Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 78-79 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 [JÜDISCHE RUNDSCHAU I ו *,;O/ A .׳>. 1;,,.T I־K״< 1' r׳1 ■ :IP/'■ 'U r? i* ׳*־׳ 4׳״ \\ ,׳/ :); Mcir Jaie tiirWm! jüdische mittelalterliche K iltur, die־ eng mit dem ״״,!fl n, Buc.h.. «wachsen cvar,;•)rächte eine Reihe aus- Kf, hmU‘re 1 U 11 ',s c,hcr » ״ c 1« k ü n s 11 c r hervor. Die t reut e ,11״ Schmuck des Huches erstreckte sich auch attl die t 11 c h o 111 h;1 n d e. leine Anzahl hebräischer Schriften des ri c ,XV; Dl,r.ln,,,!h׳rts sind erhalten, deren Einbände von groller Sclnuihi'it sind. Ls handelt sich um Lederschnitt• י'1,1‘ ״ , ,c Lcdcrschnitteclniik verlangt eine ״rolle tundfer igkat; die freihändig init dem Messer in das Leder des tSuehdcckels cingcschnittcnc Zeichnung von Figuren und Ornamenten wird zu rclicfarti- ^er Hohe herausgearbeit״». I־.s ist mm gelungen, unter den Bucheinbänden mit Lcderschnittarbeit, die zu den Schatze״ der Museen und Bibliotheken gehören, nicht nur hebräische Schriften mit Lcdcrschnittcinhän• den fcstznstcllcn, sondern auch «inen jüdischen Leder- *chnittkünstler namhaft zu machen. Auf dem Einband der Mtinchetier Staatsbibliothek Cod. hehr, 212, der einen unpunktierten Pen• tateuch umschlicllt, findet sich folgende hebräische Inschrift: החומש להעיצה מנורנבערקא שיחי׳ מאיר ים׳ המצייר■ (Pentateuch fiir den Rat von Niirnberg, der leben möge, Mcir Jafc, der Illustrator). Der Fiuhand ist mit Lederschnitt verziert. Der Schaudcckel mit der hrhräisclieit Inschrift ist mit einem gehörnten Hirsch mul darüber dem Nürnberger Wappen geschmückt. Der ,andere Deckel zeigt Gerank mit drei Paar groteskrr Masken, ebenfalls in Lederschnitfceluiik. Zu der Inschrift auf dem Münchener Pentateuch pallt vortrefflich einer der Nürnberger Ratsverkisse, ״die l.ihrci aut (lern Rathaus betreffend“, vom 4. Juli 1168: ״Item Mcyerlein jtulcn vor. Ulm ist vergönnt hie zu sein unez vf sauet Merteins tage schierst, vml sol einem rat etliche Bücher ein laflcn binden in der liberey, vnd die ratschreiher das in acht haben. Actum feria sccinida post Visitaeionus Marie virginis (M8<׳).“ Dieser junge Mcir aus Ulm scheint demnach ein fahrender jiidischcr Kunsthandwerker zu sein, der vom I. Juli bis zum 11. Noveniber 1I(>S Lcdrrschnittarbcitcn für den Rat von Nürnberg atifertigte. Vielleicht ist dieser Hand ein Geschenk des Mcir gewesen. Er mag wohl einen iiiipimkticrteii Pentateuch besessen!iahen, den er, kostbar gebunden, dem Nümberger Rat überreichte. In der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts wurde in Fran• ken, besonders aber in Nürnberg, der Lcderschnitt als Einbandtechnik sehr geschätzt. Da in dieser Zeit des ncuaufkomnu-mlen Buchdrucks ein starker Bedarf nach Bucheinbänden bestand, halt man sich durch ein weniger mühsames Verfahren, indem man die Verzierung mittels eines Metallstempels in das Leder preßte. Die wertvolleren Bücher wurden mit Ledcrsclmitt geziert, Auch findet man Lcderschnitt und Stcnipclvcr/ienuig häufig auf demselben Einband gleichzeitig verwendet. Unter den Bucheinbänden, die den aus Nürnberg stammenden LedcrschuiUnrbeiteii sehr nahestehen, läßt sich eine Gruppe von' elf Buclicinbäiulen zusammenstellen, die alle aus einer Werkstatt kommen und in den siebziger und nrht/iger Jahren des XV, Jahrhunderts cnlstanden sind. Auf zweien dieser Bände ist der Name m a 1 r b. b. (Mair Buchbinder) in gotischer Schrift mit einem Stempel eiligcprelit. Mair muß ein berühmter Meister gewesen sem, dessen Arbeiten sehr geschützt wurden. Wir haben hier einen der seltenen Falle vor uns, wo uns Namen von Buchbindern erhallen sind. Fs ist nun naheliegend, diesen mair b. b. ה אי kt׳ t-iX ir} Nr, 78/79, 28.?X, 1934 des Namens braucht uns hei der Unsicherheit, die l beim Schreiben der Eigennamen herrschte, nicht zu ■־ Die elf Biindc, die aus der Werkstatt des auch mit Lederschnittcinband mit dem Bildnis des Georg von (Jottesfeld, Um!475. London. Britisches Museum, mit dem Mcir J aJ c des Münchener Pentateuch und mit ״Meyerlein juden ans Ulm“ zu identifizieren. Die Daten möchten wohl stimmen. Die verschiedene Schreibweise 1 stören us uer wviieuau ucs mair stammen, sind nicht nur mit Lcdcrsclmitt, sondern auch ne* StcnifH’lalidriickcn verziert. I ine Bestätigung der Zusammen gcliürigkeit dieser Finhände liegt auch in dem wiederhol(,' Vorkommen derselben Stempel auf den Buchdeckeln, p r.inhäiule, die in Frlaiigcn, Ansbach, im Britischen m,ih י' London und in Wolfcnbiittel auf In־ wahrt werden, enthalt! abweichend vom Geschmack der Zeit, sowohl in den Le,|״ scliuittarbciten, als auch bei den Stempel 11 keinerlei cfiristlich" Symbole. Zaun Schmuck sind die Wappen der Besitze, :* kunstvoller Ausführung und phantastische Ticruiul l>||,1n< ’ Ornamente verwendet worden. Aus zwei Banden, die Sainmengoluiren und jetzt in Ansbach und im Britisch^ Museum aufgehoben werden, ist der Besitzer, der 0ht, pfarrer von Hof, Georg von Gottcsfcld, in ganzer Figur״ seinem Lesepult sitzend dargcstcllt. Die Auftraggeber des Mfir sind im adligen I lumanistenkreis Nürnbergs r, *neben. Die au! den Einbänden angebrachten Wappen dtf Besteller sind die der Nürnberger Patrizier, wie der f,. inilie Unheil,׳um, Seliaumberge, Gottesfeld, Ikick von Su!" Sieben der Bimdc sind für Hack von S111, genannt von Th!! angefertigt worden. Während fünf Bande das einfache Hack! sehe Wappen fragen, sind zwei mit dem I)«npehvappm von Hack und seiner Frau geziert. Dadurch können *ז die beiden• Bande auf die Zeit von 1181 1 l'j'2 datiere״ denn MSI heiratete Hack von Stil und 1102 starb er. fj handelt sieh hei diesen Banden um spätere Arbeiten, des« die übrigen Bücher sind wohl kurz nach der Drucklegun, ' der Schrillen in den siebziger Jahren eingebunden worden Charaktcristiseherwcisc sind nur die beiden Bande mit des Hacksrhen I )oppclwappen mit dem Namensstempel m»it 1*. b. versehen. Mcir Jafe dürfte erst spat, als er schon berühmt war, angefangcri haben, seine Arbeiten zu signieren. I ine Erscheinung, die wir öfters in dieser Zeit beobachten! Die Zeit der Tätigkeit unseres Meisters wären demnach die siebziger und achtziger Jahre des XV. Jahrhunderts; oh ״ in der damals judcitfrcicn Stadt Nürnberg eine dauernde Werkstatt auf geschlagen hatte, ist nicht sicher; möRlkhcrwtwt hat er als fahrender Handwerker Nürnberg mir öfters berührt Heber die weitere Tätigkeit des Meir Jafc lassen!ich nur Vermutungen anstcllen. Fine Anzahl der ersten Bibel• drucke in deutscher Sprache in Bamberg, Erlangen, Leipzig und Wolfcnbiittel sind mit Lcderscluiil(arbeiten geschmückt die in der Art ihrer Auslührung unseren elf Lcdercinh.tmtm sehr nahrstchcn. Die Drucke müssen 11m 147t) gebunden worden sein. Da der Erstdruck der Bibel in deutscher Sprache damals eine grolle Kostbarkeit war, sind diese Bände, wie der Münchener Pentateuch, nun ganz, mit Lederschnitt verziert und ent hehren völlig der StempelalHlrncke. Dies erschwert natürlich eine Zuweisung an unseren Buchkünstlcr. Nur auf einem Band in Bamberg findet sich eia Stempclabdruck, der mit denen des Meir Jafc übereinstimmt Einen Hinweis auf einen Zusammenhang mit Arbeiten d« Meir Jafe bietet ein Lcderschnitteinhand in Wien, der wohl ursprünglich eine hebräische Schrift umschlossen hat. Dies« Band ist einfacher aiisgestattct, kopiert aber den Hinter• decket des Erlanger Bibeidruckes vollständig. Auf dem Wiener Band findet sich nun eine jiddische Inschrift mit lichra• isehen Lettern, die denen auf dem Münchener Pentateuch ähneln: היטיק בור דער קצג די בורג לעקן אג הינטן קרצן (llutikli hör (vor) der kazn di born (vorn) Uh 11 un hinten krazn.) Ein nicht sehr höllidies deutsches Sprichwort, da! sich auf die Erat! bezieht und öfters auf Holzschnitten und Kupferstichen dieser Zeit vorkommt. Bei diesen Bibel■ einliäuden sind zum Teil Kupferstiche des Meisters E. i als Vorlage verwendet •worden. In dieser Zeit sind Kupfer« stiefle besonders vom Meister E, S.t der um 1460 in Suddcutschland tätig war, in allen Zweigen des Kunsthaiidwcrti )läufig kopiert worden, sic waren auch t. T. als Vorlagcmatc• rial geschaffen. Wir haben hier das Beispiel eines ec 11 teil Handwerkers vor uns, der weniger Wert auf die freie ' Erfindung des Buchschmucks als auf gute technische Ausführimg legte. So mag cs möglich sein, daß die stolze Be• Zeichnung המצייר (Künstler, Illustrator) auf dem Mmichner Pentateuch nicht auf Aloir Jafc seihst bezogen werden soll, sondern dal! der Buchkiiustlcr die Berufsbezcichnsing seiner Familie mit in seinen Namen übernommen hat. Fs gibt ein« Familie Jafc (Jafa), durch die die Haggadath in Darmstadt und in Cincinnati geschrieben worden sind, Andererseits aber hat Meir Jafc nur die Lcdcrschnittarbcitcn auf den Einband« ausgelührt, denn die buchbinderisclie Arbeit bei den uni bekannten Bänden steht nicht auf dem gleichen technisch hohen Niveau wie die Lcdcrschnitlarbcit. Dr. I rm g ard Schüler. Eint Bild.Rcportagi I von Bon-Gavrtil >* -,A4 <' i f t&ilL ■*ä» I fcm i «**y» v*• jpmfj ['%* *ד«1־׳״י־*יןיון וו **< נ \ * T Lי ׳ י . V '**- 1 1 /׳> ) 4 V 1 '׳ t I ..י»־. "5/י#״’;י ׳•V'J'lHl'i V־‘" t 1 1,v .,< מיי?n! * V׳..:', י ייי ׳יי Tn ■ *4 # t '> 1״ i ־/ 1 ן k “ r 1 O1' Fon links nach rechts, obere Reiher Bio Kinder werden am Vormittag gebadet — 'Frauen und Kinder sitzen den ganzen Tag aber vor Jen Hausern und essen gebratene Kürbis• kerne — Kurdischer Jude im Feiertagsklcid — Ein Chacham erzählt etwas — Auf dem Spielplatz unterhalb der Stadtmauer. — Untere Reihe: Die Polizei regelt die Wallfahrt zum Graba Davids, das ein mohammedanisches Heiligtum ist und sich im Besitz einer arabischen Farjtilie befindet — Der Ilauptelngang zum Grab_Gruppen wartender A*״* der. and Frauen, — Die marokkanischen Judm ziehen mit ihren Thora-Rollen singend durch die Jaffa-Straße,