Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 76-77 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653523--25785-2682944- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-:, ""■"™" SU KKOTH-BEILAGE ־״ ״™״ ■־••׳״׳■״* xi j ....■■׳״ ־־׳׳׳־■׳ ••׳• - -- —— - — - .׳.. *m kt j!h :ns Oil 1חכ vift iie cim ■<\. ic ah cu :וי■ .nc 1a- ־hr cn;;€11 in rb• ni 1Üna 11c ic'i :u־ >111 \k 111• ich <tc ־3! ICH;01• zw .011 itc diich rc:, ds* in־ ck* M■ eiißt nit :he cn• Sie 011 ale in nrt;11- Je* 'cn ־י?ו׳ cn er״ US kr ch un;u״ en uiris* so ־0 :n Das Fest der Hütten מן vielen Jom Kippur» zur Jeuwie ein und afc ctc ,r״ iir. kr״ ־}< e. c- 1* d* rb־ ׳r. ie <* r- 1s >r!11 .׳•$ r, ־1 1 Kreisen ist es üblich, soiort nach Ende des nodi vor der Mahl reit, die ersten Arbeiten (iir Errichtung der Sukkah zu beginnen. Symbolisch wird da- ״jj der tiefen Verbundenheit zwischen der! ,,Tagen der (;״,kehr'‘, die mit dem Versöhnungstag schließen, und dem foikkothfcsfe Ausdruck gegeben. Das jüdische Jahr beginnt einer 11 i 11 w c 11 d u 11 g des Menschen auf sich jelhcr, mit der Kon/entralioti auf allgemein menschliche imd ,1, allertielst persönliche Fragen, hinter denen die Bedeutung der nationalen Sonderung verschwindet. Am letzten Tage, Jett» Jom Kippur, schließlich sollen sich die Menschen gleich-!am auf die Stufe der Engel erheben, und bei Verzicht aut jede Befriedigung der sinnlichen Bedürfnisse, sieh ganz. 1ut das G ei st ig c konzentrieren. Damit ist die Grundj1Ce, der richtige Blickpunkt zum Begreifen der cigcnt-!!eh jüdischen Aufgabe gegeben. Die Beschäftigung mit dem eigenen Ich darf aber nicht zum Individualismus, lushisiiiig vom Volksganzen, die Hinwendung auf das teils nicht zur Askese fuhren. Das Sukkothfesf, das die anderen Bei den W a 11 T a h r t s f c s t c, vor allem fest der g a 11 z c 11 j 11 d i s e 11 cn Gemeinschaft der neuen Ende ist, ordnet den Menschen in das gröbere (ianzc der א a t i n!1 ein und veranlaßt ihn, sich mit seinem Besitz vor dem Ewigen zu freuen. Nach der Erneuerung jm Jom Kippur soll der einzelne Jude sich wieder ganz in Jk jüdische Volk hi1K’instelk־n_ und der Freude an der jeucn Ernte seines Bodens sich hingeben. Snkkoth ist das Fest der Weinlese und des Ein- «jmmclns des Getreides, Gerade vor diesem Feste fanden die Tage der Umkehr staff, um in dem Menschen das Gefühl Brr Verpflichtung für die richtige Verwendung seines neuen besitz cs zu stärken. Dieser Gedanke kommt aber auch am Sukkothfcslc selber durch die Stikkah zum Ausdruck. Gerade ji dem Augenblick, wo durch das F.insammcln des Oclirides die Freude am _ eigenen Besitz, an der gesicherten Heimat am stärksten ist, wird gefordert, daß alle ihre fMcn Häuser verlassen, um in Hüften zu wohnen. Gleich• gültig, ob man sonst in Palästen oder in ärmlichen Häusern »ohiilc, an den Tagen des Sukknthfcstes .sollten alle gleichmäßig in einfachen Hütte n, wie zur Zeit der Wüsten- Hinderung, leben. Jene Zeit, da das Volk noch kein festes Lind bc«;1B und auf Golfes Fürsorge angewiesen war, soll in dem Bewußtsein des Volkes gleichsam erneuert werden, um cs nicht zu sehr an den Besitz und an das Land zu,!(!«■In und seinen Sinn für die geistige Aufgabe, um ihretwillen ihm allein das Land gegeben isf, wadizuhaftcn. Daher wird am Schabhnth des Sukkothfestes das Buch Koliclct gelesen, tun eben in diesen Tagen an die Nichlijkcit allen Besitzes zu erinnern. Gerade weil man gleichsam gerade jetzt demonstrativ die gewöhnlichen, festen Wohnungen verließ und damit?cigle, daß inan dem eigenen Boden und Besitz, nicht ver- Lallet sein wollte, also um die Gefahren Bescheid wußte, durfte die Freude an dem eigenen Ertrag jetzt zum Ausdruck kommen. Weil das Erlebnis der Wüste gerade in diesen Tagen so stark sein sollte, durfte die nun vor lieberfreihtrngen geschützte, echte Freude am eigenen linde und seinem Ertrag wie an keinen anderen Tigen des Jahres sich entfalten. Der Pahncimvcig, der Etrog, die Myrten und die Bachwcidcn werden zusammengebunden und in die Synagogen an den Sukkothtagen genomnicn, wo mit ihnen der Umzug (liakafa) u.m die Thora staltfindct und man gleichzeitig die Gebete um ein gutes, neues Erntejahr anstimmt (Hoschanot). In der Zeit, da der Tempel noch stand, brachte man am Sukkoth 70 Stiere dar für die 70 Völker, als großartiger Ausdruck der Verbundenheit mit der gesamten Menschheit, Das jüdische Volk brachte gewissermaßen ein Sch u I dop f c r für alle Völker dar, weil cs sich für deren Vergehen mitschuldig fühlte, indem cs selber nicht genügend weit gekommen war, um durch die Qnali- Dt des eigenen Staates auf die anderen Völker zu wirken, 'm Sukkoth sollen daher auch einst in jedem Jahre alle Menschen zum Berge Zinns wallfahren, und alle bis. dahin vorhandenen Unterschiede in dem Grade der Heiligkeit ausgdöscht werden (vgl. Secharja, Kap. 14 V. 16 ff.). Am Sukkofli beginn( auch (las neue F r n f c j » h r; Ckich nach dem Feste pflegen die ersten Regen in l’a* lastinj* zu fallen und die für die kommende Ernte entscheidende Regenzeit zu eröffnen, da das Land ganz vom fairen abhängig ist. Nach der Tradition wird daher, .wie am Rösch Haschana über den Menschen gerichtet wird, am Sukkoth die Menge der Regen des kommenden Jahres Nimmt, Man pflegte daher zur Zeit des Tempels an den Tagen des Festes ein Wasseropfer darzubringen, das ®h besonderer Freude am Ausgang des ersten Feiertages geschöpft und in den Tempel gebracht wurde. ״Wer die Freude beim Wasserschöpfen nicht gesehen hat, hat über- ™upt keine richtige Freude gesehen“ (Stikkah, Abschnitt 5,1). 1״'sige Lampen und Feuer wurden auf dem Tcmpclberge •"ücziindct, die weithin die ganze Stadt erleuchteten. Gerade ״" Chassidim, die großen Weisen, die Häupter der Lehr-!1*er, die Mitglieder des Svnhcdrions tanzten mit Fackeln l״ den Händen, sic spielten und freuten sieh, während das pn/c Volk, Männer und Frauen, hinkamen, um diesem seilfnfn Schauspiel beizuwolmcn. Sie sangen Lobgesänge., die Le'’hen spielten dazu auf ihren *naercri Musikinstrumenten. ,. Ans demselben Grunde wird ־ukkolh anschließenden S e h m i n i öe״ Regen gesagt und die Einschaltung 3 דיל׳'«ידי לי?ם־'^- ^ticn Erwähnung int Sonnncrlialbjahr unterbrochen war, »itdcr eingefügt. Obwohl mit dem Jom Kippur an sich die Tage der;.®kehr abgeschlossen sind, blieb nach der Tradition noch Vnt, Idzte Möglichkeit der Abwendung des Verhängnisses J״dt innere Umkehr bis zum ״tloschana Rabba“, dem aW der großen Hilfe, übrig, an dem man mit den er• ahnten Früchten siebenmal die heilige Lade umkreist, 'jnclie Kreise durchwachen auch die diesem Tage voran- ״ ןende Nacht aus diesem Grunde und verrichten den!.®fgendienst in derselben Weise und Kleidung wie am Haschana und Jom Kippur. p Hie Reihe der Feiertage wird durch das Fest der 4. s? e s f r e u d e abgeschlossen, jene Tage, da nach ,.*Nde an den Gütern des Landes nun wieder das wiru l 'm Mittelpunkte steht. Das Lesen aus der Thora 11.., 1?0nidcl und gleich wieder begonnen, um die ewige y ,'®htät und Neuheit des Gesetzes zu betonen. Es gibt kein he״.' L״r.das Lesen der Thora; jedes Jahr soll eine immer ,״I* 'wdehung zu ihr schaffen und immer neues Fragen!״' um tiefer in ihr Wesen einztidringcn. Wie alle in״ re״ Feste irgendwie eine Verbindung zwischen Ernst tm 1 U(,c *eigen (die selbst am Tisch’ahcaw und besonders «rau.1״ Kippur nicht fehlt), hat auch Simchat Thora einen ten Unterton durch die Erinnerung an den Tod Harfen und unzähligen auch an A z c r c t dem sich an das Gehet tim / Mosches noch vor dem Einzug In das Land, der aus dem letzten Kapitel der Thora vorgelescn wird. Mosches Persönlichkeit beherrscht diesen letzten Tag der Feste; er gibt dem von ihm scheidenden Volke, das in das Land, m den All!,1g cinzieht, den Segen, jedem Stamm seine Aufgäbe. Der gerade in seiner Bescheidenheit echte Führer Mosche, dessen Grab man nicht kennt und deswegen nicht anbclen konnte, und der gerade darum immer gleichermaßen lebendig in der Erinnerung des Volkes geblieben ist, steht am Eingang des Arbeitsjahres der Juden. Dr, Erich Rosenblüth, Jerusalem. Volksbräuche 2« Sukkoth (Vgl. ״J. R," Nr. 72/73 und 75) . Die Betrachtung eines Festes vom volkskundlichen Gesichtspimkt her 11at nicht nur ihre Bedeutung darin, daß sie über den engen Kreis der gewohnten Deutungen hinausweist, sondern sie lehrt vor allem, wie tief ein Fest im Bew 11 0 t s e i 11 des Volkes verankert Ist. Die Tatsache, daß Menschen in einem Gotteshaus Zusammenkommen, bestimmte Gebete sprechen und gemeinsam Zeremonien ansüben, würde allein noch nicht genügen, um eine Verbundenheit des Volkes mit diesen Dingen zu behaupten. Erst wenn mail erkennt, wie die einzelnen Bräuche eines Festes sich in den großen Rahmen der allgemeinen Volksinschauunjeit hineinstellcn, oder vielmehr notwendig aus ihnen hervorgehen, kann man das Wesen und den Gehalt dieses Festes voll würdigen. In früheren Aufsätzen wurde gezeigt, wie viele Bräuche für die hohen Feiertage bekannt sind. Das Sukkothfest enthalt nicht minder eine große Anzahl von Gebräuchen, die einer Erklärung bedürfe״. Wir wollen zunächst eine Ueber• sicht über diese Bräuche gehen. Die Sukka 11 schützt nach der Volksmcinung Im Jenseits vor der Glut des Gerichtstages, ln der Laubhütte werden in vielen Gegenden die Bilder von Berühmtheiten aus dem jüdi- Das Bekenntnis Von Manfred Sturmann Die Wunder der Erde, wie sie Uns segnen and tragen über Die Jahre hinweg, Lösten die Zunge mir. Schon als Ich Kind war, Woh mir der Wind Lieder ins Ohr, und die Unvergänglichen Bilder von Meer Und Gcbirg und donnerndem Fluß — Wenn er lärmend das Eis, Das zersprengte, gegen die Ufer wirft — Brannten sieh ein in die Seele, Und auch die Sommer zogen durch mich Mit all ihrer Süße, kamen und Gingen und ließen zurück, Was sich formte zum Lied. Immer irvir es die Landschaft, Die segnend sich gab, und aus der Stille IVuchs ich heran zu mir selbst. Aber die Stille ist überrast Vom Sturme der Zeit. Die Sommer Singen nicht mehr, einen anderen Sinn Hat die Well, wir zucken ln ihrem Schoß, die Mutter Schleudert uns fort, wir tranken An ihren Brüsten. Ach, was sagt uns jetzt noch Das wogende Korn und die Herbe der Wälder! Hörle ich einstmals den Fluß Durch die. Lenze verrauschen, Höre ich nun, lauter und mahnender, Den Blut.slrom der Ahnen in mir, Von Vrbcginn an bis hin zu mir selbst: Ich sehe die Wanderung, den Irrweg Durch der Jahrhunderte Lauf, höre Den Aufschrei, spüre den Anhauch Der Väter, den Sinn ihrer Ehernen Lehre, die ein jubelndes Flüchten war ru dem allen Gott. Die Wunder der Erde, Verstummt sind sie jetzt, Denn nicht das Auge vermag Zu umfassen das Wunder. Sun sind wir Erbe, Kettenglied In der langen Reihe der Ahnen geworden. Sol ist die Erbschaft und Geißelschlag, Der die Edler schon traf: Das ist das Wunder der Herkunft, Die Lust zu bestehen, den Nacken Vom Stolze erstarkt, ertrotzt aus dem Strome des Blutes. sehen Altertum aiifgclüingt, die man auf diese Weise zu Gast lädt. Mit den Hoschanoth, die aus geflochtenen Bachweiden bestehen, wird am siebenten Tage so lange auf den Boden geschlagen, bis sic entblättert sind. Die Stiele werden vielfach als Schutzmittel vor Ungeziefer in den Wäscheschrank gelegt. Zur Zeit des Tempels verlief diese Handlung etwas weniger symbolisch; die Mischna (Stikkah IV, 1) berichtet, daß die Festteilnchmer im Tempel anfangs einander mit den Palmzweigen geschlagen haben, und erklärt dies mit dem allgemcinen Wirrwarr bei der Ausgabe der Luiabim an die vielen Teilnclimer. Unter ״L 111 a b“ versteht man die sieben Bestandteile des Fcststraußcs, zu dem noch der Etrog kommt. Lulab und Etrog werden nach den vier Himmelsriclitungen, sowie nach oben und unten je dreimal, insgesamt also achtzehnmal geschwangen, um die ״bösen Tropfen" abzuwehren. Im Tempel fand neben der Zeremonie der Opferung von s i c b /. i g S t i e r e n für die siebzig Völker das große Fest des Wass erschöpfen» statt, das mit einer glänzenden 1 llumination ausgezeichnet war. Chol 11 a m o e d gilt, mit Ausnahme von Hoschana rabba, als ein fröhlirhrs Fest. (Am Hoschana rabba wird bei den Scfardim Scholar geblasen) Vielfach ist besonders im Osten der Glaube verbreitet, daß Geld, das am Hoschana rabba in die Tasche gesteckt wird, sich reichlich vermehrt. Die Halt! fei er* tage sind auch sehr häufig die Zeit der Brautschau. 1111 Zusammenhang damit findet sich die Sitte, daß die Braut, wenn die Verlobung zustande gekommen ist, dem Bräutigam eine um eine Hoschana gewickelte Uhrkettc schenkt. Am Schluß fest findet bekanntlich eine Seelenfeier statt; und als das große Gleichnis der Auferstehung gilt die belebende Wirkung des Regens, für den ja am Sukkothfeste sehr viele Gebete gesprochen werden. Simchat Thora ist ausgezeichnet durch den Tanz mit den Thora- Rollen; und es gehört weiter in diesen Zusammenhang, daß der am Simchat Thora zum Schluß der Thora-Vorlesung Aufgerufene ״Chatan Thora“, d. h. Bräutigam der Thora, genannt wird. Das Sukkoth-Fest ist unbestritten ein Fest des Landmanns, also mit dem Boden eng verknüpft. Der Zweck aller Bräuche dieses Festes ist die Herbeiführung des Regens. Wir haben es ir! fast allen Bräuchen mit sog. Fruchtbarkeitsriten zu tun, die allgemein in der 'Veit anndreflen sind und erst sehr viel später durch ethischreligiöse Einrichtungen überlagert wurden. Wenn beim Wasserschöpftest aus einer Schale Wasser auf den Eioden atisgegosscn wird, so besfeht kein Zweifel, daß dies ursprünglich eine magische Handlung ist, die den Zweck hat, den Regen herbeizurufen. Das Schlitteln des Feststraußes spricht ebenfalls dafür; es ist cm Symbol für den Wind, der die Bäume schüttelt, was ja bekanntlich ein häufiges Vor- Zeichen für Regen ist. Das Schlagen, Gießen, Schofarblasen und Lulab-Schwingen zur Abwehr der ״bösen Tropfen“ he* zweckt das Verjagen der bösen Geister, die nach der durchgängig verbreiteten Meinung in der Folklore der ganzen Welt Lärm nicht vertragen können. Der Lulab steht in der indischen Volkskunde nicht allein, sondern hat vielfache Parallelen. Um nur ein naheliegendes Beispiel zu nennen, dürfte er eine ähnliche Bedeutung haben wie der ״Maibaum“ in europäischen Ländern, der mit zahlreichen bunten Bändern geschmückt isf, die offenbar die Fatben des Regenbogens bedeuten sollen. Der Brauch eines solchen Baumes oder Zweiges ist so weit verbreitet, daß man von einer Urvorstcllung des ״Lebens- oder Welten* bäum es“ sprechen kann. (Vgl. Ezcch. 31; Dan. 4, 17 f.) Der Lebensbaum, der Baum der Erkenntnis, ist uns besonders aus der Bibel vertraut; aber er ist in mannigfachen Variationen allen Völkern bekannt. Das Schwingen des Lulab führt also weiter von der Herbciholung des Regens zur Unsterblichkeil, zum Leben im Paradiese, in dem der Weltenbaum steht. Die Verbindung zwischen Regen und Unsterblichkeit ist häufig anzufreffen, da Wasser allgemein als Symbol der Fruchtbarkeit und als Lehensspender gilt. Aber auch noch in anderer Beziehung läßt sich das Schwingen des Lulab als eine symbolische U eberwindung des Todes durch die Kraft des Lehensbaumes verstehen, weil die Palme, von der der Lulab stammt, schon in babylonischen Denkmälern als Lebensbaum angctroflen wird. Zugleich gilt die Palme als das Symbol ewiger Jugend und auch als das Bild für den Jahreszyklus, weil sie jeden Monat neue Zweige ansetzt. Am Sukkoth wird der Lulab in der rechten Hand getragen und der Etrog in der linken. Die linke Seite gilt vielfach als die böse Seite. In einem!Midrasch (P'lia 73) wird dieser Sitfe eine andere Deutung gegeben; cs heißt dort: Wer den Etrog in die rechte Hand und den Lulab in die linke nimmt, leugnet die Auferstehung. Auch hier wieder zeigt sich also die enge Verbindung dieses Festes mit dem Gedanken der Auferstehung. ln einer der Berachot, die in der Sukkah gesprochen werden, und die mit den Worten ״J’hi razon“ beginnt, wird am Schluß die Bitte ausgesprochen, Gott möge einen im nächsten Jahre in einer Sukkah weilen lassen, die hergesttfllt ist ״aus der Haut des Leviatha n“. Der Leviathan ist jenes sagenhafte wilde Seeticr, das Gott an der Kelle hält und bisweilen ans Land läßt; in diesem Falle entsteht eine Ueberschwcmmung. Auch diese Vorstellung von der Sukkah aus der Haut des Leviathan gehört in den großen Vorsielltingskomplcx des Snkkoth-Fcstcs hinein, da sic wiederum dem Gedanken der Auferstehung Ausdruck gibt. Der Fisch, als der der Leviathan ja vorgrstcllt wird, 11,1t ebenfalls bei allen Völkern seine bestimmte symbolische Bedeutung; er gilt durchgängig als Ausdruck der Fruchtbarkeit. (Es ist zu beachten, daß Fisch und Wasser in* unlösbarem Zusammenhang stehen.) Vielfach ist der Fisch ein heiliges Tier, das besondere Kräfte verleiht. Im jüdischen Denken wird der Fisch in eine besondere Be- Ziehung zum Messias gebracht, ln einem Midrasch zum Psalm 72, 17 z. B. wird der Messias direkt als Fisch bezeichnet» Nach dem vierten Buche Esra wird der Messias ״aus dem Herzen des!Meeres aufsteigen“. Die Sukkah aus der Haut des Leviathan ist also zu deuten als die messianische Zeit,1 d. h. wiederum die Zeit der Auferstehung. (Zum Vergleich für diese Vorstellung von der Fischhaut wäre die Sage vom gol• denen Vlies heran/u/ichcri, die eine ganz ähnliche Sym» bolik enthält.) Der Lcvi.i1l1.1n kommt nach der jüdischen Sage beim Eintritt der messianischcri Zeit ans Land und wandelt damit seine bösartige Natur in Sanftheit und Gutartigkeit. All die Bräuche, die wir aus dem großen Kreis der bestehenden Vorstellungen angeführt haben, sind der Ausdruck dafür, daß das Sukkoth-Fcst im Volksbcwußtsefn seit alters her außerordentlich viel bedeutet haben muß. Der Gedanke der Wiederbelebung der Natur und die damit sofort verbundene Vorstellung vom Leben und Sterben des Menschen und die Hoffnung auf Unsterblichkeit — dies sind die Orundzügc dieses alten Festes. Man darf solche in den tiefsten Tiefen der menschlichen Seele wurzelnden Ideen und Bräuche nur nach ihrem Erlcbnisgehalt beurteilen. Feste, insbesondere aber Naturfeste, sind ein unmittel• bares Erlebnis eines Volkes, das auf seine Weise sich die Zusammenhänge in der Natur zurcchtlegt und auf seine Art Folgerungen daraus zieht. Dr. N, In Amsterdam wurde nach einem Referat von Prof. D. J. L. Palache, einem der bedeutendsten Führer der holländischtn Senhardim, eine Pro-Marannen-Vereini• g 11 n g gebildet, die sich die Förderung der Marannenbewegung, insbesondere in der Gegend von Braganza, zur Aufgabe ׳gesetzt hat. In Lemberg ist eine aus italienischen und Schweizer Gelehrten bestehende Expedition eingetroffen, die die Auf- 6' .. Zahl immer mehr zurückgeht, durchzuführen.; Laut amtlicher Statistik gab es auf dem Gebiete der Republik Polen in der vergangenen Saison 88 Theater (57 ständige Bühnen und 31 Wandertheater). In 55 Theatern fanden die Vorstellungen in polnischer Sprache, in 3 in deutscher Sprache, in 15 in jiddischer Sprache und in 9 in ukrainischer Sprache statt.