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Jüdische Rundschau · 1934-10-19 · Heft 84 (19.10.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 84 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr• »4■ 19 X 1934 0 ן DIS C H E RUNDSCHAU Seite 5 A ־•""יז ,'•«jss, Marlin Bubet redet über! TV nfiid, tu Aus dm Referat Dr. Cat Imams in der Beirats-Sitzung itr Rcichsvertrctung der deutschen Juden, über die wir in kr vorigen Nummer bereits kurz berichtet haben, geben wir 0chslelu'itd noch eine Bähe von Daten wieder, die den Uutfung der Tätigkeit der Reichsvertretung auf dm Gelitte des Schulwesens beleuchten. I, Subventionierung der bestehenden höheren und Volksschulen. Gegenüber dem Stand des vorigen Jahres haben sich die 1uhvcml111!(1en f»r die bestehenden Schulen in starkem Malte erhöht. Der Grund hierfür liegt in der Verarmung der Gemeinden, welche Zuschüsse in fnilier gezahlter Hohe jetzt nicht mehr leisten können, in der riustellung staatlicher Zuschüsse, und nicht zolelzt in dem Aushau der Schulen selbst, deren Sclniier/,1111 wuchs, ohne da» die Schulgcldcingängc sich in entsprechendem Malte erhöhten. Der Bedarf dagegen stieg durch Neueinstclluiig von Lehrern, Mcii.uischalfting von Lehrmitteln, der Notwendigkeit baulicher Veränderungen, per Schule r /11 w a c 11 s bei den von uns subventionier* (en bestehenden Schulen beträgt ohne Berlin seit dem letzten Schuljahr (Februar 193-1) zirka 1035. Das bedeutet, wenn man eincn Ikirclischnitlssatz von 30 Kindern pro Klasse annimmt, einen Zuwachs von 35 neuen Klassen, 1)01 bestehenden Schulen sind von der Reichs* Vertretung an laufenden Zuschüssen für das vergangene Halb* jahr Januar bis Juni 1934 115 305 RM. bewilligt worden, 2. Ncugründungcn. Der Nciigriindting von jüdischen Schulen stellten sich erheblich׳-’ Schwierigkeiten verschiedenster Art entgegen. Trotz* dem ist es gelungen, zu Ostern 1934 9 neue jüdische Volks* schulen zu eröffnen, die zirka 900 Schüler umfassen. Dazu kommt das Sclmlwerk der jüdischen Gemeinde Berlin, das seit Juli 1933 einen Zuwachs von rund 1800 Schülern aufweist, die sich auf die alten wie auf eine neu eingerichtete Schule der Gemeinde verteilen. Andere Schulen wieder, deren Schulträger bisher Vereine waren, wurden zu Gemeinde* schulen!ungestaltet und erhielten dadurch erheblichen Schüler* ®wachs. Neue Schulen wurden in folgenden Orten gegründet: A'chaflenhiirg, Bonn, Breslau, Darmstaclt, Lübeck, Mainz, Offcnhicli, Stettin, Stuttgart, Wiesbaden. Sie wurden im verjpngeticn Halbjahr l!/w. Vierteljahr so subventioniert, daß auf die jüdische (rmieinde Berlin 06 000 RM., auf alle andern 10115 RM. entfielen. An einmaligen Zuschüssen wurden für diese Schulen für Einrichtiingskosten, Umbauten, Lehrmittel usw. it11 ersten Halbjahr 11803 RM. ausgeworfen. Ferner bestellt die Notwendigkeit, für einzelne Kinder, die, um eine indische Schule besuchen zu können, aus ihrem Heimatort in den Schillert fahren müssen, Falirgeld/usrhiisse zu bewilligen. Zu solchen Schulbesuchen wurden Fahrgeklziisclnisse in Höhe von 0$ü RM. gezahlt. Somit wurden für Netigrütidungen und deren Erhaltung in der angegebenen Zeit im ganzen 88 905 Reichsmark bewilligt. 3. Die Lehrerfrage. Der Lehrerausbildung dient in allererster Linie die schon seit Jahrzehnten bestehende Lehrerbildungsanstalt in Würzbürg, außerdem •der zu Ostern 1934 eingerichtete Kursus des Preußischen Landesverbandes Berlin, mit dem Ziele der Lehrerwsbikliing. Ls giht eine übergroße Anzahl stellenloser jüdischer Lehrer, sowohl Akademiker wie Volksscliullehrer, so daß im Laute der nächsten Zeit auch ein gesteigerter Bedarf an Lehrern gedeckt werden kann. Daher kommen weitere Anstalten für Lehrerausbildung vorläufig nicht in Betracht. Es wird im Gegenteil zu erwägen sein, ob nicht auf die Landesverbände dahin einzuwirken ist, künftig die Neuaufnahmen in den beiden Lehrerbildungsanstalten eiii/iisclirhnkon. Der Lehrerausbildung dienen ferner Stipendien, die die Reichsvertietung begabten aber mittellosen jungen Menschen zur Ermöglichung des Studiums an einer der beiden Anstalten zur Verfügung stellt. Eine geregelte Lchrerfortbildung wird für die Folgezeit von erheblicher Bedeutung sein. Es handelt sich darum: 1. Volkssclmllclirer, die aus dem öffentlichen Schuldienst aus* geschieden und an jüdische Schulen übergegangen sind, in jüdischer Hinsicht ausb/w, fortzubiiden. 2■ Studicnräte und -assessoren zu Volksschullehrcrn auszubilden, mk| in jüdischer Hinsicht aus- bzw. fortzubilden. 3. Studienreferendare, die das wissenschaftliche Examen abgelegt liahen, aber die praktische Ausbildung in den öffentlichen staatlichen Schulen nicht mehr erha'ten konnkn, überhaupt erst pädagogisch auszuhiiden; diese Ausbildung mul) ebenfalls eine zum jüdischen Volksschul- Wirer sein. L Hocliseniestrigen Studenten, die Examenreife besitzen und durch die neuen Bestimmungen aus ihrer Laufbahn ge* nssen sind, durch eine interne wissenschaftliche Prüfung und ebenfalls durch eine praktische Ausbildung mm jiidlsehen Volksscliullehrer Bcriifsmögliclikeitcn zu bieten. . (Daß auch eile sich schon längere Zeit in jüdischen Schulen feindlichen Lehrer einer Fortbildung bedürfen, braucht nicht ״esonders betont zu werden.) An finanziellen Aufwendungen wurden für 1?Sfs Gebiet — Lehrerausbildung, Lehrerfortbildung — bisher ,oigende Summen ausgesetzt: Israelitische Lehrerbildungsanstalt, Wiirzburg ״'brerausbildimgsstipeiidien ״difjionslchfcrkurse für jüdische Akademiker c beim Landesverband rortb1ldungskursc der Studienreferendare RM. 8000 RM. 753 RM. 2400 RM. 100 ~RM.I1 253~ höh lc״ wird. Z11 dieser Summe werden voraussichtlich noch folgende neue Bewilligungen hlnzukommcn: 1. für bereits gegründete Schulen, für die eine Bewilligung noch nicht ausgesprochen wurde RM. 12 750 (sei es von den laufenden oder von den ein* maligen Zuschüssen), 2. für Schuten, die jetzt 111 der Oriittdung be* griffen sind, und von denen wjr mit bestimmtheit holten, daß sie noch zu Oktober d. J. gegründet werden RM. 12 250 3. für Fahrgeldzusclüisse, die voraussichtlich noch gebraucht werden, zirka RM. 500 4. für die Lchrerfortbildung, die sich erst im Aufbau befindet RM. 500 RM. »000 Wir planen ferner, im Interesse der Lelirerfortbiklung eine Dauerschau von Lehrmitteln (Lcli rbüchern, Hilfsbücliern für den Lehrer) zu veranstalten. Wir hoffen, daß die jüdischen Verlage uns dabei behilflich sein werden, indem sic uns Bücher zur Verfügung stellen. Ganz ohne Kosten allerdings wird eine solche Hinrichtung wohl nicht möglich sein. Dss gleiche gilt für die Errichtung einer Wandcrbibllo* 111 ck, die in Zusammenarbeit mit der Mittelschule für jüdisclic Erwachsenenbildung geplant ist. Es wird demnach für das Halbjahr Juli/Dezember 1934 folgende Summe notwendig sein: 1. Schon bewilligte Beträge RM. 241 088,40 2. Nciibewilligungen RM. 26 000,—• RM. 267 088,*10 der Die Pressestelle der Reich ■Vertretung deutschen Juden teilt mit: Gestützt auf das dem Präsidialausnchuß In der Beirats- Sitzung vom 14. d. M. erneut von allen Seiten bekundete Vertrauen wird die RelchsvertrcHmg die Arbeit für die Ocsamtintercsscn der deutschen Juden im bisherigen Geiste fortsetzen. Pläne für den weiteren organischen Aua* bau der Rcichsvertrctung wird die Leitung der Rcichsvertrctung in einem besonderen in der Beiratssftzimg gebildeten Organisationsausschuß zur Beratung bringen. Einen Schritt auf diesem Wege stellt die von dem Präsidialausschuß angeregte Bildung eines Haushaltsausachusses dar, in dem die Landesverbände der Gemeinden den maßgebenden Einfluß haben; er hat den Haushaltsplan der Reichsvertrching zu verabschieden, seine Einhaltung zu überwachen und die Rcch 111111g der Reiclisvcrtretung zu prüfen. Der Beirat Ist be der Bildung dos Haiisbnltsaiisschusscs von der Erwartung aus gegangen, daß die zur Fortsetzung der Arbeit der Reidisvcr tretung sowie zur Deckung der für Hilfe und Aufbau not wendigen Mittel gemäß den Beschlüssen des Hauslultsaus schusscs von den Gemeinden bzw. Landesverbänden aufgc bracht werden, Unter Betonung der dem Beirat vorgetragenen und von ilmt einmütig begrüßten sozialpolitischen Bedeutung des Zcntralausschiisscs für Hilfe und Aufbau richtet die Rcichsvertrctung an alle Oliccler des deutschen Judentums nochmals den dringender! Appell, die begonnene Sammlungsaktion für das Hilfswerk mit allen Kräften zu unterstützen und zu fördern. Der schwere Winter mit seinen alten und neuen Pro* Meinen muß das deutsche Judentum in Einigkeit gerüstet finden. Ende des Wiener Prozesses am die ״Welsen von Zion“ Der Prozeß gegen Irene Hnrand in Wien, in dem aut Grund einer Ehrenbcleidigtmgskljige der früher in Wien erschienenen Zeitschrift ״Stürmer“ die Frage der Echtheit der ״Protokolle der Weisen von Zion“ sowie die Berechtigung anderer antisemitischer Verleumdungen zur Erörterung gelangen sollte, hat ein unerwartetes Ende genommen. Das Gericht hat festgcslellt, daß der ״Stürmer“, In dessen Namen die Ehren Beleidigungsklage gepen Frau Harand angestrengt wurde, schon vor Wochen polizeilich ein gestellt worden ist; da nun ein nicht mehr bestehendes Organ keine Klage führen kann, wurde das Verfahren wegen Mangels aktiver Klagelegitimation eingestellt. Präsidentcnwedisel bei der Ica Auf der am 16. Oktober in London abgchaltencn Jahres* Versammlung der Jcwish Colon iaation Associa* tion (JCA) trat der bisherige Präsident Sir Leonard Collen aus Gesundheitsrücksichten zurück. Zu seinem Nach* folgcr wurde der Vorsitzende des Council der Jcwish Agency und frühere Vorsitzende des Board cf Deputies, Sir Osmond Eli d’Avigdor üoldsmld, gewählt. 4. Sonstige finanzielle Aufwendungen. ן}.. h'cr brauchen nur erwähnt zu werden 5000 RM. für den msattsschuli der jüdischen Jugendverbände und 600 RM. "״ Eltcrnhilfswerk. , . 1,!,!"ו afscrt wir־ die Beträge zusammen, die für die vier vor* fnd erwähnten großen Arbeitsgebiete bewilligt wurden, 1*״Wnicn wir zu einer Summe von 221 063 RM. י ur das kommende Halbjahr wird diese Summe bei weitem ,1 «״pichen. Der Grund hierfür liegt erstens darin, daß die״' Z5״ciü>sse erst ab April bewilligt wurden, so daß für 5äcj n״n das Doppelte anzusetzen ist, zweitens in der^Tat* '**' U/UjljJVIU. a11Atl3VlZ-V.lt IO», *־" v,‘v . sielt der Bedarf in der folgenden Zeit noch er• ־* «»Hl. äie ,u!c\ dem Stand der derzeitigen Bewilligungen sind für *°natc Juli bis Dezember folgende Beträge zu zahlen: an laufenden Bewilligungen RM. 205 418 a° «in maljgen Bewilligungen RM, 35 070 Urauflßhrung eines neuen Werkes von Heinrich Schallt Der jetzt in Rom lebende Komponist Heinrich Schallt hat ein neues Vokalwerk: *,Die Lobpreisungen Israels“, Kantate für Soli, Chor und Orgel, opus 30, vollendet, das am 21. Oktober in Düsseldorf unter Mitwirkung von Herta Glücks mann (Breslau), Hermann Schey (Berlin) und des Düsseldorfer Chores unter Leitung seines Dirigenten Erwin Palm zur deutschen Uraufführung gelangt. Das neue Werk Schaüts ist ein Zyklus von ״Hymnen und Liedern der Andacht“, dem deutsche Gebettexte des neuen Berliner Oebctbuclies (1932) zugrunde liegen. Es Hegt auch bereits eine italienische Uebcrsctzung vor. Weitere Aufführungen der Kantate sind inner* und auch außerhalb Deutschlands in Aus* sicht genommen. _־ Warenabteilung der Volksbank Iwrla eGmbH., Berlin. Zur Förderung von Kompensationsgeschäften, die heute für den Außenhandel erhebliche Bedeutung haben, hat die Volks* bank Iwria eGmbH., Berlin C23, Dircksenstr. 26/27, eine Warcnabteilung eingerichtet, die folgende Aufgaben hat: 1. Einleitung und Vermittlung von Kompensationsgeschäften zwischen Deutschland und anderen Ländern, hauptsächlich Palästina, Rumänien, Ungarn, Jugoslawien und Bulgarien. 2, Informationsdienst über die Devisenbestimmungen in bezug auf den Außenhandel und über die Marktlage. Z11 letz* tcrem Zweck werden von der Warenabtcilung regelmäßig Informationen über die neu erschienenen Verordnungen und . Marktberichte für die verschiedensten Rohprodukte und Fabri* kate ausgegeben. Die Warcnabteilung übernimmt weiter alle mit dem Export und Import zusammenhängenden bank* mäßigen Geschäfte wie Lombardierung, Bevorschussung, Inkasso usw. sowie die Kontrolle über den Verkauf in Kom* mission gegebenes Waren, Bei der Eröffnung des llerbstiehrgangH 1934 des f ä d 1• chcn Lehr ha naes in Frankfurt am Main hielt Professor Martin Buber einen Varlrag, dessen Gedankengang unser Berichterstatter nachfolgend wiedergibt■’ Buber knüpft an einen jüngst geäußerten Gedanken des Grafen Keyserling über den Konflikt der modernen Kultur an. Keyserling meint, die gegenwärtige geistcsgeschicht* liehe Lage sei gekennzeichnet durch ein Ueberwiichern der ״tcllurischen“, oder, wie Buber sagt, ״elementaren“ Mächte: über die Kraft des Geistes. Die Verdrängung des Geiste«1 durch die Elcmcntarinäditc sei zu erklären als eine Reaktion dieser Mächte gegen ihre Vernachlässigung in früheren Kuk turabschnitten. Dadurch werde die Menschheit in ihrer Mehrhat geistig passiv. Man müsse deswegen versuchen, den eie* mentaren Mächten wieder zu ihrem eigentlichen Platze zu verhelfen, man müsse zur Auffassung des antiken Heidentums zurückkcliren. Buber wendet sich gegen die Gedanken des Grafen Kcyser* ling aus zweierlei Gründen: Man kann eine Kultur nicht hersfcllen, sondern eine Kultur wird und wächst unwillkürlich. Man kann auch nicht hinter einen geschichtlich existenten Kulturabschnitt zurück* greifen und das Heidentum wieder zu unserer Kultur machen wollen, weil dabei das Eigentliche des Heidentum« nicht erfaßt werden kann. Aber die Grundeinsiclit des Oralen Keyserling in die gegenwärtige Situation ist richtig: nämlich, das Verhältnis zwischen der Kraft des Geistes und dem Einfluß der «lernentaren Mächte ist gestört. Die Frage der Stunde ist, ob es gelingt, die Mächtigkeit des Geistes gegen* über den elementaren Mächten wieder her* zus teilen. Geist ist nicht etwas, was erst in der Geschichte des Menschengeschlechts allmählich aufgekommen ist, sondern das, was das eigentliche Wesen des Menschen ausinacht, was ihn unterscheidet von den übrigen Lebewesen. Geist ist die Ganzheit des Menschen, die ilm erst zum Menschen macht, in die alles andere, auch die elementaren Kräfte und elementaren Triebe cingcorilnet sind. Geist ist nicht nur jener Teilbc/irk menschlichen Lebens, der Intellekt; sondern auch das Denken ist einbezogen in die Ganzheit des Geistes. Der Geist wirkt im Leben als Olaubenskraft, die Kraft des gläubigen Mutes und der gläubigen Liebe. Unter Elemcntarkräften versteht Buber die Kräfte, die naturliaft von Urzeit her die menschliche Existenz objektiv tufbaticn (Blut und Boden). Elements rtriebe sind Triebe, In denen skh die menschliche Existenz subjektiv auswirkt (Hunger, Geschlecht,, Machtwiilc). Das Verhältnis zwischen der Macht des Geistes und den elementaren Mächten zeigt Buber an 3 Erscheinungen in der ülaubcnsgcschichtc: 1. 1111 Heidentum werden die elementaren Kräfte als *okitc verklärt. 2. Vornehmlich im Christentum ist die Ucberwlndung der elementaren Kräfte vollzogen. 3. Das Judentum unternimmt die Heiligung der eie* mentaren Kräfte, die Einheiligung in ein auf Gott gerkh* tetes Leben. ' Im Heldentum werden die Element,irmächtc nicht geheiligt, nicht verwandelt durch die Mächtigkeit des Geistes, sondern sic bleiben unvcrwandclt, was sie sind und werden als solche heilig gesprochen. Die heidnische Welt bricht deswegen notwendig auseinander in einen weltfremden Geist und eine geistfrrmde Welt. Schon Nietzsche sagte: Die griechisch-klassische Antike ist ein kurzer herrlicher Traum oder Rausch von naturhaft heiliger Existenz. Sic steht eben in diesem Konflikt zwischen weltfremdem Geist und geistfremder Welt. Sobald die Hildnerkraft griechischer Künstler erlahmt, zerbricht die griechische Welt an diesem Konflikt. Das ist die Zeit, in der das Christentum in die Geschichte cintritt. Das Christentum vollzieht die negative Entheiligung: der Elementarkräfte. An ihre Stelle tritt aber keine neue Heiligung. Das Vorhandensein der Elcmenlarkräfte nimmt j das Christentum zur Kenntnis, aber es nimmt sie nicht in; seine Welt auf. Das Christentum unterjocht die Elementartriebe unter eine völlig andersartige llciligkcit, die diese, Triebe im Grunde verneint und verwirft. Daraus folgt not-! wendig der Dualismus des Christentums: der Geist ist heilip, die Welt ist unheilig. Askese und Kloster werden zum eigentlichen Sinbild christlichen Lebens. Das Judentum ist ein Realsystem bewältigenden•' Geistes. Der Geist ist im Judentum die Macht, die die! Welt heiligt. Er bedeutet die je und je geschehende Gott- Verbundenheit des Matschen, die immer von neuem auf ihn! niederströmt. Der Geist kommt über «len Menschen, eben damit er die Welt heilige. In welcher Weise die Elcmcntarmäclitc im Judentum «lngeheiligt werden, läßt sieb an einigen Beispielen zeigen. Blut und Boden werden in der Bibel durch die Verheißung an die Erzväter heilig. Der Hunger wird cingehciligt durch das Opfer, das der Mensch beim Essen von Fleisch bringen soll; cs erinnert ihn immer an den Zusammenhang mit dem Urheiligen, daran, daß er eigentlich sich selbst Oott schuldet. Das Orundsakranient der Beselineidung bedeutet die Einhciligung des Gcschlcrhtstrichcs. Der Machtwiilc wird ein* bezogen in die Mächtigkeit des Geistes dadurch, daß der menschliche König wirklich einen göttlichen Auftrag hat; er soll mit diesem Reich den Anfang des Oottesreiches machen. Er ist seinem Auftraggeber dafür verantwortlich, daß in seinem Reich ernsthaftes und echtes Gemeinschaftsleben gelebt wird. Ein anderes Beispiel ist die Lehre vom ״Jczer iiara" (allgemein übersetzt mit ״der böse Trieb“, Buber verdeutscht ״Leidenschaft“). Es ist Sache des Menschen, was er daraus macht, wohin er sie richtet. Auch mit der Leiden* Schaft kann man Oott dienen. Im Judentum wird eine echte Einheit, eine Einzigkeit zwischen den elementaren Mächten und der Mächtigkeit des Geistes vollzogen. Es giht hier nicht mehr die Vcrsclbstän* digung der Elcmcntarmäclitc wie im Heidentum und auch ׳ nicht den Auscinandcrfall in Welt und Oe ist. wie im Christen* tum, sondern alle Aeußcrungen des menschlichen Lebens sind einbezogen in die Kraft des Heiligen. Die sehr zahlreich erschienenen Hörer folgten der Rede Bubcrs mit gespannter Aufmerksamkeit, Die Eröffnungsfeier wurde eingeleitet und beschlossen von dem Vortrag dreier Psalmen durch den Kammerchor von Dr. Ehrenreich. _ H. St. Herr Architekt Robert Friedman n. Haifa, dem im Wettbewerb um das Arlosoroff-Grabdenkmal in Tei-Awiw der , erste Preis zuerkannt wurde, ersucht uns um die Mitteilung, daß da» Denkmal eine gemeinsame Arbeit mit Josef Klar* wein (früher in Hamburg) gewesen ist. Eine weitere ge. meinsamc Arbeit der beiden für die Ausgestaltung des Dizen* goff-Platzes in Tel-Awiw ist in dem Wettbewerb mit dem dritten Preis ausgezeichnet worden.

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