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Jüdische Rundschau · 1934-10-16 · Heft 83 (16.10.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 83 (16.10.1934)
Date
1934-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODfSCHE RUNDSCHAU Nr■ 83, 16. X, 1934 Easscufrage und Judentum In der Kölner Messehalle lührlc Gauleiter Orohl beim Gaimarteit.ig der NSDAP. nach einem Bericht des ״Deutschen Nachrichtenbüro*'* über Rassefragen u. a. aus: ״Unser Jam liegt im wr>1lirhrn (irliiet des Reiches. Und wenn ein (Srcnigebirt im besomlereii Maße Ilollwcrk unseres Volkxtmncs sein soll, müssen wir hier der Rassen frage immer unser be * Sonde res Augen merk znwciidoii, Wenn wir Nalionulsorinlislen von der Riiwnfra(;« sprechen, wollen wir, wie das oft milhenlisch betont wurde, damil keiner f leringsehalrung der Völker linderer Rassen Ausdruck gehen. Wir denken vielmehr in erster f.inie nn jene rassische (Ichilir, die dtts Judentum (iir alle!irischen Völker bedeutet. Der gesunde Instinkt unserer Volksgenossen mutt so gepflegt werden, 1|:1ß rmtntil (I e s e tz e gegen die Judengefahr in Deutschland als illterlHiesig erachtet werden können. Es ist notwendig, daß gerade unserer Jugend mich die wissenseliaftlu heu Erkenntnis•« auf dv!n Uehirte. der Rnssenlrage niihergebrncht werden." * Der ,,W e s 1111• 111 s c h c Beobachter", Köln, vom 8. Oktober beschäftigt sich in einem Artikel: ,,Nichtarisch״ von Martin Schwache mit der Behandlung der Judenfrage im nationalsozialistischen Deutschland, Der Auf- Satz schließt mit folgendem Restitnf•: ״Unsere Leser wissen, daß die Judcnfrugc für uns nicht irgendeinen jwditisehen Teilabschnitt bedeutet, somkrn als du» A und ü des Lcbcn'kumpfcs der weißen Völker ilherhuupt ungesehen werden muß. Um so erfreulicher und bedeutungsvoller ist, duß Gauleiter Crohj erst unlängst wieder gelegentlich der Kundgebung der HUM. in Köln unsre U 11 n!1 c. h g i c b i g k e i t in dieser Hinsicht betont hat. Ausführungen, die durch eine inzwischen erfolgte Anordnung des Stellvertreter» des Führers, die vor geturnten Judcnfreumbchutlcu und ihrer Unterstützung warnt, noch einmal unterstrichen werden. An uns aber liegt cs, über der Ausführung der Weisungen unsrer Führer täglich und überall gu wichen I" Rasse und Weltanschauung ln den ״Nationalsozialistischen Monatsheften“, Heft 55 (Oktober 1934), schreibt Prof. Dr. Lothar O. Tirala, München, über ״Rasse und Weltanschauung“. Er sagt u. a. folgendes: ,,Fine vergangene /.eit hui, wenn von Kusse gesprochen wurde, lediglich muh den unulomischen Merkmalen gefragt, in welchen sieh die Russen unterscheiden. Erst allmählich lernte nrsn auch die. gtisligi'ti und seelischen Unterschiede als Frlnm־r|irnnlc der eiirzeliten Kassen kennen. Das leinsle und zarteste Gebilde einer Russe, gleichzeitig auch die Krönung und Vollendung ihrer seeiizehen Kräfte ist ihre Weltanschauung. Artreine, rassereine Menschen 11:11! e n die Weltanschauung, 11 i e ihnen gehört, linslartle werden da und dort hingezogen. Wir müssen daher dir* Weltanschauung rassereiner Menschen Iretrurliten und untersuchen, oh ein wirklich rassereiner Mensch die Weltanschuuung einer amleren Kusse übernehmen kann. Wir dürfen uns durch das llinelimen der Huslarde oder der bnstardirrlen \'ölker nicht tiiiisrlwn lassen, wie z. II. der Juden, deren Vertreter in allen I.ngrrn zu finden sind, von denen einige versuchen, Kan-!!aner zu sein, andere Spinozislen und noch andere wollen originell sein und «ihren z. U, wie II. Berg-ain Schopenhauer unter neuen Mn׳ keil ein, die viertelt schwören auf Karl Marx und!«׳geistern sieh für dir 'riu'orie ries Holsrhcwisimrs, die nächsten sind Xionisten und hängen nn! Allen Teslamenl, und sehr viele lüchcln als Skeplikct üln:r alle diese Versuche.“ Wir wollen nicht die Frage aufwerfen, ob man die Juden in höherem Grade als andere moderne Völker als b a s t a r - diert, tl. h. durch Rassenkreuzung entstanden, bezeichnen kann oder ob nicht gerade umgekehrt das jüdische Volk seit Jahrtausenden verhältnismäßig wenig fremdes Blut aufgenommen hat. Unabhängig von dieser Fragestellung scheint es uns ein Irrweg zu sein, die Weltanschauung der einzelnen Menschen je nach ihrer Rasscreinheit normieren zu wollen und so eine ״vorschriftsmäßige“ Anschauung fcst/ustellen, der gegenüber alle abweichenden Ansichten als Ausdruck einer Bastardierung erscheinen. Ein solches Unternchmen dürfte bei keinem Volke möglich sein, ohne daß entscheidende Gebiete seiner geistigen Leistung 90 diffamiert werden. Von der in diesem Zusammenhang ganz fehlgchenden Einordnung des Zionismus sei dabei ganz abgc•• sehen ...I Die «,Raffgier körperlicher Organe״ In der Zeitschrift ״V o I k s g e s u n d h e i ts wa c h t“ . Di ■׳"־r > ו י־׳יו ר> ,.;J V, o München, Nr, 1, beschäftigt sich br. med. Stähle, Stuttgart, mit dein Thema: ״Blut und Rasse“ und untersucht dabei dir Frage, ob bestimmte Krankheiten auf einzelne Rassen beschränkt sind. Er sagt in diesem Zusammenhang U. a. folgendes: ״So kommt die Sielit'lzcIlenlihiUnnut ausschließlich bei Negern und Muhitien vor, niemals bei Europäern, auch wenn sie noch so lange in den Tropen wohnen. Ferner kennen wir zwei weitere Ktunkheiten, die imssehließli! h hereditär in jüdischen Familien oder bei Abkömmlingen von Juden auüreten; cs handelt sich dabei um S|1eirl1c1uug.kr.111kheiten bestimmter Gcwebesyalemc und es ist ein ausgezeichneter Witz der Biologie, daß diese S|1eicl1cru11gskränklichen nur Juden betreffen: selbst in der Krankheit kommt noch die Raffgier ihrer körperlichen Organe zum VorseJiein." Ein ״Witz der Biologie?“ — Diese Art medizinischer Betrachtung dürfte von den Vertretern der Wissenschaft jedenfall* nicht als ernsthaft gewertet werden. Der Essener Aerzicprozeft Wir berichteten in Unserer letzten Nummer über den in Essen diireligcfiihiten Abtreibungsprozeß gegen zwei jüdische Acrztc. In diesem Proczß ist inzwischen das Urteil gefällt worden, durch das die beiden Angeklagten zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u, a. aus, daß cs sich für das Schwurgericht lediglich um einen reinen Krimitialfall gehandelt habe und um nichts anderes. Der Staatsaiiwnlt hatte nämlich in seiner Anklagerede erklärt, daß Unterschiede der Rassen zu gehört g k e i t für die Beurteilung des Falles von Bedeutung seien. Der Direktor den Keren llajessod, Leih Jaffe, hielt aich auf seiner Rückreise von Südafrika einige Tage in der Tschechoslowakei auf, um die große Hcrbutkamßagne des Keren llajessod einzuleiten, In einem längeren Gespräche mit unserem!,rager Korrespondenten berichtete Jaffa über die erfolgreiche Aktion in Südafrika, die er gemeinsam mit Soholmo durch dreieinhalb Monate geleitet halte. h. I. Prag, 10. Oktober 1934. Flug über Afrika Jaffe und Sokolow legten ihre Reise von Palästina nach Südafrika im Flugzeuge zurück. Die Fahrt von Kairo über ganz Afrika nach Johannesburg dauerte sechs Tage. Sie wurden auf allen Stationen während der Reise von den jüdischen Gemeinden auf das herzlichste begrüßt. So veranstaltetcn die Juden von Nairobi in Kenya ־- an der Grenze von Uganda — einen großen Empfang. Die dortige Kehilla, die ca. 3(1 Familien z1.״lt, batte im Vorjahr sieben deutschjudische Einigrantcnfamilicn aufgenommen und will deren Zahl im kommenden Jahre noch um weitere zwölf Familien vermehren. Auch in Khartum, in Salisbury (Rhodcsia) und vielen anderen Orten wurden sie mit großer Freude als Boten aus Palästina aufgenommen. Auf den Stationen, die Sokolow und Jaffc nur fagsiiber kurz bcrührten, fanden sich stets die Vertreter der jüdischen Oemeindcu ein, die hocherfreut waren, wenigstens für eine kurze Zeit den Kontakt mit der großen jüdischen Welt aufnehmen zu können. Ein paar Zahlen In Südafrika leben an 80 000 Juden, die zumeist aus Litauen eiiigavamlcrt sind. Es ist dies ein guter jüdischer Menschenschlag, der die besten Traditionen des litauischen •Judentums nach dem fernen Kontinente gebracht hat. Die südafrikanische!( Juden nehmen die Arbeit für Palästina, Insbesondere fiir die zionistischen Fonds, überaus ernst, bedeutet doch gerade ihnen, die von der übrigen jüdischen Welt so ziemlich abgcschnittcn sind, die Berührung mit Palästina und dessen Sendboten ungeheuer viel. Der Keren Hajesaod veranstaltet alle zwei Jahre eine große Kampagne, die bisher durchwegs großartige Ergebnisse gezeitigt haben. Im Jahre 1928, zur Zeit der größten Prosperity in Südafrika, erzielte er einen Eingang von 128000 Pfund, im Jahre 1930 84 000 Pfund, im Jahre 1932 76 000 Pfund und dieses Jahr 140 000 Pfund! Also ein Rekord^ der selbst in den besten Wirtschaftliehen Zeiten nicht erreicht wurde, eine Summe, die umgerechnet über D/1 Millionen Mark beträgt. Dabei sind das nicht die einzigen Leistungen der südafrikanischen Juden. Groß ist die Summe, die ständig In Südafrika für den Keren Kajemeth Lciisrncl aufgebracht wird -- durch die letzten Leistungen hier wurde cs dem KKL überhaupt erst ermöglicht, neue große Bodenkäufe im Scharon zu tätigen Jahraus, jahrein kommen Boten aus der ganzen jüdischen Welt nach Südafrika, um für die verschiedenartigsten Zwecke zu sammeln und keiner kehrt mit leeren Händen heim. In den letzten Jahren haben auch südafrikanische Juden große Summen in Palästina investiert, u. a. die Bank ״Binjan“ und eine Investment Company gegründet. Mißernte, Heuschrecken, Antisemitismus Die wirtschaftliche Lage bat sich im vergangenen Jahre nur in bestimmten Teilen des Landes gebessert, so In Johannesburg, wo deutlich ein Aufschwung zu verspüren Ist. Jm allgemeinen ist die Lage jedoch noch ziemlich schwierig, da ein Großteil des Landes auf die Landwirtschaft angewiesen ist und die Preise der Hauptproduktc (Mais lind Wolle) am Weltmärkte beträchtlich gefallen sind. Die Juden, die zumeist in den kleinen Orten wohnen, bekommen dies nafiirlieh deutlich zu spüren. Dazu kommt, daß die Farmer vielfach dazu übergehen, ihre Einkäufe und Verkäufe direkt in den Städten zu besorgen und so via facti die Juden aus dein Zwischenhandel, den sie bisher in starkem Maße innchatten, ausschnltcn. In der Provinz Oranjc-Frccstatc, in der zahlreiche Juden siedeln, gab cs Im vergangenen Jahre eine besondere Dürre und dieses Jahr große Heuschreckenschwärme, denen große Teile der Ernte zum Opfer fielen. Aber auch eine antisemitische Bewegung gibt cs bereits in Südafrika, die Grauhemden, die in ihrer Agitation so ziemlich die europäischen Antisemiten kopieren. Es wurde darum von den Juden des gesamten Landes mit großer Freude begrüßt, daß Nahum Sokolow in dem bekannten Prozesse um die Protokolle der Wci ״n von Zion in so wirkungsvoller Weise vor Gericht aufgetreten und dieses die ״Protokolle“, die in der Agitation der Orauhcmdcn bereits eine gewisse Rolle spielen, vor aller Öffentlichkeit als plumpe Fälschung deklarierte. Gefahren für die dritte Generation Aber auch andere Gefahren bedrohen das südafrikanU i, Judentum. Die dritte Generation, die jetzt Im Lande her wächst, Ist einem Fntjudungspro/eß ausgesetzt tu erste Generation brachte noch reiche jüdische Tradition!! eine starke Verbundenheit mit jüdischen Werten nach W afrika. Die zweite Generation spürte noch einen Hauch * all dem In ihrem Fltrrnhause; die dritte jedoch weiß sehr wenig von all dem. Sie versteht meist nicht nie!» jiddisch wie Ihre Vorfahren, sondern spricht die beid Landessprachen, englisch und africamls (eine Art hollärnfeS!? Sic wächst in den allgemeinen Schulen auf, mit mangelhaft^.' jüdischen Wissen und geringer jüdischer Bildung. י Der Zionismus In solcher Situafkm vergangenen Jahren trat der Zion Ismus auf. |n a_ . .. , besuchten unsere bedeutsamsten V« treter Südafrika und haben hier neben ihrer rein pronj״,' dlstlschcn Fondstätigkeit eine noch unübersehbare judij״ Erziehungsarbeit geleistet. So besuchten außer Sob low, der bereits zum zweiten Male in Südafrika arbeitet(’ u. a. Weizmann, Schmarjnhu Lewin, der verstorbene |eJ Melchctt, Alexander Goldstein, Wcdgewood, Colonel Khö Mossinson, liarzfcld und Parat/, das Land. Die beiden letzt(! ren, die im Aufträge des KKI. im Vorjahre dort tätig wlrn1' übermittelten auch den südafrikanischen Juden die Kennt!:» des palästinensisch-hebräischen Volksliedes, das Jaffc 11®. mehr selbst in den entlegensten Winkeln des Landes hörte* Fs gibt in Südafrika in allen Städten und Ortschalte« wo Juden siedeln, gute zionistische 0ruppen, eine hervor! ragend arbeitende Wizo, eine zionistische Scoutorganisatjo«' die ״Hahonim“, die beute schon über 2t 100 Mitglieder zahlt- und eine starke zionistische Jugendorganisation mit 4 fe! 5000 Mitgliedern. Die Jugend beginnt jetzt mit großem Im hebräisch zu lernen und wird so immer aufnahmefähiger für jüdische Werte und jüdisches Wissen. Die tm. bende Kraft in dieser Wiederbelebung des südafrikanisch(! Judentums bilden jedoch seine zahlreichen Palästina, touristen. Im letzten Jahre besuchten über 200 »y. afrikanische Juden Palästina und kehrten als begeistert( und höchst aktive Propagandisten unseres zionistischen Aul• bauwerkes in ihre Heimat zurück. Bei einem Empfange, der ihnen zu Ehren im Emek Jcsrcel veranstaltet wurde, erklärte einer der Führer des südafrikanischen Judentums: ״Wir haben bisher sehr viel für Palästina geleistet, viel mehr vielleicht als die übriger! Judcnliciten. Aber als wir hier im Lande sahen, was mit diesem Gelclc geschaffen wurde, erkannte! wir, daß unsere bisherigen Leistungen noch viel zu kleta waren.“ Diese Stimmung ist heute in ganz Südafrika anu• treffen, Palästina ist in das Zentrum des Interesses und der Aktivität gerückt. /Ms das Flugzeug, das Jaffe nach Sudafrika brachte, für eine Stunde in Bull.away in Rhodesien hielt, fanden sich tSie Vertreter der jüdischen Gemeinde au! den Flugplätze ein und der dortige Rabbiner Dr. Cohen erklärte In seiner Ansprache: ״Wir südafrikanischen Juden waren ul dem besten Wege auszusterben, aber der Atem Palästina und des zionistischen Aufbauwerkes hat uns gerettet.“ Ein Telegramm aut der Rückreise Sokolow und Jaffc haben insgesamt sechzig ver• schiedcne Orte Südafrikas aufgesucht. Sie sprachen aut großen Kundgebungen, in Versammlungen der Frauen und der Jugend, in privaten Cercles mit führenden und mit einfachen Juden, sie warben für den Keren llajessod, für den Zionismus, für die hebräische Sprache. Die gesamte rin• nlstischc Presse berichtete mit großer Freude und 5Mt von dem Rekordcrgchnis ihrer Arbeit, aber die groß« Freude hatte Leib Jaffc von einem Telegramme, das ih# einer der Führer der zionistischen Jugend Südafrika» 1»! das Schiff sandte, mit dem er seine Rückreise angetrefe! hatte: ״Sic können ruhig heimfahren. Die hebräische Sprache wird von nun an den wichtigsten Platz in der Arbeit der Jugend einnehmen.“ Südafrika als Beispiel Die Leistungen der südafrikanischen Juden sollten w Ansporn für die Judcnhcit in der ganzen Welt sein, w In keiner Phase des zionistischen Aufbauwerkes war ®: Arbeit für den Keren llajessod so notwendig und wicht:( wie heute. Aus aller Welt drängen jüdische Massen Md! Palästina; immer stärker wird die Forderung der zkmistischfä Jugend nach Ansiedlung in der palästinensischen Landwirt• Schaft. Die Erkenntnis, daß cs höchste Zeit sei, eine gesurn* PropoHion zwischen Dorf und Stadt hcr/ustcllcn, ist bereifi allgemein. Es Ist der Zeitpunkt gekommen, in de״ « Keren Hajcssod wiederum vor ungeheure Aufgaben ge«'1׳ eine große Offensive in aller Welt entfalten muß. 1 ץ dies ihm um so eher möglich, als er in vergangenen b״f einen bedeutenden Teil der Schuldenlast seiner fw״fj kolonisatorischen Tätigkeit abgetragen hat. Die Verhandlung für eine große Anleihe sind sehr günstig. ״״Liquidation, Die 15. Kreisiagung de! Makkabi Vom 12.—14. Oktober fand in Berlin die 15. Kreistagung des Deutschen Makkabikrciscs statt, die durch einen Festgottesdienst eröffnet wurde, bei dem Dr. Joachim Prinz, eine Ansprache hielt. Am Samstag abend fand eine große Kundgebung statt, bei der Dr. David Schloßberg über das Thema ״Der Weg der deutschen Juden“ referierte; ־ zahlreiche Vertreter jüdischer Organisationen wohnten dieser Kundgebung bei. Im Mittelpunkt der Sonntagstagimg stand das Referat von Dr. Hans Friedenthal ״I ian und Gestaltung — Makkabi heute und morgen“. Nach «1״er ausgedehnten Generaldebatte wurde das neue Prä- * 1 d i u m des Makkabi-Kreisea gewählt; zum Präsidenten wurde Dr. Hans Friedenthal bestellt; ferner gehören Präsidium an Rechtsanwalt Dr. Ra bau und Paul dem Lewinsohn. Wir kommen auf diese Tagung im Sportolatt umierer nächsten Nummer noch ausführlich zurück. Dr. Friedrich Broduitz, uns wohlbekannt als einer der ersten Nichtzionisten in Deutschland, der für das Palästina- Werk und die Jewish Agency cingetrctcn ist, nimmt in der letzten Nummer der ״C.-V.•Zeitung“ 7.u dein in der ״Jüdischen Rundschau" am 5. Oktober erschienenen Aufsatz ״Liquidation durch Aufbau“ in einer Erwiderung Stellung, der er die Ucbcrschritt gibt ״Aufbau durch Liquidation?“ Ls ist keine Polemik im üblichen Sinne, sondern ein im kameradschaftlichen Geiste gehaltener Appell an 1ms, den jüdischen Menschen, die am Palästina-Werk mitarbeiten wollen, eile Aufgabe nicht zu schwer zu machen, indem wir mit der Propaganda des Palästina- Gedankens eine ״Abwertung des deutschen Judentums" verbinden. Von ״Liquidation“ dürfe nicht gesprochen werden. Auch wir wollen nicht polemisieren, sondern nur ein Wort der Aufklärung hliizufiigen. Liquidation ist nicht unser Programm, Wir Zionisten brauchen nicht nt beweisen, daß wir für eine innerliche Erneuerung des jüdischen Lebens in Deutschland ebenso unsere Kraft einsetz.cn, wie für die Rcttung der äußeren' Positionen, die Juden im Wirtschaftsleben innc haben. Ganz abgesehen davon, daß schon vor zwanzig Jahren die Einsicht sich durchgcsetzt hatte, daß ein starke* Palästina nur von einem starken Galuth «!!!gebaut werden kann, sind wir auch nicht blind fiir die Eigenwerte, die im Gnluthjudentum vorhanden sind. So z. B. wissen wir die gewaltigen Energien, die in den letzten zwei Jahren — leider bedurfte es freilich dazu eines Anstoßes von außen — im deutschen Judentum ausgelöst wurden, woM zu bewerten. Aber deswegen dürfen wir doch nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, daß sich ein Abbröckelung»- prozeß de* deutschen Judentums seit Jahren vollzieht. Ganz abgesehen von biologischen Momenten wie Geburtenrückgang und Ucbcraltcrung, gibt cs hierfür wirtschaftlich' soziale Gründe. Der angefochtcnc Artikel galt der " , des Hcchaluz, dessen Aufgabe cs ist, für die Jugend Berufe zu erarbeiten und ihr den Weg in neues Lau ebnen. Was aber soll sonst mit einen! großen Ten . Jugend geschehen, nachdem ihr in Deutschland Betätigungen außerhalb des Handels versperrt sl™״: ,'. ׳! alle sich in den auch schon überbesetzten Händlcrbcrut gen? Sollen sic ungeordnet in Länder auswandern, w״ ihnen den Weg zur Arbeit sperrt? Die ״Liquidation tu. — ganz unabhängig von unseren Wünschen — ein' י1״" fclbare Tatsache. l)ie Frage lautet nicht: ״Liquida''״" nicht“, sondern: ״Verzweiflung oder Aufbau.“ LJnd der deutsche Hcchaluz einer vieltausendköpfigen JuP0״ Parole gibt; die Liquidation, die an! deutschen Judcntu sich geht und euch in den Strudel hinabreißt, darf cu ^uLffS1 zur Verzweiflung, sondern muß euch zum Aufbau י dann ist dies unseres Erachtens eine Haltung, die *1״״ei! unabhängig von unserer Partcistellung und unseren ש anschauungen, billigen und unterstützen ״'ils5C״' Diese Sache hat gar nichts zu tun mit der Bewert derjenigen Menschen, die in Deutschland bleiben uno ein jüdisches Leben aufbauen. Davon, daß diese eine ״un'rtjk£( bare Gemeinschaft“ seien, steht nichts in unserem ״ vielmehr heißt es darin ausdrücklich, wir wünschen,״ enge Beziehungen zwischen den Teilen hier und dort e ״ bleiben“. Aber wir glauben — und das ist keine sondern unsere durch viele Erfahrungen bestätigte Ans* daß der neue Typus des Chaluz auch für viele junge Mens die diesen Weg nicht gehen, rieht un BK eben wird, und daß sie in gewissem Sinne dem Chaluz PaBl< werden. Denn er geht voran und bahnt einen weg. ״ wir uns glücklich, daß wir Kräfte des Aufbau* hao*81

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