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Jüdische Rundschau · 1934-10-19 · Heft 84 (19.10.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 84 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU ן / ■ J I yi i■ H II || T *t ״Deutsche Judencntschcidun# unveränderlich'' Der von Oral Reventlow hcrausgegrbenc ״R eichft* wart“ enthalt in seiner Nummer vom 11. Oktober »fl!eilender Stelle einen Artikel ,,Deutsche Juden ent- Scheidung unveränderlich“. Der Artikel geht von der Vermutung aus, daß eine ״echt jüdische Aktion“, die darauf liinausläuft, das Los der Juden in Deutschland zu mildern, ״außerhalb der Oeffentlirhkeit eifrig betrieben wird“. Dies veranlaßt die Zeitung zu folgender Erklärung: ״Die Stellung des n.itionalsoiinliitivhcn Deutschland demJuden und Hem Judentum gegenüber war und bleibt immer grundsätz• I i (- h r r Kl!nur. Wir erblicken im Judentum einen Fremdkörper im 01p.׳mi*,mu» des deutschen Volke», der gcmäB der hrfabrung lnnKcr fahnehrite roh-ullich, ja verderblich wirkt und deshalb aus dem Lrbm des driilsrhen Vidkr» ausgrsehifilen wer<kn muß. He r Natiuiubozialismiis hat dies« Ibltung zum Judentum niemnls prrsöulii 11 dem einzelmii Juden gegenüber nnfgcfnßt, nach der einen Seite ebensiweuig wie «well der anderen, weder zu. gnn-len, noch zuungunsten. Er hat auch nie die mit den Aus• Wirkungen seiner grmub.iizlirItrn Stellungnahme verknüpften per. sönlirbrn Harten in Abrede gestellt, w1.׳r stets bereit, dieselbe in ■ Emzelkdlrn zu bedauern, ohne aber »olchcm persönlichen Be• dntirrn praktische Folge getreu zu können. Es ist minuiglic11, wie nirhl zum wenigsten von Juden •elbat auch gern gefordert oder angeregt wird, persönliche Uuterscliialc zu machen, nicht nur (Irdtalb nicht, weit cinwnndfr« ic Maßslabe nicht möglich sind, »omtern weil cs steh eben um cipe grundaatz« lirlte Sache handelt. Macht deren Durchführung und Vor• wirklichung Schwierigkeiten, so gilt gerade hier das neuerliche Wort Ailolt Hitler»: wenn er von Schwierigkeiten sprerhe, so denke er dabei niemals au Kapitulation, l'cber die Schwierigkeiten, welche die Haltung des Dritten Reiches zur Jurtrnfrage zur Folge gehallt hat, ist, hier oft gesprochen worden; wir brauchen nicht xu wiederholen. Daß diese, und sollten sie steh noch verstärken, in der grundsätzlichen Haltung je eine Aetrderung hervorbringen konnten, das ist eine kindliche, groteske Annahme.“ Wir wissen nicht, auf welche Aktion die Zeitung hier anspielt. Wenn aber in dem Artikel gesagt wird, daß auch von Juden gefordert oder angeregt wird, persönliche Unterschiede bei der Behandlung der einzelnen jü- «ischcn Gruppen zu machen, so können wir nur hoffen, aaß solche Anregungen nicht von irgendwelchen maßgeblichen oder respektablen jüdischen Krebsen ausgegangen sind. Die deutschen Juden haben genug durchzumachen gehabt, aber es gäbe keine größere Schmach für uns, als wenn in dieser Lage, in der wir nun einmal sind, einige Juden versuchten, für sich durch ״persönliche Unterschiede" einen Sondervorteil herauszuschlagen. Werbung und Weltanschauung Von einer Frankfurter Firma, welche Herren- und Knabenkleidttng und Uniformen führt, liegt, wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 18. Oktober berichtet, ein Werbetlugblatt vor, das Politik und Weltanschauung für geschäftliche Reklamczwcckc ausnüt/t. Die erste Seite dieses Wcrbcblattcs trägt den Titel ״Stimmen warnender Ahnen den Enkeln“; die folgenden Seifen bringen mehr als dreißig Zitate historischer Persönlichkeiten gegen die jüdische Rasse. Den Abschluß jeder Seite bildet eine Empfehlung des Geschäfts, z. B.: ״Ich führe nur bewährte Qualitäten zu angemessenen Preisen in reicher Auswahl und vermeide fremdrassige Oeschüftsgebräuchc. Meine deutschen Mitarbeiter sind gut geschult und setzen alles daran, die Zufriedenheit unserer verehrten Kunden zu gewährleisten,“ Hierzu bemerkt das genannte Blatt: ,,Ahf rr-rhrn von Fragen des Geschmack« — e» erscheint als angebracht, einen Satz aus einer Anordnung des Stelivertret«rs ries Führers der NSDAP, vom Juli dieses Jahres in Erinnerung zu bringen. Dieser Erlaß erging anläßlich von Streitfragen im Zusammenhang mit den Verbrauchergenossenschaften, und in ihm heißt cs wörtlich: ״Die geschäftliche und die Mitglieder• wrihung der Verbrauchergenossenschaften wie auch die Werbung des Einzelhandel• hat sich jedes politischen, weltanschaulichen oder kämpferischen Einschlag» zu enthalten.“ Kostenerstattung beim Anwalts wechiel ln einem Rechtsstreit war für eine jüdische Partei ein A u w a 11 b w c c h s c 1 dadurch nötig geworden, daß ihrem ersten Pro/cßbevollmnchligten die Zulassung zur Rechtsaiiwaltscliaft auf Grund des Gesetzes vom 7. April 1933 entzogen war. Die Partei hatte statt dessen einen neuen jüdi sehe 11 Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Rechte beauftragt. Im Kosten erstattungsverfahren hatte der Urkundsbeamte des Landgerichts die durch den Anwalts- Wechsel entstandenen Mehrkosten, nämlich die Kosten des zweiten jüdischen Anwalts, abgesetzt mit der Begründüng, daß arische Anwälte, die an Stelle von ausgcschicdenen nichtarischen Anwälten getreten wären, auf Grund einer Anregung des Justizministcrs von Kostenllquidatinn ahgesehen hätten. Das Landgericht hat diese Entscheidung bestätigt, das Obcrlandcsge rieht Celle hat sich jedoch auf einen anderen Standpunkt gestellt und in der ab* geänderten Besehwcrdecntscheidung U. a. folgendes ausgeführt: . Nicht gefolgt werden kann der mehrfach, insbesondere vom K.immergcrichl vertretenen Ansicht, daß die Vermeidbarkeit dieser Mehrkosten unter dem Gesichtspunkt zu prüfen sei, oh nicht di* Parii-i die Möglichkeit gehabt hätte, vor der \V*ht des zweiten Anwalts 1m Interesse der Ersparnis von Mehrkosten solche Anwälte zu berück:ichtigen, die damals bereit gewesen wiiien, ihre Gebühren, fordrrung so weit tu beschränken, daß durch den Anwaltswechsel keinr Kortenerhölning einträtc... Vor allem läuft jene Ansicht letttcn Endes darauf hinaus, daß der Partei angesonnen wird, die Anwaltswähl im wesentlichen nach . der Kostenfrage vorzunchmen, und steht deshalb nicht im Einklang mit dem Grundsatz, daß die Partei nicht gehindert sein •oll, unter den bei dem Prozeßgericht zugelaisenen Anwälten denjenigen zu wählen, der ihr Vertrauen hat, und ihm di« Prozeßvertretung zu übertragen. ... Au» diesem Grundsatz folgt, daß «s zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung der Partei gehört, daß sie denjenigen Anwalt wählen kann, dem sie ihr Vertrauen schenkt, und daß «» ihr nicht zutumuten ist, lediglich finanzieller Rücksichten wegen statt desjenigen Anwalts, In dessen Hände sic au» Vertrauensgründen die Prozcßvertretung legen will, einen anderen Anwalt za wählen. Erheblich könnte nur sein, ob derjenige Anwalt, den die Partei gewählt hat, »einerseits verpflichtet sein würde, ■uf die Mehrkosten zu verzichten! denn wenn die» zu träfe, müßten die obigen Kosten außer Ansatz_ bleiben, weil die Klägerin das Recht haben würde, insoweit die Kostenzihlung an ihren Anwalt zu verweigern. Eine solche Verpflichtung de» Anwalts der Klägerin ergibt sich aber weder aus dem Gesetz, noch ist er berufsstäudisch gebunden, von der Berechnung dieser Mehrkosten abzuseken." Der polnische Unterrichtsministcr hat die ״Jeschlwath Cnachme Lublin״, an deren Spitze vor kurzem als Nachfolger des verstorbenen Gründers Rabbi Meir S c h a p i r o, Rabbi Zwl Arje Frommet trat, alt Hochichulc anerkannt Y cr 9rf;wnf,nts״?״ö׳*c bei Wels׳:llzvclk-tCrJ Auslaad Aut Grund der neuesten Devisenbestimmungen hat der Preußische Finnnzmliilstcr zugleich Im Namen de* Ministerpräsidenten »oeben angeordnet, daß mit Rücksicht aut die Devlicntage bei der Zahlung von Versorgung*־ be zügen au Bezugsberechtigte ו nt Ausland fol* gendermaßen verfahren wird (MBIiV. S. 1223/34): I. Die Zustimmungzur Verlegung des VVobrwitn» oder Hauernden Aufenthaltes außerhalb des Deutschen Reiches darf künftig f’tundsätjUch nicht mehr erteilt werden. Ausnahmen sind Mir im Einverständnis mit der Reichsstellc für Devisenbewirtschaftung, ßer* lin W 8, Behrenstr. 43, zulässig. Nruc Anträge sind nicht ohne weiteres ״bzulehm 1t, sondern mit eingehender Begründung und Stellimgmihnic dem Eiicliinini-tcr zur Entscheidung vorzulegcn, der gegelrenenfalls das Einverständnis der Reichsstellc für Dcviücnbcwirt* tung cinludi-n wird. II. In allen Fällen bereit» erteilter Zustimmung Ist nttcHzu prüfe n, ob die Zustimmung zu widerrufen oder — bei KriMnblauf — nicht zu erneuern ist. Rechtfertigen besondere Gründe da: Vet bleiben eine» Bezugsberechtigten Im Auslände, so isst weiter darüber zu Irelintlon, 01! nicht mit. Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage des Bezugslicrerlii igten und die Höhe des Versorgung •ütetrage• die er ganz oder zum Teil auf ein Konto zu ilbrrwchcn ist, das die Verwendung dieser Geltier nur im Inlandc zuhißt (Sperrmarkkonto). HI. Zur Durchführung der Nachprüfung hatten die Regelung», hehdrden unverzüglich die Bezugsberechtigten von der nngeordneten Maßnahme mit der Aufforderung zu eingehender Stellungnähme zu unterrichten, Im Anschluß daran werden die einzelnen Ausführungsmaßnah• men für die Pension«!)«honten gegeben. Gegen'Werke jüdisdier Autoren Die ״Deutsche Bühncnkorresponden z“, das Nachrichtenblatt der Nationalsozialistischen Kulturgememde, Abteilung Theater, wendet sich In einem Aufruf ״An die Tlicaterdircktorcnl“ dagegen, daß die Spicloläne von Theatern noch immer mit einer großen Zahl von werken durchsetzt seien, ״deren Autoren, Komponisten oder Librettisten entweder selbst Juden oder jüdisch versippt sind." Der Aufruf schließt mit dem Satz: ״Wir begnügen uns bisher noch damit, die Stücke, an denen Juden mitgearbeitet haben, aus den Veröffentlichungen der Spiclpläne von uns aus zu streichen — allerdings in der stillen Hoffnung, daß die Theaterdirektoren auch bald etwas davon merken.“ Vichmarki ohne Juden Die ״Bauern-Zeitung“, Frankfurt a. M., vom 17.0ktober berichtet über einen Herbstmarkt in Langgöns u. a. folgendes: ״Auch dieser Markt, der nur Schweine und Schafe zum Verkauf sah, gestaltete sich zu ehiem vollen Erfolg. Daß cr elienfall» ohne Juden vor sich ging, l»t dem energischen Eingreifen de» Bürgermehiers und Ort »gruppen!eher» Wen! sei zu danken, denn schon in der Frühe hatten sieh eine Anzahl Hebräer aus Gambarh, Holzheim und dem Ort reibst eingefunden, um für »ich ein Schäfchen ins Trockene zu bringen. Sic ttmslandcn auch während der ganzen SehafversteigeriHtg in sicherem Abstand die Menge, wagten «ich aller immer nur dann niilier, wenn die' braunen Uniformen vcrsebwiinden. Kaufen konnten sie indessen uiehts, und die Bauern, die vorher gemeint halten, es würde ohne die Herren mit den krummen Nasen nicht gehen, sahen »ich bald und hoffentlich fiif immer — eine» Besseren belehrt.". י’ ' Nr-M■ 11.X.1W, *Der grolie Journalist Theodor Herd׳ Die ״Westfälische Zeitung“, Bielefeld 16. Oktober veröffentlicht einen Aufsatz; ״Der Mc״״u care“, der folgendvntinlk•״ beginnt: ” cmü) Pot ״Herr Point arö i-t in, Augenblick, da kh die« 1״ l ntezrielitsmuiHt-r. In t-imiu früheren Augenblick »ar « ן ' minister und vorher M:h11״ einmal Unterricht ,mi״j,«r. jjf '!י-',״ der soviel regiert hat, zahlt heut« kaum 3$ J;(|״c, 1},״!" Jahren war er ikkIi GcritliUrcporUr eines wenig geli-wncn3י!!!'״ Ist das nicht eine achOne, dcmnkiuiL, he t.julhahii'Z Sa ” י'״' der Kleinigkeit halber: eine mediokrmiselie. Denn Mlt *•,'*"יי י kein so großer mittelimißiger Mensel» »u(g« taucht **!fj״* tnoird l'oincate. Sein Name wird n״ch ״uf vielen Mmnt ,, slclnn, und zwar an der Spitz«•... ,Herr l'siiiH.-aiä h*״rht i''“’’ keine Ih״111״hcil<•״. Wenn er «׳inmal für lung״ muß, wild nur eine Uehetge,«Imkiiclikvtt daran ״|luy ",4י So schrieb 1' 11 e o «i ״ r Ilerzl v«»r im Id י’5* 1י Jahren, und die (; t s <- U i c 111 c Im t h e w i * ,,, *'"« der große, zu (ruh verstorbene Journalist 1י ״ halle. Das hier erwähnte Herzl-Zitat ist seiner Essav-Samml.״״ ״Da« Palais Bourbon“ entnommen, in dem Hcrzl sick ' dem französischen P.irlamentskbcn beschäftigte, das u ' Pariser Korrespondent der Wiener ״Neuen Freien pfJ‘! beobachten konnte, Ein Palästina ״ Reisebericht Die ״Nordische R u n d s c 11 a u" teilt mit, daß Parteigenossin aus der alten Garde Kiels, Frau l)r l)0'h7 vor einigen Tagen von einer Sludicnfahrt nach Pa’las+in! riickgckdirt“ ist und der ״Nordische״ Rmnlschau“ e;.‘' Bericht übergeben 11.•1t. Der Artikel, unter der Ueberschr» ״Keimzelle für ein jüdisches Weltreich?“, den die ״Norfcl,. Rundschau“ a!'druckt, enthalt zahlreiche Talsachen.|rrtuR׳• unti manche falschen Urteile über palästinensische Du*, insbesondere bei tfer Darstellung der jüdischen Verhältnis« Zum Schluß kommt die Verfasserin auch auf die p,. lästina - Deutschen zu sprechen. Von Sarotu (bei Td Awiw) sagt sie: ״Ein echtes deutsches Dorf mit einem typisch deutsch« f* präge, dem Wiitslmu״ der Schmiede, des Mist häufen• vor da l״t.scn dem deutschen Gast die Heimat in der Fremde cntitAc Inmitten von Feind, uml Fienulvolk (Saron.i liegt neben <krein jüilisclieit groll ,tiult iselien Tei-Awiw). kämpft hier ein Tt unsere» Deuta« litutm siltwer um seine Esistrnz. Wie die werden auch »ic dutclr den jüdischen I.amirauli langsam eingd-tic. Zurzeit können :ic 01 n״cl1 durchhnltcn; es ilutfen al*r Ic, Mißernten in den Apfehinen• und l).it1,mcoi-l'l1mt.ige!1 cintroe, dntm käme, unser Deutschtum dort in schwerste Krisen“ Hierzu ist zunächst zu sagen, daß durch eine Apfelsine. Krise, die aber weniger durch Mißernte als durch Ueb« Produktion droht, nicht nur die Deutschen, sondern «cl andere Gruppen Palästinas in Schwierigkeiten geraten würdes Die Verfasserin vergißt aber zu erwähnen, daß die Palästirt■ Deutschen und besonders die Bewohner von Sarotu ander jüdischen Einwanderung ein kleine» Vet• mögen verdient haben. Die Nachbarschaft von Tel-Awi» war gewiß nicht znm Schaden von Sarona. W3gegen wir aber Stellung nehmen müssen, ist die Bezeichnung ״Feind׳ und Frcmdvolk“. Die Juden in Palästina sind weder e«! Feindnoch ein Frcmdvolk, sondern ein Volk, du nach :jahrhundertelanger Wanderschaft in das Land seiner Väter heimkehrt Zinswucher in Palästina Ein ».zarter Hinweis* Die Zeitung ״Der Oden Wälder“ (Buchen) veröffentlieht gitien Artikel ״Gesinnung oder Geschäft“, worin zunächst dagegen Stellung genommen wird, daß deutsche Frauen in jüdischen Geschäften kaufen. Weiter heißt cs in dem Artikel: ״Schlimmste nationale Würdelosigkeit aber bedeutet es, wenn deutsche Mädchen sich nicht scheuen, Arm ln Arm mit Jüdinnen sich am hellen Tage der Ocffcntliehkeil zu zeig«־n. Dieser Fall »oll in den letzten Wochen des ölteren in der Amtuladt Buchen zu berechtigtem Aufsehen Anlaß gegeben hoben. — Vielleicht genügt der heutige zarte Hinweis, die bereichneten Volksgenossen ihre wahro nationale Pflicht erkennen *u lasen.“ Daß das bloße Zusammengehen mit unbescholtenen jiidisehen Menschen, nur weil diese Juden sind, als ein Vergehen hingcstellt wird, zeigt die Isolierung, in der sich heute die Juden in Deutschland, besonder» hl kleineren Orten, befinden und der sic innerlich nur gewachsen sein können, wenn sic Stolz auf ähr Judentum gelernt haben. Die Zahl der Juden in Deutschland Das Statistische Rcichsamt hat soeben Zahlcnangaben über die Rciigionsglicderung der Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Volkszählung vom 16. Juni 1033 veröffentlicht. Die Zahl der Juden ist durch Abwanderung, StcrbcfalUiberschuß und Austritte aus der Religion»- gcmänschaft seit 1025 um 65000 aut 500000 zurückgegangen; ihr Anteil an der Reichsbevölkerung verringert sich dadurch von 0,0 v, H. auf 0,8 v. H. Wir haben eine entsprichendc Schätzung vor einiger Zelt veröffentlicht, als wir die Entwicklung der jüdischen Bevölkerungszahl in Preußen mitteilten. Und wieder: das ״Menschenschadiigeseiz" In der letzten Nummer des ״Stürmer“ findet *ich wieder eine Darstellung des bekannten Lustmords »n einem' Knaben in Xanten aus dem Jahre 1801. In der Spezialnumincr der ״Jüd. Rundschau“ vom 8. Juni d. J. *Ind wir auch auf diesen Fall cingcgnngen und haben gezeigt, daß sich in der damaligen Gerichtsverhandlung keinerlei Anhaltspunkt dafür ergeben hatte, daß der jüdische Angeklagte der Täter war und daß deshalb die Freisprechung erfolgt ist. Als Begründung für diesen angeblichen Ritualmord wird wieder jene Stelle aus dem ״Tikune Hasohar“ in hebräischen Lettern abgedruckt mit ihrer falschen und sinnentstellenden ״Ucbcrsctzung“, die in der letzten Zelt oft genug von den verschiedensten Seiten her durch wirkliche Kenner der hebräischen Sprache und Literatur richtiggestellt worden ist. Die Reichsvertretung der Deutschen Juden hat a, Zt, nach dem Erscheinen der Ritualmordnummer des ״Stürmer“ Protest gegen diese Behauptungen bei der Rcichsregicrung erhoben. Die Rcichsvertrefung sollte ihre Bemühungen, die Verbreltung von erwiesenermaßen falschen Anschuldigungen gegen die Juden zu verhindern, unermüdlich fortsetzen. Die ״Nordwestdeutsche Zeitung״,’ Bremernaven, vom 15, Oktober, berichtet über einen Parteitag der NSDAP, des Landkreises Wescnnünde. Bei dieser Oelegenheit sprach Regierungsassessor Heß. Er betonte u, a., daß gemäß den Richtlinien des Stellvertreters des Führers, jeder Parteigenosse eventuell mit der Ausstoßung aus der Partei zu rechnen haben würde, wenn et in Zivil oder gar in Uniform in jüdischen Geschäften oder jüdischen •Warenhauicrn kauft. Die ״Fränkische Tageszeiten g“, Nürnberg, vwt 0. Oktober, berichtet — wie schon vorher mehrere Zeitung*«- über das Gesetz gegen den Zinswucher ia Pi• lästina mit folgender Erklärung: ״Dieses CtcsvU Ui am 17. SupU'mher 111 Kraft getreten wurde durch die siürmi^t heu 1‘Ytrftertiiigin der «ir.thisi'hcn Bc*!k1 nmg horvorßorufrn, <110 doli von dm jüdischen schwer hrnachfeilitH sah, m vielen!•,;dien um ihnen r׳j!nnr wurde. Kino Kcilu: der 1• fzfuu gi•gen die Juden guruhü'cn U ruhen der Andrer in l\d;Uina sind auf dk sUmpcHtu• )ik'» AuNwucherting n11tkk/ufiil1r<!! gewc -en. Du die englkdu; M1r*!i־>• Verwidiung aus den gleichen *künden weitere tktfulten bcs^־<• #nh sie sieh cndlith zur Krl.i—u!1g <le, Cle ctzi^ gezwungen. F* ist jcthuUills üher.ttts au|'־.f hhit’reii I! und bezii«hnr.i daß ülH'ral! dort, wo Juden ume wirtv11־.iftlkln• CvlnriiLidit ff־ ringen, <lic*e sol'orl zur II! \un henmg der anderen Ihvulko׳:!■;‘ teile (iit-gcnülxt wird. IH im Deutbeheu Krlclie sind du: Ercijt״■׳ in PalrMinu ja niela^ Nem•«.“ Die IZrliiitlermtp des pat.islincnsischcn Gesdzcs ist der ״Friinkischen ra^e,s/entmg" frei erfunden, denn p״ auch nur oberflächliche Kenner P.ilastinas weiß, daß dk tnbischen Fellachen seit vielen Jahren — auch vor der judtsc!1tE Einwanderung — unter dem Druck der einheimischen an• bischen üeldverlcihcr litten. Auch heute sind diese Verleiher so gut wie ausschließlich Araber. Die Re?!«®*' hat begonnen, die arabischen Bauern zu Kredit•()«!»«;• schäften nach jüdischem Vorhild zu organisieren, wobn F tlisehc Saelivcrstiindige mitgewirkt haben, um die Fclhd'״ zu entschulden. Der Kommentar der ״Fränk. Tagc»rti1״״• zeigt, welche Unkenntnis palästinensischer vcrhaltniw in weiten Kreisen besteht. Antisemitische Terroristen in der Schwei* In Zürich fand soeben ein Prozeß gegen fünf Th׳ roristen der ״Nationalen Front“ statt, dtf hauptsächlich wegen Verübung eines mißlungenen Spt״e Stoffattentates gegen einen Redakteur, aber auch "'U einer Anzahl antisemitischer A us s c h r ei tttng ־ zu verantworten hatten. Der Prozeß hat sehr gn»öc' tercsse hcrvorgeiufcn, das Gcriditsgebäudc mußte v״r ״ Andrang des Publikums durch starke Poii/cikord3n1 ״* hütet werden. ,, Wälirend der Verhandlung erklärte der Vertreter jüdischen Synagogcn-Ücmeimle ״Miniatt Sfard“, deren » lokal verunreinigt worden war, daß er keine «; anspriiehe gclteml mache. Er verwies auf antisen»»'•; Schriften, die von der Nationalen Front licrausgcgcben den und stellte fest, daß das Attentat gegen das 1«״״'. Bctlokal eine Folge dieser Hetze war. Der Angeklagte daher milde zu bestrafen, denn cr sei nur ein HP dieser Hetze. Die Verteidiger des 23jährigen AngcKUk Oloor, der sowohl am Sprengstoffattentat wie an uen ', semitischen Ausschreitungen beteiligt war, erklärten, der Angeklagte sich seiner Tat heute schäme. .. . Der Angeklagte Gloor wurde wegen Sprengstoltaj tafs, böswilliger Beschädigung fremden Eigentums, Mt“ schaff an den Gewalttaten gegen den jüdischen Kat»״ Diebstahl usw. zu anderthalb Jahren *ch*u Kerkers und zweijährigem Verlust der Blirgerrcct r urteilt. Von der Anklage wegen Störung des K'1'* frlcdens (Eindringen in das jüdische Bctlokal und nlgung desselben) wurden alle Beteiligten frclgcsjarocm , dr.5 Gericht zur ueberzeugung gelangte, daß es sich!״ I at/al um IzniKfl as«tl»!lf. . •t״...__L..»lsltn Lokal um keine religiöse Zeremonie handelte. Di« ״״י deren Angeklagten wurden zu vier und zwei Monat iängni» verurteiit . . .. .

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