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Jüdische Rundschau · 1934-09-18 · Heft 75 (18.9.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 75 (18.9.1934)
Date
1934-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nicht alles muH erwähnt, nicht alles von mir belcmditet werden. In den drei (*rollen Abschnitten, ■jt.rt־n erster llialik gewidmet ist, Würdigungen und Unterf,1f|1״f11>e11, die ihn hrircifen, enthält, und auch einiges aus semer Feiler einscliliellt, deren zweiter selbständige Dichtungen ״il(,׳e11״->siseher Autoren, und deren letzter Fssays und Auf* jjt/r bekannter Schriftsteller bringt, verdient mancher Beitrag besondere Wimligung, die aber nicht ich als meine Aufgabe betrachte. Ich k,11111 meine Aufgabe nicht .uisfhliren, ohne zumindest pit ci'iein Wort anzmlciiten, wie anders sich mir jetzt alles (jirdcüt, nachdem uns Bialik geraubt worden ist. Wie stolz. ,זנו«! wir all die Jahre auf Bialik, den in der ftliitc des Schaffens stehenden Mann, wie reich im Gefühle des noch tinaiisgescbnpften Brunnens! Was er bis dahin uns gegeben!ulte, schien 11״s zwar unsterblich, aber doch glaubten wir, daß cs erst ein Teil, und vielleicht noch nicht einmal der bedeutendste• seines gesegneten Lehenswerkes sei! Als wir seinen Mt. Geburtstag leierten mul ich das Privileg hatte, Ihm in der ״J. R.“ einen Jubiläums - Artikel zu schreiben, ja war die llolhnmg nicht konventionell, daß wir ihn noch Ijnge den Dnsern würden nennen dürfen. Wir konnten uns bei der Huldigung damit beruhigen, daß auch ein flüchtiger brüll genüge, denn noch sei die Z.eit der abschließenden Vfunligiing so fern! Und in den Reden, die ich damals hei den Feiern in einigen Städten hielt, spielte der Gedanke, einst werde 11ns Bialik, Goethe ähnlich, als Greis noch ein Werk hoher Weisheit, eine Weisheitsdichtung, bescheren, eine starke Rollo. Und min, da er 1ms so plötzlich verlassen hat und sein Werk Torso bleibt, ist der Abstand zu gering und die EtschuHcrmtg zu groß, als daß es einem Menschen, der Bialik nahe staml, gelingen könnte, die adäquate Würdigung zu geben. Heute soll eine Seite der gigantischen Gestalt vor uns treten, der 7. 11 s a 111 m c 11 f 111II v o «1 M e 11 s c h 1111 d Kunsticr. IN ist mir, der ich den Schmerz aller 11m Bialik Weinenden teile, doppelt trauere, weil ich nicht nur wie alle, die sich ihm öffneten, das Geschenk seines Geistes empfing, sondern, nie jener kleinere, wenn auch recht stattliche Kreis, der Strahlen seiner Seele und der Gabe seiner Freuudsclialt teilhallig wurde, in dieser Stunde das Natürlichste, mit einer Analyse der Leistung zu beginnen, die den Dichter am meisten als Menschen offenbart. Hie Festschrift enthält nur eine kleine Auswahl der vielen Bride, die Bialik in seinem arbeitsreichen Leben geschrieben hat, Die meisten sind verhältnismäßig knapp; nur einer überschreitet erheblich den gewöhnlichen Rahmen. Fr ist an J, Klausner im Jahre 1903 geschrieben und bietet einen autobiographischen Versuch; als solcher ist er eine wertvolle Ergänzung (Icr dichterisch zu wertenden Darstellung in tl’ED und der in manchen Gedichten gegebenen Andeutungen, In dan Brief an Klausner ist das Verhältnis zu dem strengen (iroßvaler in den Mittelpunkt gerückt und sind .geistige und tatsächliche Fluchtversuche dargestellt. Die anderen Briefe behandeln eine Reihe Fragen und »mpl,mgen voinGegenslaml ihre stilistische Besonderheit, Ebenso aber vom Adressaten. Von diesen verdienen besonders genannt «1 Herden: Scb.ilom Aleieliem, dessen Schwiegersohn Berkomtsdi, J. CI1. Rawnitzki, Fichmann, Brenner, Agnon, R. Benjimin, Ben Ami. Die Aufzählung der Namen ist nicht gleichguBig. Bialik, der warmherzige Mensch, hat einen besonderen Ton für jeden der ihm Nahestehenden. Man wird cs deshalb bedauern, daß Briefe an den ,,Seiden1‘ (McihMc), Achad Hiam und andere des Odcssaer Kreises, sowie manche andere Autoren und bedeutende Zeitgenossen (*, B. Wcizmann) nicht ,*dreien sind. Man wird die Hoffnung aussprechen dürfen, *M 'vir in absehbarer Zeit eine vollständige Ausgabe der Bialiksehen Briefe erhalten werden. Bernde diejenigen Briefe, die uns am meisten gehen und He״ tiefsten Linblick in Bialiks Seele eröffnen, sind wenig Ptoblenibcschvvert. Fs sind dies Ventile seines Humors, seiner Gesundheit, seiner kraftvollen, unbändigen Heiterkeit. Die freuiKisdinft mul Anhänglichkeit sind liier Motor. Was Bialik Be r k o w i t s c 11 und S c 11 a I o 111 A 1 e i c h c m mitzuteilen hat, Beschränkt sich iiti Sachlichen auf das Drängen des belletristi* scheu Redakteurs des ״Haseliiloaeh“ — diese Funktion frlll|lh־ Bialik seit 10(11 —, ihm Beiträge für die Zeitschrift zu sthickrii, und a״f Anregungen des Verlegers Bialik, für *n Verlag hebräische Uebersetziingcti guter europäischer Literatur zu liefern. Dieser nüchterne Stoff gewinnt Leben des Meisters Hand und ist fast mir Vorwand für Freund- *Iwltviiilk'niiigen so gewinnender Art, wie sic in der Wdt- Wcrstnr seiten sind. ,, Was iii.uichesmal an Bialik gerühmt wordm ist, tritt u'f noch klarer hervor: seine Gabe zur Liebe und Ancrken-!'iing. Wie kann er verehren, wie herzlich loben! Aber was im Gespräch mul Vorfrage der letzten Jahre oft voll Ernst geschah, das vollzieht sich hier im Briefwechsel in heiterem ״*״en,int, ||ic.r sjt,t Bialik der Schalk im Nacken, und wir Ghnken diesen Briefen, besonders an Bcrkowitsch, eine olche Fülle von Humor, wie ihn kaum das gesamte Lebens- *tfk des Dichters darbietet. In manche״ der שירי עם in cini- IVosadichimigcn kommt das Urwüchsige zu seinem Recht *אריה בעל גוף, יו ס הששי ריק; in der Uchersctzung von ״Don V 1chotc“ offenbart sich der kongeniale Dichter nicht zu- 1 . '״ Her großartigen Treffsicherheit, mit der er den vD1',SC'Hn *hüiior der spanischen Dichtung hebräisch gestaltet; 1,eilt hat er hier einen seiner Höhepunkte erreicht: dem ״k hat er seinen Eigenwert gewahrt, aber sprachlich ist Itin?י,0*1 *״ hebräischen Bezirk übergegangen bis in die w,״n Kinkel des Ausdrucks; und so ist es durch ihn uns!eh gegeben worden — ein Muster der Nachdichtung, re,!!r1mCr auch Ncudichtung ist. — Aber überall ist der!״.jdurch Thema und Gesetz der Komposition gebunden 4er n Gläubigkeit diesen Geboten. Im Briefwechsel ist 1«j f* v*iHiger Ungebundenheit, genialischer Ausgelassenheit. ''«Erkennung für Bcrkowitsch ist in ein derbes Wort ge* Eine Besprechung von Dr. Oskar Wolfsberg, Jerusalem kleidet, scheinbares Schimpfen verdeckt eine Liebkosung. Um den Verdacht zu beseitigen, er könnte 1Je» Kameraden lohen, werden Worte uneingeschränkter Sympathie und vollen Lobes in die Vergangenheit versetzt. Die Eigenart der russischen Juden, ihre Liebe nicht zu gestehen, sondern ein derbes Schimpfwort, ja seihst einen milden Finch an die Steile eines zärtlichen Wortes zu setzen, ist durch Bialik in der hebräischen Literatur in den Rang der Gültigkeit erhoben worden. Also ein volkstümliches Element durch den Dichter geadelt. Man mülite eine Menge Zitate herbeibritigen, um die I igenart dieser Stimmung zu illustrieren, Sic wird besonders prägnant durch das Eindringen klassischer Elemente (biblisch, unselmisch 11 sw.) in diesen Briefstil. Nur ein, zwei Beispiele. Bialik macht Sclialom Aleieliem Vorwürfe, daß er das llchriiischc zugunsten des Jiddischen vernachlässigt, und schreibt‘. הגיעה השעה שלא חרבה לטשל עם ה״שפחה*. לכל הסחות קיים מצות עונה גם עם הגבירה ואל השפחה תלך רק לתיאבון... הא שלום עליכם ז מה תאמר על זה ז איני מדבר זה מתוך קלות ראש אלא באמת ובתמים• י Dieser Satz ist kaum wicdcrzugcbcn. Er malm♦ den Freund, sich nicht allzusehr mit der ״Magd“ (Jiddisch) abzugebcu, mindestens aber die ehelichen Pflichten gegenüber der ״Herrin“ < Hebräisch) zu erfüllen. Das Ganze ist im Stile der Halacliali gesagt mul weckt außerdem noch den anderen Gegensatz Magd - Herrin, der im Mittelalter mit Bezug auf die Rolle der Philosophie galt. — Ein anderes unübertreffliches Beispiel seiner Aiisdruckskunst findet sich in einem Brief an Bcrkowitsch, wo er dringend dessen Mitarbeit am ״f iaschiloach“ erbittet, obgleich die Zeitschrift gefährdet ist: ואם נגזרה׳ ח״ו׳ מיתה על,השלח" אחר חוברת משולשת זו, תצא נשמתו בכבוד׳ במעמד *מנין" כשר של צדיקים במוך וכיוצא בך Wie ist hier das ״in Schönheit sterben“ in die Sprache der Jüdiselien Religiosität gekleidctl Dazwischen klingt Ernsteres an, Bialik leidet darunter, daß Sclialom Aleieliem und sein Haus nach Amerika reisen. Ihm — Bialik — ist Rußland, Odessa, aus Herz gewachsen, und er 11,1t ein tiefes Mißtrauen gegen Amerika. Ergreifend sind seine Warnungen, sich dort nicht zu verkaufen, nicht Sklave der Tagespresse zu werden. Und die Ahscfiicilswortc an den großen jiddische״ Humoristen: עוד הפעם׳ שלום לך׳ צאתך ושוב ך לשלום• אני נושא אליך את מטפחתי מרחוק׳ אני זורק מגבעתי• אני קורא הוררא ואני בוכה בחשאי (Und nochmals Sclialom Dir, Dein Auszug und Deine H clmkehr sei zum Frieden. Ich winke Dir von der Ferne mit dem Taschentuch, ich werfe meine Mütze empor, ich rufe Hurra, und ich weine heimlich.) Die Briefe an Rawnitzki atmen alle einen gewissen Respekt, der auch durch die Heiterkeit noch durchschcint. Brenner gegenüber, den er schätzt und liebt, »neidet sicli der Kritiker, besonders mit Rücksicht auf das Sprachliehe. — Voll Wertschätzung sind die Briefe an Jacob Kahn und Agil 0 1t, dem seine besondere Sympathie gilt; in zweien der Bride greift er archaisierend zum Reim, wie zur Huldigung für den Meister der Darstellung der versunkenen galizischcnWelt. 111 einem Brief an E. Jabionski äußert sich Bialik zur Frage der Herrschaft des Hebräischen in der Qotah und rühmt die Anstrengungen zu seiner Befestigung; aber cs bleibt bei der Skepsis, daß ein voller Sieg diesen Bemühungen kaum beschieden sein werde. Gegenüber I). Umansky spricht sich Bialik über die Rolle der jüdischen Feste, ihre Erneucrungsfähigkcit, die Maglichkeit ganz neuer Festtage aus und entscheidet sich dahin, daß sie nicht künstlich geschaffen werden können; sie seien eine kollektive Schöpfung, au denen die Religion, Tradition, Geschichte, Kunst, Natur partizipieren. Bialiks Vorschlag: man feiere die klassischen Feste und steuere aus Eigenem etwa zu ihnen bei, aber ohne Ucbcrtreilnmg und Klügelei. Er rühmt die Fähigkeit der Alten, immer wieder den Zauber der Feste verspürt zu haben. ״Die, welche den Festen (sc. den traditioneilen) keinen Geschmack abgewinnen können, beweisen damit, daß ihre Seele leer und ihr Inneres profan ist.“ (Dieser Brief erschien in deutscher Uebcrsctzung im Schockcn-Almanach auf das Jahr 5(195 — A. d. R.) Als ein Gegenstück zu dieser ganz 1m Geiste der lieberlicfcrung empfundenen Stelle, die mit einer gewissen Strenge geprägt ist, wirkt ein Brief an Be n Ami, in dem er den strengen Freund, der über die Verletzung des Rcligionsgesctzes in Palästina klagt, an ein bekanntes Wort der Toleranz von Rabbi K11 k erinnert und ihn zur Nachsicht mahnt. Noch manches wäre erwähnenswert. Aber ich schließe hier und will nur etwas Selbstverständliches betonen: jeder Brief ist sprachlich ein kleines Kunstwerk. Auch die schlichtesten Sätze wirken in ihrer hebräischen Reinheit stark. Auch die Briefe Bialiks, die ich in meinem Archiv als teuren Schatz hüte, sind alle von großer Schönheit, gleich, ob sic irgendeine kurze gesiindheitliche Mitteilung enthalten (seit seiner ersten Erkranküng 19'«), die ihn nach Berlin führte, hielt er mich auf dem laufenden) oder über seine Arbeit berichten oder sonst Persöntichcs behandeln. ________ Scfer Diwre, Hcspcd... Trauer- und Trostreden In Bibel, Talmud und Midrasch usw. von Großrabhincr l)r. Z e m a c 11, Sofia, 1931/35, im Selbstverlag des Verfassers, 273 Seiten. Ein wirklich ausgezeichnetes und erschöpfendes Sammclwerk ist es, das uns hier der bulgarische Großrabhincr Dr. Zcmach vorlcgt. Fs behandelt das Spezialgebiet des sog. Hcspcd, d. h. der jüdischen Leichen- und Trostredc und bringt, mau kann wohl sagen alles, was der babylonische und palästinensische Talmud, der Midrasch und überhaupt die jüdische Ucberlieferung von diesen Materialien enthalt. Dazu alle bekannten Kommentare, alles also, was Raschi, Alfasi, die Früheren und die Späteren zu diesem Thema erklärend und weiterführend gesagt und geschrieben haben. Schließlich einen sehr anregenden Kommentar des gelehrten Verfassers selbst, in klarem und interessantem Hebräisch. Ich stehe nicht an, das Buch für unseren Rabbiner- und Lehrerstand als hochwillkommen zu betrachten, da es nicht nur für den Un* gelehrten, sondern auch für den Gelehrten eine Fundgrube schönster Snruchwcishcit und historischer Ethik ist. Die Übersichtlichkeit der Zusammenstellung macht zudem das Buch besonders empfehlenswert. Emil Bernhard Cohn, Eine jüdische Hausbücherei Vor kurzem las ich einen Brief aus Ercz Israel: einen Brief, wie sie jetzt sicherlich zu hunderten mit jeder Post von Palästina nach Deutschland (liegen. Es war der Bericht einer Anwaltsfaniilic, die sich mit allen Kräften dem neuen Lehen hingegehen hatte, auf dem Lande siedelte, ihren eigenen Pardcss pflanzte, ihr Gemüse zog und was sonst dazu gchört. Der Vater und die zwei Jungen von cif und dreizehn Jahren waren den ganzen Tag auf dem Felde und im Garten beschäftigt. Alle drei waren aus Ilerzcnsgrunde glücklich, glücklicher als in der Stadt mit ihren Genossen. Nur der AHtcrc der beiden Jungen, der stämmige, dreizehnjährige Ruhen werde, so schrieb die Mutter, 111ancl1m.il ״auf Abwegen“ getroffen•, daun säße er heimlich vor dem Bücherschrank, der 1111 litt-, Wnlm-, Schlafzimmer des I lauschen'; die aus Ileutsctil,1ml tiiitgcbrachtm Schatze herge. ... Kami man die Rolle, die das Puch trotz alledem und alledem im Leben eines jüdischen Kimles spielt, eindringlicher darstcllcn? Oewill, auch dieser Junge ist mit Leih und Seele hei der neuen Arbeit, die aus dem immer gehetzten und bedrückten Vater einen neuen Menschen gemacht hat; aber er und die meisten seiner jüdischen Altersgenossen können im neuen Leben wie im alten die Tur nicht versperren, die sie zu in geistigen Leben ihres Volkes und anderer Volker fuhrt. Niemand weiß, ob der ״Talmiidb,111er“, wie ihn einst York-Stciner schilderte, noch einmal Wirklichkeit werden kann. Aber das Buch scheint keiner von den Siedlern entbehren zu können, nicht die jungen und nicht die allen. Wenn diese oft beiseite geschobene Erkenntnis schon für Ercz Israel gilt, wo doch ein ganz neues, scheinbar büclierfremdes Leben auf den Einwanderer waltet und ihn ganz gefangen nimmt — um wieviel wichtiger müssen uns hier in einer Zeit, die wie keine andere an den Grundfesten unseres jüdischen Schis rüttelt, Bücher werden! Wir sind auch hier geneigt, im Augenblick ihren Wert zu unterschätzen; und unsere Jugend, die mit aller Macht heute aus geistigen Berufen zu praktischer Arbeit drang*, wirft die Bücher nicht nur mit der Befriedigung des befreiten Schülers, sondern auch mit einem scheinbaren Rechtste fühl in die Ecke. Und doch sind 1111s Bücher notwendig, wenn wir die große Pflicht dieses Tages erfüllen wollen. Nur wenn wir uns selbst erkennen, wird uns die jüdische Wiedergeburt möglich, die allein Uns befähigt, inmitten aller Not und aller Angriffe imangcfocHfcii unseren Weg zu gehen. Da ist es nun eine kostbare Gabe, die uns der Verlag Schocken, dem wir schon manch wertvolles Geschenk verdanken, in schönster Form darbictct. Ich meine die ״Bücherei des Schocken- Verlages“, von der mm eine stattliche Reihe geschnuckvoller kleiner Bändchen sich in unscrti Händen befinden. Einzelne Bändchen aus dieser schonen Reihe sind auch an dieser Stelle schon besonders gewürdigt worden. Aber hier sollen nochmals die Grundgedanken des Unternehmens betrachtet werden. Dickleibige Bücher in allen Ehren — es gibt ja Dinge, die mau schwerlich kurz sagen kann, ohne oberflächlich zu werden , aber was wir heute vor allen» brauchen, um cs als Test, als Ausgangspunkt unserer Bemühungcii um gemeinschaftliche Arbeit allen in die Hand zu geben, die heute zu 1111s kommen und den Sinn ihres Tuns lind Leidens aus der Erkenntnis jüdischen Wesens zu erfahren streben: das sind Bücher wie die Sclnxkcn-Bücherei, die als ein wahres Schatzkästlein für das jüdische Haus uns mit den oft uiigeliobctien Schätzen unserer eigenen Vergangenfieit und Gegenwart bekannt macht. Ich denke mir diese zierlich ausgestatteten Bändchen in den Händen der Jugendhiiiule, die in Arbeitsgemeinschaften sich um die Kenntnis unser« Schrifttums bemühen; ich möchte diese kleinen Wegweiser auch den Fraucn-Arbcitsgcmcinsclialten als Grundlage für ihre Zusammenkünfte empfehlen. Wenn diese viclver* sprechende Sammlung sich auf gleicher Linie weiter ent׳- wickelt, so werden wir in ihr das wertvollste Material für unsere jüdische Bildiuigsarbeit besitzen, das man sieh denken kann. Denn außer den Qucllcnsammlungen der Schulbücher hatten wir bisher nichts, w as ihr an die Seile zu stellen wäre. Zugleich erhalten wir in diesen anmutigen und preiswerten Bändchen die schönsten Geschcnkgabcn, die zu jedem jiidischeu Feste am Platze sind. Die Reihe begann mit einer Gäbe aus unserer klassischen Literatur: die ״Tröstung Israels“, Jeschajahus gcvvaltige Botschaft, die heute mehr als je zuvor zu unseren Herzen spricht und uns in diesen Wochen eben erst wieder in den Ohren klang, bildet den Anfang. Dem hebräischen Text ward die Verdeutschung von Buhcr-Roseitzwcig beigegeben; und so zeigt sich zugleich der einzig mögliche Weg, um die Schönheiten dieser Uchersctzung zu erkennen und zu würdigen — man muß sic als Führer zum ״heiligen Original“ betrachten. Den gleichen Weg gingen die Herausgeber bei dem zweiten Bändchen, den Zionsliedern des j e 11 u d a H a I c v i, die nun zu einer Probe aus dem klassischeu Schrifttum ein Kunstwerk aus der Blütezeit jüdischer Dichtung in Spanien liinzufugten. Hier aber zeigte sich zugleich die Treffsicherheit der Sammler darin, daß sie den schwer verständlichen, wie fürstlichen Brokat daliinrauschenden Dichtungen nicht mir ein Stuck aus Rosenzweigs Nachwort, sondern auch seine Anmerkungen beigeben — Anmerkungen, die in ihrer echt Rosenzwcigscbcn lebensnahen und eigenwilligen, manchmal erschütternd tiefsinnigen Gestalt Blitzstrahlen sus der KulOrwelt und der Gedankenwelt des gesamten Judentums enthalten. Wer je am Tischah be Aw die Zionide des jcliuda Mnlcvi mit der Erklärung und Uebersetztmg Roscn/weigs las, der weiß, was ich meine. — In die Welt des Chassidismus fuhren uns dann Btihers ״Hundert C I! a s s i d i s c h e Geschichten", aus denen man wirklieli ein Abbild der Lehensgedanken dieser neue Quellen der Frömmigkeit erschließenden, stillen Weisen gewinnen kann. Dies Abbild aber wird dann vertieft und erweitert durch die Auswahl aus dem Lebenswerke des allzu früh dahingegangenen David Koigen (״Das Haus Israel“), der, selbst ein Sproß einer alten chassidischcn Familie, den Weg der jüdischen Geschichte und die Stellung des Chassidismus zur Geschichte kennzeichnet. Gerade hier ist cs unmöglich, in w־e11igc11 Worten ein Bild des Bandes zu geben, der in gedrä gter Kürze versucht, aus dem überreichen Gedankengut des Lehrers einiges hrraus/uheben. Wenn dieser Band es versucht, in die jüdische Gesdiichtsphilosophie der Gegen* wart cinz.ufiihrcn, so gibt uns Haceks schöne Studie über ״Die Pharisäer“ ein lebendiges Bild von einer der wichtigsten, viel verkannten Strömungen unserer jüdischen Vergangenheit. Und mm ein gan/, anderes Kapitel aus unserer vielfarbigen Geschichte; die Weit des Ghetto. Agnon, vielleicht der letzte große Dichter des Ghetto in unserer Zeit, gibt uns einige seiner beseelten Novellen ״In der Gemeinschaff der Fromme n“. Und ein Buch, das unsere Großmutter liebten, ersteht wieder: Aron Bernsteins ״Vögele der Maggid“. Zum Glück bat der kundige Herausgeber hier nicht die späteren, ins ״Hochdeutsche“ übersetzten Auflagen benutzt; sondern er versuchte, die ungleich echtere und lebensnahere erste Fassung mit ihrem ״Judendeutsch“ mögliehst wiederhcrzustellen. Agnons Bildnis seiner Mutter die von den Flügeln dgs gewirkten Kopftuches am Freitag abend ganz leise umweht wird, als .wären es Engelsflüge], steht

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