Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 83 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 83, 16. X. 1934 fff.. _ ן m ® f 1 tri f ך׳ r* 11#v1! f• ' Ji W* & מקח Ul־/ < <.v* *m f *« ,jW יךץ ך»ן ~1 1 r t ץ—־^ ך־ k.il 1 .! ׳ l. Ji. Von Dr. Alb er t B a e r, Haifa*) Verlockend zeigt den größten Teil des J all res der llermon über der Hailabueht den 1 laifacrn sein schneebedecktes Ilaupt mul ruft die■ Wanderlustigen zu einem Besuch auf seinen Gipfel, aber bestimmt sind bisher nur wenige wegen der großen Schwierigkeiten einer solchen Unternehmung diesem Kufe gefolgt; man schätzt die Zahl der Palästinenser, die in den letzten Jahren oben gewesen sind, auf kaum 100 Menschen. Die Schwierigkeiten einer solchen Besteigung et es Berges werden stell aus der folgenden Darstellung ergeben. Die Haifaer Gruppe der ״M e s c h o 11 c t i m“, des palästinensischen Wanderbundes, fuhr am ersten Nachmittag etcr Fahrt mit dein Autobus nach Metuta, Palästinas iiörilliebster Kolonie. Die Fahrt geht über Akko-Safcd auf einer der schönsten Gebirgsstraßen Palästinas bis 7« einer Höhe voti über 800 m in die erfrischende Abendkiihlc der Berge, noch nach eineinhalb Stunden Fahrt sieht man die Lichter I laifas an der anderen Seite der Bucht. In Mctula über• nachtet mail im Schul/Immer. Mctula ist eine kleine Kolonie, nur aus einer Stratte bestehend, etwa 300 m hoch in den Bergen gelegen, sehr ärmlich und anscheinend noch wenig von den Fortschritten des übrigen Palästina berührt. Mit der Dorfstraße endet auch das Land Palästina, der Autobus muß dort hei der Grenzwache halten, aber dank dem Entgegenkommen der Grenzpolizei vollzieht sich die Ausreise selmeil 11ml glatt. Eine kurze Fahrt durch neutrales Gebiet, durch ״Niemandsland", und die syrische Grenze ist erreicht. Auch hier werden der schon bekannten Waudergruppe keine Schwierigkeiten gemacht und ohne das sonst erforderliche Visum wird den Wanderern der Eintritt in Syrien gestattet. Nach einer Viert(!stunde Fahrt wird Mcrj II j 1111, eine kleine syrische Stadt, erreicht. Hier rufen 20 Wanderer mit bescheidenen Anspriirl en einen Umschwung in der ״Marktlage“ hervor. Der eben noch völlig stille und ruhige Obstmarkt belebt sieh, die Händler wachen auf, rücken ihre Ware zurecht und erhöhen die Preise. Ihr Geschält ist besser geworden, ah sie am Morgen dachten, weil die überall in Syrien sehnlich st erwarteten Palästinenser eingetroffen sind und zur Verringerung der syrischen Krise beigetragen bähen. Die kleine ,,Patisserie Orientale et curopccnnc“ des Ortes eröffnet ihre Pforten, der vorzügliche arabische Kaffee 11ml Kuchen mundet besonders gut nach einer Nacht, die man aut dem Boden des Schulzimmers auf einer Strohmatte 1111(1 Decke verbracht hat, und die Kenner und Liebhaber arabischen Fssens nehmen sogar Salat zum Frühstück. Nach solcher Aufbesserung der Wirtschaftslage des Städtchens geht es mit dem Autobus weiter nach Banias, dem alten Cvsnrca Philippi. Oer Ort ist eine Gründung des Philippus, eines Sohnes des Hemdes, nahe dem alten Pancas, einer dem Gott Pan geweihten Grotte, also einer uralten Kultstätte. Ein beschwerlicher Weg führt 700 m hoch zu den Bergkuppen oberhalb des Ortes, die von großen Burganlagcn gekrönt sind; auf verschiedenen Oipfcln erheben sich umfangreiche Hinten, wohl auf römischen Fundamenten von den Kreuzfahrern aufgebaut und in arabischer Zeit erneuert, nun Teil gut erhalten, zum Teil von den Franzosen bei dem letzten Aufstand der Drusen, die sich hier verschanzt hatten, malerisch zusamnicngcschossen. Nach so beschwerlichem Auf- und Abstieg zu diesen Anlagen und ihrer Besichtigung, ist das Baden in der Jordansquclle am Fuß der Berge besonders angenehm, um so mehr als große Laubhäutnc hinreichend Schatten bieten. Oberhalb der Quelle in den Felsen überall Grotten aus römischer Zeit mit schönen Ornamenten und_ in den FeLcn tiefe Höhlen, wohl Vorratskammern oder Zufliiclitsstätten bei Gefahr. Für den nun beginnenden Fußmarsch und Aufstieg waren am Morgen schon in Banias Pferde und Esel bestellt, um das Gepäck zu transportieren. Jeder Wanderer bat ja einen schwer bepackten Rucksack mit Ausrüstungsgegeiistäiiden, Kleidung, Decken und Mund- Vorrat für vier Tage, und außerdem führt die Gruppe als solche noch allerhand Gegenstände wie Lampen, Wasscrbehälter 11. dßl. mit. Die Rucksäcke werden immer zu 6 bis 10 in große Säcke ciiigcnäht. Aber die Eigentümer der Pferde und Esel weigern sich nun, als der Marsch losgehen soll, die vorher vereinbarten Preise einzuhalten, es beginnt das im Orient übliche Mandeln und Feilschen, die Mischung von Komplimenten und Vorwürfen, von Begeisterung und Entriistimg, immer noch so üblich wie vor Tausenden von Jahren. Endlich ist man nach etwa einer Stunde Handelns einig und die Expedition setzt sich in Bewegung, aber nach einer viertel Stunde Entfernung vom Ort beginnt der Handel von neuem. Und erst als die Wanderer ernsthaft (natürlich nur den Treibern gegenüber) ihren Willen dokumentieren, bei Niclitaiiiialiine des bewilligten Preises das Ger>äck allein 711 tragen, indem sie die Säcke öffnen und die Rucksäcke auf die Schulter nehmen, erklären sich die Treiber endgültig zum Abmarsch bereit. Nach vierstündigem aufwärtsführemiem Marsch erreicht man das Drusendorf Mcjdcl esh Shcm. Hier ist schon von früheren Wanderungen her in dem gexäumigen 1 lause eines Dorfbewohners ein großes Zimmer und die anschließende ins Freie führende Halle für die Gruppe bestellt, und auf Teppichen uml Matten wird dsa ,'Nachtlager bereitet. Die Treiber der Pferde und Esel werden entlohnt und ziehen nach Banias zurück. Noch bevor man in das Dorf einmarschiert ist, wird Rast au der Quelle des Ortes gemacht. Die Quelle ist gefaßt, und strömt in reicher Fülle aus dem Halm hervor, die Wasserflaschen werden gefüllt und die Gruppenvorräte ergänzt, jede Quelle ist ja immer für einen Palästinenser als Bewohner eines wasserarmen Landes eine besondere Freude. Am frühen Morgen wird nach selbstniberatetem Frühstück aufgebrochen, für den nunmehr direkt beginnenden Aufstieg auf ilen llermon besteht die Expedition aus zwei Pferden, drei Mauleseln und drei Eseln, die von drei Treibern aus Mcjdcl begleitet werden. Durch die grünen Felder, vom Wasserreichtum der Quelle gespeist, und durch Weingärten führt der Weg in die Berge; die Irisch gepflückten Trauben, süß, kühl und naß vom Morgentau, munden besonders gut. Die Stein- und Fclsregion beginnt. Ein fast bäum-, also schattenloser Weg führt aufwärts. In langen Serpentinen geht es nach oben. In 1500 m Höhe wieder eine Quelle, die direkt aus dem Stein hervorkommt, eiskaltes Wasser, das mau gleich trinken kann, ohne cs vorher abkochen uml dann kühlen zu müssen, wie jetzt im Sommer in Haifa üblich. Ein ״Quell wahren Entzückens". Man betrinkt sich förmlich an frischem Wasser und füllt Wasserflaschen uml Behälter von neuem. Wohl gibt es noch einige Quellen, aber uielit mehr von dieser gefahrlosen Klarheit. Bis zum •) Der Leser wird gebeten, zu beachten, daß der vorstellende Artikel von Dr. Albert Baer, Haifa, verfaßt ist. Die Tatsache, daß die ״J. R.“ auch Artikel von Dr. Robert Beer, Haifa, bringt, hat zu Verwechslungen Anlaß gegeben und die beiden Autoren, die schon ohnehin in Haifa zahlreichen Verwechslungen durch■ die Post und andere Stellen ausgesetzt sind, werden auch vom Lesepublikum der ״J. R.“ ■nicht immer auseinamlergcljaltcn. Es mag hinzugefügt werden, daß diesen Artikel Dr. Robert Beer geschrieben haben würde, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, •ich an der Fahrt zu beteiligen. — Anm. d. Vcrf. Gipfel fast 12 Stunden Marsch, davon etwa 2 bis 3 Stunden Ruhe, Der Weg, sozusagen ״alplnistisch“ ohne Schwierigkeiten, vielleicht nicht so schwierig wie der leichteste Aufstieg auf die etwa glcichhohc Knorrhüttc im Zugspitzengcbict, aber doch weit anstrengender als ähnliche Bergbesteigungen in Bayern und Tirol, weil, wie schon gesagt, der Weg von Anfang an schattenlos Ist und die Sonne in orientalischer Glut vom Himmel herabstrahlt. Der Weg als solcher ist übrigens kaum vorhanden und nur wenig sichtbar; cs gibt keine stark ausgetretenen und immer kenntlichen Pfade, irgendwelche Wegweiser fehlen selbstverständlich ganz. Besonders interessant ist cs zu beobachten, wie »ich die Tiere in den Bergen zurechtfinden, immer von zwei Pfaden den bequemeren und sicheren wählend und nicht nur ״im Nebel", sondern auch bei hellem Tageslicht ihren Weg suchend. Auf der Hochfläche wellt ein kalter Wind, der schon in der späteren Nachmittagsstunde und in der Dammerung ein Verweilen im Freien last unmöglich macht, uni so mehr als man ja nach einem palästinensischen Sommer weit mehr friert, als man etwa bei gleicher Temperatur auf den Bergen Europas frieren würde. Der Hermon, von den Arabern, Dschcbcl csch Schcch genannt, ist etwa 2760 m hoch, der südlichste Ausläufer und höchste Punkt des Antilibanongebirges. Die höchste Stelle ist eine Felspnrtic, die wie ein Ziickcrhut auf eine riesige Hochfläche aufgesetzt ist. Schnee liegt in dieser Jahreszeit nicht dort, so daß die Bemerkung vom ewigen Schnee des Hermon Im ״Jüdischen Lexikon“ nicht ziitrilft, Bald muß man wegen der Kälte In eine grolle Höhle kriechen, die die Natur dicht unterhalb des Gipfels als Uchernachtnngsstcllc vorbereitet hat, bis vielleicht einmal nach Jahrzehnten ein Hcrmon-Hcrgvcrcin dort eine Unterkimftsiiiittc aufstcllcn wird. Die Höhle bietet für etwa 30 Menscheu gerade Platz, jeder wählt sich einen ihm besonders passend erscheinenden Ort aus — sehr verschieden In der Qualität sind die Plätze nicht — und macht sich das Nachtlagcr zurecht, d. h. er säubert den Boden ln der Lage des Körpers von spitzen Steinen uml breitet seine Decke aus. Die Höhle wird von den mitgenommenen Lampen erhellt, man bereitet sich das Abendessen und schläft sehr bald von der Anstrengung des Tages ein. Zum Schlafen zieht man sich alle mitgenommenen Kleidungsstücke an; denn gegen Morgen droht es kalt zu werden. Die Tiere verbringen die Nacht draußen in einer durch hohe Felswände geschützten Mulde. Die kühle Morgenluft zwingt tatsächlich zu frühem Aufstclicn, man macht sich Bewegung, beobachtet den Sonnenaufgang, steigt noch einmal auf den Gipfel, der einen weiten Rundblick über Berge und Täler bietet, und beginnt mit dem Abmarsch, Noch Ist es kalt, aber schon nach D . Stunden Abstieg wird es wieder ein lieilkr Sommcrtag. Nach 9 -10 Stunden Abstieg kommt man nach Hasbeya, einem großen Dorf am Fuße des llermon, wo die Ankunft der Wanderer dieselbe Belebung wie in Ujun hervorruft. Das kleine Restaurant des Dorfes zeigt seine Kochkunst in der Bereitung von Schaschlik, einem Fleischgericht von Hammelfleisch, das an kleinen Spießen über dem Feuer geröstet und an eben diesen auf den Tisch gebracht wird. Dazu ißt man Pitah, das arabische Brot aus dünnen runden Fladen und einen Salat aus Bulinen, Ocl, Paprika, Erbsen und Essig. Nach zwei Stunden Ausnihcn und Erholen dort auf der Terrasse mit dem Blick auf die Berge und eine fruchtbare Landschaft ringsum, hott uns der unterdessen telefonisch bestellte Autobus aus Mctula ab. Auch diesmal macht die Grenzühcrschreitiing keine Schwierigkeiten, und wir kommen nach Mctula, dem Ausgangspunkt unserer Reise zurück, wo wir wieder in der Schule übernachten. Am nächsten Tage folgt als Abschluß noch eine Bummel- und Erhohmgsfahrt durch die Gegend. Von Mctula geht es nach Kfar Gileadi, von wo die Unentwegten trotz ziemlicher Hitze 900 m zu den alten Ruinen des arabischen Dorfes Hunin aufsfeigen, während der andere Teil sich mit der Besichtigung der jüdischen Siedlung und des Trumpcklordcnkmals und des Friedhofs von Tel Cliaj begnügt. Von dort geht cs weiter ln der Hule-Ebcne, und inan tiat das Glück, daß gerade Dienstag ist, so daß man zu dem großen Bediiincnmarkt kommt, der nur an diesem Tage bei dein arabischen Elorfe Clialsa stattfmdet. liier bietet sich auf einer großen Fläche ein besonders buntes Bild der Ansammlung von Menschen und Tieren uml man kann die in dieser Gegend besonders schönen und in ganz Palästina bekannten Wasscrkriigc aus Ton zu billigen Marktpreisen erstehen. Von dort geht cs weiter an den Hulesiimpfen vorbei, wo die ärmlichste Bevölkerung Palästinas in Hütten aus selbstgcpflücktcm und geflochtcnem Schilf wohnt, und dann erreicht man den Tiheriassec, um ein erquickendes Bad zu nehmen. Die Unermüdlichen wandern noch etwa eine halbe Stunde Weges in der Mittagshit/e nach Kfar Nachum, tun die dort ausgegrabene Synagoge zu besichtigen und um 1/»5 Uhr nachmittags geht'» nach Haifa zurück. Unsere Wamlcrfreumle in Deutschland mögen aus dieser Darstellung entnehmen, was die palästinensischen Wanderer geleistet haben; ein beschwerlicher Aufstieg von 700 m und 'zurück, der Aufstieg und Abstieg auf den Hermon von je 9 10 Stunden, ein Aufstieg von 900 m und zurück und ein Marsch von einer halben Stunde Weges, bestimmt eine gute sportliche Leistung, um so anerkennenswerter, wenn man bedenkt, daß die Märsche unter der heißen Sonne fast ohne Schatten unternommen werden. (Der Verfasser dieses Artikcls muß betonen, daß er selbst den Aufstieg auf den Hermon im wesentlichen auf einem Esel reitend zurückgelegt hat, ebenso wie einen Teil des Abstiegs.) Es ist klar, daß Wanderungen dieser Art sowohl in Palästina wie in dem angrenzenden Syrien nur unternommen werden können, wenn Wanderer dabei sind, die die arabische Sprache vollkommen beherrschen, unter unserer Wandergruppe gab es eine große Anzahl solcher, Der palästinensische Wanderer hat sich, wie ersichtlich, dem Land völlig angepaßt. Asyl ©der nationale Heimstätte? Vortrag von Dr. Michael Traub ln Hamborg Am Donnerstag, dem 1L Oktober, sprach in Hamburg der Leiter des Deutschen Keren Hajcssod, Herr Dr. Mich״! Traub, Berlin, Im überfüllten Oabricl-Ricsser-Saal unmitttl(,״ nach seiner Rückkehr aus Erez Israel über den Eindruck, ß*« die Entwicklung des jüdischen Palästina-Werkes gcgcnwipjl bietet. Mit größter Aufmerksamkeit folgte die Zuhörerschaft den fesselnden Darlegungen, die aus der Frlcehe des j״,, ' vergangenen Erlebens ein ungemein greifbar« Bild entwirf Zwei Eindrücke drängen sich, so berichtete Dr. Traub dem Besucher zuerst im Lande auf: ״Kibbuz Oalujou« (Sammlung der Zerstreuten) und ״Prosperity" (der lr. staunlichc wirtschaftliche Aufschwung). Eine mehr in die Tide dringende Betrachtung, die du Vorhandene und Werdende am Maßstabe des zioniitj. sehen Ideals mißt, entdeckt aber auch sehr rasch <jk Lücken, Mängel und Fehler. Die Arbcltcrcinwanderung hält sowohl mit 1*1W. rer Aiiswandcrungskapazität in den Ländern der Golah »!. auch mit der durch indisches Kapital und jüdische Arbeit be• dingten Aufnahtnefhiirgkcit des Landes nicht Schritt; die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage wird auf dem Arbeitsmarktc immer großer. Daneben eine vom Standpunkte des nationalen Auf baus und der Normalisierung unserer sozialen Struktur nicht zu rcchtlertigcmtc K a p i t a I v e rt eilun.; Während im Bauwesen im vergangenen Jahre 2700000 Pfund' in den Orangcnpflanzungen I 500 000 Pfund investiert wurden wurden der gemischten Landwirtschaft nur 100000 Pfund angeführt. Der landwirtschaftliche Sektor ging infolgedessen prozentual zurück. Das Problem Stadt und Land trat in 111 seiner Schärfe in Erscheinung. Die hiermit im Zusammenhang stehenden wirtschaftlichen und kulturellen Probleme wir. den aktueller denn je. Das Bodenproblem; Es bestehen große Möglichkeiten für Bodcncrwcrb im Lande. 1923/192(» konnten HO000 Dun,am Boden erworben werden, obwohl bei weitem nicht so viel Kapital ins Land floß wie heute. In den letzten H! ]!hm sind aber nur 72000 Dtmam in jüdischen Besitz gelangt, während allein 1032/19)3 101600 Dunam von einer jüdischen Hand in die andere übergegangen sind, in den meisten Fall« unproduktiv und sinnlos, sämtlichen Gesetzen unseres natkv nalcn Aulbaus hohnsprechend. Die hierdurch hervorgerufene Steigerung der Bodenpreise, die selbst in der gegenwärtig« Konjimkturpcriodc nicht zu rechtfertigen sind, erschwert die Schaffung Jener landwirtschaftlichen Basis, die die Grundlage unseres Wirtschaftslebens in Palästina bilden soll. Das Problem der Landflucht und der Arablslt* rung der Arbeit, die das nationale und gesellschaftlich( Ideal der zionistischen Bewegung zu zerstören droht, wird großenteils durch das Verhalten der Mandatsrcgirnmg bedingt Die Einengung der Einwanderung von Chaluzim crleichtm das Vordringen arabischer Arbeit, verwandelt jüdische Dörfer in ihrem nationalen Gesicht, ja ermöglicht sogar die ungesdz• liehe Einwanderung arabischer Arbeiter aus den Nachbirländern, macht alle Zusicherungen über angemessene Re- Iciligung von Juden bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung illusorisch. Auch die industrielle Entwicklung erreicht nicht Ihre volle Stärke, und vor allem das flache Land Weiht zurück. Es erfordert wirklich Chalu/iuth, wahren pionierhiHe« Geist, um in der Kolonie bei 25 Piaster Tageslohn zu verharren, während man in der Stadt auf dem Bau oft du Dreifache verdient. Auch kulturell wirkt die Zuriickdrängimg des landwirtschaftlichen Sektors׳ sich schädlich aus. Der Hebraisienmj'• prozeß gerät ins Stocken, die Stadt ist nicht in der lag, die große Masse neu cingcwaudcrtcr Juden kulturell zu is'imilicrcn. Mehr denn je muß die Aufmerksamkeit der Schule »!gewandt werden, von der die kulturelle Eingliederung de Einwanderer und namentlich der jungen Generation in du geistige Gesamtbild Palästinas abhängt Ein weiteres Problem: der Streit der Parteie« erschwert nicht nur den inneren Aufbau, sondern auch dw außenpolitischen Fortschritt. Und doch würde selbst die Man* datsregierung dem wirtschaftlich berechtigten Wunsche ein« geeinten und national gesinnten Jischuw sich nicht vemp« können. Diese nationale Einigkeit entgegen allen abweichend« Sonderinteressen herzustcllcn, ist das Gebot der Stunde, Zwei Forderungen müssen weiter erhoben werden: Otae nationales Kapital ist ein kolonisatorischer Fortschritt, ist die Erweiterung unserer agrarischen Grundlage, iosbeson• derc der Getreide- und Gemüsewirtschaft, nicht möglich. D״ ludcnhclt muß In einem ganz anderen Malle als bisher hin» Mittel zur Verfügung stellen. Mögen Industrie und Orange®• Produktion mit privaten Mitteln sich weiter entfalten können, in keinem Lande der Welt kann eine Landwirtschaft sich öffentliche Mittel erhalten, noch viel weniger geschallen »׳** den. Daneben ist eine Sclcktionspolitik den Ein»׳«■ derern, lind zwar sowohl den Arbeitern als auch den Ml* talistcn gegenüber, dringend vonnöten. Die Auswahl erstem! hängt formell von uns ab. Oute berufliche AusWhw( gründlichere Kenntnis des Hebräischen, vor allem aber « obligatorische Verpflichtung, wenigstens ein Jahr auf 0« Lande zu arbeiten, sind die Forderungen, die wir 01«״ . Einwanderer-Kategorie gegenüber stellen. Die Auswahl kapitalistischen Einwanderer ist Sache der Aufklärung urw . muß durch die zu diesem Zwecke zu schaffende öfter׳״״ . Meinung der jüdischen Bevölkerung der Auswandeningsliw״ Und Palästinas reguliert werden. Unsoziale Elemente 5״P in Palästina ebensowenig Platz finden wie diejenigen!udisc״ Einwanderer, die die Bedeutung jüdischer Arbeit *'5*0®il Grundlage unseres dortigen Lebens, die hebräische 5(**’ als national erhaltenden geistigen Faktor unterschätzen <*■ verkennen. Palästina soll nach Möglichkeit dem entwuji* ' jüdischen Einwanderer Asyl gewähren, soll und darf >״• seinen Charakter als nationale jüdische Heimsta' nicht verlieren. Reicher Beifall dankte dem Redner. Die diesjährige w ren-Hajessod-Kamnagne hat mit dieser Veranstalt״! eindrucksvoll begonnen. Die deutschen Juden müssen Forderung verstehen, die an sie hcrantritt. V ׳ // k $ 'yji' i kamen seit X• Januar 19SS ala Einwanderer nach Eres Israel KEREN KAJEtSETII I.EJZORAIEL Jüdischer Nafionolfondi B. V. Berlin W SS! MclsaeSscatr. so! Postcc^ccS* X3S47 Edwin Samuel in Holland. Der stellvertretend« E^tef^ lmmlgrationsamtes der Palästina-Regierung, Edwin Sam hielt in Holland Besprechungen mit Funktionären «er ,1 lischen Gesandtschaft und mit dem holländischen Aus״* rtmgskommissar der Jcwish Agency, Dr. I. c°,h{nü.c1. Edwin Samuel informierte sich über alle Fragen der r! scltarah in Holland und der Auswanderung von au* land stammenden Juden und holländischen Chaluzim Palästina. Weitere Besprechungen fanden zwischen Samuel und den Leitern des Hilfswerks für deutsen, Wanderer, sowie dem Sekretär des Keren Hajessod m ״ח■ Dr. B. A. Kahn, statt. * Sir Herbert Samuel, der vor kurzen! *״ entzündung erkrankte, hat sich am 12. Oktober einer' ״ reich verlaufenen Operation unterzogen. Das Be1״׳ Patienten ist zufriedenstellend.