Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 80 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ur. 80, 5■ X. 1934 Seite 13 ׳,ג 1 *1 4 fe/70, ׳ Palästinensische Witze Aus einem demnächst erscheinenden Buch ״Lachen ■ףle mH Palästina“ stellt uns der Verfasser eine Unzahl von Witzen zum Vorabdruck zur Verfügung, aus .....!ו״'r nachstehende ausarwähtf /!״י״/״ Red. ימיי, I tfetiuf ithif, 1 Hotel. I H1nj er, f Pt. | d»8 ״ die sind; •eure, Äcker’ Jens .«piinl teilcrs liehen tthmj *beitet 6 Arbeit # der nur I Uhr *Iden, auch innen, fallen ande• tilung e Al, («u« Rege• h die * ist t'oehe islini, ibend Khcr, : ein• tilung eltrag!•Amt , Aa• Welt. Alik• ■mlcn )sollt wohl lland der .loyd den der licht ן zu acht rltli• ־h r,jnutti* ..־־ ־ י" * *v.. *•Mt |r f jfittn wir nachstehende ausgewählt haben. Wolkenkratzer in Tel-Awiw 0,1 Amerikaner besuchte den Bürgermeister Dizcngoff. njfscr führte ihn durch lel-Awiw und mit Begeisterung ״ißte «r ihm die Sehenswürdigkeiten der Stadt, ״Ach״ - ruft der Amerikaner —, ״was ist das schon Im Vergleich mit New York! Haben Sie auch Wolkenkratzer?“ Di/eng״» dachte einen Augenblick nach und erwiderte: |j, gewiß haben wir welche. Nur geht cs in Tel-Awiw nicht zusammen. Wir haben die Wolken separat und die Kratzer separat.“ Hausbesitzer in Tel-Awiw Ein Amerikaner kam nach Palästina und mietete eine fotunmg. , ״Warum bauen Sie kein Haus?״ ״Sic glauben wohl, dali ich ein armer Schlucker bin wir die anderen Emigranten? Sic bauen Häuser, weil sic kein Geld f״r Miete haben; aber ich, Gott sei Dank, kann Miete zahlen.“ Ein Arbeitsloser in Palästina ״Wie geht es Ihnen?“ ״Ausgezeichnet. Ich habe drei Sohne, der eine ist Rechtsinwalt in Wien, der zweite Arzt in Berlin und der dritte Chemiker in Lemberg.“ ״Und wovon leben Sie?“ ״Ich habe noch einen Sohn, einen Arbeitslosen in Tel« Awiw, der unterstützt mich!“ * Der Fester In einer Kolonie mieteten die Linken einen ״Fasler“, damit er am Versöhnungstage für die Einwohner der Kolonie faste. Nachmittag ging einer zum ״Fasler“, um zu sehen, ob dieser einen leichten Fasttag habe. Er traf den ״Faster“ hei einem Stück Uansflcisch an: ״Was? Wir mieten dich, damit du fastest und nun ißt du?“ ״Aber, lieber Genosse“ — antwortete der ״Fasler“ — Ich faste mir für einige deiner Leute; für die ganze Kolonie bim ich nicht fasten,“ * Braut und Pardefj Ein junger Emigrant aus besserem Hause will in Palästina keimten. Er lallt einen Schadchen kommen. Der Schadchen: ״Das Mädchen ist zwar nicht jung, hat aber dalur einen jungen Partiell.“ Der Emigrant: ״Ich wünsche ein junges Mädchen mit einem alten PardclS.“ * Die Klagemauer Ein Amerikaner besucht Jerusalem und kommt zur Klagemaucr, Er wird tief ergriffen, weint und betet. ״Was sagen Sie zur Klageuiaucr?“, fragt ihn ein EinhdniiscluT. Worauf er antwortet: ״Wenn die Juden schon einmal etwas Leines haben, verlegen sie es in eine düstere Erke der alten Stadt zwischen den schmutzigen Arabern, und man muß sieh die Fidle wundlaufen, bis man dorthin gclangt. Wie wäre cs, wenn die Juden die Klagemauer am Strande von Tel-Awiw aufgestellt hätten! Und wenn sic schon glauben, daß die Mauer unbedingt in Jerusalem sein mul!, hatten sie diese doch wenigstens auf der Jaffaitralic aufstcllcn sollen!“ * Im Hadastah-Spital Ein Mann kommt mit seiner Frau ins Spital, Ihre Krankbeit ein krummer Rücken. Wie der Arzt erscheint, wendet sich der Mann an seine Frau: ״Mirjam, steh׳ gerade, damit der Arzt sicht, daß du krumm bist,“ [ J hm* 1r I, Äff rie lOffl r Erinnerungen eines Berliner Juden Von Arthur Eloesscr (2. Fortsetzung) III. Das Haus Das Haus, in dem ich geboren wurde und meine Jugend zu ,den ersten akademischen Semestern verbrachte, war noch eine Welt im Kleinen, ein ziemlich vollständiger Aufh״ der Gesellschaftssehielitung oder ihrer Bauordnung aus j“'Crei!1a1Klergefiig!en Stufen, die zumeist die verschiedenen h'oieistillen bedeuteten. Der Hauswirt, der auf der höchsten «IS, dem ein im Hinterhof angebrachter höchst ansehnlicher tiscnhamici gehörte, war allerdings mir durch seine voll- *1eilenden Organe vertreten, die die Miete cinkassierten, Gcwiche um Renovierungen kritisch entgegennahmen und nicht zuletzt^ die von uns Jungen zerbrochenen Fensterscheiben .״ Litern zur Bezahlung präsentierten. Hausbesitzer und uic'icr Mann war damals noch ein und derselbe Begriff. L)fr unsere erfüllte tlie höchsten Anforderungen; außer dem rulirpark, der zu seinem Betrieb gehörte, hatte er noch 1ufhrirc Kutschen, zu denen wir aber ״Equipage“ sagen unilltcn, die dazu gehörigen Gespanne und sogar ein Reit- F!trd, mit dem er noch nach Pankow zu seinem Sommer- Sl'z ritt, Der sogenannte Reifstem, von dem der dicke kleine J'j1.1״« offenbar slawisch-wendischen Ursprungs, auf seinen ״dummcl stieg, war eine Art Heiligtum des Hofes. Angestellte .״ Arbeiter hatten vielfach polnische Namen, und es ist «ur später bewußt geworden, «all unser Haus wie die ganze ,‘]8c zu einer Zeit, du es noch keinen Schlesischen Bahnhof auch keine Stadtbahn gab, sein Gesicht durchaus nach 05'eil kehrte. 'm Parterre saß ein Tapezier mit einem ziemlich kiimnter- ״״! Betrieb, unbeliebt schon wegen der Dumpfheit und uiifigKeip ,!jy a״s;;einem Laden von den crneucrungshcdurfx3fn Matratzen Aufstieg. Das erste Stockwerk, das aber;j etagc genannt werden mußte, hatten wir selbst inne, und (0cr uns ן!!! zweiten wohnte wieder eine jüdische Kaufmanns- '»miiie, deren Lebenshaltung mit der unseren durchaus über- «1!stimmte. Der dritte Stock gehörte noch einmal dem Hand- ,׳ *s war das eines kleinen Schneidermeisters, den die •;luschali aus der Nachbarschaft ungefähr leben ließ• Das .c״>e llhilcfhaiis bewohnte der Kutscher, der über die Lu*11•»־ eme gesetzt war, also in unseren Augen ein bedeutender ,T!1.• daun der Vizewirt, der die zerbrochenen Fenster- »uben nach vorn zu bringen hatte, der aber sonst *chon Vn seiner unheilbar polnischen Aussprache des deutschen 11!«''ernst genommen wurde. Der Mann war as ״P0'^k *״esen niederer Ordnung und galt noch einmal als anders- "'erk K k Ü ein JÜDISCHE RUNDSCHAU * f י-"•*"- גך/־**ך •**,■“-י ״*״״,-* ft Zsf״| (Von unseren Berichterstattern.) Birkenau (Odenwnld) Die Gemeinde feiert am 14. Oktober ihr 75jübriges Synagogcn-Juhil.ium, Allen ehemaligen Birkcnaucrn ist Gelegen* heit geboten, daran teilzunchmcrt. Darmstadt , Di* Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugend veranstaltet 111 diesem Winter an Stelle von Vorträgen Arbeit*- kreise. Diese werden geleitet von Rabbiner Dr. Bienheim über ״Die Juden in den Ländern der Erde“, Rabbiner l)r. L c!111 e (Frankfurt a, M.) über ״Jüdische Religion“, ferner Lehrer Rick über ״Unsere Tefillah und unsere ' efilloth“, Lehrer Hauser über ״Rihcllcscn“ verbunden mit Frciiagahcud-Fcicrn, sowie einem Kursus ״Gespräche über die Gegenwart", geleitet von Jos. Domhrowcr und Walt, Holz in a tt n (Frankfurt n. M.-Höchst), der sich mit Lehens- Iragen der jungen Generation, Palästina und anderen Promeinen auseinamlersctzcn wird. Die Sprachkurse werden intensiv forlgcfuhrt. Die Junggriippcn, die /, Zt, aus 8 starken Gruppen bestehen, sind besonders beachtenswert. Zum erstenmal hat man für alle Gruppen Oneg-Schabhathfeiern cingi•- führt. Das Arbcitsprograinm wird mit einer Jugemlkundgchung eröffnet, auf der Dr. Lernte (Frankfurt a. M.) über Schicksal und Aufgabe jüdischer Jugend sprechen• wird, Frankfurt a. Main Innerhalb der Frankfurter Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes hat sich eine Gruppe berufstätiger Frau e tt gebildet, die zweimal im Monat Zusammenkünfte hat. Die nächste Zusammenkunft findet statt am 9. Oktober, 200 Uhr, in den Räumen des Jüdischen Mädchenheims, Haus-llaudwerkstraße 3, 1. Thema des Abends: Lektüre vor» Tcndlau. Jüdische Sprichwörter, Leitung: Frl. Bertfia Pappenheim. Berufstätige Frauen können sich zum Eintritt melden bei Dr. Martha Bauer, Kettenhofweg 70, Köln lm Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr fand ein Lieder- und Klavierabend Lotte. Leonard - Franz Osborn statt. Lotte Leonar d sang mit Innigkeit und Wärme neben Gesängen aus dem 17. und 18. Jahrhundert Lieder von Brahms und Wolf, in denen sie den Glanz und die Größe ihres Soprans voll und ganz zur Geltung bringen konnte, Franz Osborn begeisterte durch die plastische Darstellung der Bach-Liszt-!dien Orgelfantasie für Klavier, O-moll, ein meisterlicher Oe* slaiter, Gen man gerne bald wiederhören möchte. (Auch als Begleiter der Sängerin leistete er Hervorragendes.) Herzlieber Dank wurde beiden Künstlern zuteil, den sic mit mehreren Zugaben quittieren mußten. München Der ״jüdische Kulturbund in Bayern“ erölfuele sein 1 lerbst-Wintcrprogramm am 27, September mit einem sehr gut besuchten Franz Kafka-Abend, der eingcleitct wurde durch eine die Persönlichkeit und das Werk Franz Kafkas in hervorragender Weise beschreibenden und deutenden Rede des Münchener Schriftstellers und Kafka-Forschers Manfred Stur mann. Sturmann verstand das sehr gemischte Auditorium in seinen Bann zu ziehen und die nötige Bereitschaft für_ die Aufnahme der folgenden Rezitationen aus Kafkas kleinen Prosaschriften zu schaffen. Fräulein Elisabeth Sprit!• Rer, eine leider bisher viel zu wenig beachtete Sprecherin von kultiviertestem Niveau und zartester Einfühlungsgabe, brachte vier Skizzen Kafkas, unter denen ״Das Gesetz■', die erschütterndste war, in schöner und reifer Weise zum Vor• trag. Der Kafka-Ahend ist als vielversprechender Auftakt für die neue Saison zu werten. Bcn-Chorin. 11er Jugend,itissclmß der Israelitischen Kultusgcrncinde veranstaltet mit Unterstützung der Mittclstellc für jüdische Erwachsenenbildung in Frankfurt a. M. und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in der Zeit vom 1. bis 4. November in München einen Schulimgsktirsus, zu dem alle bayerischen Jiigcndfnhrcr cingclndcn werden. Anmcldescliluß: 10. Oktober 1931. Das ausführliche Programm ist von Hans Lamm, München 22, Schließfach, zu erhalten. Die Waue Bcilrapkarle für Hille und Aulban wirbt im Monat ()klolu r fiir die BmifsumSchichtung und stell! sich damit in den I)fettst einer Aufgabe, tlie für uns eine über• ragende Bedeutung gewonnen fiat. Die künftigen Bauer«, Landarbeiter und Onrtncr finden ihre Ausbildung in gut geleiteten landwiilseh.iltliclien und gärtnerischen Betrieben, Füi die Handwerker gibt es die Finzcllchre und Anlernwerk* stallen aller Art mul für die Ausbildung der Mädchen wird gesorgt durch städtische und ländliche I laushattsscliulen. I)a• neben finden in fast jeder Gemeinde Kurse für Schneideriip Weißnahen, Kochen, Bügeln usw. statt. Die Lchrerfortbildungstaßunß In Leipzig, die von der Rcichsvertretung der deutschen Juden und der Israel. Religionsgemeimle in Leipzig gemeinsam veranstaltet wird, bildet vom 7. bis II. Oktober ini großen Saal des Jüdischen Jugendheims, F.lsterslraßc 7, statt. In Ergänzung des von uns bereit* mitgeteitten Piogramnis spricht Herr Rabbiner Dr. Alt mann jun. über ״Oruudgcstnlt und Typen der Autorität im Juden, tum" und Prof. Dr. B über über ״Die biblische Erzählung im Unterricht“ (dargelegt an den Genesis-Erzählungen, Kaps* «el 15; 22, 28, 32). Familien « Nachrichten Herr Juli!!« Willi! ■r, Hrr.l.m. S.! Imvstr. 85 ((ruhet Kattowiu) feiert1 «m 0. Okiolicr sriiirii 70. < '״•In1r1.!«[:. Fiau half» Totznk, jpl», 1.1.0״ Ratihor (Ub.-Schles.), begeht •01׳ 0. Uktuhcr den 80. <;«l1,1. 1!1״g. Bar Mizwah-Termine Am 6, Okiolicr -- 27. t! thn: CJcrU Lüwcnhcig, Sohn von AflhvÄ l.tuvcnlicr^, < oll *uw (|\»1t1!1u m). Am 13. Ukiohcr — 4, Mardu«־hwan: Erich Kniehel, Sohn VOB Leo Knie bei und Ei au Em!U, yd>. YMentuv in Glogau. AhkÜHdi^UHC^CH Blagen 1. Rh. und Umgebung 1 1 Ir. ]!an« l’omeranz spricht Montag den 8. I Iku.hcr, abcud. 8.30 UUr, im Saale des Hessischen Bot, libcr das Thema: ״Jndrri —■ Fh״l.11«l — Araber“. Einführung!11 die soziale und |!o!i!!,d!e Real11.1t de» hctlligen Palästina. — Bocholt 1 Die ArlwiKjetm-itisi halt juili-.In t Lehrer am Niederthein lagt am 14. Oktober in Mülheim (Ruhr) im isriiel. Gemeinde« hau«c, 1.011-1 r. 53, um 18 Dir. Tagesordnung: lk-riHlioth 6a. — Emmendlngeni An» 1. OUiolier apriehl llr. Stcinfcld, Mannheim, über ״Ili.leuiiiiig de, KlCt. in Frei Israel". — Frankfurt *• M.l Gesellschaft Mir jüdische Volk .I,il1|11n<: c. V. Am 15. Oktolrcr, 20.30 Uhr, Vortrag von Alt hur Itnlle iib-T ״Das jiidisrh« Volkslied1* Uhler Mil״ Lrkuug von ( Mh rkanlur Naiiiuu״.I'leisihmann, Karten ui der Ah, ndt.11 --c im Gr« ׳llsi'lmfl'h.iii-, IGHicr.lieimcr I.an'f'tr. 27. — ״t'lmg lwii". K-rher.h. iim r L.iiitRir, 88. Am 7. Oklolier, abend» 0 I lir: ״l.es( alieml, Srli.ilmn Ale« In 111“, — .Scll).<tl1ilfegrU|1|1cfl jüdischer lllinilcr und Kiiriu'ilichiudcricr, Ori.gruppe Frnnklurt 1. M. Nächste Miiglicdeinrsiimmluug um 9. Oklohrr, 20 Uhr pünktl., im Turn-u.1l ilcs Isra liiUI!a1 Boris, Ukiih.lr. 8. Vortrag von ßvmlikus Dr. Maizilorlf: ,,Was iimlj ihr l.aie vom Hecht wissen?" — Jüdischer Kulim’uuml Rhcin-Kuhr. Vortrag von Dr. Elors,rr: Aachen: 8. dkl., 20 Uhr, Wiiiis.ial de« f־>lüdl, Koimilliause«. IVnpperlal! 7. Oktolrer, 20.30 Uhr, Weißer Sjal der Smdtliallo.!•Nsrli: 8. Oktober, 20.30 Uhr, l.ogc; 1t. Okloh.r, 20.30 l hr. t.oge. G1 Iscnkirchcn: 9. Oktolrer, 20.30 Uhr,! ״gc. Re1ldi11ghau.cn: 10. Oktober, 20.30 Uhr, Jüd. Gcmrindchuu«, Am Poliztipnis. 3■ Konzert.Tiio: Ilruno F.i-ncr, Slcfsn Frrnkel, F.wel Slrgmaiin. Krefeld: 10. Oklolrr, 20.30 t'lrr, Thcrtcrsaal der Sin.!!halle. Külu: 11. Okluher, 20.30 t’lir, Großer Saal der üii! grrgesf IKchnfl, Slcllln: Zioiusiiche Vcrcmigimg. Simchaih- 7 liora.lä ier am 6. Oklolier, 0Ik8.30 >!>1!׳ (dir, im F> -l-a.il von Karrhmv-ki-t'i .eher, Fiicdrich-Karl-Slr, 3. Festrede: Herr Ralrtiincr Dr. Mas Flk. IK’klnmnimi'che und umsik 1li che Voitriige, Taut. Karten rinsi hl. Sieucr 7n 50 I’f, für Miigüedir (gegen \ orzcigung der Miiglird'karle) mul 7.11 75 Pf. für .N'iclilmiigliedcr am Sani, eingang sowie ini Vorvmk.uif im Uar-Kochba-Ucim. — WcrfktilB *m Malm Am 14. Oklolier, nadun. 2 l In, .spricht in der •Synagoge Dr. ÜUo Sinmn, Mannheim, über ״Palu .hnu als F.insrandcr!!ngsla!!d“# Ifaupljelirittlcitcr! Dr. Robert W « 11 י c h. Berlin-Chnrloltenburg 9. Stellvertreter! Kurt Locwc nitein, Berlin W 15. Verantwortlich« Schriftleiter Bit »len gesamten redaktionellen Teil*. Kurt Loewen• fein, Berlin W 15. Anzelgmlciterin und verantwortlich filr den Anzeigenteil 1 Bclene C h a n c i n e r, Berlin N 54. Verlag und An• *cigcnvcrwoUung: JinUohe RumUchsu. Berlin VV IS, Meinckeatr. 10. D.-A. Septrmher 35700. Drink; Siegfried Scholrm, Bln.-ehünehorg, artiR, weil er Katholik war. Die öffentliche McinmiR bestand darauf, daß alles Katholische ״fnlscli" sei. Das Herz des Hofes über war der Stall; die Pferde, die ja auch ein schönes Stück Geld Rekostet batten, wurden mit einer I lingebung gcpflcRt, mit einer Sauberkeit gehalten, auf die Menschen, wenigstens die des Hinterhauses, keinen Anspruch hatten. Wir versaßen im Stall besonders die Winicrinonate, nur gegen die Vcrpflicliftnifr, Trensen lind Kandaren zu putzen oder Riemenzeug zu schmieren, eine frühe Könnerschaft, die mir später in meiner Miiilär/eit sehr zugute gekommen ist. Der Stolz des 1 lofes aber war ein Fliederbmnn, um den wir Junget! und Mädel uns vom Frühjahr an abendlich versammelten, um 1ms, niigeneltm müde vom Spielen und Raufen, ״etwas zu erzählen“. Der Ausdruck plaudern öder sich unterhalten ist dem Herliner nicht geläufig. Wir saßen übrigens nicht unmittelbar unter dein Flicdcrbatini, sondern vielmehr auf einem wohl• gehaltenen Misthaufen, der ihn rund umgab und ihm wohl seine besondere Stärke und Lust zum Blühen verlieh. Die beiden jüdischen Familien des Vorderhauses stellten zugleich die Bourgeoisie dar, man hatte eine geräumige Wohnung, darin ein oder zwei Zimmer für das noch übliche Hnllxlutzemi Kinder, man hatte ein Badezimmer, und wem ein ״Mädchen für alles“ genügte, statt eines richtigen HausiiKidchens und einer Köchin, der war auf dieser Stufe noch nicht angekommen. Daß der Jude auf der zweithöchsten stand, war eine übliche Annahme; es wurde von ihm einfach verlangt, daß er Geld hatte. Wenn einer _dcr Söhne dcfs Kutschers einigermaßen ausgewachsen war, ging er nach der vormittagliehen Schulzeit zu einem jüdischen I.adcubesit/.er oder, was nicht unfreundlich gemeint war, zu ,״seinem Juden“, um Pakete ausztdr.igen oder stell sonstwie sein erstes Geld zu verdienen, bevor er konfirmiert wurde und in eine richtige!.ehre kam. Wenn wir über die Maucr des Hinterhofes kletterten, gelangten wir in ein sehr ärmliches verwahrlostes Nachbarhaus, das nur von Proletariat, auch von jüdischem, bewohnt war, und das, was wir Berliner Jungen früh genug einsahen, auch von den Erniedrigten und Beleidigten der Menschheit, besonders weiblichen, bewohnt wurde. Recht unvorbereitet entdeckte ich damals, daß es auch arme Juden gab, ohne Badezimmer, ohne Köchin und Hausmädchen, aber ich sah sie, mit ihren orien• taüsch anuiutemien Hausbetrieben eines Zigarcttenmnclicrs, eines Teppichflickers als einen fremden Stamm an, als eine Klasse von Parias, die mit uns gar nicht verwandt sein konnte. Die Leute hatten in ihrem Aussehen, in ihrem Gehaben etwas Exotisches oder wenigstens etwas von weiter her. Die Verständigung, manchmal gesucht nicht nur wegen der Zigaretten, sondern auch wegen einiger schöngewachscner Töchter mit großen fragend oder klagend dunklen Augen, gelang auch nicht immer bis aufs letzte. Wir sprachen berlinisch und sie einen östlichen, fiir unsere O .reu harten Jargon, durch den doch wieder etwas Singendes oder Psalmoaicrcnda ging. Daß wir Juden waren, daß wir uns irgendwie sowohl von dom unvergleichlichen Hauswirt wie von unseren Freunden, den Söhnen des Kutschers oder des Schneiders unterschieden, wurde mir, da es in der Vorschule fiir keine Konfession einen Religionsunterricht gab, erst durch unsere Feiertage bewußt, die kurz hintereinander in den schönsten und meist noch sommerlichen Frühherbst fielen. Meine Eltern liieltcn das Neu* jahrsfest und das Vcrsöhiuingsfcst, allerdings ohne zu fasten, wie sie auch gleich allen Verwandten keinen rituellen Haus• halt mehr führten; sie gingen in die Synagoge mit ihren Gebetbüchern, deren Deckel merkwürdige Schriftzeichen in alter Vergoldung trugen; sie dachten nicht daran, uns mitzunehmen oder uns durch die Bar-Mi/tvah in die alte Gemein• sehaft aufnelimeii zu lassen. Die geheime Meinung war 1111• efälir: uns ist es noch Bedürfnis, das mit/uniachen, ihr önnt euch in immer fortschreitenderen Zeiten cinrichten, tvte ihr wollt. — Unsere Teilnahme an den beiden großen Feiertagen, abgesehen von dem erwünschten Ausfall der Schule, bestand darin, daß wir herrlich zu essen bekamen und einen Berg von höchst gewähltem Obst mit sonst ungewohnter Freiheit ahlragen durften. Daß mitten im bürgerlichen Ka- Icmlcrjahr noch ein anderes Jahr sozusagen mit einer ganz anderen Dicnstmimmer aufittg, fanden wir recht Unverstand* lieh, und noch mehr, worüber wir uns versöhnen sollten, da wir ein recht friedliches, sauberes, zwischen Disziplin und Freiheit wohl abgewogenes Familienleben führten. Der übliche Kriegszustand, den f>111 f Kinder mit den unerläßlichen Püffen, Ohrfeigen oder Verbalinjurien führten, schien 1ms unerheblieh, etwaige Verfehlungen waren durch Mahnungen oder Icicliic Strafen schon gesühnt, und unsere Freunde, bald auch Freundinnen, waren die unten auf dem Hofe, im Pferdestall und unter dem Flivdvrbaum. Ls gab also für die Familie die drei Feiertage int Jahr, durch die w׳ir uns von unserer Umgehung unterschieden, dann wieder einen Ausgleich zti Weihnachten, das nach hoffnungsvoller Abfassung der Wunsch- Zettel die große Bescherung brachte. Meine Eltern hatten das in ihrer ostprcußBchrn oder pommerschon Heimat wahrscheinlich nicht gehalten, aber es hatte sich von selbst so gemacht, daß die Kinder nicht enttäuscht Zusehen sollten, wenn die Köchin, das 1 lausmädehen, später auch das ״Fraulein“ der Schwestern, dann die Waschfrau beschenkt wurden und vor allem der treue alte Hausdiener, der, obgleich itn Lesen und Schreiben sehr unsicher, uns, und das gar nicht schlecht, miterzogcii hat. Eine letzte Zurückhaltung schien mir, bis wir Kinder die Sache seihst in die Hand nahmen, mir dadurch angedcutet, daß der große Geschenktisch keinen Wcihnachtshaun! trug. Der war durch eine lichterreiche Krone aus Tannengrün ersetzt, die von der Gasampel herabhing, und damit fühlten sich meine Eltern vielleicht zur UebcrUderuma des Chanukkahfcstcs zurückgcfiihrt. (Fortsetzung folgt.)