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Jüdische Rundschau · 1934-09-07 · Heft 72-73 (7.9.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 72-73 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 ן ו .j*• Kt. 72/73, 7. IX. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU *Lk1 fr Q;e Feiertage, die mit Rosch Haschanah beginnen und am Jom Kippur enden, genannt die zehn Bußetage, richtiger ״Tage der Umkehr“, bilden ein cinhcitlidies Ganzes. [p׳aj fl׳n ^’05'^ Haschanah ״aufgeschrieben“ wird, wird am Jom Kippur ״besiegelt", Wenn daher im Jolgcnden unsere Mitarbeiter über Gebete, Symbole und Bräuche des Rösch Haschanah eine Einführung geben, so ist unvermeidlich, daß diese Ausführungen sidi gleichzeitig auch auf den fom Kippur beziehen, der erst zehn Tage später ist. Red• an. den besten des Tischri Der T©ö des Gerichtes |1|1‘ Tage wischen Rosch Hasciranah, dem jüdischen Neu-;,hrstf'l, mul Jom Kippur, dein Versöhnmigstag, trli,alten j,rc |\״lcnüm!’, vor allein dadurch, daß nach der Tradition (irtli als Schöpfer der Welt in diesen Tagen das de rieht u [, t. r jedes Geschöpf ansiiht. Hs werden gleichsam ,!je Bücher geöffnet, in denen die 1 landhnigcii der Menschen ״alireml des vergangenen Jahres anfge/cichiiel stehen, um daraus deren Weg für die Zukunft zu bestimmen. Natürlich ist nur bildlich gemeint. Ueherhaupt, da nach jüdischer An- <cha 1!t!0g* das Schicksal des Menschen zu einem grollen Teil ja (leswii eigener Macht stellt, wird das (icricht Gottes zu (|nfr i 11 n c 1׳ e 11 R e c 11 e 11 sc 11 a f t f ii r den Mensch c n ,cjhst. Her alltagliehe Rhythmus des Jahres wird unterkrochen, mul der Mensch soll durch die metaphysische Bcjfiiliing des Tages aufgcriittclt werden zu einer Besinnung ״her sich selbst und zu einer Selbstkritik über seine jchw;icltcn. Die Wiedergeburt des Menschen ״ יושי^הUmkehr“ genannt, die daraus folgert, ist imstande, den Menschen entscbculeiui umzugcstalten und auch seinen äullereu Lebensweg jt! verändern. Dir sc Möglichkeit der Rückkehr zu sich seihst und dein (icsdz Dolles, der Neugestaltung seines Lebens, die dein putschen nach jüdischer Anschauung immer, selbst auf dein Totenbette, offen steht, vcranlallte die Aggaila in der ״T'seliun3l!“ (L'inkclir) einen 11 er höchsten Werte überhaupt וון erblicken. Die ״T’seliuwah“ sei geradezu der Schöpfung voraiii'.e1!ange11, die ja undenkbar wäre ohne die Möglichpit ein 1־1־ ständigen Umgestaltung und Lrneuertmg, Sie habe die ungeheure Kraft, durch einen einzigen Akt ein j-jn/cs 1.1• he 11 in seinen Folgen a u s 7 u 1 ö s c 11 cn. i'i wird sogar gesagt, dall die ״Baale T’schuwah“ ( - die Mi-iuchcii, die uiiigekehrt sind) hoher stehen als die voll- (KHiiiin'iit'ii (icrechteii: ü נמקים?כןגלי קשובה עימדים צדיקים גרורים אינם ןכולים לעמיד I. Der Sdio/ar Volksglaube uml Volksbrmich umranken die Feste unseres geistlichen Jahres - etwa wie blühende Schlingpflanzen uralles Mauerwerk tiinrankcn. Gerade die erschütlcrmlsten Augmhlicke wählte sieh der Volksglaube, um seine feinen Fäden zu spinnen. Jeder von uns weilt, daß nicht Posauncnkläugc so inächtig das Herz ilurchstolH'u, daß nicht OrgcilJäuge mit ihrem Brausen die gleiche Kraft liaben, das Herz zu erschlittern wie dieser ganz, unharmonische, fast schrille Ton, der den! Widdcrhorii, dein S c 11 o f a r, entstammt. Lin unvergleiehharcr Ton; von fernher kommt er, und in ihm schwingt noch alles tlirtenlehon unseres Noiuadcnvolkes: Blöken des Widders, der einst auf Mnriali an Isaaks Statt geopfert ward - - aber auch schon späterer Anruf, der das Volk zur Vereinignng, zum I lecrbanii aufrief. I teilt ruft der Schofar zum höchsten (icricht; und sein hallender Ton, der bald anschwillt wie das Brausen des Meeres, hakt wieder auf und nieder wogt wie der zitternde Tanz seiner Wogen, hat die Kraft - so meint der (ilauhe des Volkes - , den Ankläger zu verwirren, wenn er vor 1km Höchsten tritt, Ihm die Sünden der Menschen zu beneiden, Deshalb hallt der Satan den Scliofartdang; und wenn es, wie wir rille schon oft erlebten, geschieht, dall der Scliofarhliiscr das Horn nnsetzt mul sich miilit und müht, ohne daß ein Ton aus der gewundenen ()cflnimg herauskänie, so weiß es den (irund, llnmi ,,sitzt der Satan im Scholar״: der böse (jeist ist in Oeslalt eines Sehlängleins -- das ist ihm noch vertraut aus den ersten Tagen der Schöpfung! ■ in die Windungen des Horns hineingekrochen uml verstopft mm die Ocffmmg, daß nur mißtönendes Quäken hervonpiillt. Und doch warten schon alte Fngelscliarim, um bei den Tone» der Tekiali tmil Tcrunli Von allen Seiten herbcizueilen, wie es ihnen die kabbalistische Formel vorsdircibt, und den Menschen vor Ciott zu verleidigen. Aller die rechte Lebenskraft und Lebensnahe, die erhält — otler: erhielt - - der Schofar erst hei den Ostjuden. Der alte Reh Schümm des Ji/chok Leih Perez druckt den Schofar an seine Brust wie einen Schatz. I r erinnert ihn noch heute an die Zeit, da der Vater — er ruhe in Frieden — im Dorfe Pachter war 111111 der kleine Junge den Schafhirten uin seine Flölc beneide!!'. ״Fr pfeift, und die Schafe sammeln sich jnm ihn... Irin Schofar ist aber noch mehr: er sammelt die Seelen, jüdische Seelen, wie sic sieh einst um den Berg Sinai drängten... Und die Seelen lauschen ihm.“ Aber der Schofar erinnert ihn auch an jenen furchtbaren Tag, 11a die Fenster klirrten im Beihatise vom La rin der anstürmenden Menge ־ - und die Beter sich angstvoll zusamniendränglen an der Misradnvand - und der Raw allein ruhig blieb: ,,Blase!“ befiehlt er mir. Und ielr blies! Meine ganze Seele legte ich hinein.... in allen Berichten über das I. eilen der Chassidim au den Feiertagen des Jahresbeginns spielt der Schofar seine geheimnisvollc Rolle: er tönt am Rosch Hasch,mah-Tage auf allen Wegen der Stadt, ja cs gibt Schüler, die den Sclrofarklnng zu *eben vermeinen.,. ■ Aber am tiefsten erklingt er in der St im me des Baal Schein, die an diesem Tage neu und ccwandelt war. Es war die Stimme des Schofar, die in ihm atmete und Mcnschcnlatit war. II. Tasdtlidt Als der italienische Dichter Petrarca nach Deutschland kam, da begegnete ihm am Ufer des Rheins, in Köln, eine seltsame Sitte. Am johaniiisnbend zogen zierlich gekleidete Frauen an den Fluß und warfen unter Gesängen und leise gemurmelten Sprüchen Krauter in die Flut; es sei ein Volksglaube, sagte man dem fremden Gast, daß mit den (Fortsetzung Seite 6) I t t Hs liegt hier vielleicht die Anschauung zugrunde, daß rin Mensch, der mit seinen Trieben gerungen, den inneren Kampf ilnrchgi'fiihrt und von nullen her sieh selber das Gute trällert hat, höher zu bewerten ist, als solche, die nie eine Vtruichtiiig gekannt haben, fiir die das Judentum und die Sittlichkeit selbstverständliche Güter stets gewesen sind. Auch der Vers: שלים שלים לרדויק ןליקריב Wird so gedeutet, daß Gott gewissermaßen den Gruß des Friedens zuerst den ihm I Fernen und dann den Nahen entbietet. Ganz ,ähnlich soll, wie am Pcßaeh, durch die Einordnung in (len geschichtlich-nationalen Zusammenhang, am Roscli Haschanah elurcli die Eingliederung in die sittliche Gesetziclrkeit des Kosmos, dadurch,!laß jeder der F.wigkeit gegenubergestellt wird, der Mensch erneuert werden. Und wie!vier Wochen vordem Pdladifcst der Mensch alle Räume seines Hauses zu säubern und ilurcliztisuclicn beginnt, um den ״Chamez", das Gesäuerte, das Zeichen des Trägen, Nur-SeU- I lallen auszurotten, soll der Mensch vier Wochen vor dem 1 Neujahrsfest, mit dem Beginn des Monats Flui anfangen, :1 dieses Spüren in seiner eigenen Seele vorzunchmen, und sie * aus der Erstarrung des Alltags aufztilockern. י Doch darf man nicht denken, daß der Bedeutung des 1 Tapes uml einer falschen UcbcrSetzung des Namens 1 'מים ניראיס;* als ״grauenerregende oder furchtbare Tage“ I «!(sprechend, diese Tage Tage der Angst oder der Furcht-! larkeit sind. Die Furcht vor dem Ewigen, die ךאד,״> , s011 sich nicht erweisen durch das gesenkte Haupt, die gefaltete 1 Stirn, 1lc,n gekrümmten Rücken, die das Sümlenbekennttns . schlagende Rechte oder durch die zitternden Beine. ״Soll das 1) üs Hasten sein, daran ich mein Gefallen habe — ein Tag, I * der Mensch seine Seele kasteit? daß er krümmt wie ein 1 Schilf sein Haupt und sich auf Sack und Asche bettet? Das *eimsf du ein Fasten, einen Tag der Gnade vor Gott?! Nein,! das ist ein Fasten! das ich erwähle: Oeffne die Kelten des ' Frevels, löse die Bande des Joches, schicke die Bedrückten > •» die Freiheit und zerreißet jedes Joch! Nein, dem Brot Wth dem Hungrigen; die uinherirrenden Armen bring ins; Haus; wo du einen Nackten siehst, kleide ihn und verbirg dich 4 ״icht vor deinem Fleische.“ (jeschaja 58, 5 ff.) Es ist der v Abschnitt, der gerade am Vcrsülunmgstag verlesen wird, tun ״ Hm Sinn des Fastens darznlegcri, das mir Vorbereitung, •| rti'in.ils die Umkehr s c 1 b e r bedeutet, die vielmehr nur I •n der Verwirklichung in der vollen Breite d s Lebens sich ,?Udert, Voller Vertrauen auf seinen Schöpfer und auf die 1 '״ ihm ruhende Kraft der Umkehr, bewußt der ernsten Bcj ®utuiig des Tages, darf der Mensch sich einer - allerdings tnisteii - Freude am Rosch Haschanah hin gehen. Rabbi I ü'Miina und R. Josua sagen: ״Welch ein Volk ist wie dieses **;0״*!das die (h'pflogcnhnt seines (ioÜcs kennt. WennJctn&tul , Prozeß hat, so zieht er sieh schwarze Kleider an *% ®11d Imlit sich g;mz in Schwarz, läßt seinen Bart wachsen und , ׳1״schneidet nicht seine Nägel, weil er nicht weiß, wie sein 1 ausgehe11 wird. Nicht so Israel. Mau legt weilte I k'r •״י, schert sich den Bart, schneidet sich die Nagel, 1 1?.״lu' hinkt am Rosch I laschanah, weil man weiß, daß der! •eilige, geloht sei Er, dem Juden ein Wunder erweisen wird.“ I ל, '>cs"׳e״en soll inan am Tage vor Rosch Maschanah wen ,1 "thcrm und waschen und am Tage selber es sich an guten •J *Prisen nicht fehlen lassen. Hiermit gebe man denen die a ,c ^"!wort, die am Roscli Haschanah fasten (Tur). Je Ii *I recht Cr der Mensch am Rosch Haschanah dastcht, um | *° besser ist cs für ihn (Rosch Haschanah 26). Aber (: , bestickte und purpurne Gewänder soll der Mensch nicht da es dann nicht klar ist, ob der Mensch auf , h, ucrtr!״rt oder den Tag vielleicht überhaupt nicht als ij J’t"'bar empfindet. Daher soll er weiße Gcw'ändcr anlcgcn, 11 Vc *x <*en Tag des Todes zu denken, und als Symbol der 1 ״cihung; אם יהיו ןוטאי^ם 3ןז;ים יל51יג«י• Diese eigenartige Ausgeglichenheit zwischen Ernst und Frohsinn charakterisiert den Roscli 1 laschanah (vgl. das Motto des Rosch Haschanah: ״ (ילו 1יךעדהfrohlocket in Zittern“). Die Hinwendung zum Jenseits geschieht nicht durch Negicrung des Lehens, sondern der Rosch Haschanah verbindet die gerade durch die Bändigung, nicht durch Auslös cli ung der Triebe, vollkommene Lebensfreude mit der Besinnung auf das Jenseits. Daher werden in den Tagen zwischen Rosch Haschanah Und Jorn Kippur die Eigenschaften Gottes als Richter und König der Welt in den Vordergrund gestellt, wie dies in der Veränderung oder Einschaltung einiger Sätze, besonders in der Sclieiiione Esre, in diesen Tagen zum Ausdruck kommt. Man vergleiche auch ein Hauptgebet dieser Tage:!Ins Awinu malkcnu-Gcbet, in dem Gott wieder in gläubigem Vertrauen als König mul Vater angcrufen wird. 111 einer Reihe von ״Pisinomm“, Wccliselgesiingcn, wird die Nichtigkeit des Menschen angesichts der Erhabenheit Gottes als König der ganzen Welt herausgcstcllt. Auch hier geht cs um die Hinwendung auf das Innere des Menschen. Die Schau des Erhabenen soll zur Furcht und zum Gedenken bin* führen, diese zur Achtsamkeit, die wieder das Vertrauen des Menschen stärkt, das ihm eine innere Macht gibt, Kraft zur wagenden Tat und Frieden*). Diese Folge der Motive erscheint auch in den drei großen Teilen des Mussafgehctes ain Rosch Haschanah, das den Tag der aufregenden Erschütterung besonders zum Ausdruck bringt. In den ״Malchujoth“ wird die Erhabenheit Gottes gezeigt, der von seinem Throne aus die Welt an diesem Tage richtet (vgl. auch das ת^קף pjpjl Gehet und dessen sagenhafte Entstehungsgeschichte), in den ״Sichronoth״ prüft er die Vergangenheit jedes Menschen 111111 bestimmt jedem die Zukunft. Ebenso prüft der Mensch selber seinen Weg und wendet die Folgen des Bisherigen durch die Hinwendung zu eim-111 neuen Leben ab, durch die eine reinere Zukunft crtnögliclit wird (Scltofaroth). Das betreffende Hauptmotiv wird jeweils dargestellt durch ein allgemeines Hauptstück und zehn entsprechende Verse aus der Bibel, von denen tlrei der Thora, drei den Schriften, drei den Propheten und der letzte wieder der Thora entnommen sind. Das Blasen des Schofar am Rosch Haschanah dient vor allem der Erweckung und Aufrüttelung der Gemüter. Daneben weist er aber auch auf wichtige Ereignisse in der Vergangenheit hin, so auf die Offenbarung am Sinai, tler Schofartöne vorangingen (li. B. M, Kap. F) V. 16), auf die Darbringung Isaaks, für den darin ein Widder geopfert wurde. Ueherhaupt spielt die Erinnerung an diesen Akt der Hin• gäbe Abrahams und Isaaks eine ganz entscheidende Rolle am Roscli Haschanah (vgl. den Vers: nip.VJ ןכ1ר בדיון אבךלם יצקק so daß der Tag vor Rosch Hasclianah geradezu כיי ברית! genannt wird), zugleich aber auch als Erinnerung an die Hin• gäbe der Väter, die als Märtyrer zu allen Zeiten für das Juden• tum starben (vgl. die letzten Verse des ״Awinu Malkcnu“). Das Verdienst der Väter soll den Kindern an dem für sic entscheidenden Tag beistehen. Aus diesem Grunde pflegt man auch am Tage vor Roscli Haschanah die Gräber der Eltern und Zaddiklm zu besuchen, doch wird ausdrücklich davor gewarnt, zu den Vätern selber zu beten, sic sollen nur als Fürsprecher aufgernfen werden, Man könnte Rosch Haschanah auch als unseren ״Muttertag“ bezeichnen, denn am ersten Tage wird der Abschnitt aus der Thora vor• *) Diese Folge der Motive wie auch die Kennzeichnung der jüdischen Gottesfurcht sind entnommen einem Artikel von A. E, Kaplan: Jn den Spuren der Gottesfurcht, Jcschu• jruu J924. gelesen, der behandelt, wie Sara endlich in ihrem hohen Alter nls Mutier bedacht wird, ferner die Leiden der ausgcstoßenen llagar und die Sorge um ihr Kind. Es wird gezeigt, wie Gott gerade dieser leidenden und bedrängten Mutter beisteht. Der Abschnitt aus dem Propheten zeigt, wie auch die kinderlose Ghana endlich Mutter wird (Samuel I, Kap. 1) und der Prophctcnabsclinitt des zweiten Tages das Weinen der Mutter Rachels über das ihren Kindern widerfahrene Elend (Jirmijahu Kap, 3t, H). Der Schofar weist aber auch auf die Z u k 11 n f t~trm, Indern die künftige Erlösung Israels (Jes. 27, 13) und das göttliche Weltgericht durch ihn angckümligt werden. Auch die völlige Umgestaltung der sozialen Verhältnisse, da jeder Einzelne wieder zu seinem Besitze kommt, wird durch das Blasen des Schofar cingclcilet (III. B. M, 25, 0). So deutet der Schofar die enge Verbundenheit von Vergangenheit und Zukunft an. Zugleich zeigt er ganz ähnlich wie das erwähnte Kapitel aus Jeschaja, dall die Bereinigung des Verhältnisses zu Gott nicht isoliert von dem sonstigen Leben stehen darf, sondern auch die Erneuerung der Beziehungen zum Mit* menschen und der Menschen untereinander zur Folge haben muß. Daher pflegt man auch allgemein am Vortage des Jom Kippur seine Mitmenschen um Verzeihung für wissriitlieh oder unwissentlich ihnen angetanes Unrecht zu bitten. Nur dann ist der Jom Kippur imstande, die Schuld den Mitmenschen gegenüber zu sühnen. Wichtig ist es auch, daß wie die meisten Gebete gerade auch das S ii n d e n h e k c n n t n i s, das allerdings aus den erwähnten Gründen nicht am Rosch Haschanah, sondern am Jom Kippur gesprochen wird, als Gcuicinschaftsgcbet gesagt wird. Auch wenn wir selber nur einen Teil der arifgefiilirtcn Vergehen begangen haben, sind wir alle füreinander verantwörtlich. Nicht der Einzelne allein, sondern die Qcm einschatt als Ganzes steht vor Gott und hat sich als solche zu verantworten. Darüber hinaus weist aber gerade der Rosch Haschanah «och auf einen größeren Zusammenhang hin. Im Gegensatz zu den anderen Festen des Jahres stellt nicht ein nationales Ereignis der jüdischen Volkes, sondern der Weg der gesamten Menschheit im Vordergrund. Die Sonderaufgabc des jüdischen Volkes tritt an diesem Tage gleichsam zurück hinter dem gern eins amen Schicksal der ganzen Menschheit. Es wird damit zugleich angedeutet, daß die Sonderung Israels nur ein« vorläufige ist, bis zur Ancrkeiinung des göttlichen Reiches durch die gesamte Menschheit. In stärkster Weise wird dieser Gedanke in der Tfilla des Roscli Haschanah ב5ן תן 0חךף\ und in der Braclia ןאך גל 5ל ל.עי?!ם sowie int ״Alenu"-Gebct, das naturgemäß im Mittelpunkt des Mussafgehctes steht, ausgcdrilckt. Der «rste Teil des ״Alenu“-Gebetes behandelt den Sonderweg des jiitilschen Volkes, der zweite Teii die Herstellung des gemeinsamen Bundes aller Menschen in dem Dienste Gottes. Die einzelnen Teile des Segenspriichcs der Heiligung in der Tfilla am f.jscli Ilaschanah zeigen die gegenseitige Bczogcnhcit des Schicksals Israels und der iiiehtjüdiscbeii Völker. Die Errichtung der Einheit zwischen den Menschen und der gemeinsame Gottesdienst (8חךןז Jp J3?1) läßt auch dem jüdischen Volke wieder Ehre, dem jüdischen Lande wieder Freude zuteil werden (ובקן תן גביר). Die Gerechten aller Völker jubeln darüber (וב3ן אדיקים לךאו ולשמחו) und schließlich Wird als symbolischer Ausdruck der Verbundenheit Israels mit der gesamten Menschheit Oott über alle Geschöpfe vom Zionsberge aus regieren 01p« ־(1ח?ול1ך Auf dem Wege nach Eres /Israel, im Etui 5694. Dr. Erich Rosenblüth.

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