Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 82 (12.10.1934)
- Date
- 1934-10-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU übrigens »Ile eingewanderten Kinder, wenn sie ein bißchen ״heile“ sind, in wenigen Tagen, wir Erwachsenen dafür um so langsamer, weil wir dahinter immer viel 711 komplizierte Vorgänge und Gedanken vermuten. Ich gab aber die Hoffiiung nicht auf und hörte zunächst immer wieder zu, hospi• tierte dann auch bald Unterrichtsstunden der unteren Klassen, , deren Stoff mir ganz vertraut war (Erdkunde, Rechnen). Schließlich wagte ich mich auch in die höheren Klassen (der Volksschule) hinein und lernte in bestimmten Fächern regelmäßig mit, blätterte dabei eifrig im Lexikon und machte mir ־Notizen. Daneben habe ich im Selbststudium und in Zusammenarbeit mit hiesigen Lehrern besonders auf zwei Oebieten gearbeitet: Tenacli und Zeitung, d. 11. ein mittelschweres Huch des Tcnach und tägliche Lektüre einer bestimmten Zeitung; zimächst die Annoncen, daun kleinere Nachrichten, bald auch Leit- und Fcuillctonartikcl. Nach etwa einem halben Jahre habe ich aiigclangen, den Kindern Oeschichten zu erzählen, die ich von Mal zu Mal weniger vor* bereitete, bis ich schließlich ein paar Unterrichtsstunden über* nahm (Geschichte). So, oder so ähnlich wird, wohl der Weg für jeden sein müssen, je nach Vorkenntnis, Lehrfach, Arbeitsziei und Möglichkeiten des betreffenden Instituts. Sclbstvcrstündlich kommen dazu schriftliche Uebungen: ich selbst habe meistens die Aufsätze der Kinder milgcschriebcn und auch korrigieren lassen. Dabei habe ich von seiten der Kinder und der Lehrer eine grenzenlose Hilfsbereitschaft erfahren, die leh durch Kameradschaftlichkeit, Mitarbeit, Vorträge, Eng* lisch-Unterricht usw. entgalt. Ebenso wichtig wie das Studium der Sprache ist das der Mensclicn, der Kinder sowohl wie der Erwachsenen. Bei der Wahl des Ortes, an dem der künftige palästinensische Lehrer sein Lehrjahr zu verbringen gedenkt, wird er darauf achten müssen, daß cs ein palästinensisches Milieu ist, a. 11. daß die Mehrzahl der Kinder wie der Erwachsenen Alteingesessene sind. Sein besonderes Augenmerk wird der Pädagoge natürlich auf die Kinder richten. Sehr schnell wird er der Meinung sein, daß cs so etwas wie das pal ästinensischc Kind gibt. Eine gewisse Selbständigkeit des Handelns mul Denkens, eine Unbefangenheit und Unbekümmert* beit des Sich-Ocbarcns, verbunden mit gelegentlichem Eigensinn und allzu großer Distan/.losigkcit zu Mensch und Ding wiru er als typisch beobachten. Bald wird er nach den Herkunftsländern mannigfache Typen unterscheiden:, den fein* gliedrigm, regen, geschickten Jemeniten, den intelligenten, interessierten, eigenwilligen Russen, den verschlossenen, mitunter verstockten Sepharden, den wendigen, im Umgang iiöfliehen Polen. Je bunter die Zusammensetzung der Kinder ist, desto deutlicher wird dem Beobachter der hohe Grad der Assimilation, der wir alle in der Gallith unterworfen sind. Nach einer gewissen Zeit stellt man wiederum fest, daß Land und Sprache diese Kinder verschiedener Herkunft einander näher bringen und daß sich schließlich doch so etwas wie eine palästinensische Jugend herausbildct, Diese palästinen* sischc Jugend muß der künftige palästinensische Lehrer kennen mul lieben lernen. Wenn er in der allerersten Zeit in verfrühter Kritik Mängel fcststcllle, wird er später in besserer Kenntnis der l.andesbcdingungcn das Positive dieser freien, frischen, mifnalinicbcrdten Jugend erkennen. Und erst dann wird er wissen, w a s er dieser Jugend geben kann und wie er cs geben kann. Ich fasse zusammen! Fiir den erfahrenen Pädagogen besteht durchaus die Möglichkeit, in Palästina ein seinem Können und Wissen entsprechendes Arbeitsgebiet zu finden. Je mannigfachere pädagogische Erfahrungen und auch sonstiges Können und Wissen (Musik, Handwerk, Landwirtschaft, Sport, Sprachen) er besitzt desto eher wird er sich hincinfimicn, 1111a desto schneller wird er der Jugend etwas geben können, was immer mit Empfangen Hand in Hand geht. Voraussetzung ist eine ordentliche Grundlage des Hebräischen, wobei die Grammatik durchaus nicht zu verachten ist: gerade hierzulande, wo Arbeitcrscliaft und Jugend, die beiden Eckpfeiler der hebräischen Renaissance, cs mit der Genauigkeit der Formen nicht so ernst nehmen, ist ein sicheres grammatisches Wissen des Pädagogen unbedingt notwendig. Voraussetzung ist ferner eine gewisse Wendigkeit, die mau allerdings als Erwachsener 11 a t oder nicht hat. Bei der Erziehung der jüdischen Jugend in der Gallith wird die Erziehung zur Umstcllimgsfähigkeit, zum Sieh-zu-helfcn-Wisscn einen wichtigen Platz einnehmen müssen: aus Kisten Möbel machen, mit der Petroleumlampe umgeben (die Jugendbewegung hat hierin von jeher wichtige erzieherische Arbeit geleistet). Der Pädagoge, namentlich der Lehrer der Großstadt, der seit Jahren immer nur seine bestimmten Fächer unterrichtet hat, wird als ״Hnchscharah“ zum Bauern oder in die Werkstatt gehen und wird versuchen, sicli in andere, primitivere Verhältnisse hincinziifindcn. Bleibt auf jeden Fall mindestens ein volles Lehrjahr in Palästina. Dabei wird von Fall zu Fall zu entscheiden sein, Wo und .wie dieses Lehrjahr zu verbringen ist. Da« ist oft von ganz äußeren Zufällen abhängig, von Beziehungen zu bestimmten Institutionen und Menschen. Fast immer wird es gelingen, auf Grund irgendeiner Gegenleistung Essen und Schlafstelle zu verdienen, mehr kaum. Hat der Pädagoge die verschiedenen Etappen der Hachficharah in der Gallith und im Lande erfolgreich absolviert, una ist er innerlich bereit, auch weiterhin aus eigenen Erfahrungen und aus dem Vorbild altpalästincnsischer Pädagogen zu lernen, so sieht er plötzlich eine große Erzieh 11 ngsauf gabt vor sielt, die Aufgabe nämlich, diese freie, frische, aber allzu ungebundene, sorglose palästinensische Jugend zu «inein Ethos der Verantwortlichkeit und der Religiosität zu erziehen. Wc.111 cs unserer Erziehergcncration gelingt, die Entwicklung in dieser Richtung um «inen kleinen Schritt vorwärts zu treiben, haben wir unsere Pflicht getan. Gertrud Benzian Durch das in der ״Jüdischen Rundschau״ bereits mi geteilte 1 linscheidcii der Leiterin des Israelitischen Mädchei Waisenhauses ״Paulinciistift“ in Hamburg hat die Reloru bcwegmig hn jüdischen Anstaltswcscn eine repräsentativ Vorkämpfern! verloren. Gertrud Benzian war eine d! ersten welche es ausgesprochen hat, daß eine Anstalt, wen Sie ein rechtes Erziehungsheim sein will, der pädagogisch( Idee auch den technischen und den Vcrwaltungsapparat uiite ordnen müsse. Sie hat diesen Gedanken auch in der Wirl lichkeit durchgeführt. Dazu bedurfte es eines ganz neue *,יי Anstaltswesen bis dahin nicht gekannten Typus vt Mitarbeitern, die nirgends anders als in den Heimen seih hcrangchildct werden konnten. Gertrud Benzian machte selb d*” Anfang damit, das Paulinenstift als Ausbildung: statte auszubauen, als welche das Heim heute weith bekannt und berühmt ist. Hier sollte das künftige Anstalt personal neben der technisch-praktischen Arbeit vor alle Verantwortung gegenüber der Gesamtheit lernen. Derseii Oedankc war für die Erziehungsgcstaltung im Pa bncnstift maßgebend, in welche im übrigen Gertrud Benzi durch einen Aufsatz in der Zeitschrift ״Der Jude“ (ja) gang 1921) einen Einblick gewährt hat. Ihr Tod ist nie nur eit! unermeßlicher Verlust für alle die vielen von i erzogenen, heute in alle Welt verstreuten Kinder, darüb 1,nuUvhat״״!c indisch-pädagogische Bewegung kl Deutsc iMd «ne führende Persönlichkeit verloren. Nr- 82, 12. X. Dt! **®**l 1 0y/ ך״-״־ז >1dl ■ Wir werden künftig in unserem Beiblatt ״Schuh und Erziehung״ auch praktische Anregungen aus Lehrer, kreisen Mer die Art und Weise der Behandlung eines bestimmten Themas im Unterricht veröffentlichen Die Neugestaltung des jüdischen Unterrichts ist ein überall empfundenes Bedürfnis, und ״»> glauben d״ü dieses Problem nur dann einer Lösung nflherhommen kann, wenn dia Lehrerschaft darnn aktiv mitarbeite( Vorschläge dieser Art, dia 1 vir den Lehrern zur Prüfung empfehlen, müssen, schon wegen der Enge de' verfügbaren Baums, knapp gehalten sein. Der Abdruck bedeutet keine Identifizierung der llrdahtlon mit einer bestimmten Auffassung, sondern lediglich deren Veröffentlichung zwecks Diskussion in Lchrcrkrciscn Dia heule veröffentlichte Arbeit wird, wie uns der Verfasser mlltetlt, einer im Oktober statt findenden Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Lehrer am Oberrhein ah Diskussionsgrundlage dienen, nej Das Zehnwort vom Sinai Die israelitische Volksvcrtassunjj Von H. Uni ko wer, Slinmern (Hunsrück) Israel ist im Begriff, sich als Volk zu konstituieren, und stellt vor der Frage nach der Staatsvcrlassung, die ihm die geistigen Grundlagen dauernden Bestandes geben soll. Von Aegypten her kennt cs ein Königtum. Doch diese Art von Königtum kann für Israel, das sein Volkstum für ewige Zelten sichern will, nicht in Betracht kommen, well der König ein Mensch ist. ein irdisches Wesen mit allen einem solchen anhaftenden Unzulänglichkeiten. Der Pharao leitet seine Machtbefugnis von einem materiellen Oott, dem Sonnengott Re, ab, den er einerseits für cwlglcbcnd hält und dessen Abbild er andererseits zu sdn vermeint. Er überträgt damit den Begrlft des Ewigen auf Unzuverlässiges. Denn alles,Materielle Ist vergängltch und darum unzuverlässig, selbst auch der ewig erscheinende Sonnenhall im unendlichen Himmelsraum. Der Oott Israels nmß vielmehr der absolut Ewige sein. Da dieser seinesgleichen aut Erden nicht hat, muß ein solcher Trugschluß, als könne ein Mensch mit Machtvollkommenheiten des Ewlglcheiidcn ausgestattet werden, für Israel ausschatten: ״Du darfst den Begriff des Ewigen, deines Gottes, nicht aut Unzuverlässiges übertragen; denn der Ewige reinigt nicht denjenigen, der seinen Begriff aut Unzuverlässiges überträgt“. Es liegt hier eben ein durch nichts-gutzumacheiuler Grundirrtum vor, der, bliebe er lediglich eine sophistische Theorie, gewiß harmloser Art wäre, aber wegen der Forderungen, die ein Pharao aus ihm zieht, für ein Volk von unabsehbarer Tragik werden kann. Die erste Fehlfolgerung aus der Ebenbildllchkeit des Pharao mit einem angeblich ewigen, tatsächlich aber matcriellen Gotte ist die Anmaßung des Rechtes der Verfügung über Leben und Tod eines Volkes: der Pharao will das werden des Volkes Israel durch Tötung der Neugeborenen — zu* erst aller, dann nur der Erstgeborenen — verhindern. Im Gegensatz hierzu lautet die Warnung für das Volk Israel im Hinblick auf den absolut ewigen Gott: ״Du darfst nicht töten!‘* Demzufolge kann auch von einem Kult, der In der Anbetung dessen besteht, ״was am Himmel oben ist", keine Rede sein. Die zweite Felilfolgerung ist die Anmaßung des Irdischen Machthabers, aut die Ehe als die Institution zur Sicherung der Volksvermehrimg Einfluß zu nehmen. Der Kult, weicher der Göttin Mut geweiht ist, verlangt Hingabe der Jungfräulich* keit an die Priester des Machthabers. Ein solcher Eingriff in das natürliche Geschehen, das den ehelichen Umgang der persönlichen, unmittelbaren Neigung der Geschlechter meinander überläßt (״darum verläßt ein Mann seinen Vater lind seine Mutier und schließt sich seinem Weibe an, dal» sic zu einer körperlichen Einheit werden", und; ״Zu deinem Manne hin ist deine Neigung, wenn er auch Herrentum an dir vollzieht“, vgl. I. Mose), ist verwerflich. Die entsprechende Konscqticnz für das israelitische Volkstum heißt darum: ״Du darfst nicht ehebrechen!“ Da Mut als Göttin der Vermehrung des Lehens aut. der Erde verehrt wurde (in der bildlichen Darstellung erscheint sic mit grünem Ocsicht und einem Pflanzenhündcl In der Hand), gilt hinsichtlich des Kultes für Israel: ״Du dnrlst keine Nachbildung dessen, was unten auf der F. r d c 1 8 t, anbeten״. Nächst der Lebensdauer und der Lebcnsvcrmch* rung glaubt der Pharao, als dritte Felilfolgerung auch die Leben s b e d i 11 g tt n g c n des Volkes beeinflussen zu dürfen, indem er über die Volkskraft nach Willkür verfügt (z. B. sollen die Israeliten Ziegel streichen, ohne daß ihnen das hierzu erforderliche Stroh gegeben würde; sie müssen cs also stehlen). Das Recht zu solcher Beeinträchtigung der Subsistenzmittel des Volkes gewährt dem Pharao angeblich der Gott ״im Wasser unter der Erde“; Typhon. Seine Verehrung begiinstigt jedwedige Schädigung der Volksgenossen. Dem Volke Israel dagegen muß für die Einstellung zum Volksvcrmögcn der Grundsatz richtunggebend sdn: ״Du darfst nicht stehlen!“ Und die entsprechende kultische Konsequenz: Keine Nachbildung dessen anbeten, ״was im Wasser unter der Erde ist." Die Auffassung des Pharao von der Einstellung eines Königs dein Volke gegenüber ergibt sich aus seinen dynastisehen Interessen. Der irdische König muß seine egoistischen Ziele durch Gewaltmaßnalimcii verfolgen: der ewige, selbstlose König darf es dem Vertrauen seines Volkes überlassen, inwieweit es seine Gesetze beachtet. ״Denn ich, der Ewige, dein Gott, bin ein sieh Verfügungsrecht verschaffender Gott, der ich nilasse Eigenmächtigkeit 'meiner Widersacher von Vi* fern mit Kindern, Enkeln und Urenkeln, und der ich selbstlose Liebe betätige bis in die Tausende (von Generationen) an denen, die ntieh lieben und meine Gebote wahren.“ Die Verantwortung für die Beachtung der Verfassung fragt das Volk selber. Kein Führer und kein Priester kann sic ihm abnelimen. Als die Verfassung offenbart wirdj entrückt ein dunkles Oevvölk den aut den Sinai gerufenen Führer Mose den Blicken des am Fuße des Berges harrenden V1!״ Und auch den Priester Aron muß jener aut de» taudivf x”' teil Berg holen, während an das Volk die Mahnung 1 selbst Pdester zu sein, Priesterstaat unter de» Nair deren noch keine sich zu der Staatsform erhoben hat <t״r5 unsichtbaren ewigen Weltenschöpfcr als Regenten anerb Zum Zeichen seines Priestertums soll das Volk selber die )2 Prlestcrdlciist kennzeichnende Klcukrwaschung vornehmen Die Behinderung, die das Volk Israel in seiner Volk» düng durch den Egoismus des Pharao zu erleiden müssen den Israeliten auf ein gegenteiliges Verhalten innerhr' der Volksgemeinschaft verpflichten. Ein jeder soll bestrebt ein eignes Haus und einen eignen Hausstand zu Krilnd“׳ selbst Arbeiter zu beschäftigen und Vieh zu halten: »0 irim״ zur Steigerung des Bedarfs, zur Arbeitsbeschaffung und zurr lialtung und Mehrung des Volksvcrmögcn* bei: ״Du nicht ausnützen Haus und Hausstand (wörtlich Weib) dein״ Volksgenossen und seinen Knecht und seine Magd und Ochsen und seinen Esel und alles, was dein Volksgenosse besitzt* Entsprechend der ägyptischen Auffassung, daß d« Vo! um des irdischen Königs willen lebe, ließ der Pharao vr? Volke Gottheiten verehren, die seinen Rejgierungsprinzi״,^ günstig wären. Dies geschah durch Anbetung von Nachbild■;, een dieser Gottheiten. Für Israel aber gibt es nur eine der. heit. Der vergänglichen Wesen gibt es unzählige, de! gen nur einen. ״Du sollst keine andre Gottheiten haben ntkmir.“ Da absolut Ewiges sinnlich nicht darstellbar ist k«• die Vereitrung des Weltcnschöplcrs nicht in Btklcmnbrttir erfolgen. Bei ihr kommt cs darauf an, daß er als der e*j.' selbstlose Weltcnschönfcr, iin Gegensatz zu dem Irdische selbstsüchtigen Gewaltherrscher, zur Anerkennung gelange, ß; hierfür geeignete Form wird in der Volksvcrfassung, die d!. Zclmgcbot enthält, festgclegt: Kein geeigneteres Symbol pH cs für die Pflege des Abhängigkeitsbewußtsems gegenubr dem ewigen Weltenschöpfcr als die Geltendmachung dt! siebenten Wochentages, an dem sich der Schöpfer selbst seine! Schöpfungswerkes enthält. Indem mm ein Volk diesen Tr durch Enthaltung von der Arbeit würdigt, bringt es die Ei', habenbeit des Schöpfers sinnentsprechcnd zur Anerkenn««; Diese Geltendmachung der Schöplerwürdc durch da» 0c»d1״f! — hebr.: *ikkaron l'maassc w'resebith*) — erhält als AI«!;• an die Herrschcrauffassung eines Pharao den Charakter de Geltendmachung des Auszuges aus Aegypten — hehr.: secher j’ziath mizrajim•) —. Indem der einzelne Angehörige des hm• litischcn Volkes auch alle diejenigen Geschöpfe zur Arbeit!■ cnthaltung veranlaßt, die sonst seiner Botmäßigkeit unter• stellen — Sohn und Tochter, Knecht und Magd, Vieh ml Fremdling — bringt er zum Ausdruck, daß der Wcltcnschöpfs unumschränkter Herr über alle Wesen aut Erden i»t. ״Bnn;c zur Ocltung den Schahbath(F11thalt1mgs)tag, um ihn zur Ar■ erkennung zu machen. Arbeitest du sechs Tage und luM deine gesamten Obliegenheiten aus, so Ist der siebente Ti: ein Schabbath für den Ewigen, deinen Oott, indem d: Überhaupt keine Obliegenheit ausführst, weder du noch ta Sohn, (leine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh und dein Fremdling, der In deinen Toren ist. Da in setb Tagen der Ewige eien Himmel und die Erde ausgelührt, du Meer und alles, was darin ist, und am siebenten tage ruhte, verlieh er dem Schabbathtagc dauernde Bedeutung und *8׳ erkennung." Lediglich in einem Falle läßt Israel Mcnschcnvcrclmsg zu: die von Vater und Mutter, weil sich bei ihnen die Ebes■ bildlichkcit des Schöpfers am deutlichsten erweist; denn Elters sind Wesen, die als Erzielter und Ernährer der Kinder der dem Menschen gestellten schöpferischen Aufgabe, in «lh>: loser Hingebung an der Förderung der Menschheit mit«« keit, am nächsten kommen. Doch sind auch dieser Verth rung Grenzen gezogen. Denn das Autoritntsvcrhälfni» w Eltern und Kind verliert mit dem Augenblicke seinen Sinn, 1• welchem seine Geltendmachung den Volksintcresscn zuwider läuft. Darum lautet die in der israelitischen Volksverla» fest verankerte Forderung, daß die Jugend dem Staate p hört: ״Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit lange dm״ deine Tngc (du Volk Israel!) aut dem Erdboden, den a« Ewige, dein Gott, dir gibt (also im Lande Israel).“ Nach dieser Volksvcrfassung ist Israel ein Staat, welchem als allezeit einziger, stets verläßlicher Herrscher der ewige Wclfcnkönig regiert, dem jedes einzelne Volksglied w mittelbar verantwortlich ist. Ewig geltende, in der Natur «׳ Schöpfung begründete Gesetze sind cs, die das Volk מי traucnivoll beachten soll, damit cs seinen ewigen He«» sichere, Die Pflichten gegen den ewigen König erfüllt jeao Israelit am besten, indem er zum Gedeihen des Volksg״״: beiträgt; und in der Form der Königsvcrchrung, die zuSlc״ Gottesverehrung ist, besitzt das Volk ein hervorrage״ Mittel zur Wachcrhaltung seines nationalen Pflichtbewußtst‘ Das nationale und das religiöse Ethos fließen lur ineinander. *) Dies sind die Bezeichnungen für den Schabbath 18 Kiddusch (« Anerkennungsgebet). ״Vom Studienrat zum VoIlMsd1uHehrcr'r Bei der jetzt so vielfach stattfindenden Umstellung der Lehrer von der Höheren zur Volksschularbcit besteht eine Gefahr, naheliegend aus verständlichen Gründen, Verhängnis* voll in ihren Folgen: die Verkennung des Wesens der Volksschule. So bringt auch in Nr. 63 der ,,Jüdischen Rundschau“ D. seine Gedanken und geht doch an diesem wichtigsten Punkte vorbei. D. spricht mit einer sehr sympathisch be* rührenden Offenheit von den Lücken im Können des Lehrers, der nun zum erstenmal der Volksschularbcit gcgcniibcrstcht. Gerade diese Bescheidenheit ermutigt uns, ihn dahin zti berichtigen, daß dies nicht die Hauptprobleme der Umstellung sind und daß von ihnen für die Qualifikation de! Volksschul• lclirers wenig abhängt. Es kommt darauf an, daß der Lehrer bei der Bildung seiner Kinder das Harmonische, die Oanzheit, fest vor Augen bat, daß er sich nicht in sein Fach verliert. Die Volksschule hat ihr eigenes Lebensgesetz, in Ihr dominiert das Erzieherische, ln ihr gilt nicht so sehr, was und wieviel gelernt Wird, sondern wie gelernt wird. Und wie gelebt wird! Diejenige Volksschule Ist die beste, In der alles, was geschieht und gelernt wird, aus dem Pulsieren der Gemein* schaft kommt, und der Lehrer der beste, «kr den gleichen .Strom durch sich und *eitw Kind« gehen •lißt, mß ibaea lebt, mit Ihnen erlebt, mit ihnen lernt. Es Ist keine Sein zu sagen: ״Ich weiß dies auch nicht, wir müssen ge*«!״ in einem Buch nachschlagcn.“ Die Volksschule soll eine Lebensgemeinschaft ij1"* wenigen Schulen ist das aber gdüngen! Und nun , Juden diese Glückschance zu, man darf wohl sage» t1n' d alles Hegt neu vor uns, wenig Tradition hemmt kühnsten Neugestaltungen sind möglich; Lcltrer; Schüler, in starker Scliieksalsgcincinscliait, könnten 0״• " nahe sein wie seiten irgcndw'0. Alle Bildungsstoffc von 1^ wanken und neue tauchen auf. Niemand und mch״ n r. uns, hier mit starkem Griff die Schule der jüd>scl). <t meinschalt zu schaffen. Aber wo sind nun die Zugrciu Es können nur Menschen von Format, Menschen mi* ft Horizont sein. Die Unkenntnis in diesem oder je״1»״ wird Ihnen keiner entgegenhalten. Aber sollten unter ihnen, die auf deutschen Hochschulen ihre empfangen haben, solche sein, die hier ihre wahre ״ *ö erkennen und, das Wesentliche vom Unwesentnenw ״! dernd. ihren Platz finden im Kampfe für die neug iüdlschc Gemeinschaftsschule? Hana Herbert Hammeratein, Leiter der Jüdischen Volksschule h» Bonn•