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Jüdische Rundschau · 1934-10-19 · Heft 84 (19.10.1934) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 84 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Reite 10 » Führerlagcr des Deutschen Haschomer Hazair Der Haschomer Hazair, «1er in den 20 Jahren seines Be- Stehens in vielen Ländern ein wesentlicher Träger zionistisehen Lebens und der Arbeit des ״Hcchaluz“ geworden ist, entwickelte sieh in I)cutsclilan«l erst in den letzten Jahren. Alts der Erweiterung des litmdcs Im letzten Jahre ergab sielt die Notw endigkeit eines F ü h r e r I a g c r 8, 10 Tage intensivster Schulung und Seihstarbeit vereinigten 55Schotnrim und Schomroth aus dem ganzen Reich in Rüdnitz bei Berlin und gaben ihnen den geistigen Rückhalt und die Grundlagen zu einer weltanschaulichen Orientierung! aber auch «Ins Rüstzeug fiir die tägliche Arbeit. Fiir die Durchfiilirung lies geistigen A r h e i t s p r o g r a in in 8 hätte die Form eines Seminars geeigneter erscheinen können. Statt dessen empfing den Besucher ein Zeltlager mit allem Zubehör, mit Fahnenmast und rundem ״Eßtisch“, Appell- Elatz und großer Pakistinakarte aus Sand und Erde. Das a gerieben gab auch dem Programm sein Gepräge. Die Führer sollten nicht nur eine wissensmäßige Schulung empfangen, denn ihre Aufgabe Ist ja die Gestaltung des gesamten Bundeslcbens. So nahmen Pfadfinderei, Sport, die Ausführung der notwendigen Lagerarbeiten einen großen Raum ein. Aber bei all diesen Dingen stand das Lernen im Mittelpunkt, das Streben nach Sclbstvervollkommmmg, wie es dem Charakter eines Fiihrerlagcrs entspricht. Von Anfang an stand das Lager im Zeichen einer straffen, disziplinicrten Haltung, die in der Durchführung und der Formgebting zum Ausdruck kam: Nach dem Morgenappell und dem Frühstück wurde jeden Tag, zur ״Eröffnung" der Arbeit, eifrig Hebräisch gelernt. Außer dem Tagesdienst lernten alle: Die Anfänger Liedertexte und aus dem ״Hamatcltil“, die Fortgeschrittenen Abschnitte aus der Anthologie ״Ssefer Haschomrim“, die zur Feier des 20iährigcn Be- Stehens des ״Haschomer Hazair“ erschienen ist, Die Körßcrschuiung nahm im Lagerprogramm einen wichtigen aum ein. Ausgehend vom Schoincr-Cicsetz, das die Grundlage der Erziehungsarbeit sowie den Ausdruck der geistigen Ziel- Setzung bildet, ist Zofiuf (Pladfindertiim) für den Bund der Erzichtmgswcg: der Schlüssel zur Charakterbildung, ln diesen Zusammenhang sind die Kurse cinzugiicdcrn, die auf dem Lager über ersle Hilfe, Gcländckundc, Zcltbau, Knotenkniipfen, Signalisieren abgchaltcn wurde«. Die erste Reihe vop Sichoth wurde durch das Eröffnungs- 'referat von M. O reust ein (Palästina) begonnen, in der •er einen Ucbcrblick über die Geschichte des Haschon! er Hazair gab und zeigte, wie dieser Bewegung fn der gegenwärtigen .Situation eine entscheidende Bedentung zukommt. Die weiteren Sichoth gaben zunächst ein Bil a von den Entwicklungstendenzen der jüdischcn Geschichte der letzten ICO Jahre und der gegenwärtigen soziologischen Situation des jüdischen Volkes. Die praktische Anwendung dieser historischen Betrachtung auf die aktuelle jüdische Situation ermöglichte ein Referat von Dr. Franz Meyer über Probleme des deutsehen Judentums, wobei er von einer sehr interessanten, ins Grundsätzliche gehenden Darstellung der Geistesgeschichte der Emanzipation ausging. Die Heutige Situation müsse man verstehen als Krise der Emanzipation und der Illusionen, in denen die Juden lebten. Ein Höhepunkt des Lagers war das Referat von Adolf Pollak: ״Vom Werk des KKL", das mit der Aufmerksamkelt und dem Interesse augehört wurde, das der traditionellen Verbundenheit zwischen der Bewegung und dem KKL ■entspricht. Der Redner gab einen Ucbcrblick über die Leistungen des KKL in den Jahren seines Bestehens. Am Beiapicl der Haifa-Bay zeigt« er die Bedeutung, die der KKL auch in der Ermöglichung der städtischen Kolonisation für Mittelstindler wie für Arbeiter hat. In weiteren Sichoth wurden die Fragen des Hcchaluz, die Gefahren, die ihm gerade in einer Zeit zionistischer Konjunktur drohen und die Aufgaben der Jugendbewegung im Hcchaluz aufgczcigt. Bel der Besprechung der palästinensischen Fraeen wurden die Grundfragen der privaten und nationalen Kolonisation, der Arbeitersiedlung und die politischen und wirtschaftlichen Prozesse, die mit der Verwirklichung des Zionismus verbunden sind, geklärt. Die Fragen der Kibbuzbewegung nahmen den Ihnen gebührenden Raum Im Arbeitsprogramm an. Gerade heute hat die Kibhiizhewcgung die Aufgabe, Avantgarde und richtunggebende Kraft der zionistischen Verwirklichung zu *ein. In ihr kommt der ordnende und gestaltende Wille der Nation gegenüber den Kräften der privaten Initiative zum Ausdruck. Sic muß ständig an die letzten Ziele des Zionismus mahnen, an die vollständige nationale Befreiung des Jü- «tischen Volkes, die die menschliche mit_ cinbczlchcn muß, den Aufbau einer schaffenden Volksgemeinschaft. Ihre Auf- JÜDISCHE RUN DSC 1׳T A Ü gäbe i!1 der Gestaltung des geistigen Gesichtes besonders der Arbeiterschaft kam! sie nur erfüllen durch eine klare, gemeinsam gebildete politische Auffassung, und durch einen inneren Aufbau, der die organischen Kräfte der Gcmcinschaftsbildiing in der Jugendbewegung nutzbar macht. Der Kibbuz muß Werkzeug des Audi,•ms und zugleich »clion heute Eigenwert und Selbstzweck sein. ■ , ,, ״ , , Parallel zur ersten!Leihe fanden von Adolf ,י c h 1 f r geleitete Sichoth statt, die der Klärung der geistigen Grundlagen 1! 11 8er cs Weltbildes gewidmet waren. Es wurde eine Reihe von natur- und gcsehlchtsphilosophischcn Problemen angeschnitten. Die Sichoth über Erziehtingsfragen wurden im wesentlichen von Ernst Fränkcl und Josef Waachltz geleitet. Ausgehend von der Idee der Jugendbewegung und von den in ihr verkörperten Werten bemühte man sich um die Einordnung der neuzeitlichen Erziehung —- 80 besonder» der Methoden «1er Arbeitsschule —, des Dladiindcrtums und der Ergebnisse der modernen Psychologie in die erzieherische Arbeit. Unsere Erziehungsarbeit muß vom Bemühen nach ständiger wissenschaftlicher Fundierung und Vertiefung getragen sein. Wesentlich war die Sicha über die jüdische Erziehung, in der eine verstärkte emotionelle Beziehung zum Jüdischen un«t eine intensivere Beschäftigung mit jüdisehen kulturellen Werten gefordert wurden. Es gilt durch Symbolik und Form, durch jüdische Erlebnisse, durch Lektüre die Atmosphäre zu schaffen, die gefühlsmäßige Bindung an das Jüdische, die dann objektiv unterhaut wird durch das Lernen der heutigen jüdischen Wirklichkeit, der Geschichte, des Zionismus — wobei Palästina in jeder Beziehung im Mittelpunkt stehen muß. Hebräisch muß in das Leben des Bundes cingcführt werden, mit dem Ziel der vervollständigten Hebraisierung. Eine weitere Sicha behandelte die Charakter- und Gemeinschaftserziehung. Hier wurde gezeigt, wie sehr die Erziehung des Charakters die Grundläge der gesamten zionistischen und kibbuzischcn Erziehung ist. Unsere Erziehung muß den Menschen in seiner Totalität erfassen und all seine Lebensgebiete in den Bund einordtien. Das gesellschaftliche Leben Im Lager entfaltete sich an den von Sichoth freien Abenden. Freie Arbcitsgcmcinschäften über viele Fragen, Lagersichoth, die die gesellschaftliehen Fragen des Lagers klärten, Singstunden, auf denen viele neue Lieder gelernt wurden, Oneg-Schabbat vereinigten die Lagcrtcilnehmer, halfen bei der Annäherung der vcrschiedenen Kenim!Ortsgruppen), festigten die persönlichen Be- Ziehungen. Lied und Horra belebten die Abende. Ueber die Schomcr-Erziehungr wurde ein literarisches Gericht abgchaltcn. Das Lager wurde mit einem Schlußappell geschlossen, der die Ereignisse der Arbeit zusammenfaßte. Im Anschluß au das Lager fand eine Tagung der Moaza Haraschith (Bundesrat) statt, die *Ich mit der gegenwärtigen Situation und den nächsten konkreten Aufgaben de* Bundes beschäftigte. Ernst Frankel. Nr, 84, 19 X, 19M Poel und Chaluz Wenn wir Hachschnrah gleichsctzen mit Vorher!'♦, Erziehung fiir ein Leben des Schaffens in Palästina uii'rt als eine innere Revolution des jungen Juden 1* trachten, so dürfen wir nicht bei der körperlichen 1T beit stehen bleiben. Wir lesen, hören und hekn^ '* Berichte aus Palästina, die alles andere darstellen ah? wirklich chaliizischcn Weg aller Ohm. — Auf eine״! Gefahr werden wir immer aufmerksam gemacht: die des p’* »chlagcns eines leichteren Weges, desjenigen mit?" ״geringeren Widerstande“. Die ״Ich-bin-am-ZicKStimm der Chawerim läßt diese nur allzuleirht die Pflicht * vergessen, die sic zu erfüllen gelohten. So wird SCJ oder allmählich aus dem ״Chaluz“ ein ״Poet", IUJ ,?*' Idealistisch gc»in״tcn Arbeiter einer, dem «lic Eegen%j?* Arbeit nur zur Erreichung ״liöbcrer sozialer Stufen" 2 Er geht aus dem Kibbuz in die Stadt. Dort jk« er das Leben derjenigen Arbeiter nach, die so schnell »■ nur möglich die Arbeit Arbeit sein lassen wollen, man in!* jeden Piaster und geht so bald den Weg der Golah . « handelt, treibt wieder Luftberufe. — Nicht dies darf unser Weg sein! Oewiß, der ״Poel“, hier eben als der oben gekerni״;,!, nctc Typ des jüdischen Arbeiters gemeint, ist fleißig arbeitet. Oie Arbeit baut das ״Nationalheim“ auf. Aber” und dieses Aber birgt eine Gefahr für die chaluzbcbe 17 beltcrbcwegung — er arbeitet gezwungen, nur au! Notwendigkeit des Arhcitcnniussens heraus und wartet 1» aut den Augenblick einer Besserung seiner ökonomisch und gesellschaftlichen Stellung. Wir hören von ״Ctuiunn״ die drohen, nach Aegypten aiiszuwandcrn, wenn sic niete mehr verdienen können, von Tischlern (wir haben m!* einen Einblick in dieses Fach während ihrer Rapid-tt«!!. scharall bekommen), die als ״Europäer“ im übrigen 0t|t־i mehr zu verdienen hoffen, als ״Europäer“, ... Unsere Aufgabe, sowohl vor als in der Hachsehsrih ist cs, die Menschen voll und ganz zu einem ״Chihiz“ n erziehen. Die ״Hachscharah Gufanit“ (körperliche Vorberotung) muß Hand in Hand mit der ״Hachscharah Ruchanü* (geistige Vorbereitung) gehen, Nicht oft genug kwn « dem vor der Alijah stehenden Menschen gesagt werdet Das Zertifikat ist eine Bürgschaft der Zionistischen 0t|1* sation für Dich! Zeige Oien ihrer würdig! Und gerade die I Ipchscharah-Zcntren haben hier weit, volle, verantwortungsbewußte Arbeit zu leisten; in ״Etappe" für die ״Front der Arbeit“ vorzubereiten. Heut! mehr denn je, heute, wo jedes Zertifikat ein Kleinod ist «ad erkämpft werden muß, wo es gilt, Positionen jüdischer Arbeit zu schaffen, geschaffene zu erhallen. Artur Glaß» Kibbuz-Alljah Dinemsilc Gründung einer Reichsarbeitsgemeinsdiaii der Junggruppen Am 30. 9. fand im Heim der BZV.-Bczirksgruppc Süd eine Tagung der Junggruppen der BZV. statt, auf der sämtliche Berliner Junggruppen vertreten sowie auch einige Vertreter von Junggruppen der Zionistischen Organ!• sation im Reiche (Breslau, Hamburg, Düsseldorf, München, Leipzig) erschienen waren. Als Vertreter der Zionistischen Organisation waren R.-A. Benno Cohn und S. T scher• t o k anwesend. Als bedeutsamstes Ergebnis der Tagung kann einerseits angesehen werden, daß die Fiil!• Inngnahmc mit den Chawerim aus dem Reiche zu dem Beschluß führte, auf allen Ocbictcn mit ihnen zusammen• zu arbeiten und die gesamte Junge ruppcnarbelt von Berlin aus zentral zu leiten. Andererseits brachten die auf der Tagung angeschnittenen Fragen der besonderen Problematik der Junggruppen in ihrer ausführ• liehen Behandlung eine Klärung in dem BildungsprozeB der junggruppen, deren eigene ideologische Zielsetzung •ich immer deutlicher zeigt. F.ingcleitct wurde die Tagung durch ein Referat von Benno Cohn über die Lage im Weltzioniamus. Ausgehend von der politischen Zersplitterung im palästincnsischen Jischuw, weiche durch Interessengegensätze be• dingt ist und mit ideologischer Gegensätzlichkeit wenig zu tun hat, wurde versucht, Sinn und Ausweg der politischen Krise aufzuzeigen. Das politische Durcheinander im Leben des Jischuw ist nach seiner Meinung ein fruchtbares Durcheinander, auf das nach den Gesetzen der politischen Ent- Wicklung ein neues, gefestigtes politisches Olcidigewicht folgen muß. Für sehr wichtig zur Erreichung dieses Zieles hält Benno Cohn die Schaffung einer starken Bewegung der Mitte. Die Krakauer Einigungskonferenz der Allgemeinen Zionisten stellt eine wichtige Etappe auf diesem Wege dar. Aut lange Sicht gesehen, darf der entscheidende G!■ siehtspunkt für die politische Erziehung des Jischuw nicht politisch-taktischer Natur sein. Nach einer kurzen Diskussion folgte das Referat von 1 Alfons Gundermann über ״Probleme der Junggruppen- : arbeit״. Nach einer kurzen Darstellung der Entwicklung der Junggruppen zeigte Alfons Gunderrttatm den Weg uiuettt; jugeno zum Zionismus im Gegensatz zum Wege der vorigen zionistischen Generation. Die vorige G en cration hak im Ringen mit der Umweit aus deutschem Geistesgut heraus den Weg zum Zionismus gefunden; die zkmistndie Id« hätte für sie eine!cbensgcstaitcmlc und uniformendc fkd«• tung gehabt; die Kraft zur persönlichen Verwirklichung in Sinne der Alijah habe allerdings die ältere Generation nicht gefunden. Die heutige Jugend komme durch äußere^ frei(• nlsse zum Zionismus. Es sei die Aufgabe, den iulw« Anstoß zu einer bewegenden und Icbcnsformendcti Kraft umzugestaltcn. Wesentlich sei eine lebensnahe Beziehung zur Geschichte, die unsere Volkspcrsönlicliket entscheidend geformt hat. Der Dienst an der Organisation und Erziehung zur Verantwortung für die Organisation müßt« einen wesentlichen Teil der politischen Erziehungsarbeit 0# Junggruppen bilden. Hieran« folge auch die Verpflichtung.» aktiver Werbung in den zionisLsch noch nicht erfaßten וסי des deutschen Judentums eirmidringcn. — Nach einer aaführlichcn Diskussion ergab *Ich eine Einheit der An!■ . fassung zwischen den Berliner und den auswärtigen JwjS' j gruppcnchawerim. Diese führte zum Zusammenschluß, «! die organisatorische und geistige Einheit der Junggruppen ן gewährleisten soll. * Jüdische Matrosen auf jüdischem Schiff Alles ist schon einmal dagewesen, aber daß ein Sec• sciiiif, noch dazu ein jüdisches, mit dem hebräischen Namen ״Atid“ (״Zukunft“) die Donau bis nach Budapest herauffährt, noch nicht. Am 7. Juli, einem windigen Nachmittag, verließ die ״Atid“ den Hamburger Hafen. Ganz still, wie eben ein kleiner Frachter den Hafen verläßt. Fracht für Jaffa und Haifa! Beim Abschicdnehmen wurde verstohlen eine Träne weggewischt. — ״Kopfhach!“ ״Schalum!“ Wir fahren ja nach Erez Israel! Wir sind 13 Mann Besatzung, 10 Juden, 3 Nichtjuden. Wir wollen der Stamm einer jüdischen Handeisflotte werden. Einige sind Berufssccleutc, die anderen, in Hachscharah gewesen, werden zu Seeleuten unter bewährter Leitung herangcbildet. Das Kommando auf der Brücke hat der jüdische Kapitän R. aus Bremen. ,,Los vorne, 108 achtem, Ruder hart Steuerbord, Maschine langsam voraus.“ Immer kleiner werden unsere Angehörigen nul dem Pier, wir selten mir noch Tücher winken. Bald haben wir Blankenese, Schulau hinter uns. In Antwerpen nehmen wir noch Fracht zu, und dann beginnt die Reise über das große Meer. Abwechselnd Nebel, herrliches Sommerwetter und stürmische See. Unsere ״Atid“ hielt stand und wir mit ihr. In Ccuta (afrikanische Küste) wurden der Oelvorrat ergänzt und frischer Proviant aufgenommen. — Kurs auf Jaffa. Am 29. Juli, bei aufgehender Sonne, sichteten wir das Heilige Land. Auf jedem Gesicht konnte man Freude sehen. Wir hatten es geschafft! Wir sahen Jaffa, Tcl-Awiw und Haifa; frohe jüdische Menschen im jüdischen Land. Weiter ging die Fahrt über Smyrna, Piräus, Athen und Konstantinopel. — Wieviel Jahrtausende ist cs her, daß jüdische Schiffe mit jüdischer Mannschaft die Dardanellen passierten? Gab es das überhaupt schon? — Feierlich wurde die Einfahrt in die Dardanellen mit der Magcn-David-Flaggc am Hauptmast begangen. Mit 12 Meilen Geschwindigkeit ging die Fahrt durch den nächtlichen Bosporus. Es wimmelte vnn Fischerbooten, Fähren und irreführenden Landlichtern zu beiden Seiten, Ohne Lotsen eine Nervenprobe für Kapitän und Mann- Schaft. Der Kapitän suchte mich für diese gefährliche Fahrt •us! nein Können im Steuern zu beweisen. Das Schwarze Meer gab der Fahrt mit seiner kurzen scharfen See einen rauhen Abschluß, bis wir am 18. August in Sulina die Donaumündung erreichten. Die Donau aufwärts machten wir am 25. in Odchowi, einer kleinen rumänischen Stadt, halt. An der Brücke erscheint ein ehrwürdig aussehender Herr und fragt nach dem Kapitän. Wir vermuten in ihm zwar einen Juden, doch warten wir ab. Einige Minuten später werden wir dem Rabbiner von Orschowa vorgcstellt. ln einem tadellosen Deutsch für 1ms und in Hebräisch für unsere palästinensischen Kollegen gibt er seiner Freude Ausdruck, daß das Seeschiff, von dem die Zeitungen schon vorher berichtet hatten, ein jüdisches ist, und er hält den Namen ״Atid“ für ein glückliches Omen. Alles verlief weiter gut. Auf jeder Station tauchten Reporter auf, und durch Radioübertragung wurde unsere Reiseroute bekanntgegeben. Ucberall meldeten sich Chaluzim und Chaluzoth zur Mitfahrt nach Erez Israel. Leider konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden. -י Am Erew Rosch Haschanah erreichten wir wieder Orachows. Außer den vorgcschricbciicn Nationalflaggen wellte am Hauptmait die blau-weiße Flagge mit dem Magen David. Am Donauufer promenierende Juden und Nichtjuden betrachteten unsere ״Atid“. An Land wurden wir von unseren auf der Bergfahrt gewonnenen Freunden und Freundinnen umringt. Zu unserer größten Ucberraschung durften wir in bunter Reihe an einer festlich gedeckten Tafel Platz nehmen. ... Dann ging es heimwärts nach Erez Israel. Matrose Herbert Emanuel! M/S. ״Atid“, Vcrsäiollcae Lieder Ein kleiner Bücherkarren In einer fremden Stadt, hineingestellt in das Gewimmel eines Marktes, der mit den kräftigeren Gerüchen von Obst und Käse würziger lockt als mit dem Staub, der eus zcrfledderten Scharteken steigt. Die Hand greift ein schmale» Bändchen ״J u d c n I i e d e r“. Die heutige Generation kennt den Verfasser kaum als Dichter. Adolph Donath war durch dreißig Jahre einer «1er unbestechlichsten Kenner und Schreiber auf dem Feld des Berliner Kunstschaffens und Kunst*• inmein». Aber daß ■eine ״Judenliedcr“, die ich da In der Hand halte, einmal Tausende von Judenherzen rührten und heute noch Im Osten und in Amerika in jüdischen Kabaretts und Schenke« *' tauchen, weiß kaum jemand. Dabei waren sie einmal, 1! sic als Student 1895 schrieb, und als 1897 Theodor ״ sie las, druckte und in Versammlungen zitierte, ein . Ereignis, ״Der Prophet“ war ein Glanzstück im 1<ז>י|ז\ von Josef Kainz; Sonnenthal und Löwe vom Burg*" , liehen ihre Sprachkraft der Sage vom ״Rabbi Am ׳ derselben Sage, deren virtuosem Vortrag der bei . Oberkantor Davidsolm seinerzeit seine Berufung nach A״ verdankte. Georg Brandes hat sie geloht und in die ׳, tur geleitet. Vielfach wurden sie komponiert Einer Jer kalischcn Helfer an Ernst von Wolzogens Uebcrbreltl, J Rothslein, hat sie ebenso vertont wie der ungsrne1״e nonist Nemes, der diesen ,,Juiicnlicdcrn“ ein wagnef! tönendes Gewand gab. ׳ Damals, in einer Zeit der Hochblüte der Assin™ die glückhaft sich zu vollenden schien, hat Donatih a!n der wenigen deutsch-sprachigen Juden es gewagt, den* Schmerz der latenten Golus-Clcfahr jenes jüdischen Sch ■ Ausdruck zu gehen. Der mharfsinnlge Literatur-Ana' Samtici Lu hl ins ki bezeichnet Donaths Gedichte » besten poetischen Ausbruch für den modernen tncj iliidi״ Judcnsclimcrz. Und wenn wir heute das vergilt’ *L 0 Schollene Bändchen durchblättcrn, so wird eine Saite zum Klingen gebracht, die wir bis vor kurzem eiß ״ , verstummt glaubten. Denn wenn auch wir be wußten j• bisher stolz auf unser Judentum waren, 0״PP'*־ yri wenn wir cs gegen Angriff« verteidigen mußten, to ״ wir doch vor allem audt der Sentimentalität sbgcK Aber wenn man die Donaflisohen Lieder liest, so emp ״ man es in dem harten Kampf, In dem heute Jeder Jude, gepanzert gegen Sentiments, steht, doan '5 ^, Genuß einer süßen verbotenen Frucht, wenn nun » | Rhythmus dieser Lieder, die kein Buch heute m.e״r J. (מ ' 1hingibt und das aufrechte Gedieht liest, du d* * -״ i Worten beginnt: ״Schäm׳ dich nicht, wenn in der 9* ן dldh ein Nachbar ״Jude“ schimpft..oder jenes, 0*! ״Nirgends ruhen“ erzählt.,., mammmmmmmmmrn - KSte Slyti, eine Schülerin der Konzertsängerjn ®י y ssngspädagogin Dora Bernstein-Börner, W . Opernsoubrette nach Reichenberg (Ticbechoslowis 1 p.flicbtct worden. . I

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