Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 85 (23.10.1934)
- Date
- 1934-10-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 ausfrusproche 11, daß ״Paliistina wieder den Juden gehören muß“. So war er ein Vorläufer des Zionismus, und am 4. Dezember hat er in einem Antwortschreiben an Pinsker seine Begeisterung ausgesprochen über das Vorhaben der Chowewe Zion, sein Lebenswerk fortzusetzen. Ein Gedenkblatt Am 8. Juni 1875 traf ich 7.11m erstenmal in London ein, mit einem Empfehlungsbrief an den großen Patriarchen Monlcfiore verseile», der mir in einer alten, dunkele« Millioiiencrhschalt an die Hand gehen sollte. Tags darauf las ich in einem Cityrestaurant eine Zeitung — da fiel mein Blick auf folgende Notiz: ,,Heute finden in sämtlichen Synagogen des Landes Gottesdienste statt, damit für das Wohlergehen Sir Moses Monlefiores gebetet werde, der morgen eine Reise nach dem Heiligen Lande antritt.“ Mein Bedauern, um seine Mitwirkung gekommen zu sein, war weniger groß als mein Staunen über die Kühnheit lind den Mut, die einen Greis von cinundneunzig Jahren eine solche Reise antrclcn ließen. Seit 1826 hatte er sich jedesmal, wenn cs galt, die Lage der ins Elend geratenen Juden zu lindern, auf den Weg nach Palästina gemacht, Er baute Selm• len, Mühlen, Synagogen, landwirtschaftliche Ansicdlungeii, Altersasyle. Anläßlich seines 90. Geburtstages sammelte die Londoner Judenlicit einen Hhrcnfonds von 12 000 Pfund; auf seinen Rat wurde dieser Betrag zur Heilung der Wohnverhältnisse in Jerusalem verwendet. Aber dies genügte ihm nicht. Ais Eimimlnciin/igjiihrigcr unternahm er eine letzte Reise ins Heilige Land (über die er das sehr interessante englische Tagebuch ״Vierzig Tage im Heiligen Lande" veröffentlichte), um persönlich für die richtige Verwendung der Gelder zu sorgen. Ueberall, wo Juden in Gefahr gerieten, suchte er ein• zugreifen. 1863 reiste der damals Netmumlsiebzigjährige durch die Wüste nach Marokko, um dem Sultan das Versprechen ahzunchmcn, die jüdische Bevölkerung zu schützen. Als 1816 den russischen Juden die Durchführung eines Ukas bevorstand, wonach alle, die bis auf fünfzig Werft von der Lamlcsgri nzc wohnten, weiter ins Innere halten ziehen müssen, machte sielt Montcfiorc trotz des strengen Winters auf den Weg nach St. Petersburg, wo cs ihm gelang, den Zar zur Rücknahme dieser Maßregel zu bewegen. Nach seiner erfolgreichen Intervention in Damaskus stellte der Sultan auf sein Betreiben einen Fcrman aus, in dem die Widersinnigkeit der Blutnnsditildigung dargclcgt und jede Verfolgung nsmnnischcr Juden untersagt wurde. Anläßlich des Tis/a-Lsslarcr Riliinltnordprozcsses ließ Montefiore jedem Mitglied des ungarischen Reichstages ein gedrucktcs Exemplar dieses bedeutsamen Schriftstückes zustellen. Die berüchtigte Mortara-Angelcgenheit führte iiin 1838 nach Rom. Es war die einzige Mission, die dein tatkräftigen Helfer jemals mißglückte. Neun Jahre später bewogen ihn wiederholte rumänische Judennetzen zu einer f ahrt nach Bukarest, von der ihn auch anonyme Todesdroliungen nicht ab/usrhrcckcn vermochten. Rußland bcschäfligte ihn noch zweimal. Als er 1872 zum zweitenmal daliimeisie, um dem Befreier der Leibeigenen eine Glückwtinschadresse zu überbringen, erteilte Alexander II. ihm beruhigende Versicherungen hinsichtlich der Lage seiner j.i'idisehen Untertanen. Lrcilich mußte Montcfiorc nach einigen Jahren mit tiefem Schmerze wahrnchmen, daß sich diese Lage arg verdüsterte. Ueliri ns pflegte er sich keineswegs nur jüdischer In* ׳ tcrcsscn anzunclimcn. Seine Wohltätigkeit war ebenso intcrkonfessioneil wie sie international gewesen ist. Große Sutn* men opferte er für liiclitjüdische Zwecke. Auch für die syrischen Christen, ehe einige Jahre zuvor so judenfeindlich atifgetrden waren, setzte er sicli 1860 energisch ein, als sie in Not gerieten. Sowohl der Abstammung als der Geburt nach (er ist 1'n Livorno geboren) war Montcfiorc halb Italiener, halb Englancier. Die Schule, die er in London besuchte, verließ er frühzeitig, um in kaufmännischen Firmen zu arbeiten. Später schloß er sicli dem aus der Nnpolcanischen Zeit hervorgegangenen Frciwitligcnkorps an, in dem er cs bis zum llauptmann brachte. 1812 verheiratete er sich mit Judith Cohen, einem hochgebildeten Mädchen aus sehr reichem Hause. Diese Ehe dauerte fünfzig Jahre, war außerordentlich glücklich, blieb aber kinderlos. Nach dem Tode der heißgeliebten Gattin rief der Witwer eine Reihe wohltätiger Stiftungen ins Leben. Die Familie Montcfiorc war mit dem ersten Londoner Rothschild mehrfach verschwägert. Schon hierdurch allein erhielt Moses Gelegenheit, sich mit fünfzig Jahren von der Börse zurikkzuzielien (er bekleidete die Stelle eines der zwölf zugclasscncn Börsenmakler). Anfänglich verwaltete er Ehrenämter; er war Sheriff von London, Shcriff der Grafschaft Kcnt, Friedensrichter in Ramsgatc usw, Viele Jahre betreute er die Interessen der hauptstädtischen ludengcmciiulc. Während seiner letzten fünfundzwanzig Jahre lebte er in. dem bekannten Seebad Ramsgatc, wo ich ihn wiederholt in seinem schönen Haus ״East Ciiff“ aufsuchen durfte. Diesem Besitz gliederte er eine Synagoge an sowie ein jüdisches Seminar und ein Altcrsasyl für in Not geratenc Rabbiner. Bis zuletzt war er geistig vollkommen frisch und leiblich befriedigend gesund. Er plauderte gern und lebhaft, las ohne Brille, fuhr fast täglich aus und führte mit Hilfe mehrerer Sekretäre einen ausgedehnten internationalen und vielsprachigen Briefwechsel. Sein Gedächtnis blieb gut, seine Hohe Gestalt fast ungebeugt. Der Lieblingsstoff seiner Gespräche war die fortschreitende Entwicklung der gesellschaftlichen und politischcn Stellung ■des Judentums. Er blieb bis zum Tode eine von Juden und Nichtjuden geehrte und gefeierte Persönlichkeit. Kein Oroßer seines Jahrhunderts hat ein so hohes Alter erreicht wie er. Leopold Kätscher. Der ״vierte Moses״ in der hebräischen Dichtung Von S. Meis eis (Wien) Der Ruhm Moses Montefiores hat auch im ncuhebräischcn Schrifttum seinen Niederschlag gefunden. Es gibt eine ziemlieh umfangreiche Montcfiorc-Litcratur in hebräischer Sprache; diese, Literatur besteht fast ausschließlich aus Gedichten, aus Lobliedern^ und Preisgesängen auf Moses Montcfiorc. Ich glaube mich keiner Falschmeldung schuldig zu machen, wenn ich erkläre, daß in den Jahren 1855 bis 1885 cs keinen einzigen hebräischen Dichter (oder auch nur Vcrscmachcr) gab, der nicht wenigstens e i 11 Gedicht auf Moses Montcfiore geschrieben hätte. . In der Regel waren cs der Gedichte zwanzig oder dreißig. Sie schnellen für gewöhnlich zu jedem Geburtstag Montefiores, und da er ein Alter von 101 Jahren erreichte, war die Zahl der Wicgenfestücder, die sie ihm zu Ehren mtstinmiteii, recht .erklecklich. Manchmal aber dichteten sie auch ohne solchen Anlaß, denn ein Montcfiorc- Gedieht war allezeit aktuell. Es ist nicht tmintercssant, die Montcfiore-Oedichte näher zu betrachten; man lernt daraus eine besondere ״Spielart“ 'JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 23. X. 1934 « 1 } J | - kl# י 'jf Zur Ncuaus^abc von Herzls Tc^cbüdicrn Die Welt erlebt heute den Siegeszug des ״Persönlichkeit1!• prinzips". Es ist noch nicht sehr lange Zeit vergangen, seitdem es so schien, als ob objektive Zusammen hänge und Verhältnisse im politischen Lehen der Völker maßgebend seien, mochte es sicli nun um die Kraft von Ideen handeln oder um Intercssengriippierungcn, die etwa von der Wirtschaft 11er auf das politische Leben Einfluß nahmen. Neben diesen Kräfte״ lind zum Teil im Kampf mit ihnen sind in zahlreichen Ländern einzelne Persönlichkeiten an die Spitze getreten, die durch die Macht ihres Willens Entscheidendes für das Geschehen getan haben. Und wenn sie auch iin Rahmen bestimmter Idecngängc politisch handelnd auftreten, so ist ihre Wirkung doch durch die Kraft ihrer Persönlichkeit oft viel stärker bestimmt als durch theoretische Gcdniikengänge ... Wir Juden sind echten, aktiven Führcrfiun» lange entwohnt gewesen. Vielleicht Ist >>s darauf ztirückzufiihrcn, daß die große, grundlegende Gestalt der nationalen Bewegung im Judentum der heute lebenden Generation bei aller Kenntnis ihrer Bedeutung etwas fern und blaß erscheint. In einer Zeit, in der unsere nationale Bewegung fit das Stadium Ihrer Verwirklichung eiugetrctcn ist, und in der die Träume der Phantasie eines Theodor Hcrzl vor unseren Augen Wirklichkcit werden, ist zwar die Bedeutung jenes großen Lchrers und Führers, der vor den Augen der Juden ein neue« Bild vom Judentum hervorzauberte und auch der niclitjüdisclicn Weit gegenüber einen neuen Typus des Juden darstellte, anerkannt, und alle Juden sind bereit, seine Person zu feiern — aber all dies ändert nichts daran, daß vielen von uns, Zionisten wie Nichtzionisten und besonders auch Angehörigen der jungen zionistischen Generation, die wirkliche Gestalt Theodor Herzls fern erscheint. Vielleicht liegt es daran, daß die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in der Hcrzl lebte und seiner inneren Art nach beheimatet war, vielen heute wie durch eine Nebelwand entrückt ist, weil Rhythmus und Ausdruck unserer Gegenwart zu ihr In einem starken Gegensatz stehen. So ist cs dazu gekommen, daß zwar die objektive Leistung Theodor Hcrzl* und die Wirkungen seines Auftretens, die wir heute als Frucht seines Lebens mitgenteßer», allgemein anerkannt werden, daß aber — sehen wir von Feierstunden und Reden ab — eine ganz lebendige Beziehung zu seiner Gestalt noch nicht oder nicht mehr bestellt. Dabei dürfen wir nicht verkennen, daß die besten Kräfte des jüdischen Volkes und der jungen Gene* ration in ihrem Innersten den Wunsch hegen, den Ideen, die für sie maßgebend sind, auch einen persönlichen Ausdruck zu geben und citic echte Fü 11 r u n g nmuerkennen, die gleich entfernt ist von der Verabsolutierung eines Einzelncii wie auch von der blinden Gefolgschaft, die falsche Propheten in unserem ,Volke vielfach gefunden haben. Herzt, der nicht mehr unter uns weilt, kann diesen innersten Wunsch der heute Lebenden nicht mehr erfüllen, aber gerade dann, wenn dem Volko «In Einzelner von dieser Kraft und Größe fehlt, Ist ei besonders wertvoll, stell zu der persönlichen Hinterlassenschaft dessen hinzuwenden, der für seine Zelt diese Funktion gehabt hat, und dessen Gedankengut In jedem Einzcincn von uns, der an der nationalen Bewegung tcilnlmmt, nachschwingt. Aus diesem Grunde sollte die Beschäftigung mit Herzls Leben und seinem literarischen Erbe noch viel stärker in unserem Kreise gepflegt werden, als cs bisher der Fall war. Wir haben an dieser Stelle bereits früher die Tatsache bc* grüßt, daß jetzt eine neue Ausgabe von Herzls Zio* nistischcn Schriften erscheint, die es möglich macht, in besonders schöner Form diese denkwürdigen Dokumente vom Leben und Handeln Herzls kennenzulernen. Der ״Jüdl* sehe Verlag" hat, nachdem er den I. Band der Zionisti* sehen Schriften in neuer Gestalt heraiisgebraclit hat, in den letzten Monaten in drei weiteren Bänden Theodor Herzls Tagebücher neu licratisgegebcn. Der letzte, V. Band der Gesamtausgabe, der ln einiger Zeit erscheint, wird das Schau* spiel ״Das neue Ghetto“, den Roman ״Altnculand“, das Draimilett ״Im Speisewagen“, Entwürfe für den Charter, Herzls Notizen zu der Unterredung mit Baron Hirsch, Briefe an den Fürsten Biilow und andere Staatsmänner und *on«ti׳r» Material enthalten. Ocradc die Tagebücher, deren würdige Ausgabe mm, mehr neu vorliegt, zeigen das Wesen Herzls in besonder, klarem Licht. Wir sehen, wie oft er vielleicht Fehler machte sei cs bei politischen Aktionen oder auf dem Gebiete d» Beurteilung von Verhältnissen und Zusammenhängen, jj,- man aber auch noch so viele Felder Herzls naclivrciscn mag man der Ansicht sein, daß der Zionismus in späteren Entwicklung .auf wesentlichen Gebieten ein Ueticf, winder Herzls gewesen ist und weitgehend aus anderen gen Quellen gespeist wurde — eine! bleibt Hcrzl Vorbehalten: Die menich. liehe Größe. Sie ist es — wie Martin Bub er in seiner bemerkenswerten Würdigung Herzls einmal gesagt hat —, die bei allem, uns mit Herz) verbindet und ihm seine einzigartige Stclliin» in der jüdischen Geschichte verleiht, hervortritt und als ,]jj Bleibende au ihm allen naclikominenden Geschlechtern 5},(rt liefert werden kann. Durch sie wurden Menschen überwältig und zur zionistischen Idee!ungezwungen, die aus ganz ander,« Lagern kamen, mochte es ein Max Nord au sein oder di, Massen des O s t j u d e n t u m s, die Hcrzl, der sie vielleicht gar nicht in ihrem eigensten Wesen verstanden hat, י»* einem König zujubeiten. Diese Größe war es auch, die« den sachlichen Dingen, mit denen er in Berührung kam verlieh. Wir wissen, daß die nationale Idee in sich viele Gefahren trägt, daß durch sie niciit nur Segen über di, Menschen gekommen ist, sondern auch Leid und Vernichtung, Aber Herzls Erkenntnis; Wir sind ein Volk, die er « aller Einfachheit gehabt hat, wurde durch Ilm zugleich 3 das Format seiner Persönlichkeit emporgehoben. Und so hat er dem Zionismus, dem er seine moderne Form gegeben hat, einen sittlichen Charak* ter aufgeprägt, der bestehen bleiben muß, auch wenn heute kleine Nachfahren, die sicli mit Herrischen Ordaukengängen brüsten, ihm diesen Gehalt nehmen wollen, der aus Herzls menschlicher Grüß, stammt. Und ganz ebenso war es um jene andere Idee bc. stellt, die er mit dein nationalen Gedanken verband, weit e erkannte, daß Inhalt und Form in einer Welt verbunden sein müssen, in der cs nur dann eine Lchcnsmiigtichkcit gibt, wenn man den Formen des gesellschaftlichen leben! sich anpaßt: den Staats ge danken. A—1 ■diese Idee der geformten gesellschaftlichen Organisation, 0 ז׳ für da: jmli« sehe Volk postulierte, und die er bis in de Einzelheiten des Tagesiebens in manchmal kleinlich entleihender VW* durchdachte, hat er durch die Größe seiner Persönlichkeit erhoben und hat sie so, als deren Träger er die Zionistisch« Organisation ansah, vor der Gefahr des Banalen behütet und ihr gleichfalls den Stempel seiner Größe aufgedrückt. * Soll Hcrzl uns fern sein? Kann er uns fern »ein? *— Er war es, der dem jüdischen Volke zum ersten Male wieder nach langer Zeit eine gültige Autorität gegeben hat, und von ihm aus entstanden jene auch heut( noch so schwachen Versuche, ein System der Werte ia unserem Volke cinzuführcii, das Gültigkeit jedem einzelnes Juden gegenüber beansprucht und ihn so einer für die jüdi* sehe Gesamtheit geltenden Norm untcrordnct. Dlo zionistische Verwirklichung ist nicht zuletzt der Kampf um die Durchsetzung dieser Autorität, gegen die sich einzelne Juden und manche jüdischen Gruppen immer wieder wehren, weil sie Ihnen unbequem ist. Gerade heute, wo in Paladin! dieser Kampf im Vordergrund des Interesses sicht, und ia einer Zeit, in der das nationale Leben in Ercz Israel kompl zierferc Formen angenommen hat und sich quantitativ immer mehr ausbreitet, bekommt diese Frage ihren entscheidendes Charakter für die zionistische Zukunft und damit für dal Schicksal des jüdischen Volkes. Wenn Hcrzl mit der (׳aiuci Kraft und Größe seiner Persönlichkeit stärker in den Vorder• grund unseres Empfindens treten würde, könnten aus der Beschäftigung mit ihm neue Energien für alle diejenige• erwachsen, die in seinem Sinne den Gedanken der Autorität in unserem Volke vertreten. der hebräischen Dichter kennen. Die hebräischen Dichter jener Tage hatten sich ein eigenes System zurechtgelegt, jedes Fremdwort und jeden Fremdnamen in einer Weise ins Hcbrii* ische zu transformieren, daß dadurch zwar das Wort einen geringfügigen Bedeutungswandel erhielt, dafür aber mit dem ursprünglichen Fremdwort oder Namen vollkommen gleichklang. So schrieben sic für Telegraph ״Diiug-raw“ (weiter Sprung), für Depesche ״Dea-ncssa“ (rasche Nachricht), sic machten aus den Pyramiden ״Parci-haamttdiin‘' (Prachtsäulen) und aus jeder Affäre eine ״Awerc“ (Uebertrctung, Sünde), sic übersetzte״ das Wort Kultur mit ״Kol-hator“ (Stimme der Zeit), ja sogar das deutsche Wort Heirat mit der licbrä-!selten Traiifornicl ״harci-at“. Aus dem Namen Montcfiorc aber machten sie ein ״nion-tow-jorch“, zu deutsch: ״gutes' Manna läßt er regnen", .Solche Art von Wortumformung ist gewiß mir eitel Künstelei, bei Montcfiore indessen ergibt die Namciisdcutung einen ganz hübschen Sinn. Montcfiorc war ihnen wirklich ein ״mon-tow-joreh", also einer, der da und dort in der Wiiste der Diaspora ein gutes Manna regnen ließ. Ganz besonders aber regte der Vorname Montefiores ihre dichterische Phantasie an. Dichter waren cs, nicht Historiker, die nach dem Auftreten Moses Montefiores die jüdische Geschichte in vier Moscs-Pcrioden c'.ntcittcn: Moses ben Amram oder das slnn'tischc Zeitalter, Moses ben Maimon oder das philosophische Zeitalter. Moses ben Mcnaehcm oder das hnskahschc Zeitalter und Moses Montcfiore oder das nhilanthropischc Zeitalter. Wohl lieben es auch manche jüdische Historiker, die drei Erstgenannten unter die Ordnungszahl zu bringen, vom zweiten, vom dritten Moses zu reden, und auf das allen dreien Gemeinsame hinzuweisen, nämlich daß sic, ein jeglicher zu seiner Zeit, das jüdische Volk aus Nacht zum Lieht geführt haben; aber bisher ist cs noch keinem der jüdischen Historiker eingefallen, Moses Montcfiore als Vierten im Bunde anzufiihren. Der vierte Moses gehört ganz der Dichtung an, In der Dichtung war die Formel von den ״vier Moses“ zur stehenden Gleichnisrcdc erstarrt. Jedes Montefiore-Gedkht wurde unweigerlich auf diese poetisch-historische Formel bracht. Wohl eines der ältesten Montefiorc-Gcdichtc, <»® ** besitzen, stammt von Adam lia-Koticn Lcbensohn, dem?ףז™ hebräischen Dichter der vorgordonischen Zeit; das Gcüic 1 trägt den einprägsamen, die historische Abstufung׳ klar uw schreibenden Titel: Scliemcsch, Jareacli we-Kochatunt ,י״״ןף Mond und Sterne" (Wilna 1812). Ein anderes Montenor*• Gedicht, das die poetische Geschichtsbetrachtung . ״״״ der Uchcrschrift vorwegnimmt, hat einen stud. pti’d• ”0י Rosetifcld zum Verfasser; dieses als Sonderdruck erschien ziemlich umfangreiche Gedieht ist betitelt: Arba'ah ha-g«'י״ *'׳ <1 scher beschau Mosclicli nikra'u, ״Die vier | die in der jüdischen Geschichte den Namen ,Moses tu״״ 1. der Gesetzgeber, 2. Maimonides, 3. Mendelssohn, 4. ״ י״״ fiore" (Lemberg 186)6). Als Monlcfiore hundert Ja״r wurde, veröffentlichte der hebräische Dichter Zwi y.0W eine Montcfiorc-Biograpliic in Versen unter dem Titel: ״•, , mca schana" (Lemberg 1885); auch in dieser Lebens btxc bting werden die vier Moses in glatten Versen bcsimgeti. ' ein Hochlicd auf Montcfiore, worin nicht Moses mit » verglichen würde, wird man in der hebräischen *ייייסו׳־ vergebens suchen. Das ist aber auch nicht weiter nt wundern; der Moscs-Vcrglcich bot sich gewissermaßen selber an, und war zudem poetisch so gut verwendbar, ein Poet nicht leicht darauf hätte verzichten können. Im übrigen findet man häufig diesen Vergleich; manchem deutschen Montcfiore-( ■cdicht sowie 1n "ן# deutsch geschriebenen Aufsätzen über Montefiore. int ) _ I laitpirhrifttciicr. Di. Robert Welt ach. Bertin-Charlo11'״^; Sirllverircter: Kurt Locwenttein, Berlin W 1®• Vernü״ Si-hriülrüer lür den gesamten redaktionellen Teil: Kurt üo j «lein, Berlin W 1&, Anicigcnleiterin und vtranl»״tl|c״ Anzeigenteil: Itclone Chanciner, Berlin N 54. Verl»? jj teigeiwerwaliung: Jüdische Rundichau. Berlin W; D.-A. September 35 70a Druck! Siegfried ' m» •Sc