Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1934)
- Date
- 1934-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Kf.71,4. IX. 1934 Deutsche Einwanderer in Haifa Von Hans Rosenkranz (Haifa) [)!!׳ besondere Rolle, die Haifa im Aufbau Pal«• slituts spielt, hat uns veranlaßt, dieser Stadt eine Sondrrbnluge unseres Wattes zu widmen, die reich illustriert in unserer Neujahrs• Ausgabe vom 7. Septemher erscheinen wird. Nachfolgende Reportage unterzieh- Id über die Einordnung der Einwanderer aus Deutsch-!and in dieser Stadt: Hei den früheren großen Einwnndertingsschiibcu waren jjt Zielpunkte das flache l.arnl oder Tcl-Awiw. Nur ver- (jn/cite Splitter pflegten mich Jerusalem und Haifa, nach jjhcrMs itiid Saftnl /u!;elmi^en. hs ist bemerkenswert, daß von dieser lef/ten Alijan, in der die Zahl der Einwanderer a״<!)nitschlniid ‘3 יל י betragt {der Anteil Deutschland war v״r |011 bekanntlich nur 21״, der Uesamteinwandcrung), ein 5ej1r iidrailitlichcr Feil Haifa wählte. Die (irimde hierfür sind mannigfacher Art. Seit der Hafen In Funktion ist, landeten sehr viele Menschen einfach des* j,Älh, weit sie die Prozedur des Ausbootens in Jaffa ver* meiden wrlflcn, hier in Haifa —- und blieben gleich hier. Plc Eröffnung des Halens und die bevor stehende Inbetriebset/ung der Mossul-Oellcitiing batte Haifa als die ״Stadt der Zukunft״ zu einem besonderen Anziehungspunkt gemacht. J< k.un hinzu, dali der Wirtschaftsraiun in Haifa noch ziem* lieh leer war im Verhältnis zu dem vollgestopften Tel-Awiw. Schlielllieh entsprach der Stil der Stadl, soweit man schon von einem solchen reden kann, mehr dem Charakter vieler deutscher Einwanderer: Das Lehen spielt sich hier häuslicher und nicht so :msschlielSlieli auf der Strafte ab wie in Tel- Awiw. Die Stadt loht noch nicht so vor Betrieb und landüchdtlich bietet sie durch ihre Lage zwischen dem Karmel und der blauen Bucht dem deutschen Einwanderer einen verwandteren Anblick, als ihm Tel-Awiw zu bieten vermag. So ist es kein Zufall, da» man in Haifa verhältnismäßig mehr Juden aus der deutschen Provinz trifft als in Tel-Awiw. Heidelberg und München, Hessen und Ostpreußen sind hier juffallcrul stark vertreten, und mau hört im Autobus scliwäbdmles Hebräisch und ein ״Schalotn“ von behaglich ostpreußischer lireile. Die iieucii E inwanderer haben Lücken in der Wirtschafts* Organisation dieser Stadt erkannt und ansgefüllt. Sic sind dabei zum geringen Teil entweder bei ihren alten Berufen geblichen oder sie haben in der Hauptsache sich auf neue Berufe mngcslellt und manche haben aus einer früheren Liebhaherei einen neuen Bern! gemacht. W i r t s c 11 a f t s 1 ticken in Haifa erkannten ,jene Juden aus Deutschland, welche 7. B. die erste jüdische Sodawasser- und Lim onadenfahrik gründeten, die die ersten europäischen Ansprüchen genügenden Pensionen cröffneten, die sich der Fabrikation von Kühlan lag en zu wandten usw. Fs gab bisher nur eine Silikatziegclfahrik int Lande in der Nahe von Tel-Awiw. Diese Silikatziegel, die hier sehr viel verwendet werden, wurden durch den Transport von Tel-Awiw nach Haifa ganz au Ilerordentlich verteuert. Dem ist abgehoben worden durch die Errichtung der Silikat zicpelfahrik in der Haifa-Bay. Alle Badewannen wurden bisher von Europa importiert und vas Ihr erhebliche Betrüge bei der groben Bautätigkeit im Lande allein dieser Import erheischte, läßt sich denken. In Zukunft werden die Badewannen in der neuen Eisengießerei und in dem dazugehörigen Fmaillewerk hergcsiellt werden, dessen Bau in Kurze beendigt sein wird, Line der inter- «santesteu Unternehmungen ist die jüdische Küsten- Schiffahrt; cs sind zwar nur kleine Motorschiffe, aber ein völlig neues Arbeitsgebiet ist liier von deutschen Juden «schlossen worden. ״Atid“, ein größeres Schiff für Frachtfahrt im östlichen Mittehneer, ist soeben aus Hamburg — vom Kapitän bis zum Schiffsjungen mit Juden aus Deutschl*nd bemannt — wieder da /»gekommen. L>ic Liste kann betrachtiicli verlängert werden; Unternehmungen für die Fahrikation von Lampen, von .Slahlmöbeln und manche Spezialgeschalte; einige für Konfektion, die aber meist Filialen von Jerusalemer oder Tel-Awiw er Firmen sind, ein Geschäft für ärztliche Instrumente, für Kinderbedarf. Dclikatcßwarengeschähe usw. Auch in Haifa gibt cs übrigens eine Fensterpiitzkooperalive, die bestimmt eine sehr ״sichtbare“ Lücke äiisgcliillt 11,at. Die blanken Schaufenster im Lande sind tine der Wirkungen der deutschen Alijah. Sehr interessant sind diejenigen Falle, in denen Menschen aus einer früheren Liebhaberei einen ne u e n Beruf machten. Ein Anwalt, der sich neben seiner Praxis mit Seencht und nautischen Problemen beschäftigte, eröffnet« ein Geschäft für Schiffshcdarf, das erste seiner Art im Hafen ',wi Haifa. Ein Irrenarzt, der sich in seinen Mußestunden mit physikalischen mul optischen Probleme 11 beschäftigte, hat erste Brillenschleiferei und dazu ein optisches und Uhren- *arcngescliäft eröffnet; andere haben aus ihrer privaten Leidcnschaft des Zionismus eine berufliche Tätigkeit gemacht: «i den nationalen Fonds, den nationalen fkxlengesellschalteu si«l eine Anzahl deutscher Zionisten Beamte geworden. Ein Jude, der vielfach in England gereist ist und sich für englische Sprache und englisches Recht neben seiner kaufmännischeu Tätigkeit interessierte, ist Beamter der Regierung in Haifa, Sportslvnte sind — leider in zu geringer Anzahl — zur lolizei gegangen oder auch Sportlehrer geworden. Nun kommt zu diesen beiden eben dargcstelltcn Kategorien große Zahl derer, die a u f ltand w e r k I i c 11 c Beruf e *!eh um gest eilt bähen. Lin Staatsanwalt betreibt eine muschlosserei, ein Anwall und ein Arzt sind Mitglieder von «utohuskoopcraliven; eine Nationalökonomin, eine Aerztin mul *י Kaufmann betreiben gemeinsam eine Häckerei und Kon- «dorei, ein Pelzkonfektionär ein reizendes Cafe; unter den Bauarbeitern findet man deutsche Juden als Betonmischer, * Kachellegcr, als Maurer und auch als Schwnrzarbcitcr m Wer Anzahl; cs gibt Tischler, Schleifer, Elektrotechniker, Uhrmacher unter den deutschen Juden in nicht geringem lima״gc, manche sind Taxichauffeure und Autoschlosser, andere JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 kauf! »lännisclic Anstellungen angenommen usw, bish Nicht klein ist aber auch die Zahl derer, die in ihren TT A F V OO I fj H I י" , וי w fs. In dm ersten Wochen den Weltkrieges, am 11. September 1914 — nach jüdischem Datum am 24. Etui —, ist David Wolffsohn gestorben. Das schmerzliche Ereignis wurde in der Zeit des großen Sterbens von dem Brausen des Sturmes der Geschichte übertdnl, Die ’/.iimistischc Organisation konnte dem Dahin geschiedenen nicht die Ihm gebührenden Ehren erweisen. W01 ff sohn war nur sechs Jahre Präsident der Zionistischen Organisation, eine relativ kurze Frist, die aber alle״, die jene Zeit miterlehl hohen, wichtig und ereignisreich war. Er hallo ca nicht!eicht. Niemand hätte es leicht gehabt, llerzis Nachfolger su sein., David Wolffsohn war eine umkOmpjlc Persönlichkeit, schon darum, weil in jener Zeit eine neue Wendung im Zionismus sich anbahnte, die nicht ganz im Sinne der orthodoxen Lehre llerzis war, um1 Wolfj■ solms Sorge war darauf gerichtet, die Tradition des Führers zu wahren. Alle diese Kämpfe, die damals dw Leideuschallen entjochten, hohen heute nur noch historisches Interesse. Geblichen aber ist die Erinnerung an die Figur Wolffsohns, einer Persönlichkeit von eigentümlichem Charme umt großer Würde und Kraft. zlri ihm zeigte sich die wunderbare Erweckung des jüdischen Volkes durch den Zionismus; Jahrzehntelang hatte das jüdische Volk heim politischen Persönlichkeiten hervorgehracht, hier wuchs ein Mann aus dem Volke zu erstaunlicher Wucht und Größe, weil er von der Idee entflammt war. David Wolffsohn war ein ״l.itwah", ein litauischer Jude, er ist dam Vorbild dem David Litwuk in llerzis Roman ״AUnculaml". Durch diese Gestalt wollte llerzl zeigen, welche menschlichen Qualitäten und Ucrzenstugenden für eine Erfüllung des zionistischen Ideals erforderlich sind. Heule, am 21. Elul (diesmal 4. September), fährt sieh sein Todeslag zürn 20. Male. Dies ist ein Anlaß für die jüdische Welt, dieses Mannes zu gedenken, der in einer liebergangszett die undankbare Rollo des Verwalters eines großen gefährdeten Erbes auf sich genommen hat. R. W. Zn seinem 20. Todestag Von Dr. Eduard Leszynsky Gern folge ich der Aufforderung der Redaktion der ״Jüdisclier» Rundschau“, anläßlich der 20. Wiederkehr des Todes* tages von David Wollfsohn einige Worte des Gedenkens an den großen Zionisten, den gütigen Menschen, den geliebten Freund zu schreiben. Diese Persönlichkeit, deren Andenken » fast mir noch bei seinen alten Mitkämpfern fortlebt, auch der heutigen Generation näherzubringen, ist für midi innigstes Bedürfnis und zugleich ein kleiner Dank für die Freundschaff, die er mir schenkte. Schmerzlich müssen wir, seine Mitkämpfer und Freunde, fcststcllcn, daß Wolffsohn, der selbstlos wie kein anderer seine Kraft und sein Können in den Dienst der zionistisehen Bewegung stellte, beinahe in Vergessenheit geraten ist. Diesen Vorwurf kann ich den heute führenden Männern nicht ersparen: Keine Siedlung in Palästina trägt seinen Namen, eine kleine, unauffindbare Straße in Tel- Awiw soll nach ihm benannt sein. Selbst die N a t i 0 n a I ־ B i b 1 i o - t h c k in Jerusalem, die als Mnnifestierung seines letzten Willens ״in Palästina für allgemein jüdische, möglichst zionistischc Zwecke“ aus seinein der Bewegung hintcrlasscucii Vermögen erbaut wurde, ist nicht als ״David-Wolffsohn-Haus“ bekannt. Nur ein kleines Schild am Eingang erinnert an den Stifter. Diese Zeilen können nur ein anspruchsloser Versuch sein, unsere Jugend auf einen Mann hiimiweiscn, der ihr in Gesinnung und Menschlicher Haltung zum Vorbild gereichen müßte. Wolffsohn wurde 1905 Hcr/Is Nachfolger als Präsident der Zionistischen Organisation. Seine unverwüstliche Kämpfernatur, sein opferfreudiger Idealismus, der sich mit seinem stets real denkenden Verstand zu schönster Harmonie vereinigte, seine Verwurzelung in jüdischem Volkstum prädestinierten ihn zum Nachfolger Hcrzls. Er war nicht der weitblickende, geniale Politiker w׳ie Hcrzl, den er vergötterte, dem er sich unterordnete, auch nach noch so heftigen Mcinungsvcrschicdcnheiten, die leicht zum dauernden Zerwürfnis hätten führen können. Dieses gefährliche ״Beinahe" wurde durch Wolffsolms grenzenlose Verehrung und Bewunderung liir Hcrzl immer wieder überbriiekt. Er ging darin so weil, daß er teils bewußt, teils unbewußt Hcrzl in Gesten und Benehmen so kopierte, daß Frau Julie Herzl ihn beim Herawsspringen aus dem Zuge für ihren Gatten hielt. Nur eines hatte Wolffsohn vor seinem Meister voraus — sein tiefes Verstehen für das Ostjudentum und dessen Mentalität, die Hcrzl fremd und Photo■• &mn4n/*td oft unverständlich war. Hier war Wolffsohn, der in einet« kleinen, typisch jüdischen Städtchen des Ansiedlungsrayons aiifgcwachsen war und das Judentum als volksmäßigc Ein* licit von Kindheit empfunden hatte, der Lehrer und Herzl der oft schwer belchrbare Schüler, Wolffsohn, der in Köln lebte, war und blieb in seinem Fuhlen und Denken Ostjude. Sein« Schulbildung halle er nur aus dem Glieder seines Vaters in Borbiany bezogen, und oft hörten wir seine bitteren Klagen, daß die Armut in seinen jimghngsjahrcn, der Kampf und die schwere Arbeit des Vorvvärtskommens in späteren Jahren ihm keine Zeit ließen, das Versäumte nachzuholcn. Als Wollfsohn nach Herzls Tod nach eigenem heftigen Sträuben zum Präsidenten der Zionistischen Organisation ge* wählt wurde, die Organisation durch innere Parteistreitigkeiten zu zerfallen drohte, glaubte jede Richtung in Wolff* sohn ein gefügiges Werkzeug gefunden zu haben. Man halt« sich gelauscht. Wolffsohn erwies sich als würdiger Nach* folger Hcrzls. Unbeirrbar kämpfte er um seine Meinung und wußte sic gegen jeden Widerstand durchzusetzen. Auf jedem der nachfolgenden Kongresse dasselbe Bild: Endlose, unfruchtbare Debatten, die Wolffsohn geduldig über sieh ergehen läßt. Bann mit einem Wort, oft mit einem seinen reichen Talmud* kenntnissen entnommenen Gleichnis klärt er die Situation und führt die plötzlich selbstverständlich gewordene Entscheidung herbei. Als er 1011 die Führung nicdcrlcgcn mußte, blieb er trotz seiner schwer erschütterten Gesundheit eine führende Gestalt im Zionismus. Eine Episode mag seine Stellung und seine ungebrochene Kraft erweisen: Nachdem auf dem Basler Kongreß 1911 die neue Leitung ohne Wolffsohn gewählt war, vertauschte er schnell den auf dem Kongreß getragenen schwarzen Rock mit einem hellen Anzug und rief uns be* geistert zu: ״So, Kinder, jetzt bin ich frei, jetzt kann ich wieder für den Zionismus kämpfen.“ Und diese unbändige Lebensfülle blieb ihm bis in die letzten Tage seines Lebens erhalten. Ihm konnte keine Gegnerschaft innerlich etwas anhaben. Sein Humor schützte ihn vor Verbitterung. Als wir «ach den schweren Kämpfen auf der Jahreskonferenz in Berlin 1910 uns in Nestroys Parodie auf Judith und llolofernes ein wenig zerstreuen wollten, worin ein jüdischer Hauptmann auftrat, dem seine Soldaten nicht folgen wollten, indem sic sagten: ״Was ist denn jener mehr als wir“, — flüsterte er uns lachend zu: ״Genau so machen sie cs mit mir.“ Noch einen Augenblick möchte ich bei dem mir persönlich so teuer gewordenen ״Dade“ verbleiben. Seine Warmherzig* keit, seine übcrqucllende Lebensfreude, seine nie versagende Schlagfertigkeit machten ihn als Freund und Gesellschafter unersetzlich. Wie entzückend war es in seinem Herrenzimmer in Köln, wenn er von seiner Reise nach Südafrika erzählte, von den Ovationen bei der Landung, die er ahnungslos tind unvorbereitet entgegennehmen mußte, von dem ״einzigen Bekleidungsstück einer schwarzen Baronesse aus Uganda“, — er wollte sich doch das Land ansrhen, das kurz zuvor auf dem 7. Kongreß als jüdisches Zufhichtsland abgelchnt worden war. Und zum Schluß noch ein Wort nicht von ihm, aber über ihn. Als mich Sammy ürourmann einmal fragte, ob ich mir die Neuinszenierung von ״Natlian der Weise“ schon angesehen hätte und ich kein großes Interesse dafür äußerte, sagte er: ״Sic müssen hin, — Nathan ist Wolffsolmi“ eizieren Drahtzäuiic, andere wiederum haben zwar ihre fahi.. .t bisherigen Berufe verlassen, waren aber schon zu alt, um ״och Handwerker zu werden und haben Pensionen eröffnet, ..-•■origen Berufen geblieben sind, wie die vier exfer «nt Apotheker; einige Anwälte aus Deutschland haben das Palästinensische Advokatencxamen bestanden; eine bekannte erliner zionistische Buchhandlung ist auch hier wieder zu nden; und {,s __ fast not ieast — die ״Acrztc-Alijah : 'nigc wenige Acrztc aus Deutschland sind zu beamteten oiclhingcn bei der Kupath Choliin, der großen Arbeiter- »״kenkasse, gelangt, aber die Mehrzahl von ihnen ist, wenn tr1,u L^e bleiben wollen, auf die freie Praxis angewiesen. So ״locht, wie wir alle dachten, hat sich «las wirtschaftliche Schicksal der Aerztc nicht gestaltet. Eine Anzahl von ihnen, namentlich Spezialärzte, deren Fach bisher noch nicht verfreien war, haben recht gut zu tun, gerade Spezialisten wer* den auch von arabischen Kollegen hinmgezogen, aber natiirlieh gibt es noch eine große Anzahl, die vergeblich auf Praxis warten. Einige Juden, die in ihren bisherigen Berufen geblieben sind, haben Glück gehabt, weil sic Berufe ausübten, fiir die es auch liier Chancen gab. Frühere Angestellte der Firma Kempinski haben ein sehr gutgehendes Restauraut eröffnet, sämtliche Architekten .sind voll bc* schattig♦, gut ausgebiidetc Banklcute mit den erforderliehen Sprnchkenninisscn haben sämtlich Anstellungen bekom* men, so daß die Bilanz der wirtschaftlichen Einordnung dieser Gruppe der Niclituingcschichtetcn nicht ungünstig ist. Ein objektiver Berichterstatter ist aber verpflichtet zu sagen, daß neben der großen Mehrzahl der wirtschaftlich Eingconlneten es auch eine Anzahl von Fällen gibt, die man als ״unechte“, d. h. als nicht dauerhafte Einord■ nung betrachten muß: ״Real Estate Agency“ ist die Firmenbezciclinung einer Anzahl von Anwälten geworden, die als Treuhänder, als Hypothekenmakler und ähnliches fungieren,. die auch heute in der Konjunktur nicht schlecht verdienen, oftmals sogar besser, als es der Wirtschaft des Landes zuträglich ist, deren Existenz aber beim ersten ernsthaften Schwanken der gegenwärtigen Hochkonjunktur gefährdet sein muß, und die heute nicht einschen, daß es in Palästina ebensowenig wie in irgendeinem anderen Lande der Welt ewige Konjunkturen gibt. Dasselbe gilt fiir manche Geschäfte, die mit zu hohem Unkosfenetat, mit zu eleganter Aufmachung, und basiert auf Luxushcdarf, eröffnet worden sind. Auch sie werden nach menschlichem Ermessen einer schwankenden Konjunktur nicht standhalten können; aber diese Unternehmungen und diese Existenzen sind unter der deutschen Einwanderung in Haifa eine kleine Minderheit; ihr etwaiger Zusammenbruch würde schlimm für die Bctroffenen, aber völlig gleichgültig für die Gesamtheit sein. Ein immer größerer Teil der deutschen Einwanderer hat wirtschaftlich Fuß gefaßt und auch innerlich Wurzel geschlagen, man merkt das unter anderem daran, wie gut beschäftigt alle Hebräisch-Lehrer sind. Man kann wohl heute schon sagen, daß die deutsche Alijah nach Haifa eine wichtige Funktion erfüllt hat. Eine Biographie David Wolffsohns von Abraham Robinso« ist im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienen. Von den Testamcntsvollstreckcrn Wolffsohns wird, wie man uns mitteilt, ge׳ plant, die Anregung zur Herausgabe einer kurzen Bio* graphic Wolffsohns in hebräischer Sprach« zu geben. Interessenten, die sich einer solchen Arbeit wich men wollen, werden gebeten, sich bei Dr. Leszynsky, Berlin• Oruncwald, Lyiurstr. 3, zu melden. ך־^ ך״ץ ^־״״f i