Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 83 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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RUNDSCHAU £ י,ז 1«! bar (ir:t rti״ Ml! ipp fen, Mb, Ih“ er• dis : i ■ die ist• wie bedie lern itile 1len U: tml, len, und «cn : in itn■ zur. ich. Wfl : so iren ״St, hon Heil . itio• נ :ene gen die age 1e• k'hc vird ngt. tert rlcr •etzbar- Bc gificht eibt ftc1׳ verdas md״ igs- *ff«*, UM- Uile der das en den ,annes een den bnc ritt, on- Die: •für er,״!en, inc ׳er* an-;; mg, die'• lern :ser! der und che der Iteu hen׳ iale che!der Iten ber ttc .e• ang die jODISCHB Heine — neu Ein Geipradi ml* Max Brod 1n der nächsten Zeit erscheint Im Tal-Verlage, Wien, eine ״ tlnC.Biographie Max llrotls. Unser Prager h. t.- Korrespondent richtete aus diesem Anlaß an Brod die Fragen: pat ft« gerade *ur Abfassung dieses Budtes veranlaßt habet Ich begann vor einem Jalir an meiner Heine-Biographie n, arbeiten, unmittelbar nach Vollendung meines Romans nie Frau! die nicht enttäuscht“. Man wird sich erinnern 5,6 ich in Hit sem Roman einen Typus geschildert habe, den kh als ״Di stanz ■Deut sc her“ bezeichne, d. h. als den luden, der sich durch Erziehung nun deutschen Kultur- (reis hinge zogen fühlt, ohne sich aber dazu zu rechnen, ohne die Distanz zwischen Judentum und Deutschtum verschleiern m wolle״• Cs mußte mich nun selbstverständlich interessieren, historischen Wurzeln dieses Typus in der LITERATUR - BLATT Na. *3, 16. OKTOBER 1934 den ״-■- ־VW J |Z u a 111 um «eueren Zeit nachztigehen. Da bot sich als überragende pigur Heinrich Heine, der erste Dichter jüdischen Stammes, der im deutschen Kulturkreis neben vielfacher Anfeindung doch auch große Popularität und Anerkennung gefunden hat. hier also konnte ich das Problem, das mich bewegt, histoman ihrer lisch studieren, und ich gestehe, daß ich aus diesen Studien viel gelernt, meine Uebcrzcugung durch neuerkannte Tatliehen gefestigt habe, per Zustand des Berliner Judentums von 1810—1820 findet beispielsweise in meinem Buch eine weite Darstellung und ich glaube, daß ich einige Gestalten, z. B. Rahel Lewm und die geistreichen Jüdinnen ihres Kreises doch etwas anders sehe und darstelle, als das bisher zu tun gewohnt war. Bei aller Würdigung hohen geistigen Qualitäten sehe ich in diesen Frauen Abtrünnige und Wurzellose, die für alle Kulturen der Welt Interesse gezeigt haben, nur nicht für die jüdische. Ist dies auch aus den Zeitumständen durchaus verständlich, so muß man sich doch vor der üblichen Verhimmelung dieser intfllcktuellcn Kreise in acht nehmen und ihre Fehler wenigitens nachträglich durch Einsicht zu korrigieren versuchen. Sehen Sie auch die Gestalt Heines anders als es bisher In deuisdi - füdlsdten Kreisen üblich wart Nach meiner Meinung überragt Heine das Geschlecht!einer Zeitgenossen, der ersten Assimilanten, um Haupteslange. Sogar jene wackeren Männer, die sich zu seiner Zeit mit Eifer unu Hingabe ex professo mit dem Judentum bcfaßten, wie z. B. Z u n z, ist er weit überlegen, obwohl er 111 diese f ragen entschieden leichtsinnig behandelt hat. Aber in seinem Leichtsinn steckt Genie, Vitalität und vor allein ein angeborener Stolz auf die eigene Art, der ihn nie verläßt. Wo andere irrten, findet Heine oft intuitiv das Richtige. Kein einziger seiner Zeitgenossen kann ihn führen oder auch nur ihm raten. Sein einziger Führer ist die Bibel-Lektüre. In allen Epochen!eines Lebens hat er immer aufs neue zu diesem Buche gegriffen und immer neue Erkenntnisse aus ihm gezogen, die sich schließlich auf seinem Krankenlager bis zur echten religiösen Selbstbesinnung im jüdischen Sinne steigern. Bc- »nderen Wert lege ich hier auf eine der letzten Schriften Heines, die ״Geständnis“ betitelt ist. In meiner Dar• Stellung erscheint Heine als ein Vorläufer der jüdischcn Selbstbesinnung. Ich glaube auch, daß man ihm nur gerecht wird, wenn man ihn nicht in der deutschen Entwicklungslinic betrachtet, sondern in den organischen jüdischen ücschichtsprozcß hincinstellt. Sie haben also eine Monographie über Heine als luden gesdiricbcn? Gerade das wollte ich vermeiden; solcher Monographien gibt cs genug. Ich verweise insbesondere auf die ausgczeichnete Materialsammlung von Biber ״Heines confessio judaica“. Was ich aber wollte, war etwas anderes: den {roßen Menschen Heine darstcllen. Und gerade dadurch scheint mir sein jüdisches Wesen die richtige Beleuchtung zu erfahren, wenn man cs nicht isoliert, sondern als Bestandteil seines Menschentums an• lieht. So beziehen sich Kapitel meines Buches ausführlich aut Heines Verhältnis zur deutschen Romantik, zum deutschen Volkslied, andererseits wiederum zur französischen Politik, zum St.Simonismus usw. Ich wollte nicht eine jüdische Monographie über Heine schreiben, sondern glaube, daß gerade, wenn wn all die mannigfachen Lebensverflcchtungen, in denen ״eine stand, darstellt, sein Schicksal als jüdisches Schicksal trkannt wird. Deshalb lautet auch eine meiner Kapitclüber• *chriften: ״Jüdisches Schicksal als Schicksal «incs Dichters“. Damit ist das Problem wohl am deutlichsten Umrissen. Weldies sind Ihre nSdisten llierarisdien Pl&nct Ich will mir zwar für einige Zeh Ruhe gönnen, werde *ber wohl bald zu meinem Licblingsplanc zurückgrcifen und •" dem Buche ״Die Nachfolge Platons als Ant* *,°rt an d i e Z c i t“ arbeiten. Ferner gebe ich gemeinsam 1״t Heinz Politzer eine sechsbändige Gesamtausgabe der *orke Franz Kafkas im Schockcnverlag heraus. Dempenst w ird auch im Verlage der Barissa, Prag, eine Sam in• '״״g meiner Essays zum Thema ״Judentum und K*8sentheorie“ erscheinen. 4*״ *?M 0% Ü> Cu* Das Problem der Stellung der Frau im Gesellschaft*• und Rcchtslcbcn der Völker ist eine der Zcitfrngcn, die seit dem Ausgang des vorigen Jahrhunderts in den Brennpunkt des Interesses der europäischen Völker gerückt sind. Ucbcrbllckt man heute rückschauend die Entwicklung, so kann man fest* stellen, daß in fast allen I.andern der europäischen und amerikanischen Welt die Stellung der Frau eine neue Basis erhalten hat und daß in dem Maße, in dem sie infolge der großen wirtschaftlichen und sozialen Wandlungen unserer Zeit in das öffentliche und berufliche Leben hincingczogen wurde, auch ihre rechtliche Stellung eine andere wurde, so daß unter den verschiedensten Formen der Staatsorgane sation die Anteilnahme der Frau am öffentlichen Lehen doch als gesichert erscheint. Wie In weiter Ferne erscheinen uns Heutigen bereits die Vorkriegsbemüliungen der englischen Suffragetten, die unter Führung der Miß Pankhurst mit oft drastischen Kampfmitteln um die öffentlichen Rechte der Frau kämpften. Wenn das Ergebnis dieser Kämpfe fast in der ganzen Well zugunsten der Frauen ausficl, so zeigt sich darin, daß cs sich hierbei nicht um eine willkürliche Stcllungnalunc einer bestimmten kleinen Oruppe handelt, sondern daß cs eine echte Entwicklung geschichtlicher Art war. Es ist nicht zu leugnen, daß die Wünsche der Frauen und auch mancher Männer, die mit Ihnen zusammen kämpften, aut dem Gebiete der Gleichstellung der Frau oft »ehr weit gingen und daß man sich dabei mancher Argumente bediente, die späterhin einer kritischen Prüfung nicht standhatten konnten. Allmählich hat man aber in fast allen Lagern erkannt, daß die Sicherung der Rechte der Frau im sozialen und rechtlichen Leben nicht darauf beruht, daß eine Wesensgleich heit von Mann und Frau besteht, sondern daß diese Emanzipation gerade darum notwendig ist, weil nur so die Eigenart der Geschlechter gewahrt werden kann. In diesem Zusammenhang ist es welthistorisch von außer• ordentlicher Bedeutung, daß insbesondere in der Nachkriegs• zeit auch in einem Kulturgebict der Wille zur Frauencinanzipation lebendig geworden ist, das bis dahin von derartigen Strömungen nur wenig berührt schien. In der arabisch-isla mischen Welt wird heute eine lebhafte Diskussion über die Stellung der Frau Im öffentlichen Leben geführt, und cs sind zum Teil auch erhebliche Reformen Palästina - Kunde ** haben an dieser Stelle (s. ״Jiid. Rundschau“ Nr. 18 j;״ Nr• M> d. J.) über die ״P a i ä s t i n a k u n d e“ berichtet, * von Hugo Herrmann im Fiba-Vcrlag, Wien, heraus- «, j wird. Soeben ist der 3. Teil dieses Buches erschic- •s'cl1 m'* dem indischen Aufbauwerk beschäftigt, Rn, . ‘n den beiden ersten Teilen die Geographie und die!,gerkunde des Landes behandelt worden sind. Auch der vorliegende 3. Teil besitzt alle Vorzüge der beiden ersten nac und zeichnet sich insbesondere durch ein sehr um-!,״ ל statistisches Material und zahlreiche Diagramnic Das Buch bietet einen vorzüglichen Ueberhlick über den *'^nwartijren Stand des jüdischen Aulbauwerkes und zu- ן Clltc« Einblick in sein geschichtliches Werden, so daß d*r x,C^r e'nc wirklich objektive Kenntnis vom Aufbau .Nationalen Heimstätte erlangt. Das Buch von Hugo 1 füllt cine wirkliche Lücke in der bisherigen Pa- 1te11״a" •ratur aus> Ha cs bei aller Aktualität der Dar• 115 ״״ e,nc" wirklichen Ucberblick über das Vorhandene »Is ne"!c Entstehung gibt und daher besonders geeignet ist, ltt der systematischen Unterrichtung über PaDstma Bucfö?T<>ck und Gittel Meis II geben gemeinsam ein PorträL11 Titel ״Palästina-Kinder“ heraus, das zahlreiche einen ״0׳י allen Kindertypen des jüdischen Palästina und t&thält rl?t* von Kindcranckdotcn und Kinderausspruchcn *• E)1c Photographien schuf E. N. Friedbetg. Fragen sieht, handelt die im Vergleich zur noch ein ״Vorfeld" in dieser Hinsicht durdigcsetzt worden, insbesondere unter dem Eindruck der in der Türkei tatsächlich durchgefülirtcn Emanzipation, Mit diesen Fragen beschäftigt sich Rudi Par et in einer Veröffentlichung des Orientalischen Seminars der Universität Tübingen unter dem Titel ,,Zur Frauenfrage in der arabisch-islamischen Welt“ (Verlag W. Koldhammcr, Stuttgart-Berlin). Die kleine Schrift gibt zunächst eine Ucber• sicht über eine Rcilu* von Büchern, die zur Frage der Emanzipation der Islamischen Frauen von teils weiblichen, teils männlichen Verfassern in neuerer Zeit erschienen sind, hzw. über die Gegenschriften aus dem islamisch-konservativen Lager. In einem zweiten Teil werden dann die Hauptgegenstände der Diskussion behandelt, die sich in! wesentlichen um die Vorschriften des lilicrechtcs, die Fragen der Verschleierung und Absperrung, der Gatlenwahl, der Kinderheirat, der Polygamie und der Ehescheidung bewegt. Schließlich werden die Fortschritte der Frauenrechtlerinnen* Organisation und der Gesetzgebung auf diesem Gebiete kurz behandelt. Wie man aus der Aufzählung der diskutierten es sich im wesentlichen um Probleme, Lage der europäischen Frau gleichsam bilden und im europäisch-christlichen• Kulturkrei.se von jeher im Sinne einer erhöhten Rcchtsstel* lunf* der Frau gelost waren. Daß der Kampf um sic in der ishämischen Welt um so heftiger geführt wird, ist erklärlich, wenn man bedenkt, in wie innigen Kontakt erhebliche Teile dieses Kultiirkrciscs in der jüngsten Zeit mit den Ideen Europas gelangt sind und wie stark insbesondere unter dem Einfluß des europäischen Nationalismus der Wille zur nationnlcn Konsolidierung bei den in Frage kommenden Völkern heute ist. Die Frauenbewegung als organisierte Kraft ist daher eng mit den nationalen Strömungen der ara• bischen Welt verbunden, sowohl in Aegypten wie auch in den übrigen Ländern. So tagte in Palästina im Jahre 102<) zum ersten Male in Jerusalem ein palästinensisch •arabischer Fraiicnkongrcß, dem spätere Kongresse umfassenderer Art in Damaskus, Bagdad und Teheran folgten. Dieser Zweig der Frauenbewegung besitzt also für uns besondere Bcvleutung, da er einen der Faktoren darstcllt, mit denen wir in Palästina im Rahmen der gesamt-arabischen Welt zu rechnen haben, und ferner auch unter dem Gesichtspunkt, weil es sich hier zeigt, daß auch in einer Frauenwelt, die von rein intellektuellen Bewegungen noch verhältnismäßig wenig berührt ist, die Gedanken ihrer rechtlichen Hebung und sozialen Gleichstellung mit dem Mann erwachen, und daß cs sich hierbei um eine Strömung handelt, die weit über den abendländischen Kulturkreis hinausgreift. oe. W Segen der Wanderung Zn Joseph Rötha neuen Bachern ti einen Es sei vorausgeschickt, daß ich Joseph Roth für der bedeutendsten heutigen Schriftsteller Halte. Wenn aber heute ein Schriftsteller,’ beladen׳ mit einem neuen Werk, in die Welt zieht, so ist die erste Frage: ״Halt, wohin?“ Denn der Schriftsteller muß sich heute klar sein, daß man in der allgemeinen Verwirrung von ihm besonders viel erwartet: die Stimme des Propheten und die Sendung dessen, dent die Gnade w׳ard, voranzusehreiten. Wenn Völker im Dunkel sind, müssen ihre Dichter bei ihnen sein, Helfer im Geiste, Keine Beschwlchtigcr, keine Verschönerer, aber auch keine, die, geblendet von der eigenen Schau, die vielleicht mit manchen richtigen Details zur Verkiindung lockt, sich liinwcgsetzert über die Aufgabe des Augenblicks. Es ist richtig, daß das jüdische Schicksal In Deutschland im ungeheuren Buch der Geschichte des jüdischen Volkes nur eine Episode ist, klein nur sich abhebt von dem gigantischen Horizont, vor dem sich das Drama Israels abspielt. Man kann auch dem schöpferischen Menschen das Thema nicht vorscltreiben. Nur hat man das Bedürfnis, daß dieser davon berührt sein möge, berührt in jener eigenen, natürlichen Art, die nur mit den Nervenenden zu spüren ist. Nicht verlangen wir aktuellen Ort der Handlung oder zeitlich begrenzter Standpunkte. Sein ״Tarabas“, der den großen Romancier wieder ebenso zeigt wie den Gestalter zuchtvollster Form, bringt als Helden ein geisterhaftes Abbild jener ukrainischen Menschenschlächtcr, die eines Tages auftauchten, schrecklich im Glanz brennender Dörfer zu Dschingiskhancn wuchsen, um eines Tages, wie zum Beispiel soeben der Kosak Machnow, auf dem mitleidlosen Pflaster von Paris völlig vergessen zu verenden. Freilich, Roths ״Tarnbas“ wandelt sich schließlich zu einem büßenden unbekannten ״Gast auf dieser Erde“, der ein Mensch in seiner ganzen Blöße vor Gott wird. Tarabas, von dem wir Abschied nehmen zum Schluß des Buches wie von einem traurigen, verlorenen Freund, den wir vielleicht einmal stellen ließen im Tumult der Weltstädte, irgendwo an einer Ecke, weil wir plötzlich wußten, daß nichts seinen Untergang verhindern würde, ist ein Wanderer. Und das Wandern,?schreibt Joseph Roth in einem viele Seiten langen, durch viele Blätter gegangenen Artikel, der den Titel ״Der Segen des Ewigen Juden“ führt, ist ״kein Fluch, sondern ein Segen". Dies gehört vielleicht als Erkenntnis in die Diskussion eines großen philosophischen Essays. Darüber ist hier nicht zu sprechen. Man könnte auch denken, cs handle sich um jenen schöpferischen Jubelruf, der einmal als kategorischer Imperativ des ״Stirb und Werde“ tiefen Sinn enthüllte. Auch das ist es nicht. Es handelt sich in Roths Dis• kussionscntvvurf um eine scheinbar nüchtern rational bc• gründete, in Wirklichkeit sehr fanatische Leugnung des jüdischen Anspruchs auf ein ״eigenes L a n d“. ״Die Juden“, schreibt Roth, ״waren über die Welt verstreut worden, um Gottes Namen zu verbreiten. Sie haben indessen Gott selbst vergessen und müssen sieh wieder in eine geographisch beschränkte Nationalität zuriiekziehen.“ Diese Ausführungen Roths sind mitnichten zu vergleichen ähnlichen feiger Geld- und Nützlichkeitsmenschen, die, indem sic sich hinter Gottes Willen verstecken, die Trägheit ihres Herzens zu bemänteln suchen. Nein, so ist es nicht. Roth, der wirklich ein Wanderer ist und mit schmerzvollen, offenen Augen durch den Krieg zog und die Revolutionen, ist ein betontcr Propagandist des Menschen, der keiner Nation, keiner Rasse angehört. Aber was weiß Roth von dem Scgcndes langsamen Wachstums in fruchtbarer Erde, von der Stärke, die die Datier gibt und von der edlen Vollendung, die nur in der ruhigen Entwicklung sich erfüllt? Völker, die wandern, wachsen nicht. Alles, was am Juden schlecht ist, ist vom Wandern gekommen, alles, was an ihm gut Ist, hat er vorher schon besessen, bevor er den Fuß zum Gang ln die Jahr■• hunderte hob. Roth mag wandern, wir werden seine Dichtungen lesen, weil sie Schöpfungen sind, aber er möge nicht aufrufen, ihm ZU folgen, Denn wenn er antwortet auf die Frage: ״Halt, wohin?“ mit der schaurig kummervollen: ״Ins Nichts!", so legen wir zwischen ihn und sein Volk die Barriere der Treunung. So hatten wir getan, als er wiederk!וווו und ein neues Buch brachte. Es beißt ״Der Antichrist“ (Verlag Allcrt de Lange). Die Zitate, unter die er cs stellt, sind im wese ntliehen Stefan Zweigs neuer Mcnschcndarstclhirig ״Erasmus von Rotterdam“ entnommen, der Lebcnsschiklcrung jenes großen Humanisten, der zwischen den Gewalten stand, die damals aufeinander prallten und den Sinn des Menschen ans dem Wirrwarr der Zeit zu retten suchte. Auf der Kanzel seines Buches steht Roth, und seine Predigt geschieht in einem höchst verfeinerten Abraham a Santa Clara-Stil. Wie bei diesem, ist die Abrechnung groß, und die Folgerung zieht getröstet nur der, dem vorher schon der Gedanke ״Gott“ Stärke gab. Hollywood und Moskaus Gottloscn-Propaganda. kapitalistischer Uebcrmut und der Kreislauf modernen Kriegs und Friedens finden Schilderungen, die in einer vom Pathos legen• dcuhalt erhöhten Sprache oft eine unerhört leidenschaftliche Musik haben. Selbstverständlich, daß ein Kapitel (das Buch entlarvt in jedem Abschnitt eine besondere Abart des Antichrist*), ״Sein ist die Rache“, von den Juden handelt. Die Schilde• rung des Jom Kippur in einer kleinen Stadt wird nicht ver• gessen, wer sie las. Hier überwältigt die Nähe dieser Ge• sichte. Auch daß er den Antichristen in einer anderen Stadt unter Juden findet, ist wichtig zu erwähnen, um Roths Juden« liebe nicht als blind zu verdächtigen. 1 Es schmerzt, hier nicht für Rotli voll eintreten zu können. Denn wer wird den Kernsatz des Buches, das Bekenntnis des Flcimatlosen ״Wo Gutes getan wird, dort ist meine Heimat“ nicht lieben? Aber wieder erhebt sich, wahrend das Herz diesen Satz noch anbetet, grollend der Einwand: daß ein fernes Ziel in eine Gegenwart gestellt wird, in der cs nicht erreicht werden kann. Und daß das jüdische Volk zu dieser Erkenntnis eines einzelnen Menschen nur kommen wird, wenn es die Fälligkeit gezeigt hat, überhaupt erst den Begriff Fieimat durch die historische Hilfsleistung der realen Schaf• fung einer solchen in seiner Bedeutung zu erfassen. Das ist kein Patriotismus, wie Rotli das nennen würde, sondern es ist nur die Voraussetzung zur vollen Menschlichkeit, jener Menschlichkeit, die das Böse, das Roth haßt, in ihrer Heimat nicht geschehen lassen darf. Soweit die Ankündigung des Ortes, an dem heute Roth hält. Sein donnerndes, betäubendes, verführerisches Buch-ist konkreter nicht zu fassen, weil es eine einzige rauschhafte Predigt ist. Aber daß cs wichtig ist, sic zu lesen, das zu betonen, ist wohl selbstverständlich. Manfred Georg, Sammclsclirlft des Hcchaluz. Anläßlich seiner Moaza gab' der Hcchaluz ein kleines Sammelheft ״Werk und Werden“ heraus, das in einigen Aufsätzen wichtige Fragen des Hccha* luz und der jüdischen Jugend überhaupt berührt. In einem Aufsatz ״Zur Moaza des deutschen t icchaluz“ geht Flieser Li ebensten! auf die heutige Situation und die beson. deren Aufgaben des Hcchaluz ein. Ein kurzer Aufsatz befaßt sich mit den Fragen der Bcrufsumschichtung. Wir finden ferner den Abdruck einer Diskussionsrede Liebensteins, die er bei der Tagung in Herrlingen gehalten hat, und in der er aut die Zusammenhänge zwischen der Chaluzbewegung und der jüdischen Bildung eingehet: zum gleichen Thema äußert sich Hans Gärtner. In einer Abhandlung ״Der deutsche Hcchaluz“ berichtet Gustav Horn von der bisher geleisteten Arbeit. Zwei geschichtliche Aufsätze, von denen der cine über die Anfänge der Hechaliizbewcgung, der andere über die Geschichte der deutschen Alijoth referiert, stammen von Leo Kaufmann und Uriel Kosenblatt. Einige Briefe von Chaluzim aus der Haclischarah und aus Pa•« lästina beleuchten die Problematik und die Arbeit de« Hcchaluz noch einmal von der persönlichen Seite her, ג