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Jüdische Rundschau · 1934-10-23 · Heft 85 (23.10.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 85 (23.10.1934)
Date
1934-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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23 X. 1934 7 ODISCH E RUNDSCHAU Seite 5 ■i!en 1 nit 1 ul- I :m 1 Ms 1 en 4 1 1k- 1 rt 1 h e 1 ich 1 k“ i! tz. tse I 1er :h- 1 iel וer- ו?« i ler 1 Icr 1 rtu' 4 \ J11 5e. Icr f ler i :u, cl- *sc en r- •n* i ־'ß j|- ■n 1 11•;r* I •t.! en £lfe» Testament und chrisilichc Kirche*״ ״ A11I der I IcrbMvorsammliiiig des Hessischen!.nml״v,.r. . ״,Li; der fv;<11j,,|'ll*«el11'(1 Rrichsfruuciilulfc in i );unmtaett sprach ״(Icsl'isf 11 זי׳ Lic. I r. Dietrich iihcr das Thema 1Ali cs Testa m c 111 u 11 de 11 restliche K i r c h c“. Nach :1 , llcricht im ״narmstadier Tagblatt“ ging Dr. Dietrich die V 0 r יי■ ii r f c cm die heute gegen das Alte Testa- J ... crlKibt'ii wurden: daII es aus jüdischem Geist!hören sei und daher dem deutschen Volk nichts zu!,reu I״,,!> ׳»1״ cs d!''! ,״a'rlff dcr Unsterblichkeit und fcwif!c״ Lehms mellt kenne, und dal! seine f 1״-ilte minderwertig seien, endlich, dal! in Volk I sr 1׳c ־ ' erde• In ‘־ine 1 % fi #* # % /*׳ 1'i ** Moralihm das 10 1 Immer wieder als das aiiserwiililte hingcstcllt ״־ historischen Rückblick erklärte Dr. Dietrich auch schon frühere Jahrhunderte Kritik am Alten Testai 1;״t geübt hatten, so z. B in der frühchristlichen Zeit der 1?rieche Marek-», «n Mittelalter gewisse Sekten etwa in Süd- } .»!,reich. 1111 her seihst nehme eine kritisclic Stellung ein, ״tcr Schleicrinaclier, Chainberlain, Lag,wie, Richard Wagner. lr Dietrich wandte sich darauf zunächst gegen den Vor- I?rf da» das Alte Testament aus jüdischem Geist, wie er י Lite bekämpf werde, geschrieben sei. Die wesentlichen ■ k)C11cr des Allen Testaments seien in der Zeit vor der I Uyionisclien Gefangenschaft entstanden, als das alte Israel I eilt nationales Volk von Ackerbauern ge- 1 rscn sei. Auch sei das Bewußtsein der Auscrw äh Ithei t, i j,5 jm Alten Testament zum Ausdruck komme, eine gesunde I [rscliciniing. Die Besten des Volkes, die Propheten, hätten 1 in1mcr wieder die Schwere der Verantwortung he-! (״nt, die sielt daran knüpfe. Gegen den Vorwurf der Unsitt- J lidikdt, den man dem Allen Teslament mache, sei ciimi-!»■enden, dal! die Verfehlungen immer mit dem Ton des I jfhmcr/cs im Sinuc einer Kritik geschildert würden. 1 Wenn man das Alte Testament genau betrachte, so könne | j״j״ darin auch an manchen Stellen ein Wissen um das j ‘püge Lehen finden, und man sollte es nach diesen Hohe- I punkten beurteilen und nicht nach den minderen Teilen. Vor jllcm aber sei zu bedenken, daß das Alte Testament mit den Augen Marlin Luthers 711 lesen sei, der es nicht nur übersetzt, pindcrn wirkli 11־ verdeutscht habe, so daß es nicht mehr das Puch einer freimten Rasse, sondern ein echtes deutsches Buch sei. Abschließend ging Dr. Dietrich noch auf die Stellung d e r Kirche und Schule zum Alten Testament ein und betonte seine weitreichende Wirkung id große Ikdcutuiig für unsere gan/c Kultur, aus der cs picht wcg/iuU nken sei. Das Alte Testament brauche auch mit der heutigen Zeit nicht in Widerspruch zu stehen, wenn jian cs mit den Augen Christi und Marlin Luthers sehe, *Zionismus und Hebräertum*״ es di ns גי? re ne >rer as >ras en he zu 11t htig cli er er ge!0. Ile lg ■r* U m (11 en Die ״V ö I k i s c h c Zeit u n g“, Düsseldorf, vom 11. Ok- (ober beschäftigt sich in einem größeren Aufsatz mit der Lage des W r 11 j u d e!11 u 111 s. In diesem Artikel wird 0, a. erwähnt, daß während des Weltkrieges das Ostjudentarn aut deutscher Seite stand. Mit dem Zusammenbruch Rußlantls und dein Tage des Verliandlniigsbegiiins in Brest- Litowsk sei!«loch eine Aenderung seiner Haltung cingctreten. Als Orund hierfür gibt das Blatt an: ,.Der K| lecher Riißliiml-; wurde nun in Brest•!,itowsk Her J11 d e und 7. i 0 11 i 51 it r o n s I 0 i n - T r 0 I z k L Kr wurde der Vcikiitjirrer dos 1ucligiö-<'11 zionistischen Judentums im Gegensatz 111 dem noch nni mosaischen llekennlnis hiingenden Ilebtäcrlum. Trotzdem ra••■ 01:11 und dem Wesen nach kein Unterschied zwischen dic'<11 r,111|,p •n beslehl, so arbeiteten die erstcren mit den grob- Ucn Mitteln der l’olililc und offensiv, diese dagegen defensiv mit den lersci/euiUn Methoden der Analyse jegiirher I.elienstiinklieinen." Die Unfmidiertlieit dieser Behauptung liegt für icderi auf der Hand. Trotzki hat niemals etwas mit dem Zionismus ni tun gehabt, sondern ist zwar jüdischer Herkunft, jedoch 11$ Kam in 11 n ist heftiger Gegner aller positiven jüdischen Bestrebungen und insbesondere des Zionismus. Ebenso ycrfehlt ist es, einen Gegensatz zwischen einem ״arcligiö• stti z i 011 is t i s c 11 c n Judentum“ und einem am ״momischen Bekenntnis hängenden H c b r ä c r 111 in*‘!11 konstruieren. Es gibt religiöse lind arcligiösc Zionisten, fcnan so wie es religiöse und arcligiösc Niclitzionistcn gibt. Im ganzen d irf man wohl sagen, daß bei dem national gerichteten Teil des jüdischen Volkes auch eine historisch fundierte Beziehung zum jüdisch-religifisen Leben besteht In dem erwähnten Aufsatz heißt cs dann weiter: ״MVgrn der piilitisi hen Fiihrcrlosigkeit im nachnovember« liehen 1)1 uiM11־tu11d, .Million alle maßgebenden Stellen des gesamten öflcntlirhen [.cliens mit Zionisten besetzt werden." Auch dieser Satz zeigt die völlige Haltlosigkeit der Bchaup• taiRen des genannten Artikels. lombroso and die nalionalsozialislische Gesetzgebung ״Ccsarc Lowbroso und die soziale Siche• ׳Ultg״ betitelt sich ein Artikel zum 25. Todestage Lernwosos von Werner Lenz in der ״Berliner Börscnzcitung" vom W. 10. Nachdem Lenz einleitend von der Verhätschelung ws Verbrechers unten dem vergangenen System gesprochen H fährt er fort: ״Ja. wir wenden heule die ,GeselBcbiiflsIchrc‘, alwr die ,Lehre תזייי Miiinlm Staate‘, praktisch an, während man bisher zu leicht bei der Theorie sieben blieb. Daß aller auch diese notwendig יו', zeigt uns deutlich — anläßlich seines 25. Todestages — die Lehre des Italieners Ccsarc Lombroso, der. wiewohl in mancher Hindi'lit widerlegt oder überholt, doch ein!nächtiger Warner zugunsten des sozialen Selmlz.es der Völker gegen den Feind der tioclhrhafl, die Verbrecherwelt, war. Wie aktuell die Anregungen *י erfahrenen Gcriehlsarzles und lNyrliiatcrs heute noch sind, Beweisen die Bemühungen der nationalsozialistischen Gesetzgebung, ,1‘G auf den Lehren der Krbgesundheit und der Erbkrankheit bßeml, (|j,׳ Unschädlichmachung unsozialer Menschen sich zur Anfgalic gemacht hat. Sic folgt darin denjenigen Erfahrungen, öif’ aus Loinlirosos IxbensitrlH’it forlbe^lehcn und durch weitere Ausarbeitung kontrolliert und vervollkommnet sind.“ Die Bedeutung Lotnbrosos für die Erkenntnis der Psyche «es Verbrechers ist in der W.elt vielfach anerkannt worden, «tue Bedeutung für die Strafgesetzgebung vieler Länder ist pochfaiis bekannt. Der ״Italiener Lombroso“ war, worauf f fsem Zusammenhänge hätte hingewiesen werden können, Eine neue Rubrik der *Jüdischen Rundschau*״ Der Sabbat als jüdische Institution hat In unseren Tagen eine merkwürdige, nicht vorhcrgcsclienc Auferstehung erlebt. In Erez. Israel ist der Sabbat offizieller Ruhetag der jüdischen Volksgemeinschaft, und abgesehen von den rein religiösen synagogalcn Feiern, Ist man bestrebt, ihn z» einem Volkstag im besten geistigen Sinne zu machen. Diesem Gedanken widmete ßlnllk seine beste Kraft und der von ihm gegründete Oncg Schabbnth Ist eine daucrntle Institution geworden, die aus dem jüdischen Gemein- *chaftslchcn nicht mehr verschwinden wird. Aber auch außerhalb Palästina» besieht das dringende Bcdürlnis nach einer Sabbatfcicr. Kein Tag Ist wie dieser geeignet, dem jüdischen Menschen den Sinn seines Judentums nahezubringen, der jüdischen Jugend B e - Iclirung und Beschäftigung mit jüdischen Dingen zuteil wefden zu lassen. Dfe außerordentliche Stärkung des Jüdischen Gemeinschaftsgefühls Im letzten Jahre, die In einer verworrenen Zelt sich hcrausbildendc Sehnsucht nach religiöser Verwurzelung und die Notwendigkeit, die dem Juden unserer Tage fast entschwundenen jüdischen Inhalte r.urUckzucrobom, ließen mit einem Male den Sabbat in den Vordergrund jüdischer Interessen rücken. Aeußere günstige Umstünde kamen hinzu. Die Reichsregier 11 ng hat angeordnet, daß jüdischen Schülern auf Wunsch der Sabbat freigegeben wird. Die Durchführung die- »er Maßnahme ist noch erleichtert worden dadurch, daß der Sonnabend ganz allgemein zum Staats} ugendtag erklärt worden ist, an welchem die in der Hitler-Jugend organlsicrie deutsche Jugend Ihrer Jugendbewegung zur Verfüßung steht und Im übrigen ln den Schulen für die verbleibetiden Schüler ein natlonalpolitlschcr Unterricht eingeführt wird, von dem nach der ersten Anordnung jüdische Schüler zu befreien waren, nach neuerer Anordnung jüdische Schü- Icr auf Wunsch auch r.ugelassen werden: cs liegt jedoch auf der Hand, daß dieser Unterricht, bei dem Rassengesichtspunkte maßgebend sind, für jüdische Schüler nicht hestimmt ist. Vor einiger Zeit (am 22, Juni) hat Rabbiner Dr. Prfni In der ,,Jüdischen Rundschau“ die Forderung ausgesprochen, daß unsere jüdischen zentralen Instanzen für die Ausgcstaltunß des Sabbats als Tages der jüdischen Jugend Sorge tragen. Diese Anregung hat Widerhall gefunden. Die ״Jüdische Rundschau“ und, wie er uns mitteilt, auch Dr. Prinz persönlich, haben von einer ganzen Reihe Interessierter Personen und Gruppen Zustimmung und Anfragen erhalten. Es hat sich gezeigt, daß besonders in kleineren Gemeinden, aber auch bei manchen Gruppen in den Großgemeinden, bei jung und alt ein großes Bedürfnis danach bestellt, den Sabbat zu feiern. Ihn zu einem jüdisch erfüllten Tage aiiszugcstaltcn. Sehr viele aber wissen sich dabei nicht zu helfen. Sie brauchen Rat und Richtlinien. Die zentralen Instanzen des deutschen Judenfuim haben unbegrclflkhcrwclsc zu der Anregung weder Stellung genommen, noch Irgend etwas zu Ihrer Ausführung unternommen. Die wichtige Aufgabe, von einer sich gesetzlieh bietenden Möglichkeit einen konstruktiven Gebrauch zu machen, um unsere Jugend jüdisch zu erziehen, ihr Erhebung und Freude zu spenden, Ist bisher nicht in Angriff genommen worden. Lediglich die Jugendbiindc haben Sabbatfclcrn clngcführt. Aber auch sie wissen, wie sich zeigt, nicht Immer das Richtige damit an-?.!!fangen. Es gibt aller noch eine große jüdische Jugend, die nicht in Bünden organisiert Ist, Isolierte junge Menschen, um die sich niemand kümmert, Auch sie müssen herangezogen werden. Der Sabbat m«sd eia wirklicher Tag; der fudl« ■eben Jugend werden and ■eine Weibe enriiekgewinnen. Um einem Bedürfnis, das sich immer wieder zeigt, abzuhclfcn, haben wir uns entschlossen, ln der ״Jüdischen Rundschau“ allwöchentlich eine Rubrik cinzuführcn U׳/c gestalte ich den nächsten Sabbat? ln dieser Rubrik, die van Dr. Prinz gemeinsam mH J. Efsner redigiert werden wird, werden wir Ratschläge für Bünde, Gruppen und einzelne veröffentlichen, die es erleichtern, jeden Sabbat sinngemäß zu begehen. Natürlich verhehlen wir uns nicht, daß eine solche Rubrik nur ein Hilfsmittel Ist. Wesentlich sind die Menschen, die sich der Sache annchmcn. Rabbiner, Lchrer, Jugendführcr, aber auch Eltern und schließlich die Jugend selbst müssen aus dem Material, das Ihnen hier geboten wird, etwas Lebendiges zu machen suchen. Auch sind wir bei Ausgestaltung dieser Rubrik natürlich für Hilfe und Anregungen aus dem Leserkreis sehr dankbar. Um für evtl. Vorbereitungen Zelt zu lassen, wird die Rubrik stets nicht erst ln der Freitag-Nummer, sondern In der Dienstag-Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheinen. Für Schabb&ih, 27. Oktober Vorbemerkung Wenn wir hier den Versuch machen, für jede Woche ״Programm“ auf/ustclleti zur Gestaltung des Schahhath, Die Gestalt Abrahams wird herausgearbeitet durch Lesen der entsprechenden Abschnitte aus dein - Szeler tl.iagada und dem Genesis-Kommentar von B. Jacob, siehe auch die Aufsat/reihe von B. Jacob: Die Erzväter im ״Mor* gen1‘, Line großartige Darstellung Ahrahams als des Vaters des ״Glaubens“ gibt Kierkegaard ״Furcht und Zittern“ (deutsch bet Diederichs, Jena), darin ״Eine Lobrede auf Abraham“. Bei der ״Akedaft“ wird man dieselben Hilfsmittel benutzen. Zu diesem Abschnitt lese man auch ״Das Gespräch der Ofenheizer“ in Buber, Die Chassidischcn Bttcher S. 412, Schocken-Verlag. cm Der Jüdische Anteil in den freien Berufen hat sich lt. iMtliner Tageblatt“ vom 18. Oktober so gestaltet, wie eine 1״ vom 1, Januar d. J. ausweist. Der Anteil der ם C*1 tari s c h e n Rechtsanwälte betrug danach 17,5 pfozent. Von den Kassenärzten Berlin* waren im ^oniar dieses Jahres 46,8 Prozent Juden. Schafft Beden in twz IsmcI durch Spenden tür den Jüdischen Nationaltondi Keren ffilemefti Leiisrael BerlinW15. Mclnciieilr.l« Postscheck28247 auf/ustclleti zur so sind wir uns klar darüber, daß wir nur in sehr begrenzfein Maße Anregungen liier geben können. Letzten Endes ist das Gelingen eines ״Oncg Schahhath“ oder einer andcren ähnlichen' Institution abhängig von den Ausführenden. Es kann hier nur Aufgabe sein, einige Hinweise zu geben, insbesondere in Fragen, die die zu benutzende Literatur betreffen. Hier sind insbesondere für kleinere Gemeinden Schwierigkeiten zu überwinden, Man wird nicht utnhinkönneu, für die gemeinsame Anschaffung einiger Standardwerke zu sorgen, die eine einmalige Ausgabe bedeuten, dann aber immer wieder zu verwenden sind. In erster Linie kommen hier in Betracht: Szefer Haagada, von Bialik•Rawnitzkl. Jalkut Schimoni, eine Mklrasehsammlung. Die Sagen der Juden, Micha Josef bin Qorbn. Für das 1. Buch, Bcrschith, ist besonders der neue Kommentar von B. Jacob, Genesis (Schocken-Verlag), zu empfehlen. Darüber hinaus wird man die alten Erklärer, Insbesondere Ras eh i (in deutscher Uebersetzung vorhanden) zurate ziehen können. Auch die Erklärungen von S. R. Hirsch (deutsch) bieten heute noch eine Fülle von Anregungen, wenn man sich an die eigenartige Sprache gewöhnt hat. Die Szidra ״Wajera“ enthält folgende Abschnitte: Abraham und die Engel. Die Vernichtung Sodoms. Abraham in Aegypten. Die Geburt Isaks. Die Bindung Isaks (״Akedah“). Zweifellos wird auch der geschichtliche Stoff am Schahhath eine wesentliche Rolle spielen müssen. Es kann keine Form der jüdischen Feier und des jüdischen Lernens geben — ohne Bindung an die Geschichte. Wenn das Gesetz, befiehlt, dal! jeder Jude Woche um Woche die laufende Sklra der Thora ״zweimal im Text und einmal in der Uebersetzung“ lese, so wird damit nicht nur eine fromme Pflicht erfüllt, sondern zugleich auch eine sehr intime Kenntnis der Thora —• und wenn man die Prophetenabschnitte hinzurechnet — eines erheblichen Teiles der Bibel vermittelt. Wie häufig, wird auch hier religiöse Uclutng mit pädagogischer Klugheit und Alisicht verquickt. In Analogie zu dieser frotmnen Uebung wollen wir hier einer! Versuch unternehmen, die Kenntnis der jüdischen Geschichte im Zusammenhang mit Sidra und Haft,trab zu vermitteln. Es sollte also Brauch werden, zu der Durchnahme von ״Text und Targum" auch die historischen Ereignisse und ihre Deutung hinztizufiigen. Diese Uebung erfahrt eine zweite Erweiterung durch die Pa- 1 n s t i n a k u n d c. Auch hier kann im Zusammenhang mit der Sklra das Land beschrieben und im Laufe eines Jahres gründlich kennengclernt werden. Literatur: Unerläßlich ist, daß in jeder, auch der kleinsten Gemeinde eine Gesamtausgabe des Dubttow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes beschafft wird. Die einbändigen Geschichten reichen hier für unseren Zweck nicht aus. Dazu empfehlen wir die ausgezeichnete Sammlung: Höxfer ״Qucllcnlcscbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur“, 5 Bändchen, bei Kauffnvmn Frankfurt a. M., erschienen. Prinzip: möglichst viel Quellen lesen. Sie wirken unmittelbarer und lebendiger. Für die liier zu behandelnden Epochen ist der Text der Bibel die Quelle. Hinzu kommen die altorientalischen Quellen: am besten bei Grell mann, Altorientalische Texte und Bilder zum Alten Testament. Dort — im zweiten Band — auch ausgezeichnetes Bildermaterial. Weniger ausführlich, aber brauchbar: Soloweitschik, Welt der Bibel. Jüdischer Verlag. Stoff für Schabbaih Wafera: Abraham ist als geschichtliche Gestalt vielfach bestritten; teils wird er als bloße ״Nachbildung“ der Isaakgrstalt gesehen, teils als mythologische Figur gedeutet. Beide Gesichtspunkte sind für uns unwesentlich. Sic liegen im Bereich der bloßen Philologie und führen weder an den religiösen, noch an den im Volksbcwußtsein wirkenden Kern der Gestalt heran. Vorschlag für ein Referat mit Aussprache: Die Grenzen der rein historischen Betrachtung der Urgeschichte (Muß eine Gestalt historisch erweisbar sein, um geschichtlich zu wirken? Dazu: Achad Ha,1ms Aufsätze ״Moses“ und ״Nach dem Tode Theodor _ Herzls“. Parallele: Christusglaubc und Jesusforschung. — Die Wirksamkeit der ״Legende“.) Für das rein Historische am besten Auerbach, Wüste und Gelobtes Land, Kittel, Geschichte des Volkes Israel Bd. I, Dubnow Bd. I. Zweiter Vorschlag: Darstellung der ältesten Wanderungen im Zusammenhang mit der Wanderung Abrahams von Mesopatamien nach Aegypten, dann zurück nach Kanaan. (Darüber: Auerbach, Jirlcu, Die Wanderungen der Hebräer im 3. und 4. Jahrtausend v. Chr.) PaUiiiinakunde Im Anschluß an die Erzählung von Sodom lind Gomorrha ist zu behandeln: Das Tote Meer, Entstehung, Landschaft (Bilder!), heutige Bedeutung. Am besten nachuzlescn im Baedeker von Palästina oder in dem neuen Palästinabuch von Press. Für geologische Fragen alle cinschlägigen allgemeinen Handbücher. Für das heutige: Kaügewinnung usw.: Bonne und die übliche Palästina-Literatur, besonders die billigen Heftchen von Herrmann, Palästinakunde. Sehr gut vorzulcsen: ״Jüdische Rundschau“, Nr. 50, den Aufsatz ״Neustadt Sodom-Gomorra“ von Dr. Bernhard Ascher. Als palästinaktindlichcs Gespräch: Wie und unter welchen Bedingungen lebt ein jüdischer Arbeiter in den verschiedenen Monaten des Jahres in den Pottaschwerken am Toten Meer. Dazu: Lektüre aus fast allen Palästina-Rciscbüchcrn. Zweiter Vorschlag: Fine Reise von Jerusalem mit dem Autobus nach dem Toten Meer. Welche Punkte werden berührt? Oder: Eine Motorbootfahrt auf dem Toten Meer. (Kenntnis des gesamten, palästinensischen und transjordani« sehen, Ufers.) Kleine Nachridiien Dem Herausgeber der arabischen Tageszeitung ״AI Difaa“ wurde von den Behörden die Ausweisung aus Palästina für den Fall angedroht, daß er die Veröffentlichung aufreizender Artikel gegen eine angebliche jüdische illegale Masscncinwandcrtmg fortsetzen sollte. Der Herausgeber der ״AI Difaa“, Sand Effendi Al-Sarraj, ist ein politischer Flüchtling aus Syrien, der mehrere Jahre in Aegypten lebte und vor kurzem die Aufenthaltserlaubnis in Palästina bekommen hat. Der ehemalige litauische Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. M. Solowcitschik, der später Mitglied der Zionistischen Exekutive in London war und sich vor einigen Monaten in Palästina niedergelassen hat, ist zum litauischen Generalkonsul für Palästina ernannt worden. Prof. Julius Guttmann, der von der Berliner Lehr• anstalt (früher Hochschule) für die Wissenschaft des Judentums an die Hebräische Universität zur (Jeher• nähme der Lehrkanzel für jüdische Philosophie berufen wurde, ist in Jerusalem eingetroffen. Die von Prof. Guttmann nunmehr übernommene Lehrkanzel war seit dem Abgang Dr. Dicscndrucks, der 1910 an das Hebrew Union College in Cincinnati berufen worden war, verwaist. Am 19. Oktober ist in Prag der Leiter des Presse« Departements des Ministerrats-Präsidiums, Sektionschef Maurus Bloch, im 74. Lebensjahre gestorben. Nach Pressemeldungen hat Rob. Koppel S. J., Pro* fessor des Päpstlichen Bibclinstituts in Rom und Jerusalem, mitgeteilt, daß cs bei den Ausgrabungen in Palästina gelungen ist, südlich von Nazareth vier Prä-Neandertalschädel zu entdecken, und im ״Osservatore Romano“ vom 7. Oktober teilt Prof. Könnel nähere Einzelheiten über den Fund mit, der von dem Vizekonsul in Jerusalem, Rend Neuville, gemacht wurde, der im Aufträge des Päpstlichen Instituts für menschliche Paläontologie in Palästina gräbt. Die neuere dings gefundenen Schädel sollen eine außerordentliche Bedcutung für die Erforschung der menschlichen Vorgeschichte besitzen.

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