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Jüdische Rundschau · 1934-10-16 · Heft 83 (16.10.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 83 (16.10.1934)
Date
1934-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 & 83, 16 *• t934_ 70D15CHE RUNDSCHAU Margarethe Susrrmim In ihrem 60. Geburtstage (14. Oktober 1934) ^•tr jemals das sdinrfgi'sdmitkuc, wie von einer Gemme t’rofil dieser F1 nu gesellen 11,1t — den bohrenden ä k <H־s Antjes unter langer Wimper hervor, den schmor/. V,״rselnvuntjenen Mund der weil!: hier steht eine 11» ״ h ״liehe I ran vor uns. Nur der «eist konnte “?solche Züge bauen. Margarctlu Susnuim hat in f!,L scchri|!j;d1r1|je״ Leben inandic Wandlung erlebt; immer 1f״,lieber traten Schatten und Idkennen, die beiden Pole ,״es l.cbenswcrkes, aus einer Nut von i loffniingcn und l",«•ürh'״ hervor -- wie Felsen sieh aus dem Meer erheben. . ba״ווו,׳ als Lyrikerin. Drei Gedichtsammlungen er-;;!licirn in den ersten Jahr/duiten des 20. Jahrhunderts; U in dramatischer Dirlitnug hat sie sieh versucht. Lieben aber zeigte schon 1010 ihr bemerkenswertes Buch '״,, \V e s 0 n d e r ins» d 1• r 11 e 11 d cutschcn L y r i k“, L (ich die Dichterin über die Zusammenhänge von Lyrik ״j Philosophie, von Religion mul Mythos klar zu werden jifcbte, Lyrik wird ihr zur Botin des Religiösen; ihre ... a, ü- -•״ . Jt |L' I ״] 1׳. Hiii .16**jI i •*״*>,. Ä־*i toil S.»siF len h- |n• Ihe •מ| N p, |te- Cll, lis Imftc. jtn, •זס on, len, Ibis Inst itielei• |1en i a ludirte I ul־ Itter jirte וזזו) lebt |1de I ten ein!711• {der ludeh,; cm rtc j aut I m ich md in• len io• 01: tte 1m Ulf :01 he ler!in ch h: tig ch cn rt• de it» ler nt, ist cn cn cn od cit 11c zu 1er Itc cn inan ■ch ci• ler nn lic or :ht “,j el- סי er 1t- Ci, a» cn g• % in cn cn ',"ו",ahe soll cs sein, die versinUendcn, fremd gewordenen ucitiRtmmT zu verwalten. ‘ Als ein Denkmal und Abschluß stellt am Ausgang dieser ,׳;!cn Scliaffensrpoehe in Margarethe Susinaims Entwicklung j,, Blich ״Vom Sinn der Liebe“ (1912). Fine neue piotima sucht hier in beseelten Rhythmen vor einem ratjpten Geschlecht den tiefsten Sinn des Strebens nach Vcrjl8ip1ng auf/mlcckeu - im Leben des Linzeinen wie im [?11 der Ocmciuschaft. Welches aber ist diese Oemeinitiult? Ls verrät viel vom heimatlosen Suchen der Dichterin }clbsl, wenn sie hier iin Namen einer Schar von Lin- Junen spricht, deren Sprachen untereinander verwirrt sind, |j(t1cn jeder Olaube au ein gemeinsames Bild des Unentl- 1‘ithcn verlorciigegangen ist. Sie sind es, die erst lernen jollcn, einander wieder als Gemeinde zu begreifen, jn jenen Jahren finden wir das Bilil dieser Suchcrin [,ן fast allen großen Suchern der Zeit. Mit Martin gilber wird sie früh bekannt. Vor allem wird Franz Rosen *w c i g s von der zwiefachen Krone des Denkens des Leidens gekröntes Antlitz ihr zum Wegweiser auf dem Pfade von der entseekmlcn Vereinzelung zur ewigen Ocmciuschaft. Sein großes Buch, den ״Stern der Erlösung“, 1111 sic tief erkannt. Lilie Reihe von wichtigen Arbeiten widmete die Susmaim dem Werke Spinozas; besonders hervorzuheben ist ihr Lssay ״Spinoza und das jüdische Weltpcfiihl" im Sammelbuch ״Vom Judentum“ (1913). Sodann beginnen ihre überraschend hellsichtigen und feinfühlenden Deutungen jüdischer Gestalten und religiöser Probleme, so tt»a״Saul und David, zwei ewige Gestalten“, ״Das Hiob - P ro b I e in bei Franz Kafka“, ״Die messimische Idee als F r i c d c 11 s i 11 c c“ u. a. Aus der gleichen Zeit aber stammt ein wertvoller Beitrag zur dcut- 01101 üeistcsgescliichte, ihre weithin beachteten ״Frau cn ier Romantik“ (Piedericlis, 1929). Auch wer mit den fcliarf profilierten Federzeichnungen dieses Buches nicht durchweg einverstanden ist — so ist etwa das Bild Moses ,Mendelssohns, das im Hintergründe auftnucht, entschieden verzeichnet —, wird aus ihren packenden Formulierungen and tiefen Einsichten vieles dankbar in sich aufnehmen kennen und den biegsamen, niemals allzu wortreichen Stil bewundern. Bei aller Bewunderung aber scheint mir dies romantische Buch heute schon ein wenig zu verblassen gegenüber den oben genannten Deutungen biblischer Gestalten -- und, so können wir mm hin/ufügen, jüdischer Gestalten im großen Schatzhause■ der Weltliteratur: wenn sie sieh zu Stifters Abdias oder zu Shakespeares Juden von Venedig weildet, Hann wird alles Alte neu - weil ein wirklicher Mensch es mit neuen Augen ansrhnut. Hier wird denn auch der Weg recht deutlich, den diese unbekümmerte Wahrlifitssuclicrin geschritten ist: von der Ge 111 ein de der Einsamen zur Ocmciuschaft ihres Volkes. Fs wäre ein Ziel, aufs innigste zu wünschen, daß Margarethe Susmann diese biblischen Deutungen, die manchem unter ■5 erst den Weg zur Bibel wieder gezeigt haben, einmal »einem Buche vereinen könnte. B. B. St. Henri Berßson Zlfs uns vorigen Montag harz vor Schluß der Dienstag-Ausgabe unseres Blattes die Kunde vom Tode Felix Goldmanns erreichte, war es nicht mehr möglich, mehr als eine kurze Nachricht zu bringen. Die Per• tönUchheit Goldmanns und seine Stellung im deutschen Judentum erfordern noch eine Würdigung. Mehr als das, was er schrieb und redete, war der Mensch, Wir haben Dr. Prinz, der sein Schaler war, um eine Darstellung ersucht, und schließen den Bericht aus Leipzig an, der die Ge fahle der dortigen Zionisten anläßlich des Todes dieses ״Antizionisten" widerspiegelt. An einem (nun leider toten) Menschen erweist sich hier, wie unwesentlich im Grunde ideologische und organisatorische Grenzlinien im Judentum sind, um cs um das Ganze gehl■' um den Dienst eines wirklichen Menschen am Judentum. Ilcd. mir nie klar gewesen, denn trotz dieses Kampfes hatte cf «ine warme Liebe zu Palästina, und wer weiß, wie cs bei diesem wandelbaren, unfertigen Mann gekommen wäre, wenn er jetzt seine Absicht, nach Palästina zu fahren, verwirklicht hätte. Sicherlich wäre er nicht einer der Unseren geworden, aber das Werk des Aufbaus hätte ihn ergriffen, wie uns alle, und er wäre noch stärker als schon bisher ein Kampfes für Zion geworden. , Henri Bcrgson, der berühmte Philosoph und Nobelpreishjgcr, der erst kürzlich von dem Internationalen Philosophen- {’1״'groß in Prag zum Ehrenpräsidenten gewählt worden ist, ״״t am IS. Oktober seinen 75. Geburtstag. Bcrgson ist der 'Hümmling einer alten Warschauer jüdischen Familie, und R kt eine eigentümliche Illustration der verschlungenen iüdi- 'Mn Geschieht(• des 10. Jahrhunderts, wenn dieser Mann L führende Philosoph Frankreichs werden konnte und heute «Inials als charakteristischer Exponent französischen Geistes (fnannt wird. In seinem Bewußtsein ist Bcrgson vom Judentum!™K entfernt und hat siel! mich nie mit jüdischen Dingen f'häfligt. Erst in sciiu'iit Atterswerk, dem 1032 erschienenen «ch ״Die beiden Quellen der Moral und der Religion“ (in ״ .,Jüdischen Rundschau“ kürzlich eingehend gewürdigt), hat (r sich auch mit jüdischen rcligioiispliilosophischcn Problemen;״'cm,■״!״ווgesetzt, freilich auch dies nicht primär. Trotzdem ״Mi man sagen, dal! seine Bejahung der ״schöpfcri* Entwicklung“ in Abkehr von jeder materialistiwen oder positivistischen Philosophie aus ähnlichen^ Quellen ppcist sein mag, wie der urjiidi .die Gedanke der Schöp- ״״F, mit dem die jüdische Bibel beginnt und der allem .״®sehen Denken zugrunde liegt. Dieser Gedanke des schöpfe- "'dien Geistes, der aus dem'Nichts Welten schafft, ist eine '. wtfhkdcnc Negation materialistischen Denkens, daß cs ״bluffen muß, immer wieder den Materialismus als jüdische charakterisiert zu finden. Freilich ist Bergsons I hilo- Pme des Schöpferischen rein naturalistisch, das _ zentrale -tinent ist bd ihm die Lcbeiissclnvimgkraft (elan vital), aus ״״auch die beide״ Mächte Instinkt und Intellekt hervor- י"» C['- ^,cr der Intellekt, der dem Menschen zur Bcwalti» ly * ״es Lehens dient, vermag nicht das wahre Wesen der d״,? erfassen. Dies vermag ausschließlich die Intuition, 'c der Geist, frei von allen äußeren Zwecken, sich 14t ,r ויי das Wesen eines Gegenstandes versetzt und irr.tu.R?-ci״c Wirklichkeit erfaßt. So wird die Welt zu einer;״*"״, nicht berechenbaren Größe, die aus sich heraus j irjUc, ״ucs schafft. Dieses dynamische Element, diese zen-! u , cllung des ״Lebens" (״Biologismus“) finden wir auch!!"ו, ,''dcc״ jüdischen Denkern dieser Zeit; erst kürzlich liclu,!",•Wlr 3״Läßlich des Todes von Carl Joel auf ahntW '״,:,tcrialistisclie Elemente in seinem Denken hjnwciscfl. 1*׳eit? c‘cLt führt von liier eine Brücke zu der jüdischen Jot״rriu Chassidismus, der nicht zergliedern, sondern die atr״m,. c, Wirklichkeit unmittelbar erfassen will. So manche iL ״"* >m modernen Denken, die das Iiistinkthafte gegenkraft ,1״fcilckt bejaht und die I.ebe11s111ächte_ über die eincn a!r Vernunft stellt, mag direkt oder indirekt in Bcrgson hitnef .r Väter sehen. Sicherlich ist seine Philosophie, die ihrer ,lm Bereich des exakten Denkens bleibt, aber wegen «ine?"״,'1״tischen Elemente und der Brillanz seines Stils oft .äj|,,anf> zu einer französischen Modccrschcinung Woch'?[5tanden worden. Die ganze philosophische Welt ®eister ,1 Bcrgson einen ihrer ganz Großen, den Alt- 5 Werk ״^hilosopliie Europas- (In deutscher Sprache sind Von Joachim Prinz, Felix Gnkhnann ist in London geboren. Als Zwölfjähriger kam er «ach Berlin. Fr war ein hochbegabter Schüler. Seine Neigungen und seine Begabung galten den natiirwissciischaftliehen Fächern. Ein Zufall brachte ihn zum Rabbiner-Beruf. Lin freies Stipendium bot dem armen Studenten die Möglichkeit, ohne finanzielle Schwierigkeiten sein Studium durchzufülircn, Dieser Zufall war selig zu preisen. Er, der aus einem jüdisch uninteressierten Kreise stammte, er, der das Judentum sehr spät kemicutcrntc, wurde ein ausgezeichneter Jude und ein hervorragender Rabbiner. Freilich in diesem seinem Rabbinerberuf spürte man immer noch die Vielseitigkeit seiner Neigung lind Begabung. Wie er überhaupt sehr viel Advokatorisclics hatte und schon von hier aus zum Kampf und zur Polemik neigte, trieben ihn vielseitige naturwissenschaftliche Interessen auf Gebiete, die abseits von den üblichen RabhincrstiuMcn lagen. Er war überhaupt nicht der Typ eines ״Rabbiners“, wie man sich ihn früher vorstelltc. Er war ein ganz eigener Mensch mit eigenem Weg und von eigener Prägung. In Ihm waren viele Züge, die einander widersprechen, vereinigt. Das Advokatorischc trieb ihn zu Arbeiten der Apologetik, das Juristische zu wissenschaftlichen Aufsätzen über das tal- Kindische Recht, das Naturwissenschaftliche zu den frühen Arbeiten über die Flora Palästinas. Ucbcr allem aber stand sein sehr warmes, lebendiges jüdisches Herz. Es trieb ihn zu den Juden. Er war ein glänzender brillierender Redner und ein hervorragender Prediger. Er schrieb eine scharfe Feder (kurz vor seinem Tode hatte er eine Schrift beendet, }lic sich sehr scharf auch mit meinem Buch ״Wir Juden“ auscinaiulersetzt). Aber viel wichtiger als alles das war das Herz, das ihn zu den Juden trieb. Ich habe ihn oft in seiner Sprcchstunde gesehen. Ich sah ihn in unserer kleinen Heimat* gemeinde, wie er zu den Menschen ging. Er war ein Seel• sorg er von Berufung. Er faßte diese Tätigkeit gar nicht eng auf. Sie reichte von der Sorge ntn die Seele seiner Menschen bis zu jenen kleinen und großen sozialen Arbeiten, die in den Begriffen Aufenthaltsgenehmigung, Wanderung, Exmission und in kleinsten Sorgen beschlossen sind. Er wurde so der Vater der Gemeinde und war deshalb ein großes Beispiel. 111 dieser Tätigkeit rieb er sich auf. Er lief von Haus zu Haus, um Juden Geld zu besorgen. Er stand in den frühen Morgenstunden auf, um — ungesehen — in arme Häuser Lebensmittel zu bringen. Er ging eigene Vcrpflichtungen ein, die weit über seine Kräfte gingen. Er gab, wo er konnte. Er gab es — wenn mau will — ohne Vcrantwortung für sich. Er war absolut selbstlos und hat sich oft für andere ruiniert. Bei dieser Arbeit war er mit seiner ganzen Existenz, und deshalb rieb ihn diese Arbeit auf. Viele Sorgen kamen hinzu. Bald erstickte er, der lebendige, immer bereite, immer wache Mann in all diesen Sorgen. Kleinlichkeit, Gemeinheit, Intriguc verletzten ihn tief. Er fühlte skh immer einsamer. Noch in den letzten Wochen weilte er in der alten Gemeinde Oppeln, an der er sehr hing, und die zu ihm vcrelmmgsvoll aufsah. Er brauchte seit Jahren einige wenige Menschen, die ihn mütterlich betreuten. Er hatte bei seiner vielseitigen Arbeit keine Zeit zum Privatleben. Wo ihm diese Zeit blieb, war sie mit Sorge angefüllt. Goldmanns Liebe gehörte den Ostjuden. Schon sehr frühzeitig erschien eine Broschüre über die Sprache der Ostjtidcn. Cr liebte es, jiddisch zu sprechen. In Leipzig hatte er Gelegenheit, diese Liebe zu verwirklichen, und er hat es getan. Goklmann war ein Anti-Zionist. Er kämpfte mit Leidenschaft gegen uns. Die Quellen dieses Kampfes sind Die Trauerfeier Leipzig, 12. Oktober, Heute haben die Leipziger Juden ihren so unerwartet ab* berufenen Ocmrindcrabbmcr Dr, Felix Goldman zur letzten Ruhestätte geleitet. Die unübersehbare Fülle von Menschen, die schon bei der Trauerfeier in der Synagoge und besonders bei der Beisetzung auf dein neuen Friedhot ihrer Verbundenheit mit dem Verstorbenen noch einmal Ausdruck gab, legte wohl am beredtesten Zeugnis ab für die große Liebe, die sich Rabbiner Goldmann während der 17 Jahre seiner Tätigkeit hier erworben hat. Sprechender war diese stumme Anteil- «ahme der Tausenden, die einfache und würdige religiöse Feier in der Synagoge, als viele Reden hätten sein können, Uehcr den Tod hinaus zeigte sich hierin die schlichte, bcscheidcnc Art des I)al1i11gcga11gcnc11, der sich ausdrücklich Ansprachen verbeten hatte. Man ehrte den Wunsch des Vcrstorbenen, so daß ausschließlich Gcincindcrahhincr Cohn in einer tiefempfundenen Ansprache den Dahingeschiedenen wür*' digte. Doch sei es gestattet, an dieser Stelle wenigstens mit ein paar Worten den Gefühlen Ausdruck zu geben, die uns Leipziger Zionisten beim Tode dieses unseres ״Gcg* ners" bewegen. t Man muß wirklich das Wort ״Gegner“ in Anführungs* reichen setzen; denn wenn cs auch wahr ist, (laß wir mit dem von uns hochverehrten Toten ideologisch die Klinge kreuzten, so geschah es doch stets in Freundschaft und Achtung. Nie verließ uns das Bewußtsein, daß wir hier einem Manne gegenüherstanden, der zwar theoretisch unsere Anschaumigen nicht bejahen konnte, der uns aber in der praktischen Arbeit für das Judentum so überaus nahe stand. Ls war ganz eigenartig: Dr. Goldmnnn war eine führende Persönlichkeit innerhalb des Central-Vereins; aber er geholte auch /u den ersten, die in Deutschland für den Keren Hajcssnd cintraten, zu den Mitbegründern des Initiativ* konntces für die Jcwish Agency; und er hat sich stet« mit großer Wärme und Hingabe aktiv für den Palästina-Aufbau eingesetzt. Sein pKStzUcher Tod fraf ihn In den Vorbcreltungen zu einer Reise nach Palästina, und an dem Tage, da er die Reise antrefen wollte, hat man ihn zur letzten Ruhe bestattet. Gerade wir Zionisten erhofften uns viel von dieser seiner Fahrt nach Ercz Israel in der heutigen Zeit. Dr. Goklmann war ״deutscher Jude“ in jeder Hinsicht, ein alter KCcr, der die Traditionen seiner Verbindung zu jeder Zeit immer hochhiclt. Niemand aber hatte ein so tiefes Verständnis für das Ostiudcntum wie er, für die besondere Problematik des Lebens der Ostjuden in Deutschland, die ja in Leipzig besonders zutage tritt. Unermüdlich tätig für alle die, die sich um Hilfe an ihn wandten, wußte er unendlich viel Not zu lindern; und viele, viele Familien danken ihm ihre Existenz. Eine Reise nach Polen, ins Herz des ostjüdischen Lebens hinein, vertiefte noch seine Be- Ziehungen zum jüdischen Volksleben. Im Gegensatz zu andern liberalen Rabbinern trat Dr. Goldmann, einer der führenden Köpfe des jüdischen Liberalismus, schon frühzeitig für ein Postulat ein, das ihn gerade uns Zionisten nahcbrachtc: für die jüdische Schule. Diese seine positive Auffassung begründete er nicht mir theoretisch, sondern er stand auch bei jeder Gelegenheit mit Rat und Tat bei der Arbeit an unserer jüdischen Schule zur Seite. Und worin liegt das Geheimnis dieser Persönlichkeit, die solche scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze In sich vcreinen konnte? Einfach darin, daß Dr. Goldmann jenseits aller Parteidifferenzen und Religionsstrcitigkciten das war, was uns allen als Ziel vor Augen schwebt: Ein ganzer Jude! E. M. Dr. Josef Löwenherz Von Dr. Jakob Rosenthal Wien, 12. Oktober 1034. Eine der markantesten Persönlichkeiten, die im jüdischen und zionistischen öffentlichen Leben Wiens eine führende Stellung entnehmen, der Wiener Rechtsanwalt und langjährige Vizepräsident der Wiener Kultusgemeiiide, Dr. Josef Löwen herz, feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Der begeisterte Zionist Dr. Löwenherz hat cs in fast jahrzchntclanger Zusammenarbeit mit der früheren nlchtzionistisrhen Majorität des Kulfusvorstaiides durch seine auch von dieser Seite vielgerühmte Objektivität verstanden, sich in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt und bei allen Parteien des Kultusvorstandcs größter Wert- Schätzung und Achtung zu erfreuen. Daß die Wiener Kultusgemeinde, diese zweitgrößte Judcttgcmciudc Europas, heute von Zionisten geleitet wird, ist nicht zuletzt der unermüdlichen Arbeit des Dr. Löwenherz zu danken. Im Rahmen eines vom Zionistischen Landesverband für Oesterreich veranstalteten Vortrages des aus Amerika zuriickgekchrtcn Jubilars über ״Amerika, wie ic h es s a I1“ wurden an Dr. Löwcnlicrz vom Präsidenteil der Kuliusgemcindc, Dr. Dcsidcr Friedmann, dem Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich, Dr. Oskar G r ii 11 b a 11 m, dem Vertreter des Kultusvor* Standes und der österreichischen Zionisten, Kultusvorstcher Dr. I. H. Körner, in Anlehnung an die Ucbcrrcichung einer Reihe von Geschenken, wie einer Urkunde über die Eintragung Dr. ,Löwenherz.’ in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds, einer von den Wiener Zionisten veranstalteten Dankadresse und der Urkunde über eine Parzelle Palästinabodens im Gebiete des Karmel bei Haifa, herzlichste Ansprachen gerichtet. Der Abend, an dem alle Schichten der IV/? J ,.I;. — i. — t) 1/ A/t IH TV u. •i ■* 14 si al M WIMÜM festlichen Charakter hatte, erhielt sein besonderes Ge« präge durch die Anwesenheit des Gesandten der Vereinigten Staaten Amerikas, Mr. Mes* sersmith, in Wien, der mit Interesse den Ausführungen des von Amerika begeisterten Dr. Löwenherz, über seine Eindrücke in der Neuen Welt folgte. Zum Schluß war der Jubilar Gegenstand herzlicher Ovationen. , Wtrk« Bergsons im Verfag^DiSerS! Jena, erschienen.) Wiener jüdischen Bevölkerung tcilnahmen und der einen Mit dem Tode von S. Fischer, der ani 15. Oktober hfl 75, Lebensjahre gestorben ist, entschwindet eine überaus markante Figur des deutschen Verlagswesens. Fischer gehörte zu den Juden, die lebhaften Anteil an dem Wirken jenes jiingeren literarischen Kreises in Deutschland nahmen, der bahn* brechend wurde für eine bestimmte Epoche der deutschen Literatur. In der von ihm herausgegebenen Zeitschrift ״Freie Bühne“ (später ״Neue Rundschau“) sammelten sich die jüngeren Kräfte, die eine neue Richtung in Literatur, Kunst und Geistesleben durchsetzen wollten. Oerhart Hauptmann und Hermann Llcssc, Shaw und d’Anntinzio, Ibsen und die großen nordischen Schriftsteller und viele andere wurden durch Fischers Zeitschrift lind durch seinen Verlag in Deutschland bekannt. Zu den von ihm herausgegebenen Auto* ren gehörte auch eine Reihe von jüdischen Schriftstellern, wie Jacob Wassermann und Arthur Schnitzler, Richard Bccr-Hofmann und Peter Alten berg. Fischers literarischer Helfer und Berater war Moritz Hei« mann, dessen Verdienste noch heute nicht voll gewürdigt sind. Durch Hcimann und Fischer wurden im Laufe der Jahre viele später (und auch, heute noch) anerkannte große deutsche Schriftsteller der Oeffentliclikeit vorgestellt. In einer veränderten Zeit, die seine Wjrkungsmöglichkeit sehr ein* schränkte, ist Fischer, der als Jude nicht hervortrat, ge* storben. Man wird jedoch seine Verdienste mit den Maß« staben seines Zeitalters messen müssen. t i ‘ ' i! * 1•.*•*/־ r!n 'ivוו!׳::״ w! 1V ' י' t-f!

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