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Jüdische Rundschau · 1934-10-05 · Heft 80 (5.10.1934) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 80 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 ׳JÜDISCHE RUNDSCHAU י"',' '׳ } ׳!'׳׳ ' i s i ׳ V' . 1 * / : 1 . A ׳ i Dr. Felix Wcltsch — Fünfziger Von unserem Präger Korrespondenten. Dr. Felix Wcltsch wird am 6. d. M. 50 Jahre alt. Er_ gehört zu den Männern der /weiten zionistischen Gene• ration, die _ ln diesen Jahren das 50. Lebensjahr erreichen, ein I rcif'iiis, das uns zunächst immer wieder eins zum Bewußtsein bringt: daß die zionistische Bewegung um einige Jahr zehnte älter geworden, ihre jungen Anhänger von Anno dazumal also bereits Fünfziger geworden sind. Und mehr sagen uns eigentlich all die Jubiläen nicht! denn diese Fünfziger sind gar nicht alt und werden auch von niemandem, wie dies so in früheren Zeiten üblich war, unter die ״alte Garde“ chigcrcilit. Dr. Felix Wcltsch kam, ähnlich seinem Freunde Max Brod, durch das Wirken Martin Bubers und Hugo Bergmanns in den Vorkriegsjahren in Prag zum Zionismus, Es ist jene Zeit, in der im Prager Studciitenvcrein Bar Kochbn die zionistische Idee jenseits der bloflcn und oft seichten Versammliingspropagandn einer fast völlig entjudeten west jüdischen Generation übermittelt wurde, da junge wcstjüdischc Studenten mit Ernst und Ehrfurcht den Gedanken der Reiiaissaiice ihres Volkes aiifiiahmcn. Dieser Kreis hat wesentlich zur ideologischen Vertiefung und organisatorischen Ausweitung der zionistischen Bewegung beigetragen. Seine Menschen sind heute in aller Welt verstreut Dr. Felix Wcltsch hat seinen Platz in Prag heihehatten und ist von liier aus zum entscheidenden Wegweiser für die zionistische Bewegung in der. Iscltcchoslow.ikci geworden. Der Gedanke eines lauteren Nationalismus für den Max Brod den Terminus ״National* luiinanisimis“ geprägt hat — zieht sich auch wie ein roter Faden durch alle jüdischen Schriften Dr. Wcltschs, (״Natio* nalismus und Judentum“, ״Zionismus als Weltanschauung“!gemeinsam mit Max Brod], ״Judenfrage und Zionismus“ und das Pal.istinabuch ״Land der Gegensätze“.) Felix Wcltsch ist der Philosophie, von der er zum Zionismus kam, nie untreu geworden. Von ihm stammen eine Anzahl philosophischer Schriften, so ״Anschauung und Be* griff“ (gemeinsam' mit Max Brod), ״Gnade und Freiheit“, ״Organische Demokratie“. Von diesen Büchern ist die philosophische Schrift ״Gnade und Freiheit, Untcrsuciiungen zum Problem des schöpferischen Willens in Religion und Ethik" das bedeutsamste. (Das Buch erschien l'OT im Verlag Kurt Wulff, München, und wurde im Vorjahre vom Verlage Felix Meiner, Leipzig, übernommen. Fs ist zu hoffen, dall durch diese Ncii-Ldition dem gehaltvollen Werk, das durch seinen klaren Stil und durch seine selbstgcdachten Formulie* rungeii hervorragt, ein neuer Leserkreis gewonnen wird.) Wcltsch geht vom Grundgedanken der ״Vcrtraueiisentschei* diing'• aus. Darunter versteht er den Glauben an die Wertfähigkeit, den Wertsinn des Universum, den Glauben, daß der Versuch den höchsten Wert im Universum zu verwirk* liehen, mindestens sinnvoll, daß das Universum irgendwie kommensurabel sei. Die Fntsdieidung, ob ich einen solchen Sinn in der Gesamtheit des Weltgeschehens anerkenne und ihn zu finden fällig bin - - diese Entscheidung ist letzten Endes ״frei“. Sie kann durch Milieu, Abstammung, Kultur usw. erleichtert, aber niemals voll determiniert werden, ln diesem innersten Funkte seiner Existenz, oh der Mensch nämlich zum Universum ja oder nein sagt, ein aufbauendes oder zerstörendes Element sein will, ist der Mensch frei. Das ist auch nach Felix Wcltsch in dem Talmudwort angc* deutet: ״Alles ist in der Hand Gottes, nur nicht die Gottes* furcht.“ So begründet Wcltsch seine Religion der Freiheit, docli ist das ganze Buch gerade dem ■Gedanken gewidmet־, daß eine _ Religion der Freiheit den religiösen Tatsachen und Empfindungen nicht gerecht wird, daß ein zweites Element in dialektischem Zusainmcnspicl mit dem Freiheit»- gedanken den Komplex des Religiösen ergänzen muß: die Gnade. In einer neuen Arbeit, mit der Dr. Felix Wcltsch seit Jahren beschäftigt ist, formt sich der in seinem bisherigen philosophischen Hauptwerke angedcutete Gegensatz zu dem neuen Begriff der ״schöpferischen Mitte“. Diese ״schöpferische Mitte“ — die er der ״faulen Mitte" entgegen* hält, den satten Nichtstuern, die aus ihrer Untätigkeit und Unentschiedenheit eine besondere Ideologie zu schaffen versuchen *— spielt auch im zionistischen wirken Felix Wcltschs eine große Rolle. Er versucht übet all die Zuspitzung von Konflikten zu vermeiden, ohne dabei mechanisch gesunde Differenzierungen zu verwerfen. Die Mitte ist der tatsäch* Nr. 80, 5.X.!9,14 liehe Standort, von dem aus er an kulturelle und politische Probleme herangeltt und nicht eine farblose Zufluchtitäftc, um solchen übeiliaupt auszuwcichcii. Er ist so der geistige Führer des Allg. Zionismus In der Tschechoslowakei, Daß ein im Grunde genommen so unpolitischer Mensch wie Wcltsch, der aus einer gesunden Mischung von unglaublicher Uu* eitelkeit, geistreichem Humor, ehrlichem Gereelitigkcitsemp* finden und vornehmer Vcrstiindnisberdtschaft besteht, im Mittelpunkte politischen Geschehens und politischer Aktivität wirkt, hat sich für den gesamten tschechoslowakischen 7.10• nismus zum Guten erwiesen: denn hier gibt es noch viele Brücken zwischen den verschiedenen Gruppen und Parteien, gute menschliche Beziehungen zwischen ihren Anhängern, eine ernste und an der Realität orientierte Paliistiiialtebc und *bereit* schaff, den Kern einer gesunden zionistischen Bewegung, die natürlich mit Unzulänglichkeiten aller Art behaftet, aber doch in ihrer Auswirkung wegweisend für einige zionistische Generationeu geworden ist. Daß es so ist, ist ein Verdienst von Männern, die wie Df, Felix Wcltsch seit vielen Jahren uncrmiüllich die zionistische Idee verbreiten und vor Gefahren und Abwegen zu schützen trachten, in diesem Sinne gilt ihm unser Dank, Gruß und Glückwunsch. Dr. Hans Lichtwitz. * Anläßlich des 50. Geburtstages Dr. Felix Wcltschs vernnstaltct das zionistische Distriktskomitcc in Prag einen Festabend, an dem Prof. Thilberger und Abg. Dr. Angela Üoklstein sprechen und Heinz Politzer rezitieren wird. Die tschecho* slowakischen Zionisten haben überdies Dr. Felix Wcltsch ins Goldene Buch des Keren Knjemeth Lejisrael eingetragen. Jüdischer Jugcndkalender Wir »Hissen dem Jüdischen Verlag, Berlin, besonders dankbar sein, daß er nach einer Pause von drei Jahren uns wieder seinen bewährten ,,Jüdischen Jugendkniender“ präsentiert, Daß Emit Bernhard Cohn nach wie vor als sein Herausgeber figuriert, erhöht den Wert dieses Werkes, denn er hat in den früheren Jahrgängen gezeigt, daß er es versteht, für die Jugend zu schreiben: cs gelingt ihm, für das Lehrreiche und das Interessante eine für die Jugend besonders geeignete Form zu finden. Gedichte, kleine und größere Erzählungen, z. T. historischen Inhalts, Bilder von Ländern und Menschen, von großen Toten, wie Herzl und Bialik, von Größen des Tages, wie die Spnrtsmänncr Max Baer und Theo Levy; Rätsel und Rätsdlüsnngcn, Spiele u. dgl. sorgen für Abwechslung und Kurzweil. (Nur eine Frage; Warum fehlt eine biographische Charakteristik des Dichter-Erziehers Iliaük?) A11» der großen Fülle möchten wir liier auf die zwei Erzählungen — Legenden — von Bialik: ״König Salomo und der fliegende Mantel“ und ״Die Königstochter und ihr Outtc“, auf die rührende Ge* schichte vom ״Choni lianingel“ von Emil Bernhard Colin (mit reizenden Illustrationen der sehr begabten Marianne Brodskv) hinweiseii. Mit großem Einfühlungsvermögen ln die Vergangenheit, die wie eine Legende annnitet, aber Wirklichkeit war und wieder Wirklichkeit ist, ist die Mar rauen•* geschickte ״Erich und Manuel“ von E. B. Cohn erzählt. Als Beilage empfangen wir als Geschenk des lüdisehcn Frauenbundes einen reich illustrierten K i n d c r-Kniender, der wie eine symbolische Stufe die beiden Lebensalter miteinander verbinden soll. Auch das äußere Gewand des Jugendkalenders, das schone Papier, der übersichtliche Druck und die gut ausgeführten Bilder und Zeichnungen machen dem Verlag und dem Herausgeber alle Ehre. Wir wünschen und Hoftcn, »lall von mm an das Erscheinen dieses Kalenders keine Unterbrechung erleidet. Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch auf ein Werk E. B. Cohns aufmerksam machen, das einen Einblick in die Welt des jüdischen Märchens, nein, der jüdischen Legende vermittelt. Es ist E. B. Cohn in seinen ״Legenden“ (Verlag Siegfried Sei 101 cm, Berlin) gelungen, diese ־ - un» vom Midrasch her bekannte —• Welt lebendig zu machen und sic in moderner Beleuchtung uns naher zu rücken, — Vorschiedcne Zeilen, ja Zeitalter, spiegeln sich in diesen Lcgeuden wider: die Welt des weisen Königs Salomo (״Im Affemvald“), wie auch die Atmosphäre uin Alexander den Großen (״Die Wasser Silo!־׳«"), die Welt der jüdischen Schriftgelclirtcii (״Aclier“) und die mystcricnvollc Welt des Chassidismus (״Die fremden Jahre“). Gerade die letzte Legcmle stellt ganz plastisch vor unseren Augen, sind wir »loch auf diese Menschen und Handlungen ״zwischen zwei Weiten“ durch das unvergeßliche Erscheinen des ״Habimah“- Theaters mit seinem ״Dybuk“ innerlich vorbereitet, — Diese jüdischen Legenden sollen — wie ein Kalender — per io• d 1 s c h gelesen werden. B. P i n e 9. ״s rf e<% .. . ך » «■_ ' ־י״ד׳י f L4 ״MÄ. V- -«V- L i *> »IR. 3«WI*H AfrSNCV FOfc W 15» Mclnekcstr. 10. Telephon! J I, Bismarck 11u1 ״ Postscheckkonto! Berlin Nr. 16708. I Die neuen Devisenbestimmungen und Palasiinarciscn Durch die neuen Devisenbestimmungen sind In Im». ‘ 0״»reisen nach Palästina nicht berührt, da hl״״, ein Sonderabkommen der Relchsstclle für Dcvlscnbcwlrt.![, tung weiterhin In Geltung ist, das die Mitnahme von ft Gutscheinen im Gegenwert bla zu RM. 500,— gestattet. Erleichterung für die HandwerkereinwandeniM Die Einwanderung von selbständigen Hand* kern mit einem Mindcstkapital von £ 250 ist von dtrV' lästina-Rcgicning ■neuerdings dadurch erleichtert worden i, für diese Kategorie außer den bisherigen Berufen auch? Angehörigen folgender Handwerkerberufe zugclasscn <12 Feinmechaniker, Optiker, Motormcclianiker, Vulkan״«,,; Sattler, Lederarbeiter, Polierer, Buchbinder und Buchdnicke Es muß nachgewiesen werden, daß eine mindest.,’ vierjährige Betätigung im Fach erfolgt ist. Das kJ,! muß selbstverständlich zur freien Verfügung des AntraeitiL! stellen und von den deutschen Behörden auf dem übliche« Wege freigegeben sein. Anträge können durch Vermittln«;׳ des Palästina-Amtes, Abteilung liaiidwcrker-Alijah, bearbeite und wcitcrgclcitct werden. Sprechstunden der Juristischen Abteilung Im Interesse der Durchführung der laufenden Arbeit: wird erneut darauf liingewiesen, daß die Sprechstunden fc Juristischen Beratungsstelle des Palästina-Amtes Berlin ru■ von Moni ה R bi» Donnerstag am Vormittag von 10—12 1% sind. Es ist zweckmäßig, sieh rechtzeitig vorher atmimelio Diese Sprechstunden müssen innegelialtcn werden, da «א! für Auswärtige Ausnahmen nicht gemacht werden könnet: ln das Arbeitsgebiet der Juristischen Abteilung 11fc, «*besondere: 1. Devisen* und steucrrcchtliche Fragen, die Auiwaukrung nach Palästina betreffend. 2. Transfer-Fragen, insbesondere Anträge auf Eiteit*; von Bescheinigungen für Sonderkonto II. 3. Beschaffung von Kapltalistcn-Viscn der Kategorie Al. 4. Erteilung von Bescheinigungen für die Touristik (aj Erwerb von Hotel-Gutscheinen). 5. Drliiglichkcitshescheiiiigungcn. ״Alliah״. Infolge der neueren dcviscnrechtliclicn Rtg hing, die noch nicht völlig abgeschlossen ist, hat sich 4t Herausgabe des ״Alijah“-Hcftc* etwa* verzögert. Ei m jedoch anrtmehmen, daß die ״Alijah“ Ende nächster Wort׳ . wird erscheinen können. Vorbestellungen nimmt das Palästina- Amt bereits entgegen. Bestellschein hn Anzeigenteil. Sprechstunden! Täglich, mit Ausnahme von Sonnabettl und Sonntag, von 9.30 bis 12 Uhr. Auswärtige Besuch«, die in Berlin beim Palästina-Amt persönlich Auskunft ti• holen wollen, werden gebeten, der betreffenden Abteil«, vorher schriftlich davon Mitteilung zu machen. Schriftlichen Anfragen Ist unbedingt ein UnkosfcnWri( von RM. 1,— In Briefmarken bclzulegcn. Das Palastim-Amt Ist infolge der hohen Bürounkosten nicht in der Lage, M׳ tragen ohne Gebühr zu beantworten, Touristenvisen für die 2. Makkabiah Die palästinensische Regierung hat dem Makkabi-Wtl• verband Tourlstcnviscn lür die Teilnehmer der 2. Mik kabiah zur Verfügung gestellt, ohne daß von den BetrcIHfa die Übliche Kautionssumme gestellt zu werden braucht. D» dürfte die Teilnahme einer starken Expedition von so»W aktiven als auch nichtaktiven Teilnehmern au* Deutschland gesichert sein. Zur Durchführung de* Transportes hat fc Deutsche Makkabikrcis mit dem Palest Ine & Orient IW einen Vertrag abgeschlossen, wonach die Uebcrfahrt mit «1 regulären Linien des Lloyd Trlcstlno ab Triest oder te Mcssagcrics Maritimes ab Marseiile erfolgt. Hierdurch besteht auch die Möglichkeit, den Aufenthalt Im Lande beliebig a verlängern. Der Preis der Reise Berlin—Berlin beträgt ein!« Visum, lOtügigcm Landaufenthalt, Rundfahrten und Etotrit»■ karte zur Makkabiah ab RM. 359,—. JllJjQUft kann man slch's rocht behaglich machen - man muß es nur verstehen. Moderne Gardinen, ein schöner Teppich, vielleicht ein bequemer Polstersessel oder eine neue Lampe? Man kauft diese In Qualltät und Preiswürdigkeit _ bei unsl Im 2. stock sehenswerte ÄUSSTELLUN6 ״Neuzeitliche Wohnkultur“ GARDINEN - TEPPICHE ־ MÖBEL!r־l Ziehung 1.Klass019.u.2O.Qkt.n ' ProuQ.-nUUiloulooh• Stadt•- Orsotdi Oawinn in dm s. Kt•««• HgujMgawIJin RM )לוי PoppellOfiO 3*- 6,- 12,— 24,- 4«r RM Porto und Litt« »0 Pf. •xtr» Boriin MW UZ, Turm.traBa TI | IPostttclKich 31SBB gotiin Bcrthold Neumann toV KarfUrsUnünmm 201 / TeUfom J1 Bl*m*rdt S714 *ßppantD* Rsparauifin• smonnin Rolf Feflßp«. i. I.* letzt 1 Niirturalendimn 1 •0 J 7 Hachm.l.Ur S7«H> >\ 'T vv, : t t'i Tee / Kakao / Schokolade U Qualitäten aiedrignte Preise direkter Bezug von Cliyi - Kanee-ürotum Carl Max Ja■•!,!» Import BREMEN Import Varbatar *•Mn asd, •Ing.aUllt Preuß. SUdd. Klassenlose NeuestraBe 14 Po.l.ck.ckkaat. Br.tl.ulJSM ZIehuns 1. Klasse 19. u. 20. Oktober lk Vf 1/9 */! Doppel * Le»« “ “6? 12,- 24^ mnranB 8!•יי!«»,!״ Oorlin VI3 ttonSmai• Kroniislr. 88•Bl T.14 A1 JS*.r0a3» / Po>t«eh.-K. 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