Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 74 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 4 - bei der* Verbreitung der ״Jüdischen Rundschau"! mdm Sic UH'S Adressen, an die wir Probeexemplare versonden können und werben Sie auch selbst für uns! Hem, cib> k/cb&ck! JÜDISCHE RUNDSCHAU Vertriebs Abte llung welche von zwei deutschen Pfiilosopltvti vorgetragen wurde. Sic bedeutet eine gewisse Einschränkung der absoluten Werte dtirili den Gesichtspunkt der Aktualität, also im letzten Sinn Abhängigkeit der Philosophie von der aktuellen ge• schichtlichcn Situation. Das /'.veile Thema, das uns angeld, war 11 i c■ Krise der Demokratie; cs war das /jctilrnl-Tlrema dieses Philosophcukougrcsscs, dein die meisten und grollten Sit/un• gen lind die repräsentativsten Redner gewidmet waren. Hier hat die Mehrheit des Kongresses entsprechend seiner Ile* schickling .»ns den verschiedenen Staaten sieh auf den Hoden des Bekenntnisses zur Demokratie gestellt. Am meisten ging uns Juden das dritte Problem an, die Bedeutung des Kassenfaktors einerseits für das Volkstum, andererseits für die Philosophie *eilest; das erste behandelte II e II p ach in seinem Vorträge, das zweite war das Thema des Vortrages von Dr. Zoll sch an. Für Hell• pnch ist das Volk eine Nalurtalsaelie, aber es ist außerdem auch eine Angelegenheit des (leistes und vor allem aber auch eine solche des schöpferischen Willens. Innerhalb des Natur• haften spielt das Rassen hafte für Hcllpaeh eine asisschlag• gehende Rolle, fir sagte liicr/11 11. a. folgendes: ״Daß dieses Problem sehr schwierig ist, sehr verwickelt liegt, war für echte Wissenschaft noch nie ein Rechtfertigungsgrund, es überhaupt nicht an/ucrkrrinc'n und nicht aiizupacken. Es stünde besser um diese Angelegenheit, wenn die zünftige Wissenschaft vor einem reichlichen Mcnschciiattcr die Frage* Stellungen der politischen Anthropologie nicht so gut wie ausschließlich dem Dilettantismus überlassen hätte.“ Dr. Zoll sch au gab eine kurze Darlegung über das Thema: Bedingtheit der Philosophie durch Rasse, in der er die wichtigsten Argumente gegen diesen Standpunkt sachlich auf/eigte, mit dem Endergebnis, daß nur durch organisierte gemeinsame Forschung diese Probleme, wenn nicht gelüst, so doch erleuchtet wer* den können. e. e. * Auf Vorschlag von Professor Brunschwieg hat der Prager P h i I o s n p h en K o 11 g r e U an Professor Henry Berg• son, Paris, ein Telegramm gesandt, daß ihn der Kongreß zum Ehrenpräsidenten des internationalen Kongresses für Philosophie erwählt habe. Als Tagungsort für diesen 9, Kon• greß wurde Paris festgesetzt. Vertrag zwischen Transjordanien und Ihn Saud Die ״Ti 111 es“ vom II. September teilt den Wortlaut des soeben veröffentlichten Freundschaftsvertrages zwischen Trausjordauien und dem von Ihn Saud beherrschten Arabien mit. Die II Artikel des Vertrages scheu eine Zu• s a m m e 11 a r b e i t der Greis zbehörden vor, mit dem Ziel, Friedensstörungen zu verhindern und freundschaftliche Be• Ziehungen zwischen de״ beiden Ländern zu schaffen. In mehreren Artikeln wird der (1 r e 1t z. v c r k c h r zwischen beiden Staaten geregelt. Der Vertrag ist auf fünf Jahre ge* schlossen. Wie amtlich hekanntgegehen wird, hat der Verwal* tnngsühc rseh u II der Palästinaregierung am 31. Juli 3215 (KM) Pfund betragen. JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, R ix, m י H?> ^0 ץי־׳■׳*־1 | *■־ י‘ *lia sLlat«LL ■***V^i Ein Ausflug ins Jordantal Mit der nachfolgenden Schilderung wird dir Serie der palästinensischen Spaziergänge des Verfassers, die in Nr. 57 und öd d. J. benennen wurde, fortgesetzt. Red. Die Sonne war eben hinter den Bergen verschwunden, als wir mit dein Aldo in Tiberias ankameii. Der See war dunkel - graublau, die jenseitigen Berge In zartestem Lilarosa, darüber der erblaßte Himmel eine Färbung, die man 111 Palästina oft antrifft und die durch ihre Gegensätzlichkeit ganz, eigenarlig wirkt. Die kurze Dämmerung leuchtete uns noch bis Daganjah, dann suchten sich unsere Scheinwerfer den Weg durch die Nacht weiter nach Süden, der Üahnli die aus dem Fmck kommend nach Zvmacii uns in tiihrt. Nur noch die schwarzen Umrisse der palästiucn iscben mul frausjord,mischen Berge, die das breite Tal cinfasscn, waren im schwarzen Licht des schmalen Mondes zu sehen, sonst war nichts mehr zu erkennen. Wir hatten liier keine eigentliche Straße, fuhren vielmehr auf «lern flachen Boden in den Spuren unserer ״Vorfahren" und es gab manches Gerüttel und < ieseliiittcl. Um so erstaunter waren wir, als wir plötzlich wieder eine gute Asphaltstraße unter den Rädern fühlten, ejek• frische Lichter tauchten auf, spiegelten sich in einem See, bc• leuchteten eine Brücke, ein Stauwehr — das Jordan• k r a f t w e r k! Ohne Aufenthalt fuhren wir weher. Wieder tauclitc ein Lieht aus der Dunkelheit auf, umgehen von einer Amtsstube, darin drei arabische Beamte, davor zwei dunkle beladene Lastautos — t r a ח s j or da 11 i sc It c r (I reu zposte 11. Die Zollkontrolle beim Rauschen des silhergläiizemleii Jordan war kurz und freundlich, unsere Rucksacke und Feldflaschen durften nach Transj׳ lanieii hinein. Aber wir nicht!! Es begann eine gemütliche Unterhaltung: was sollten unsere Rucksäcke allein in Tr.insjordanien, wir Wollten mit ihnen fahren, wir waren nur 14 harmlose ״Meschotctini“ (Wanderer), wollten nur einen kleinen Ausflug machen, morgen wieder niriickkommeii, wozu brauchten wir da Pässe! Die Araber sahen das schließlich auch ein und telephonierten zur Grenzstation in Zemacli. Fs gab ein lange» Hin und Her, ein Fragen und Antworten, und endlich kaut das ersehnte Wort: Mar Salami (gellt in Frieden)! So fuhren wir denn in tiefer Dunkelheit muh Oste», den Irnnsjorda irischen Bergen entgegen, fragten einen entgegenkommenden Lastwagen nach dem Weg, kehrten wieder um, zweigten dann von der Straße rechts ab nach Norden, fragten in einem arabischen Dorf abermals, fuhren wieder nach Osten und verirrten uns voll• ständig. t Wieder erkundigten wir uns bei einer Gruppe von Arabern nach dem Weg — diesmal aber bekamen wir anstatt einer Antwort eine I: i 111 a d 11 n g. Ein Garten tat sieh auf, darinnen ein Hans mit einer grollen Halle, von der aus liuks und rechts Türen zu anderen Räumen führten. Wir hatten keine Ahnung, Wo wir waren. Unsere Gastgeber brachten einen Tisch und viele Stühle in den Garten zwischen die Blumenbeete und eine helleuchtende Pdioleunig.islampe. deren begrenzter Schein die Dunkelheit um uns nur noch erhöhte. Von der Unterhaltung, die arabisch in sehr freundlichem Ton geführt wurde, verstand ich nichts; ich genoß inzwischen die Natur. IJeher die Garten• hecken hinweg sali mau die Silhouette der fernen palästinensischeii Berge, hinter denen allmählich der Mond verschwand. Ein leiser kühlender Wind wehte von ihnen herüber. Die Luit war vdll von starkem stillem Blunicnduft und vom Gezirp der Grillen, auch einige Frösche waren zu hören. Ein leichtes Ohrensausen erinnerte uns daran, daß wir 200 Meter unter dem Meeresspiegel saßen. Ich ließ mir von Zeit zu Zeit die Unterhaltung ins Hebräische übersetzen, und da stellte sich denn heraus, daß wir uns aut einer Farm der Baliai befanden, der Anhänger einer religiösen Sekte, deren Begründer Abas Effciidi, ans seiner persischen Heimat vertrieben, in Akko lebte und dort im ״Persischen ()arten“ begruben liegt. Der Bahaiismus 11,1t aus allen Religionen die besten Teile entnommen und sic zu einer neuen Religion vereinigt. Er hat seine Bekenner nicht nur im Vorderen Orient, sondern vor allem In Amerika, auch in Deutschland mul in vielen anderen Ländern. Mit den Arabern der Umgebung standen die Farmer zurzeit zwar nicht schlecht, allein es bestellt doch eine dauernde Spannung; den Juden bringen sie viel Sympathien entgegen. Nach einiger Zeit brachte uns ein Araber in kleinen Gläsern einen köstlichen starken Tee, der sich zu normalem Tee verhielt wie Mokka zu Kaffee. Er servierte ein zweites und drittes Mal, bis wir durch Uiiistülpen der Gläser Zweifelsfrei zu erkennen gaben, daß wir genug hatten. Gerne hätten me entlang, s Jarmuktai wir nun unsere Rucksäcke ausgepackt und etwas aber dir 1 löfllnlkrit echot. alle I lisunm’li,."• «Pifl aber die I löflichkcit gebot, alle Dispositionen unseren f ' geberti zu überlassen. Diese forderten uns dem! and, 11״a Ins Haus zu kommen - es war das Gemeindehaus* fanden wir zu unserer Uebcrrasclmiig eine reichtיל* .״,!■״[״׳ vor. Ein Araber brachte WaseltgefälTe und Seife und bed' uns beim Händewaschen. Dann setzten wir uns zu Tisch gab eine große Auswahl vorzüglicher, aus verschied. ” Erd• und B.iiimfriirhteu derart /ubereitrter Gerichte die Früchte oft nicht mehr erkennen konnte; dazu harte r*‘ Pomrncs frittes, Käse uml Hrotfladen uml zt!m Abftcüti Melonen. Unsere Gastgeber hielten sich tlabei diskun ■ Hintergrund, nur zwei schweigsame Araber waren um U״J? Bedienung bemüht. Alles war so reichlich, apnetitlid, fl wohlschmeckend — selbst Servietten fehlten nicht — d4#“ uns nach Herzenslust sattaßen. 0 »j Nach der Mahlzeit betrachteten wir einige Wandbild״., dein Leben der Baliai, d,־minier den Hahaifctn|rcl von l*. Fraiizlsko, In den Bücherschränken fandui wir arabische 2 englische Bahai-Literatur sowie Lsperantoscliriften!! f Grimms Märchen in Esperanto. Während wir «och übcrltfw ‘ I ob wir vielleicht hier auf dem flachen Dach iibernacw i 1 könnten oder unserer ursprünglichen Absicht genial) »et I 1 in die Berge fahren und dort biwakieren sollten, wurde 1 ״״ mifgelcilt, unsere 14 Betten seien gerichtet, wir kwir!» I ichlafcn gehen! Wir waren sprachlos über diese uncmirto 1 Gastfreundschaft. “* 1׳ Am nächsten Morgen standen wir frühzeitig au! und I*. •1 trachteten unsere Umgebung. Wir waren nahe den I dänischen Bergen, unweit der Ausmhmlmig des Jarinuktaä I in das Jordantal. Bäche uml Quellen machten den Hoden,da 1 im übrigen voll der Sonne ausgebrannt und wüst ist' ״ I dieser Stelle truehtlwr und grün. Wir besichtigten die'»* 1 gedehnte Farm und trafen den Verwalter, der unser «m, 1 heiler Gastgeber war, vor seinem Hause. Er forderte uni ml 1 cirmitrctcn, wir begrüßten seine Frau und seine Kinder »I f hörten uns arabische (irammoplnnimusik an. Nachdem wir 4 ) Familie photographiert hatten und von den Kindern mit Rosa Nelken und Jasmin beschenkt worden waren, wollten wir ■ brechen. Aber wo dachten wir hin! Erst kam noch das Früh• stückt Und es stand dem Abendessen nicht natlr. Tet, lurti Fier, Käse, Oliven und Brotfladen und zum Abschluß Miki mit Zucker. Und dabei hatten alle Zeit, sich uns stundcnljn{ zu widmen, während man doch glauben sollte, daß auf «« Farm am Morgen alle Hände voll zu tun sei. Aber das ist dm der Orient, Zeit spielt hier keine Rolle. Endlich nahmen »i sehr herzlichen Abschied mit vielen ״Kattar Kcra“ (ar»b, Won für ״danke“) — an Bezahlung oder Bakscliisclr auch nur a denken wäre schon eine Beleidigung gewesen — und bestiege» unser Auto. Aber noch durften wir nicht abfalircn, wir nnilim erst noch Granatäpfel mitnehnmi; eine ganze Kiste voll bs kamen wir |11 den wagen gestellt, und wir wurden den gurr« Tag nicht fertig mit ihnen. Die Kinder durften noch ein kletno; Stück mitfahren, und dann schieden wir endgültig. Wir fuhren den gleichen Weg zurück, den wir in ta J Nacht gekommen waren. Am J a r m 11 k, kurz vor sein«? Mündung, machten wir noch einmal halt. Der blaue Flui »1; seinen! grünen Saum, tief eiiigesdiiüttcii i!t den ausgebm» teil grauen Steppen boden, dahinter die kahlen graugelbn Berge und Schluchten mit den! blauen Himmel darüber, * gaben ein reizvolles Bild. Nach kurzer Fahrt auf dem ll״o ufer erreichten wir Tel Or, die Siedlung der Arbeiter da Jordan kraft werk cs, an deren Fuß der Zuvamntr» ' Fluß von Jordan uml Jarmuk zu einem See gestaut ist. (ilcicb darauf kamen wir wieder auf die Straße und zu unserm Br«:• ä posten, der uns freundlich begrüßte und gerne ein paar Granat- :t anfei annahm. Jenseits der Jordaiihriicke kamen wir dwcl g. Kwuzath Gcschcr, hielten uns jedoch nicht auf. :■ Wenige Kilometer südlich verließen wir unseren Wage«; uml erstiegen den höchsten Punkt der das Tal begren/endrn völlig kahlen Berge, der sich etwa 51W Meter erlicht, An, g seiner Höhe stehen die Ruinen einer französisch(! j K r e u ז r i 11 c r b 11 r g und in sie eiiigenidct ein arabisch« ־ Dorf, Großes Aufsehen erregten dort ineinc scliwerlxMj*׳■ ten Bcrgschuhc; ich mußte mich auf den Bmlcri setzen um alles kam und schaute und befühlte. Von hier aus hDo ״ wir einen weiten Rundblick. Vor uns lag d:ts breite JorJ!'•■ י tal, vom Tiberiasscc mit dem llermon im Hintergrund bis*־« 'p nach Süden, wo cs sich im Dunst verlor. Kinetclb, Daganp״ und Scmach umfaßten das Süd ende des Sees, naher zu« > in der Talmitte Ing das grüne Betli Sara, noch naher fl« kleine Stausee mit dem Kraftwerk lind Tel (>r und an «w!‘. Berge geschmiegt Kvvu/afh Gcschcr. In vielen Wimlunjf3 schlängelte sich der Jordan durch das wenig behaute!״■ Wanderer aus Polen Eine Erzählung von Max Spanier (Fortsetzung) Das Stirnpflaud endete, eine Wiese erhob sich freundlich, gelbe 'Blümchen blühten am Rain. Vor ihren Augen öffnete sich ein Wald. Fs war ihnen, als seien sie einer großen Gefahr entronnen, der Frde wieder nähergerückt. Das frische Oriiu und der Duft der Taimen erfrischten ihre ermüdeten Nerven. Sie schritten mutiger, hoffnungsfroher. Sic fanden einen Quell und labten sich. Seht, lachte Schalem, sagte ich cs nicht? Nun wird das Haus kommen und der gedeckte Tisch. Hinter jeder Lichtung wähnten sie das Ende des Waldes uml ein friedliches Dorf. Aber je tiefer sie in den Wald drangen, desto unheimlicher wurde er. Der Weg endete, sie mußten sich durch dichtes Gestrüpp schlagen. Keine Spur auf der Frde wies auf menschliche Nähe. Die Bäume standen dicht und laubüherfüllt, als hätten die Jahrhunderte sie nicht berührt. Große schwarze Vögel kreisten über sie. Der Wald, den sie fron begrüßt hatten, schien ihnen gefahrvoller als der Sumpf. Ihr Gespräch War längst erstorben. Sogar Schalom wagte Keine Ermutigung mehr, fügte sieh demütig ins Unabänderliche. 111 den Ruhepausen dachten sie crinnenmgsvoll an Omsk. Erst jetzt emplanden sic den Wert menschlicher Nähe. Die Einsamkeit schmerzte sie. Sie sehnten sich nach den Menschen zurück. Joels Geduld zerriß. Sie wären besser in Omsk geblieben, dort hätten sie immer noch Obdach gefunden, als wahn• witzig ms Unglück zu rennen. Er sei von Anfang an gegen den Plan gewesen, aber der Vater sei unnachgiebig gewesen, habe einem Stern vertraut, der längst erloschen set, Sterben hatten sic auch in Omsk können. Nie würden sie Oesterreiclis Grenze erreichen. Korah! schrie Schalom verzweifelt, und drohte mit den Händen. Soll dich die Erde verschlingent tue zwei Tage um sein werden, werden wir bei Menschen Am Abend lagerten sie im Schutz einer breiten Koscl begann zu weinen, Sic sagte, ihre Füße sein SV•«»11!' ״'Beicht weinte sic deshalb, weil sie sich \ fiirrl!),.!»1 n ,^u״Ul׳n Ungewissen des nächsten Ihr Haar fhri wtcr tro8lclc *)*׳ nah״' *» <״ den Am ihr Haar, ,hre Wangen, ihre Hände; seine Rosel, die m Lichticiu ange/iimlct mul sieh an dem bunten Schein erfreut batte. Und er erzählte ihr die Geschichte des großen Kaisers, der aus dem Westen gekommen war und die ganze Welt zu einem Reich batte einen wollen. Dabei schlief er selbst ein, träumte er. Fr sali einen liebten weißen Himmel, saß zu Füßen eines Throns uml auf dem Thron saß Elieser, der große Rabbi von Omsk, der schon lange tot war. Am Morgen begann der Marse‘11 von neuem, schwer kamen sie vorwärts. Mühevolle Arbeit, durch das Gestrüpp, die hohen Gräser zu schreiten. Sie mußten durch tiefe Mulden uml steile Bergrücken überwinden. Der Schweiß troff von ihren Stirnen. ״Bleibst du bei deiner Meinung?“ höhnte Joel, ״Spotte nicht, antwortete Elias. ״Ich habe nur eins bedauert, pflegte der weise Rabbi Gutnmcber zu sagen, daß ich nicht mehr für Gott tun konnte.“ Schalom legte seine Hand auf Elias׳ Schulter und nickte. Wieder kam die Nacht. In einer Grube nisteten sie. Eine Stätte der Bedrängnis und der Klage. Joel begann mit der Wache. Schalom betete uml saug leise ... Hört ihr Berge das Seufzen meiner Trauer, ihr Hügel seht hin auf meine Tränen ... und schlief bald ein. Elias dachte trotz seiner Müdigkeit nach, ob cs wirklich Gottes Wille gewesen, daß sie in diese Ocde wamicrlen, um au Hunger und Müdigkeit zu enden? Was könnte ihm mit diesem Opfer gedient sein? Kein Mensch würde ihre Tat bezeugen. Ob der Vater die Stimme falsch gedeutet? Was heißt Heimat? Wenn er einen Gedanken gefaßt, spann er ihn wie einen ellenlangen Faden; war er am Ende, knüpfte er ein neues Stück daran, um nicht zu Ende zu kommen. Rosei dachte an Omsk, an Diniitrij, der sie hatte heiraten wollen, bevor er in den Krieg zog. Sic machte sich Sclbstvorwiirfc, wie leichtsinnig■ sie ihrem Vater gefolgt, ohne die Gefahren einer solchen Wanderung zu bedenken, Schalom behielt recht. Am Nachmittag gelangten sie auf eine Landstraße, die frische Riiderspuren zeigte. Schalom jauchzte, als sei ein Wunder geschehen. Die Straße verlief stumm zwischen den endlosen Wiesen. Nach kurzem an gestrengten Marsch sahen sie weit vor sich ein Gespann fahren. Sie schrien tmd winkten, bis cs hielt. Verwundert, ein wenig mißtrauisch mall der Fuhrmann die schmutzigen, verlumpten Menschen. Am liebsten wäre er wcitcrgcfahrcn Sie fragten ihn, wohin er fahre. Er verstand ihre Sprache nicht. Woher er komme? Er schüttelte den Kopf. Ob sie weit von Oesterreichs Grenze seien? Der Fuhrmann schwieg. Sie machten ein Zeichen, mitfahren zu wollen, sie unmöglich wcitcrinarschiercu, ihre Kräfte seien am ץ ■ Obgleich sich der Fuhrmann vor diesen Wegelagerern W jj tctc, blickten ihn docli die Augen des Maikhens so s»;■ und mitleidvoll an, daß er nicht nein sagen konnte׳ ' kauerten sich dicht auf das selmiale Brett tl<־< Wagens, t•״ licli der Gefahr, der Einsamkeit entronnen. Es ging /u 1 Menschen zurück, Hatte der Vater nicht recht Fi» Gottesbote, meinte Schalom und wies auf den Funrm ״■ Das Gerüttel des Wagens, daß er sie oft gegeneinander» ׳ nahmen sie gern äiin ... Ihre Müdigkeit war starker.• lullten sich ein, schliefen ... Schalom träumte von » Sänfte, getragen von einem himmlischen Manne. Längst war der Abend gefallen, als der Wagen hie» .; Fuhrmann deutete au, abzusfeigeu, er sei 3111 Ende ' Fahrt. Die Nacht war hell, sternenvoll. Sie erhainileii die Landschaft, das viereckige Bauernhaus, die SEnle, Schuppen. Der Fuhrmann öffnete die Scheune, dort km׳’1״״ - übernachten. Aus Furcht verschloß er von außen die 1 ur• ..,Sie waren atisgezogcn, um nach dem I!eiligen L*^< zu wandern. Das war ihr Wille, der Wunsch ihres aber der Zufall, das Schicksal — wie gewaltlos, ich das Wort empfinde — bestimmte es anders. Sie d»1 V., es auf höhere Art, nannten es Gottes Geheimnis, ״u Botschaft, ewiges Martyrium seines Volkes. ״ In der Nacht schrie Schalom auf. Entsetzt Kinder, Sein Gesicht war schneeweiß, seine I lämle Atem ging leise. Erschreckt sahen sich die Kinder a«. ״ Hilfe nelimen? Schon ein Licht anzu/üiuJcn, war kn';־ln;(rt) Sie rieben sein Gesicht, seinen Körper, sprachen ,יי״ auf ihn ein, suchten ihn durch eigene Wärme zu crwaim Er gab schwache Lebenszeichen. Sie konnten nichts »n״t ־( tun, als den Tag erwarten, bereits stieg im Osten «a« 1־w auf. Eins stand fest, der Vater konnte am nächsten Tag" die Wanderung fort setzen, er brauchte Ruhe und Sta0“>( Elias begann zu beten. Leise fing er mit seiner weichen zu singen an, mehr hingehaucht als gesprochen- U!«e י'1״ verstand Schalom, sein Gesicht erhellte sich, seine Hanat wegtert sich, als suchten sie etwas. Als Elias' Stimme s» wurde, begannen Joel und Rosel leise mitzusingen. (Schluß MO