Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 85 (23.10.1934)
- Date
- 1934-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I i,Js ' Jahr1?a״(ST 39 Preis RM 25•“־, f״*TllCI* ך—! J,״Iä ״׳*״- ין ך~ן { j - L, , J J״l״l,״,״v«l** - ABMlg.nr.rw.ll»»,, B.rlln W1S, M.ln.k..tr, 10 *־,i ‘.״׳״l-N3 *•״"•'״ יי •׳M*W7MW7׳fc 7140HZ - B.,״)״״,*״ pro Mo״., Ehr «*2 fo-fryjfri-e-73 01 *»* '״ (,rtillit•׳ U»'I'»׳״»hn,n«• ־־ Sr.th.lnt JwUn Dt.nat.g ■■4 Fraltag, -!'"•'«•'Bck-Knnun H.r Abonn.m.mt - Abmllime Gf־>.»-P״rllnX U»rlln 17 392 (Ult d■■ Uhrl*• K.lchX Au.l.mU. י״ג טרחשוו תרצ״ה DIENSTAG, 23. OKTOBER 1934 Abulgantftrif« Die Ugespeiiene mm-Zall• HM0,20, Klr Stellengesuche HM OJQ, lür Femilleimachrichten RM 0,15• Elf»««tanf*te*n nur gegen Vorauarahlunc an Behelf er o«ler auf Postscheck Konto Berlin 7t OM Monug hi* Donnerstag 9-־W Uhr* Freitag 9—16 Uhr. AnnahmeschluA für die Dienstag Atisgsba Montag 10 Uhr, Ittr di• Fr*ltagAu*gab• Mittwoch 13 Uhr (Familiananxeigen hl• Donnentag!0 Uhr) 1«r zionliwu« erstrebt für da« jOdlsche Volk die Schaffung elnor öffentlich-rechtlich gesicherten Hotmst&tte In Palästina. ״Baseler Programm" ויי""״"״■׳"§ was.« " fo\ f,3 C J J'\L J ' .J \ x. v x 4»«■• m\ , ־' j0t\—י־ C ן r~ < v w^t tu»»«Ji \יייי״/4ייין ך* p ץי~׳ ' i '! ( \ ח: ן jh Jj! ' Ü Ü i*•» le»J rits*! ת e 17 lOt I Äfy! Zu Moses Moritcfiores 150• Geburtstag (24, Oktober) Jm 19. Jahrhundert hat das jüdische Volk einen Ccstaltwandcl durchgemachl, der die Grundlagen seiner Existenz stärker erschütterte als jeder vorher« gehende Lmhruc 1. n dieser Periode des Uchcrgangs war Jahrzehnte hindurch die allgemein anerkannte repräsentative Figtir der Judenhcit Sir Moses 3lontefiore, der seihst ein Lebensalter von mehr als einem Jahrhundert erreicht hat. In Monlcfiore zeichnet sich eine neue Synthese ab: Wurzelnd in ler jüdischen Tradition und Religiosität, durchaus volhsbcwtifiter Jude, — auf der anderen Seile vollendeter Weltmann und Vorkämpfer der Judenonanzipation. Eine barocke Gestalt des victorianischcn England, dessen Königin ihn wegen seiner ״Verdienste um die ganze jüdische Nation" aus- :ciclmele. Moses Monlcfiore war ein großer Politiker und Volksrnarm von jenem Typ, den wir ״Schladlan" nennen. Durch seine persönliche Posilion und seinen persönlichen Einfluß, nicht etwa durch die Kraft einer aus dem Volke selbst entstandenen Bewegung oder Organisation, suchte er jüdische Interessen zu vertreten. Mutig und weitblickend verhandelte er mit Königen und Ministern: Jedes den Juden zugefügte Unrecht ließ ihn nicht ruhen. Ais einzigartige Gestalt eines Politikers ohne Volk wandelt er durch das 19. Jahrhundert. Den Juden im finsteren Ghetto erschien er als legen• lärc Wandergestalt, an die sie glaubten und auf die sic hofften. Der 150. Geburtstag dieses Mannes, dessen Wirken nachstehend geschildert wird, ist c.n Anlaß, nicht nur seine Gestalt, sondern auch die eigentümliche Position, in der er zu wirken halte, in Erinnerung zu rufen. Monlcfiore, die- 5er Kämpfer um die bürgerlichen Rechte der Juden, war zugleich ein echter Zionist, noch ehe cs das Wort Zionismus gab. Da er kein Ruch oder sichtbar bleibendes Werk hintertassen hat, würde sein Name bald nur noch Erinnerung sein, wenn nicht heute in Palästina ihm ein lebendiges Denkml erstände. Palästina bewahrt diesem seinem Vorkämpfer ein treues Andenken. Straßen, Kolonien, Stadtviertel tragen seinen Namen. Bald nach ihm tritt, zugleich mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, ein jüdischer Politiker auf, der weniger in der jüdischen Tradition wurzelte als Monlcfiore, aber der mijl'.c, daß das jüdische Schicksal entscheidend nur durch das zu seiner geschichtlichen Idee zurückgckchrlc jüdische Volk gewendet werden kann, Montefiores Werk wwde von Theodor Herzl fortgesetzt. Ein neuer Typus Jude wurde zum Repräsentanten der Gesamtheit. ittrt MS WB*■■׳ Hoif fiore und Palästina \ Leon Schein!( aus! Memel Am 21. ocr vor fünfzig Jahren beging Sir Moses Hcntefiore die' Leier seines hundertsten Geburtstages. Die;im aller Länder waren stolz auf den Veteran Vorbild. >!!tr Philanthropie und Zions liehe, der sein ganzes Leben, :1 Vermögen und seine Autorität in den Dienst der Juden, ui um!!!!׳, Menschheit stellte. Die 'l'oleranz-deeii der Aern Lessing Mcndelsohn hatten! Ciloiclibm'i-htfginig der Juden in die modernen Staats, ״rokät/e der Kulturvölker eingebaut. So wurde 181(׳ die ־-amte eiirfipäisrhc Welt von der furchtbaren Dlutbc״;fuildign 11 g in Damaskus in Aufwallung gebracht, •1יו־ die Angelegenheit in Zusammenhang mit der großen I uiik staml. In ,Massenversammlungen von Juden und angc« ptnen Nit'htjuden wurde beschlossen, den Präsidenten des prd of Deputies“, Sir Moses Montefiore, zur Vertci• lu״ng der verfolgten Juden nach dem Orient zu senden. Ihm 1 ־dSte siel! Adolf Cremicux bei, der in gleicher Mission 1' Auftrag des französischen Zentralkonsistoriums übernom- }ו hatte. In ihrer Begleitung befanden sieh auch zwei 1 :kchc Juden: Montefiores Sekretär, Dr. Laewc und der pntalist Salotmm M!111 k. Sämtliche europäische Konsuln | Alexandrien, mit Ausnahme des französischen, hatten sich | Aufträge ihrer Regierungen fiir die von Montefiore und I'«nic11x vertretene Sache eingesetzt, bis der Khedjvc die 1'1’düng «ler Angeseluildiglen anonlnete, und zwar nicht als ■!Mdignni;, sondern als Rechtsspruch. Cremicux glaubte pit das Ziel seiner Sendung erreicht zu haben. Montefiore j7 hielt seine Aufgabe erst fiir vollendet, wenn es ihm ge-;״־. den Juden im türkischen Reiche die größtmögliche j'hcrhcit gegen ähnliche Verfolgungen zu verschaffen. An |ז Sph/1: einer Abordnung besuchte er Konstantin3pä und } minier unter der Beihilfe der Diplomatie Englands — er- ׳’* am 28. Oktober Audienz heim Sultan Abdul Med- ('•111■ Der Sultan erklärte: ״Die jüdische Nation soll stets j1•den_ anderen Untertanen meines Reiches gleichen Schutz j ״ gleiche Vorteile genießen. Ich bewillige der Deputation ■j’Fcrman, den sie nachgesucht hat. Ich weilt, meine Herj:׳ die reine, menschenfreundliche Gesinnung zu würdi- 13׳ die Sie in diese Hauptstadt geführt hat“. Infolge dieser 11'liclien Audienz ist am 6. November der Ferm an als Ober-! "Iiclicr Wille erlassen und Montefiore überreicht worden. anderem beißt cs darin: ״Wir können nicht gestatten, (.!, d׳c jüdische Nation, deren Unschuld inbetreff des ihr j.Shtctcn Verbrechens anerkannt worden ist, wegen Be- , ■uldigungcn beunruhigt und gefoltert wird, zu denen nicht Wütigste Grund vorhanden ist. . . .“ J, erfolgreiche Aufklärung der Affäre von Damaskus סך den Namen Montefiore weltberühmt. Ucberall in 1■1» l’■ 'v° J״t'cn bedrängt wurden, suchten sie fortan •״'/ bei ihm. Bekannt wurde vor allen Dingen seine bc- :;»״liehe Reise nach Rußland zu Nikolaus!., der :äiiikfofdeijtiifhcr Härte die Juden zu assimilieren suchte. , :״ls drückte auf die Vorstellungen Mrmtcfiorcs den 1״Sch aus, sein Gast möge die jüdischen Zentren besuchen, die Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung anzu- '5Abschied sagte Sir Moses zum Zar: ״Majestät! S'a - *c ln'-'i,1c jüdischen Brüder Ihrem Schutze!“, wo- ¬״'ו Cr!ar entRcK1H’tc: ״Sie sollen ihn haben... wenn sie j ־*" ähnlich werden!“ •.;i!.i°nXorc fciste mit dem Privilegium der Benutzung van ,1! ,״ Vorspann. Seine Fahrt durch Wilna, Warschau t״״,:״״* durch Deutschland glich einem Triumphzuge. lsL daß kurz nach seinem Besuche beim Zaren ein hy. ן J AJkas hcrauskam, der den Juden das Recht ge- - Ländereien und Häuser anzukaufen und sich m die *orporatbnen aufnehmen zu lassen. Sechsundzwanzig Jahre später reiste Montefiore zum zweiten Male nach Petersbürg, um dem Zaren Alexander II. aus Anlaß der 200jiihrigen Jubelfeier Peter des Großen namens der Londoner philanthropischen Gesellschaft zu gratulieren. An der russi* sehen Grenze sandte ihm der Zar einen Hofzug entgegen,, um ihn und seine Begleiter nach der Hauptstadt zu bringen. r ■ך־ ׳:ü k > , ' ’40**‘** ■'־/ 1 י י ׳־ ‘ ■ ,< \ / V V •röffnet am 25. Oktobar In Berlin die ״JUdisch• LehrstMt« Ch. H. Bialik«• (Näheres In der Anzeige Softe 9) Nach der erfolgreichen Hilfsaktion von Damaskus verlieh die Königin Victoria ihrem ״getreuen und lieben Sir Moses Montefiore“ ein eigenes Wappen — eine Ehre, die sonst nur Pairs zuteil wird. Montcfiarc wählte in pietätvollem Andenken an das Land seiner Almen, dem er sich dreimal täglich im Gebet zuw.'mdte, als Wappenbild eine Zeder des Libanon zwischen zwei Blumenbergen (monte di fiori).). Nach seiner Rückkehr aus Rußland erhob ihn die Königin in die Würde eines Baronet. Wie der Premierminister hierzu mitteilte, wolle die Königin damit ihre Wertschätzung für die Dienste bekunden, die Sir Moses ״der Verbesserung der Lage seiner Brüder, sow ie der Förderung und Hebung der Zivilisation und Humanität im allgemeinen geleistet habe“, Aus der großen Menge der in jüdischen Kreisen für Montefiore bereiteten Ovationen sei nur die Adresse der d e u t s c h c 11 Jude n heit erwähnt, veranlaßt von Dr. Ludwig Philippson, mit 1-190 Unterschriften führender deutscher Juden: ״... Lange Jahre hat Israel geduldet, Sie, hochcdler Herr, seit den laugen Jahrhunderten zum ersten Male haben wieder gehandelt. Seit undenklicher Zeit w׳ar es Wahn in Israel: wir müssen tragen, was uns aufcrlegt ist — Sic zuerst haben gezeigt, w׳ic wir uns zu erlichen und das Joch zu zerbrechen haben. Jahrtausende lebte Israel in zerstreuten Gemeinden, deren jede nur sich bedachte — Sie zuerst haben sich aufgemacht vom Okzident nacli dem Orient, und sind > gefahren von England nach Aegypten, voit Aegypten nach Konstantinopcl, von Konstnntinopel nach Rom und Paris, um die Sache Israels zu führen, und haben enviesen: daß eine Gemeinde hinter den Berggipfeln des Libanons ebenso Israel ist wie in den Fluren der freien Länder.“ Unlöslich verbunden mit Montefiores Lebenswerk ist seine Zionsliebe: Siebenmal besuchte er unter den größten Mühsalcn den heiligen Boden Palästinas, und durch seine Arbeit erst wandte ein Teil der europäischen Judenhcit besondere Teilnahme den Zuständen Palästinas zu. Wir können jene Worte der deutschen Juden in etwas abwcichcn* der Form wiederholen: ״Lange Jahrhunderte hat Israel um die Zerstörung Jerusalems geklagt, Montefiore hat zum ersten Male den Wiederaufbau in Betracht gezogen.“ Seine erste Reise unternahm er 1827. Er erkannte, daß der elende Zustand der palästinensischen Juden nicht durch mildtätige Unterstützung gehoben werden könne, sondern daß allmählich eine Selbsthilfe durch die Ausbildung einer nütz« liehen Industrie angebahnt werden müsse. Außer einer aus« giebigen Hilfe ״in der verfallenen, verwüsteten und verheer« teil Stadt“, wie Lady Montefiore Jerusalem nannte, ließ daher Sir Moses junge Leute auf seine Kosten nach Manchester kommen, wo sie die Tuchfabrikatbn erlernen sollten. Nach■ einigen Jahren schickte er sie mit Werkzeugen, Wcbstühlcn und Geldmitteln versehen ins Heilige Land zurück. Ein Hauptzweck seiner zweiten Palästina-Reise bildete der Plan, die fast nur von Almosen lebenden Juden für Hand« werk und Ackerbau zu gewinnen. Deshalb hielt er auf seiner Rückreise in Alexandrien an und erwirkte vom Vizcküuig Mehcmcd Ali die Erlaubnis, daß Juden Land erwerben und bebauen dürfen. Die politische Entwicklung hat diese Ent« würfe nicht zur Ausführung kommen lassen. Auf den Ländereien, die er während seiner dritten und vierten Reise ankauftc, errichtete er Armenhäuser, eine Mäd« chcnsehulc und gründete in Safcd und Tibcrias Ackerbau* kolonien. Der Anlaß seiner fünften Reise war das Ableben des Sultans. Der neue türkische Machthaber entsprach dem Gesuch des Uaroncts, in Jerusalem Armenhäuser für die Juden bauen und Ländereien kaufen zu dürfen, leutseliger als man es erwarten durfte. Montefiore ließ daher eine Reihe von Häusern errichten, die er nebst einem großen Garten und mehreren Morgen Landes armen jüdischen Familien überw'ics. Auf seiner sechsten Reise sorgte Montefiore für eine bessere Wasserleitung nach Jerusalem —- eine Cholera«, cpidemic hatte gerade in der Stadt gewütet — und er hatte die Freude, das Wasser wieder aus den Tcicrien Salomon» nach der Heiligen Stadt fließen zu sehen, ln seinem Bericht an den ״Board of Dcnuties“ ermahnte er diejenigen, die noch- Liebe zum Heiligen Lande fühlen, für die Pflege der Agri« kultur in Palästina recht tätig zu sein, und versicherte sie, daß durch dieses Mittel die Armut bis zu einem gewissen Grade aus dem Lande verschwinden werde. Als er mit neun* zig Jahren den Vorsitz des ״Board of Deputies“ nicderlcgte, sollte in Anerkennung seiner Verdienste ihm ein Denkmal er« richtet werden. Er schlug die Ehrung aus und äußerte den Wunsch, ״das Denkmal solle in der Gründung eines Werkes von dauerndem Nutzen für die Juden des Heiligen Landes bestehen“. Er hat seihst als Oljährigcr Greis eine siebente Reise unternommen, um die Verwendung dieses Fonds zu überwachen. Diese Reise hat er in einem Tagebuch selbst beschrieben. In Jerusalem gab es damals, wie er schreibt, 11 OK) Juden und 28 Synagogen. Sein Vorhaben, die jüdische Bevölkerung Palästinas dem Ackerbau zuzufüliren, kam aber bald ins Stocken. Die Tür« kei lag in Krieg mit den Balkniiländern und dann mit Ruß« land» und die unseligen Zustände in der Türkei haben den Ankauf von Ländereien erschwert und verhindert. Erst 1882, als die ״Chowcwc Zion“ (״Zionsfrcundc“) aufkamen und in Rußland ihre Vereine entstanden, kam seine Initiative zur Geltung. Am hundertsten Geburtstag des ״Großen in Israel“, der von allen Juden der Welt gleichermaßen geachtet wurde, dessen Namen nicht wegzudenken ist aus den Kolonisatbns• bestrebungen in Palästina, wurde in Warschau beschlossen, der zu gründenden Zentralorganisation für Palästina-Siedlung den Namen מזכרת משה Maskcrcth Moscheh (= Gedenken Mosches, sc. Montefiore) zu geben. Gleich darauf, am 6. bis 12. Nov. 1884, versammelten sich in Kattowitz unter dem Vorsitz von Lea Pinsker Vertreter von 35 größeren Ver« einen für die Kolonisation Palästinas, aus Rußland, Deutsch« land, England, Frankreich und Rumänien, und unter der Acgidc des hervorragenden Jubilars wurde der יסח* מוכרת משה מוגטיפיורי בארץ ישראל (Fundament für Maskereth Moscheh in Ercz Israel) gestiftet. Der große Alte von Rams« gatc hat in einer Botschaft an die Kattowitzer Konferenz