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Jüdische Rundschau · 1934-09-28 · Heft 78-79 (28.9.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 78-79 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 28. IX. 1934 n —a י.«* S-aS ,.«Z Itäylfa'J : 1.,,« 's, .2 c,-4 v^, *L-׳ Von Joachim Prinz Versucht ms», unsere heutig« Judensituation aus den poH• ,jtclicir Formeln zu vr losen mul י sie in andere Bezirke zu stellen, ״ i י j Ml n n י ־ ו r M; ׳ ־■■ ■H i*t\ ־;m ui.ht 1 ז Wn־!r.?ףי^יח *י li-ii'Ii-U!Für m ’ ׳!’ m׳n!4 \ ח!'■ hn \ m ni.!,t; S, Uldzf i 1 BHr ht, i * .־ { <!ltne ׳• זי 1׳!< k f I)ff J 5. Wfii, ‘B tipf. .1, ,. ־:' « ‘•Wliff •| ■׳*■ Mkh « n ׳ח 1 ־ ft irr-; '14, <l)g 1 j kf11׳m<% l׳j m ,1 :!p 1 .'nie in t Kiffer, :1 Sur4 * •j ül.iluv 'i I \ ,.j 8ז<)!חיייו 1 iukit'fn s0 k,1m man sage״, daß sie dadurch gekennzeichnet ist, daß *jr offenbar Inmitten der Welt urn uns eine ״Rand-Situation" darstellcn. I׳jr loben, wir wirtschaften, wir haben Anteil an einer ge- ״i!15c1t Zahl von Lcbcusäußcniiigeii, aber wir leben nicht mjttc»1 drin'1. Unsere Bemerkungen zur Lage, zu den "eidigen und politischen Vorgängen verändern nichts und ^•irkon gar nichts, Es sind Rand- Bemerktingen. Dort, 0 das Lehen wirklich pulsiert, wo es neu gestaltet wird, 0״ cs neu umbrochen wird, überall dort haben wir nichts zu ״״cn, haben nicht niitzurcden, geschweige denn mitzubcstimpen׳ Wenn man sich einmal überlegt, dali nach der gel-!(!,den Anschauung ein Jude in Deutschland außerhalb der jdnrn Wi-M'nscliaft kein Wort zu den Dingen der Kunst t«l ihs geistigen Lebens mehr zu sagen hat, dann wird man ,,Gehen, daß wir empfinden, wie sehr wir von den Lehensgjfini aligcscliiiittcn sind. Es ist ein Akt von symbolischer Bt’dciilung, dali jüdische Zeitungen sehr häufig mit den Zei- ►J״pcn des Auslands zusammen sozusagen in einem Atem- .,!je angi'hoten werden, obwohl sie doch gewiß einen ganz ,(deren Tvp darstellcn. Das Symbolische dieser alltäglich zu (H'obarhiciHicn I lamllting bestellt darin, daß man unseren Atem in eine andere Welt verlegt hat, Muhr.! )t Hw nruie *Vrrn.!uknnlt ihm ין׳ ewiihr• h fiir des ו •hnten rfolge sieb nund, rtztei» a tue?ißen• ׳lirntunmi. ff « jü<li» B<r. cseH» 1 0m reB des;inche j:f) so 11 rntefiuiert und so wenig klar umfriedcl sic auch im Augenblick sein mag, jedenfalls in anderen Rhythmen, in anderen Abständen und auf eine schlechterdings von der deutschen Wirklichkeit unterschiedenen Art atmet. Die deutsche l'mwclt empfindet, dali wir zwar atmen, daß aber die Gleich zc i t i gk ei t unseres A t e in s mit dem der wirklichen Welt bestritten wird. Die innere echte und tiefe Erschütterung der deutschen Jtidcnheit bestellt darin, daß sie nicht begreifen kann, daß sie nun plötzlich und ohne innere Vorbereitung einen anderen, rieht mehr ״gleichzeitigen“ Atem!iahen soll. Solche Einsicht i״nnlc imstande sein, die persönliche Tragik von Menschen ni bedeuten. So ist z. B. das Sterben Jacob Wasserman ns ein solches tragisches Gericht. Mag die Todesursache im iinniitti'lhnrcn Sinne sein, welche sic wolle, in ״Wirklich■ Dt" starb er, weil er Zeit seines Lebens nur in Gleichzeitigkeit;«lacht hat, in dem Augenblick, in dem er zum erstenmal Ihr erkannt hat, daß ihm diese Gleichzeitigkeit des Lehens f 11111 des Atmens genommen ist. Der Tod Walter Ratliftuns, eines Menschen, der gemeint hat, daß sublime Kultur ihn persönlich vor der Juden frage schützen könnte, hatte in noch stärkerem Maß einen symbolischen Charakter. In der Kugel traf ihn die Judenfrage. Manchmal üherkonnnt einen die (irausigkeit des symbolischen Todes. So etwas hat mm spüren können, als die Nachricht von dem tödlichen Unfall des großen jüdischen Schauspielers Pallenberg zu uns Dm. Audi er starb in dem Augenblick, in dein seine Zeit?11 l'mle war. Die innere Zerrissenheit und die grausame Tragik hat ihre Wurzeln in dem Faktum, daß die Juden in Dciiwhlaml wirklicli sehr oft und lange mit Recht haben glauben dürfen, daß sie eine Gleichzeitigkeit mit der Umwelt besitzen. Denn das 19. Jahrhundert bedeutet eben den Versuch, «it der Umwelt gleichzeitig zu leben. Das war ״ehr als ein ״Versuch“. Abgesehen uavon, daß er in manchen Fällen uml in gewissen Zeiträumen geglückt ist, wurde er >5 ein großer Glaube empfunden, der mit heiligem Ernst wt ()ngiiiatik des Jahrhunderts gemacht wurde. Es wäre ungerecht, die Bedeutsamkeit dieses Glaubens nicht zu sehen. Es wäre auch ungerecht, in ihr nicht die Assimilation |»!s Chance zu begreifen. Es wäre aber nicht gerecht, zu vergessen, daß icr Begriff und die Wirklichkeit der Ungleichzeitigkeit zu den Grundlagen des jüdischen Denkens und des jüdischen Seins gehören. In der Tat: Solange die jüdische Welt geschlossen war, r‘jAt nur in der (ialutli, sondern auch lange vor der Zeris!«u11g der staatlichen Selbständigkeit, waren die Ungleich* |?,f'itigkeit mul der ״andere Atem“ Voraussetzungen der jiklijsdicn Existenz. | Z11 allen Zeiten nämlich bedeutete das, was die Juden j vtrkumlct i'ii und als ihr Eigenes ausgaben, immer den Gang '״ die Einsamkeit und den Anachronismus. Gegen whyhmicii, Aegypten und Kanaan predigten sie. Der frühe ן ■W.lu'isimis, die Farblosigkeit ihres Gottes, die Unsinnj “c״kcit ihrer Vorstellimgswelt wurden immer als Proteste ‘;?1'n die Weh empfunden, und sic waren es au?h immer, nlletuls in der Cialtill! war die Jiidcnexistenz und die jüdische ,;ülaiikcnwclt von einer völlig anderen Artung als die der *■ niwi'lt. Das wurde von den Völkern immer so empfunden, J 11"״ es wurde von den Juden nie bestritten. M;1׳ kann für J ‘■^cn Sachverhalt eine Fülle von Belegen anführen. Sic alle ׳,!men vielleicht ersetzt werden durch eine Anekdote, die 'dorisch zwar nicht verbürgt ist, die aber von allerhöchster ülcuiiiiig für diese Betrachtung sein kann: Die Begegnung ף Kreuzfahrers (io'ttfricd von Bouillon mit dem *aimiullelirer R a s c h i. Bevor Gottfried von Bouillon seinen Kreu7.7.11g unter- I nT"1-' *r,1K* er ״ac'' einem klugen Mann, der ihn beraten 1 .01־ /f.lwirl von Ra sein. I'.r reitet nach Worms, drängt sich rc" die Judengasse und stellt vor der romanischen Kapelle. Begegnung. Diese beiden Menschen stellen sich gegenüber wie zwei Welten. Sie stehen gar nicht auf der gleichen Ebene, weder im Denken noch im Leben. Der edle Ritter von Boiiil- Ion hat sieh doch widerwillig durch die Judengasse gedrängt, uml er hat es nur getan, weil er vom Juden etwas verlangte. Nur das und nichts anderes ließ ihn großmütig und im Bewußtsein seiner Generosität in die enge Welt des Ghettos herabsteigen. Und Raschi. Welche innere Sicherheit! ״Eroberung Jerusalems" — das sind für ihn die Zeiten des Titus und des Nebukaiinezar! Mit uralten Augen schaut er den Ritter an und Ohren hören zu, die schon das Getöse vieler Epochen erlebt haben. Es ist wahr: ,,Gegenüber der gotischen Stadt war das Ghetto 11111 10!M) Jahre voraus." Diesen Satz bezieht Spengler auf das Wirtschaltsdcnken der mittelalterlichen Juden. Er gilt aber in gewissen! Maße* für die gesamte Gedankenwelt. Er wird illustriert durch jene innere Ucberlcgcnhcit des Rabbi von Bacharach, der durch den bunten uml schönen Tand eines Jahrmarktes geht wie durch eine Welt, die seiner nicht würdig ist. Es ist ein Gefühl einer Aristokratie von hohen Graden, das nichts mit dem Trotzgefühl eines unbändigen Knaben und alles mit der ruhigen, ein ganz klein wenig spöttischen, ungcheuer sicheren Abgeklärtheit eines alten Mannes gemein hat. Diese Sicherheit kam aus dem Bewußtsein, einer eigenen Welt, mit eigenem Atem und mit eigenen Werten, anzugehören. Der Versuch der vergangenen Epoche, Gleichzeitigkeit zu leben, gilt als gescheitert. Unsere Leere besteht in der Tatsachc, daß man für die ״Unglcichzeitlgkeit" eine bis zum Rande gefüllte innere Welt braucht, eine volle jüdische Welt, die wir in den letzten 100 Jahren verloren haben. Was in Palästina geschieht, ist die Rückkehr zum normalen Leben. Wir g I ,1 u b e n an diese Rückkehr, Aber eine der wesenthellsten inneren Fragen, der Fragen, die abseits von Politik und Wirtschaft liegen, ist diese: Daß unser Volk auch in der Normalitilt des wiederherßcstclltcn vollen Lebens nicht vergißt, daß wir Menschen der Unglelcli/.eltlßkclt sind. Das ist unser Schicksal. Es mehren sich die Zeichen dafür, daß man diese Frage unseres Schicksals 111 Palästina vergißt und daß man in Distauzlosigkcit den Atem der Völker zu atmen beginnt. So beginnt dann ein altes Volk die Jugendtorheiten der jungen Völker iiaelizuahmen. Bei alten Menschen nennt man diesen Vorgang, daß sie kindisch werden. Auch hei Völkern kann cs den Rückfall von der Würde in eine senile Kindheit geben. Wir Juden sind wie ein Meleor In die Welt geschleudert. Der Zwang unseres Weges und die Herkunft unseres Schicksals werden ein Geheimnis bleiben. Sicher ist, daß sich nicht ohne Grund die Geschichte der Juden von der Erschaffung der Weh hcrschrcibt. So kommt cs, daß wir das einzige Volk sind, welches das fundamentalste Ereignis allen Lebens feiert, nämlich die Entstehung der Welt. Dal! wir unser Neujahr nicht als Geburtstag unseres Volkes feiern, sondern als Geburtstag der Welt, 111111 daß wir an jedem Freitagabend die Erinnerung an die Tage der Schöpfung, deren Ablauf wir atu Sinicliath Thora-Fest in der Thora- Vorlesung vernehmen, binden, das macht es vielleicht, daß wir mit einem anderen Atem leben müssen. Palasiina 1m Bericht der sechsten Völkerbunds-Kommission In einem offiziellen Gm!1m111i1|m'• des Völkerbundes _wird der Bericht nütgcleilt, den der tli! 11i«1l1c Delegiert« Erik de S c ,ו v c n i 11 ’s der Völkerbund'־ er«ammltmg im Auftrag der sechsten Kommission über deren letzte Bcraliingcn erstattet hat, Uebrr die Beratungen betreffend das Pa- I a s t i n a m n 11 d a t heißt cs 111 <11111 Bericht: ״Die Frage des Jüdischen Natiotiallicims in Palästina, die in der VI. Kommission bereits wiederholt angeschnitten worden ist, wurde von niehrcrcn Rednern berührt Der Delegierte Polens (Kilski) gab der I loffmiug Ausdruck, daß man der überschüssigen jtnlUcI.cn Bevölkerung Mittelut 4 Osteuropas die Niederlassung in Palästina gestatten werde; zu diesem Zweck solle die zionistische Einwanderung ver- Stärkt werden unter Berück«« liiigiini; der besonders günstigen Wirtschaftslage des Gebiete«, die in einem hohen Maß der Tätigkeit des jüdischen Bevoikernngsclements ziizusclirciheu sei, I >ie Delegierten Persiens und de« Iraks sprachen die Hoffnung aus, dal! die zionistische Einwanderung nicht zum Schaden der erworbenen Reihte der eingesessenen arabischen Bevölkerung vor sielt gehen werde. Der Delegierte Großbritanniens, der Maudaiarmaeht für Palästina (A. N. Skelton), erklärte, seine Regierung sei in gleicher Weise tun die Intere.sen 11 c i d c r Bcvölkeruiißselcmcnte Palästina«, des jüdischrn und des arabischen, besorgt gewesen. Skelton versicherte, die polnische Anregung werde in vollem Mal! und mit aller Sorgfalt geprüft werden, zugleich aber mußten die Bestimmungen de« Mandats und die intcrnretierende Autorität der Mandatskonimission, die vor kurzem bestätigte, dal! die jüdische Einwanderung abhängig sein solle von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Mandatsgebiots, beachtet werden. Am Schluß des Berichts wird der Völkerbtmdvcrsammlltng eine Resolution \«>rgc«cI1lagen, in der den Mandatarmachten, der Ständigen ,Mandatskommission und dein Völkerbmulrat »ins Vertrauen betreffend die Durchführung von Artikel 22 des Vnlkcrhuttdabkoiniurns und die Zuversicht ausgesprochen wird, daß sic das ein ich das Mandatssystem geschaffene Werk des Fortschritts in dem gleichen ticist enger Zusammenarbeit fortsetzcn werden. Um den innerjüdischen Frieden Jerusalem, 23. September, ()TA.) Wie Olicrrabbirier K 0 o k mittcilt, sind auf seine Anregung Bemühungen eingeleitet worden, den inneren Kampf im Jischuw zu b c e n d c n. Zu diesem Zweck sind eine Reihe von V e r st ä 11• d 1 g 11 n g s - K o 11 f e r c n z e!1 in Aussicht genommen. Die erste dieser Besprechungen hat bereits im I lause von Rabbi Kook stattgefiimlcii. Sie galt der frieilliclieit Beilegung zunächst derjenigen Meinungsverschiedenheiten, die zwischen dem Arb e i t c r v e r b a n d und der Vereinigung der jiidi• sehen Landwirte bestehen. An der Aussprache nahmen als Vertreter des Arbeiterverbandes Herl Katzenelson und David R eine 7 teil. Es wurden Probleme des Arbcitsvcrhältnissos in Palästina besprochen, wobei die Vertreter des Land- W'irtc-Vrrhnndcs aufgefordert wurden, die Zusicherung zu gehen, dal! sie ausschließlich jüdische Arbeit*• k r ä f t c beschäftigen wurden. Die Vertreter des l.aiulwlrte- Verbandes brachten die Frage der Verwendung jüdischer Arbeitskräfte iin allgemeinen, nicht bloß derjenigen von Mit* gliedern der tlistadrutii I laowdim, zur Sprache. Oberrabbiner Kook äußerte sich sehr zuversichtlich über die Ergebnisse dieser ersten Aussprache. Er erklärte, er werde sofort nach Beilegung des Arbeitsstreites versuchen, auch die politischen Streitfragen zwischen Arbcitcrparti Ilern, Revisionisten und anderen Gruppen zu bereinigen. Bei seinen Bemühungen, zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien Palästinas zu vermitteln, glaubt er auf die Mitarbeit des Vorsitzenden der Palcslinc Electric Corporation, Ing. Pinchas Ruthenberg, rechnen zu können. IflH'lli sitzt in einer Steinnische, ein alter hochbctagter Mann. ni 11111:1־ cm׳! 1 ,sc'"'GM. Der Ritter tritt ein, Raschi kann sich nicht er- ״c׳״ , r Mickt von seinen Büchern auf. Vor ihm steht der Vi fr Gottfried, eine eiserne Maske des Mittelalters, nur sein ״*״ '*t aufgeklappt. Er strolz.t von Eisen. Und er fragt sei״;״|c|, vvj|| jcrusa|cm erobern. Wird cs mir glücken?“ , . entstellt eine Pause. Beide hören: Jerusalem. Und 1Ic denken. ,,, Gottfried, der Ritter von Bouillon, denkt: ״Jerusalem! " ״llrK Davids — hohe Mauern — wird man sie rammen? hüisalcm — Hierosolynia est perditaü“ icha 1'•• denkt: ״Jerusalem I Jerusclialajim — Bcnch Jeru* i ,־־ Tempel — Priester — Moschiach.“ _ asclii antwortet. Der Rat, den er gibt und die Erfüllung Reichsbischof Müller zur Judenfrage Rciclisbischof M ti 11 c r hielt in Hannover eine Rede, fn der er nach dem Bericht des DNB. auf die Judenfrage zu sprechen kam und sieb gegen die Leute wandte, die da sagten, Clirishis sei doch auch Jude gewesen, Man müsse darauf immer erwidern, dal! in jenem Volke stets der Mann, der ihm die Wahrheit sagte, iimgcbraclit worden sei, zuletzt der Heiland selbst. Das Christentum sei nielit ans dem Judentum her,ausgewachsen, sondern 111 stetem Kampfe mit ihm entstanden. Z.11111 erstenmal seit christlicher Zeit habe nun ein Volk es gewagt, den Juden den Kampf an Zusagen, ln diesem Kampf müßten wir Christen ztisammensfelicn, und w׳c!1n wir auch einmal ein halbes Jahr darben müßten. * Es ist an dieser Stelle nielit möglich, die theologische Diskussion über das Verhältnis von Judentum und Christentum zu fuhren. Was die Frage des Verhältnisses des jüdischen Volkes zu den Männern, die als Kritiker des eigenen Wesens aus seiner Mitte anfstanden, betrifft, so können wir allerdings der hier gegebenen G c s e 11 i c 111 s d eil 111 n g nicht folgen. Die Juden 11,oben Kritik gewiß nicht leichter ertragen, als es bei allen Menschen und Völkern der Fall ist, die aus psychologisr’,1 verständlichen Gründen die eigenen Scliwädien nielit gern anerkennen. Trotz dieser Haltung hat das jiidischc Volk als einzige Gemeinschaft des Altertums die Kiimlcr uml Mahner, die ihm seine Fehler und Sünden vorgehalten haben, als Scmllingc Gottes empfunden und durch Jahrtausende hindurch als die wahren Träger des jüdischen Geistes, als die Schöpfer seiner religiösen Ethik, verehrt; diese Tatsache wird auch von der christlichen Theologie als die für die Geistcagcschiclitc entscheidende Tat, sozusagen die ״kopcrnikauischc Wendung“ der Rcligionsgeschiclitc, anerkannt, und auf diesem B! den wurzelte nach Christlicli-fheologischcr Auffassung allen das Christentum. Die jiidischc Diaspora-Geschichte aber ist an Verfolgungen und an Märtyrertum reich. Die Bemerkung, daß ״zum ersten Male" ein Volk den Juden den Kampf angesagt hat, kann sicli wohl nur auf die Form dieses Kampfes beziehen; denn׳schon Im Mittelalter wurde den Juden der Kampf angrangt und sic hielten ihm stand ״zur Heiligung des Namens“, «iiiwuriti, L/Cr K«U) üch er ^1u1 uncj vite miuhuhu iiipn vvininissioner r Prophezeiung ist hier nicht wichtig. Wichtig ist die wiedergegeben habe. Mosche Scherfok bei Emir Abdallah Jerusalem. (Palcor.) Am Tage nach Roseli Haschanah besuchte Mosche S c 11 e r t o k, der erst vor kurzem von *einer Europareise znriickgekchrt ist, den Emir Abdallah in seiner Residenz Amman. 111 der ausführlichen Unterhaltung wurde die letzte Reise des Emir nach London besprochen. Ferner wurde die Frage der gegenseitigen Beziehungen zwischen Juden und A r a b c rn in Palästina berührt. Der Emir betonte bei dieser Gelegenheit, daß die palästinensischc Presse den Inhalt seines letzten Memorandums an den High Commission er über die Verhältnisse in Palästina falsch Edvin Samuel in Berlin In den Tage» vorn 21. bis zum 2ö. September weilte der stellvertretende Sekretär des Einw amlcrnngsnmtes der p». )ästiiicnsischen Mandatsregierung, Edvin Samuel, in Ber- Iin, um auf seiner Europa-Reise zum Studium der Bedingun• gen der jüdischen Palästina-Wanderung sich über die Verliältuissc des deutschen J 1111 c 11111 m s ־zu Informieren. Er nahm Gelegenheit, mit den leitenden Körperschaften des P a I ä s t i 11 a - A 1111 s über die aktuellen Fragen der Aus. Wanderung deutscher Juden nach 3P.1l.istina zu konferieren, lind hatte auch die Möglichkeit, die Arbeit der Berufs« m* s c 11 i c 1111111 g auf einen! der großen Lehrgtitcr kcnncnzuler. neu. Bei einem Empfang, den (Ins Palästina ׳Amt und die Zionistische Vereinigung für Deutschland für den Gast gaben, wurde er im Namen der zionistische« Körpersenaften von Dr, Franz Meyer begrüßt und antwortete liier,auf sowie auf eine Rede von Dr. Sereiti mit einer hebräischen Ansprache, in der er über seine L'iiulrückc in Berlin hericlitetc. Der Besuch Mr. Samuels dürfte für die weitere Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen in Jerusalem von erheblicher Bedeutung sein. Von Berlin aus begab sich Edvin Samuel nach H o 11 ג nd. — und in Prag Von unserem Korrespondenten. h. I. 20. September 1034. Am 17. und 18. September weilte der neue Palästina- Emwamlerungskonimissar Edvin Samuel in Prag, Am 17. September hatte Edvin Samuel eine mehrstündige Konferenz mit der Leitung des Präger Pa. I ä s t i n a - A m t c s. Er informierte sich eingehend über den Stand der Palästina-Bewegung in der Tschechoslowakei, über die Lage und Struktur des karpnthorussisclicn Judentums, den Stand der deutsch-jüdischen Emigration und über die gesamten Arbeitsplätze des Palästina-Amtes. Die Leitung des Palästina-Amtes nahm die Gelegenheit wahr, um Edvin Samuel ihre besonderen Wünsche, insbesondere auf dem Oebiete der Kapitalisten- und Handwerkerzertifikate, zu unter, breiten. Samuel besichtigte auch das Prager B c 111 llaant und stattete den zionistischen Büros Besuch ab. Am Abend war er bei dem Prager englischen Gesandten 711 Gaste. Am nächsten Tage besuchte Samuel die Prager Gruppe des II e c 11 a 111 z und weilte längere Zeit unter den Chain zim, die ihn über ihre Hachscbarah und ihre sonstige Vorbereitung fiir Palästina berichteten. Hier lief! er sich auch von dem palästinensischen Delegierten Schlomoh Lipsky (Tel lose(), der seit einem halben Jahre führend in der tschechoslowakischen Clialuzbcvvegting tätig ist, über deren Stand und Leistungen berichten. Unter Führung des Leiters des Keren Kajemeth in der Tschccho- Slowakei, Ing, Oskar Asch ermann, besichtigte Samuel sodann die jüdischen Sehenswürdigkeiten Prags. Am 24. September ist der Führer des amerikanischen Reform-Judentums, Ludwig Vogel st ein, gestorben. Ludwig Vogclstcin war ein Bruder des Breslauer Rabbiners Dr. Her• mann Vogelstein.

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