Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 83 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*JÜDISCHE RUNDSCHAU־ Seite 3 |ik pr\ Erjni k הי)| In, ■eh fcc, |h irrfüe per k per len |ic. it;1t Ben |bci zu je«. hu Ihrfcms fei* lach Kf. 83* 16 X, 1934 nff* ״* 1־־r “ ן־ז" ■י c J »ril.-1 Sombart und die Judenfrage f _ fl1 ..,״ Für jeden, der die Geschichte der europäischen Völker .h 'hlirkf, Heut <ln' ''',י,,1״' a״f der H;״'d’ das Juden- ,״fr ״ml die Juden als Volk einen wesentlichen Einfluß auf ,״Ablauf dieser (״;schiente und die Bildung der Welt- ,dwu«"Kc" ßci,s,ht 1,'1״’f״; l),csc Erkenntnis, die für alle «;״tiichen Länder mul Volker mehr oder weniger Geltung ״‘ nun Anlafl, dal) von ihr aus immer wieder ver- Lt eiM ־"י, ״•;• ־,״־ , ’,׳׳;׳■־־™ Hl ״rht " ird, dem Judentum einen beherrsche n d e 11 Ein- 11 ,uf den (ieschiehtsverlauf /!!/.״schreiben. Je Unverstand- 'h(.r den Mitlebende״ besonders in Zeiten der Krise die in/diu'i! Ereignisse oft_ erscheinen, um so stärker wird der [SranR, vereinfachende die Vorgänge ״urticr wieder ■׳ W1Cht hinter den Ereignissen zu vermute״. Formeln /u suchen, aus denen sich erklären lassen, und dam. finden wir auch Bemühungen, das Judcihim als wirkende »uns; 1!'er iwit Igen fickt 1bilien ist. ihr■ ck I miß ■־ KC‘ 1 und I abe Rf״ I üb- ׳ird R0j den i ide zu in cn■ :11 e rde der 11 er RR 3eerter cmd ind mt• crc ll der -erS Itzt וסן Ion insr die 01ו »et 11• ren itJ• .!ס¬ ¬ס); tn n« rn- 8 es ich 1ml!10•;er, ien «ul * fa jintcr Imperialismus können wir hier verstehen: n:f jierischalt der einen Nation über die andere. Wenn wir ' cn: der Nation, so schlichen wir damit die Herrschaft «einen Volkes im ethnischen Sinne über das andere ohne staatliche Machtmittel ans, also die ,friedliche Durchdringung j(r Kultur‘, wie sie in der ,! Ierr; cliaft‘ etwa des griechischen Volkes in der hellenischen Zeit oder auch des jüdischen Volkes in der modernen in die Erscheinung tritt.“ Diese Sät/c ,1)ן(| ein vortreffliches Beispiel dafür, wie ein (ieschichtstictraehtcr den Versuch macht, ״hinter“ den sichtbaren Vor- ״n(!cn einer bestimmten Epoche eine wirkende Macht an- ,,iflclmicn, deren Erkennung durch aufmerksame Unter- *liuitR der Vorgänge möglich ist, und wie hier das jüdisch e Volk als eine solche Kuliurinacht bezeichnet ״in!. Die zitierten Sät/c entstammen dem vor kurzem er-!thienenen neuen Buche von Werner Sombart: ״Deut- ,eher S o / i a 1 i s in 11 s“ (Verlag 1)110111101/ (V Weißwange Vj, m. 11■ f I.» Herlin-Uharlottcnbiif'g), in dem sich Sombart fidirlach mit der Kollo der Juden innerhalb des deutschen Volkes wie in der euronäiselien Entwicklung überhaupt uud 1״t ihrer Stellung im Rahmen des durch ihn formulierten Deutschen Sozialismus hcscliäf'igt. Vor bald 25 Jahren hat Werner Sombart sich bereits iiisluhrlioh über das Judentum geäußert. Im Jahre 1011 erschien sein Huch: ״Die Juden und dasWjrtschaftsleben“, in dem er den Anteil der Juden am Aufbau der kapitalistischen Wirtschaft iiachweiscii wollte. Damals ent- (Und eine heftige Diskussion über die von ihm vor-!retcucn Ansichten, Bei aller Kritik, die itn rin/clucn an der «ombartscheii Auffassung vom Wesen des Judentum« 7u!ihcn war, konnte doch nicht verkannt werden, dal) hier ein bedeutsamer Versuch Vortag, Licht auf den Ablauf der (iochichic zu werfen. Insbesondere von zionistischer Seite wurde dies ohne falsche Empfindlichkeit anerkannt, und t< bestand seitdem die Möglichkeit, mit diesem bedeutenden Vertreter der wissenschaftlichen Welt die Judenfrage zu erörtern. Daninls sagte Sombart, daß absichtlich die a n deren Faktoren, die am Aufbau des modernen Kapitalisnms beteiligt gewesen sind, von ihm nicht erwähnt werden. Damit solle aber deren Einfluß nicht etwa geleugnet «erden. ,,Man könnte mit ebensolchem Rechte ein Buch über die Beileuliing der nordischen Rassen fiir den modernen Kapitalismus schreiben; oder könnte mit demselben Rechte, "io ich vorhin srigtc: ohne Juden kein moderner Kapitalismus, den Satz prägen: ohne die Errungen schäften der Techmk keiner, ohne die Entdeckung der Silberschätze Amerikas keiner.“ Diese vorsichtige Betrachtung der Dinge hat snmbart, wie es scheint, im l aufe der vergangenen Jahrreimte erheblich zugunsten einer einseitigeren Methode ab-;!׳schwächt. Jetzt bekämpft er den Kapitalismus und '■'!II ihn durcii ein neues System ahlösen, das er — in Anifhnnng an ein schon früher gebrauchtes Schlagwort -- .heu t sc h c r S 0 / i a I i s m u s“ nennt. I lieser unterscheidet 'di in wesentlichen Punkten von dem System, das (lern Nationalso^i a lisin 11s als Endziel zugrunde liegt, “״d sneli bei der Behandlung der Judenfrage kommen diese l'ntcrsehicde in Sombarts Buch /um Ausdruck. Für ihn ist * .,institutionelle Kultur“, d. 11. die Einrichtungen des wirt- 'chaftliclicn uud gesellschaftlichen Lebens, ein ״Bollwerk des ,udischen Geisles“, und mit ihrer Umsehaffung erfolgt die Befreiung des deutschen Volkes vom jüdischen Geist. Wäh- :cn<1 also früher in unserer Ordnung der Wirtschaft neben zahlreichen anderen Faktoren das Jticleijtmn als c i 11 wir- «ndes Element von Sombart angenommen wurde, ist inzwischen eine Art von ״Inflation“ dieses ursprünglichen '■fihukens eingetreten, durch die die Bewertung des Faktors ••Judentum“ stark erweitert wurde. Scheint es nicht so, als ™ Sombart damit in eine von ihm selbst an anderer Stelle *fines Buches (reffend gekennzeichnete ,,B c g r i f f s f a 11 c“?'raten ist, d. 11. in ein ״unzerreißbares Netzwerk von^ '״kalkten ,Theorien‘“, zu denen er unter anderem auch den Antisemitismus und die Rasscnkundc zählt? , Noch «er lieutir Und IV. Begehen wir uns mm aber aus diesen mehr formalen Bezirken der Sombartschcn Beweisführung in die Materie selbst, so begegnet uns die schon aus dem ״Juden buch“ bekannte K n s s c n t h c o r i e, die inan auch als ״differentielle Rnsseiitlieoric“ bezeichnet hat. Diese beschäftigt sich mit der Frage, ob bestimmten körperlichen Eigenschaften gewisse sceliseli-geislige Qualitäten entsprechen, und gelangt zu dem Ergebnis, d,־ds in einer Rasse ein gewisser Geist vorherrsche, ohne daß deshalb eine andere Geisteshaltimg in ihr völlig ausgeschlossen sei. ״Der deutsche Geist in einem Neger liegt ebensosehr im Bereiche der Möglichkeit wie der Negergeist in einem Deutschen. Erweisen läßt sich nur, daß Menschen mit deutschem Geist im deutschen Volke erheblich zahlreicher sind als in einem Negervolke und umgekehrt.“ Damit knüpft Sombart au gewisse Aciißerungen von Paul de L a g a r d c und li. St. Ciiamberlain an. Er führt den Gerlankengang weiter, indem er sagt, ״d a ß der jüdische Geist keineswegs an die Perso 11 des J 11 d e n gebunden I s t“, ״rl aß jüdischer Geist au c h in Menschen 11 i c h t j li d i s c 11 e n Bintes Wurzel schlagen kann“. Zu welchen merkwürdigen Konsequenzen diese Theorie führen kann, hat Sombart selbst an einem von ihm als absurd bc/cichnetcn Beispiel in seinem ״Judenbuch״ gezeigt. Er sagt dort gelegend ich folgendes: ״Nach Japan verlegt man ׳ bekanntlich — wie übrigens an andere Punkte der Erde auch das Endziel der Wanderung der verschollenen zehn Stämme Israels: Die außerordentliche Achnlichkeit, die /.wischen japanischem und 'jüdischem Wesen obwaltet, würde eine solche — im übrigen natürlich völlig phantastische .-Hypothese vortrefflieh stützen!“ In der Tat, die Anwendung jener differentiellen. Rasscnthcoric führt nur allzu leicht zu ״phantastischen“ Ergebnissen, nicht nur wenn man die Absurdität der Hchnuptiiiig so klar riacfiweiscn kann wie bei dem japanischen Beispiel. V. Fomb.irt betrachtet, wie er sagt, das Judcnproblem als ״S a c 11 p r o b I e m". Ihm geht cs dabei um die Bekämpfung dessen, was mau ״jüdischen Geist“ nennt. Nun ist cs immer eine mißliche Sache, wenn man beurteilen soll, was der ,,Geist“ einer menschlichen Gemeinschaft ist. Nur allzu leicht bleibt man dann an Aeußcrlichkeitcn haften, läßt sich von Vorurteilen leiten und gelangt zumindest zu einem einseifigen Bilde. Mit Recht weist Sombart an einer Stelle seiner jetzigen Darstellung der judenfrage auf die Not- Wendigkeit der Wahrung von Takt und Diskretion auf beiden Seiten hin. Wenn Zionisten davon sprachen, daß es notwendig sei, im Zusammenleben mit der Umwelt von jüdischer Seife ans sich vor ״Orcn/Überschreitungen" zu hüten, so halte diese Forderung zum selbstverständlichen Korrelat, daß Insbesondere Urteile darüber, was Judentum Ist, von nichtjüdischer Seite mit Vorsicht und Zurückhaltung abgegeben werden, und daß man sich bemüht, aus der Erkenntuis eines Gesamtbildes vom Judentum ein wirklich zu* treffendes, objektives Urteil zu gewinnen. Wir unsererseits glauben, daß der jüdische Geist, von dem Somhart spricht, der zugleich der Geist des Kapitalismus ist und der einem ״Nomadcnvolk“ anhaften soll, nicht mehr als eine Seite des jüdischen Wesens darstcllt, und nicht einmal die wesentlichste. Wie Julius fluttnunn seinerzeit in einer vortrefflichen Studie über Sombarts jmlcnbmTi darlegte, hat cs Sombart unterlassen, sein Bild des jüdischen Wesens im alten Israel wiederzufinden, obwohl er bei seiner Beweisführung bis in die Zeit der Wüstenwanderung zurückgelif. 111 dieser Zeit jedoch, in der die kulfiircilen Großtaten unseres Volkes vollbracht wurden, die aus der menschlichen Geschichte nicht mehr fort/.udenken sind, offenbarten sich die echten Kräfte unseres Volkstums, aus denen heraus auch die Faktoren entstanden, die cs möglich machten, daß das jüdische Volk ein geschichtliches Leben in den späteren Jahrtausenden führen konnte. III. eine andere Erscheinung ist bei einem Vergleich . , —üRen Sonihartschcn Meinung in der Judenfrage mit “״■«! seinem früheren ״Judcnbuch“ vertretenen bemerke״«- *'ß■ Damals hieß es: ״Dieses Buch soll seine ganz eigen- *“1ge Not,, dadurch erhallen, daß es auf 500 Sehen von Wen spricht, ohne auch nur an einer einzigen Stelle so was wie cjllc Bewertung der Juden, ihres Wesens und JCc '-1''''hingen, durehhlickcn zu lassen,“ Diese Vornahme Sombart damals wohl auch nicht immer geglückt, aber?״״hin - sie lag ihm als Absicht zugrunde. Und wenn Wibart i״ der Vergangenheit die Ansicht vertrat, die ""'" sollten die Gleichberechtigung in vollem Um- K'c behalten, aber von sieb aus aus Gründen des natio- .i'n «nd gesellschaftlichen Taktes nur einen beschränkten "ז J u c 11 von der ihnen gebotenen ,Möglichkeit machen auf gewissen Gebieten des Volkslebens Distanz l, ״ 50 ר'Olt sich diese Stellungnahme auch noch außer- Bereiches der Werturteile und stellte eine rem m, J׳C1ilc Maxime dar, über die eine Aussprache wohl J1״ erschien. Heute ist von einer solchen Enthaltung Bewertungen keine Rede mehr, obwohl da« neue Buch — .<״ Verfasser sagt — auch vor 10 oder 15 Jahren L'c״.r1(;i’'n sein konnte. Die Frage, ob die Juden völlige hau,״'c 11 h c r e c 111 i g u n g mit den übrigen Rcichsinlaudcrn du!״, M)|cn' verneint er, und zwar: ״ohne jede ־'1‘״’.)0יי »3״T wt־H es so sein soll.“ Damit begibt siel! Sombart wJ(u C1ns '״ dieser Frage auf ein Gebiet, daß von wissen- ,,S01,|cr Erkenntnis abliegf und in den Bereich des lut j-ns Rehört, wo aber einzig und allein Wc r tu r t eile DjB ״ °'sta>tu11g dessen, was sein soll, maßgebend sind. I'gemh! ,R.,c1ch hinter der erwähnten Stelle heißt: >,E״«en Cest 4C'c.hen abstrakten Oercchtigkeltsgrundsatz, der.i gemäß nach ,״ ct,t verwerflich wäre, erkennen wir nicht an ,ist bjrtsChlCSCc Kegen früher neuartigen Fundierung des »om ״ Standpunktes verständlich. VI. Eine andere Frage ist — Und diese liegt außerhalb unseres Intcresscnkrciscs oh die Völker glauben, gewisse gesellschaftliche Zustände bei sich selbst ändern zu sollen. In dieser Fragc ist das jüdische Volk als solches neutral, selbst wenn, wie cs von Sombart und auch manchen anderen getan wird, diese oder ■jene Erscheinung unseres Lebens die Bezeichnung ״jüdisch“ ,erhält.: Wir Juden, siiuf au all diesen Vorgängen als einzelne, die in den Wirtschaft tätig sind, wohl beteiligt, aber wir stellen je nach unserer sozialen Position in ganz verschiedenen Lagern. Der einzige Ort, wo das jüdische Volk als solches an der Regehing dieser Fragen des äußeren Lebens aktiver! Anteil nimmt, ist Palästina, da cs dort ein alle Bezirke umfassendes jüdisches Leben gibt. Und dort — gibt .es nicht zuletzt Bestrebungen, die das bekämpfen,' was von Sombart als Niederschlag des ״jüdischen Geistes“ bezeichnet wird und was die besten Kräfte des jüdischen Volkes selbst als einen Irrweg der europäischen Entwicklung empfinden. VH, Allerdings birgt jenes ״Sächproblcm“ der Judenfrage,' von dem Sombart spricht, für uns Juden die große Oefahr in sich, daß von ihm ans sehr rasch auch das ״Personen• Problem" aufgernllt wird. Darin besteht eine fatale Parallele zwischen der Sombartselirn Auffassung von der Judenfrage und der von ihm beifällig zitierten Ansicht von• Karl Marx. Schon jener hatte in seiner Schrift: ״Zur Judenfrage" gesagt: ״Sobald es der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen des Judentums, den Schacher und *eine Voraussetzungen auf/iilieben, ist der Jude unmöglich geworden ..." Daraus bähen kommunistische Kreise die Kon- Sequenz gezogen, ilafi mit dem Ende der kapitalistischen Gesellschaft auch das Judentum sein Ende erreiche und zum Untergang verurteilt sei. Diese Lehre hat dazu geführt, daß im kommunistischen Rußland der Bestand des Judentums sowohl religiös wie national aufs höchste gefährdet ist und daß bei aller Ablehnung des Antisemitismus dort eine a 111 i j ü d i s c h c Aktion von größtem Ausmaße vor sich geht. Aus dem ״Sachproblcin“, der Ausrottung des ״jüdisch•kapitalistischen Geistes", ist also sehr rasch ein ,,Pcrsoncnprohlcin" geworden, nämlich die Behinderung der jüdischen Menschen in ihren wesentlichsten geistigen und Kulturellen Funktionen, Analog liegen die Dinge auch unter den Gesichtspunkten, die fiir Sombart maßgebend sind. Es wird im politischen Leben kaum möglich sein, einen - - mit Recht oder Unrecht jüdisch genannten Geist zu bekämpfen und dabei ,die Juden als naheliegende Träger dieses Geistes außer acht zu lassen. Wenn daher Sombart sagt, daß er gegen die völlige Gleichberechtigung der Menschen rein j ü disch en Blutes in einem Lande wie Deutschland bei der Besetzung leitender und verantwortlicher Stellen ist, ganz unabhängig davon, was sic nach Geist und Charakter sind und welche Achtung sic als Menschen verdienen, so ist diese Unverbundenheit von Forderung und Wertung zwar logisch nicht anfechtbar, politisch aber kaum zu halten, da wenige Zeilen weiter von den Gefahren des ״jüdischen Geistes“ fiir die deutsche Umwelt gesprochen wird. Liier hat ohne Zweifel der zweite Gedanke Pate auch bei der Formulierung der Sätze über das jüdische Pcrsoncnproblcm gestanden. Vlii. Dieses Pcrsoncnproblcm nun — es ist dasjenige, woran in weitem Maße unsere physische und moralische Existenz hängt. Sombart ist für Beschränkungen bei ״Mensehen rein jüdischen Blutes", was nicht ganz mit seiner rassisch bestimmten Grundansicht iibercinstimmt und eine wesentliche Differenz dem Nationalsozialismus gegenüber darstellt. Er fordert Beschränkungen bei der Besetzung leiten• der und verantwortlicher Stellen und sagt, dies solle ״auch und gerade im Interesse der Juden“ geschehen. Damit spielt Sombart wohl auf seine oben erwähnte frühere Stellungnahme zur Judenfrage an. Als Beispiel für eine zweckmäßige Lösung des Problems weist er auf das vorwilhelminische Deutschland hin, dessen Verwaltungspraxis in der Beliandlnng der Juden man nur hätte auf die Universitäten, die Advokatur und andere Gebiete auszudehnen brauchen. —- Auch wir meinen, daß bei der Be* tätigung von Angehörigen einer Minorität im öffentlichen Lehen sehr viel Takt erforderlich ist, und wir Haben es für eine Erschwerung des deutsch-jüdischen Zusammenichens gehalten, wenn gewisse dem Judentum entstammende, mit ihm zumeist aber kaum noch verbundene Kreise sich als Sachwalter des Deutschtums betätigten. Dem steht aber die andere Möglichkeit gegenüber, die bisher noch nicht oder fast nicht verwirklicht worden ist, daß Mensehen bewußten Judentums sich für die Interessen der gesamten deutschen Gemeinschaft eiusetzen, ohne daß eine Verwischung der bestehenden Unterschiede und Grenzen angestrebt wird. Fs wäre wünschenswert gewesen, wenn sich Sombart, der Verständnis für derartige Fragen früher bewiesen hat, hierüber geäußert hätte. Mit den wenigen Worten von Takt und Diskretion und der Vermeidung unliebsamer Härten, die Sombart hierzu sagt, läßt sich diese Frage nicht abtun. IX. Es ist eine lange Zeit vergangen, seitdem Werner Somhart sein erstes Judcnbuch geschrieben hat. Die Fülle des Erlebten hat auch die geistige Situation der meisten Menschen •tiefgehend beeinflußt. Wir deutschen Juden haben eine Regehing unseres jüdischen ״Personcnproblems“ erlebt, die für fast jede jüdische Familie von weittragenden Folgen hegleitet war. Fs könnte daher sein, daß wir eine im Grunde nur als Randbemerkung im Rahmen einer auf ganz andere Ziele gerichteten Unlcrsuchtmg abgegebene Erklärung zur Judenfrage als belanglos übersehen. Trotzdem: wir dürfen dies niefit. Vielmehr gilt cs, die geistigen Strukturwandhingen zu beobachten, die auch Menschen durchgeinaeht haben, die noch einer anderen Zeit entstammen, sich aber Frlebnisfähigkeit bewahrt haben. In diesem Sinne ist Sombarts Aciißerung symptomatisch, zumal sic von einem Manne stammt, der bei aller Freiheit der Kritik, die er sich Juden und Judentum gegenüber gewahrt hat, ein Gefühl für die Besonderheiten unserer Existenz besitzt und auch in seiner neuen Schrift zum Ausdruck bringt. Bei aller sachlichen Differenz müssen wir den Willen anerkennen, eine erträgliche Form des Lebens auch für die Juden in einem neuen System von Staat und Wirtschaft zu finden, das Sombart hier formuliert. Daneben zeigt uns das Buch aber den Grad der Vereinsamung, in dem wir als Juden leben. An uns ist cs, in jedem Augenblick hieran zu denken und bei all unseren Entschlüssen zu wissen, daß nur aus unseren eigenen Kräften eine glücklichere Zukunft geschaffen werden kann. K. L. \ i Von der Sitzung des Beirates der Reichsvertretung der deutschen Juden DER PRÄSIDIAL •AUSSCHUSS Während der Eröffnungsrede . de» Präsidenten Dr, Batik Von link» nach rtchlt: Dr. Franz Meyer, Rabbiner Hoff mannt (Frankfurt a.M.), Dr. Siegfried Me te, Dr. Baetk (itehtnd), Dr. Otto Htrteh, Dr. Callmann (Köln), Dir, Suhl (Berlin) Mk*., ־;'•.! .»i. «<;:•' ■V 1׳ r'rt ״! ■ ■;1,1,1 *׳#!ס