulall, wie es ein Wortwechsel in der Kammer ist, hinweggeräumt werden. Ihre Fehler und Vorzüge gehören zum unveräußerlichen Eigentum der Nation, die solche Gestalten hervorbringt. Sie müssen sich nach ihrer Natur ausleben, schaden, nützen, das Volk hinreißen und von ihm verlassen werden; sie müsse# Irrtiimer wie eine fruchtbare Niliil>crschvemmung über das Land ausgießen, für einen fernen Zweck.“ Das damalige Duell blieb ohne Folgen, aber daß beide Männer einmal auf so tragische Weise durch Mord aus dem Leben scheiden werden, hat Herzl nicht geahnt. ״Das Palais Bourbon“ ist Hcrzls bestes nichtzionistisches Werk. Hermann Bahr schrieb einmal, daß cs ״ein nie veraltendes Buch über die französische Politik ist und daß Herzl in der Darstellung der Einzciporträts der französi* sehen Politiker sich als ein Lcnbach der Feder erwiesen hat“. A. P. Msam:r Der Finanzbericht der Jewish Agency Die Jewish Agency hat ihren Finanzbericht für die letzten elf Monate (Oktober 1933 bis 1. September 1931, die Bearbeitung des statistischen Materials für September 193! ist noch nicht beendet) veröffentlicht. Danach ist es in diesen elf Monaten gelungen, die angesammcltc Schuldenlast der Agency und des Keren Hajessod aus früheren Jahren um 101119 Pfund zu verringern. Die Einnahmen des Keren Hajessod betrugen in der Berichtsperiode 171 000 Pfund. Man nimmt an, daß das September-Ergebnis rund 20 000 Pfund ausmachen wird: demnach wird die Gesamtsumme der Keren Hajessod- Eingänge im Finanzjahr 1933/34 190 000 Pfund betragen, somit um 20 000 Pfund mehr als im Voranschlag des Kon* gresses vorgesehen und um 30000 Pfund mehr als im vorangegangenen Finanzjahr. Die Rechtsstellung der österreichischen Juden Am 23. Oktober fand eine Aussprache zwischen derrf österreichischen Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg und den Mitgliedern des Präsidiums der Wiener ls« raelitischen Kultusgcm finde statt. Der Bundeskanzler empfing das Präsidium der Kultus« gemeinde unter der Führung des Kultuspräsidenten Dr. ücsider Friedmann und erörterte mit ihm in längerer Aussprache über die aktuellen Schutfragcn hinaus eine Reihe von Einzelheiten, die in der Denkschrift über die gegen« wärtige Lage der österreichischen Juden enthalten sind, die das Präsidium der Wiener Kultusgcmeinde als oberste öffentlich-rechtliche Instanz der Judenneit Oester* reichs der Regierung überreicht hat. Bei dieser Gelegenheit wiederholte Bundeskanzler Dr. Verfassung bcrechtlgung aller Staatsbürger vor dem Gesetze zu stehen gesonnen sei. Das in Atlantic City tagende Kirchennarlament der Pro« testant Episcopal Church of America hat eine Entschließung gefaßt, die sich scharf gegen die Zurück- Setzung von Minderheiten als Mittel nationaler Staatspolitik ausspricht. Juden und anderen Minderheiten als Opfern einer solchen Politik bringt das Kirchenparlamcnt sein tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck. Hauptschriftleiter t Dr. Robert Welt sch, Berlin-Charlottenburg 0. Stellvertreter! Kurt Loevenitein, Berlin W 15. Verantwortlicher Schriftleiter für den gesamten redaktionellen Teil: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anrcigenleitcrin und verantwortlich für den Anzeigenteil! Helene Chancincr, Berlin N 64, Verlag und Anicigcnvcrwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinckestr. 10. D.-A. September 35 700. Druck: Siegfried Scholcm, Bln.-Schöncberg. mmmm life— fcinpiS 17 o 00 Am . ca ca. ca. 75 M! 70M I 75 jh 1^ 100Mr '\00ka1diTW^ ' “ig348ra& wWt[ so$l!n 90P*JJ ca275 “,isu *ir Verkauf nur /Ä> Berlin C2 /fÄ SpandauerStr.32^•/' י

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